Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 44 (3.11.1938)
- Date
- 1938-11-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 C-V.-Zeitung Nr. 4.4** 3. November 1938 daß-'praktisch für Sommer und Winter je 800 Zertifikate zur Verfügung standen. Die Kapitalistenquote' ist unverändert geblieben, obwohl sie im Sommer nur mit annähernd 60 °/o ausgenutzt worden war; immerhin war die Kapitalisteneinwanderung in der Periode April bis . September 1938 annähernd doppelt so groß wie in der vorangegangenen Periode 1937 bis März 1938. Nimmt man an, daß diesmal alle Quoten voll ausgenutzt werden, und daß sich in den unbegrenzten Kategorien die Einwanderung etwa im vorjährigen Rahmen hält (d. h., daß etwas mehr als ein Drittel der Arbeitereinwanderung auf junge Ehepaare ohne Kind entfällt, daß jeder Kapitalist im Durchschnitt einen Angehörigen (Frau oder Kind) mitbringt, und daß die Jugendalija eher steigende Tendenz zeigen wird), so kommen wir zu folgenden Einwanderungsmögiichkeiten: 2000 Kapitalisten mit 2000 Angehörigen, '100 Arbeiter mit 400 Angehörigen, 1400 angeforderte Verwandte, etwa 1500 oder mehr Einwanderer der Jugendalija und etwa 500 „Sonstige". Insgesamt hält sich also die Einwanderungsmöglichkeit nach den Berechnungen hiesiger Stellen etwa im Rahmen von knapp 9000 Seelen, doch dürfte dies wohl, als oberste Grenze zu' werten sein. Im Sommerhalbjahr 1938 sind etwa 6—7000 Juden eingewandert, im vorigen Winterhalbjahr knapp 6000 und im Winter 1936/37 etwas mehr als 6000. An sieh besteht also eine Ausdehnungsmöglichkeit. Die Wirtschaft hat bis zu einem gewissen Grade die neue Quote bereits eskomptiert. Aus vielen Wirtschaftszweigen werden Belebungszeichen gemeldet, wozu nicht nur die, erhöhte Nachfrage nach jüdischen Arbeitskräften in der Landwirtschaft und insbesondere bei der Orangenernte, sondern auch die mit der Verteidigung und dem erhöhten Heeresbedarf zusammenhängenden Arbeiten und schließlich die langsame Beruhigung der allgemeinen Lage beigetragen haben. Auch an der Börse, die in gewissem Sinne als Symptom für die neu zu investierenden Kapitalimporte dienen kann, hat sich der Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage nicht nur wieder hergestellt, sondern es sind auch Kurssteigerungen zu verzeichnen, so namentlich :rfür die Vorzugsaktien der NIR, die nach den Beschlüssen der letzten Generalversammlung in den Genuß einer „Rückkaufs-Chance" getreten sind. Die Einwanderung der letzten Wochen ist zum großen Teil in Tel-Aviv gelandet und zunächst dort „sitzen geblieben"; sie hat dadurch eine stärkere Nachfrage nach Wohnraum hervorgerufen, doch ist anzunehmen, daß sie sich mit fortschreitender Ueberwindung des Terrors wieder gleichmäßiger auf das ganze Land verteilen wird. Bei dieser Gelegenheit sei nebenbei erwähnt, daß die Einführung besonde er Ausweiskarten für Ueberiandfahrtcn nicht nur die Säuberung der Straßen von ver-. dächtigen Elementen erleichtern wird, sondern gewisse Ansätze zu einer allgemeinen polizeilichen Meldepflicht enthält. Allgemein wird aber darauf hingewiesen, daß die Beibehaltung der niedrigen Arbeiterquote von 100 Zertifikaten durch die Lage des Arbeitsmarktes nicht gerechtfertigt sei; auf dem Lande kann die Arbeitslosigkeit als gänzlich beseitigt, gelten, und - die Zahl der jüdischen Arbeitslosen in den Städten ist, nach inoffiziellen Schätzungen, in den letzten drei Monaten Von 10 000 auf 3000 gesunken, und auch diese dürften zum mindesten während der Saison größtenteils zu Erntearbeiten verwandt werden. Hier zeigt sich jedenfalls der politische Charakter der neuen Quote. Das jüdisch-arabische Kräfteverhältnis Die wenigen 'arabischen Meinungsäußerungen zur neuen Quote, die bisher vorliegen, betonen ebenfalls — und zwar mit erstaunlicher Mäßigung — diese politische Seite der Sache. Der „Falastin" meint, daß man es vermeiden wollte, auf irgendeiner Seite durch allzugrcße Verbitterung eine etwaige jüdisch-arabische Verständigungsmöglichkeit zu verschütten. Deshalb habe man den Juden eine gewisse Quote gegeben, aber den Arabern, durch Bemessung dieser Quote, die Furcht genommen, daß die Juden jemals die Mehrheit erlangen könnten. Zum Verständnis dieser Ausführungen ist an zwei Dinge zu erinnern: im Jahre 1937 hat sich die arabische Bevölkerung, fast ausschließlich durch Geburtenüberschuß, um knapp 24000 auf 928 000 Seelen, also um etwa 2i/2 %, vermehrt. Gleichzeitig vergrößerte sich — nach der amtlichen Zählung — die jüdische Bevölkerung um 16 3U0 auf 396 000 Seelen, also um etwa 4%. Wenn demnach also auch das prozentuale Wachstum der jüdischen Bevölkerung, bei dem Geburtenüberschuß und Wanderungsüberschuß zusammenwirkten, schneller war, als das der arabischen, so hatte sich doch a b s o 1 u^t das zahlenmäßige Uebergewicht der arabischen Bevölkerung weiter vergrößert. Allerdings setzt die amtliche Statistik den Wanderungsüberschuß sehr niedrig ein (für das letzte Jahr 4500 gegenüber einem Geburtenüberschuß von fast 12 000). Aber selbst bei voller Ausnutzung der vergrößerten EinwanderungsmögKchkeiten würde sich im wesentlichen nur ergeben, daß die aus beiden Quellen gespeiste Gesamtzunahme der jüdischen Bevölkerung die Waage hält, so daß sich also der zahlenmäßige Abstand zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen weder vergrößern noch verkleinern würde. WirkMügen der Militäraktion In Palästina ist es ruhiger geworden. Zwar kann von einem allgemeinen Nachlassen der Terrortätigkeit noch keineswegs gesprochen werden; doch scheint es, als ob die Jerusalemer Miiitäraktion nicht nur an Ort und Stelle, sondern als absehreckendes Beispiel auch im Lande verstanden worden ist. In der Nacht vom 24. zum 25. Oktober konnten die meisten Truppen aus der Altstadt zurückgezogen werden, nachdem sie sie sechs Tage hindurch besetzt gehalten hatten. Sie wurden durch britische Polizei ersetzt. Aus der Omar-Moschee sind die Araber geflohen. Als hohe britische Offiziere den Bezirk inspizierten, fanden sie zahlreiche leere Patronenhülsen, woraus hervorging, daß auch von den heiligen mohammedanischen Stätten aus auf die Truppen gefeuert worden war. Am 25. Oktober wurde in dem ausgedehnten Gebiet zwischen Haifa, Akko, Safed und Tiberias eine größere militärische Durchsuehungs- und Reinigungsaktion vorgenommen. Fünf Araber fanden dabei den Tod, und eine Anzahl' von Beduinenhütten, deren Bewohner im Verdacht standen, an Schießereien beteiligt gewesen zu sein, wurden zerstört. Vom gleichen Tage sind folgende weitere Verluste mitzuteilen: In dem Abu-Bekir- Viertel von Jerusalem wrurde Mordechai Saphir von einer Orangenplantage aus angeschossen und verwundet. Ein britischer Soldat fiel in der Nähe von Gaza einer Landminenexplosion zum Opfer, und ein Araber wurde in Ludd getötet. Am folgenden Tage wuTde die große Militäraktion weiter fortgesetzt, wobei wiederum fünf Araber getötet und eine Anzahl Gewehre und Munition erbeutet wurden. Bei einem UeberfaU auf eine Gruppe jemenitischer Arbeiter wurde der i25jährige Israel Tarn, der Sekretär der Jemeniter Siedlung Tirat Schalom, getötet. Bei der Abwehr des Angriffes wurde ein Araber tödlich verwundet. Zum erstenmal seit dem Ausbruch der gegenwärtigen Unruhen wurde die landwirtschaftliche Schule Mikwe Israel angegriffen. Der Angriff wurde von den jüdischen Hilfspolizisten zurückgeschlagen, dabei erlitt der 17jährige Schüler Dow Schefer so schwere Verletzungen, daß er kurz darauf starb. Der Arbeiter Jakob Katloffsky (24 Jahre) wurde schwer verwundet. Alisa Feingersh (18 Jahre alt), die vor einigen Tagen bei Kirjat Schmuel verwundet worden war, starb. In einer Pflanzung bei Beer Tuvia wurden etwa tausend Orangenbäume ausgerissen. In'Ramat Rachel wurde von Terroristen die Wache überwältigt und 17 Kühe fortgetrieben. Am 27. Oktober fuhr bei Kf ar Sirkin ein Lastwagen auf eine Landmine auf, dabei wurden drei Soldaten schwer verwundet, und der jüdische Hilfspolizist Willi Nachel (26 Jahre) getötet. Bei der Abwehr und den Vergeltungsmaßnahmen im benachbarten arabischen Dorf wurden zwei Araber erschossen und vier Häuser von Truppen demoliert. Durch eine zufällige Explosion wurde der jüdische Hilfspolizist Benzion Grades in der Nähe von Kfar Saba getötet. Die Regierungsschule in Asdud wurde von Arabern geplündert. Geld und Ausrüstungsgegenstände wurden geraubt. Die Kadoorie- Ackerbauschule auf dem Berge T a b o r mußte wegen der Sicherheitsverhältnisse für ein Jahr geschlossen werden. Der jüdische Bürgermeister von Tiberias, Zaki El H a d e f f, wurde von Terroristen durch Schüsse so schwer verwundet, daß er zwei Tage später seinen Verletzungen erlag. Das Attentat wurde verübt, als er zur Mittagszeit das Verwaltungsgebäude in Tiberias verließ. Den Angreifern gelang es zu entkommen. Ueber Tiberias wurde sofort ein Ausgehverbot verhängt. El Hadeff war 43 Jahre alt. Er war gebürtiger Palästinenser und gehörte einer sephardischen Familie an. Sein Vater war Oberrabbiner der Türkei. Der Ermordete hatte das Bürgermeisteramt in Tiberias elf Jahre lang inne. Er hinterläßt eine Witwe und drei Kinder. Während der Beisetzungsfeierlichkeiten, die am 30. Oktober stattfanden, ruhte in der ganzen Stadt die Arbeit. Vertreter der Regierung und des Militärs sowie Abgesandte der Jewish Agency und anderer jüdischer Organisationen nahmen ai» der Beerdigung teil. In seiner Trauerrede sagte der Bürgermeister von Tel-Aviv, Israel Rokach, daß der Verstorbene eine Brücke der j".:disch-arabischen Verständigung gewesen sei. Am 28. Oktober wurde in der Nähe von Neß Ziona der 30jährige Selig Gamer während einer Motorradtour überfallen und getötet. Am 29. Oktober wurde Gaza von britischen Truppen besetzt. Militär umzingelte ferner ein Araberdorf bei Megiddo und verhaftete 60 Personen. Ein Terrorist, der einen Fluchtversuch machte, wurde erschossen. Nordöstlich von Chedera wurden 50 Dunam mit Eukalyptusbäumen bepflanztes Land niedergebrannt. Bei der Plünderung des Dorfes Arraba durch Araber, wurden der Muktar und drei prominente Araber getötet. Am 30. Oktober wurde der 39jährige Chauffeur Mosche Koppelin der Umgebung von Tel-Aviv ermordet aufgefunden. Eine arabische Bande drang in die arabische Bank in Hebron ein und raubte 500 Pfund. Die gleiche Bande setzte dann die Radiostation in Hebron in Brand. Das in Bau befindliche Regierungshospital im Süden von Jerusalem wurde gleichfalls von Arabern in Brand gesetzt, ebenso ein großer Bauhof in der Nähe des Jaffaer Hafens. Der Verlust dieser letzten Brandstiftung allein wird auf fast 20 000 Pfund geschätzt. Als Auftakt zu einer Reinigungsaktion von Jaffa, die in ähnlicher Weise wie die in der Jerusalemer Altstadt durchgeführt werden soll, begann am 31. Oktober dort eine militärische Besetzung und Durchsuchung. Der 25 jährige jüdische Hilfspolizist Zwi Diamant, der am 10. September bei Masmi a schwer verwundet .worden war, ist in Tel-Aviv an seiner Verwundung gestorben. Nachrichten vom Tage Innerhalb einer Debatte über die internationalen Beziehungen Syriens zu den Nachbarländern, die in Genf vor der Mandatskommission des Völkerbundes stattfand, wurde auch die Tätigkeit des bekanntlich von Palästina nach Syrien geflohenen Exmufti ausführlich erörtert. Einige Mitglieder der Kommission wiesen auf die Unterstützung des innerpalästinensischen Terrors durch den Mufti hin und erklärten es als die Pflicht Frankreichs, dafür zu sorgen, daß Syrien nicht als Basis für terroristische Tätigkeit in Palästina mißbraucht werde. Der französische Vertreter-Robert de Caix erklärte, daß Frankreich alles tue, um einer Vermehrung der palästinensischen Schwierigkeiten durch den Mufti Einhalt zu gebieten. Die französische Regierung werde eine Verletzung des Asylrechts durch ein verbrecherisches Vorgehen gegen die Obrigkeit eines Nachbarlandes nicht dulden. * In London fand eine Sitzung des K e r e n Kajemeth von Großbritannien und Irland statt. In einer Resolution wurde der Zustimmung zur Politik der Jewish Agency Ausdruck gegeben. Professor Selig Brodetsky warnte in einer Ansprache vor Defaitismus unter Hinweis darauf, daß jede Lösung in der Palästina-Politik von der Zustimmung der Juden in Palästina selbst abhängig sei. Sie seien stark und verwurzelt genug, um zu verhindern, daß dem Lande eine Zukunft auferlegt wird, die sie sich anzunehmen weigern. In einer Botschaft an die Sitzung ermahnt auch Chaim Weizmann, sich geschlossen hinter die Juden Palästinas zu stellen, d. h. hinter diejenigen, die in der ersten Reihe kämpfen. Das gesamte Werk hänge schließlich weniger von politischen Erfolgen oder Fehlschlägen ab als von den konkreten Errungenschaften, von den Siedlungen, den Hausern, den Bäumen und den Feldern unter dem Pflug. Die wesentlichsten Voraussetzungen seien Menschen und Land. Je weiter man in bezug auf diese beiden Forderungen fortschreite, um so leichter werde es sein, Frieden und Sicherheit aufrechtzuerhalten und das zu verteidigen, was bereits erreicht worden sei. Arabischer Verkelirsstreik Die Araber haben auf die für den 1. November (vgl. Palästina-Umschau der C.-V.-Zeitung Nr. 43 vom 27. Oktober) angeordnete militärische Kontrolle und amtliche Kennzeichnung aller Verkehrsteilnehmer mit einem Verkehrsstreik reagiert. Sämtliche arabischen Verkehrsmittel zwischen den Ortschaften sind stillgelegt worden. Streikbrecher werden mit dem Tode bedroht. Die Streikdauer ist zunächst auf drei Tage berechnet, soll aber unter Umständen verlängert werden. Arbeit der Archäologen In der Roseh-Kaschanah-Nummer des H a3 a r e z gibt der Archäologe B. Meister einen ausführlichen Ueberblick über den Stand der Ausgrabungen und der archäologischen Forschung in Palästina. Vor etwa 50 Jahren hat Sir Flinders auf einem der Hügel der Schefelah, der Küstenebene, mit wissenschaftlichen Ausgrabungen begonnen, und seit etwa 15 Jahren ist das Land eines der wichtig-; sten Zentren archäologischer Forschung. | Kurz nach dem Weltkrieg begannen die » Amerikaner in dem alten Beth-Schean zu f graben und fanden wichtige Reste aus j alten Epochen, besonders aus der Zeit der \ ägyptischen Herrschaft, dem 16. bis 12. { vorchristlichen Jahrhunderts. In allen , Teilen des Landes wurde nun systemaj tisch geforscht, und in vielen Hügeln die Reste alter Städte entdeckt. Neues Licht ' fällt auf die Kultur Palästinas in_ frühj historischer und biblischer Zeit. In Höhlen, j in welchen sich die Menschen der Stein- 1 zeit aufhielten, wurde systematisch gegra-; ben, und die Forscher machten in ganz Palästina viele wichtige Entdeckungen, ■ auch aus den späteren Epochen bis zur Römerherrschaft "and bis zur Herrschaft von Byzanz. 1 Nach dem Kriege wuchs das Interesse an den Ausgrabungen. Die Regierung gründete die „Abteilung für Altertümer", deren Aufgabe Schutz und Sammlung der Funde im Regierungsmuseum ist, sowie die Schaffung eines Gesetzes über die Altertümer und die Aufsicht über historische Stätten. Außer den beiden Institutionen der „Hebräischen Gesellschaft zur Erforschung Palästinas" und der „Archäologischen Abteilung der Hebräischen Universität" waren wenige Juden an den Ausgrabungen beteiligt: nur Baron Edmond de Rothschild ließ in „Ofel" und in „Ka'i" graben. Die beiden Institutionen befaßten sich in der Hauptsache mit jüdischen Altertümern und legten einige Synagogen aus talmudischer Zeit, jüdische Gräber in der Umgebung Jerusalems und im Galil, sowie die „dritte Mauer" des alten Jerusalem frei. Die Ergebnisse ihrer Forschungen sind vielseitig; sie fanden Reste von Städten mit Straßen, Markten und Gebäuden, Befestigungen, Tempeln und Palästen, Geräte 'und Luxusgegenstände, Dokumente und „Geschriebenes" — Gegenstände aller Art. Das Bild der Juden und ihrer materiellen Kultur zur Zeit der Eroberung des Landes, der Richter- und der Königszeit bis zu den Römern, zur misclinischen und talmudischen Epoche wird deutlicher. In den Jahren 1935 und 1936 erlebte man den Höhepunkt der Ausgrabungen. An etwa 20 Orten Palästinas zu beiden Seiten des Jordans wurden Ausgrabungen veranstaltet, die selbst während der Unruhen nicht aufhörten. In Megiddo arbeitete die amerikanische Gesellschaft des Orient-Institutes der Universität Chicago. Sie entdeckte Reste eines kanaanäischen Palastes aus der Aegypterherrschaft kurz vor der jüdischen Eroberung und prächtige goldene und elfenbeinerne Schmuckstücke aus dem 13. bis 12. Jahrhundert. In Lachisch gruben Engländer, in Jericho und an vielen anderen Orten wurden wichtige Bauten freigelegt. Die verstärkten Unruhen hinderten die Ausgrabungen. Durch die Ermordung des großen englischen Forschers G. L. Starkey, der in Lachisch arbeitete, verlor die Archäologie einen ihrer Ausgezeichnetsten. Trotzdem wurde weiter gearbeitet. Professor Nelson Gliek fand die berühmte biblische Hafenstadt Ezion Gewer auf, wo er die interessantesten und bedeutsamsten Feststellungen machen konnte. Das Universitätsinstitut grub unter Leitung von Professor Sukenik nördlich von Tel-Aviv und fand alte Befestigungswerke, die wohl die Jarkonmündung vor Eroberern und Seeräubern schützen sollten. Sie scheinen aus dem Beginn der jüdischen Königs zeit zu stammen und sind zur Zeit der Perserherrschaft (5. bis 4. Jahrhundert) erneuert worden. Die Ausgrabungen von Beth Schearim (Seheich Abrejk) unter Leitung von M e i s 1 e r waren besonders umfangreich: man legte zuerst ein großes Gräberfeld frei, das 16 weite Hallen mit 50 Grabkammern, und 400 Gräbern umschließt. Weitere Gräber wurden noch im Laufe der Ausgrabungen gefunden, und man darf sagen, daß sich hier eine der größten jüdischen Grabstätten Palästinas aus mischnischer und talmudischer Zeit befindet. Es ist zweifellos die alte Grabstätte von Beth Schearim, die im Talmud als bedeutender Begräbnisplatz nahe dem Grabe von Rabbi Jehuda Hanassi und den Mitgliedern der Familie der Nessiim bekannt ist. A.