Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 43 (27.10.1938)
- Date
- 1938-10-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-2278191-2278231--13282-2292180- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mr. 43 * T^Beilage CYleihing 27. Oktober 1938 * Seite 3 Robert Ludwig Mond Der Sahn Ludwig Monds, der Bruder Sir Alfred Monds (Lord Melchett), starb am 22. Oktober in Paris, das zu seiner Wahlhgjjyat erpworden war. Sir "Robert wurde am m. Zeremonie bei der Ernennung zum Kommandeur der Ehrenlegion in Paris Fot. Associated Press 9. September 1867 in Farmouth (Laneashire) geboren. Seine wissenschaftliche Ausbildung erhielt er in Cambridge, Zürich, Edinburgh und Glasgow. Sein Haupttätigkeitsfeld war die Chemie. Auf diesem Feld arbeitete er mit seinem Vater bis zu dessen Tod eng zusammen. Daneben standen eine umfassende Tätigkeit und ein reiches Wissen auf archäologischem Gebiet. Als Mäzen hat er zahlreiche Expeditionen unterstützt. So sind die Funde von Lachisch und die Entdeckung zahlreicher hebräischer Schrifttafeln, unter ihnen die sogenannte Sinaitafel, auf ihn zurückzuführen. Nach dreißigjähriger Arbeit legte er die Ergebnisse seiner archäologischen Forschertätigkeit der Öffentlichkeit vor und wurde hierfür im Jahre 1932 von zahlreichen wissenschaftlichen Gesellschaften Belgiens, Englands und Frankreichs ausgezeichnet. Im März dieses Jahres wurde er durch ein Fellowship der Royal Society in London geehrt. Er war Ehrendoktor der Universitäten von Liverpool und Toronto, um nur einige der zahlreichen Ehrungen zu nennen, die ihm zuteil wurden. Von seinen Stiftungen nennen wir eine Million Francs für das Chemische Institut in Paris, dessen Präsident er war; eine Kuppel und vier Fernrohre für das Norman Lockyer Observatorium in Sidmouth und — als Kuriosität — 900 Miniatursoldaten, von denen jeder ein napoleonisches Regiment darstellte, für das United Services Institut, die er in 35 Jahren gesammelt hatte. Innerhalb der jüdischen Hilfsorganisationen wirkte er an zahlreichen Stellen in England, Frankreich und den Vereinigten Staaten. Seine Beisetzung fand am Mittwoch auf dem Pere Lachaise in Paris statt. Charakteristisch für den Menschen Mond ist es, daß bekanntgegeben wurde, Blumenspenden möchten an das Kinderhospital Vincent Square, Westminster, geschickt werden, dessen Gründer und Schatzmeister er gewesen ist. - 34 jüdische Makler und Agenten betroffen worden, von denen 11 in Turin, 9 in Mailand, 7 in Rom, je 3 in Florenz und Genua und 1 in Neapel tätig waren. An den Börsen von Bologna, Triest und Venedig waren keine Juden. — Zu dem Verbot des Besuches italienischer oder ausländischer Juden an den Hochschulen des Landes sind Ausiührungsbestimmungen erschienen, in denen u. a. bestimmt wird, daß ausländische Juden, die bereits im vergangenen Jahr immatrikuliert waren, ihr Studium bis zum Doktorexamen fortsetzen können. Diese Regelung gilt auch für die Angehörigen solcher jüdischen Familien Italiens, die von den Judengesetzen Argentinische Emwandertmgs - Probleme K.J.R. Buenos Aires, 20. Oktober Das argentinische Blatt „La Prensa" veröffentlicht an leitender Stelle einen Aufsatz, der zu den Fragen der argentinischen Einwanderungspolitik Stellung nimmt. Die Versuche, die Einwanderung zu reglementieren und unter den Einwanderungskandidaten eine Auswahl zu treffen, dürften nicht dazu führen, in größerem Maßstab Siedlungen von Einwanderern der gleichen Nationalität zu schaffen. Die Zeitung verweist auf das Beispiel Brasiliens, wo soeben erst die Begründung von Ansiedlungen verboten worden ist, deren Bewohner überwiegend einer bestimmten fremden Nationalität angehören. Beachte man dies nicht, so würde die Einordnung der Einwanderer sehr erschwert. Jeder Ausländer neige dazu, sich an seine ehemaligen Mitbürger anzuschließen, mit denen ihn Sprache, Gemeinschaftsgefühl, wirtschaftliche Interessen und Verwandtschaft verbinde. Sowohl im Landesinneren Senate verDinae. öov J. WeissSe? nur Kurfürstendamm 29 wie in Buenos Aires bildeten die Aus-, länder unter sieh abgeschlossene Zirkel. Der Staat dürfe das nicht fördern, vor allem nicht im Landesinneren, wo die Isolierung die Beeinflussung der Menschen durch die argentinische Umwelt verhindere. Die eigene Schule, der Gottesdienst, die Zeitschrift in der eigenen Sprache seien Hindernisse für die Nationali-sierung der Fremden. Der Staat brauche nicht nur die sinnvolle wirtschaftliche Betätigung der Einwanderer, sondern auch Menschen, die sich dem Geist des Landes einfügten. In der Stadt sorgten. Schule, . Ida Stewt ■ Elegante Kleider - Mänlel - Hufe Kurfiirstex&daix&m. 206, Nähe UhlandSir. «__-—=- Tel. 91 55 45 nicht betroffen werden (vgl. C.-V.-Zeitung Nr. 41 vom 13. Oktober). Immatrikulationen, die zwischen dem 1. August und 13. September 1938 vorgenommen wurden, werden anulliert, gezahlte Gebühren werden zurückerstattet. Ausgenommen von diesen Sonderbestimmungen sind Juden deutscher Staatsangehörigkeit, die also ihr Studium unter keinen Umständen fortsetzen können. Straße, Zeitung, Zerstreuungen, Fabrik und anderes für den Kontakt mit der Umwelt. In Buenos Aires gehe die Assimilation Tausender von Ausländern sehr schnell vor sich. Im Chaco oder in Patagonien, auf dem Lande gehe der Prozeß wesentlich langsamer vor sich. Es sei unmöglich, daß im Lande geborene Einwandererkinder zum Militärdienst kämen, ohne spanisch zu sprechen. Im argentinischen Camp dürfe die offizielle Siedlungspolitik Asphamsrungen ■EESSW Pflasterxtn gen., Bürgersteige -,, Telephon: 92 47 56 keine europäischen Dörfer gründen, wie dies gegenwärtig geschehe. Die Regierung trage hier eine große Verantwortung. * In Argentinien wurde ein Gesetz angenommen, das allen Arbeitgebern in Handel und Verwaltung verbietet, in die Arbeitsverträge in irgendeiner Form eine Klausel aufzunehmen, durch welche Frauen bei ihrer Verheiratung ihren Arbeitsplatz verlieren. Italien Die Regierung hat die Behörden in den Provinzen telegraphisch davon verstandigt, daß mit sofortiger Wirkung ein Schächtverbot ausgesprochen wird. — Das Staatsdepartement in Washington teilt mit, . daß der Fall jedes einzelnen amerikanischen Juden, der von der neuen Gesetzgebung betroffen wird, von den italienischen Behörden individuell geprüft werden würde. — Vom Ausschluß von den Börsen sind insgesamt nach Meldungen der „Tribuna" Jüdischer Central-Verein Landesverband Groß-Berlin Der für den 7. November angesetzte Vortrag „Geistige Auswanderungsvorberatung" wird verlegt. Der neue Termin wird in der C.-V.-Zeitung rechtzeitig bekanntgegeben. * Das Jüdische Lehrhaus, Berlin, teilt mit, daß die Sprachkurse bis auf weiteres ausfallen. Der Wiederbeginn wird rechtzeitig bekanntgegeben werden. Bildnis eines Dichters Salm an Sclmeiirs Sturm- und Brangjahre Man kennt hier Salman Schneur nur als den Verfasser des Romans „Noah Pandre" und damit kennt man das Wenigste von ihm; selbst dies saftige vollblütige Buch ist völlig erst zu würdigen, wenn man weiß, welcher Welt es entstammt. Ueberdies erweckt der Autor, der jetzt nach langen Jahren der Zurückhaltung sich auch wieder dem öffentlichen Wirken für die jüdische Kultur zugewendet hat, noch ein besonderes persönliches Interesse. Salman Schneur, 1887 zu Szklow im Gouvernement Mohilew geboren, entstammt einer der chassidischen Dynastien; die Familie seines Vaters führt ihren Adel auf den Lubawitscher Rabbi zurück, und die Mutter des Dichters, in ihrer Jugend eine berühmt schöne und tüchtige Frau, ist aus gleich vornehmem Hause. Der Vater handelte mit Antiquitäten Ulrich Weinberg & Ca. KS Großhandlung in Pack-, Seidenpapjeren usw. Gründungsjahr 1903 17 03 45 und Edelsteinen, und obwohl er den größeren Teil des Jahres in Moskau und Warschau war, so machten doch die Farben der Edelsteine und Brokate, das alte ziselierte Silber, die Bronzen und alten Münzen aus aller Herren Länder den stärksten Eindruck auf den Knaben. Salman Schneurs Hang zu Farben und Formen, die Vorliebe für alles Exotische, die man noch aus seinen hebräischen und jiddischen Schriften herausspürt, ist auf solche Jugenderlebnisse zurückzuführen. Bis zu seinem elften Lebensjahr wurde er lediglich jüdisch erzogen, und zwar so orthodox chassidisch wie nur möglich; erst dann besuchte er außer dem Cheder noch die allgemeine Stadtschule. Sein Vater war ein jüdisch gelehrter Mann, tief ins Studium der kabbalistischen Bücher versponnen, und wenn er zu Hause war, nahm er sich den kleinen Salman vor und „lernte" mit ihm Thora und ein wenig Kabbala und chassidische Wundergeschichten, die in den alten Büchern stehen und die in der Familie überliefert wurden. In den meisten Büchern Briefmarken . Frifs Lewiei Berlin W 35, LOtzowsfrasse 91 A. Schneurs taucht das wieder empor, diese leise mystische Nebenmelodie im Grübeln über das Woher und Wohin des menschlichen Lebens, über das Gute und das Böse, über den Sinn von Leben und Tod. Talent und Lust zum Schreiben waren bei allen seinen Brüdern auffällig, doch nur bei Salman und dem nächstjüngeren Elijahu Schneur, der sechsundzwanzigjährig an der Front, dem Typhus erlag, kam das Talent zum Durchbruch. Dieser Elijahu aber hatte eine eigentümlich humoristische und scharf satirische Begabung. Salman ist von den sieben Kindern, deren jüngstes ein Mädchen war, der vierte Sohn. Seine ersten hebräischen Verse stammen aus seinem neunten Lebensjahr, und wie in allen späteren wechselte er darin regelmäßig die Versform, sobald der Inhalt sich änderte. Er hatte früh zu lesen angefangen, ein sehr empfänglicher Leser, wie jedes große Formtalent. David Frischmanns Klarheit entzückte ihn, der Einfluß HB B SP^k B auch Reparaturen irsch -Petze?itSo46 von Mendele «Moeher Sfarim auf ihn ist unverkennbar, und die romantische Prosa von I. L. P e r e z revolutionierte seine Denkweise von Grund auf. Unter den Druck der altgläubigen Umwelt hatte Schneur in seiner Jugend maßlos gelitten, der Chassidismus, den er lebensmäßig ja nur in der entarteten Form kennen gelernt hatte, empörte ihn vollends, und nun sah er, erlebte er ihn plötzlich ganz neu, ganz rein und schön durch Perez! Füruns mag es schwer sein, seine Erschütterung nachzufühlen, da wir den Chassidismus erst aus zweiter Hand und in seiner idealen Gestalt durch B u b e r und durch die chassidischen Geschichten von Perez bewundern gelernt haben; der Ursprung und die ersten, wahrhaft Großen der Bewegung blieben uns westlicheren Juden anderthalb Jahrhunderte lang ebenso fremd und fern, wie ihre Erstarrung und Entartung uns jetzt noch ist, aber eben darin war Salman Schneur zu Hause, in solcher Umgebung wuchs er auf und entzündete sich der Widerstand seines freien und aufstrebenden Gemütes. Er hielt es zu Hause nicht aus. Die Unduldsamkeit und der krasse Aberglauben waren ihm unerträglich. Dazu kam die Qewissensnötigung durch einen älteren Bruder, der ihn ständig tyrannisierte. Eines Tages brannte Salman Schneur durch. Er war dreizehn Jahre alt, als er das Elternhaus verließ, und hatte keinen Pfennig in der Tasche, Er Altpapier — Adolf Naffaniei Berlin WW 87, Wullenweberstraße 2. Tel.: 39 78 Ö2 hatte nichts zu essen, aber er mußte frei sein. Er hungerte sich nach Odessa durch tmd hatte Glück. Bialik nahm ihn freundlich' auf. Er kam in die Kreise der Odessaer hebräischen Schriftsteller, der Mendale, Dubnow, Lilienblum und Rawnikki. Er begann, als Externer zu studieren, er hungerte, aber er lebte und war frei. Aber da er mit seiner Familie verfeindet war, konnte er sich in Odessa nicht lange halten. Er mußte weiter ziehen. Er kam nach Warschau, es gelang ihm, Fuß zu fassen, er erhielt eine kleine Anstellung im Büro des Verlages Tuschia, Um diese Zeit erschienen seine ersten Arbeiten. Es ist bezeichnend, daß es Kinderlieder waren, hebräische Kinderlieder, die in dem Kinderblatt Olam Katan („Kleine Welt") gedruckt wurden. Ein Jahr danach, 1902, er war nun schon fünfzehn, hielt er es auch in dem Verlag nicht mehr aus. Er wollte frei* ein Mensch sein, und die Herren des Verlages waren drauf und dran, einen Kuli, einen Diener, ein Faktotum aus ihm zu machen. Also verließ er den Posten, wie er das Eltern- Aus unserem Übersee - Prospekt: v. Llebigs Dampf -Waschautomat mit aufsetzbarem Wasserschiff, mit Untersatz für Petroleumfeuerung, Grösse 3 96.50 Grösse 4 114.50 Speziai-Petroleumkocher „Juwel" für Petroleumfeuerung, für:* Grössen 3 und 4..........25.00 « G^fr i&udeucliciit OER GEBECKTE TIS€M» TAL ich cm* tuttexet <S>JKjUlL.kä.LlHCJ ^ÜZ ^TtidlwlscLe etM jftffße <zd-tiAwaLl ^cmIihulAvoII yeLecbtet placke ■■ ReicheAuswahl in : kleinen u. grossen : Obersee-Koffern i in verschiedenen > Ausführungen rr A BERUNf C^-*;S?ANOAÜ£2 STRASSE- «OttlGSI8AS5£^^GEGRQ.MDET 1815 Lj