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Central-Verein-Zeitung · 1938-10-20 · 42 (20.10.1938) · page 16

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
42 (20.10.1938)
Date
1938-10-20
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 16 C.-V.-Zeitung Nr. 42 * 20. Oktober 1938 scheinlich zu pessimistischen Schätzung der Regierung — rund 10 °/o der arbeitenden--'Jüdischen Bevölkerung, d.h. sie erreichte nur den gleichen Prozentsatz, den man beispielsweise in England selbst für Zeiten guter Konjunktur als unvermeidliche strukturelle Arbeitslosigkeit ansieht. In entwickelten Ländern wie Belgien, Australien, Canada, USA. und Dänemark betrug die Arbeitslosigkeit in Krisenperioden 20—30 o/o der arbeitenden Bevölkerung. Die Lösung dieses Rätsels liegt natürlich in der bekannten Grundtatsache der palästinensischen Wirtschaft, nämlich der Tatsache, daß noch immer die Tendenzen des Aufbaus und des Wachstums die Schwankungen der Konjunktur weitgehend überdecken. Noch immer setzt sich die Entwicklung der Industrie fort — neue Werke werden gegründet, im Vorjahr gegründete beginnen zu produzieren, noch immer werden neue Siedlungspunkte geschaffen und neuer Boden urbar gemacht. Die Widerstandskraft ctsr Agrarproduktion und des Baumarktes. Man hat sich im letzten Jahre daran gewöhnt, den starken Rückgang der Bautätigkeit in erster Linie für die starke Zunahme der Arbeitslosigkeit verantwortlich zu machen. Ueber dieser an sich richtigen Feststellung aber vergaß man eine andere, ebenso richtige: Verglichen mit anderen Ländern ist in Palästina die Bautätigkeit noch immer sehr groß und eben deshalb die Arbeitslosigkeit relativ geringer. Es wurde schon einmal darauf hingewiesen, daß die amtliche Baustatistik nur die neu bewilligte Bauflache in den vier größten Städten, aber nicht den In- N dustrie- und Wohnungsbau in Landstädten und Dörfern umfaßt. Aber obwohl demnach clie amtliche Statistik ein etwas zu ungünstiges Bild bietet, läßt sie doch erkennen, daß der jüdische Zuwachs an Wohnraum pro Kopf der Bevölkerung in Palästina noch immer zweieinhalbmal so groß war wie in Schweden, knapp fünfmal so groß wie in USA., sechsmal so groß wie in Argentinien und sechzehnmal so groß wie in Japan! Die Bauplanungen haben um die Jahresmitte, namentlich in Tel-Aviv, einen neuen Tiefstand erreicht. Seitdem aber sind Konsolidierungszeichen zu erkennen, und die starke Zunahme der Einwanderung in den letzten Wochen hat bereits zu einem fühlbaren Tendenzumsehwung auf dem Wohnungsmarkt geführt. Jedenfalls beschäftigt der Baumarkt in Palästina noch heute einen größeren Anteil der arbeitenden Bevölkerung als . in anderen Ländern. Ein weiterer wichtiger Entlastungsfaktor aber ist es, daß der geschilderte Konsumrückgang vorwiegend auf Kosten des Importes erfolgt ist, daß aber die heimische Agrarproduktion ihren Absatz, wenn auch zu vielfach sehr gedrückten Preisen, weiter ausdehnen konnte. So erzielte z. B. die Tenuva, die größte Vertriebs- und Veredelungsorganisation für jüdische Agrarprodukte im ersten Halbjahr 1938 einen Umsatz von £P 273 000, das sind nur knapp 5 °/o weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zieht man die Preisrückgänge in Betracht, so ergibt sich, daß der Umsatz mengenmäßig sogar noch gestiegen ist. Im Gegensatz zu dem stark verminderten Gesamtverbrauch an heimischen und importierten Eiern und Milchprodukten ist die jüdische Eierproduktion im ersten Halbjahr um rund 20 °/o auf 25 Millionen Stück gestiegen und die Milchproduktion mit ITV-i Millionen Liter unverändert geblieben. Der Gemüsebau zeigt indes in manchen Produkten einen Rückgang; er war nach den Erfahrungen des ersten Unruhejahres 1936 im folgenden Jahre besonders stark ausgedehnt worden, aber gerade in diesem relativruhigen Jahre 1937 kam wieder viel arabisches und ausländisches Gemüse auf den Markt. So wurden 1938 manche der jungen Versuchspflanzunpen auf andere Produkte umgestellt, obwohl gerade jetzt wieder die Nachfrage nach jüdischem Gemüse, soweit es die Mas..c '-.aufkraft erlaubt, recht lebhaft ist. Im Obstbau dagegen sind sehr erhebliche Fortschritte erzielt worden. Zusammenfassend also läßt sich die Verfassung am Arbcltsmarkt ' auch damit erklären, daß trotz der verminderten Massenkaufkraft auf dem Gebiete der Agrarproduktion und ihres Vertriebes nicht nur keine Arbeitsplätze verloren gegangen, sondern sogar ständig neue Arbeitsplätze geschaffen worden sind. Siedlungsbilanz eines Jahres Von unserem ^-Palästina-Berichterstatter Tel-Aviv, Anfang Oktober Das Tempo der landwirtschaftlichen Neukolonisation hat sich in den letzten Jahren eher gesteigert. Nach dem allgemeinen Zensus gab ' es zu Beginn des Vorjahres 203 jüdische landwirtschaftliche Siedlungspunkte, d. h. Dörfer und Landstädte, deren Bewohner ganz oder überwiegend von der Landwirtschaft lebten. Bis heute hat sich die Zahl auf etwa 230 vermehrt. Rund die Hälfte dieser Punkte ist 1931 oder später gegründet worden. Die Entwicklung dieser jüngeren Neukolonisation zeigt die folgende Tabelle: Gründungsjahr Siedlungspunkte Einwohner Dunam 1931-1934 66 12150 92 200 1935 7 1005 9400 1936 8 816 9 900 1937 15 1019 33 510 1938 10 ca. 700 ca. 10 000 Das Jahr 1935 z. B., das den Höhepunkt, freilich auch die Wende der Konjunktur brachte, zeichnet sich keineswegs durch eine besonders umfangreiche Neusiedlung aus. Vielmehr ging ein großer Teil der neuen Einwanderer in die Städte oder die unmittelbar vorher gegründeten landwirtschaftlichen Punkte, die erst damals ihren endgültigen Ausbau fanden. Auch heute vollzieht sich ein großer Teil der Neusiedlung in der Form, daß die bestehenden Orte neue Siedler aufnehmen, ihren Betrieb intensivieren und daß sich auf dem Boden älterer größerer Kolonien neue Randsiedlungen bilden. Die Einwohnerzahlen in der Tabelle dürften durchweg schon überholt sein. Aber auch die eigentliche Gründungstätigkeit war, wie die obigen Angaben zeigen, gerade in den letzten Jahren besonders rege, und die Zunahme der Bodenkäufe zeigt, daß auch für eine Fortsetzung dieses Aufbaus alle Vorkehrungen getroffen worden sind. Für eine planvolle und organisierte Siedlungspolitik sind die Verhältnisse in gewissem Sinne sogar günstiger als vor vier Jahren, da nicht nur ein wesentlich größeres Erfahrungsmaterial vorliegt, sondern vor allem Störungen durch Bodenspekulation oder Ausbrüche des Prosperity-Fiebers im Augenblick nicht zu erwarten sind. Auch die chaluzischen Neusiedlungen der letzten Monate, deren Auf _:be zunächst in einer mehr politisch-militärischen Landsicherung und Landnahme bestand, sind sofort darangegangen, ihre Wirtschaft aufzubauen, und viele haben bereits mit der Produktion für den Markt begonnen. Außerdem aber sind -neben diesen Siedlers chichten und Siedlungstypen gerade in letzter Zeit bedeutende Erfolge in der organisierten und rein wirtschaftlich fundierten mittelständischen Ansiedlung erzielt worden, an der namentlich Einwanderer aus Deutschland in hervorragendem Maße beteiligt sind. Diese Siedlungstätigkeit mit ihrem Bedarf an schaffenden Händen, an Geräten und Materialien beeinflußt auch das städtische Gewerbe und den städtis<° en Arbeitsmarkt. Oft ist die Zahl der Hilfsarbeiter und Hilfspolizisten, die in der ersten Zeit, zur Förderung und Sicherung des Aufbaus in einer solchen Siedlung weilen, größer als die Zahl der eigentlichen Siedler. Diese neue Siedlung, die Tatsache, daß immerhin und trotz alledem auch der normale Wirts cha"tsbe trieb aufrechterhalten werden konnte, und schließlich eine Reihe von anderen Errungenschaften wie See- und Flug hafen von Tel-Aviv, die verstärkte Stellung des jüdischen Produkts am jüdischen Markte und der jüdischen Arbeit im jüdischen Pardeß sind auf der Aktivseite der Krisenbilanz zu buchen. Auf der Passivseite stehen zunächst die Terrorverluste an Sachwerten, vernichteten Bäumen und verbrannten Baulichkeiten. Größer aber sind die mittelbaren Schäden, welche die politische Ungewißheit, der jähe Rückgang der Einwanderung und das starke Nachlassen der privaten Bau- und Investitionstätigkeit namentlich in der städtischen Wirtschaft sowieauf dem städtischen Arbeitsmarkt angerichtet haben. In vielen Handelszweigen und Handelsbetrieben haben der ü WOHNUHdiH PENSIONEN Iii ■■■■ iiniiim fyetnüil. mä&l. 2itfom&c> unweit Alexanderplatz in gepfl. Haushalt an Alleinmieter abzugeben. Preis RM 25,—. Zuschriften erbet, unt. R 1885 «n die C.-V.-Zeitung, Berlin W15. —<*hm~ ELEGANTES — f VORÖERSIMMER: * in gepflegtem Haushalt im Westen sofort ♦ od. später zu vermieten. Tel. 25 23 33 ♦ Nähe Bayr. Platz Komfortzimmer Gth. I, an berufstätigen Herrn oder Dame, evtl. mit Pension / Telefon: 26 52 61 Diät - Friedemann bietet Heimersatz. Allerbeste Refer. Bamberger Str. 3, pari., zwischen Wittenbergpl. u. Bayerischer PI. 24 89 IS. rüföeaaizg. v. Praxisräamen sucht zugelassener Kollege (Frauenarzt) evtl. 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Telefon: 36 63 32 Ich besitze das Herstellung- und Vertrieb: recht eines in fast allen Staaten der Welt patentierten, techn. zeitgemäßen Artikels, der bereits mit großem Erfolg Absatz findet. Znr Ausdehnung snche ich einen Kapiiasicreüfgagi soüd. Kauiinaon. der über größeres Kapital verfügt. Zu-, Schriften nur von Selbstgebern mit gleichzeitigem Kapitalnachweis unter U 8476 aa C-V-Zeitung, Berlin W 15 Rückgang der allgemeinen Kaufkraft und die allgemeine Scheu vor Dispositionen auf lange Sicht zu ernsten Schwierigkeiten geführt, die ihrerseits weiterhin zurückwirken auf manche freien Berufe und namentlich auch auf manche Zweige der jungen Industrie, namentlich die vom Baugewerbe abhängigen Unternehmungen. Und gerade soweit die einzelnen Existenzen oder die einzelnen Betriebe noch nicht voll konsolidiert waren oder das Stadium des Experiments noch nicht ganz überwunden hatten, mußten sich erhebliche Störungen ergeben. Auch in der ZitrusWirtschaft sind die dringend notwendigen Reformbestimmungen noch nicht zum Abschluß gelangt, doch ist gerade hier durch die besseren Ergebnisse der vergangenen Saison eine gewisse Entlastung eingetreten. So empfindlich sich aber die relativ hohe Zahl der Arbeitslosen und der gefährdeten selbständigen Existenzen auch auswirkt, so muß doch bei nüchterner Betrachtung festgestellt werden, daß die Arbeitslosigkeit selbst auf ihrem höchsten Stand nicht den Prozentsatz erreicht hat wie in manchen europäischen und amerikanischen Ländern während der großen Weltwirtschaftskrise. In letzter Zeit scheint sich überdies, wenn auch auf stark gedrücktem Niveau, eine gewisse Tendenz zur Konsolidierung durchzusetzen, und die Aussichten für die nahe bevorstehende Orangensaison, die erfahrungsgemäß den Arbeitsmarkt stark entlastet, werden als günstig angesehen. Das wirtschaftliehe und gesellschaftliche Gefüge des jüdischen Palästina bewährt seine so oft gerühmte Elastizität auch in diesen Zeiten schwerster Prüfung. Der Besucher muß sich schon erhebliche Mühe geben, um in den Städten und Dörfern äußerlich sichtbare Zeichen der Krise zu entdecken, wie sie in so manchen anderen Ländern 1929 bis 1931 nur allzu deutlich auch im Straßenbild zu erkennen waren. Objektiv ist festzustellen, daß, trotz des Rückganges auf manchen Gebieten, der Wirtschaftsapparat als Ganzes intakt geblieben ist. Subjektiv ergibt sich daraus, daß immerhin das Gros der Bevölkerung, auch der neuen Einwanderer, weiterhin in Arbeit und Verdienst steht, wenn auch mancher, der es vorher nicht glauben wollte, nachdrücklich an die Enge der hiesigen Verhältnisse und den Zwang zu r bescheidener Bemessung seiner Ansprüche erinnert worden ist. Ünd die Tatsache, daß trotz allem die Gründungs- und Aufbautätigkeit in Handel, Industrie und Landwirtschaft nicht zum Stillstand gekommen ist, hat neben ihrer praktischen auch eine erhebliche psychologische Bedeutung. Und dieser immaterielle Faktor der Bilanz darf gerade bei Beurteilung der Palästina-Wirtschaft nicht unterschätzt werden. Der Schreiber dieser Zeilen erinnert sich noch gut einer unlängst geführten Unterhaltung, in der ein Bankier, ein Mann der. Wirklichkeit, sein Urteil über die Konjunktur- und Entwicklungsaussichten in den Worten zusammenfaßte: Nezach JisraeL lo jeschaker, in freier Uebersetzung: Der ewige Stern Israels trügt nicht. BiUe> a^ßdw&idett! Sie* fkaüekm u, wzmv Sie* ein l*iwm%& swcUefr ade& as^üMeim ko&m* 15 mm hoch, dreispaltig RM 9.— 15 mm hoch, zweispaltig RM 6.— 20 mm hoch, zweispaltig RM 8.— 10 mm hoch, zweispaltig RM 4.— 25 mm hoch, zweispaltig RM 10.— —■ ■ h»4tan«n»««*'d4Ad»li*4«»«i.«««Ba »_==^^= 20 mm hoch, dreispaltig RM 12.— Die C.-V.-Zeitung ist vermöge ihrer außerordentlich großen Auflage der erfolgreiche Vermittler Beachten Sie bitte die mäßigen Anzeigenpre Ersisielllge HypotheR SsK Kreise Schlawe (Pom.1. i. Größe v. 100 Morgen, neue Gebäude. Einheitswert 31,100 RM, die Hynolhek beträgt 10400 RM. und wird für 6- 00 RM. angeboten. Zinssatz 4% mit */2 0 0 Amor'cis tion Maklerfirma M. Litten, Inhaber Lonis Caspari in Schlawe in Pom. Bei uiirtschaiii. soroeü Liquidationen, Auflösungen, Umstellungen auch bei Gtundbesitzi wenden Sie sich an erfahrenen Fachmann. Angebote unter N. 8426, C.-V.-Zeitung, Berlin W 15. Wer hilft selbst. Kaufmann in Frankfurt a. M , 63 J , mit 3S jähr. 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