Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 42 (20.10.1938)
- Date
- 1938-10-20
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Palästina-Umschau der €.-¥.-Zeitung: __<S 1938 Zwingende Im Mittelpunkt des Palästinainteresses stehen zur Zeit die Ereignisse in London, wo die Entscheidung über die zukünftige Phase der Palästinapolitik unmittelbar bevorsteht. Der nachstehende Berieht über den äußeren Verlauf der letzten Woche im Lande selbst dient dazu, die Dringlichkeit der Beschlußfassung durch die Tatsachen selbst zu unterstreichen, die eine Entscheidung zwingend nahelegen. 20. Oktober Zwischen jüdischen Hilfspolizisten und arabischen Terroristen kam es in der Nähe von B e i s a n in der Stellung Maoz zu einem Gefecht, bei dem drei Araber erschossen wurden. Verstärkungen vom transjordanischen Grenzkorps und Flugzeugen gelang es schließlich, die Bande in die Flucht zu treiben, wobei weitere acht Araber getötet und drei gefangengenommen wurden. Der englische Hauptmann Seymour E v a n s ist in dem Gefecht gefallen. In Jerusalem entrann eine Gruppe Juden, die von Gebeten an der Kiagemauer zurückkehrte, nur knapp einer großen Gefahr: in der Jaffastraße wurde eine Bombe auf sie geworfen, die nicht explodierte. In der folgenden Nacht kam es zu zwei Kämpfen in der Nähe von Neß Ziona, in denen vier jüdische Hüispolizisten und ein Siedler leicht verwundet wurden. Zwei Terroristen wurden getötet. 11. Oktober Von dem furchtbaren Bombenattentat auf den Bezirkskommissar von Jerusalem Keith-Roach, das in der Nähe des Roekefeller-Museums in der Altstadt von Jerusalem verübt wurde und wie durch ein Wunder ohne Folgen blieb, ist bereits kurz in der vorigen Ausgabe der C.-V.-Zeitung berichtet worden. Am gleichen Tage wurde der 29jährige Kaufmann Issachar Goldstein im Zentrum von Jerusalem in seinem gegenüber der Evelina de Rothschild-Schule gelegenen Geschäft von einem Araber durch Schüsse verwundet. Gleichfalls in Jerusalem wurde der 17jährige Bote eines Apothekers, Esra Salach, von einem arabischen Terroristen durch Revolverschüsse schwer verletzt. Er starb wenige Tage später. In einem Zusammenstoß zwischen Terrorist und englischen Truppen bei dem ara'L /nen Dorf Wallajeh im Südwesten von Jerusalem .wurde ein englischer Soldat getötet und ein weiterer verwundet. Die Araber erlitten bedeutende Verluste. Bei wiederholten Schießereien in Nablus wurden vier, in einem Gefecht bei Hebron 13 Araber getötet. Fünf britische Soldaten wurden verwundet. 12. Oktober ia Jerusalem wurde durch Schüsse, die vom Jaffator auf ihn abgefeuert wurden, der 65jährige Gemüsehändler Saul Menasche tödlich verletzt. Der 32jährige Chauffeur Nissan Benjamini, der in seinem Lastauto Steine von Ataroth nach Jerusalem transportierte, wurde von Banditen überfallen und verschleppt. Der Wagen wurde auf der Landstraße brennend zurückgelassen. Englische Truppen, die sieh nach Nablus zur Durchführung einer Strafe für einen wenige Tage zurückliegenden Bombenwurf begeben hatten, wurde von den Dächern und von den umliegenden Bergen beschossen und mit Handgranaten beworfen. In dem Kampf, der sich entwickelte, wurden sechs Araber getötet. Wie aus einer polizeilichen Meldung hervorgeht, machte sich erneut eine Verstärkung des innerarabischen Terrors bemerkbar. Fünf Araber wurden getötet und drei verwundet. Unter den Toten war ♦ein Beamter der Bezirksverwaitung in Dschenin, der auf der Straße ermordet wurde. Im arabischen Viertel im östii:hen Teil von Haifa wurde ein Muktar ermordet. Auf seinem Hof wurde ein Nachbar schwer verwundet. In der Jerusa.emer Altstadt wurden die abgeschnittenen Köpfe von zwei Arabern aus Marokko gefunden. In der Nähe des Damaskustores fand man die Leiche eines er- schossenen Arabers. Der innerarabische Terror forderte am gleichen Tage auch das Opfer eines besonders prominenten Araberführers, des. Mitgliedes der Jerusalem er Stadtverwaltung Hassan Sikdy D a j a n i. Der Ermordete war einer der leitenden Gegenspieler des Mufti und Führer der Nashashibi-Partei. In seinem Beruf als Rechtsanwalt verteidigte er zahlreiche Araber vor dem .Militärgericht. Am Tage seiner Verschleppung in ein arabisches Dorf bei Hebron, der sein Tod unmittelbar folgte., hatte er noch drei Araber verteidigt, die zum Tode verurteilt wurden. Seine Frau Tatsachen hatte sich kurz vor dem Anschlag auf ihn als Mitglied der palästinensischen Delegation zu dem Allarabischen Frauenkongreß nach Kairo begeben. 13. Oktober Im Anschluß an einen Ueberfall von Arabern auf eine Plantage bei Neß Ziona, dem ein jemenitischer Jude, Ephraim Jahud (45 Jahre), zum Opfer fiel, kam es zu einem Gefecht mit jüdischen Hilfspolizisten. Dabei wurden der jüdische Hilfspolizist Gabriel D a n i e 1 i (25 Jahre) getötet und zwei weitere, Joseph Wilner (25 Jahre) und Herzl Jakar (21 Jahre), schwer verwundet. Auf ein Auto, das jüdische Arbeiter in Haifa zur Arbeit fuhr, wurde eine Bombe geschleudert. Vier Arbeiter wurden verletzt, einer von ihnen, der 29 jährige Seew Braichovinsky, gefährlich. Die größte Tabakfabrik in Palästina, Maspero Brothers in Jaffa, die zur Britisch- Amerikanischen Tabakcompagnie gehört, wurde von arabischen Terroristen in Brand gesetzt und völlig zerstört. Man schätzt den -.entstandenen Verlust auf £ 20 000. Die Firma ist nicht jüdisch, hat aber kürzlich in Tel-Aviv eine Zweigfabrik .errichtet, in der ausschließlich jüdische Arbeiter beschäftigt sind. In Pflanzungen aus dem Besitz von Ragheb Bey Nashashibi in der Nähe von Jibna wurden 3000 Orangenbäume entwurzelt und die Wasseranlage zerstört. Auch in einer jüdischen Pflanzung bei A s c h d o d wurden 8000 Bäume entwurzelt. Tel-Aviv, 13. Oktober Die neueste Wendling Immer neuen Schwankungen ist die politische und wirtschaftliche Stimmung des jüdischen Palästina ausgesetzt. In den letzten Wochen hatten sich die Berichte und Gerüchte über r1:e Londoner Verhandlungen zwischen &: englischen Kolonialminister, dem High Commissioner, sowie den arabischen und jüdischen Führern zu iiiiiiiiiiiiiiiiiiiinimiiiiiiimmiiiiiiiiiniiin Nach Mac Michaels Abfahrt Im Zusammenhang mit der Abreise des High Commissioners von England nach Palästina hat das Britische Kolonialamt die folgende Erklärung veröffentlicht: „Der High Commissioner für Palästina verläßt heute abend London, um nach Palästina zurückzukehren. Seit seiner Ankunft am vorigen Donnerstag haben zwischen ihm und dem Kolonienminister unter Hinzuziehung anderer Personen täglich Besprechungen über verschiedene Aspekte des Palästinaproblems stattgefunden. Eine Erklärung betreffend die zusätzlichen Maßnahmen, die zwecks Wiederherstellung der Ruhe im I*ande beschlossen worden sind, ist bereits veröffentlicht worden. Ueberdies haben der Kolonienminister und der High Commissioner noch vor Fertigstellung des Berichtes der Woodhead-Kommission, der im Laufe dieses Monats erwartet wird, die politische Lage einer gründlichen Prüfung unterzogen. Es wurden Fragen sowohl der Prozedur wie auch der Politik untersucht. Sobald der Bericht der Woodhead- Kommission vorliegt und die Regierung Gelegenheit gehabt hat, ihn sorgfältig zu prüfen, wird eine weitere Erklärung betreffend die Palästinapolitik veröffentlicht werden." iiimmiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiimiiiimmiiiiiiniiiiiiiim einer akuten Krisenfurcht verdichtet. Die neuesten Meldungen lassen erkennen, daß diese Befürchtungen für den Augenblick zumindest übertrieben waren. Weder die radikalen Vorschläge der panarabisch-panislamischen Parlamentarier-Konferenz in Kairo, noch das offizielle Kompromißprogramm des irakischen Außenministers Tawfik Pascha, das praktisch auf eine Drosselung der Alija sowie eine Umwandlung des Nationalheims in einen Minderheitenstatus unter arabischem Schutz hinausgelarfen wäre, sind von der M?_ndalarmaiht akzeptiert worden. England hat die vorherige Niederwerfung des Terrors zur Voraussetzung jeder politischen Lösung gemacht und Maßnahmen getroffen, die eine Wiederherstellung der Ordnung binnen zwei Nach dem verhältnismäßig ruhig verlaufenen 14. Oktober wurden am 15. Okiober in der Nähe der Klagemauer Bomben geworfen und Schüsse abgefeuert. Die Polizei mußte die Beter in ihrer Andacht unterbrechen und sie unter starker Bewachung fortführen. Auch noch am folgenden Tage wurden die Juden vorsichtshalber von der Klagemauer ferngehalten. Der 18jährige Jehuda Nathan Assun, der vor fünf Jahren aus Jugoslawien eingewandert war, wurde in der Altstadt durch Schüsse schwer verwundet. Das gleiche geschah dem jüdischen Polizisten Alexander Triffon in Tiberias. In der Nähe der Zentralpolizeistation in Jaffa wurde ein arabischer Polizeiinspektor getötet. 16. Oktober Bei zahlreichen Schießereien und Bombenwürfen in der Jerusalemer Altstadt kam der 15jährige jüdische Knabe Isaak Odesser zu Schade^ Fünf Araber wurden in der Nähe der Omarmoschee durch Bombenexplosionen leicht verletzt. Eine weitere Bombe wurde auf eine Polizeipatrouille geschleudert und verwundete einen britischen Polizisten leicht. Bei der Abwehr der arabischen Angreifer wurde ein Araber getötet. Bei einem Angriff auf eine Militärpatrouille bei S aris wurden drei Araber getötet und drei weitere verwundet. Die Verbindung Jerusalems mit der Welt wurde durch die Zerstörung sämtlicher Telephon- und Telegraphenleitungen für mehrere Tage lahmgelegt. Monaten ermöglichen sollen. Und gleichzeitig haben die zahlreichen Aktionen jüdischer und nichtjüdischer Stellen in den verschiedensten Teilen der Welt dem jüdischen Jischuw von Palästina gezeigt, daß er in seinem schweren Ringen nicht allein dasteht. Alle diese Faktoren reichen selbstverständlich nicht aus, um die ernste Sorge um die Zukunft zu beseitigen. Sie waren aber stark genug, um die Entwicklung einer neuen Depression im Keime zu ersticken. Die Verkäufe palästinensischer, und Ankäufe amerikanischer Wertpapiere, anscheinend die unvermeidliche Begleiterscheinung jeder kritischen Zeit, beschränkten sich diesmal auf nur zwei Tage und auf einen besonders kleinen Kreis völlig Unbelehrbarer. Nach Ueberwindung dieses Zwischenspiels konnten sieh die leisen Ansätze zu einer ganz langsamen wirtschaftlichen Entlastung, namentlich auf dem Arbeitsmarkt, wieder deutlicher durchsetzen. KonsumfähigkeitundLebensstandard. Allerdings geht diese leichte Aufwärtsentwicklung von einem sehr niedrigen Ausgangspunkt aus. Der Lebensstandard der jüdischen Bevölkerung ist in den letzten zwei Jahren zweifellos gesunken. Das wirtschaftliche Forschungsinstitut der Jewish Ageney veröffentlicht in seinem neuen Bulletin einige Untersuchungen, die, obwohl zum Teal eigentlich anderen Themen gewidmet, gerade auch zu dieser wichtigen Frage aufschlußreiches Material bieten. Den Rückgang der Kaufkraft beweist allein die Tatsache;'daß beispielsweise im ersten Vierteljahr der Verbrauch pro Kopf der jüdischen Bevölkerung an importierten und heimischen Eiern um 33 o/o geringer war als im Vorjahr, und der Verbrauch an Milch- und Milchprodukten heimischer und ausländischer Herkunft um rund 13i4 °/o absank. Höchstwahrscheinlich wäre der mengenmäßige Verbrauch noch stärker zurückgegangen, wenn nicht gleichzeitig die Preise, im Einklang mit der Bewegung am Weltmarkt, erheblich gesunken wären. Der Milchpreis war Mitte des Jahres um beinahe 6 % niedriger als am gleichen Stichtag des Vorjahres, der Eierpreis sogar um 16 0/0. In die gleiche Richtung weist auch die Umsatzentwicklung der Konsumgenossenschaften, die freilich im jüdischen Palästina, im Gegensatz zu dem sonst so hohen Stand des Genossenschaftswesens, nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die 46 Konsumgenossenschaften der Histadrut versorgen — einschließlich der Familienangehörigen ihrer Mitglieder — nur einen Kundenkreis von knapp 26000 Personen, und ihr letzter Jahresumsatz betrug insgesamt knapp: 360000 £P; dabei ist noch zu berücksichtigen, daß der Schwerpunkt der Konsumgenossenschaftsbewegung weder in den Städten noch in den größeren auf privatwirtschaftlicher Basis aufgebauten Kolo- Senden Sie mir bis auf Widerruf die C.-V.-Zeitung RM.1,— für November, Dezember zahle ich bei Vorlage der Postquittung an den Briefträger oder (nach Aufforderung durch den Verlag) auf Postscheck. Die letzte Oktobernummer soll mir kostenlos zugehen. Name: ...............................................____ Ort:..................................................„___ Straße:.................................'..................... Ausschneiden und mit 3 Pf. frankiert [oder auch unfrankiert) senden an: C.-V.-Zeitung Vertrieb, Berlin W15, Emser Straße 42. / Telefon 92 8141 Auch jedes Postami nimmt Bestellungen entgegen. nien liegt, sondern in den Mosch'wej Owdim, den genossenschaftlichen Kleinbauernsiedlungen, in denen die Konsumgenossenschaft nicht nur die Konsumgüter, sondern auch Produktionsmittel wie landwirtschaftliche Geräte und Saatgut usw. fünkihrsio Mitglieder beschafft. Insgesamt ist idäersx Umsatz pro Kopf des Konsumvereins--'- künden von £P 16700 im Jahre 1936 auf £P 13900 im Jahre 1937 zurückgegangen» Geborgie Kaufkraft. Es muß überdies zugegeben werden, daß ein Teil dieser verminderten Umsätze nicht auf gegenwärtiger und liquider, sondern auf bevorschußter, also geborgter Kaufkraft beruht. Bei den Konsumvereinen betrugen am letzten Bilanzstichtag diä Außenstände zusammen £P 106 000, wovon £P 66000 — also fast ein Fünftel eines Jahresumsatzes — auf Mitglieder-Kunden, und ein weiterer Betrag auf Kunden, die nicht INlitglieder waren, entfiel. Der Revisionsverband hat daher beschlossen, die Kreditgewährung an Nichtmitglieder völlig einzustellen und an Mitglieder erheblich zu reduzieren und auf eine Frist von höchstens 42 Tage zu beschränken. Immerhin ist eine hohe Kreditgewährung bei den palästinensischen Konsumgenossenschaften nicht so besonders auffällig, da; diese Institute, wie gesagt, auch Produktionsmittel liefern, bei denen Ratenzahlung und Bevorschussung als normal gelten kann. Eine deutlichere Sprache spricht schon eine andere Zahl: 625 private Tel- Aviver Gemischtwarenhändler haben zur Zeit bei ihren Kunden rund £P 50000 Außenstände, d. h. sie geben ihren Kunden mehr Kredit, als sie selber von ihren Lieferanten und Bankverbindungen bekommen. Die Besserung am Arbeitsmarkt, Dieser Konsumkredit ist nur denkbar auf der Basis einer sehr hohen Zahlungsmoral, die in der Tat für die große Masse des schaffenden jüdischen Palästina charakteristisch ist. Aber auch diese Grundlage würde nicht genügen, wenn nicht irgendwann zu dem guten Zahlungswillen des Schuldners auch die wiedererlangte Zahlungsfähigkeit hinzukommt. Der Schuldner aber wird zahlungsfähig, wenn er wieder in Arbeit und Lohn kommt. In den letzten Wochen ist die Arbeitslosigkeit auf dem Lande schon fast völlig geschwunden, und es darf damit gerechnet werden, daß in der Hauptsaison auch mehr städtische Arbeiter (Citrusernte) im „Katif" Beschäftigung finden, als man ursprünglich angenommen hatte. Aber ganz allgemein wird der objektive Stand der Arbeitslosigkeit vielfach überschätzt, weil sich eben "die Arbeitslosigkeit subjektiv in diesem armen Lande mit ungenügender Sozialhilfe und geringstem Versicherungsschutz subjektiv besonders schwer auswirkt. Im Krisentiefstand. — der zunächst überwunden sein dürfte — betrug die jüdische Arbeitslosigkeit nach der — wahr- Wirtschaftliche Kraftreserven Von unserem * Palästina-Berichterstatter