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Central-Verein-Zeitung · 1938-10-20 · 42 (20.10.1938) · page 14

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
42 (20.10.1938)
Date
1938-10-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Se'te 14 C-V.-Zeitung Nr. 42 * 20. Oktober 1938 „ i. nun können sie einpacken! Von Meta Samson Kaum sieht man noch auf sie, die Dinge, die jahrein, jahraus in unserem Zimmer stehen, immer auf dem gleichen Platz. Dennoch wächst man irgendwie mit ihnen zusammen, mit der kleinen zart tickenden Uhr auf dem Nachttisch, mit dem neugierigen Nähkörbchen, aus dem immer ein paar Fädchen hervorsehen... Ja, man fühlt sie! Marianne und Herbert bauen jetzt alle Gegenstände, die tragbar sindj-^vor sich auf. Sie stehen vor ihnen wie Soldaten zur Musterung. Wirklich, es ist unmöglich, sie alle mitzunehmen. Herbert will Ueberschau halten. Was ist unentbehrlich, was ist überflüssig? Fast sieht es aus, als ob die beiden beim Brettspiel wären. Sie schieben hin und her, stellen vor, stellen zurück —. „Wir müssen uns jetzt entscheiden", mahnt Herbert. „Wir müssen uns einen Panzer umlegen", seufzt Marianne, „damit wir ohne Wunden aus diesem Kampf kommen." Sie liebäugelt gerade mit einer kleinen Glasspielerei, einer graziösen, koketten Tänzerin. Ist sie nicht allzu zerbrechlich, um sie mitzunehmen? Ach, sie paßt so gar nicht für das neue Leben. — Marianne gibt sich einen heftigen Stoß. Nicht von außen ist er bemerkbar. Sie will von jetzt ab jedes Ding mit neuen Augen, nicht mit den alten, betrachten. Sie sortiert eifrig. „Das nehmen wir nicht mit, das auch nicht, auch das nicht", betont sie jedesmal mit Nachdruck, sobald der Entschluß gereift ist. Stolz auf ihre Leistung sieht sie auf Herbert. Aber Herbert, der be- JuwalierLUtiltflgSfeiHIHStZ \ Nürnberger Str. 56 (neben V/oolworth) rv merkt, wie sie das Wenigste zurücklassen will, das sie nun allzu verräterisch vor ihm ausbreitet, wird mißgelaunt. Er durchschaut ihre Absicht. Er wird sich nicht hinters Licht führen lassen. „Ich werde dir einmal etwas sagen, Marianne. Wenn das so weiter geht, dann wird uns unser Ballast erdrücken, noch bevor wir am Ziel angelangt sind. Daß sich Frauen von nichts trennen wollen! Ach, was sind sie nur für unpraktische, unberechenbare Geschöpfe! Warum z. B. soll dieses Glas eingepackt werden, das bereits angestoßen ist? Warum läßt du dagegen Gläser zurück, die neu und ganz sind?" „Aber Herbert", erinnert ihn Marianne vorwurfsvoll, „weißt du nicht mehr, daß wir mit ,diesem' Glas unseren ersten Abend gefeiert haben, an dem wir allein waren?" — „Der bleibt uns auch ohne Glas", stellt Herbert fest. „Aber es wird unser Glück beschützen", hält sie ihm entgegen. „Und was soll mit dieser Vase", forscht Herbert weiter. „Ich kann nichts Besonderes an ihr finden. Man wrählt heute schlichte, sachliche Formen." „Ja, aber diese Vase schenkte mir doch Ruth, bevor sie fortfuhr. Und sie sprach einen Wunsch dazu aus, als sie sie mir gab, wie die gute Fee in Dornröschen, die alle bösen Zaubersprüche in ihr Gegenteil kehrt." Marianne ist jetzt so in Gedanken an Ruth versunken, daß Herbert sie erst wieder zurückholen muß, „in des Tages Last und Müh", wie er ausführlich erklärt. „Nun erzähl' mir aber nicht, daß dieser ergreifend schöne Aschbecher immer von deinem Freund Thomas benutzt wurde", und Herberst stellt jetzt einen Aschbecher auf die Seite der Sachen, die „hierbleiben". — Marianne folgt ihm mit sehnsüchtigen Blicken. Nicht mit Thomas, aber mit Richard hatten sich um diesen Aschbecher herum unvergeßliche Gespräche gebildet, am kleinen Ecktisch, bei einer Lampe mit PUsseeschirm und einer kleinen silbernen Schale mit Konfekt, das Richard ihr mitzubringen pflegte. Mein Gott, wo ist eigentlich diese Schale, hüben oder drüben? Marianne weiß genau, sie darf sich nun keine „Gefühle'» mehr anmerken lassen. Herbert ist genau an dem Punkt angelangt — so gut kennt sie ihn schon nach einer mehrjährigen Ehe —, an dem er zu sieden beginnt. Noch ein „aber" von ihrer Seite, und er wird sich nicht mehr in der Gewalt haben. „Dazu hat man nun geheiratet", jammert er auch schon, „daß man seine kostbare Zeit, die man zu anderen Dingen brauchte, vertun muß, um Sachen auszusortieren, bei denen Ruth oder Thomas oder meinetwegen die Tante der Freundin deiner Cousine irgend etwas ,Nettes' gedacht, gefühlt oder gesagt haben. Und jetzt mache ich nicht länger mit! Entweder du entschließt dich sofort, oder ich lasse den Packer einfach von allem ein halbes Dutzend abzählen, und alles andere bleibt hier!" Da entsinnt sich Marianne in ihrer Not des Geschirrs, das sie von einer Bekannten bekommen hat, die immer nur häßliche jmd unangenehme Dinge vor ihr auszubreiten pflegt, obwohl es doch schon so nicht gerade leicht ist. Dieses: „Wenn- Sie-wüßten-Geschirr", wie sie es immer im stillen bezeichnet hat, holt sie hervor mit all seinen Tassen und Untertassen, seinen Tellern und Kännchen und baut es vor Herberts Augen auf, „um diesen ganzen unnützen Kram" hierzulassen. „Reicht denn unser anderes Kaffeegeschirr? Ich denke, das ist nicht vollständig", fragt er mißtrauisch. Aber Marianne behauptet, es würde bestimmt vollständig sein, wenn sie abführen. Marianne ist es jetzt, als ob sie im Triumphzug an Herbert vorbeizieht. Es gibt plötzlich viele Dinge, die an sich hübsch sind, die sie aber aus diesen und jenen privaten Gründen nicht recht leiden kann. Herberts Miene klärt sich sichtlich auf, als Seite: „Hierbleiben" zunimmt und man von dem „unnützen Kram", den man doch niemals mehr braucht, loszukommen scheint. „Mit einem Handkoffer müßte man fortreisen", setzt er seine ketzerischen Gedanken laut fort, „gerade so, als führen wir zum Baden. Ja, nur so müßte man abfahren!" „Aber wir fahren doch nach Australien und nicht zum Baden", wagte Marianne ihn zu erinnern. Plötzlich entdeckt Herbert, wie Marianne mit einerscheinbar teilnahmslosen Miene eine kleine Dose für Kragenknöpfchen auf Seite: „Hierbleiben" setzt. Eine sehr kostbare, aber völlig überflüssige kleine Dose, da Herbert niemals seine Kragenknöpfchen hineingelegt hat, und, Marianne meinte, ihm würde ein leicht verdaulicher Grund zu seiner täglichen schlechten Laune fehlen, wenn er sie nicht suchen und finden könnte. Darum auch steht diese Dose seit ihrer Heirat in der Vitrine. Ehe Herbert es sich versieht, ist er auch schon in sein Unglück gerannt. „Aber die müssen wir doch mitnehmen, Marianne!" „Etwas Ueberflüssiges?" Und sie rezitiert seine täglichen Worte, die sie schon aus dem Schlaf spricht. „Für Ueberflüssiges ist die Zeit vorbei. Nur das unbedingt (unbedingt mit Betonung gesprochen) Notwendige findet meine Einwilligung. Sonst —", und was sonst geschieht, malt er an jedem Tage in graueren und trostloseren Farben aus. „Sonst fressen dich die Haifische", will Marianne gerade den freischwebenden Satz ausfüllen. Aber mitten im Wort bleibt sie stecken. Das ist ja das Döschen, das Herbert von jenem Mädchen bekommen hat, mit dem .er „eine Zeitlang" mal „ganz gut" gestanden hat, wie er ihr einmal in einer sanften Stunde gebeichtet hat — „ganz gut, — natürlich nichts Besonderes, aber immerhin ..." Diese Dose soll nicht mitkommen in ihr neues Leben. Nein, niemals! Ist ihm nicht noch vor wenigen Minuten das Glas zuviel gewesen, aber die Dose soll mit! Auf einmal merkt Marianne, sie wählen ja gar nicht unter Dingen; sie wählen unter Erinnerungen. Es ist viel ernster alles, als sie gedacht hat, wenn man schon jetzt sortieren muß, da man noch nicht abgeschlossen hat. Schon jetzt wissen, wieviel das eine Gefühl wiegt, wieviel das andere. Mein Gott, dieses Mädchen ist ihm also mehr w7ert Hirsch - Pelze ^iÄstr-4- 'Telefon: 246200 als ich, folgert sie weiter. Jetzt wird ihr ganz elend zumute. Erbärmlich, weil sie diese Beschäftigung mit seinem Streiten und wieder Vertragen wirklich nur für ein teils aufregendes, teils unterhaltsamem Spiel gehalten hat, aber jetzt ist es dar nicht mehr! Marianne muß sich entschei den, wie sie es halten will, als Frau, als Liebende, als ein klein wenig „unglücklich Liebende". Es ist eine Haltung, die für immer gilt! Sie nimmt die kleine Dose und sieht sie lange nachdenklich an. Dann legt sie sie stumm auf die Seite: Mitnehmen! Von nun ab wickelt sich ■ der Abend friedlich, fast heiler ab. Von nun ab hört Marianne niemals mehr den Satz, den sie schon aus dem Schlafe spricht: „Nur das unbedingt Notwendige ..." Auf Seite „Hierbleiben" steht zu ihrer Verwunderung am nächsten Morgen der „ergreifend schöne" Aschbecher, ziemlich zwecklos in Anbetracht der viel moderneren ~ Garnituren, aber eben doch nicht ganz überflüssig! Ja, und nun können sie einpacken! ... Für Kranke u. Gesunde / Neue Ernänrtmgsliteratur Dr. Hans Balzli: Inulin-Gemüse. Neue Speisen für Zuckerkranke und für Gesunde Albert Müller-Verlag, Zürich-Leipzig 1938 Dieses Büchlein gibt einen wichtigen Beitrag zur Diätküche, indem es die große Bedeutung der Inulingemüse, wenig beachtet oder vergessen, aufdeckt und von verschiedenen Seiten beleuchtet. Ihr Vorkommen, ihr Anbau, ihre Verwertung für Gesunde und Kranke, mit vielseitigen und fast spannenden Kochanleitungen verbunden, stellen die oftmals eintönige Gemüseküche in ein neues und für die Zukunft bedeutsames Licht. Aber der Wert des Büchleins ist damit nicht erschöpft, daß "es dem Fachkundigen, dem Arzt, der Diätköchin, dem Landwirt neues zu sagen weiß. Der Verfasser, der u. a. ein zweibändiges Werk über die „Kunst und Wissenschaft des Essens" geschrieben hat, schaltet den Lehensgenuß und die Lebensfreude als wichtigsten Heilfaktor in die Welt des Kranken und seiner meist so freudlosen Diät ein. Zu jedem Gericht trägt die Erfahrung des Landwirts, des Arztes, des Kochs und — des Philosophen sein Scherflein bei, um nicht nur dem Gaumen allein, sondern jedem einzelnen Sinn etwas Köstliches zu bieten. Das ist es, was auch dem Laien dieses Buch fesselnd macht; denn zwischen bloßer Sättifmg und Appetit spannt dieser Zauberer der üche seinen Bogen, im Bewußtsein, daß „Appetit auf eine Mahlzeit" Appetit auf das Leben bedeutet, und die Quelle aller Erneuerung, des Schöpferischen überhaupt ist. Ganz im Sinne des Geschmacksgenies -Savarin, dessen Wort Dr. Balzli in sein Vorwort einschließt: „Die Erfindung eines neuen Gerichts leistet mehr für das Wohlsein des Menschengeschlechts als die Entdeckung eines neuen Sterns." M. S. * * Dr. Hans Balzli: Kleine Soja-Fibel. Albert Müller-Verlag, Zürich-Leipzig 1938 „Soja"! wer kennt sie, wer weiß etwas von ihren zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten? Dr. Hans Balzli gibt uns in seiner Fibel einen eindrucksvollen Ueberblick über den erstaunlichen Nutzwert dieser Pflanze,- die in Ostasien längst angebaut und sogar als „heilig" verehrt wird. Der Verfasser schreibt der Soja die gleiche volkswirtschaftliche Bedeutung zu wie der Kartoffel, der Runkelrübe, der Margarine, die wir Notzeiten zu verdanken haben. Sojamehl, Sojamilch, Sojafett werden sowohl die allgemeine Ernährung wie die Kranken- und Säuglingspflege weitgehend beeinflussen. Ihre Verarbeitung zu Werkstoffen wie Schmieröl, Firniß, Linoleum, Lack — ma nur einige zu nennen — bieten der Industrie neue Absatzmöglichkeiten. In eindringlichen und leicht faßbaren Abschnitten wird der Laie mit Geschichte, Anbau und Verwertung dieser Pflanze vertraut, die nicht nur dem Landwirt, dem Arzt, dem Chemiker, sondern auch der Hausfrau wertvolle Anregungen vermitteln. M. S. Blick auf die Frauenarbeit in der Welt Der internationale Frauenbund hat vor kurzem .in Edinburgh die Feier seines 50jährigen Bestehens begangen. * In England wird über einen Mangel an Krankenschwestern geklagt. Das Mindestzulassungsalter war bisher 18 Jahre, die Mädchen l^Snnten also erst in die Vorbereitung zu diesem Berufe eintreten, wenn sie in anderen Berufen bereits mit der praktischen Arbeit beginnen konnten. Auch die Prüfungen waren sehr schwer. Von den Fachverbänden werden nunmehr Vorschläge gemacht, das Mindestalter auf 16 Jahre zurückzusetzen und Erleichterungen der Prüfung in Fächern, die nicht direkt für den Beruf notwendig sind, eintreten zu lassen; außerdem wird Besserung der Lebensbedingungen und der Bezahlung gefordert. * In Japan hat die Regierurig zur Hebung der Volksgesundheit die Einrichtung von Gemeinschaftsküchen angeurci.net. In der. Orten, in denen mittlere und kleine Betriebe vorherrschend sind, die sich die Errichtung einer Kantine für die Belegschaft nicht leisten können, sollen Gemeinschaftskantinen errichtet werden, und zwar in 20 Orten Kantinen, die täglich an je 2000 Personen Essen verabreichen, in 30 Orten Kantinen, die täglich je 1000 Personen Essen abgeben. Schließlich sollen in 50 Orten Kantinen errichtet werden, die täglich je 500 Portionei verabreichen. * An den Schweizer Hochschulen sind 14,6 o/o der gesamten Studierenden Frauen. In Frankreich arbeitet als erste Inspektorin für die Wohlfahrtspflege Mlle. Briandel, welche bisher im Bezirk Jura als Unterinspektorin tätig war. Erst seit wenigen Monaten ist den Frauen dieser Beruf offen H. St. Paula Ollendorff Aus Jerusalem erreicht uns die Nachricht, daß Paula Ollendorff gestorben is*. So ist ihr die Erfüllung ihres Wunsches, dort zu sterben, wo die Gräber .ihres Mannes und ihrer beiden ihr in den Tod vorausgegangenen Kinder liegen, vei-sagt geblieben. Sie wird in Palästina zur Ruhe gebettet werden. Es liegt eine ergreifende Symbolik in dieser unerfüllten Sehnsucht Paula Ollendorffs. Nicht das ist das Erschütternde, daß eine hochbetagte Frau ins Land der Väter ging in der starken Hoffnung zurückzukehren, nicht, daß die Stätten des Ursprungs ihre unzerstörbaren Kreise um sie zogen; sondern diese Sehnsucht selbst ist es, die jedem ans Herz greift, der die Verstorbene kannte, diese Sehnsucht, die vor allem anderen dem Leben selbst galt. Paula Ollendorff verband mit dem Leben eine Beziehung eigener Art. Das Leben sprühte aus dem edlen Kopf mit den klaren Gesichtszügen, es loderte aus dem weißen Haar, es erfüllte uns mit seinen gestaltenden, zur Verwirklichung drängenden Kräften den' ganzen Menschen. Das Leben bewirkte in dieser seltenen Frau Taten von ungeheurer Vielfältigkeit und Dauer. Es war kaum glaubhaft, welches Arbeitsmaß sie ihrem zarten Körper abrang, in der allgemeinen und in der jüdischen Frauenbewegung, in der politischen und in der Sozialarbeit, auf Tagungen und Kongressen, in der geistigen Planung und in der persönlichsten Fühlungnahme mit hilfsbedürftigen Menschen. Nur eine leidenschaftliche Liebe zum Leben, zum eigenen und zum Leben der Vielen, die sie helfend zu einer höheren Freude daran führen konnte, kann solche Kraft verleihen. Es muß darum allen, die die Verstorbene kannten, eine Genugtuung und ein Trost bedeuten, daß dieses von so starken Impulsen des Willens und der Leistung getragene Leben mehr als 78 Jahre währen durfte. Es vollzog sich fast ununterbrochen in Breslau, wohin die Familie schon in den frühen Jugendjahren Paula Ollendorffs von ihrem Ge- ' burtsort Kostenblut bei Kant in Schlesien übersiedelte. Ihre Ausbildung als Lehrerin — der einzige Beruf, der damals einer Frau geistige Entfaltung ermöglichte — ließ längere Auslandsreisen zur Vervollkommnung der beruflichen Fähigkeiten zweckmäßig erscheinen; sie führten die junge Erzieherin nach Budapest und London und vertieften 'die erstaunlichen Sprachkenntnisse, die sich' später bei internationalen Tagungen in geradezu aufsehenerregenden, weil vielfältigen und meisterhaften Dolmelscherfähigkeiten bewährten. Der Zug in die Weite blieb ihr auch später treu, nachdem die Heirat sie wieder in Breslau seßhaft gemacht hatte. Schon in einer Zeit, in der die Reise über den Ozean noch von allen Schauern des seltenen Wagnisses umwittert war, legte sie mehrfach den Weg zurück, um im neuen Land Erfahrungen zu sammeln und weiterzugeben, um persönliche Bindungen zu knüpfen, die in gleicher Weise den Menschen und der Arbeit zugutekamen. Die jüdische Gemeinde Breslau hat ihrer Dankbarkeit dafür, diese großzügige und unermüdliche Arbeiterin in ihrer Mitte zu wissen, dadurch A.usdruck gegeben, daß die Jüdische Haushaltungsschule ihren Namen trägt. Im Jüdischen Frauenbund, dem ihre Liebe neben der allgemeinen Frauenarbeit in erster Reihe galt, war sie ein Menschenalter lang zweite Vorsitzende. Auch der Jüdische Centrai-Verein durfte sie zu seinen tätigen Mitgliedern im Vorstand des Breslauer Orts Verbandes zählen und stellte ihre hohen rednerischen Fähigkeiten gern in seihen Dienst. Wenn ein so reiches, aus der Fülle der Ga~ jen und Einsatzmöglichkeiten gelebtes Leber zu Ende geht, so haben die Freunde, die daran teil hatten und seine Früchte mitempfangen durften, in stiller Trauer zu danken. Eine solche Haltung fällt schwer beki. Tode Paula Ollendorffs. Weil das Leben so zu ihr gehörte, daß das Gedenken an sie sich nicht mit der Starre der Vergänglichkeit versöhnen will, weil sie selbst es nicht wollte, sondern bis in ihre letzten Tage hinein voller Pläne, voller Anregungen, voller Vorsätze war; weil das Land Palästina, in dem sie bei ihren Kindern zu Besuch weilte, ein so neues, brennend lebendiges Erlebnis für sie geworden war, dem sie sich zu tausend Taten verpflichtet fühlte — deshalb will der Gedanke an ihr Ende nur so schwer von uns Besitz ergreifen. Vielleicht aber ist gerade diese Auflehnung gegen die traurige Gewißheit, sie für immer verloren zu haben, ein sichtbares Zeichen dafür, daß etwas von Paula Ollendorffs eigener tätig bezwingender Liebe zum Leben noch in uns fortwirkt. Eva Reichmann- Jungmann

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