Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 41 (13.10.1938)
- Date
- 1938-10-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 C.-V.-Zeifüng Nr. 41 13. Oktober 19.38 d) Gewerbetreibende und A'ngeh'ö r i g e freier Berufe, sowie sonstige JLinku^.i.x-^e.Jeher, die zur Einkommensteuer veranlagt werden, entrichten monatlich ein Opfer in Höhe von 1 o/o des für das Jahr 1937 veranlagten Einkommensteuei-betrages an die Jüdische Winterhilfe, mindestens RM. 1— monatlich. e) Inhaber von Off enen Handelsgesellschaften und Kommanditgesellschaften entrichten monatlich i o/o des für das Jahr 1937 veranlagten Einkommenstcuerbetrages an die Jüdische Winterhilfe, mindestens EM. 1,— monatlich. f) G e w e r h e t r e i b e n d e und Angehörige freier Berufe, sowie sonstige Einkommenbezieher, die nicht zur Einkommensteuer veranlagt werden, opfern einen Betrag von mindestens RM. 1— monatlich während der Dauer der Winterhilfe. g) Personen, die nur zur Vermögensteuer, nicht aber zur Einkommensteuer veranlagt sind, entrichten monatlich ein Opfer in Höhe von 1 °/o des für das Jahr 1937 veranlagten Vermögenstcuerbctrr.ges an die Jüdische Winterhilfe. Personen, die sowohl zur Einkommenals auch zur Vermögensteuer veranlagt sind, entrichten 1 o/0 des veranlagten Vermögensteuerbetrages, wenn die auf - dieser Grundlage errechnete Summe höher ist als der auf Grund der Einkommensteuerveranlagung zu errechnende Betrag, mindestens RM. 1,— monatlich. Für Familien aus Mischehen zwischen Deutsehb.:ütigen und Juden ist die Jüdische Winterhilfe sowohl in der Sammlung von Geldspenden als auch in der Betreuung zuständig, wenn der Haushaltungsvorstand Jude im Sinne des Reichsbürgergesetzes ist. 2. Wir bitten alle jüdischen Angestellten, die in Betrieben arbeiten, in denen die Wimerhilfsbeiträge nicht geschlossen an sie abgeführt werden, um die Nennung eines Vertrau ensmannes, der die Spenden seiner jüdischen Kollegen einsammelt und an die Jüdische Winterhilfe abführt. In diesem Falle bitten wir um schriftliche nachstehende Erklärung: ..Ich melde mich als jüdischer Betriebsobmann und bitte um Zusendung des notwendigen Materials zwecks Abführung der Bei'.räge meiner jü dischen. Kollegen/' Dann folgen: Xame. Adresse. Betrieb, Anschrift des Betriebes. Branche. Telephon, Zahl der jüdischen Kollegen. Bemerkungen. 3. Am 12. Oktober beginnt in allen Bezirks- und Zweigstellen der Jüdischen Winterhilfe die Annahme der Unterstützungsanträge. .Zur Amneidung sind unbedingt mitzubringen:. Polizeiliche - Anmeldung. Mietsveftrag..-r Stempelkarte, SteuerlScscl-.eide und Rentnerausweise. 4. Am 16. Oktober wird zum erstenmal in diesem Winter die Eintopfspende von der Jüdischen Winterhilfe Berlin gesammelt. Die Sammler legitimieren sich durch unterstempeben und unterschriebenen gelben Lichtbildausweis. Für jeden Betrag erhält der Spender eine orangefarbene Quittung, auf der der erhaltene Wert aufgedruckt ist. 5. Vom 17. Oktober 193S ab wird die Pfundspende wöchentlich eingesammelt. Wir bitten alle ikweavu^utjF^MiQ^a^'^.v^j^T'LB.'LH. ■> j«. „„h1 ,'ih rrv yMod^mmiw*dyii i 11 wti ■ von einer Last befreit, atmet der Oberst auf: Cassel. Nun weiß er's, es sind genau zwanzig Jahre her, schon gestern vormittag war es ihm, sonderbar genug, eingefallen. Und leise spricht er, oder sinnt er es nur: Schade um das junge Blut. Der Mann dämmert eine Weile vor sich hin, aber der Schlaf stößt auf neuerliche Hindernisse. Die Bilder eines vergangenen Lebens haben ihre Zeit gefunden und geben ihn nicht eher frei, als bis alles noch haftende, blasse Gedenken daran, fest und scharf vor die Augen geholt ist. Den Schlaflosen durchfährt es plötzlich ruckartig wie einem halb Erfrorenen im warmen Raum. Es springt ihn wie ein Wesen an: Cassel! Das Wort hat auf einmal Farbe, hat Klang, Gewicht, als hätte es ein uralter Pilger so ähnlich wie Mekka oder Jerusalem ausgesprochen. Cassel! Jahrelang hatte er daran zurückgedacht, jahrelang, bis Leipzig kam und Waterloo, und Helena und der Tod, und kein Kaiser mehr war. — Nun drängt das verlorene Geschehen rasch nach oben: kein Geheimnis, kein Verbrechen, kein Ereignis im Leben eines Kriegsmannes. Und doch — ein Erlebnis, das mehr als eine flüchtige Umarmung mit einem anmutigen Mädchen war. Wieviele Abenteuer, längere und kürzere von dieser Art und anderer Art, hatte er nicht bestanden. Das Erlebnis in Cassel war ihm lange Zeit lebendig geblieben, dann verschollen unter anderen, weittragenderen Erlebnissen. Nun steht es auf einmal leibhaftig vor ihm, als sei es erst gestern vorüber, überfällt ihn mit einer Wucht und Bestürzung, daß er sich, aufrichtet und ins Dunkel starrt, als schritte die gerufene Mädchengestalt bittend auf ihn zu. Der Abend und die darauffolgende Nacht in Cassel! einer jüdischen Tochter hatte er das Herz heiß und toll gemacht, aber es schlug ihr trotzdem unnachgiebig in der lockend weißen Brust. Doch die Zeit drängte, da überlistete, er sie; Ich heirate dich, hatte e? geschworen. Sie schüttelte den Kopf: ich werde nur die Frau eines jüdischen Mannes sein. Ich liebe dich, ich liebe dich rasend, Geliebte, er stammelte- Worte, die. sie noch nie vernommen, sie aber blieb fest urd jüdischen Haushaltungen, auch in diesem Jahre wiederum wöchentlich ihr Pfundpaket cd-er eine Geldspende zur Ablösung unseren Pfundspendensammlerinnen und -Sammlern zu geben. Die Sammler legitimieren sich durch unterstempelten und unterschriebenen grünen Lichtbildausweis. Für jeden Barbetrag erhält der Spender eine grüne Quittung mit Das Theater der Jüdischen Schulen, ehemals Jüdische Jugendbühne genannt, eröffnet am 24. Oktober seine dritte Spielzeit. An diese Eröffnung knüpfen sich Hoffnungen, die durch unsere allgemeine Lage gewiß nicht bestärkt werden, die indes nach dem Erfolg der beiden vorangegangenen Jahre durchaus berechtigt erscheinen. Niemand ist zu jung, um ohne Wunsch zu sein, und wenn auch die Blicke unserer Jugend in dieser Zeit zumeist in die Weite der realen Welt gerichtet sind, so zaubern die Bretter, die nach wie vor die Welt bedeuten, den Zurückbleibenden doch jenes bunte und geheimnisvolle Phantasieland hervor, dem sich auch der Jüngste sehnsüchtigen Herzens nähert. Was das Theater der Jüdischen Schulen, geschaffen mit Hilfe so großer Institutionen wie der Reichsvertretung, der Berliner Jüdischen Gemeinde und des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde, bisher geboten hat, war nicht immer letzte Erfüllung unserer Wunsche und öfters mehr Wille als Tat, aber es war in jedem Falle ernste, zielstrebige Arbeit, die der Gesamtheit der jüdischen Jugend Berlins zugute kam. Wer mit Shakespeare und Moliere aufwarten kann, hat sich, bei aller Begrenztheit der zu Gebote stehenden Mittel, für die Bühne ein für allemal legitimiert. Und wer den jungen jüdischen Menschen Eintritt in den jüdischen Kulturkreis ermöglicht mit Stücken wie „Uriel Acosta" oder dem Spiegelbild eines messianisch-phantastischen'Zeitalters, dem „Reubeni"; wer ihnen schließlich das unbeschränkte Recht auf Fleiterkeit läßt wie letztlich noch mit dem alle Kritik entwaffnenden, aber alle Geister des Frohsinns weckenden „Extemporale" — der darf von der Jugend Gefolgschaft erwarten, auch wenn die dira necessitas, die harte Notwendigkeit der Stunde, ihr den Weg zu idealeren Höhen zu verstellen sucht. Das Theater der Jüdischen Jugend wird auch i n d e r -neue n S a i s o n an seinem ebenso reichhaltigen wie von Monat zu Monat wechselnden Spielplan festhalten. Es wird zu Beginn aus dem unerschöpflichen Quell der spanischen Dramenliteratur des 17. Jahrhunderts das vielbewährte Lustspiel „Donna Diana" von Moreto bringen, dem schmucken und anmutigen Zeitgenossen des berühmteren Calderon. Und es wird am Schluß der Jugend die behagliche und humorvolle Biedermeierwelt erschließen — mit den „Zärtlichen wiederholte: mein Vater gibt nie die Einwilligung, er ist Rabbiner, und ich seine Tochter. Ich schwöre dir, ich werde Jude werden, rief er aus, und im gleichen Atemzuge: einen einzigen Kuß nur, und ich eile. Er küßte sie, und W7orte, die sie noch nie vernommen, süße, trunkne, unselige, selige Worte rollen ihr ins Blut wie dunkelroter, schwerer Wein. Mit einem Schub zerspringt die qualvolle Unsicherheit dieser Nacht, das unerklärliche Gefühl am gestrigen Vormittag. Die Seele begreift schneller, als Worte es aussprechen können, die Zusammenhänge eines queren, verlaufenen Geschicks. Das Herz des Obersten schlägt u-rthörbar, aber von einer Geschwindheit, die seinem Körper ins Flattern bringt. Der Mann taumelt zitternd zum zweiten Male vom Lager, tastet nach einer Kerze, entzündet sie am .verglühenden Kamin und reißt aus den Akten des Falles Harfner den verhängnisvollen Zettel, nicht größer als eine Visitenkarte. Welches Augenpaar hatte hieraus Louis D u b o i s gelesen? Der Oberst greift nach seiner Brust, als habe ihn von hinten ein Eisen durchstoßen. Er war nicht mehr der Jüngsten einer, und was er nun mit hellsichtigen, klaren Blicken aufnimmt, trifft ihn mit einer Wucht, wie kein Geschoß es je vermocht hätte. Auf dem Papierstreifen entzifferte er mühelos die Unterschrift als Louis Q u i b o n! Von ihm selber ausgefertigt. Wann? Vor zwanzig Jahren. Wo? Ihr wißt es nun. Wieviel Seltsames, Phantastisches läuft doch durch, diese Welt, läuft zu irgendeinem Ziel, ruht nicht eher, .als bis die Kette sich schließt, und dauere es Jahrzehnte, Jahrhunderte .vielleicht. Die Mächte sind geduldig, und wer fragt nach uns ahnungslosen Mitläufern. Denn das sind dem Schicksal die liebsten Sprüche: die unabänderlichen. Oberst Quihon ist Soldat. Wohl greifte dem Aufdruck des erhaltenen Wertes. Für Naturalspenden wird dem Spender eine grüne, handschriftlich ausgestellte — und vom. Sammler und vom Spender zu «nterzeichnende — Quittung ausgehändigt. Postscheckkonto der Jüdischen Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin: Berlin 33 446. Verwandten" von Roderich Benedix, dem Stück unserer Großväter und Urgroßväter. Zwischen Anfang und Ende verheißt man G o 1 d o n i und Tschechow und außerdem eine interessante literarische „Ausgrabung": das in seinem Stoff eng an die Bibel angelehnte Drama „König S a u 1" von Paul Heyse. Auch ein modernes, bereits bekanntes Stück von starkem Aktualitätsreiz, das den Trieb des jungen Menschen aus der Heimat in die Ferne sinnfällig macht, soll in einer besonderen Bearbeitung für die Jugend zur Aufführung gelangen. Wie das Repertoire so werden auch 'die schauspielerischen Kräfte der Jugendbühne ihre bereits bestimmt ausgeprägte Physiognomie geben. Als eine ganz neue Erscheinung wird sich lediglich Fritz G r ü n n e vorstellen, ein jugendlicher Held und Liebhaber, der in „Donna Diana" als Don Cesar debütieren soll. Neben ihm wird, in dem gut eingespielten Ensemble, uns vor allem wieder Werner H i n z e 1 m a n n, ein ausgesprochener Liebling der Jugend, mit seinem frischen, unbekümmerten Naturburschentum begegnen, ebenso die ungewöhnlich begabte Steffi R o - s e n b a u m, die zwar inzwischen den Sprung auf das Theater der Erwachsenen, die Berliner Kulturbundbühne, unternommen hat, aber der Jugendbühne auch weiterhin zur Verfügung bleibt. Als ganz besondere Attraktion darf man wieder das angekündigte Gastspiel Max Ehrlich s begrüßen. So ist denn zu hoffen, daß das Theater der Jüdischen Schulen seiner im besten Sinne erzieherischen, über den pedantischen Schulbegriff weit hinausstrebenden Aufgabe auch in der dritten Spielzeit nach Kräften gerecht werden wird. Und wenn, was weiter zu wünschen ist und was die Leistungsfähigkeit des jungen Instituts nur steigern kann, seine bisherige Anhängerschaft sich um eine erhebliche Zahl noch vermehrt, so mögen unter den neu Hinzukommenden auch'solche sein, die noch abseits stehen mußten, weil sie den an und für sich geringfügigen Betrag für das Abonnement nicht aufbringen konnten. Sorgt dafür, die Ihr dazu in der Lage seid, sorgt dafür durch Uebernahme einer Patenschaft, daß auch diese armen Zaunkinder des Daseins an den Freuden eines ihnen vielleicht noch nie vergönnten Theaterbesuches teilhaben können! Dr. Hugo Lachmanski ihm in die Glieder, als zöge einer seinen Säbel hindurch, aber es bleibt keine Zeit zum Aechzen. Der kalte oft bewiesene Mut ruft ihn auf. Mit drei Handgriffen steckt er in seiner Uniform. Nie hat er sich so geschwind mit Schieß- und Degenzeug umgürtet, wie in diesem Augenblick. Wie der Oberst seinen Hengst aus dem Stall zieht, zeigt die Uhr ein Viertel nach sechs. Um die Kaserne in L. zu erreichen, braucht er bei schnellster Gangart eine gute Stunde. Der alte Offizier unterläßt es, dem Pferd die Sporen anzusetzen, das Tier fliegt ohnedies davon, als wüßte es, worum, es gehe. Der Weg läuft geradeaus nach Norden durch die Ländlichkeit der Pariser Außenbezirke. Die Nacht hängt noch im Vollen über die fremd anmutende Gegend. Der Oberst beißt erst die Zähne zusammen, dann, als der scharfe Ostwind sein Gesicht zerreißt, ein unausdenkbares Bild noch schmerzhafter dagegen läuft, stiebt seine Kaltblütigkeit davon wie der Schneestaub unter den rasenden Hufen seines Hengstes. Er gibt dem Tier die Sporen und schlägt die Gerte auf den blanken Pferdeleib, daß es durch die Dunkelheit schießt wie gehetztes Wild. Dazu schreit er plötzlich unsinnig, berserkerhaft: Vorwärts! Schneller! Schnel 1er! Louis! Louis! Vorwärts! Und noch wilder schreit es in ihm: Die Pistolen! Er denkt an das braune Kästchen mit den perlmuttbeschlagenen Pistolen, das er vor 20 Jahren in Cassel vergaß und das er gestern gleichgültig beiseite geschoben hatte. Er beugt sich bis an die Ohren seines schäumenden Rosses und ruft hinein: Jean, schneller! Vorwärts, schneller! Das Pferd verläßt die Erde. Roß und Reiter wachsen zusammen zu einem Leib. Als fliehe ein verfolgter, entdeckter Kentaur vor seinen Häschern, so gespenstisch jagen sie durch die tote Landschaft. Eine Mauer, zu beiden Seiten stehen die Bäume und dahinter undurchdringlich ein Ort... ein Haus... Ringsum bleibt alles im Finstern, noch starr im Klamm der Nacht. Einmal kommt ein freies Stück Feld, blauweiß schimmernder Boden, darauf wie ein Urtier, so versteint und groß — eine Mühle. „Rigoletto" In anderer Besetzung ' In der „Rigoletto"-Aufführung des Berliner Kulturbunds alterniert in der Titelrolle Wilhelm Guttmann. Er bietet, wie stets, eine durchdachte und in allen Teilen ausgeglichene Leistung, deren Hauptakzente in dem jähen Stimmungswechsel der ersten Szene und in dem berühmten „Lara" des zweiten Aktes liegen. Rita A11 a s z meistert nicht nur die Kantilenen und Koloraturen der Gilda-Partie mit wundervoll weicher und fülliger Stimmgebung, sie trifft auch überzeugend die Wandlung vom arglosen Mädchen zur leidenden und sich opfernden Heldin. Einige Verbesserungen der Inszenierung seien dankbar vermerkt; der Kontakt zwischen Bühne und Orchester ist stellenweise zu präzisieren. H. Fr, Liederabend Kipnis Wenn. Alexander Kipnis singt, erscheint auch jener Teil des jüdischen Publikums, der sich sonst allen Werbungen jüdischer Kulturarbeit zu entziehen weiß. Wir verzeichnen dies als Symptom und danken unabhängig davon dem Sänger, daß er immer wieder den Weg zu uns findet und uns Zeugen seiner ausgereiften Kunst werden läßt. Männliche Verhaltenheit und Beherrschtheit im Lied, aufblitzendes dramatisches Feuer in den Arien — so stellt sich auch diesmal das Bild. Am hinreißendsten die Synthese von Urwüchsigkeit und technischer Meisterschaft in der Gestaltung russischer Volkslieder. Erna Klein war, zumal im Schumann-Zyklus, eine feinsinnige Begleiterin. — Jubel und Zugaben, Autogramme ... H. Fr. Jüdischer Kulturbund Berlin Wochenplan Theater in der Kommandantenstr. 57: 16. und 17. Oktober geschlossen; jeweils 20 Uhr: „Rigoletto": 18. Oktober (Abt 24, 34), 19. Oktober (Abt. 7, 17), 20. Oktober (Abt. 2, 12), 22. Oktober (Abt. 27, 37). KulturbundsaaJ, Kommandantenstr. 58/59: 18. und 22. Oktober, 20.15 Uhr: Kleinkunstbühne „Gemischtes Kompott". Das Schauspiel des Jüdischen Kulturbundes bringt im November das heitere Spiel „Regen und Wind" von M. Hodge. Im Dezember folgt ein großes jüdisches Werk, Mendel es berühmte Novelle „Die Reise Benjamins III." in der Bühnenfassung von Hermann S i n s h e i m e r, betitelt „Benjamin wo hin?" Jüdisches Museum. Die Vorbereitungen zu der großen Ausstellung „Jüdische Künstler erleben die Bibel" sind soweit gediehen, daß die Eröffnung Anfang November erfolgen kann. Danach bereitet das Museum eine Ausstellung über Michael S achs vor, dessen Todestag sich im Januar 1939 zum 75. Male jährt Besitzer von Dokumenten oder bildlichen Darstellungerr^von Michael Sachs und seiner Zeit werden gebeten, diese sogleich dem Jüschen Museum, Berlin N 24, Oranienburger Str.- 31, anzumelden. Der Oberst reitet, als folgten ihm die Russen in Schußweite. Als ginge es noch einmal über die Beresina in wahnsinnigen Pferdesprüngen, gleich ob Krüppel, Weiber und der ganze Troß von den rasenden Reitern in die Eisfluten geschleudert wurden. Allons! Schneller, Jean! Weiter! Weiter! Fernher taucht aus dem Zwielicht des dämmernden Wintertages die Mauer der Kaserne auf. Noch dreihundert Meter... Herrgott, weiter! Schneller! Schneller! Der Oberst peitscht den Pferderücken wie ein Besessener, ein Wunder, daß der Gaul nicht in die Knie bricht. Noch zweihundert Meter... Allons! Schneller, Jean! Deutlich weist der Riesenschatten des düsteren Gebäudes den Weg. Schon erkennt der heransprengende Quibon die Posten. Der Oberst, als reite er Attacke, zieht vom Leder, wirbelt den Degen durch die Luft, brüllt: Halt! Halt! Aber die Soldaten vor der Kaserne rühren sich nicht. Drohend wächst. die Mauer ins Ungemessene, schwarz und unbewegt ruht die Landschaft. Mit einem hellen Wiehern stürzt der Hengst zu Erde... zerrt sich wieder hoch und stellt sich unter dem jähen Zügelgriff seines Reiters steil auf die Hinterbeine wie ein Zirkusgaul... Allons! Jean, weiter, vorwärts! Noch fünfzig Meter... Der Oberst sitzt fest im Sattel. In diesem Augenblick vernimmt der Mann dasKrachea einer Salve. Laut und schreckhaft zerbricht der kurze und rauhe Schall die Stille. Zur gleichen Sekunde hallen vom Dorf sieben Schläge langsam und dumpf herüber. Das Pferd preßt zitternd die Schenkel zusammen. Dichter Dampf stößt aus seinen Nüstern, darunter zerflockt weißer Schaum, weißer als der Schnee. Die Luft ist eisig und mit Nebel durchsetzt. Der Tag hebt im Halbdunkel zu glitzern an. Mit hängendem Hals wendet sich der Gaul und trägt seinen Reiter zurück nach Paris. Mit langbeinigem, steifem Pferdegang, als ziehe er hinter sich eine schwarz verhangene Lafette. InS dritte Jahr / Jüdfs^L^Lhulen Berlins