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Central-Verein-Zeitung · 1938-10-13 · 41 (13.10.1938) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
41 (13.10.1938)
Date
1938-10-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 41 * 2. Beiblatt C.-V.-Zeitung 13. Oktober 1938 » Seite 9 Die jüdische (Ilinte Die Eröffnung am 9. Oktober Ife A. H. Immer ist die Notwendigkeit zur Hilfe vorhanden, ohne Einschnitt und ohne Abschnitt. Eine Feier zur Kennzeichnung eines Zeitraumes besonderer Hilfe wäre eine Paradoxie, wenn sie nicht der Sinngebung einer Hilfe diente, die das Maß des Ueblichen übersteigen soll. Jedes Jahr, zu Beginn des Winterhalbjahres, in dem die jüdische Wohlfahrtsarbeit unter dem Motto der Jüdischen Winterhilfe steht, gibt Leo Baeck uns allen, den Gebenden und den Empfangenden, den Sinn des Tuns, den jüdischen Sinn. Gegen Fatalismus und Isolierung müsse die Hilfe wirken; verloren sei nur immer der, der nichts mehr will. Und als Hintergrund unseres Daseins kann sein Wort gelten: Geschehnisse drücken uns nieder, unsere Geschichte gibt uns, daß wir uns aufrichten. Die Möglichkeit, den Präsidenten der Reichs Vertretung zur jüdischen Oefientlichkeit sprechen zu hören, ist selten. Gelegenheiten, wie die der Rede am 9. Oktober, erneuern das Vertrauen der jüdischen Massen für Leo Baeck. Sie sehen in ihm den Mann, der jüdischen Geist, jüdisches Herz, jüdischen Willen in sich vereint, Weite des Blickes und Größe der Auffassung mit Einsicht und Verständnis für die Alltäglichkeiten zur geschlossenen Persönlichkeit verbindet. Er ist der Mann, der nicht durch die wechselnden Kräftekonstellationen der inneren jüdischen Politik, sondern durch die Kraft, die er jedem Juden vermittelt, der ihn begreift, unser Geschick im jüdischen Raum leitet. Die Opfer für die Jüdische Winterhilfe, die er fordert, können zugleich Zeichen unseres Dankes für sein Opfer sein, das er täglich der jüdischen Allgemeinheit bringt. Jedes Jähr, seitdem wir unsere Jüdische Winterhilfe durchführen, sieht die jüdische Presse als ihre Pflicht an; den z ü s^!t;zl i c h e n;Chara^^ d.eren Wohlfahrtseinrichtung zu unter- * streichen. Jedes Jahr hört man Stimmen, die meinen, die sechs Monate Jüdischer Winterhilfe können eine Art Winterschlaf aller anderen jüdischen Arbeit sein. Jeder, der sich um den Fortbestand der jüdischen Einrichtungen über den schweren Winter bemüht, weiß, wie gern man zur Antwort als Begründung für das wohl auch sonst, wenn auch ohne Begrün- Jeruschalajim tanzt Von Schalom Ben-Chorin Wenn auch in diesem Jahre die Simchat Tora-Freude durch die Ereignisse stark gedämpft sein wird, so soll der folgende Bericht, der ein Bild von der ungebrochenen Lebenskraft der jüdischen Menschen in Palästina gibt, dennoch hier Platz finden. D. Red. In der Synagoge meiner Heimatstadt in Süddeutschland wurden alljährlich zu Simchat Tora reinlich gedruckte Zettel auf die Bänke gelegt, darauf zu lesen stand: „Der Gesetzesfreude darf nicht in einer die Weihe des. heiligen Ortes beeinträchtigenden Weise Aue \ .. J.c verliehen werden. Vielmehr ist es angezeigt, die religiöse Freude mit Ernst und Würde zu vereinen." Wollte ein hochweiser Gemeindevorstand zu Jerusalem eine derartige Verordnung für den Festtag nach dem Laubhüttenfeste erlassen — man hielte diesen Erlaß für einen besonders wohlgelungenen Witz, den man sicher kräftig belachen würde. Denn an diesem Tage liegt ein großes, befreiendes Lachen über der sonst so ernst-feierlichen Stadt und macht die Weltalte für ein paar Stunden jung und vergnügt — als sei hier nie der Te:r.pel zerstört und die Krone Davids in den Schutt getreten worden. Alles Leid Israels ist vergessen ... und die lachende Stadt tanzt „wie die jungen Böcke und Lämmer zumal". D:.ru singen händeklatschende Langbärte: „David melech Jisrael chai weka jamc< „David König Israels lebt und besteht"..." Ja, wenn dem so ist, wenn David Hamelech, der starke Heldenkönig noch über uns regiert, was sollten wir traui'ig sein. Und es ist so. Ich habe das Lied und die innere Haltung, der es entspringt, lange nicht verstanden, bis ich — als im Feuer eines chassidischen Freudentanzes in Mea-Sehearim alle meine westlich-kühle Besonnenheit für ein paar Augenblicke hinschmolz — mit einem Male wußte, daß es eine Kraft der Sehnsucht und der gottgewissen Hoffnung gibt, die eine noch so leidensreiche Geschichte auslöschen kann, Tote zum Leben erweckt und den Wunsch mit der Wirklichkeit identifiziert. dung gesprochene Nein die Spende für die Winterhilfe anführt. Als ob mit der Sättigung der Hungrigen, der Kleidung und Wärmung der Frierenden der Kreis der jüdischen Arbeit geschlossen wäre. Uns wäre wohl, wenn dem so wäre! Aber da wir die Wirklichkeit zu meistern haben und nicht Wunschbildern nachzuträumen, gilt die Forderung an alle für die jüdische Arbeit tätigen Stellen, kein Vakuum eintreten zu lassen, mit unveränderter Schärfe. Den Bedachten der Jüdischen Winterhilfe wäre schlecht gedient, wenn die jüdische Arbeit aufbauender, wegbereitender, schicksalserleichternder Art aufhörte. Das Ergebnis wäre eine nicht zu bewältigende Vergrößerung der Hilfsbedürftigen — und das Schwinden der Hilfsfähigen. Die Forderung der Jüdischen Winterhilfe an die Geber kann deshalb nicht heißen: anstatt, sondern muß lauten: auß erdem! * Mit einer würdigen und erhebenden Feierstunde in der Berliner Synagoge Prinzregentenstraße wurde am 9. Oktober die Jüdische Winterhilfe 1938/39 für Berlin und für das ganze Reich eröffnet. Viele Hundert Menschen waren der Einladung zur Teilnahme an dieser Kundgebung gefolgt, die den Charakter eines einhelligen Bekenntnisses zu dem größten Werk jüdischer Selbsthilfe trug. Nach einer musikalischen Einleitung hielt Rabbiner Dr. Leo Baeck, der Präsident der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, bei deren Abteilung Zentralwohlfalirtsstelle wie bisher die Leitung der gesamten jüdischen Winterhilfe liegt, eine Ansprache, die dem tieferen Sinn dieses großen Sozialwerkes und seiner Bedeutung für alle Beteiligten nachspürte. Zunächst' aber-; spracherden Reitenden PersönHchkeiten, den Organisatoren und den Helfern der vorjährigen jüdischen Winterhilfe den Dank aus. Es gelte, so führte Dr. Baeck aus, das Werk der jüdischen Winterhilfe als Ganzes zu sehen und sein Wesen zu erkennen, wenn man einmal von allem Detail, von aller täglichen Kleinarbeit absehe. Unsere Lage habe sich, im Vergleich zum vorangegangenen Jahr, zwar schwieriger gestaltet, Und nur aus dieser Einstellung heraus, glaube ich, ist es auch selbstverständlich, daß keiner der Groß-Frommen jemals auf den Gedanken kam, daran Anstoß zu nehmen, daß die an sich doch tieftraurige Geschichte vom Tode Moses unter dem fröhlichsten Gelächter der Gemeinde vorgetragen wird. Freilich steht am Ende der Tora geschrieben: „Und der Herr sprach zu Mose: Dies ist das Land, das ich Abraham, Isaak und Jakob zugeschworen habe. Du hast es mit deinen Augen gesehen; aber da sollst nicht hinübergehen. Also starb Mose, der Knecht des Herrn, daselbst in der Moabiter Lande, nach dem Wort des Herrn." Aber gibt es denn ein Ende der Tora? Mitnichten — sie höret nimmer auf. Und da dem so ist, gibt es in einem höheren, in einem wirklicheren Sinne auch keinen Tod Moses. Denn auch „Mosche Rabbenu chaj weka jam — Mose unser Lehrer lebt und besteht". Wir wissen es ja alle, daß wir in Wahrheit gar nicht von ihm Abschied nehmen, höchstens auf eine kurze Weile von ein paar Wochen, und dann wird uns das Buch, das hier in reichem Schmucke umhergetragen wird wie ein königliches Wickelkind, die ewig neue Geschichte erzählen vom gewaltigen Manne Gottes, der als winziges Baby, den Nil dahergeschwommen kam. Weil dem so ist und weil der ewige Kreis- Tauf der Tora hier ganz ernst genommen wird, deshalb, und nur deshalb darf die Stelle' vom Tode des Propheten nicht so ganz ernst genommen werden. Wer so gelebt hat, der ist nicht tot — selbst wenn „geschrieben steht", daß er starb, — eine gute Autostunde von hier--„in der Moabiter Lande". Simchat-Tora ist ein — für jüdische Begriffe — sehr junges Fest und man merkt ihm seine. Jugend an. In seiner heutigen Form stammt es aus dem 12. Jahrhundert, in dem der Brauch, die Tora in jährlichem Zyklus zu verlesen, Allgemeingut geworden ist. Offen gestanden halte ich dieses Fest, oder genauer gesagt, seinen Termin, für eine — Verler—'heitslösung. In Palästina sowohl, wo es am achten Tage des Sukkot-Festes begangen wird, wie in der Diaspora, wo es auf den neunten verlegt wurde. Dieser achte Tag, der ja — wer wüßte es nicht — ein eigener Festtag istj und eigentlich mit Sukkot nichts weil wir, an Besitz ärmer und an Zahl geringer, einem größeren Kreise von Menschen helfend zur Seite stehen müßten. Aber wir sollten uns vergegenwärtigen, daß das Bewußtsein der Hilfe den Nehmenden und den Gebenden das Empfinden der Aufrichtung gebe. Das gemeinsame Werk, der Wille jedes Einzelnen und der Gemeinschaft werde uns vor Fatalismus und Isolierung bewahren: Wenn uns auch die Geschehnisse der Zeit niederdrückten, so werde uns die Geschichte wieder aufrichten. Solange wir zu helfen bereit seien, solange bewahrten wir uns eine innere seelische Sicherheit gegenüber dem Schicksal, gegenüber Leid und Not. Und auf der anderen Seite würden alle die, die ohne Familie, ohne eigene Häuslichkeit seien, das Gefühl des Alleinseins weniger stark empfinden oder gar verlieren, wenn sie wissen, daß alle jüdischen Menschen helfend zusammenstehen und füreinander eintreten und sorgen. Wir Juden in Deutschland, so erklärte Dr. Baeck mit allem Nachdruck, bilden eine Gemeinde, und deshalb darf es bei der Aufbringung und der Verteilung der Mittel einen Egoismus weder des Einzelnen noch einer Gemeinde geben. Auch um unserer selbst willen, um innerlich stark und aufrecht zu bleiben, gelte es, der Jüdischen Winterhilfe in reichem Maße zu opfern. Der Vorsitzende des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin, Direktor Heinrich Stahl, gab einen knappen Rückblick auf die Leistungen der Jüdischen Winterhilfe 1937/ 19387 Die nunmehr eröffnete 4. Jüdische Winterhilfe stehe vor weit schwereren Aufgaben. Viele, die früher zu den Gebenden gehörten, zählten nunmehr zu den Nehmenden, und dazu komme der Umstand, daß zahlreiche Menschen, die früher großzügig gespendet hätten, ausgewandert seien. Dennoch sollten wir mit Optimismus, und Zuversicht und.der Stärke, die in unserem Glauben liege, an die neue Jüdische Winterhilfsarbeit herangehen. Wiederum hätten sich viele Helfer in uneigennütziger Weise zur Verfügung gestellt. Die Werbung für das Werk und sein Gelingen müßte in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung kräftig einsetzen. Der Rahmen der Betreuung werde sich in diesem Winter auch auf Einrichtungen der Gemeinde erstrecken müssen, deren zu tun hat, ist im Volksbewußtsein das Stiefkind unter den Festen geworden. Man wußte nichts Rechtes mit ihm anzufangen. Er hat nicht jene Wandlung vom Agrarfeste zum historischen Erinnerungsfest durchgemacht wie die anderen „Wallfahrtsfeste" des Jahres — er verblaßte einfach. Peßach, das Frühlingserntefest, wurde zum Fest des Auszuges aus Aegypten, Schawuot, der Tag der Gerstenernte, wurde — in nachbiblischer Zeit! — zum Offenbarungsfest, und Sukkot, das Fest der Traubenlese, da ein bodenständiges Bauernvolk in leichten Hütten in seinen Rebhügeln nächtigte, wurde zur Erinnerungswoche an die Wüstenwanderung und zur messianischen Feier der Erwartung jener sagenhaften Hütte aus der Haut des Wunderfisches Levijathan. Aber Schemini Azeret hat keinen Bedeutungswandel durchgemacht. Dunkel von seinem Ursprünge' her, verlor es seinen Sinn als „Schlußfest" der Wallfahrten nach Jerusalem, die seit der Zentralisation des Kultes unter dem König Josia allgemein geworden waren. Aber dieses Fest, das alle Besonderheiten verloren hatte, sollte deshalb nicht untergehen. Es wurde ihm ein anderes Fest gleichsam untergeschoben — — ohne daß es jemals ganz legitimiert worden wäre. Denn Simchat-Tora — so ungeheuer populär es wurde! — ist niemals in die Pflichtteile der Liturgie eingegangen. Im Weihesegen über den Wein, im Achtzehn- und Zusatzgebet, und im Tischdank dieses Tages wird es nicht erwähnt. Immer heißt es hier „Jörn schemini »chag haazereth", „Der achte Tag, Fest der Ausfeier". Aber Name ist hier wirklich Schall und Rauch. Denn volkstümlich ist dieses Fest nur als Simchat-Tora. Ich glaube, man wird die überschwängliche Freude, mit der etwa die kabbalistischen Juden in Jerusalem diesen Tag bei Tanz und Gelage feiern, nur ganz verstehen können aus dem Charakter, den der vorhergehende Tag, „Haschana Rabba" angenommen hat. Er ist gleichsam zum Tag des Gerichtes in zweiter Instanz geworden. Und so wie man in Jerusalemer Synagogen am Schluß des großen Gerichtstages, des Jörn Kippur, häufig beobachten kann, daß ehrwürdige Greise im weißen Totenkleid sich zum Freudentanz bei den Händen fassen, so er¬ Unterhaltung aus ihren Etatmittom nicht gedeckt werden könne. Daß wie bisher der Seelischen Winterhilfe, der Erholung und Erbauung notleidender Menschen, besondere Aufmerksamkeit gewidmet werde, versprach Direktor Stahl am Schlüsse seiner Ausführungen, die in dem Appell zu tätiger Mitarbeit gipfelten. E. G. L. Den musikalischen Rahmen gaben: der Organist Werner Baer mit einer durchaus orgelgerechten Einleitung, in der ein ausgezeichnet gearbeiteter poV-h~ner Mittelsatz auffiel, das Kulturbunderchester, das unter Rudolf Schwarz sauber und beschwingt Goldmark und Mendelssohn musizierte, schließlich die Altistin Ruth K^i s c h - A r n d t (Köln), neu in unserem Rahmen und, wie gleich der erste Eindruck zeigte, ein großer Gewinn; makellose Intonation, bezauberndes piano und verinnerlichtes Formen ergaben eine wundervoll geschlossene Leistung. In die Begleitungen teilten sich das Orchester und der treffsicher registrierende Werner Baer. H. Fr. Die Jüdische Winterhilfe Berlin teilt mit: 1. An alle Gemeindemitglieder! Der Herr Reichsbeauftragte für das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes hat angeordnet, daß die Sammlungen und die Betreuung für die Winterhilfe unter den Juden durch uns selbst, wie in den Vorjahren, durchgeführt werden. Der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ist die Jüdische Winterhilfe 1938 bis 1939 in Berlin übertragen. Als monatliches Pflichtopfer ist mit Genehmigung des Herrn Reichsbeauftragten für das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes neben den regelmäßigen Sammlungen im Hause (Eintopfspende, Haussammlung, Pfundspende) festgesetzt: a) Lohn- und Gehaltsempfänger zahlen während der sechsmonatigen Dauer der JWH. 1938/39 (1. Oktober 1938 bis 31. März 1939) monatlich mindestens 10 o/o der abgeführten Lohnsteuer, mindestens RM. 0,25 monatlich. b) Lohn- und Gehaltsempfänger, die wegen ihres geringen Einkommens nicht herangezogen werden, entrichten ein Opfer von monatlich RM. 0,25. c) Festbesoldete, die neben ihrer Lohnsteuerleistung noch zur Einkommensteuer .veranlagtwerden, enlxichteo^na- -?.:..i)en".- ihrer- - monatlichen. Spende &~\00a& von "mindestens 10 °/o ihrer Ld^^^|r ein monatliches Opfer in Höhe vcm l^b ihres für das Jahr 1937 veranlagten Einkommensteuerbetrages an die Jüdische Winterhilfe, soweit die Steuerschuld nicht durch Lohnabzug getilgt wird. Diese 1 o/0 werden also lediglich von der Einkommensteuerschuld errechnet, die durch Vorauszahlung und die Abschlußzahlung getilgt worden ist, mindestens - RM. 1,— monatlich. hält auch die Fröhlichkeit von Simchat-Tora ihren tiefsten Sinn erst aus dem Bewußtsein des überstandenen Gerichtes. So gesehen ist Simchat-Tora eigentlich ein umgekehrter Fasching. Fasching nach dem Aschermittwoch. Die Fröhlichkeit nimmt oft seltsame Formen an. Meine Stimmung etwa wird durch ein geworfenes nasses Handtuch nicht gesteigert, aber ich scheine ein outsider zu sein. Selbst sonst sehr vernünftige Männer bewerfen einander in den, Betstuben jubelnd mit dem zerknüllten Handtuch, das die Kohanim (Priester) zum Trocknen ihrer Segenshände benutzten. — Weit gemäßigter ist die Freude der Sefarden. Die ziehen mit ihren Torarollen umher, die wie große, bunte Puppen wirken. Sie sind nämlich nicht wie die bei uns üblichen mit einem losen Mantel bekleidet, sondern stecken in walzenförmigen, prächtig verzierten Hüllen, die mittels Scharnieren geöffnet werden können, so daß man di* Rolle auch bei der Vorlesung nicht aus ihrem Behältnis herausnimmt, sondern in ihrem Gehäuse aufstellt und aus der stehenden Torarolle liest. Simchat-Tora, das mit seinen 800 Jahren geradezu der Grünschnabel unter den Festen des jüdischen Jahres ist, und das Fest der Grünschnäbel, der kleinen und der kleinsten Kinder obendrein, ist bestimmt alles andere als ein biblisches Fest. Und dennoch hat kein anderer Tag den Urimperativ althebräischer Festlichkeit: „Ihr sollt fröhlich sein vor dem Herrn, eurem Gott" reiner bewahrt als eben dieser Tag Simchat-Tora. Henriette Harfners Sohn Nach einer jüdischen Familienchronik erzählt von Moritz Kaswan (Schluß) Bewahre, durch Cassel war er geritten, stimmte schon, hatte aber nur für einen Tag und eine Nacht Quartier genommen. Dann gings im Galopp zurück. Der Kaiser, kein geringerer, hatte ihn mit Depeschen an den Bruder Jerome gesandt. Er kam gerade zurecht, um die Freude der Hessen über ihren jungen* aufgehalsten König mitzuerleben. Wie

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