Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 41 (13.10.1938)
- Date
- 1938-10-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 C.-V.-Zejfuna Nr. 41 »13. Oktober 1938 veröffentlichten ist diese gewaltige Aufgabe nun zu 3/4 gelöst und die Herausgabe des vierten Teils in abermals acht Bänden, die jetzt in Vorbereitung ist, wird das ganze Werk vollenden. Eine vollständige und ungekürzte Uebersetzung des babylonischen Talmuds wird dann in 32 Bänden vorliegen. Der dritte Satz, der jetzt veröffentlicht wurde, ist „Mo'ed"' genannt und handelt von den festgesetzten „Zeiten", den Fest-, Fast- und Heiligen Tagen des Kalenders, die immer einen bestimmenden Charakter in das jüdische Leben gebracht haben. Der „Soncino Talmud"', herausgegeben von dem hervorragenden Gelehrten, Rabbi Dr. I. Epstein, ist die erste vollständige und ungekürzte Uebersetzung, die je in englischer Sprache erschienen ist. Eine Gruppe von 30 Gelehrten aus London, Manchester, Birmingham, Edinburgh. Bradford, Middelsborough, Belfast und Southport sowohl wie auch aus Amerika und Palästina haben an diesem bedeutenden Werk zusammengearbeitet. Der Text ist reichlich kommentiert und enthält Inhaltsverzeichnisse; Erläuterungen allgemeiner und besonderer Art geben das Wesentliche der verschiedenen Ordnungen und Abhandlungen wieder. Jedem dieser acht Bände geht ein Vorwort des Chief Rabbi des Britischen Empires, J. H. Hertz, voran. konnte sich in Beifalls äußerungen nicht genug tun und erzwang zum Schluß noch eine Zugabe. . H. L. Konzerte und Vorträge Max Osborn sprach im Jüdischen Kulturbund Berlin über „Holländische Maler außer Rembrandt". Es ist immer wieder fruchtbar, gerade in diesem Bezirke der europäischen Malerei zu erleben, wie alle große Kunst nur dadurch die innere Notwendigkeit und damit ihre Dauer erhält, daß sie aus der einheitlichen Geschlossenheit eines gewachsenen Volkstums und seiner einmaligen Kultur kommt. Nie -verfehlen diese Bilder aus jener Magister Kirsch Der gute Likör, Magister, München VII Zeit, dem Höhepunkt des Lebens dieses kleinen, aber in jeder Beziehung reichen Volkes, das eben den Existenzkampf mit seinem spanischen Todfeinde bestanden hatte, ihre Wirkung, mag man auch noch so oft und in welcher eigenen Lebenslage immer, ihnen begegnen. So verschaffte Dr. Osborn seinen Hörern einen wahren Genuß, indem er in der von ihnen erwarteten, meisterlich beherrschenden Weise den Stoff darbot. Die Stunde wurde durch Vorführung einer großen Zahl von Lichtbildern wichtiger Werke reizvoll belebt, wobei der Versuch farbiger Reproduktionen als besonders gelungen betrachtet werden muß. Ja, es ging hauptsächlich um die Maler des 17. Jahrhunderts; dabei wurden selbstverständlich die Zusammenhänge mit den Frühen dargelegt, und der eine einsame und unmeßbare Rembrandt, der immer einer Sonderdarstellung bedarf, mußte hereinleuchten. Es ist wieder selbstverständlich, daß am meisten von dem derben Frans Hals und dem erlesenen, edlen Vermeer van Delft die Rede war. Es wurden dabei Beziehungen zu unserer Zeit klar, und es war sehr aufschlußreich, etwa aus einer Studie Max Liebermanns nach Frans Hals die organische Herkunft des jüdischen 'Malers von den großen Alten zu erkennen, dessen Malart aus den Lichtbildern besonders deutlich wurde. Unerhört an- Hirsch-Pelze auch Reparaturen Tauentzienstr. 4. Telefon: 246200 schaulieh wurde z. B. „Der lustige Zecher" (Rijksmuseum Amsterdam). Und wie schön kam etwa ein Bild wie „Der Brief" des Delfters heraus (das früher hier James Simon gehörte und jetzt in New York ist). Man erlebte eine Ueberraschung um die andere zu den aufschlußreichen, anregenden Worten dos Vortragenden. Es war ein reicher Abend; man Die Touristenkärte Von Mala Laaser Eben fiel mir, als ich in meinem Handlexikon nach irgendeinem Namen suchte, ein gefaltetes Papier zur Erde. Ich hob es auf und untersuchte es flüchtig, mit den abwesenden Bewegungen eines Menschen, dessen Gedanken bei ganz anderen Dingen sind. Es war kein Dokument von großem Wert, sondern nur eine hellbraun ausgeführte Touristenkarte der Schweiz, die ich da zufällig gefunden hatte. Lichtblau, wie der Himmel über nordischen Ländern, lagen die Seen in der von Flußläufen und Bahnstrecken geäderten Bräune, im Westen der Genfer See und der Lac de Neuen ätel darüber, südöstlich der Lago Maggiore und der Comosee, nordöstlich der „Bodensee" und dann, nicht weit davon auf einer Karte, Zürcher und Vierwaldstätter See. In weiten Schleifen der Betrachtung glitten meine Blicke über das Land, starkgedruckte Städtenamen überfliegend und schwächere an winzigen, fast unsichtbaren Siedlungskreisen. Hier und da in dem zergliederten Gewirr hielt das Auge fest an den gedehnten weißlich-blauen Zeichnungen des ewigen Schnees, die auf der nur dargestellten Wirklichkeit ganz brüderlich den Seen-Lappen glichen ... aber schnell prägt sich der Unterschied; das Schneefeld um Zermatt zum Beispiel oder das um Jungfraujoch gleicht dem frischgeronnenen Bleigebilde, welches man in vielen Ländern Europas zur Neujahrsnacht zu gießen pflegt, während der Lago Maggiore und der geklüftete Vierwaldstätter See nicht erstarrt, vielmehr beweglich wie ein Protoplasmawesen mit langen blaugemalten Scheinfüßen das Gebirgsland auseinanderzwängt. In der linken Kartenecke oben sind die Zeichnungssymbole aufgeführt mit den knappen erklärenden Stichworten dazu, und darunter steht, in großem leserlichen Druck, der Maßstab: 1:900 000; auch dieses, denke ich, ist wieder ein Beweis für die zauberischen konnte wieder einmal sehen, wie sehr die Versenkung in Unaktuelles durch wahre Kunst, zum Sinnbild gewordenes Leben, die Mensehen innerlich befreien kann. Viele Einsichtige wußten das vordem; der Saal war bis aufs letzte gefüllt, und stärkster Beifall wurde dem Vortragenden zuteil. J. P. Nach längerer Pause durfte man sich in einer besonderen Veranstaltung des Berliner Kulturbundes wieder der reifen und eindrucksstarken Vortragskunst von Frau Edith Herrnstadt-Oettingen erfreuen. Ihre Art ist in diesen Blättern oft .schon gerühmt worden als der kristallklare Ausdruck einer im Technischen wie im Geistigen, in der Behandlung der Sprache wie in der Verteilung seelischer Akzente gleicherweise disziplinierten künstlerischen Persönlichkeit, deren menschlicher Kern tief im Erdreich eines gläubigen Judentums verwurzelt ist. Auch das Programm dieses Abends war im wesentlichen auf einen religiösen Grundton abgestimmt. Den weihevollen Auftakt gab ein ins Symbolisch-Allegorische erhöhter Midrasch von Max Diene mann „ Jirmejahu der Tröster". Den Abschluß bildete ein Psalm über „Tanz" von Bialik, den die Künstlerin mit der ganzen rhythmisch gebändigten Kraft der ihm innewohnenden Ekstase in hebräischer Sprache zu lebendigstem Vortrag brachte. Von dem Willen zur Opferbereitschaft erzählte eine in weltoffene Frömmigkeit gebettete, stilistisch fein abgewogene Legende von Emil Cohn (-Bernhard). Eine andere (chassidische) Erzählung leitete im ersten Teil der Vortragsfolge zu den helleren Bezirken des Humors über, in denen die zwar etwas abseits stehenden, aber wirksam gezeichneten Porträts aus dem jüdischen Familienalbum von Eugen Tannenbaum für ausgiebigere Heiterkeit sorgten. Der zweite Teil des Programms ließ dann, im Lyrischen, Epischen und Dramatischen, durchweg ernste Töne aufklingen: am zartesten in dem schönen, innigen Muttergedicht „Mother o'mine" von Rüdyard Kipling — am mächtigsten in den magisch treibenden Schlußszenen aus „Jaakobs Traum" von Richard Beer-Hofmann — am gehaltensten in der aus dem Preisausschreiben der C.-V.- Zeitung bekannten, von einer geläuterten Menschlichkeit erfüllten, schicksalhaften Novelle „Die oberen Sphären" von Ludwig Landau. Das besondere polyglotte Talent der Künstlerin entfaltete sich schließlich in der Wiedergabe einer englischen Uebersetzung der Sabbat-Erzählung „Mein stärkstes jüdisches Erlebnis" („My deepest Jewish Impression") von Cilly Neuhaus (englisch von Louise Eyck). Das Publikum, das den Kulturbundsaal bis auf den letzten Platz füllte, Kräfte des menschlichen Verstandes. Da wird ein Land, ja, eine ganze Erde durch die Hexenkünste der r.erechrung in : Proportion, aber ohne wahre Höhe, Tiefe oder Weite, auf ein Stück Papier gemalt, und man hätte vielleicht nichts weiter nötig als einen Zirkel Goliath, um etwa die Entfernung zwischen Hertenstein und Weggis nun im Maßstab t 900 000: 1 zur dreidimensionalen Wirklichkeit zurüekzuwandeln, aber vorsichtig! Es scheint, als habe die Vielfalt der Linien und Farbfelder auf unserer Toux-istenkarte einige Verwirrung in meinem Kopfe angerichtet, so daß ich schon kaum mehr fähig bin, die Zeichnungsstrecke ITerlenstein—Weggis von der gangbaren Uferstraße am Vierwaldstätter See zu unterscheiden. Modell und Abbild sind plötzlich magisch durch die Maßstabszahl verwandt; je unbeweglicher das körperliche Auge auf die millrneternahe Strecke starrt, um so freier äugt der Geist im windigen Gebiet der länderweiten Vorstellung umher, und die Erinnerung reicht atmend ihre Schalen dar, damit die Phantasie sich fülle und berausche... Die Berge waren um den See gefügt wie ein düstrer Rahmen um ein helles Bild; überm Wasser schien der Frühlingshimrnel und durchdrang den See bis auf den Grund mit seiner Bläue. Droben, auf den Kä-nmen und Hängen, glitzerte der Alpenschnee. Nur, wenn eine Wolke drüberfuhr, geisterten sprunghafte Schatten im W7eiß, und der sommergrüne Pelz der Ufersteigung mit den farbigen Blumensäumen zeigte wunderlich den tiefen Gegensatz im Landschaft sangesicht der Schwyz, worin sich die heroische Erstarrtheit der Gebirge mit der fruehtbarkeitsgeladenen Süße des flacheren Erdreichs paart. Welchen besseren Namen könnte ich heute finden für meine »Stimmung damals auf der Wanderung nach Weggis als den der „fröhlichen Einsamkeit"? Wie in der Landschaft um mich her, so spürte ich auch in mir selber die Spannung gegensätzlichen Empfindens: die Spannung zwischen Hoheit — Einsamkeit — Auf einen jüdischen Sänger Alexander Heinemann — das war einmal, d. h. noch vor 20 Jahren, ein Begriff: nämlich die Verkörperung eines mit herrlicher Stimme begnadeten Sängers, der nicht nur meisterlich und absolut schön singen, sondern auch in so charakteristischer, faszinierender Weise vortragen konnte, daß ihm die Herzen der Zuhörer nur so zuflogen. In den ersten Jahren seiner Sängerlaufbahn huldigte er — wie fast alle Sänger in der Vollkraft ihrer Jugend — ein wenig dem „Krai'tmeiertum", obwohl ihm die zartesten Register, wie die „voix mixte" und ein wunderbares „mezza voce" zur Verfügung standen. Aber mit der sich immer mehr vervollkommnenden Gesangskultur, der Sprachtechnik und seiner fortschreitenden Geistesbildung verfeinerten sich seine Vortragsmittel in so hohem Maße, daß es bald kaum ein Ausdrucksgebiet gab, das er nicht beherrschte. Das Kraftvolle, Dramatische (besonders mit dämonischer Note) lag ihm ganz besonders, so daß man ihn um die Jahrhundertwende mit Recht zu den allerersten Balladen-Sängern zählte. Jedoch auch, das zart-lyrische, leicht-beschwingte, gedanklich-schwere, aber auch das fein-humoristische Lied wußte er in bewundernswerter Weise zu gestalten. Kein Wunder, daß er frühzeitig Weltruhm erlangte und ihn seine Konzertreisen durch alle europäischen Länder, zweimal auch nach Amerika, führten. Auch als Pädagoge hat er sich einen großen Namen gemacht. Eine ganze Anzahl Unbemittelter Schüler hat er unentgeltlich ausgebildet, und den jüngeren Tonsetzern war er ein eifriger, selbstloser Förderer. So verdankt auch der Verfasser dieser Zeilen ihm seine ersten großen Erfolge als Liederkomponist. Er fragte nie nach der „Richtung", nach r>odern oder nicht modern — für ihn gab es nur gute und schiechte Musik. — Daß er übrigens ein überzeugter, guter Jude war, steht fest, auch daß er — wie alle echten Künstler — ein tief-religiöser Mensch war! Wie traurig, daß er schon mit 45 Jahren, am 16. Oktober 1918, dahingehen mußte. Jakob (James) Rothstein Theater und Musik Im Theätre St. Georges in Paris geht als erste Novität der neuen Saison „Duo" von. Paul Gera 1 d y (nach dem Roman von Colette) in Szene. -v ■ ■*.'..■• Das'Theätre de Paris brachte ein neues Lustspiel von Louis V e r n u e i 1, „Leonidas", heraus. Im ersten Kammermusik-Konzert der neuen Saison in London gelangte das Quintett C-moll von Ernest Bloch zur Aufführung. Der junge jüdische Pianist Walter Joachim Selbiger spielte im Radio Buenos Aires das Klavierkonzert Es-dur von Beethoven mit Orchester. In Philadelphia werden im Laufe dieser Saison einige junge Künstler vor die Öffentlichkeit treten. U. a. erscheinen Sylvan Levin als Pianist, Jüdischer Clown Von Arthur Silbergleit Kleiner Clown, Großapplaus! Durch Gelächter laut belohnt Für verschmitzte Wehmutpose! ^X^ie verhaun Siehst Du aus In der viel zu breiten Hose Mit dem eingestickten Mond. Wer glaubt Dir, o Eseltreiber lieber der Manege Saum, Einen Hohepriestertraum Oder auch als stolzen Ahn Einen Torarollenschreiber? Kleiner Clown, Großapplaus! Wenn Dich je zu Größenwahn Die Erinnerung auch triebe, Riefe Dich Sicherlich Tag zurück. Doch leise Liebe Für Dein Volk macht Dich zum Dici»±*«, Daß Du Freitagabend siehst, Wie das Gold der Sternenlichter Sabbatkerzenhaft umfließt Zirkuszelt Und der Welt Sturmgebraus. ItlllllfllltlllllflllllllllltrTIIlIIIIIlIIIIIIfllllltlEIflllllilllilllllllllltlllllllliltllllllCflllltlllllllllfliaillSI Eugene Loewenthal als Baß-Bariton, Eudice Shapiro als Violinist. Darius M i 1 h a u d hat die Musik zu der Eröffnungsnovität der Comedie Francaise, dem Schauspiel „Tricolore" von Pierre Lestinguez geschrieben. Fritz Kreisle r beginnt am 20. Oktober eine dreimonatige Amerika-Tournee, die mit einem Konzert in der Carnegie Hall in New York ihren Abschluß finden wird. * Moriz Rosenthal, der bekannte, jetzt 75jährige Pianist, feiert demnächst sein 50jähriges Jubiläum als konzertierender Künstler. Karl Ulrich S chnabel, der Sohn Arthur Schnabels, unternimmt eine europäische Tournee, die ihn durch England, Dänemark, Holland und Italien führen wird. * Im Rahmen der Londoner Theätre Concerts im Cambridge-Theater gibt Artur S chnabel einen Schubert-Abend; als Dirigenten wurden u.a. verpflichtet Mosco Carner und Georg Szell. In den Programmen findet sich Joachims Orchesterbearbeitung von Schuberts Grand Duo op. 140. * Das neue Orchester der ,,New Friends of Music" wird in der Carnegie-Hall in New York eine Reihe von Konzerten, hauptsächlich mit einem Bach- und Haydn-Prograrnm, unter Leitung von Fritz S t i e d r y veranstalten. und der Lust an Bewegung und Leben. Ja, sogar die Tiere dieses Landes, ganz zu schweigen von den Menschen, den Fischern auf dem See und den vorüberschr/eitenden Ber;bauern, zeugten für diesen Gegensatz: jedes Rind in seiner gleichmütigen Ruhe und mit dem reifen Schwung des Euters zwischen den Schritten stampfte als lebendiger Beweis dafür am See entlang... In Weggis kehrte ich in einem Gasthof ein and aß, im Freien ganz in Ufers Nähe sitzend und den dunklen Bergen zugewandt, ein fettes kräftiges Mittagsmahl. Ein gelber Hund schlich still herbei und umkreiste meinen Tisch in immer enger werdenden Spiralen; er schnupperte und schien mit dem Befund zufrieden, denn er nahm unbeän-rstigt Brocken von mir an, wedelte ruhig und ließ sich schlicß7i"h tähnend neben virnieder, wobei er seine Schnauze freundschaftlich auf meine Fußspitzen be tete. Als ich ausbrach, sprang er auch empor und sah mich an; ich habe keine Ahnung, ob die Wissenschaft heute schon so weit ist, daß sie auch dem Tier Konflikte zuerkennt. In den B'icken jenes Hundes drückte sich zweifellos ein solcher aus. Zwei Elemente sah ich deutlich in der tierischen Pupille gegeneinander kpT.pi'en: Bleiben-Wollen und Mitgehn-Wollen. Da war der Gasthof und die Hundepflicht, ihn zu behüten; da war aber auch die fremde Menschenfrau, deren Ni'.he man nicht missen wollte, selbst wenn ihre freundlich-duldsamen Füße schon langsam auf der Uferstraße zwischen Weggis und Hertens'ein voranzinvandern begannen. Nun, kurz gesagt, der Hund lief mit, den langen Weg am See entlang bis zum Landungssteg in Hertenstein. Wie um die Entfernung auch recht und in vollem Maße zu messen, blieb er unterwegs zuweilen stehen und blickte zaudernd nach Weggis zurück. Aber ich brauchte ihm nur traurig 7,.~. Abschied zu winken — und er war mit ein '"aar has'.i-;en Sprüngen wiederum an n- :r Seils. Erst am Landungssteg verließ er mich endgültig, und zwar tonlos rasch und unsentimental. Er hatte das Mögliche getan, indem er mich auf meiner Wanderung geleitete; nun winselte er nicht, sprang auch nicht am Schiffsbord hoch oder gar mit einem Satz ins Wasser, hinein in die Furt des schwindenden Schiffes — dies alles wäre einem schwyzer Hund unmöglich gewesen, der wohl weiß, daß es erlaubt ist, dem Fremden Freundschaft und Liebe über ein Stück Weges nachzutragen, daß man aber über solchem Dienst das Gew-ohnte nie vergessen darf ... Vom Schiffsheck aus erblickte ich die Uferstraße, und ich sah den kleinen Hund gleichmütig nach Hause trotten, die Strecke hinunter bis Weggis zurück... Vielleicht hat diese Erinnerung nicht länger gedauert als einen Atemzug lang; ich weiß es nicht. Die Zeit, wenn man vom Chronometer absehen will, hat keinen so berechenbaren Maßstab wie eine schweizerische Touristenkarte — die Jahre eines Menschenlebens sind vielleicht wirklich nur ein Tag und sonst nichts. Die „U n i o n jüdischer Künstler" in Paris, die ein bescheidenes Ausstellungslokal besitzt, veranstaltete seit Januar 1938 mehrere Aufteilungen. Bisher waren mit ihren Arbeiten zu sehen: Abraham Mintchinc. der. schon 1931 verstorben, durch eine" Gedenkschau geehrt wurde. I. Preßmann, Wladimir Segalovitz, I. D. Kirchenbaum. Chana K o w a 1 s k a, Ju'es L e 1 - 1 o u c h e, ein Algerier. Wladimir N a i d i t s c h, V o 1 o v i c k, Michel Krever, Samuel Blum, Jacques L i £ s c h i t z und Bernhard R e d e r. * Zu einer Arbeitsgemeinschaft im Rahmen des Rcichsverbands der jüdischen Kulturbünde in Deutschland hat sich eine Anzahl jüdischer Vortragskünstler zusammengefunden. Diese Arbeitsgemeinschaft, die in engster Fühlung mit den in Deutschland lebenden jüdischen Dichtern steht, will für diese das Organ sein, das ihren Werken möglichst weite Verbreitung schafft. Dadurch und durch die bereits veröffentlichte Regelung der Tantiemefrage (vgl. C.-V.-Zeitung, Nr. 39 vom 29. September) gewinnen die Schriftsteller neue Ärbeits- und Verdienstmöglichkeiten. Für sich selbst erhoffen die Rezitatoren davon, außerdem eine Er-* Weiterung ihres Arbeitsgebiets.