Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 40 (6.10.1938)
- Date
- 1938-10-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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jslr. 40 * 2. Beiblatt CYZeitunq 6. Oktober 1938 * Seite 5 ArHO Nadd / Zum 60. Geburtstag am 3. Oktober Von Dr. Max Osborn Als vor einigen Tagen Arno Nadel sein 60. Lebensjahr vollendete, wird sich ein Strom von Gratulanten zu ihm hinbegeben haben, um ihm Dank, Glückwünsch, Huldigung darzubringen. Die Männer der Feder werden angerückt sein und gesprochen haben: Uns, den jüdischen Schriftstellern und Dichtern gehört er vor allen. Wir haben keinen unter uns, der in Europa den Gehalt des Judentums und allen religiösen Denkens stärker begriffen und tiefsinniger in kristallklare Form gegossen hat. Schlagt seine biblischen Szenen vom „Sündenfall" auf und lest dort nach, wie Urvater Abraham „Gott entdeckt", oder wie Moses auf dem Be^e Fot.: Herbert bonnenfeld Horeb berufen ward. Wie ist hier jüdischer Geist und jüdische Frömmigkeit zugleich tiefgründig und in edelster Bedeutung naiv in Verse gekleidet! (Daß man in Palästina bei Hebron die „Eiche Abrahams" ehrfürchtig betrachten kann, unter der des Patriarchen Lieblingsplatz gewesen sein soll — das wußte Nadel gar nicht, als er seinen Stammvater unter eine „mächtige Zeder" setzte.) Nehmt Na? dels Bühnenwerke und ein Poet von völlig eigenem Wuchs spricht zu Euch. Welch ein Wachsen des poetischen Ausdrucks und der seelischen Durchdringung der schweren Gedankenfracht von jenem ersten Bande der Aphorismen von 1909 — wobei Arthur Eloesser dem Dichter den Weg in die literarische Oeffent- Iichkeit bahnte — bis zu seinem mystischvisionären religiösen Gedichtwerk und dem in großartige Weiten menschlicher Geistesregionen ausgreifenden Tänzen und Beschwörungen des weissagenden Dionysos, der sich als eine umfassende hym- Henriettc Harfners Sohn Nach einer jüdischen Familienchronik erzählt von Moritz Kaswan (3. Fortsetzung) Graf d'Epinee fährt fort, der MilitärkommissioK zu beweisen, um was für einen Fall es sich hier handle: „Ein gefährlicher Bonapartist, Angehöriger einer fremden Macht, hat es unternommen, zusammen mit eigenen, auszumerzenden Elementen den Staat Seiner Majestät aus seiner Ordnung und Sicherheit zu reißen...", bei diesen Wendungen wird die Nase des Kronanwaltes so spitz wie ein Dolch. Der Oberst indes muß im geheimen lächeln: die Bonapartisten saßen wahrlich anderswo. Die Deutschen, zumal die in Westfalen, dürften einer napoleonischen Beglückung kaum wiedergeneigt sein. Doch da stand er schon aufs Neue in Cassel... er zwingt sich zum Zuhören. Graf d'Epinee schließt seine Ausführungen: „Meine Herren Offiziere, wir haben, keinen Grund, gegen den Fremden schonender vorzugehen als gegen unsere französischen Aufrührer. Der König hat strengste Maßnahmen zur Niederwerfung dieser unliebsamen Affäre anbefohlen. Es ist Ihnen bekannt, meine Herren, daß Ihnen die Funktionen eines Standgerichts erteilt sind. Meine Herren Offiziere, ich beantrage für diesen Mann die Todesstrafe!" Oberst Louis Quibon verschwindet mit seinen Offizieren in einem Seitenkabinett. — Nach sechs Minuten treten die Herren feierlich heraus, und der Vorsitzende der Militärkommission verkündet mit ernstem Gesicht, indes dem Angeklagten das Herz stillsteht: »Der Student Ludwig Harfner wird der Teilnahme am Umsturzversuch als überführt angesehen und zum Tode durch Erschießen verurteilt. Die Exekution hat morgen um sieben Uhr auf dem Hof der Kaserne in L. stattzufinden." Selbst Graf d'Epinee war überrascht, mit nische Verkündung darstellt, in der Judentum und Griechentum zu einer nie vorher gewagten Synthese verflochten sind. Aber dann werden die Musiker vor ihn getreten sein und gesagt haben: Uns gehört er! Nicht nur weil sein ganzes Wesen, alles was er in den RA ■ ^fe SämtlicheApparate, Reparat. ßk %Ja I &Jr Antennenbau L. Arndt, Friedenau m^m VST ■ W Kaiserallee 75 83 03 64 verschiedenen Provinzen der Kunst geschaffen, die Harmonie seiner denkerischen Spekulationen, die Gestaltung seiner inneren Vorstellungen, wie von beschwingter Musikalität getragen ist. Sondern weil Arno Nadel, der souveräne Beherrscher des Worts, nicht minder ein Gebieter des Tons ist und in seinem bürgerlichen Beruf unter die Musiker zählt; denn seit 22 Jahren amtiert er als Interims-Dirigent der Berliner Jüdischen Gemeinde. Von Kind an wußte er mit der Geige umzugehen. In gründlichstem Studium versenkte er sich in die Geheimnisse und die Geschichte der' jüdischen Musik. Unter dem schönen Titel „Hallelujah" hat er ein siebenbändiges Kompendium hebräischer Musik zusammengestellt, nicht nur als einer der besten Kenner, sondern auch der eifrigsten Sammler dieser Spezies. Auch Kompositionen von ihm selbst sind diesem unvergleichlichen Quellenwerke einverleibt. Ihr Empfindungsgehalt mag in der Bühnenmusik zu Stefan Zweigs „Jeremias" wiedergeklungen haben, die wir bei der Aufführung des Kulturbundes hörten. Und dann werden die jüdischen Maler gekommen sein und ihr Vorrecht angemeldet haben: Was wollt ihr alle, rufen sie, uns gehört er! Denn die bildende Kunst hat doch an den beispiellos reichen Gaben, mit denen dies Menschenkind ausgestattet wurde, den stärksten und sichtbarsten Anteil. Auch auf diesem Felde hat sich schon der Knabe getummelt. Wenn er, des Erstaunlichen seiner Fälligkeiten unbewußt, als kleiner Bursch im heimatlichen Wilna seine juweüer Ludwig Steinmetz \ Nürnberger Str. 56 (neben Woolworth) Zeichnungen vergnüglich herumzeigte, dann hörte er wohl in der Familie und ihrem Freundeskreis bewundernd flüstern: „Ein zweiter Antokolski"; denn der bedeutende jüdische Bildhauer Markus Antokolski war ja auch ein Sohn der Stadt Wilna. Aber frühzeitig kam das kleine Wunderkind, dem alle Musen zulächelten, nach Deutschland. Zunächst nach Königsberg i. Pr., wo er zur Schule ging welcher Ruhe und stolzen Gelassenheit der Jüngling sein Urteil aufnahm. Oberst Quibon fragte ihn, nicht ohne Bewegung, ob er noch einen Wunsch äußern wolle? Da straffte sich die Gestalt des jüdischen Lehrersohnes, und er versuchte seine Stimme aus ihrer Unsicherheit zu reißen. „Ich wünsche," sprach er mit langsamer, schwerer Betonung jedes seiner Worte, „daß man den Beweis meiner Schuld, den Zettel, meiner Mutter zurücksendet und ihr sagen läßt, der Mann, dessen Unterschrift der Zettel trägt, hat den Tod ihres Sohnes verschuldet." Ludwig Harfner schöpfte tief Atem, und nun klang seine Stimme klar und sicher, als er die Augen auf den Oberst richtete: „Und auch das sagen Sie meiner Mutter, ihr Sohn wäre als Jude gestorben." Die Ueberführung nach der etwa zwei Wagenstunden von Paris in der winterlichen Landschaft des Dörfchens L. gelegenen Kaserne erfolgte am Nachmittag in unauffälliger Weise. Trotzdem wäre es dem Deliquenten lieber gewesen, man hätte ihn sofort nach Urteilsverkündung ins Gras beißen lassen. So galt es noch einmal, ein breites Wegstück zu durchmessen: Von der Wiege bis zum Grabe, hört er es in sich deklamieren und überschaut die sorglosen Kindtage, durcheilt die heitere Schulzeit, da schiebt sich das Bildnis eines Mädchens dazwischen, zart und voller duftenden Farben, braun, und stechend in die Augen. Das und noch vieles andere mehr. — In dieser Nacht vom zehnten auf den elften Dezember hält der Verlorene Zwiesprache mit seiner Mutter. Hatte ihr unerklärliches Ansinnen nicht sein Schicksal verschuldet? Es sind dunkle, schwere Fragen, die der Sohn an die Mutter stellt: Wer war Louis Dubois? Was sollte er bei ihm?... Wie kam die Mutter zu dem Zettel?... Es sind dunkle, bange Rufe, die der Abschiednehmende in die ferne Stadt schickt. Keiner stirbt gern mit neunzehn Jahren, dazu noch eines bitteren, unverdienten Todes. (und wo Leopold Jeßner sein Klassenkamerad war), dann, 1895, nach Berlin, wo er seßhaft blieb. Er wollte den Magisterberuf ergreifen wnd machte das Volksschullehrerexamen. Aber sein Talent des Zeichnens und Malens konnte nicht lange verborgen bleiben. Arno Nadel stieß bald zum Kreise der jüngeren Sezessionisten, die sich um Max Lieb ermann scharten. In den Ausstellungen der Berliner Sezession und in der „Juryfreien Kunstschau" Herman Sandkuhls, die nach dem Kriege entstand, stellte er sich dem Publikum. Mehrere Kollektivausstellungen, die Sandkuhl ihm einräumte, sorgten dafür, daß seine besondere Art schnell bekannt wurde. Diese Nadeische Sonderart kennen wir im Kreise der jüdischen Kunstfreunde seit langem als eines der wertvollsten Besitztümer der jüdischen Kunst von heute. Wir kennen und bewundern den persönlichen Stil, in den hier Erscheinungen der Umwelt, vor allem Menschenköpfe von hundertfacher Mannigfaltigkeit, übertragen werden, um uns den Kern ihres optischen Seins und das Rätsel ihres Innenlebens zu enthüllen. Wenn wir an Arno Nadeis Bildarbeiten denken, so steht vor unserem Auge ein spritzig hingeVrähltes Konglomerat farbiger Pastellstriche, das wie aus einer kristallinischen Explosion hervorgegangen zu sein scheint, und das sich dann plötzlich vor unserem Blick zu den charakteristischen Linien eines Antlitzes ordnet, das wir kennen, oder das uns aus der Phantasie des Künstlers mit so natürlicher Plastik entgegenspringt, daß wir es zu kennen glauben. So wuchsen Arno Nadeis Porträts heran, seine Schauspielerbilder von der Reinhardt- und der Kulturbund- Bühne, so die meisterlichen Spiegelungen Max Pallenbergs, die oft variierten Bildnisse der Valeska Gert, so die Phantasien und Variationen, die er mit seinem eigenen Selbstporträt vornahm, und schließlich der imposante Zy- Arthur Galliner In Frankfurt a. M., wo er seit fast vier Jahrzehnten eine überaus fruchtbare Tätigkeit entfaltet, begeht am 9. Oktober Studienrat Dr. Arthur Galliner seinen 60. Geburtstag. In Zinten in Ostpreußen geboren, aus einer Familie stammend, die dem Judentum in Deutschland einige angesehene Persönlichkeiten geschenkt hat, ist Arthur Galliner zu Beginn des Jahrhunderts als Volksschullehrer an das Philanthropin in Frankfurt a. M. berufen worden. Unermüdlicher Bildungsdrang, ursprüngliche Begabung und rastloser Fleiß bahnten den Weg des jungen Menschen: Arthur Galliner hat nicht nur in rascher Folge die Reifeprüfung und Examina für »mm— ii.im im 11 \Msmmusj^mmBKBammmi Derweil treibt die Mitternacht zu Ende, zittern und zerren die Balken und Tore unter der Windeswut; läßt die Erde in kalter Umarmung Menschen und Dinge erstarren. Ludwig Harfner weckt das Gedenken an seinen Vater. Doch seltsam, er empfängt kein genaues Bild, wie sehr er sich auch darum müht. Still und fast ungesehen, wie der Vater gelebt, war er früh gestorben. Ludwig vollendete damals sein siebentes Lebensjahr. Auf eines besinnt sich der Junge mit eigenartigem Gefühl: die Eltern hatten ihn bei verschiedenen Vornamen gerufen. Der Vater: Ludwig; die Mutter dagegen: Louis.— Später, als der Vater Jahre unter der Erde lag, ließ es auch die Mutter bei Ludwig bewenden. Ein gütiges Geschick verhindert bei dieser verschollenen Erinnerung, daß der Sohn der Henriette Harfner den Zusammenhängen einer düsteren Ueberlegung nachgeht. Zeit und Raum versinken hinter seinem übermüdeten, glanzlosen Augenpaar. Es fehlen noch drei Stunden auf sieben. — Und noch einer liegt in ^dieser Nacht wach und quält sich mit verschollenen Bildern, mit ungefähren Eindrücken und zwiespältigen Empfindungen. Das Gesicht des jungen Juden in seiner zuletzt gewonnenen ruhigen Haltung umgeistert den Schlaflosen mit einer ablesbaren Frage in den furchtlosen Augen. Unheimlich dünken dem Liegenden der Anblick des im finstern Zimmer freischwebenden, weißlichen Hauptes, und der Mund, einen schmalen Spalt freigebend, als wollten letzte Worte, letzte Wünsche nach außen. Der Mann fühlt, wie das leibhafte Grausen sein Bett umspannt. Der Kopf des Studenten schwebt näher, als trügen ihn unsichtbare Menschenhände heran. Dem Erschreckten schlägt es an den Hals wie ein nasses Stück Erde: mit einem Satz reißt er seinen Körper vom Lager und stürzt auf den vermeintlichen Kopf des verurteilten Studenten zu, will ihn packen, ganz gleich, ob Spuk, ob Leben und — packt ihn: es ist der Kopf des Kaisers, seine klus der „Vierzig Gestalten der Bibel". Es ist an dieser Stelle wiederholt von dieser Serie gesprochen worden, die sich die große Aufgabe gesetzt hat, Menschliches, Zeitloses und Gegenwärtiges in den Figuren des Heiligen Buches zu offenbaren. Eben jetzt stehen wieder zwei neue Exemplare der Reihe in Nadeis Werkstatt: ein Simson und ein Jesaja, denen sich noch das erschütternde Bild eines „Zürnenden Propheten" anschließt. Sie sind wiederum Zeugnisse für Nadeis hinreißende koloristische Eigenschaften. In seinen wie von ungefähr hingesetzten, in Wahrheit überaus sorgsam erwogenen Farbzusammenstellungen, -Ausgleichungen, -Kontrasten ruhen die prächtigsten Möglichkeiten, um Ruhe und Bewegung, Stille und Leidenschaft, Glut, Ekstase, Grausamkeit, dann wieder Demut, Verzweiflung, Klage zu unmittelbarstem Sinnenausdruck zu bringen. Eins, das oft übersehen wird, sei noch hervorgehoben: Nadeis wunderbar feine Landschaftskunst, seine FähigäZibfi gSßglp UftSandstr. 43 » 92 30 77 ■ I ifÜS I ÖSeLÖ Gr. Lager, günstig. Angebote vorhanden keit, mit zartester Behutsamkeit die Stimmung eines Naturausschnitts aufzufangen, oder mit geringfügigen Andeutungen die heimliche Lyrik eines scheinbar nichtssagenden Welteckchens zu beschwören. Arno Nadel mag selbst entscheiden, welcher der drei Glückwurtsehgruppen er sich am engsten verwandt fühlt. Mich dünkt, es gibt hier keine Wahl, er wird sie alle drei mit gleicher Inbrunst an« Herz drücken. Wir haben an dieser Entscheidung nichts hcrumzudeuteln. Wir sind glücklich, daß wir in unserer Gemeinschaft ein begnadetes Menschenkind von solch gesegnetem Schöpfertum beherbergen. Mit allen, guten Gedanken unseres Herzens nahen wir verehrend Arno Nadel, dem Maler, dem Dichter, dem Musiker, dem liebenswerten Menschen. / Zu seinem 60. Geburtstag das höhere Lehramt, sondern auch, nach eindringlicher Beschäftigung mit Kunstgeschichte, die philosophische Doktorprüfung mit einer bemerkenswerten Arbeit aus seinem Fachgebiet abgelegt und damit verdiente Anerkennung gefunden. Der bewährte Lehrer des Philanthropins hat in einer Arbeit über Sigismund Stern, den Reformator und Pädagogen, und in den verbreiteten Bändchen der Jugendbücherei über Max Liebermann und die Bibel in der Kunst den Umkreis seiner wissenschaftlichen und schriftstellerischen Interessen festgelegt. Er hat aber damit nur die eine Seite seiner Neigungen und Leistungsmöglichkeiten dokumentiert. Dr. Maske, die still und geisterhaft an der Wand hängt. Der Oberst wendet sich mit einem wehen, zerrissenen Gefühl von dem Totenantlitz Napoleons. Mit verdoppelter Wucht überfällt ihn der Ruf der vergangenen Jahrzehnte. Er hört die glänzenden Namen und Siege in seinem Gedächtnis hersagen und weiß, um wie vieles stärker er sich ihnen verpflichtet fühlt als dem Thron des jetzigen Königs. Noch ein junger Leutnant, nicht älter als Napoleon selber, focht er mit bei Lodi, Arcole, Marengo und Jahre später bei Austerlitz, bei Jena und Friedland ... Und wiederum Jahre später, da zog man nach Rußland und von dort nach Leipzig und zuletzt nach Haus. Was dann noch kam, wurde ohne ihn getan, wie sehr es auch ans Herz griff. Nicht alle ehemaligen Offiziere des Kaisers waren Hitzköpfe wie Ney und Labedoyere. Viele dienten den Bourbonen in Ehren. Für eine Sekunde bedauert der Oberst, damals nicht mit seinem Maxschall gegangen zu sein. Auch bis in den Tod? Auch bis in den Tod. Man schlug keine Schlachten mehr, man trug keine Schätze mehr heim. Man schoß hier und dort auf die aufsässigen Pariser, ärgerte sich über die Menschen und wurde alt und grämig. Der ergraute Soldat liegt in seinem Bett, säuberlich zugedeckt, während draußen die Windsbraut um Häuser und Bäume ihren Tanz aufführt. Die Nacht will schier unendlich währen. Der Oberst denkt an Rußland und wird zwei Atempausen lang von einem Frostschauer ergriffen, daß er die Daunenlage bis ans Kinn schiebt. Nachher, als der Sturm eintönig, mit regelmäßig anschwellendem Pfeifen auf- und abzieht, das Klirren der Fenster sanfter ansteigt, und das gefährliche Rütteln verwimmert, kommen dem Mann noch bitterer die Gedanken über sein einsames Leben: ein alter Offizier ohne Ehegesponst, ohne Söhne. Was ist der noch wert? Haust auf einem zerfallenen Landsitz