Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 40 (6.10.1938)
- Date
- 1938-10-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 C.-V.-Ze?tung Nr. 40 * 6. Oktober 1938 Von der Ordnung merhaib unserer Gemeinschaß Wer dieses kleine Büchlein (Kurt Wilhelm: Von jüdischen Gemeinden und Gemeinschaft, Schocken, Jüdischer Buchverlag, Berlin 1938) in die Hand nimmt, erwartet historische Erinnerungen aus der Zeit des Mittelalters bis zu seinem Ausklang im 18. Jahrhundert. Er findet aber unendlich viel mehr. Aus dam auf etwa 100 Seiten gesammelten Material (22 Statuten und Erlasse aus dem Gemeindeleben) spricht eine solche Fülle überzeitlicher, auch heute noch brennender Fragen, daß den Leser die Aktualität der -Brillen-Kaiser- Optikermeister / Staatlich geprüfter Augenoptiker BERLIN W30, Speyerer Straßein / U-Bahnhof. Bayer. PI. ^y^aaaaaJ&gj^^ 26 30 83 rsssssassee^ssssxssstssi Problemstellungen manchesmal aufs Herste ergreift. Von den kleinsten 'Spezialvorschriften (Verbot des Zuspätkommens beim Gottesdienst und des Zufrühverlassens der Synagoge, Verbot des Sprechens während der Toravorlesung) bis zu den gerade heute ergreifend gegenwartsnahen Bestimmungen über die Aufnahme von 57 jüdischen Kindern aus Deutschland in den litauischen Gemeinden (um 1635) treffen wir eine bunte Fülle von Bestimmungen, Beschwerden, Normen und Satzungen, aus denen wir wieder einmal entnehmen dürfen, wie eng verschlungen miteinander Israels Generationen sind. Zeitlich erstreckt sich die Sammlung auf die Zeit von etwa 1250 bis 1786, örtlich umfaßt sie die alten Gemeinden Deutschlands, Frankreichs, Spaniens, Polens und Litauens; aber auch eine Jerusalemer Satzung aus dem 18. Jahrhundert ist anzutreffen und vielen wird neu sein, daß schon im 13. Jahrhundert sich auf Kreta jüdische Gemeinden befunden haben, deren Satzungen übrigens das' Buch einleiten. Sachlich bietet die Sammlung einen Ueberblick über das vielfältige Leben einer jüdischen Gemeinde des Mittelalters. Wir haben ausführliche Bestimmungen über Gemeindeverfassung. Besonders interessant ist die erste Satzung der portugiesischen Gemeinde in London, die schon den Gemeindezwang kennt (Verbot jeder anderweitigen Gemeindebil- MtalerarbeiSen / David Friedman SSerlin W15, Pnderborner Str. 9. 07 25 05. dung) und die über Vorstandswahlen und Geschäftsordnung der Vorstandssitzungen, über Etatsrecht und Rechnungslegung Bestimmungen gibt,, die den Leser in die Gegenwart versetzen, insbesondere wenn es heißt, „Anstrengungen sollen gemacht werden, die Ausgaben der Gemeinden so gering wie nur möglich zu gestalten". Das Rechtsleben innerhalbder Gemeinde bringt Vorschriften zivilrechtlicher und strafrechtlicher Natur. Schon die ältesten Satzungen, die Kretenser, bringen ganz moderne Vorschriften über Mieterschutz, die sich dann 400 Jahre später in der Londoner Satzung erneut vorfinden. Darlehnsrecht, das Recht des Handlungsagenten, auch Bestimmungen über den Rechtsverkehr mit Nichtjuden finden sich, ebenso wie strafrechtliche Vorschriften über Beleidigung, Körperverletzung und ahnliches. Mehrere Gemeinden schärfen das Verbot ein, vor einen nichtjüdischen Gerichtshof zu gehen, andere wieder geben Bestimmungen über den Eid vor den staatlichen Gerichten, und endlich finden wir Bestimmungen über die Schlichtung vor dem Gemeindevorstand, die gerade in der heutigen Zeit besonders aktuell beru irei. Breiten Raum nehmen die Fragen des Kultus und Ritus, vor allem die des Unterrichts ein. Neben den bekannten Problemen des Kaschruth- und Schächtwesens, sowie genaueren Bestimmungen über die Mizwoth war mir besonders interessant eine Bestimmung aus Nordfrankreich (13. Jahrhundert!), welche beweist, daß damals schon die Vorlesung des Thoraabschnitts in der Landessprache neben der Vorlesung in der Ursprache möglich war, TotaS-Ausvarkauf H§ wegsR ^ese&iSfgsssuffsa&e ggj m F. EHRENFELD H Hl FRANKFURT a. K!. ZESL1C4 Blsl T©T AL-AUSVERKAUf wegen.Geschäftsaufgabel WoSie u&sS BSaRdaErtoeiftem l Frankfurt a. Main, ' Katharinenpforte 2 was heute bei uns kaum zu erreichen ist. Weiter finden wir Normen über Hochzeitsbräuche, über das Bestattungswesen und über Trauervorschriften. Ganz besonders interessant sind aber die Vorschriften über den Unterricht. Wiederholt werden Anleitungen über Lehrmethoden (nicht zu viel Schüler, nicht zu schnell vorwärts gehen, häufig wiederholen!) und über Lehrpläne mitgeteilt. Die Gemeinde Barcelona sah sich schon am Anfang des 14. Jahrhunderts veranlaßt, eine genaue Anordnung über die Zeitfolge und den Umfang der Beschäftigung mit nichtjüdischen Wissenschaften zu geben. Bestimmungen über das Schuleschwänzen, über Schulprämien laufen unter, ebenso natürlich wie solche über die Organisation der Lehrerschaft und über die Finanzierung des Unterrichts durch die Erhebung von Abgaben. Ganz besonders interessant waren mir aber zwei Bestimmungen, die voneinander um fast 400 Jahre getrennt waren. Die Gemeinden Mainz,Worms und Speyer bestimmten im Jahre 1220: „Ob einer viel lernt oder wenig, ist nicht entscheidend, nur ob er aus freiem Willen lernt.'* Und in der Prager Verordnung von 1611 heißt es: „Jeder sei beflissen, jeden Tag mindestens eine Stunde lang allein zu lernen, was er versteht. Oder er nimmt einen Lehrer. Kann er das nicht, so lese er ein gutes deutsches Buch." Von großer Bedeutung sind natürlich die Vorschriften sozialer Natur, die sich meistens auch aus den Bestimmungen über die Bildung der Chewroth ergeben. Sowohl für Hochzeitswie für Beerdigungsbrüderschaften finden sich eingehende Vorschriften. Die litauischen Juden haben schon im Jahre 1630 eingehende Vorschriften über Wanderarme. Hamburg bringt im Jahre 1665 „schwierige" Jugendliche in besonders bezeichneten Instituten unter. Auch die Organisation von Sammlungen wird wiederholt Gegenstand von Regelungen. Zwischen all den einzelnen Bestimmungen finden sich dann noch Bestimmungen allgemeiner Ethik und Sittlichkeit, Keuschheitsgesetze, Bestimmungen über den Schutz der jüdischen Frauen, Verbot überflüssigen Schwörens und Beteuerns. Jerusalem kennt sogar ein Verbot, als Junggeselle in Jerusalem zu leben. Vor allem aber finden sich immer wieder Verbote gegen zu große Entfaltung von Luxus.bei Trachten und Feiern von Familienfesten, und zwar ziehen sich gerade diese Bestimmungen durch die Jahrhunderte und sind auch örtlich an keine Grenze gebunden. Den Frauen wird vorgeschrieben, was sie in der Synagoge zu tragen haben. Ebenso werden die Speisen zu Hochzeiten, Barmizwoth usw. „genormt". Ganz besonders interessant ist für den Kenner der Zeitgeschichte der Wiederhall, den die Bewegung des Sabbatai Zwi in dem Protokollbuch der Jüdischen Gemeinde in Hamburg findet, wie ebenso gleichzeitig in London ein genau begründetes Verbot des Proselytenmachens ausgesprochen wird. Diese gedrängte Uebersicht kann naturgemäß nur einen kleinen Auszug des vielseitigen Inhalts des Buches geben. Es wird nicht nur geschichtlich interessierten Juden Neues bringen, sondern es zeigt, daß viele der heute scheinbar sich neuergebenden Probleme unsere Voreltern bereits beschäftigt haben. Sie werden die Weisheit und Weltklugheit bewundern, mit der sie der schwierigen Probleme Herr geworden sind. Heinrich Stern Moritz Zobel: Gottes Gesalbter. Der Messias und die messianische Zeit in Talmud und Mi drasch. Schocken Verlag, Jüdischer Buchverlag, Berlin 1938. In der Geschichte Israels findet die messianische Verheißung und mit ihr die Gestalt des Messias ihren vielfältigen Niederschlag. Die jüdische Prophetie wird getragen und verstanden von der Kraft und dem Glauben der Zukunftsverheißungen. Von Jesaja her wird der Sinn jüdischer Existenz über die zeitbedingte Macht hinaus, aus der Idee des Gottesreiches in der Endzeit begründet. Die jüdische. Religionsphilosopliie des Mittelalters hat das kommende messianische Reich sehr stark in ihre Weltbetrachtüing einbezogen. Am nachhaltigsten aber ist das Leben des Volkes in nationalem und religiösem Sinne von dem messianischen Gedanken bewegt und erfüllt. Das liegt nicht so sehr an der Betonung, die der messianische Gedanke und die Person des Messias im Giaubeiissystem des Judentums erfährt — im apokryphischen, pseudepigraphischen Schrifttum und der Mlschna wird die bestimmte, persönliche Gestalt des Gesalbten Gottes kaum erwähnt — sondern viel mehr an den Leidenseopchen Israels, die eine messianische Stimmung immer wieder begünstigten. Wenn es bisher für den Laien leicht möglich war, sich über die historischen messianischen Bewegungen aus den jüdischen Geschichtswerken zu informieren, so ist es ihm nun auch möglich geworden durch dieses neue Buch einen Einblick in die talmudische und midraschische Literatur zu gewinnen. Die sichere Beherrschung des gesamten Materials und die klare, übersichtliche Anordnung des Stoffes, die die vorhergehenden Werke desselben Autors schon auszeichneten, sind auch die Vollzüge dieser Arbeit. Die einzelnen Aussprüche und Gespräche sind nicht schematisch aneinandergereiht, sondern thematisch geordnet. In ganz knappen Einführungen wird auch der mit dem Stoffgebiet und der literariscen Eigenart des taLmudischen Schrifttums nicht vertraute Leser zum inhaltlichen Kernpunkt geführt. In vielen Erklärungen wird dem Laien das Verständnis erleichtert. Die methodischen Anweisungen sind ausgezeichnet und geben ganz nebenbei zugleich einen Einblick in die wichtigsten Lebensdaten der angeführten Tanaiten und Amoräer, gleichsam eine kleine talmudische Literaturgeschichte in Anmerkungen. Im übrigen aber läßt der Verfasser hauptsächlich den Text selbst für sich sprechen in einer einfachen, ungekünstelten Sprache. Es ist erstaunlich, welche Fülle des Materials in diesem kleinen Büchlein gesammelt ist. Die Veröffentlichung, die nichts Wesentliches, dem Aufgabenbereich des Buches entsprechend, ausgelassen hat, ist mit wissenschaftlicher Genauigkeit vorbereitet^ entbehrt aber des trockenen Beigeschmacks sonstiger wissenschaftlicher Bücher mit gelehrtem Apparat. Es ist ein Buch; wie wir es uns heut«! wünschen dürfen, das uns einen Einblick in ein wichtiges Gebiet unseres religiösen Schrifttums gibt. Eine Fundgrube tiefer Gedanken und Kontroversen unserer Lehrer wird uns eröffnet. Die Wunderwelt jüdischen Glaubens wird vor uns ausgebreitet, sie enthüllt die gläubige Existenz unseres Volkes an einem seiner tiefsten und einflußreichsten Gedanken und enthält damit eine Sendung aucK für unsere Zeit. Werner van der. Zyl Ueber Orientalisch« Typen and Bestellungen ig der Renaissance- und Barockmalerei schreibt Her« mann G o e t % in der führenden englischen Kuiwb« Zeitschrift „The Burlington Magazine" (Aoguat 1938)' und bringt ki der Reihe der Abbildungen u. a. ema Darstellung „Joseph und Potiphar" aus esnera gri** chischen Codex des 12.—13. Jahifcmsderii m 6et Vatikanischen Bibliothek sowie flämische W«oA* teppiche und Gemälde 'der Hochrenaissanoc mit des Bauwerken Jerusalems im Hintergrund« * Ueber iranische Antiquitäten, ▼ornehmKdi At Bronzen und Vasen aus Luristan, handelt «kl kerzaft* nisreicher Aufsatz ja der Brüsseler Museumszeits« schrift „Bulletin des Musees d'Art et dTiistorre**« Jüdisches Mosaik ans England Im Londoner „Vaudeviile-Theater" gab das „Palestine Singing Ballet" ein kurzes Gastspiel. Das Ensemble besteht aus sechs jungen Jemenitinnen, die kürzlich aus ihrer südlichen Heimat nach Palästina zurückgekehrt sind und unter Leitung der in Rußland geborenen Rina Nikova eine Tanzgruppe gebildet haben. Es ist eine Kunst, die sich unabhängig von der jüdischen Kunst inmitten der Weltvölker entwickelt hat. Die Anmut, die Lebenskraft und die Gewalt ihrer Stimmen übten einen tiefen Eindruck auf die Zuhörer aus. Die eintönigen Rhythmen der Musik zu den barfüßig ausgeführten Rundtänzen hatten den Zauber des Exotischen. Zu den Programm- Nummern gehörte der Hcrra-Tanz in mehr oder weniger modernem Kostüm, Szenen junger Fruchtpflückerinnen und schwatzender Weiber am Brunnen oder am Herdfeuer und herumziehender Musikanten auf dem Marktplatz. Es fiel auf, daß die Klageweisen in dieser Volkskunst nahezu fehlten und daß der vorherrschende Zug überschäumende naive Begeisterungsfähigkeit war. * Das Pavillcn-Theaier in Whitechapel, das jahrelang Gastspiele jiddischer Truppen aus Polen, Rußland, Südafrika und den Vereinigten Staaten sah, hatte vor vier Jahren seine Pforten geschlossen. Einige Truppen wie die Wilnaer hatten auch auf ein Publikum, das kein Wort Jiddisch verstand und an jüdischen Dingen kein Spezialinteresse hatte, starke Anziehungskraft, andere blieben auf das Londoner Ghetto beschränkt und bildeten dessen einzige Unterhaltung. Das Jiddisch, das in Eastend gesprochen wird, hat sich aus jenem Dialekt entwickelt, den die Jucfen im Mittelalter auf ihren Wanderungen nach Rußland, Polen und Böhmen mitnahmen und um hebräische' und slawische Worte bereicherten, doch sind auf der Emigration nach England, Amerika und Transvaal auch englische Worte hinzugekommen. Durch das Aufkommen des Neuhebräischen hat die Entwicklung der jiddischen Sprache, wenigstens in England, ihren Höhepunkt überschritten, doch besteht noch immer ein solches Bedürfnis nach, jiddischer Theaterkunst, daß sich seit 1936 zwei Bühnen in Eastend halten, das „Jüdische National- Theater" der Fanny Waxman, und das „Yiddische Volkstheater", aus einem Tanzsaal hergerichtet, Bühnen* mit vierhundert Plätzen, die zehn Monate hindurch spielen. Die Stücke, meist von jüdischen Autoren aus Amerika, sind roh-gezimmert, Szenen aus dem Familienleben, unmotiviert von Gesang und Tanz unterbrochen, Lachen und Weinen im bunten Durcheinander, und es stört die dankbare, geduldige Zuhörerschaft nicht im geringsten, daß die Stimme des Souffleurs eine Hauptrolle spielt; denn es ist wechselnder Spielplan. Abend für Abend stehen jung und alt, mit Eßpaketen beladen, Schlange, bis sich die Tore öffnen. Mindestens einmal in der Woche findet eine Wohltätigkeitsvorstellung zugunsten eines Waise gewordenen Kindes, einer in Armut geratenen Witwe, eines zum Krüppel verunglückten Arbeiters statt, und in solcher Gemeinschaft bewährt sich nicht nur das hilfsbereite Herz, sie steigert auch die Kräfte der Darsteller und gibt dem Unternehmen den wirtschaftlichen Rückhalt. Die Nationalbibliothek des Britischen Filminstituts ist eine Sammlung von Filmen, die für die Geschichte des Films von unersetzlichem Wert ist, ganz abgesehen von dem Archiv dokumentarischer Filme, die selbst Geschichte darstellen. Das Institut hat vor kurzem ein Exemplar des Films „Das Leben Zolas" erworben, in dem Paul Muni die Titelrolle spielt, und drei frühe Chaplin- Filme, darunter einen „Wie man seinen Lebensunterhalt verdient", welcher der erste sein soll, den er überhaupt gedreht hat. Mit diesem Film, der noch vor 1913 entstanden ist, wurde er als Filmkomiker entdeckt; er verkörperte eine ähnliche Rolle in dem Sketch „Ein Abend in einem englischen Variete". Chaplin trägt hier noch nicht die Melone, das Rohrstöckehen und das Bärtchen, die „Zahnbürste", die von seiner Erscheinung nicht mehr zu trennen sind, vielmehr einen Zylinderhut und einen üppigen Bart, dessen Enden sich abwärts neigen. Von den fünfunddreißig Chaplin-Filmen sind nur fünfundzwanzig erhalten. Das Britische Film-Institut hat außer diesem ersten Chaplin-Film noch zwei weitere erworben, „Zwanzig Minuten Liebe" und „Freche Kavaliere". Man kann an ihnen geradezu die Entwicklung seines Schnurrbarts ablesen, den Weg vom lassigen Elegant zu der bekannten Type, die mit seinen Filmen unlöslich verbunden ist. Es ist ein großer Schritt von den stummen Chaplin-Filmen bis zu dem neuesten Farbfilm, der als der beste englische Film überhaupt gilt, der seit langem gezeigt wurde. Der an der Nord-West-Front spielende Film heißt „Die Trommel"; sein Regisseur ist Alexander Cor da, dessen „Heinrich VIII" wohl unvergessen ist. Er fand im „Hollywood-Theater" am Broadway in New York eine begeisterte Aufnahme und wurde als beispielgebend gelobt. Zu einem neuen Corda-Film, „Silber aus Birma", dessen Hauptrollen Conrad Veidt und der junge, von Corda entdeckte Hindu- Schauspieler Sabu spielen sollen, schreibt Sir Robert Vansittard die Dialoge. Umgekehrt hatte ein amerikanischer Film im Carlton- Theater zu London großen Erfolg: „Du und ich", der von Fritz Lang inszeniert wurde. Erfolgreiche Biographien nehmen schnell ihren Weg zur Verfilmung. Bekanntlich wird Greta Garbos nächste Rolle die Madame Curie sein. Wie die Biographie ihrer Tochter Eva Curie das Interesse für diesen Stoff erweckt hatte, so stand Stefan Zweigs Studie über Marie Antoinette Pate zu dem neuen Metro- Goldwyn-Mayer-Film „Marie Antoinette". Norma Shearer, die Witwe Irving Thalbergs, wird die Titelrolle innehaben, der englische Schauspieler Robert Morley wird Ludwig XVL, John Barrimöre Louis XV., und Tyrone Power Graf Fersen sein. — Die nächste Filmrolle Elisabeth Bergners wird eine Doppelrolle sein, ein Schwesternpaar mit gegensätzlichen Charakteren. Das Textbuch schrieb Margaret Kennedy nach einem Roman von K. Benes. Dr. Paul Czinner ist der Regisseur, die Paramount hat den Weltvertrieb übernommen. Die Außenaufnahmen finden in den Dolomiten und in Cornwall statt. — Max Fleischer unternimmt das Wagnis eines abendfüllenden Karikaturenfarbfilms, dessen Thema „Gullivers Reisen" sind. * Bekanntlich sprechen die Engländer biblische Namen (wie lateinische, griechische und ausländische überhaupt) englisch aus. Die Adaptierung der Bibel für das englische Volk seit Cromwells Tagen findet darin charakteristischen Ausdruck. Aber die geistige Nähe der Bibel ist nicht minder groß. Die Symbolik des Titels ist ohne weiteres gegenwärtig iä Peter Biackmores moderner Komödie „Lot« Weib", die seit Monaten im Aldwych-Theater einen Keiterkeitserfolg hat, während JameS Bridie, der in der neuen englischen Dramatiker-Generation eine führende Stellung ein* nimmt, auf moderne Weise, mit der mozartischen Anmut einer Shakcspeareschen Komödie, die Geschichte „Tobias und der Engel* nacherzählt. (Die Premiere fand auf der Freilichtbühne des Regent Park statt.) Das „Birmingham Repertoire-Theater", das als erstes den Mut hatte, Shaws Pentalogie „Zurück zu Methusalem" zu geben, nimmt Sir James Barrie's letztes Stück „Der junge David" wieder auf, dessen Titelrolle im Vorjahr von der Bergner in London kreiert wurde. Im Stile mittelalterlicher Mysterien ward zu Tavistock in Süd-Wales M. O b e y s biblisches Spiel „Noah" aufgeführt. — Zu den jüngeren Autoren, die in England interessieren, gehört der amerikanische Jude Clifford O d e t s, dessen „Goldener Junge" in der vergangenen Spielzeit gegeben wurde. Nach „Wach auf und singe" und „Bis ich sterbe" kam er jetzt im Unity-Theater mit einem Stück aus dem Milieu der New Yorker Taxi- Chauffeure zu Wort. „Paprika" ist die neue Operette von George Posford und Bernard Grün nach einem Libretto von Erik Maschwitz betitelt. Das Stück behandelt einen Besuch des Prinzen von Wales, späteren Königs Eduard VII., in Ungarn und stellt ungarisches Landleben und victorianisches England gegenüber. Musiken von Liszt, der selbst auftritt, Josef Strauß und Rossini sind eingestreut. Eine ungarische Schauspielerin, Barbara Bori, spielt im „His Ma-'rsty's Theatre" eine Zigeunersängerin,, Stella Arbenina (früher Berlin) die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich. Zwei Ereignisse der jüngsten Zeit erinnerten an D i s r a e 1 i, den Premier der Queen Victoria: die sogenannte „Disraeli-Suite" in Whitehall Gardens, die schöne Ausstattung der beiden Vorräume, die Disraeli von 1875 bis 1373 benutzte, wurde bei Hampton Söhne für 92 Pfund verkauft, und im „Literary Supplement der Times" veröffentlichte die Marquise Londonderry Briefe Benjamin Disraelis an Franccs Anne, Marquise Londonderry, auf die wir gelegentlich zurückkommen werden. Dr. Lutz Weltmann