Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 40 (6.10.1938)
- Date
- 1938-10-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 C-V.-Zeftung Nr. 40 * 6. Oktober 1938 Galliner ist nämlich auch und vor allem mit wahrer Begeisterung dem Malen und Zeichnen verpflichtet. Seine Ausbildung als Zeichenlehrer — auch hier hat er die Lehrberechtigung für höhere Schulen, Lehrerbildungsanstalten und Kunstschulen, — genügte ihm nicht; an der Akademie in München bezog er das Atelier Hermann Gröbers, dessen Kunst er sich verband und dem er persönlich nahetrat. Als Maler und Zeichner ist Arthur Galliner nicht weniger als durch seine Publikationen und Vorträge bekannt geworden. Mit liebevoller Eindringlichkeit hat er die Natur und die Menschen der Alpen immer wieder in Oelbildem und Aquarellen gestaltet, mit psychologischer Einfühlung Persönlichkeiten, besonders unserer jüdischen Gegenwart, porträtiert. Aus all seinen Werken spricht ein Künstler, der mit Liebe und Ernst, mit Wissen um Sinn und Aufgabe der künstlerischen Schöpfung der Vermittlung des Schönen dient. Dr. Arthur Galliner ist auch an dieser Stelle durch Wort und Bild unseren Lesern bekannt geworden. Ihm, der seit vielen Jahren unserer Arbeit nahesteht, gelten unsere b-r-zPchsten Glückwünsche! Dr. Hermann Gundersheimer Seibatporträt (1938) Salomen Reinach Vor kurzem wäre der weit über Frankreichs Grenzen hinaus anerkannte Archäologe Professor Salomon Reinach 80 Jahre alt geworden, ein führender Mann im Museumswesen der Metropole Paris und ein bekannter Publizist und Wissenschaftler. Reinach wurde in St. Germain-en-Laye geboren und starb 1932 in ^ris. Er war Membre de I'Institut und Conservateur des Musees nationaux francais, der Freund und Mitarbeiter von G. J. Demotte, mit dem er das bekannt gewordene Werk über die gotischen Tapeten 1924 noch herausgegeben. Es ist ein abbildungsreiches Buch, zu dem Reinach die Vorrede schrieb, und das Haraucourt, der Direktor des Cluny- Museums und Conservator am Musee des Arts Decoratifs durch Herreichung schöner Abbildungen besonders beachtenswert macht. Salomon Reinachs Name knüpft sich dann vornehmlich an die archäologische Fachliteratur, die er hervorragend kannte. Neben den eingehenden Museumsführern wie dem „Guide illustre du Musee de Saint Germain" (1387) gibt es aus der Feder des vielseitigen Forschers die „Monuments Nouveaux de l'Art Antique" in verschiedenen Folgen und eine stattliche Reihe von Veröffentlichungen zur prähistorischen Kunst, so ein Buch über die lange unbekannt gebliebene Geschichte Schwedens. Eine sehr umfangreiche, drei Bände umspannende Arbeit von Salomon Reinach bedeutet sein „Repertoire de Peintures auMoyen Age et de la Renaissance" (1280—1580), ein ikonographiscb.es Werk, das 1905, 1907 und 1910 in Paris erschien. Es bespricht und gibt in Zeichnungen nach berühmten Darstellungen in der Kunstgeschichte des Okzidents und des Orients 3590 Malereien wieder, geordnet nach verschiedenen ikonographischen Oesichtspunkten: Mythologie, Genrebild, Heiligengeschichte oder eine inhaltsreiche Aufzählung der malerischen Themen um das Alte Testament. Da sieht man in einer florentinischen Darstellung die „Krönung der Esther" und erfährt aus Reinachs erklärendem Text — in französischer Sprache natürlich —, daß sich das Gemälde im Besitz der Mme Nathanael de Rothschild befindet und in der „Revue arclieologique 1900, II, p. 301" wissenschaftlich beschrieben ist. Oder man findet in einem dieser Bände eine Darstellung von Moses und dem brennenden Dornbusch von dem Niederländer D. Bouts. Da liest man darüber, daß die bekannte Pariser Privatsammlung Rodolphe Kann das Gemälde besitzt, das im „Burlington Club, Netherlandish Pictures, p. 19", von einem englischen Kunsthistoriker beschrieben ist. Adam und Eva, Jakob und Joseph, David, Salomon, Job, Ezechiel, Judith und Tobias begegnen dem ernsthaften Pionier auf dem Gebiete der beschreibenden Altertumswissenschaft in vielen Darstellungen, sei es nun Plastik, Malerei oder Textilkunst, in diesem wohl in jeder Fachbibliothek vorhandenen Werk Salomon Reinachs. Dr. Olga Bloch Visionen *»*^ und Juwelen ' 7<Gs Ich vor mehreren Jahren als Begleiterin der amerikanischen Negro-Spiritual-Sängerin Edna Thomas zum Abschluß einer Europatournee in London konzertierte, lag eines Morgens ein Buch auf meinem Frühstückstisch, mit einem Zettel dazu: „Lies es!" — Es hieß „Visionen und Juwelen", und der Autor M o y s h e h O y v e d. Der Ziffall wollte es, daß ich am gleichen Tage noch mit ihm zusammentraf — denn er war der Besitzer von Cameo Corner, einem Antiquitätenladen, an dem ich wie angewurzelt jeden Morgen stehen blieb; ein alter Amethystring .atte es mir besonders angetan,- und ich ging hinein. Ein kleiner bescheidener Mann fragte nach meinen Wünschen, sein Jiddisch-Deutsch-Englisch veranlaßte mich zu Fragen, und es stellte ^^:heräüs,;. daß das-^ Firmenschild, Edward Good nur' der Geschäftsname war für den Dichter Moysheh Oyved! Aus Freude darüber, daß ich soeben sein Buch las, schenkte er mir den begehrten Ring und meinte: „Vielleicht würden es auch gern Juden, die nur deutsch können — lesen — wollen Sie es nicht übersetzen?" Gesagt — getan: Hier folgen, einige der autobiographischen Skizzen aus dem oben genannten Buch, dessen Autor in London stadtbekannt, dessen interes~anter Laden heute Treffpunkt vieler Künstler und Gelehrter und Ausstellungsraum für jüdische Kunst, antiken Schmuck und viele mit Liebe zusammengetragene Dinge aus aller Welt ist. — Moysheh Oyved schildert mit leisem Humor sein Leben, wie er als löjähriger Junge aus dem kleinen Heimatdorf in Russisch- Polen nach London flüchtete, um seinen Traum vom Dr. phil. zu verwirklichen und darum — Uhrmacher wurde; er erzählt von seinen mannigfachen Erlebnissen in Whitechapel, vom allmählichen Aufstieg zu seiner heutigen „Berühmtheit" und von vielen, die zu ihm kommen, sei es die Königin-Mutter, die bei ihm kauft, oder Jakob Epstein, der ihn modelliert, oder früher Rudolf Valentino, Max Nordau, Schalom Asch u. a. Und wenn er aus einem Brief Dr. Nordaus zitiert: „... aber das schöne ist, daß Sie Ihre Inspiration ... Ihrem jüdischen Erbe verdanken; aus Ihrem Munde spricht der Unwandelbare Geiat Israels, derselbe Geist, der Jesaias, Ibn Gabirol und Jehuda Halevy beseelte und von dem ein Hauch ist in den besten Werken Heinrich Heines. Dieser Geist hielt uns durch die Jahrhunderte am Leben. Es gibt neue Hoffnung und Kraft, zu sehen, wie lebendig er ist in einem zeitgenössischen Juden, in Ihnen. Ich würde ärmer sein, wenn ich länger in Unkenntnis Ihres Buches gelebt hätte. Ich danke Ihnen, daß Sie es mir offenbarten." So tut er es nicht in selbstgefälliger Ueberheblichkeit, sondern im klaren Bewußtsein eines berechtigten Stolzes auf seine Zugehörigkeit zu den in jüdischem Geiste Schaffenden. Dora Freundlich Abenteuer Obgleich ich von Kindheit an schwach, schüchtern und selbstkritisch gewesen und heute noch bin, so habe ich doch immer Mut gehabt, schwierige Geschäfte und riskante Dinge zu wagen. Manchmal glückten sie, zum Erstaunen kaltblütiger Helden— aber manchmal brach ich mir auch mein zartes Genick. Als ich acht Jahre alt war, stand ich einmal mit einer Menge gleichaltriger Buben in staunender Bewunderung vor einem Akrobaten, der sich in der Luft überschlug und drei Purzelbäume machte. „Das ist gar nicht so schwierig, wie ihr denkt", sagte ich zu meinen Kameraden, „man muß nur Mut haben; die Hauptsache ist, daß man keine Angst hat und sich losläßt". Die Jungen meinten: „Wenn es nicht so schwer ist, warum machst du es dann nicht?" — »Ich werde euch zeigen, daß ich es kann." Und ich lief mit den Jungen in unsern Hof, schnürte mich mit einem Strick eng zusammen, ballte die Fäuste ganz fest, nahm einen ordentlichen Anlauf, schwang mich in die Luft und landete mit einem furchtbaren Schlag auf den Kopf--Gott behüte und beschütze uns! Wenn ein Toter >iinen solchen Schlag bekäme, er würde wieder lebendig! — Ich lag bewußtlos da. Man .; mußteeinen/ftrzt hol^:~r ^:'ni:v -^r^ Ein ähnliches Unglück widerfuhr mir, als ich 21 Jahre alt war, aber es hatte trübere Folgen! — Damals konnte ich mir selbst ein Ei kochen, also Tee und Frühstück bereiten; aber einmal hatte ich den Wunsch, mir mein Sonntagmittag selbst zu kochen. Ich war nicht faul, ging zum Markt, kaufte ein ganzes Pfund Fleisch — weil ich mich schämte, ein halbes zu verlangen — dazu Karotten, Pastinaken und andere Gemüse, und auch einen Kochtopf. Ich wandte mich heimwärts, mit den in Zeitungspapier gewickelten Paketen bis zum Kinn beladen. Nun war mein Kinn frisch rasiert und schlüpfrig wie Schlamm. Mein alter Feind, der Wind — gegen den ich immer mit besonderer Vorliebe meine Kraft erprobte — sah meine Hilfvor der Stadt, hat keine Freude am Winter, auch der Sommer schert ihn nicht mehr. Warum hielt er den Eid, wenn Ney ihn brach? Marschall Ney! Der Name tut ihm wohl und weh zugleich. Wie aber dankte man Quibon die Treue? ... Der Teufel hole Villele! Was überreicht er ihm für Aufträge. Was kümmern ihn dessen ' Kammern, dessen Pairs und Pressegesetze! Der Oberst versucht einzuschlafen. Es muß gegen fünf Uhr Morgen sein. Finsternis, unholde Finsternis draußen wie drinnen. Er kann keine Ruhe finden... Der Verurteilte fällt ihm wieder ein. Wie ihn der junge Mensch dauert. Ob Jud' oder Christ, darum mag sich der Teufel kümmern, aber nicht Quibon. Hatte der Bursche wirklich etwas mit Dubois zu tun? Unwahrscheinlich blieb es nicht. Warum er den Zettel nicht einfach geleugnet? Wozu mußte der Junge sagen: Gehört mir. Der Oberst hält sinnend inne. War er nicht lange genug durch deutsche Länder geritten; kannte er nicht Berlin und Hamburg. Auch durch Westfalen, klingt es in ihm. Auch durch Westfalen, spricht er nachdenklich. Auch durch Cassel, ruft es hinter ihm. Träumte er schon wieder? (Fortsetzung folgt.) „Liebe zum Schicksal" Das Septemberheft des „Morgen" „ ... Nackt stehen wir vor dem Schicksal. Aber dadurch sind wir nicht nur von manchen bisherigen Hilfsmitteln frei, sondern auch frei von dem Ballast der Vorurteile, Gewohnheiten und Konventionen, die unser Blickfeld verengten. Wir wollen uns der Situation nicht verschließen, und wir wollen uns auch keinem unverpflichtenden Fatalismus hingeben. Aber wir wollen unser Leben lieben, weil, nicht obwohl es sich uns in seiner ganzen elementaren Kraft offenbart hat----" Diese Sätze aus dem Leitaufsatz des September- Hefts des „Morgen" sind auch ein geistiges Programm, und wie diesen Aufsatz darf man das ganze Heft mit „Liebe zum Schicksal" amor fati, überschreiben. Ein Sichfügen nicht nur, sondern ein Versuch,. sich gern, mit der fürliebnehmenwollenden Heiterkeit des Wissens, des Ueberwindens durch Erkenntnis zu fügen. Mit solcher Heiterkeit — im ernsten, guten Sinn des Wortes — liest man Herta Kanners Aufsatz „Die Wasser Babels". An diesen Wassern „saßen wir und weinten" und haben sie darum schließlich beinahe für Tränen gehalten. Es waren aber „Wasser der Freude" des tätigen Lebens, die Ströme und Kanäle des mesopotamischen Schwemmlandes, und der uralte Mythos und die Geschichte um dies^e Wasser ersteht vor uns, die wir einst an den Wassern saßen. Um es nur geradehin zu gestehen: die Romane von Coüperus, die in dieser alten Welt so farbenprächtig spielen, haben uns keine so schlichte und schöne Anschauung davon vermittelt. Ernst Simon entdeckt uns in einem kurzen, prägnanten Aufsatz „Israel und die Völker" R. Jißrael Lipschitz, einen hebräisch schreibenden Mischnakommentator des vorigen Jahrhunderts, als Zeitgenossen und Pendant des „tiefsten und ursprünglichsten Denkers unter den jüdischen Theologen" jener Zeit, des kürzlich wiederentdeckten Salomon Steinheim, und zitiert Parallelstellen zur Missionstheorie, daß wir „Priester und Lehrer seien für den Rest derer, die auf die Welt kommen". Liest man diese interessante Konfrpntierung der beiden merkwürdigen, offenbarungsgläubigen Juden nur aufmerksam, so gewinnt man auch zu unserem großen und allgemeinen Thema mehr, als eine bloß historisch wichtige Marginalie zu geben vermöchte. Was „Die Laute" betrifft, welche ein Stück schön und eigen erzählerischer Prosa von Mala L aas er ist, so hieße diese Mischung von idyllischer Erinnerungsstimmung und Stilkonz-ntrie-theit im Extrakt auch nur anzudeuten förmlich die Lautenmelodie auf Flaschen ziehen; man lese sie selber zur guten Stunde. Etwas sehr Hübsches und Ernstes, worauf wir eigentlich lange gewartet haben, ist „Der Am Haarez" von Bertha Badt-Strauß, nicht nur eine Rehabilitierung des so vielgescholtenen Typs, _ sondern seine Entwicklungsgeschichte von der biblischen über die talmudische Zeit bis zur Gegenwart, vom schlichten Mann vom Lande über den ungebildeten Einfältigen, dessen gespottet wurde, bis zum weit- und klargeistigen Mann der Tat. Von Hans Bachs „Einblicken und Ausblicken" sei hier eine Kostprobe zitiert: „Ein Kletterseil, lose über zwei Felsen gelegt, bietet — ein Finger könnte es wegschnippen — der Hand keinen Halt, doch einen Anhaltspunkt dem Auge. Es schützt vor Schwindel, vor dem ansaugenden Locken der Tiefe." Gustav Cohn schildert „Neue Funde in Palästina", besonders die ertragreichen Ausgrabungen von Sheik Abrek, die eine Wendung in der Erforschung der Baumethoden, vor allem bei Arbeiten am Felsgestein und den damit zusammenhängenden Handwerksweisen, herbeiführen und das Bild der kulturellen Leistungen und Sonderart der Juden des Altertums verdeutlichen werden. — Glossen und Referate, dazu Oskar Guttmanns prägnanter Nachruf auf Idelsohn schließen das inhaltreiche und höchst anregende Heft. H. losigkeit, nahm die vorteilhafte Gelegenheit wahr und versetzte mir mit seinen aufge. blähten Lufthandschuhen einen Schlag ins Gesicht. Ich stürzte hin und das Rohmaterial meines Sonntagsdiners verstreute sich um mich herum. — Nun versuche du einmal, ein Ueber-Don-Quichote zu werden und kämpfe ganz allein in solcher Dunkelheit gegen den Wind! Ich stand auf, wischte erst den Mund, dann das Gemüse und die Kleider ab, packte alle Sachen in den Leitartikel ein, den ich immer in der Tasche hatte, und dann schleppte ich mich durch kleine Nebenstraßen nach Hause. Das Schlimmste wäre überstanden, dachte ich bei mir. Morgen werde ich mir das Fleisch so fein zubereiten, daß sich ein verführerischer Duft verbreitet. Und ich werde im Bett liegen, zusammengerollt wie Graf Patocki. Ich werde Ibsens sämtliche Dramen lesen und den ganzen Tag glücklich sein, — Heißt das nicht wissen, wie man ein Stück Fleisch zu kochen hat?? — Am andern Tag legte ich das. Fleisch in den Topf, goß Wasser darüber, schnitt die Karotten und Pastinaken hinein, fügte Pfeffer und Salz zu und stellte den Topf auf den kleinen Ofen. Dann legte ich mich wieder ins Bett. Ich las zwei oder drei Akte der „Wildente" und guckte mal in den Topf, um zu sehen, wie weit das Essen sei. Das Wasser war verkocht, und das Fleisch rot und roh. Ich goß mehr W7asser zu, ging wieder ins Bett und las das ganze Drama zu Ende. Aber das half gar nichts. Zu meiner Bestürzung war das Fleisch immer noch so wie vorher, als das Wasser wieder verkocht war. Das wiederholte sich mehrfach. Als ich Ibsen beendet hatte, war zwar das Gemüse ziemlich weich, aber das Fleisch so roh wie nur je. Seit jenem Tage habe ich allen Respekt vor der Hausfrau, die die hohe Kunst des Fleischkochens versteht. Nach zweijährigem Suchen fand ich mein Ideal und heiratete es. Firmenschild in London Als ein armer Schildermaler meinen neuen kleinen Laden mit seinem leeren Aushängeschild sah, genehmigte er einen Schluck auf dessen Rechnung im voraus und schwankte danach herüber in Richtung meines Grundstücks. Schließlich überzeugte er mich von der Notwendigkeit, meinen Namen und Stand auf das Schild setzen zu lassen. So besprachen wir die Angelegenheit, und ich befahl ihm zu schreiben: „Edward Goodack"4 Uhrmacher, auf der einen Seite und „Goldschmied" auf der andern. Er wiederholt« „Edward Gaduck". Ich sagte „Nein, Edward Goodack". Wieder mißverstand er meinen Namen und wieder verbesserte ich ihn. Er war so betrunken wie Lot, und in seinem, ze?« ^luzaj^^;J^arb§i^flecktea Kittel, mit seinem T^sni^^^Bc''XaiäS^s-ji^ er aus, als ob et sich selbst mitsamt der Leinwand aus einer. Trinkergesellschaft eines alten holländischen Meisters herausgeschnitten hätte. Seine Augen bekamen eine glasige Starre, als er zu mir sagte: „Was nützt Ihnen Goodack? Weshalb nicht einfach Good? Edward Good? Niemand in der Stadt macht Geschäfte unter seinem richtigen Namen. Ich habe mein ganzes Leben lang Aushängeschilder gemacht, und ich weiß: Niemand!" Ich sah, daß der Mann ganz vernünftig redete. Kein Engländer, und besonders kein Trunkenbold würde jemals imstande sein, meinen Namen richtig auszusprechen. Und — aus nüchterner Kundschaft Gewinn ziehen ist schwer! Auch fürchtete ich, er könne von der Leiter fallen, während er einen so starkknochigen Namen wie Goodack schrieb, in welchem Falle sicher England mir und den Meinen den Krieg erklären würde; so kapitulierte ich im voraus und sagte zu ihm: „Na schön, schreiben Sie was Sie wollen — nur brechen Sie sich nicht das Genick dabei!" Viele Jahre später, als das Geschäft groß und der Name Edward Good in ganz Großbritannien und sogar in Chelsea populär geworden war, verdroß es mich sehr und betrübte mich bitterlich — in den Augenblicken, in denen ich Zeit hatte, bitterlich betrübt zu sein — daß mein Name geändert war. „Oh, warum mußte ich Narr mich von solch einem Saufhund beschwatzen lassen?" Ich hatte so einen originellen Namen; und ich ging hin und tauschte ihn für einen so banalen ein! Warum, oh warum? Wenn ich bankerott gemacht hätte, oder zum wenigsten jemand umgebracht! Nichts dergleichen! Nicht einmal ein kleines Feuerchen war bei mir ausgebrochen! Also warum hatte ich ohne jeden plausibeln Grund den Namen meiner Väter und. meinen Nationalstolz beleidigt? — Nur als ich später , unter meinem wirklichen Namen Moysheh Oyved schrieb — ein Name, den ich segne und der mich wiedersegnet — von jener Zeit an wurde ich gleichgültig gegen alle andern Namen. Goodack oder Gocd — Beides bin ich, und doch nicht Ich. (Autorisierte Uebertragung aus dem Englischen von Dora Freundlich) a Die Versteigerung der Sammlungen von Jakob Goldschmidt bei Christie's in London gestaltete sich überaus erfolgreich. Von einer Gruppe von Experten war dieser China-Kunstbesitz in Ostasien zusammengestellt worden, und die Porzellane der sog. „Familie rose" und der „Familie verte", die Vögel und anderen Tiere waren in allen Ländern sehr anerkannt. Die amerikanische Kunstzeitschrift „The Art News" vergleicht die kostbare Goldschmidt-Sammlung mit der berühmten Chinakolleküon Altmann im Metropolitan-Museum. New York. * Saul S c h a r y, ein aufstrebender Künstler, stellt in „The Munson Williams Proctor Institute" in Urica seine Malereien aus. * Lotte L a s a r s t e i n, die früher in Berlin tätige Malerin, hatte mit den Ausstellungen ihrer Arbeiten in Paris und Stockholm viel Erfolg. .