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Central-Verein-Zeitung · 1938-10-06 · 40 (6.10.1938) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
40 (6.10.1938)
Date
1938-10-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 40 * 1. Beilage 6. Oktober 1938 * Seite 3 Bräuche in Elul und Tischri Von B. Kestenbaum Kaum sind die aufrüttelnden und erhebenden Tage der Jamim Noraim, die furehterweckenden Tage vorüber, da schlägt man nach altem Brauch schon die Grundpfosten für die Laubhütte ein. Bekanntlich beginnt das Laubhüttenfest am 15. Tischri, fünf Tage nach Jörn Kippur. Dieser Brauch ist wohl darauf zurückzuführen, daß man reinen Herzens mit dem Bau der Hütte beginnen soll. Unser Fest wird in der Tora auch als Chagheassif, Fest des Einsammelns bezeichnet; denn es heißt im 3. Buche Mosis... „am 15. Tag des siebenten Monats, da ihr einsammelt den Ertrag des Landes, sollt ihr festlich begehen das Fest des Ewigen Total-All sverkauf wegen vollständiger Geschäftsaufgabe Alle Preise bedeutend herabgesetzt '"LUDWiQ Herren- und Knaben - Kleidung Frankfurt a. M«., gegenüber d. Hauptbahnhof sieben Tage." Dieses Fest war, solange das jüdische Volk einen eigenen Boden hatte, ein frohes Erntedankfest, ein Dankfest besonders für Obsternte und Weinlese. Mit der Wallfahrt nach Jerusalem wurden die Erstlingsfrüchte dargebracht. An das Fest des „Emsammelns" schloß sich noch das des Wassergießens an. in Traktat Sukka berichtet die Mischna wörtlich: „Wie erfolgte das Wassergießen? Man füllte ein drei Log fassendes goldenes Gefäß (mit Wasser) aus dem Sehiljoach, und als man zum Wassertore herankam, wurde in die Posaune gestoßen. Sodann stieg der Priester auf die Altarrampe und wandte sich nach links. Da waren zwei silberne Schalen..., die zwei jsehmaie Dillen hatten... Die westliche für das Wasser, die östliche für den Wein. Dem Wassergießenden rief man zu: ,Die Hand hoch!'1 Denn einst goß jemand auf jseine Füße, und das Volk bewarf ihn mit 'geiner Etrogim. Wie am Wochentage, So geschah es auch am Sabbat, nur daß man bereits am Vorabend ein ungeweihtes goldenes Faß mit Schiloachwasser füllte und. es in einer Zelle aufbewahrte. Wurde es ausgegossen oder aufgedeckt, so schöpfte man es aus dem Waschbecken; Wein und Wasser, die aufgedeckt gestanden haben, sind nämlich für den Altar untauglich." Dieser Brauch soll die Fruchtbarkeit des Regens versinnbildlichen. Das Wohnen während der sieben Tage in der Sukka wird im 3. Buche, Kap. 23 der Schrift befohlen: „In Hütten sollt ihr wohnen sieben Tage, jeder der einheimisch ist in Israel, wohne in Hütten, auf daß eure Nachkommen wissen sollen, daß ich in Hütten wohnen ließ die Söhne Israels, als ich sie aus dem Lande Mizraim herausführte." Außer den üblichen Segenssprüchen über das Weilen in der Sukka werden nach einem kabbalistischen Brauch die Uschpisin, die himmlichen Gäste, die Erzväter Abraham, Jizchak, Jakob, Josef, Moses, Aron und David, in die Festhütte geladen. Am ersten Tag lautet die Formel: „Ich bitte dich Abraham, weile bei uns und mit dir die himmlischen Gäste: Jizchak, Jakob, Josef, Moses, Aron und Lieferung aller DentaiUiaren Dentai-Grosshandiuns Beu-BniiciitsRgeB D E L Ä K U U f; ßllSWanderer-BSratling BerlinW.Tauentzienstr.lO David."' Am zweiten Tage wird der Erzvater Jizchak in derselben Weise geladen, am 3. Tage Jakob und so fort. Schöner und angebrachter Brauch ist es, an jedem Tage des Sukkotfestes, einen Bedürftigen in der Laubhütte gastlich zu bewirten. Und das Fest wird noch verschönert durch den Feststrauß, der im 3. Buche Mose Kap. 23 vorgeschrieben wird, in dem es heißt: „... Nehmet euch am ersten Tage eine Frucht vom Baume Hadar, Palmzweige, Myrthen und Bachweiden und freut euch vor dem Ewigen Eurem Gott sieben Tage." Man pflegt auf den schönen Wuchs des Etrog und Lulaw besonderen Wert zu legen. Nach einem Midrasch. soll der Etrog derselbe Apfel sein, von dem Adam und Eva gegessen haben, vielleicht daher die Bezeichnung: „Paradiesapfel". An jedem Tage des Festes, während der Morgen an da cht, werden zur Erinnerung eines Brauches im Heiligtum Umzüge mit dem Feststrauch veranstaltet, wobei Hoschanat - Poesien gesungen werden. Das Fest wird durch fünf Halbfeiertage unterbrochen, wobei der fünfte Tag, Hoschan ah Rabba, der Tag der großen Hoschanat, besonders hervertritt. Schon am Vorabend versammeln sich alle männlichen Mitglieder der Gemeinde im Bethause, um die Nacht zu durchwachen und das 5. Buch der Tora vorzulesen, Psalmen und besondere für diesen Abend vorgeschriebene Gebete zu sprechen. Hoschanah Rabba, früher Jörn Araba, der Tag der Weide, geht ebenfalls auf einen Festbrauch im Tempel zu Jerusalem zurück. In der Mischna Traktat Sukka finden wir folgendes darüber: „Wie verfährt man mit dem Gebote der Bachweide? Unterhalb Jerusalems gibt es einen Ort, namens Moza, dahin geht man hinab und sammelt Weidenzweige, sodann stellt man sie an den Seiten des Altars auf, die Spitzen über den Altar geneigt, wobei in die Posaune gestoßen, getrillert und wiederum gestoßen wurde. An jedem Tage umkreist man den Altar einmal und spricht: ,Herr, hilf doch, Herr laß doch gelingen!' An diesem Tage (Hoschana Rabba) umkreist man den Altar siebenmal. Beim Verlassen des Bethauses spricht man Worte der Huldigung: Dir, o Altar, Huldigung dir, o Altar! Am Sabbat wurden die Weiden schon am Vorabend gesammelt und in goldene Kübel gestellt, damit sie nicht welken... Man holte Palmwedel und schlug damit an die Seiten des Altars... Dieser Tag wurde „Tag. des Weidenschlagens" genannt. Gleich darauf rissen die Kinder ihre Palmenzweige heraus und aßen ihre Etrogrim. Schon früh beginnt die Morgenandacht. Der Vorbeter iegt den Kittel an. In manchen chassidischen Bethäusern legen auch die Mitglieder Kittel an. Die Briefmarken « Frifs Lepsin Berlin W 35, Lützowstrasse 91 A. 'Gebete wer'den^in "der" herkömmlichen Melodie der Hohen Feiertage gesungen. An diesem Tage findet die Besiegelung des himmlischen Urteils statt. In der zweiten Hälfte der Morgenandacht finden sieben Umzüge mit dem Feststrauß statt, wobei sich die Hoschanat-Poesien wiederholen. Zum Schluß nimmt jeder der Beter ein Bündel Bachweiden, bestehend aus fünf frischen Weidenruten mit einem Palmenblatt gebunden. Bei den Chassidim wird am Schluß der Andacht wie zu Neila auch Schofar geblasen. Nach dem Gottesdienst wünscht man einander: „Zu einem gut Jahr mögest Du besiegelt werden!" Hoschanah Rabba ist' zugleich der Vorabend des Schemini Azeret, des achten Tages, der ein selbständiges Fest ist. Während der Morgenandacht wird das Geschem-Gebet, das Gebet um Regen, in feierlicher Weise nach der herkömmlichen Melodie gesprochen. An diesem Tage wird auch der Abschied von der Festhütte gefeiert, wobei noch ein kurzes Gebet gesprochen wird: „Es sei der Wille, oHerr, mein Gott und Gott meiner Väter, wie ich dein Gebot erfüllet habe und in dieser Hütte geweilt habe..." Am Abend des Schemini Azeret beginnt schon das Simchat Tora, das Fest der Torafreude, der in der Diaspora gefeierte zweite Tag des Schlußfestes. Nach der festlichen Abendandacht werden die Umzüge mit allen im Gotteshaus vorhandenen Torarollen veranstaltet. Die sieben Umzüge werden von den vorgeschriebenen Poesien umrahmt. Die Kinder begleiten die Hakkafot, die Umzüge mit bunten Fähnchen und Lichtern. Nach der Abendandacht pflegt man die Kinder, die in der Synagoge versammelt waren, m:'t Süßigkeiten zu erfreuen. Bei den Chassidim werden die Hakkafot von ekstatischen Tänzen und Freudenausbrächen begloefcst, die nach außen fast ausgelassen wirken. Der Ursprung dieser Ekstase ist jedoch in kabbalistischen Zusammenhängen zu suchen. Zur Morgenandacht des Simchat Tora-Festes werden die Hakkafot wiederholt; alsdann findet das Vorlesen der letzten Sidra des 5. Buches statt. Damit wird der Jahreszyklus der Toravorlcsung abgeschlossen. Man pflegt bei diesem Anlaß alle männlichen, auch die jugendlichen Mitglieder aufzurufen. Wer die Ehre hat, zum letzten Abschnitt aufgerufen zu werden, wird als Chatan Tora, als Bräutigam der Tora, bezeichnet. Am Simchat Tora wird aber auch mit dem ersten Abschnitt für den neuen Jahreszyklus begonnen, und derjenige, der die Ehre hat, dazu gerufen zu werden, bekommt den Ehrentitel Chatan Berescb.it. Diese Auszeichnungen verpflichteten zu Spenden für Gemeinde und Synagoge. In kleinen Gemeinden wurden noch Freunde und Bekannte zu einem Festmahl geladen, wobei die freudige Stimmung des Tages sich fortsetzte. Obwohl Sukkot ein Fest der Freude ist, klingt immer noch ein wehmütiger Ton durch dieses Fest. Vielleicht, weil die Sukkot uns so sehr an das Menschliche, an unser jüdisches Schicksal erinnert. Fot. Gebrüder Hirsch, Karlsruhe CK ^^t^^^^^H, %r»#fV» vv\ Jn* V J#«M \\\ ^2Lr*M* &Avv? Dr. Siegfried Weißmann 50 Jahre Am 2. Oktober vollendete Oberregierungsrat a. D. Siegfried Weißmann, Karlsruhe, sein 50. Lebensjahr. Unter den Männern, die der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland durch die Kraft ihrer Persönlichkeit und den Einsatz ihrer Fähigkeiten in schwerster Zeit Prägung und sinnvolle Gestaltung verleihen, steht er mit an führender Stelle. Der ausgezeichnete Verwaltungsbeamte, dessen hervorragende Kenntnis sich in verschiedenen hohen Stellungen bewahrt hatten, stellte sich schon früh der -jüdischen Sache zur Verfügung. Aus dem K. C. hervorgegangen, dessen Alt^c"-nn-V^T^nnrl er längere Zeit führte, er- „vv\* faßte er mit klarem Blick und dem ihm eigenen organisatorischen Geschick die ' <Y: neuen Aufgaben und * ■ \ Notwendigkeiten einer +- neuen Zeit. Als stellvertretender Vorsitzender und geschäftsführendes Mitglied des Oberrats der Israeliten Badens, als Vorsteher der Israelitischen Gemeinde Karlsrull e, als Vorsitzender der Jüdischen Darlehe s a se und in all den vielen andern Aemtern, in die das Vertrauen seiner Glaubensgenossen ihn berief, konnte er, besonders auf sozialem Gebiet und in Fragen der jüdischen Schule, deren glücklicher Aufbau in Baden sein Werk ist, - Leistungen vollbringen, die als beispielhaft und richtungweisend betrachtet werden dürfen. Es kann daher nicht wunder nehmen, daß sein Rat und seine wertvolle Hilfe in allen, das Judentum hier bewegenden Fragen weit über Baden hinaus geschätzt und dankt bar anerkannt wird. Als Mitglied des Rates bei der Reichsvertretung nimmt er tätigen Anteil an der Lösung all dieser jüdischen Altpapier — Adott Naftaniel Seriin PäW 87, Y/uilenweberstraße 2. Tel.- 39 78 f2 Zeitfragen, und es ist vielleicht bezeichnend für den jugendlichen „Jubilar", daß er bei aller Betonung der Notwendigkeiten seiner süddeutschen Heimat alle parti.ku;avi~-'ischcn Interessen hintanstellte, als. es galt, den Reichsverband der Juden in Deutschland ins Leben zu rufen, dessen Zustandekommen er tatkräftig förderte. Die Fülle dieser emsigen und zielbewußten Arbeit verlangt einen ganzen Mann. Sie erfordex-t aber neben allen Fähigkeiten auch menschliche Qualitäten besonderer Art. Wer Siegfried Weißmann und sein Wirken kennt, weiß, daß er sie in seltenem Maße besitzt. Der Wunsch zu seinem Ehrentag kann deshalb nur aufrichtiger Dank sein und zugleich die Hoffnung, daß er die schweren Aufgaben, die es noch zu lösen gilt, meistern möge. Der Jüdische Centrai-Verein und die C.-V.¬ Zeitung, die Siegfried Weißmann seit vielen Jahren zu ihren bewährten Freunden zählen dürfen, schließen sich diesen Glückwünschen gerne und von Herzen an. H. St. Emamiel Kirschner Einen Tag nach Rosch Haschana verschied in M ü n c h e n der Nestor der Kantoren in Deutschla»jÄ, Professor Emanuel Kirschner. Wie er vor 50 Jahren bei der Einweihung der Synagoge in München sein heiliges Amt ausübte, so hielt er auch jetzt, wiewohl J. Weisse? nur Xurfürstendamm 29 längst im Ruhestande lebend, den letzten Gottesdienst in dieser Synagoge vor ihrem Abbruch ab. Gelegentlich seines 80. Geburtstages wurden seine Verdienste um die Synagogenmusik und deren Wissenschaft bereits gewürdigt. Man kann wohl sagen, daß * mit dem Erscheinen mau ememm & werden Ihnen ferne Gegenden, wenn Sie mit der Lupe die Landkarte entziffern. Die innere Gestattung der Länder jedoch und ihre Bedeutung für das jüdische Leben zeigt Ihnen die ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Senden Sie mir bis auf Widerruf die C-V.-Zeitung RM. 1,50 für Oktober, November, Dezember zahle ich bei Vorlage der Postquittung an den Briefträger oder (nach Aufforderung durch den Verlag) auf Postscheck. Name: Ort:.. Straße:..................................................... Ausschneiden und mit 3 Pf. frankiert (oder auch unfrankiert) senden an: C.-V.-Zeitunq Vertrieb, Berlin W 15, Emser Straße 42. / Telefon 92 81 41 Auch jedes Postamt nimmt Bestellungen entregen. des ersten Teils seines großangelegten S; nagogen-Gesangswerkes eine neue Epoche für die Synagogenmusik begann. Er stellte es sich zur Aufgabe, diese sakrale Kunst wieder zur Tradition zurückzuführen, die ihr zum Teil verloren gegangen war. Alle diejenigen, die zu jener Zeit mit ihm "gemeinsam arbeiteten, kamen zur Erkenntnis, daß durch Kirschner jene jüdische Note wieder in den Gottesdienst hineingebracht wurde, die nicht nur der Vorbeter in seinen Rezitativen, sondern der gesamte liturgische Kultus wieder erhalten mußte. Das ist ihm in seiner konsequenten Arbeit in großem Ausmaß gelungen. Er wurde zum Wegbereiter einer ganzen Generation. In seinem Wirkungskreis war er hochgeachtet und geschätzt. Erfüllt von einer geradezu vorbildlichen, tiefen Religiosität, wußte er den Geist der Gebete, die er zu interpretieren hatte, so stark zum Ausdruck zu bringen, daß selbst deinjeni- IHIIII!llllllllllll!IHIU!!llllilll!lll!ll!lllinill!lllllllll!llll!lllll!UI!llil!l!IIIIU!!illii:iitUnillllHlllll Wegen Geschäftsaufgabe nur bis 12. November 1938 Lazarus ÖSEN Wwe- 23 Kaiserstr&ße 23 1 Frankfurt auM. ll^J^ll lj JUWELEN GOLD SILBER BESTECKE §§ UHREN - KULTUSGEGENSTÄNDE, auch versilbert gen, der die gottesdienstliche Sprache nicht beherrschte, die Bedeutung der Worte nahegebracht wurde. Einige Jahre wirkte er als Professor des Gesangs am Münchener Konservatorium, und nicht nur Kantoren, sondern bedeutende Sänger weltlicher Kunst zählen zu seinen Schülern. Die Fachvereinigung nannte ihn mit Stolz ihr Ehrenmitglied. Nachdem sein großes vierbändiges Werk vollendet war, wandte er sich in den letzten Jahren seines Wirkens der Synagogenmusikwissenschaüt zu, die er durch' bedeutsame Arbeiten, besonders in der Fachzeitschrift „Der Jüdische Kantor" auf dem Forschungsgebiet stark bereicherte. Mit Emanuel Kirschner ist eine jüdische Persönlichkeit großen Formats dahingegangen. Sein Andenken wird in seinen Werken fortleben. Magnus Davidsohn Der Chefredakteur der „Jüdischen Rundschau", Dr. Robert Weltsch, ist durch vden Tod seiner Mutter, die Erew- Rosch-Haschana in Jerusalem verstorben ist, in Trauer versetzt worden. Wir sprechen unserem verehrten Kollegen unser, herzlichstes Beileid aus. PERSIANER 9 NERZE SlBberfüchse» Sämtl. Pelzartee» EIiZ£]-HÄI^USKI B E R k I W 5 © Augsburger Strasse 45

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