Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 39 (29.9.1938)
- Date
- 1938-09-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 3× ep/1047930
- Beirut 1× ep/1047833
- Hebron 1× ep/1047559
- Safed 1× ep/1046078
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Nr. 39 * 1. Beilage IMfeihing 29. September 1938 * Seite 3 Palästina - Nachrichten Verlustlisten Der jüdische Hilfspolizist Arje Reiner aus K-akau, 24 Jahre alt, wurde von Arabe.-i erschossen, während er eine Gruppe jüdischer Arbeiter in der Nähe der Niederlassung von Beer Jacob bewachte. Der jüdische Polizist David Kraus, der am 12. September in Safe d verwundet worden wrar, erlag seinen Verletzungen. Kraus war 28 Jahre alt und hatte sich wenige Tage vor seiner Verwundung verheiratet. Er war aus Ungarn eingewandert. Arje Korn- Total - Ausverkauf wegen vollständiger Geschäftsaufgabe Beginn Freitag, der» 30. September Alle Preise bedeutend herabgesetzt rwoMo vierstündigem Kampf vertrieben werden. Dabei sind zwei arabische Arbeiter der Potash Company sowie ein Gefangener, der wegen Besitzes von Munition verhaftet worden war, ums Leben gekommen. Bei einem Angriff aus dem Hinterhalt wurden Mitglieder des Kibbuz von Kir- Poisterwaren Eigene Werks?. Umarbeitung Weißensee, Herren- und Knaben-Kleidung Frankfurt a. M., gegenüber dem Hauptbahnhof f e 1 d, ein jüdischer Gefängniswärter, 25 Jahre alt, aus Polen, wurde auf dem Wege nach Tel-Aviv angeschossen und erlag seinen Verletzungen. Simon Rosenzweig, 40 Jahre alt, in Safed geboren, wurde in der Nähe von C h e d e r a erschossen. Elieser Goldfarb, ein 25jähriger jüdischer Arbeiter, wurde in der Nähe der Siedlung Beth Owed bei Neß Ziona aus dem Hinterhalt von Arabern erschossen. Der Hilfspolizist, Jakob ben Herzl, der dabei schwer verwundet wurde, gab noch 20 Schüsse auf die Angreifer ab. Beim Angriff auf die Siedlung Maoz in der Jordan-Ebene fand ein Gefecht zwischen Arabern und jüdischen Hilfspolizisten statt, wobei letztere von transjordanischen Grenzwachen unterstützt wurden; die Terroristen erlitten Verluste. Auf die Siedlung Kfar Chassidim im Emek wurde ein Angriff verübt; er konnte erfolgreich zurückgeschlagen werden, wobei der 21jährige Zwi Rabinowitz, Sohn eines Siedlers, seinen Verletzungen erlegen. Ein schwerer Ueberfall wurde auf 13 Lastwagen der Palestine Potash Company verübt, wobei fünf Wagen niederbrannten. Die Angreifer konnten von der Polizeieskorte mit Hilfe von Militär nach Briefmarken » Frifs Lewin Berlir. W35, Lützowstressse 9« A. j a t A n a w i m, die bei Neß Ziona arbeiteten, beschossen. Arbeiter aus Z i c h o n Jacob wurden auf dem Wege zur Feldarbeit aus dem Hinterhalt beschossen. Dabei wurde der Hilfspolizist Dow-ben -Josef getötet. Seine Kameraden, de Haan und Jacob Florin, wurden verwundet. Der Eisenbahnvorarbeiter Moshe Doretzky, 32 Jahre alt, wurde auf dem Wege zur Arbeit in Haifa erschossen. Der 30jährige David Aron Cohn, Hausierer, wurde auf der Straße in Jerusalem angeschossen und schwer verletzt. Ein Araber versuchte in Haifa ein Bombenattentat zu verüben. Durch die vorzeitige Explosion der Bombe wurde er selbst getötet. Der Hilfspolizist Josef Rager wurde in Haifa auf der Straße durch einen Schuß von Terroristen schwer verletzt. Ein Jerusalemer Hilfspolizist wurde leicht verletzt. Polizei und Truppen durchsuchten den betreffenden Bezirk, wobei zwei Terroristen verwundet und mehrere in Haft behalten wurden. Die Hilfspolizisten Abraham G o 1 u b, 38 Jahre, und Samuel Feinstein, 22 Jahre, wurden, als sie auf den Motorrädern nördlich von Jerusalem fuhren, angeschossen. Als sie ihr Tempo daraufhin beschleu- Gemeindemifglieder! Denkt rechtzeitig an die Herbstbepflan zungen Erika Ceniaurien Wenden Sie sich.an die Friedhofsgärtnerei der Jüdischen Gemeinde Berlin-Weißensee, Lothringenstraße 22 / Tel. 564035 nigten, kam es zu einem Unfall, an dessen Folgen sie beide starben. Eine Bande drang in den arabischen Ort Deir Sheika in der Nähe von Jerusalem ein, ermordete die Frau des Muktar, seine drei Söhne im Alter von 14, 12 und 10 Jahren und schlachtete sein Vieh. Eine Bande tötete einen arabischen Dorfbewohner in der Nähe von Hebron sowie einen Vater mit seinem Sohn bei N a b 1 u s. In der Altstadt von Jerusalem ermordeten Terroristen einen Araber. Vier Mitglieder einer arabischen Bande beschossen ein Auto bei Nazareth und wurden dabei von Polizei erschossen. Die neue Telephonzentrale in Bethlehem wurde von Terroristen in Brand gesetzt. Ein arabischer Terrorist, der einen Polizisten in Haifa erschießen wollte, wurde von diesem in der Gegenwehr selbst erschossen. Eine Bande drang in die Büros des Gesundheitsamtes in Ramalah und stahl eine arabische und vier englische Schreibmaschinen sowie eine Vervielfältigungsmaschine. Das Zollamt von Gaza wurde von Terroristen in Brand gesteckt und völlig vernichtet. Die Polizeistation, Zoll- und Postamt von Jericho wurden fflAH UliiSSUÜ *jc* 7E BERUS III, S2 HleiSlStP. 12 |fcLfcfc |» Sehr günstige Angebote Aspiiaitlerungan ESff Pflasterunsen. Bürsersteiffe - Telephon: 92 47 56 von einer Bande angesteckt. Die Irak- Petroleumlinie wurde angebohrt und in Brand gesetzt. Henriette Harfners Sohn Nach einer jüdischen Familienchronik erzählt Von Moritz Kaswan (2. Fortsetzung) Der Oberst schob den Kasten gleichgültig von sich, auf den Spruch des Gerichts hatte die Entdeckung keinen erschwerenden Einfluß mehr, der Angeklagte war ohnedies verloren. Der Kronanwalt, der mit Genugtuung die Verblüffung der Offiziere beobachtet hatte, fuhr nun in seiner Rede fort und sagte, indem er mit theatralischer Gebärde die Arme hob: „Entweder Sie gestehen sofort, daß Sie mit Dubois verbündet waren, daß Sie ein Bonapartist sind und auf die Soldaten des Königs geschossen haben — oder ich lasse Sie an die Wand stellen, erschießen, mein Herr." Ludwig Harfner, der bei dem Ausruf „das sind doch französische Pistolen" von einer unerklärlichen Angst befallen wurde, von einer Todesangst, da er die Ausweglosigkeit dieser Schickung zu ahnen begann, reißt nun in wilder Bewegung seine Hände empor und schüttelt sie wie ein Rasender. Ja, er schreit vor Entsetzen auf: „Nein, neinl Das ist alles nicht wahr!" Es ist fast ein Aufschluchzen, als er ausruft: „Ich bin kein Bonapartist! Ich heiße Ludwig Harfner, ich bin der Sohn des jüdischen Lehrers Jacob Harfner aus Göttingen. Dahin will ich wieder zurück... Ich bin unbeteiligt, unschuldig. Ich bitte Sie, mich freizulassen. Auf der Stelle freizulassen!" Dor Vertreter des Königs weist ihn giftig zurück: „Was reden Sie da, mein Herr?- Freilassen? Jawohl, sofort, auf der Stelle — nur müssen Sie uns zuerst verraten, woher Sie diesen Zettel haben?" und er klopft mit seinem hölzernen Knöchel auf das Papier. Der Angeklagte starrt den Mann an und antwortet mit stockendem Atem: „Von meiner Mutter ... ich habe es doch ... schon hundertmal erzählt", und er verwünscht innerlich die unselige Sekunde, in der er sich den Wisch hatte aushändigen lassen. Weshalb habe ich mich nicht bei der Mutter erkundigt, was für eine Bewandtnis es mit dem Zettel hat, denkt er, und ein kindliches Weinen drängt sich in ihm auf, weil die Mutter solch Unheil über ihn heraufbeschworen. Er weiß keinen Rat mehr. Er entdeckt nirgends eine Hilfe. Während die Richter über seine Einfalt lächeln und der Oberst ihn mitleidig ermahnt, endlich von dieser unsinnigen Erklärung zu lassen und die Wahrheit zu gestehen, die reine Wahrheit, er wende sein Los sonst ins Bittere, verfällt Ludwig Harfner einer immer wachsenderen Herzensnot, aus der er nur eines begreift, — daß es um ihn geschehen sei. Diese Erkenntnis, die zuerst seine unvorbereitete Seele in eine klamme Todesangst jagte, macht ihn plötzlich ruhig und überlegt. Nach einer schreckhaften Atempause, streift er mit einem Mal die Ungelenkheit seiner neunzehn Jahre ab und sucht nachzuholen, was er bislang allzu sorglos verpaßt hatte; den Beweis seiner Schuldlosigkeit. Er stürzt sich in eine leidenschaftliche Rede, der es an Ueberzeugungskraft nicht mangelt. Er spricht von der Rechtschaffenheit und Frömmigkeit seines Elternhauses. Er beschreibt seine leichte, ungebundene Kindheit, er gesteht die heimliche Sorge seiner Mutter, die ihn nach Paris geschickt habe, um ihn von dem bösen Beispiel der aufgeklärten jüdischen Jugend zu entfernen. Von dem Zettel weiß er nur zu sagen, was er bereits gestanden hat. Er erklärt zum Schluß nicht ohne Pathos: Seine Eltern wären Juden, der Vater jedoch schon lange tot. Er bekenne sich mit Stolz zur Religion seiner Väter und sei sich keiner Schuld bewußt. Vielleicht erblicke das Gericht in der Tatsache, Sie diesen Bestellzettel Ihren freunden, die die C-V.-Zeitung noch nicht lesen. Werben Sie für unsJ Sie kennen unser Blatt, Sie wissen, was wir für 50 Pfennig im Monat bieten. Senden Sie mir bis auf Widerruf die C.-V.-Zeitung RM.1,50 für Oktober, November, Dezember zahle ich bei Vorlage der Postquittung an den Briefträger oder (nach Aufforderung durch den Verlag) auf Postscheckkonto. Die beiden letzten Septembernummern erhalte ich kostenlos. Name: .................................................... Ort:.......................................................... Straße:..................................................... Ausschneiden und mit 3 Pf. frankiert (oder auch unfrankiert) senden an: C.-V.-Zeitung Vertrieb, Berlin W15, Emser Straße 42. / Telefon 92 81 41 Auch jedes Postamt nimmt Bestellungen entgegen. Flugplatz Tel-Aviv Nachdem der High Commissioner provisorisch die Landung bestimmter Klassen von Flugzeugen auli dem neuen Flugplatz amlSordr ufer des Jarkon bei Tel-Aviv genehmigt hatte, fand am 22. September in Anwesenheit zahlreichen Publikums die offizielle Einweihung statt. Der Bürgermeister von Tel-Aviv, Jizchak Rokach, und Vertreter der Palestine- Airways hielten Ansprachen, in denen die große Bedeutung des Flugplatzes für den Jischuw hervorgehoben wurde. Das erste Flugzeug startete sodann nach Beirut; "bei einer Zwischenlandung in Haifa wurde das Flugzeug vom Bezirkskommissar Bailey begrüßt. In Beirut erwartete es der Oberkommissar für Syrien Le Martel. Am Abend fand der programmgemäße Rückflug nach Tel-Aviv statt. Der' Flugplan sieht einen unter jüdischer Kontrolle stellenden Flugdienst Tel-Aviv -—Haifa—Jerusalem (täglich) und Tel-Aviv— Beirut (dreimal wöchentlich) vor. * Der frühere Premierminister des Irak besuchte den MuEli und arbeitete mit ihm einen neuen Plan für die Lösung der Palästinafrage aus. Ts1 ach Sarafend und Jerusalem erfolgten englische Truppenverstärkungen. Genfer Resolution Am 23. September wurde in der 8. Politischen Kommission eine Resolution angenommen, daß „die Völkerbundsversammlung die Hoffnung ausdrückt, daß die palästinensischen Probleme in der nahen Zukunft unter Berücksichtigung aller daran beteiligten legitimen Interessen gelöst werden möchten". Diese Resolution wird der Vollversammlung vorgelegt werden. Wirtschaftliche Tätigkeit der Jewish Agency Ueber die wirtschaftliche Tätigkeit der Jewish Agency berichtete Elieser Kaplan, Schatzmeister der Exekutive der Jewish Agency, in einer Pressekonferenz in Jerusalem. Im vergangenen Jahre sind 176 000 Pfund für Kolonisation ausgegeben worden, für Sicherheitszwecke in den letzten beiden Jahren 125 000 Pfund, weitere große Summen wurden"'für - Anleihen an Arbeitslose, für Handel und Industrie, für langfristige Bankkredite ausgegeben. Ueberdies ist ein Garantiefonds geschaffen worden, der es möglich gemacht hat, Bargeld an Pflanzer, Kaufleute und Handwerker zu leisten. Auch an der Finanzierung öffentlicher Arbeiten beteiligte man sich. Die jüdische Schiffahrtgesellschaft Atit hat sich der Kontrolle der Jewish Agencv unterstellt. daß er Jude sei, eine Schuld, dann bekenne er sich schuldig. In diesem Augenblick erst spürt Ludwig Harfner salzig und tränenbitter, süß und befeuernd, daß es jenseits der Odyssee und der neuen verführerischen Zeit noch ein Reich gibt, dessen Raunen und Rauschen im eignen Blut wunderbares bewirkt. Er schweigt über sich selbst erschütternd und staunend, wird ihm die~> weitere Verhandlung fast gleichgültig.. Vergeblich müht sich Oberst Quibon dem Sprecher des Ministers Villele ein paar Worte zuzuflüstern,, der hat sich bereits zu seinem Schlußantrag erhoben, .und während er mit scharfen Worten gegen den Angeklagten losgeht, betrachtet der alte Offizier den jungen Juden mit seltsamer Teilnahme; schade um das junge Blut, denkt er und bewundert dessen Mut und bemerkenswerte Gefaßtheit, welche, im Gegensatz zu seinem früheren Gehaben, den Soldaten für ihn einnehmen. Aber wie unsinnig zu glauben, das Gericht verurteile ihn, weil er Jude sei.. Quibon denkt mitleidig: Armer Junge; und in einem Zuge: Der Teufel hole Villele!! Ludwig Harfner ist ein schlanker, feingegliederter Bursche, mit einem zart geformten Antlitz und braunem, lockigem Haar, das ihm tief in die Stirn fällt, darunter ein Paar Feueraugen, die eben erst aus leichter Verträumtheit ins Funkeln .wechselten. Dem Oberst fällt bei seiner Beobachtung auf, daß Harfner für einen Ausländer das Französische mit einer angeborenen Leichtigkeit spricht. Ohne sich die Gedankengänge des Grafen d'Epinee zu eigen zu machen, berührt ihn diese Tatsache eigenartig. Sie verursacht ihm Unbehagen, in Wahrheit ist ihm die ganze Verhandlung zuwider. Er ahnt, warum man gerade ihm, dem ehemaligen kaiserlichen Offizier das Amt eines Vorsitzenden der Militärkommission übertragen und wünscht diesen und den nächsten Tag schon hinter sich. Es ist der zehnte Dezember 1827. Dabei gehen ihm von ungefähr durch den Kopf, wie es Nachsinnenden zuweilen passieren kann, allerlei Gedanken und Erinnerungen aus scheinbar beziehungslosen Erlebnissen. So kommt er darauf, daß es zur Stunde genau zwanzig Jahre her sei, da er im pomphaften Gefolge des jungen Jerome, des gekrönten Königs von Westfalen, in Cassel eingezogen war. Merkwürdig, wie das Vergangene bei ihm antippt. Es plagt den Oberst, daß er nicht weiß, wieso er plötzlich darauf verfallen. Da hört er den Ankläger plädieren: „. .. der Student Ludwig Harfner aus Cassel hat, wie die Beweisaufnahme ergeben, am Aufstand teilgenommen. Obgleich Zeugen bereitstehen, um zu beeiden, daß der Angeklagte kurz vor dem Feuerwechsel, mit Dubois eine Unterredung gehabt habe, kann auf deren Aussage verzichtet werden, da die Erklärung des Fremden, in dem bei ihm gefundenen Material sein Eigentum zu erkennen, dem Gerich* ausreicht." (Fortsetzung folgt.) Jüdischer Kulturbund Berlin Hochenplaa Theater in der Kommandantenstr. 57: 2. Oktober, 11.30 Uhr: Matinee „Verdi"; jeweils 20 Uhr: „Rigoletto": 2. Oktober (Abt. 21, 31); 3. Oktober (Abt. 5, 15); 4. und 5. Oktober: geschlossen; 6. Oktober (Abt. 4, 14). 8. Oktober (Abt. 46 und Abonnement). * Kulturbundsaal, Kommandantenstr. 58/59, 20 Uhr: 3. Oktober Vortrag Dr. Arnold Samter; 6. Oktober Vortrag Edith Herrnstadt - O e t t i n g e n. * In der „R i g o 1 e 11 o"- Premiere singt ein neuer, den Berlinern aus früheren Jahren bekannter Tenor Igo Guttmann die Partie des „Herzogs"'. In der Rolle des Titelhelden wechseln Walter Olitzki und Wilhelm Guttmann ab, in der Partie der „Gilda" Mascha Benjakonski und Rita A 11 a s z. In Theätre Mathurins in Paris fand die Premiere der Farce „La premiere Familie" mit der Musik von Darias M i 1 h a u d statt