Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 38 (22.9.1938)
- Date
- 1938-09-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 C-V.-Zeitung Nr. 38 « 22. September 1938 zu Gemeinde". Mühsam oder gar nicht haben sie sich bisher an vielen Orten den Zugang zu dem Kreise der eingesessenen Juden .erschließen können. Besonders in Südamerika, aber auch anderswo, steht zwischen den länger ansässigen Juden und den zuwandernden eine unsichtbare, aber wirksam absperrende Schranke. Nicht nur landsmannschaftliche Unterscheidungen zwischen Ost- und Westjudentum, zwischen Sephardim und Aschkenasim, spielen .eine Rolle. In sich festgefügt, leben diese Gruppen vielerorts fast ohne jede Berührung nebeneinander her. Auch die länger ansässigen Juden aus dem deutschen Sprachbereich sperren sich oftmals bewußt oder unbewußt gegen den Neue'nwanderer ab, und dabei sind es nur manchmal fünfzig oder dreißig Jahre, vielleicht auch noch weniger, die die eine jüdische Gruppe der anderen zeit'ich voraus hat. Aber dieser Vorsprang genügt, um eine Scheidewand aufzurich' en. Die o p f e r - F&sPßlTa ühlandsfr. 43 - i?30 77 . I i!5rÜ3 I mlX* Gr. Lasror, srünstisr. Angebote vorHan-'en willige Hilfsbereitschaft freilich, mit der diese Kreise den Einwanderern aus Deutschland gegenübertreten, soll und kann durch diese Feststellung nicht herabgesetzt werden. Aber ungewollt wirkt die Scheidung der Juden in eine helfende und eine unterstützte Gruppe doch vielfach hemmend. Es ist sehr wichtig für die Struktur der Juden heiten, die sich in den Einwanderungsländern aufzubauen beginnt, daß der Apparat der Hilfsorganisationen fast stets ein Instrument der eingesessenen Juden ist. Sie bieten den Neuankömmlingen Zuflucht, Unterstützung und Rat: Aber Gemeinschaft bieten sie ihnen nicht. Meist sind überdies die Hilfsinstitututionen die einzigen Gemeinschaftsorganisationen der deutschsprachigen Juden im Einwanderungslande. Clubs und Kiilturvereinigungen erfassen immer nur kleinere Gruppen. Die jüdische Einheitsgemeinde, wie sie in Deutschland zu einem Begriff geworden ist, findet sich draußen fast nirgends wieder. Eine bewußte, von Tradition getragene und umfassende Organisierung der Judenheit gibt es in fast keinem Einwanderungsland. Und so steht der Zuwanderer einer Vielfalt von Synagogengemeinden, Betstuben, Wohlfahrtsvereinigungen und Klubs, aber keiner Gemeinde gegenüber. Wenn ihn nicht die Adressenkartei des Hilfskomitees erfaßt und verfolgt, so verschwindet er lei-cht in der Anonymität der fremden Großstadt oder eines abgelegenen ländlichen Bezirks. So kommt es, daß mit einer fast überall zu beobachtenden Gesetzmliß-'gkeit der Antrieb zur Gemeinschaftsbildung aus den Reihen der Neueinwanderer selbst kommen muß. Ehe dieser Antrieb erwacht ist und sichtbare Formen annimmt, vergeht Zeit. Nur langsam entfaltet sich darum ein jüdisches Leben in den Einwanderungszentren, nur langsam bilden sich neue Gemeinschaften. An fast lächerlich anmutenden Problemen scheitert so manche Bemühung. Da ist als Wichtigstes das Problem der Adressen, und da es ein polizeiliches Mcldewesen TOTA&-AUSVERKAUF 0 weqen Geschäftsaufgabel WoiBe gfa^eaasr&eiten SS i¥J* SIMEMHUER vielfach, besonders in Südamerika, nicht gibt, ist es unendlich schwer, die Menschen zusammenzubringen. Die Zahlen, die die Auswanderungsstatistiken der jüdischen Stellen in Deutschland für ein Land ausweisen, einerseits, und die Mitgliederzahlen neu sich bildender jüdischer Vereinigungen andererseits, klaffen gewaltig auseinander. Nicht nur die Adressennot ist schuld daran. Auch mit anderen Sorgen haben die Pioniere jüdischer Gemein schaftsbildung zu kämpfen. Der Wille der jüdischen Menschen zum Judentum ist oftmals schwach geworden. Der von außen , kommende Zwang zur Gemeinschaft fehlt ganz. Von dem jüdischen Erlebnis der letzten Jahre sind nur die wenigsten zutiefst ergriffen. Geschichtsbewußtsein und religiöses Bedürfnis erweisen sich nicht als gemeinschaftsbildende Kräfte. Nicht weniger als unter den länger ansässigen Juden ist es auch hier das Gesellschaftliche, das die Menschen zusammenführt. Nicht Gemeinden gründet man, sondern Kulturvereinigungen und gesellige Zirkel. Die Bedeutung auch dieser Einrichtungen ist nicht zu unterschätzen. Sie wirken erhaltend und stärken die Menschen gegen die judentumsentfremdenden Einflüsse der Außenwelt. Aber sie erhalten zugleich auch das Milieu und sind für die wirkliche Einordnung manchmal ein Hindernis. Zu einer wirklichen K e h i 11 o zu werden, ist nur das Ziel weniger, und eine Frage der Zukunft ist es, ob die Kinder der Einwanderer die Aufgabe erfüllen, die der jüdischen Gemeinschaft aus Deutschland in den Jahren ihrer Auflösung mitgegeben wurde. Wie die länger ansässigen Juden die soziale Hilfe organisieren, so bleibt die Sorge der Einwanderer das jüdisch-kulturelle und das kultische Moment. Es ist noch wenig beachtet worden, daß verhüllt und unbewußt das Nebeneinanderbestehen von Hilfsorganisationen und Kulturvereinigung manchmal einen Gegensatz zwischen zwei jüdischen Gruppen enthält, der noch nicht überwunden ist; wo es gelang, diese Gegensätzlichkeit zu überwinden, hat sich das jüdische Leben um so reicher entfaltet. Zumeist liegt gerade hier noch eine Aufgabe, die zu lösen ist. Manchmal steht auch eine politische Sorge der Gemeinschaftsbildung entgegen. Dann fürchtet man, daß die Bildung einer jüdischen Gruppe ein vermeintliches Getto fördern, die Juden als nicht einordnungsfähiges Element sichtbar machen könnte. Auch hier werden alte in früheren Jahrzehnten oft diskutierte Fragen in einer neuen Umwelt lebendig. In den Ländern mit .starker Einwanderung, in denen die nationalen Einwanderergruppen in den heimischen Volkskörper noch nicht völlig eingeschmolzen sind, ist die Lage freilich günstiger. Hier ist die Chance gegeben, daß das jüdische Leben nicht die Form des abseitigen Gettos, sondern, der aufbauwilligen Kolonie gewinnt. Aber gerade hier zeigt sich, daß die Aufspaltung der Judenheit in landsmannschaftliche Gruppen, so wie sie "in fast allen Einwanderungsländern noch sehr stark besteht, ein historisch begreiflicher und gleichwohl zu überwindender Irrtum ist. Gerade hier ist eine Aufgabe der Juden aus Deutschland gegeben, die als Neueinwanderer noch keiner Gruppe zugehörig sind, sondern jüdisch schlechthin fühlen. Einst war eine Gemeinde gegründet, wo zehn männliche Juden. sich zusammenfanden und das Antlitz im Gebet nach Osten wandten. Was damals selbstverständlich war, muß heute gegen innere und äußere Widerstände emporentwickelt, muß mit Mut und Tatkraft gestaltet werden. Dr. Kurt Julius Riegner Holländisches Judentum/vonDr.Kurtmrsch Interviews mit Rabbiner Dr. Ricardo, Oberrabbiner L. H. Sarlouis, A. Asscher Die Vorstellungen über das holländische Judentum gehen oft in die verkehrte Richtung. Während die einen den Hauptwert auf das bunte, fast orientalische Leben und Treiben im Amsterdamer Judenviertel legen, sprechen die andern nur immer von den sagenhaften „reichen holländischen Juden", die es anscheinend in Mengen geben soll. Diese beiden Charakterisierungen, die nur einen Teileindruck wiedergeben und einzelne Erscheinungen generalisieren, werden ergänzt durch eine dritte, die auf der Devise der „stolzen portugiesischen Juden" liegt. Diese letzte Feststellung, die von der* Vorstellung eines heute noch mächtigen portugiesischen Judentums innerhalb des holländischen Judentums ausgeht, knüpft zwar an scftiffsüapten / Fluoüamen / Bauarten nach allen Ländern der Welt REISEBÜRO AlfRED ADLER Palestine & Orient Lloyd FRANKFURT a. M., Steinwe? 9 * Telefon 24961 historisch bedeutsame, in der Ei^innerung heute noch fortlebende Ereignisse an, wird aber ebenfalls den Tatsachen nicht gerecht. Geht man nun also den Dingen etwas tiefer nach, so sieht man sofort, daß eine Betrachtung über das gegenwärtige holländische Judentum nicht mit so allgemeinen Feststellungen abzutun ist. Was zunächst das portugiesische Judentum anbelangt, über dessen interessante Geschichte so viel geschrieben ist, so erklärte mir der erste Rabbiner der Amsterdamer portugiesischen Gemeinde, Dr. Ricardo, folgendes: „Es gibt in der Geschichte auf- und absteigende Perioden. Wir, die wir als erste nach Holland eingewandert sind, waren früher Numero Eins, während wir heute gegenüber den aus Deutschland und Polen eingewanderten ,Hoogduitschen Juden* in den Hintergrund getreten sind. Das portugiesische Rabbinerseminar in Amsterdam hat in der sephardischen Welt zwar immer hoch einen sehr guten Klang, und hier werden bis zur Installierung eines derartigen Institutes in Palästina alle portugiesischen Rabbiner ihre Ausbildung erhalten. Die portugiesische Gemeinde Amsterdams, in der die üblichen Erscheinungen (Mischehe, Geburtenrückgang usw.) ebenfalls nicht ausgeblieben sind, erhält aber keinerlei Zuwachs von außen, in ihr hat sich auch die letzte Einwanderungswelle aus Deutschland nicht bemerkbar gemacht, so daß der Anteil des portugiesischen Judentums im Verhältnis zur Gesamtzahl der holländischen nur etwa 4 <Vo beträgt. Die Geschichte der portugiesischen Juden in Holland und ihrer Amsterdamer Gemeinde, deren Wahrzeichen — die berühmte Synagoge — wohl zu den größten Sehenswürdigkeiten Amsterdams gehört, ist aber dennoch alles andere als beendet. Die Zeit, in der wir auch hier wieder Numero Eins sein werden — und damit kehrte der so liebenswürdige alte Rabbiner, der so wirklich Interessantes vom ,Stolz der Portugiesen' zu erzählen wußte, zu seinem Ausgangspunkt zurück — wird auch in Amsterdam zurückkehren und den Glanz wieder aufleben lassen." * Zum größten Teil also sind die holk... disehen Juden Nachkömmlinge der im 17. und 18. Jahrhundert aus Deutschland und Polen eingewanderten Juden. Seit Jahrhunderten lebt diese jüdische Gruppe in einem Lande religiöser Toleranz, einer Toleranz, die man von jeher und auch heute noch als einen wesentlichen Charakterzug des holländischen Volkes, des holländischen Königshauses und der holländischen Regierung bezeichnet. Diese schon so lange bestehende Glaubensfreiheit und der Wegfall jeglichen äußeren Druckes hat daher auch Auswirkungen gezeitigt, die man noch heute spüren kann. Diese schon so lange bestehende Freiheit der Juden hat nämlich dazu geführt, daß der Assimilationsprozeß viel länger als in anderen westeuropäischen Ländern gedauert hat. Selbstverständlich hat sich das holländische Judentum in seiner Lebensweise, seinen Anschauungen, seiner Sprache assimiliert, aber zwei Dinge sind gerade im Vergleich zum Judentum Deutschlands von Belang: Es fehlt die völlige innere, seit dem Großvater bestehende Entfremdung dem Judentum gegenüber. Es gibt zwar eine Unzahl Juden, die nichts mehr vom religiösen Judentum halten, die „liberal" denken, aber die völlige nach außen kundgetane Lösung vom Judentum ist erst eine in allerneuester Zeit auftretende Erscheinung. Wohl gibt es im letzten Jahrzehnt (nicht Jahrhundert) eine Anzahl Personen, die nicht " mehr zur Kultusgemeinde gerechnet zu werden wünschen, keineswegs kann man aber von einer „Austrittsbewegung" oder dergleichen sprechen. Noch unwesentlicher ist sogar die Taufe, die vor allem niemals der Freibrief zu gesellschaftlicher oder politischer Stellung gewesen ist. Die Mischehe ist dagegen von außergewöhnlicher Bedeutung und hat seit Beginn dieses Jahrhunderts in erheblichem Maße zugenommen. Die tatsächliche Assimilation hat somit in sehr starkem Maße stattgefunden, aber es hat in Holland — und das ist der zweite entscheidende Gesichtspunkt — niemals eine von jüdischer Seite propagierte und jüdisch begründete Ideologie der Assimilation gegeben. Die Assimilation ist nicht ein Mittel zur Lösung der Judenfrage, und die Idee, daß eine völlige Assimilation mit dem Ende des Judenproblems identisch sei, ist von jüdischer Seite niemals propagiert worden. Andererseits hat diese Entwicklung dazu geführt, daß nun die wirklich gesetzestreuen Juden heute ganz erheblich in der Minderheit, die Kultusgemeinde aber nach wie vor, auf streng-orthodoxem Herren* Maß-Schneiderei feiner Genre. Reiches Lager an enjjlitch. u. deutschen Stoffen. Adolf Gabriel, Charl., Niebuhrntraße M. T«l.: 31 46 02 Boden steht, obwohl sehr viele Mitglieder der Gemeinde und auch des Gemeindevorstandes in ihrem privaten Leben nicht mehr den orthodoxen Vorschriften fol- " gen. „Es gibt aber in Holland" — so erläuterte mir der Oberrabbiner der Amsterdamer „Iioogduitschen ,Gemeente", L. H. Saarlouis diese prinzipiell wichtige Erscheinung — „eine absolute Scheidung zwischen Rabbinat und Gemeindevorstand auf religiösem Gebiet. Auf religiösem Gebiet entscheidet allein das Rabbinat, dessen ,Praeadvies{ in allen Fragen angefragt und gefolgt wird." Es besteht also nicht — wie so oft behauptet wird — eine Divergenz zwischen Rabbinat und Gemeindevorstand, sondern der Gemeindevorstand erkennt auf diese Weise das vom Rabbinat personifizierte gesetzestreue Judentum an* dessen Vertreter — nach der Formulierung des Oberrabbiners — „mit der Fürsorge eines Familienvaters allen Problemen der Gemeindemitglieder gegenüberstehen." . * Der holländische Jude ist ein ausgesprochener „Großstadtjude". Rund 60 o/o aller Juden sind allein auf Amsterdam konzentriert, und von den restlichen 40% leben 23 % in sechs Großstädten. Die berufliche Zusammensetzung des holländischen Judentums bietet ebenfalls sehr viel Interessantes. Die übliche Konzentration in einzelnen Berufen (Handel, Akademiker) ist zwar auch sehr stark, aber die — leider nur spärlich vorhandene — Statistik ergibt, daß sich Carl Idnsfcy, W30, Fernspr. 264030 Heilforonner Strafle 21, parterre. außerdem. Juden in allen Berufszweigen betätigen und sie, sozial gesehen, nicht durchweg zum bürgerlichen oder gehobenen Mittelstand zu rechnen sind. Die oben erwähnten „reichen holländischen Juden" sind viel vereinzelter, als man glaubt, und das so oft erwähnte jüdische Proletariat muß natürlich in dieser Verbindung besonders erwähnt werden. Dieses jüdische Proletariat existiert; es ist aber nicht identisch mit der gesamten armen Bevölkerung des Amsterdamer Judenviertels (man begegnet sehr oft dieser Identifizierung), und es spielt eine Rolle eigentlich auex nur ' in Amsterdam. In der Hauptsache setzt es sich zusammen aus den Arbeitern der Diamantenindustrie, einigen Arbeitern der Bekleidungsindustrie und vor allem den Straßenhändlern, Gepäckträgern, Eis-, Blumenverkäuiern u. a. Innerhalb dieser zuletzt aufgezähltejL. Gruppen muß man unterscheiden zwischen den in ganz Amsterdam herumziehenden Straßenhändlern und denen, die im Judenviertel einen Stand haben und dieser Gegend ihr typishees Gepräge geben. In diesem Judenviertel, das man nicht als Ghetto bezeichnen darf, weil es ein Ghetto im üblichen Sinne niemals gegeben hat, lebten bis 1870 fast alle Amsterdamer Juden. Infolge der ständigen Abwanderung in andere Stadtteile leben heute nur noch etwa 25 °/o (etwa 15 000) dort. Im allgemeinen ist die dort lebende Schicht sehr arm, aber es gibt in ihr auch einen bürgerlichen Mittelstand, der volkswirtschaftlich (als Ladeninhaber usw.) im Rahmen des Einzelhandels nicht x>hne Bedeutung ist. Trotz der außerdem im Judenviertel vorhandenen Fabrikationsunternehmen (Textilbetriebe, Druckereien u. ä.) bleibt diese Gegend außergewöhnlich arm; ihr Steueraufkommen liegt erheblich unter dem anderer Stadtgemeinden. -Mit seinem „Judenmarkt", seiner Ui-zahl Synagogen, der Sabbatruhe, dem orientalischen Einschlag und der Existenz des erwähnten Proletariats bildet sie aber eine der typischen Erscheinungen im holländischen Judentum. Die allgemeine soziale und wirtschaftliche Struktur des holländischen Judentums läßt sich nur .schwer auf eine Formel bringen. In einer sehr interessanten Unterhaltung mit dem Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Amsterdam, dem bekannten Diamantenindustriellen A. Asscher erklärte dieser die Situation folgendermaßen: , „Es gibt in fast alleng Berufszweigen arme und reiche Juden — nota bene weniger Reiche als Arme —, und von der allgemeinen Wirtschaftskrise bleibt niemand verschont. Die starke Arbeitslosigkeit hat sich z. B. in der Diamantenindustrie unter den jüdischen Arbeitern besonders stark bemerkbar gemacht; es wäre aber falsch, von einer wirtschaftlichen Sonderposition der Juden in Holland zu sprechen. Ihr wirtschaftlicher oder gar politischer Einfluß ist außerdem erheblich geringer, als man vielfach annimmt, und nur eine Verkennung der Verhältnisse kann zu anderen Feststellungen führen." „Wir Juden in Holland" — und damit wandte sich unser Gespräch zu der allgemeinen Stellung des holländischen Judentums — „sind stolz darauf, als Juden in diesem schönen Lande zu leben. Wir sind Holländer wie alle andern, wir fühlen uns als Holländer aus Liebe und Ueberzeugung, aber wir werden dabei niemals unser Judentum vergessen oder gar verleugnen. Wir sind alle Mitglieder einer einheitlichen jüdischen Gemeinde, in der das Rabbinat die höchste Autorität auf religiösem und der Vorstand die höchste Autorität auf administrativem Gebiete hat. Wir unterstützen alle Projekte, die zur Linderung der jüdischen Not dienen. Der Aufbau Palästinas liegt uns besonders am Herzen, und wir stehen überall bereit, wo es gilt, Juden und Judentum zu helfen." « * Holländisches Judentum — ein Begriff, der in der gesamten jüdischen Welt einen (Fortsetzung S. 9)