Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 38 (22.9.1938)
- Date
- 1938-09-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 C.-V.-Zeltunq Nr. 38 * 22. September 1938 söhnungstages die Vergehen, die man seinen Mitmenschen zufügt, vergeben werden, sondern erst dann, wenn man das Unrecht an seinem Nächsten restlos wieder gutgemacht hat. Es ist daher ein schöner Brauch, daß man in vorgerückter Stunde zu dem Menschen hingeht, den man geschädigt oder gekränkt hat und um Verzeihung bittet. Schon bei der Nachmittagsandacht legt man Feiertagsgewänder an, der Hausvater steckt zwei große Kerzen an, und in dieser weihevollen Stimmung legt man im leisen Einzelgebet das Sühnebekenntnis ab. Ein alter, fast vergessener Brauch war es, die Kinder, bevor man die Synagoge betrat, zu segnen. In tiefempfundene und ergreifende Worte hat die jüdische Sitte diesen Segen gekleidet, den wir gerade in heutiger Zeit stärker empfinden und begreifen. „Möge es der Wille unseres himmlischen Vaters sein, in dein Herz die Liebe zu Gott zu legen, und Gottesfurcht sei auf deinem Antlitz alle Tage deines Lebens, damit du nicht sündigst. Mögest du deine Lust an der Thora und Mizwah haben, mögen deine Augen geradeaus blicken, möge dein Mund Weises reden und dein Herz Ernstes sinnen, mögen deine Hände sich mit der Tora beschäftigen, deine Füße eilen, den Willen deines himmlischen Vaters zu erfüllen, möge Er dir einst pflichttreue Söhne und Töchter geben, die sich mit der Tora und Mizwah beschäftigen, alle Tage ihres Lebens, dein Urquell sei gesegnet, möge Er dir deine Nahrung auf erlaubtem Wege geben, und in Gelassenheit und Fülle aus seiner weitgeöffneten Hand reichen, möge Er dir einen Weg zeigen, der dir Muße zum Dienste Gottes läßt, mögest du eingeschrieben und besiegelt werden für ein glückliches Leben unter allen Frommen Israels. Amen!" Noch vor Beginn der eigentlichen Abendandacht wird das feierliehe Kol Nidre vom Vorbeter vorgesungen, während die ^Gemeinde Wort für' Wort leise mitspricht. In diesem Kol Nidre-Gebet legt man eine Art Ungültigkeitserklärung ab für Gelob- ■ nisse, die man vielleicht unüberlegt im kommenden Jahr machen sollte. In manchen Gemeinden ist es Sitte, daß der Rabbiner die Torarolle durch den Gebetraum trägt, wobei man die Schrittverse spricht: „Licht ist ausgesät dem Gerechten und dem Gradherzigen Freude." Als Schlußgebet des Versühnungsfestes spricht man das Neila-Gebet. Das Wort Neilat Schearim hat den übertragenen Sinn von Schließung der Tempeltoie und der Himmelspforten. Man verrichtet dieses Gebet noch vor Sonnenuntergang bis zum Anbruch der Nacht, d.h. bis drei Sterne am Himmel zu sehen sind. Das Gebet schließt mit den Worten: „Und besiegle unser Los im Buche des Lebens____ Und besiegle ein gutes Leben allen Kindern deines Bundes____ Ins Buch des Lebens mögen wir eingeschrieben werden!" Den Schluß der Andacht bildet das Awinu Malkenu und ein letzter Schofarton beendet den Festtag. Es ist Sitte, am Ausgang des Jom Kippur die Vorbereitungen für die Errichtung der Laubhütte zu treffen, damit das neue Leben gleich mit einer Mizwah beginne. 11 Uhr 11 Minuten und 20 Sekunden Von Professor a. D. L. Basnitzki-Heidelberg Wann ist Rosch haschana? Eine naive Frage, wird der Leser zunächst denken; denn jedes kleine Kind weiß doch, daß Rosch haschana auf den 1. Tischri fällt. Wann aber ist der 1. Tischri eines jüdischen Mondjahrs innerhalb des entsprechenden Sonnenjahrs? Nun zeigt sich auf einmal die Problematik unserer Frage. Wie schon seit mehreren Jahren, möchten wir auch zum jetzigen Neujahrsfest'an dieser.: Stelle einige Betrachtungen aus der jüdischen. Kalenderkunde darbieten und gerade auf die obige Frage besonders eingehen. Zunächst muß festgestellt werden, daß jede Zeitrechnung von irgendeinem mehr oder minder willkürlichen Anfangsdatum ausgehen muß. Dieser archimedische Punkt unserer. y juweüerLudwig stemmeiz % *dü, Nürnberger Str. 56 (rieben Woolworth) r jüdischen Zeitrechnung, von dem jegliche Rechnung auszugehen hat, ist der Sonntag, 6. Oktober 3 761 (vor) abends 11 Uhr 11 Minuten 20 Sekunden. Eine solche minütiöse Festsetzung darf uns nicht wundern, denn sie muß am Beginn einer jeden Maßtechnik stehen. So ist z. B. durch Reichsgesetz vom 1. Juli 1893 bestimmt, daß ein Ampere jene Stromstärke ist, die aus einer Silbernitratlösung in einer Sekunde 1,118 Milligramm Silber ausscheidet, und in neuester Zeit ist die Länge eines Zentimeters festgesetzt als 15531,6412459 Wellenlängen der roten CadmiumspektraYlinie. Wir erwähnen diese Tatsachen, um zugleich zu betonen, daß es über solche allererste Grundfestsetzungen keine Diskussion geben kann. Haben wir uns aber einen derartigen mathematischen Fixpunkt geschaffen, so ist uns ein sicheres Vorwärtsschreiten durch die Jahrtausende hindurch möglich. Wir brauchen nur Monat für Monat zu unserem archimedischen Punkt zu addieren, um jedes beliebige Datum zu ermitteln. Wir wollen nicht behaupten, daß dies eine angenehme Arbeit ist; aber wrir wollen verraten, daß es abkürzende Verfahren gibt, auf die wir jedoch hier nicht eingehen wollen. Die Länge eines jüdischen Monats, d. h. die Zeitspanne von Neumond bis Neumond, die wir bei der erwähnten Addition immer Polsterwaren Eigene Werkst. Umarbeitung WeiSensee, Berliner Allee 255 56 38 58 wieder "benötigen, ist 29 Tage 12 Stunden 44 Minuten 31/3 Sekunden. Wir wollen mit dieser Größe gleich einen Riesensprung machen und bis in unsere heutige Zeit vorstoßen. Als Neumond Tischri des nun zu Ende gehenden Jahres 5698 finden wir Sonntag, den 5. September 1937 nachmittags 4 Uhr 33 8/9 Minuten. Dieser Termin konnte aber nicht ohne weiteres als der 1. Tischri bezeichnet werden. Wir haben in früheren Kalenderbetrachtungen gezeigt, daß die Lage des ersten Neujahrstags Beschränkungen unterworfen ist, die sehr häufig eine Vertagung notwendig machen. Sobald nämlich der Neumondstermin später wie mittags 12 Uhr errechnet ist, wird der 1. Tischri erst am folgenden Tag gefeiert; ebenso darf der 1. Tischri niemals auf einen Sonntag, Mittwoch oder Freitag fallen. In unserem Fall mußte also aus zwei Gründen der 1. Tischri nicht am 5. September, sondern am 6. September gefeiert werden. Wie steht es nun mit Neujahr 5699? Da 5698 ein Schaltjahr ist, müssen wir zu unserem Neumondstermin 5698 jetzt 13 Monate zu 29 Tagen 12-Stunden 44t/l? Minuten hinzuzählen. Wer diese Rechnung sorgfältig und mit Gottes Hilfe ohne Rechenfehler durchführt, kommt auf den 2 4. September 1 938. Sa ms tag nachmittags 2 Ühr 6n/!3 Minuten. Dieser Termin fordert von uns zweierlei: da wieder 12 Uhr mittags überschritten ist, so müßte der 1. Tischri von Samstag auf Sonntag verschoben werden. Weil aber der Sonntag "als 1. Tischri ausscheidet, so muß noch einmal, und zwar auf Montag vertagt werden. So kommt es, daß wir im Luach 5699 als ersten Neujahrstag den Montag, 26. September 1938 finden. Die Tatsache, daß sowohl 5698 als auch 5699 mit einem Montag beginnt, ist für uns von Bedeutung für eine andere Feststellung. In anderen Worten ausgedrückt lautet sie nämlich, daß das Jahr 5698 eine volle Wochenzahl aufweist, ohne Resttage. Suchen wir unter den sechs jüdischen Jahrestypen 1. regelmäßiges Jahr 354 Tage, 2. mangelhaftes Jahr 353 Tage, 3. überzähliges Jahr 355 Tage, 4. regelmäßiges Schaltjahr 384 Tage, 5. mangelhaftes Schaltjahr 383 Tage, 6. überzähliges Scha'tjahr 385 Tage nach einem Jahr, das durch 7 dividiert ohne I prima, äußerst billig! 1 Kugen Ciross. K.sntstr. 38 Rest teilbar ist, so ist das nur beim überzähligen Schaltjahr der Fall. Denn: 385 : 7 55 355 : 7 50 Rest 5 334 : 7 54 Rest 6 354 : 7 50 Rest 4 383 : 7 54 Rest 5 353 : 7 50 Rest 3 Wir haben daher eine Methode, den Jahrestyp einwandfrei aus den Resttagen festzustellen. Der Rest 5 bleibt allerdings sowohl beim mangelhaften Schaltjahr als auch beim überzähligen Gemein jähr. Da es aber keinerlei Schwierigkeit bereitet, den Schaltjahrcharakter festzustellen (Division der Jahreszahl durch 19, wobei die Reste 3, 6, 8, 11, 14, 17, 19 den Schaltjahren zukommen), so ist unsere Methode eindeutig. Das Jahr 5698 war demnach ein überzähliges Schaltjahr, dessen Marcheschwan nicht 29 Tage, sondern 30 Tage zählte. Um nach derselben Methode den Charakter des Jahres 5699 zu ermitteln, stellen wrir zunächst fest, daß es ein Gemeinjahr sein muß. Wir haben nunmehr 12 Monate von 29-Tagen 12 Stunden 441/18 Minuten zu dem. Neumondstermiri 5699 zuzuzählen, um auf den Neumond Tischri 5700 zu. gelangen. Die Rechnung liefert zunächst den 5. Wochentag 4 Stunden 555/]S Minuten, d. h. einen Donnerstag. Ein Vertagungsgrund liegt nicht vor,- weshalb der 1. Tischri 5700 selbst ein Donnerstag sein wird, der natürlich nach jüdischer . Zählweise am Mittwoch abend um 6 Uhr beginnt. Erinnern wir uns jetzt, daß 5699 mit einem ap^gtag begann, so haben wir einen Tagesüberschuß von 3 Tagen bis zu dem Donnerstag .5700. Den Rest 3 läßt aber, wie oben gezeigt, nur ein mangelhaftes Gemeinjahr von 353 Tagen, dessen Kislev anstatt 30 Tage 29' Tage zählt. Gilt es jetzt, das Datum des Sonnenjahrs für den 1. Tischri 5700 zu errechnen, so sind zu dem 26. September 1938 dieselben 353 Tage hinzuzuzählen, d." h. 12 Tage weniger wie ein Jahr von 365 Tagen; wir finden den 14. September 1939 als Termin für den 1. Tischri 5700. Wir haben das Bedürfnis,-die Methode auch noch an dem Jahr 5701 zu erproben, und ich hoffe, daß meine verehrten Leser, die mich schon bis hierher begleitet haben, nichts dagegen einzuwenden haben. Da die Division von 5700 durch 19 den Rest 0 oder 19 liefert, so liegt ein Sehaltjahr vor. Das Hinzuzählen von 13 jüdischen Mondmonaten führt vorläufig auf den 4. Wochentag 2 S unden 28 Minuten als Neumond Tischri 5701. Der 4. Wochentag ist aber als Neujahrstag unzulässig, weshalb der 1. Tischri auf den Donnerstag verlegt werden muß. Wir haben abermals die Feststellung zu treffen, daß 5701 mit dem gleichen Wochentag beginnt wie 5700, nämlich mit einem Donnerstag. Es liegt daher zweifellos ein überzähliges Schaltjahr vor, das 385 Tage zählt. Bei der Ermittlung des Datums im Sonnenjahr ist Vorsicht geboten, weil uns unsere Rechnung über den Februar 1940 hinwegführt, d. h. weil ein Sonnenschaltjahr zu berücksichtigen ist. Von unserem zuletzt ermittelten 1. Tischri 5700, der auf den 14. September 1939 fiel, zählen wir 385 Tage vorwärts, d.h. 19 Tage mehr als ein Schaltjahr von 366 Tagen. Unschwer finden wir als 1. Tischri 5701 den 3. Oktober 1940. Nach Durchführung dieser Beispiele hoffen wir gezeigt zu haben, daß wir in der Lage bind, 1. den Typ eines Jahres, ob regelmäßig, mangelhaft oder überzählig und ob Schaltjahr festzustellen; 2. den Neumondstermin irgendeines Neujahrs zu errechnen; 3. unter Berücksichtigung der Vertagungsfälle den 1. Tischri irgendeines Jahres zu finden; 4. das Datum des 1. Tischri innerhalb des Sonnenjahrs festzustellen. Und hiermit haben wir die gestellte. Frage „Wann ist. Rosch. haschana?'' sowohl in bezug auf das Mondjahr, wie auch in bezug auf das Sonnenjahr erschöpfend beantwortet, wenn wir. auch gerne zugeben, daß zeitraubende Rechnungen hierfür notwendig sind, an denen nicht jedermann Gefallen findet. Wer sich aber wie der Verfasser auf ein solches Steckenpferd einmal gesetzt hat, kommt nicht mehr so leicht aus dem hölzernen Sattel. Wer sich für den Aufbau unseres Jüdischen Kalenders interessiert, der sei auf das Buch des Verfassers verwiesen: Entstehung und Aufbau des Jüdischen Kalenders, Verlag Kauffmann, Frankfurt 1938, dessen Besprechung; in Nr. 31 der C.-V.-Zeitung rom 4. August d. J. erschienen ist. Die Geschichte eines Rosch Haschana- Glückwunsches Von W. Kraszynski Es war — und ist noch heute — in den Ländern Osteuropas ein gern geübter Brauch, als Gruß zum „Rosch Haschana- Fest" nicht einfache Glückwunschkarten, sondern sog. Einblattdrucke zu versenden: Blätter, die außer dem Segenswunsch ein bisher noch ungedrucktes Gedicht eines der populären jüdischen Dichter enthalten und mit dem Bildnis irgendeiner bekannten Persönlichkeit geschmückt sind. Durch die Herausgabe und den Vertrieb solcher Drucke pflegen Institutionen jeglicher Art mehr oder minder bedeutende Summen für ihre Zwecke herauszuwirtschaften. Und so sah sich denn auch die über das ganze Zarenreich verbreitete Gesellschaft „Zionsfreunde" im Geist bereits im Besitz eines erklecklichen Ueberschüsses, als sie zu Rosch Haschana des bürgerlichen Jahres 1884 ein solches Einblatt zum Verkauf fertigsteFen ließ. Konnte sie doch mit ganz besonderen Attraktionen aufwarten: der berühmte hebräische Dichter Jehuda Leib Gordon hatte sein neustes Gedicht zur Verfügung gestellt, der bei den jüdischen Massen nicht minder beliebte Volksdichter und Badchen Eljukom Z uns er hatte es in das Jiddische übertragen, und — last not least — Moses M 0 n t e f i o r e, dessen 100. Geburtstag man in jenem Jahr beging, hatte sein Porträt für den bildliehen Schmuck des Drucks zu vervielfältigen erlaubt. Genug, ohne Prophet zu sein, konnte man eineD außerordentlich hohen Absatz des Einblatts voraussehen, und die „Zionsfreunde" hatten eine entsprechend hohe Auflage vorbereitet. Mit einem Rekordüberschuß war bombensicher zu rechnen. Aber leider iufe^l^^ d a s- $ Ln dy-$ u>p CVd e 1 yra r^-r§P UNSERE VERKAUFSGESCHÄFTE: Berlin. Tauenrzienstralie 16 Hamburg. .lungfcrnstieg 43 Köln a. Rh.. Hohestralie 115 Essen, Limbecker Straße 10 Essen. Adolf-Hitler-Straßel8 Bochum. Kortumstraße 67 Krankfurt a.M.. ßoßmarktlö Zentrale, Offenbach a. M Wuppertal ■ Elherfeld. Horzog-straßi platzt selbst die noch so sicher geworfene Bombe manchmal daneben. Vor Aufnahme des Vertriebes mußte man, den Vorschriften des Gesetzes entsprechend, das Plazet des zuständigen Zensors einholen. Der Warschauer Zensor für jüdische Druckangelegenheiten war damals der Lehrer der jüdischen Religion an einem Gymnasium, Zamenhof, Vater des „Esperanto-Schöpfers" Ludwig Zamenhof, ein Bürokrat vom Scheitel bis zur Sohle, eigensinnig und rechthaberisch, dafür bekannt, daß er eine einmal getroffene Entscheidung niemals abänderte. Eine un- lÄSI 7S BENNOLOBATZ w E Bm <£n &■ Kurfürstendamm 214 Spez.: PerSi0nermänt6l Bekannt sehr preiswert wesentliche Einzelheit des Gedichts, das aui die damaligen Verhältnisse der Juden in Rumänien Bezug nahm und mit den Worten schloß: . „Jiden, lo mir gehn, Nit do, wos zu stehn, Lo mir poter (frei) wem fun zores" hatte sein Bedenken erregt. Vergeblich bemühte sich der bekannte jüdische Historiker Sch. F. Rabbinowitsch, den Zensor von der absoluten Harmlosigkeit des Gedichtes zu überzeugen: Zamenhof beharrte starrköpfig auf seinem „Nein". Was sollte man tun? Der Druck der Blätter war bereits erfolgt, und man konnte sich nur schwer mit dem Gedanken befreunden, daß der mit absoluter Sicherheit zu erwartende Gewinn der gemeinnützigen Sache verloren sein sollte. So wandte man sich in der höchsten Not an den Autor des Gedichtes, J. L. Gprdon, und bat. ihn, der seinen Wohnsitz in St. Petersburg hatte, bei der dort befindlichen höchsten Zensurinstanz für das ganze Reich, der „Hauptverwaltung für Druckangelegenheiten" zu intervenieren. Gordon nahm das Gedicht, versah es mit der Uebersehrift „Brochaus rausch-haschono l'Jehudim Rumänie" und reichte es der Hauptzensur ein. Schon drei Tage später erhielt er es mit dem erteilten Plazet zurück. Gleichzeitig wurde der Warschauer Zensor angewiesen, der Verbreitung des Einblatts nichts in den Weg zulegen. Viel kostbare Zeit war allerdings inzwischen verloren gegangen; bis zum Fest waren es nur noch wenige Tage. Man mobilisierte die jüdische Studentenschaft in Warschau, und mit ihrer Hilfe gelang es, innerhalb von zweimal 24 Stunden in jedem Exemplar der Drucke ein Streifchen mit der ad hoc verfaßten Ueberschrift oberhalb des Gedichtes zu befestigen und den Versand in die Provinz vorzunehmen. Dank dem Eifer der Beteiligten klappte alles vorzüglich, die Vorgeschichte hatte sich mit Windesschnelle verbreitet, man riß sich förmlich um diese „Brochaus", und der endgültige Ueber- RADIO PHOTO SCHÄLLPLATTEN EHRENFELD, Zeil 104, Frankfurt 3. M. Neben der Hauptpost schuß überstieg sogar den Voranschlag noch um ein Beträchtliches. Die alte Geschichte vom Glück im Unglück hatte sich wieder einmal bewahrheitet. „Ein Jahr klingt aui" Zu einer eindrucksvollen Feier zugunsten des Hospitals hatte die Jüdische Gemeinde Berlin ihre Mitglieder eingeladen. Die Synagoge Lützowstraße war vollbesetzt. Rabbiner Dr. Manfred Swarsensky sprach zur Eröffnung der Feier, die gleichzeitig eine Jubiläumsfeststunde für die eben vor 40 Jahren eingegeweihte Lützowsynagoge sein sollte; von der allgemeinen Schilderung unseres Lebens heute, der Grenzsituation des jüdischen Daseins, leitete er tröstend über zu dem festigenden und erneuernden Sinn der Hohen Feiertage, deren Inhalt dann auch in Wort und Gesang, gleichsam als Vorspiel für das Jahr 5699, der Gemeinde dargebracht wurde. Ilse Intrator, die Sprecherin mit gutem technischen Können, rezitierte Psalmen und Gebete, und Oberkantor Julius Peissachowitsch sang, von)Werner Baer, dem Organisten, begleitet, u. a. aus den Niggunim der kommenden Feiertage, das „Kol Nidre". M. L. Die Novelle „Henriette Harfners Sohn", von Morilz Kaswan, wird in der nächsten Nummer der C.-V .-Zeitung fortgesetzt.