Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 37 (15.9.1938)
- Date
- 1938-09-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 C.-V.-Zeftung Nr. 37 » 15. September 1938 frau selbst putzen. Da muß der Fensterputzer mit seiner großen Leiter, von außen zu Hilfe kommen. Wenn man 'den Fensterputzer auf seiner hohen, wippenden Leiter hantieren sieht, dann entringt sich dem Neuling ein Stoßgebet: „Lieber Gott, bei allem Umschichtung ^villen, bloß das nicht." In der unkomplizierten Gemütlichkeit Hollands kann es auch passieren, daß der Fensterputzer durch das Fenster einsteigt, sich aufs Sofa setzt und frühstückt, auch in vollständiger Abwesenheit des unfreiwilligen Gastgebers. Die breiten Fenster passen so gut in die sauberen Backsteinhäuser, die so oft abgespritzt werden und dadurch neu und schön bleiben und so ein einheitliches Straßenbild ergeben. Keine Vorhänge sperren den Blick durch diese Fenster ab, sondern weit offen liegt jede holländische Wohnung vor dem Blick Personalien Polsierwaren Eigene Werksf. Umarbeitung WeiSensee, Berliner Allee 255 56 3S 58 des Vorübergehenden, der nicht aus Neugierde, aber aus Freude an der ^TrauMchkeit eines holländischen Hauses so gern hineinsieht. Der Blick geht gleich über die ganze „Suite", zwei aufeinander folgende Zimmer, bis in den hinter dem Haus liegenden Garten. Holland ist ein Blumenland, Blumen, Blumen, wohin der Blick fällt. Jedes Fensterbrett in Stadt und Land ist dicht besetzt mit schönen, blühenden Pflanzen. In der Mitte das Prunkstück im kupfernen oder messingnen Kübel. Es wirkt alles so froh und festlich, als ob überall gerade Jubiläum gefeiert würde. Die Anordnung der Möbel ergibt sich aus der Kleinheit der Räume, eine Wand wird schon auf jeden Fall vom Kamin beherrscht. Kaum in einem Hause fehlt der runde Tisch vor dem Blumenfenster mit Sesseln ringsum, ein ideales Ruheplätzchen. Hier sitzt die Familie in ihrer Freizeit, hier empfängt sie die Gäste zum Vieruhr-Tee. Herrliche, unkomplizierte Gastlichkeit. Jederzeit steht der Teewagen gästebereit mit Tassen, Zuckerdose, Keksdose. Um vier Uhr wird der Tee „gesetzt", d.h. er kommt unter eine wärmende Hülle. Kommt nun ein Gast, wird kein Tisch gedeckt, sondern jeder bekommt seine Teetasse in die Hand, es bedarf keiner Umstände, keiner Vorbereitung. Gastlichkeit wird zur Freude, statt zur Belastung. Der Vieruhr- Tee gehört zum Tagesprogramm des Holländers. Der Postbeamte, die Verkäufer in den Geschäften trinken um vier Uhr ihren Tee, und jeder respektiert diese Arbeitsunterbrechung, und wartet geduldig. Tee ist in diesem an Kolonien reichen' Land billig. Geht man zum koscheren Fleischer, dessen Geschäft nicht nur kenntlich ist durch die Aufschrift „ondex Rabbinats Toezicht", sondern auch durch die fettriefenden gewaltigen Pökelbrüste und Leberpasteten im Schaufenster, und kauft dort eine .belegte Semmel, bekommt man unaufgefordert gratis eine Tasse Tee dazu. Bequem ist das Wirtschaften in der eigenen Küche, in die fast alle Möbel eingebaut sind. Müll und Küchenabfälle kommen in einen von der Stadt gelieferten Eimer. Einmal in der Woche ziehen Männer mit riesengroßen Kinderknarren durch die Stadt, ein Zeichen, daß die Hausfrau ihTe Eimer zum Abholen auf die Straße stellen soll. Auf der holländischen Straße spielt sich vieles ab, was wir hier hinter das Haus auf den NO, Greifswalder Straße 13 / 53 33 71 . Refnigangllliilll OOCHBP, Kunststopfere^Entmottunjr.Aufbew.etc. Hof verbannen, z.B. Teppichklopfen. Die holländische Hausfrau stellt eine Stehleiter auf die Straße,, schlägt ihre Läufer und Teppiche darüber und klopft nach Herzenslust, oder zwei Personen schütteln auf offener Straße kräftig ihre Läufer aus. Die Lebensmittellieferanten kommen ins Haus nicht nur mit der bestellten Ware, sondern mit einer Auswahl ihres Warenlagers. Wer bei Tag seine Einkäufe nicht erledigen kann und will, findet bis spät in die Nacht die sogenannten „Nachtgeschäfte" offen. Ein noch so verspäteter Gast bei völlig geleerter Speisekammer kann also keine Verlegenheit hervorrufen. Wer wochentags seine Einkäufe nicht erledigt, findet am Sonntag vormittag auf dem Judenmarkt unbegrenzte Einkaufsmöglichkeiten, Eßwaren jeder Art, teure Ledermäntel und unmöglichster Trödel, rostige Nägel, alte Schrauben, einzelne Serviceteiie bilden hier Grundlage manchen Warenlagers. Man kann von Einkäufen in Holland nicht sprechen, ohne auch an die schmucken Milchwagen mit ihren schön verzierten Messingkannen und an die appetitlichen Heringswagen zu denken, auf denen der Hering, ein Standardessen der holländischen Küche, gleich tafelfertig zurechtgemacht wird. Und zu dieser gar nicht zu verachtenden Prosa des Lebens tritt in Holland die Freude an den Blumen. In den Grachten und Wasserläufen liegen die Blumenschifie, ein köstlicher Anblick für jedes schönheitsdurstige Auge. Für wenige Cents kann man einen ganzen Arm voll Blumen nach Hause tragen,, um in sein Keim Schön- Fot.: Herbert Sonnenfeil auch Dr. Joseph Joseph Herzfeld Am 18. September vollendet Professor Dr. Joseph Herzfeld, Berlin, in geistiger Frische und ungebrochener Kraft sein 75. Lebensjahr. Vor 50 Jahren ließ er sich als Hals-, Nasen und Ohrenarzt in Berlin nieder, und bald begann die Zeit fruchtbarer Arbeit, sowohl auf praktischem wie auf wissenschaftlichem Gebiet. Damals hatten fast alle bedeutenderen Fachärzte, die nicht an der Universität oder in einem Krankenhause tüLig waren, eine private Poliklinik; so gründete Herzfeld eine Klinik und Poliklinik. Hier wurde gelernt und gelehrt, hierher kamen Hilfesuchende und auch jüngere Kollegen, die sich in dem Fachgebiet ausbilden lassen wollten; hier konnte Dr. Herzfeld seine segensreiche und fruchtbringende Tätigkeit ausüben. Die Kranken waren ihm in Anhänglichkeit, Verehrung und Dankbarkeit ergeben. Durch die anziehende Art seines Unterrichts, durch sein gewinnendes Wesen erwarb er sich die treue Zuneigung seiner zahlreichen Schüler und Kollegen im Inland und im Ausland. Dankbar gedenken sie alle ihres Helfers, Beraters und Lehrers. Wir wünschen dem Jubilar noch viele Jahre glücklicher und friedlicher Muße. F. Ernst Unger Am 12. September erlag Professor Dr. Ernst Unger, Berlin, im 64. Jahre seines arbeits- und erfolgreichen Lebens einem KraftfahrzeugunfalL Mit Unger ist ein ausgezeichneter, kenntnisreicher, gewissenhafter und geschickter Chirurg von uns gegangen. Weit über die Chirurgie hinaus erstreckten sich auch seine Interessen für die gesamte Medizin und darüber hinaus wieder für die seine Umwelt bewegenden Ereignisse. Aus der Schule von Bergmann hervorgegangen, ließ er sich bald nach abgeschlossener Ausbildung als Chirurg in Berlin nieder. Mit Weitsicht erkannte er das Bedürfnis nach einer modern gestalteten und mit allen Einrichtungen moderner Technik ausgestalteten Klinik. So errichtete er in der Derfflinger* straße eine Privatklinik, die lange Jahre hindurch von hervorragenden Aerzten der verschiedensten Fächer belegt wurde. Im Kriege diente sie als Lazarett, und in dieser Zeit versah Unger neben der Verwundetenfürsorge in seiner Klinik noch die chirurgische Abteilung des Schöneberger Krankenhauses. 1920 wurde Unger zum dirigierenden Arzt der zweiten chirurgischen Abteilung ans Rudolf- Virchow - Krankenhaus berufen, wo er bis 1933 wirkte. Zahlreiche Arbeiten aus dieser Zeit zeugen von seinem Fleiß und von seiner Begabung, große Gesichtspunkte in der Chirurgie aufzufassen und darzustellen. Seine Assistenten regte er zu Arbeiten an und lehrte sie objektiv und gründlicheine wissenschaftliche Frage zu bearbeiten. Ihnen, wie dem Pflegepersonal und den Kranken gegenüber war" er von einer rührenden Güte und Fürsorge. Er griff ein, wo er Not sah, wie er auch seine Häuslichkeit in Not befindlichen Menschen öffnete. Neben seiner beruflichen Tätigkeit hatte er ein offenes Herz und ein großes Interesse an der Schönheit der Landschaft. In früheren Jahren ein großer Bergsteiger, widmete er sich später seinem pommerschen Familiengut, das von seiner als Landwirtin ausgebildeten Tochter bewirtschaftet wird. Ein tragisches Schicksal wollte, daß er auf der Fahrt auf dieses Gut sein Leben verlor. AVer wie der Unterzeichnete mehr als ein Jahrzehnt am gleichen Krankenhaus gewirkt hat wie Ernst Unger, weiß, was seine Kranken, aber auch seine Freunde an ihm verloren haben. Die Gradheit seines Wesens, die Güte seines Herzens, sein Sinn für Humor, der auch, unterstützt durch seine kongeniale Gattin, in seiner Häuslichkeit zu spüren war, sichern ihm ein bleibendes Andenken bei allen, die mit ihm in Berührung gekommen sind. Richard Mühsam Jose! Schülern Geheimrat Josef Schülein ist auf seinem Gut Kaltenberg bei München im Alter von 84 Jahren gestorben. In Thalmässing bei Eich- Carl Iiiusky,W30, Fernspr. 264030 Hellbronner Straße 81, parterre. statt geboren, kam er als junger Mann nach München, gründete dort gemeinsam mit seinen Brüdern ein Bankgeschäft und übernahm später eine Brauerei, die er unter dem Namen Unionsbrauerei zum zweitgrößten Brauereiunternehmen Bayerns empporführte und deren Leiter er bis zur Fusion mit der Löwenbrauerei im Jahre 1921 gewesen ist. Seine durch klugen Weitblick und unermüdliche Zähigkeit errungenen Erfolge ermöglichten ihm. eine großzügige Wohltätigkeit; seine kräftige, eigenwüchsige Persönlichkeit hat auf alle, die ihn kannten ihre Wirkung geübt. Ca. Stelle an der Bibliothek des Smithsonschen Instituts erhielt; er war Leiter der Abteilung für Archäologie des Orients am amerikanischen Nationalmuseum in Washington und ist Ehrendoktor der hebräischen Literatur, des Hebrew Union College in Cincinnati sowie Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften. Die American Jewish Historical Society hat er gegründet ,und ist Rektor des Dropsie College in Philadelphia. An der zwölfbändigen Jewish Encyclopedia wirkte er an hervorragender Stelle mit, das „American Jewish Yearbook" hat er viele Jahre hindurch herausgegeben und ebenso die „Jewish Quarterly Review". Diese kurze Aufzählung einiger Ausschnitte aus seiner Arbeit zeigt, daß er auf allgemein- Altaba Das Haus für elegante Damenhüte. Berlin W, Kurfürsten dämm 220. wissenschaftlichem Gebiet wie auch innerhalb der Wissenschaft des Judentums seit vielen Jahrzehnten an hervorragender Stelle wirkt. Daneben steht seine Arbeit in der Führung des amerikanischen Judentums. Rechtsanwalt Dr. Ernst Kohn, Gleiwitz, Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde und Vorsitzender des dortigen Ortsverbandes des C.-V., wird am 20. September 50 Jahre alt. Der langjährige verdienstvolle Erste Vorsitzende der Gemeinde Bünde i. W. und Vertrauensmann des Ortsverbandes des C.-V., Theodor Rosenbaum, wandert mit seiner Familie nach U.S.A. aus. Wir wünschen ihnen glückliche Fahrt und alles Gute in der neuen Heimat Cyrus Adler 75 Jahre Der Präsident des American Jewish Committee, der Nachfolger Louis Marshalls auf diesem Posten, beging am 13. September seinen 75. Geburtstag. Von den zahlreichen Glückwünschen, die ihn an diesem Tag erreichten, nennen wir die von Neville Laski, dem Präsidenten des Board of Deputies of British Jews, und von Leonhard G. M o n t e f i o r e, dem Präsidenten der Anglo - Jewish Association. Adler wurde im Jahre 1863 in Van Buren (Arkansas) geboren. Er ist von Beruf Archäologe, Orientalist und Semitist. In dieser Eigenschaft lehrte er an der John Hopkins University in Baltimore, bis er 1892 als Bibliothekar eine leitende Englische Reifeprüfungen Vier von fünf Kandidaten der an der Privaten Waldschule Kaliski, Berlin- Dahlem, abgehaltenen Prüfung der School Leaving Certificate der Universität Cambridge haben die Prüfung bestanden, davon drei mit so guten Resultaten daß die Prüfung gleichzeitig als Qualifizierung zum Universitätsstudium gilt. — Die Ausbildungszeit betrug durchschnittlich ein Jahr nach Absolvierung der deutschen Mittelstufe. Nach amtlicher Mitteilung der Unfversitfit Cambridge an die Leitung der Oberschul« J a w n e K ö l n, haben 12 Schüler und Schülerinnen, die seit April 1937 die der Jawne an?» gegliederte Englische Abschulklasse besuchen, das School Certificate Examination erfolgreich bestanden. Preisausschreiben der Jüdischen Winterhilft 1938/39. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Abt. ZentralwoMfahrtsstelle, erinnert daran, daß der letzte Termin für die Einsendung der 15. September ist (vgL C.-V.- Zeitung Nr. 29 und 33). heit und Freude zu bringen. Für uns Juden ist es auch ein beglückender Anblick, wenn wir am Lebensmittellager des Warenhauses eine Palästina-Abteilung sehen. Grapefruits, Marmeladen, Fruchtsäfte, Honig, Konserven, alles „tozereth haarez". Ein Leben im neuen Land ist nicht leicht, auch nicht in einer so heiteren, unkomplizierten Umwelt. Es ist immer und überall schwer, sich eine Existenz aufzubauen. Vielfach verliert der Einwanderer über persönlichen Sorgen den Blick für all das Schöne in Holland, für die gesegnete Fruchtbarkeit des Landes, für die großen Kunstschätze der Museen, in denen wir Juden voll Stolz die Werke Jozef Israels einen Ehrenplatz einnehmen sehen, in denen unser Blick auf Rembrandt-Bilder fällt, in denen so oft seine Meisterkunst das jüdische Antlitz festgehalten hat. Der Besucher Hollands aber fühlt vor allem beglückt das stark pulsierende jüdische Leben der Gegenwart. Er sieht die schönen, zum Teil erst jüngst erbauten Synagogen, die vielen Wohlfahrtseinrichtungen, vor allem den Prachtbau des „Joodschen Invaliden" in Amsterdam, der vorerst 200 alte Leute aufnimmt, aber auf 400 Insassen erweitert werden soll. Uns, die wir wissen, wie schwer wir oft darum kämpfen müssen, um für alte Leute Menschen zu finden, welche die Aulenthaltskosten in einem Altersheim übernehmen, imponiert es besonders, daß kein einziger Insasse in diesem großzügig angelegten Altersheim zahlt. Aus der Fülle der vorbildlichen Einrichtungen innerhalb des jüdischen Lebens Hollands sei vor allem noch das Werkdorf am Wieringer Meer hervorgehoben. Eine ideale landwirtschaftliche und handwerkliche Ausbildungsstälte mit Musterställen, Treibhäusern und vorbildlicher Gemüsekultur. Auf dem Wege zum Werkdorf hält der Autobus an einem Turm, der an der Stelle erbaut ist, an welcher der alte und der neue Deich zusammenstoßen. Der Turm ist ein stolzes Ehrenmal für das technische Kunstwerk, mit welchem dem Meere fruchtbares Land abgerungen wurde. Am Sockel sieht man auf einem Relief kraftvoll schaffende Männergestalten, darunter die Worte „Ein Volk, das lebt, baut an seiner Zukunft". Schöne, lebensbejahende Worte, die ebenso gut als Motto über dem jüdischen Werkdorf stehen könnten. Denn kraftvolle, zukunftsfreudige Jugend schafft hier an ihrer Ertüchtigung für ein Leben in irgendeinem Lande, in Palästina oder Uebersee. In längst vergangene Zeiten zurückliegend und doch wieder unser Gegenwartsempfinden stark berührend, sind die Erinnerungsstätten an alte jüdische Kultur, an das Leben der Marranen, die portugiesische Synagoge und der portugiesische Friedhof. Beides sind sichtbare Zeichen dafür, wie jüdische Menschen, die ihre Heimat verloren haben, eine neue Heimat fanden, in der jüdisches Leben sich zu starker Blüte entfalten konnte. Alte jüdische Lebenserfahrung sagt: „Wo kein Mehl ist, ist keine Thora." Mit anderen Worten: Erst Sicherung der Existenz irr ~e, dann wird der Blick frei für die geistigen Dinge und die Schönheit des Lebens. Die meisten Einwanderer werden über die erste Etappe ihres neuen Lebensweges hinweg müssen, um die Schönheit dieses an Schönem und Interessantem reichen Landes so freudig in sich aufnehmen zu können wie der unbeschwertere Besucher. Prinzessin Juliana im „Joodsche Invalide" H. Amsterdam, 13. September Im Rahmen der Festwoche wurde dem holländischen Judentum eine hohe Ehre durch den Besuch der Prinzessin Juliana im „Joodsche Invalide" zuteil. Es war nicht der erste Besuch, den diese großzügige philanthropische Einrichtung von einem Mitglied des königlichen Hauses erhielt. Königin Wilhelmina, die Königin- Mutter und Prinz Hendrik haben schon früher diese Stätte jüdischer Hilfstätigkeit besucht, und auch Prinzessin Juliana war bereits einmal „op bezoek bij de ouden" (auf Besuch bei den Alten). Anderthalb Stunden dauerte der diesmalige, ursprünglich im Programm nicht vorgesehene Besuch. Die Prinzessin nahm an einem feierlichen Gottesdienst in der vor kurzem neu eingeweihten Synagoge des „Joodsche Invalide" teil. Der Chor der großen Synagoge unter Leitung des Dirigenten Engländer sang einen Willkommensgruß; dann wurde das Gebet für das königliche Haus gesprochen. Im Anschluß an diesen festlichen, unter Leitung von Oberrabbiner S a r 1 o u i s stehenden Gottesdienst fand eine eingehende Besichtigung des gesamten Gebäudes statt. Die Freude der alten und gebrechlichen Insassen war geradezu rührend mitanzusehen. Selbstveriertigle Geschenke wurden der Prinzessin, die für jeden ein liebevolles Wort hatte, von verschiedenen Patienten angeboten. Im Anschluß an den Rundgang fand ein Empfang statt, bei dem der Vorsitzende, Dr. K e e s i n g, die Prinzessin und die andern Anwesenden aufs herzlichste begrüßte, ihr Blumen für die kleine Prinzessin Beatrix anbot und um die Erlaubnis bat, den Nachbarsaal des „Juliana-Saals" nunmehr „Beatrix-Saal" zu benennen. Prinzessin Juliana gab hierzu ihre Einwilligung und unterzeichnete eine entsprechende Urkunde. Am letzten Tage der Festwoche machte Königin Wilhelmina in Begleitung des Prinzen Bernhard eine Rundfahrt durch das reichgeschmückte Amsterdamer Judenviertel. Sie wurden überall mit großer Begeisterung begrüßt. z%s BJu« dfeBD'""0KH W. Bernhard Nach/. Kleider, Mäntel, Kostüme, Blusen / Berlin SW 61, Belle-Alliance-Str. 105 und 101 (Ballesclies Tor) 7