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Central-Verein-Zeitung · 1938-09-08 · 36 (8.9.1938) · page 14

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
36 (8.9.1938)
Date
1938-09-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 C.-V.-Zeitung Nr. 36 * 8. September 1938 Reise nach Australien wichtig sein kann. Längst habe ich nicht alles vollständig aufgezählt und sicher gibtes auch hier Menschen, die andere Erfahrungen haben als ' ich. Bei einem so riesigen Lande wie Australien und einer Stadt, die so ununterbrochen fortschreitet, wie Sydney, ist dies unvermeidlich. Du wirst auch nach diesem Briefe noch mehr von mir wissen wollen. Frage, was Dir fehlt, ich werde nach Möglichkeit Auskunft geben. Merke Dir nur, daß Du hier nicht in ein neu zu entdeckendes Land kommst, sondern in dem vielleicht zukunftsreichsten, deshalb auch härtesten und problematischsten von allen Erdteilen. Herzlichst Deine Hertha Matzdorff Gefüllter Fisch in New York Die Ratsherren von New York haben festgestellt, daß die Frauen von New York noch ein wenig kochen lernen könnten, und da es in New York außer Amerikanern noch große Gruppen der mannigfachsten Nationalitäten gibt, so haben sie im Zuge der allgemeinen Arbeitslosen-, Besch äftigungs- und Fortbildungs-Aktionen für die verschiedenen Gruppen auch eigene Kochkurse eingerichtet. Der jüdische Kochkurs der Stadt, einmal wöchentlich im Henry Street Settlement House, hat weit über hundert Schülerinnen aller Kategorien und strenge Examina in gefülltem Fisch, gebratener Leber und goldener Brühe mit „Augen". Dazu gibt's eine praktische Lektion über Koscher und Koschermachen unter der Aufsicht von Frau Francis Ganon, Deputy3Commissionar, vom New Yorker Markets Departement, während der eigentliche Lehrmeister eine einfache „koschere" Köchin ist. Die Schülerinnen sind junge Mädchen, die bald vor den Augen und Zungen von Schwiegermüttern werden bestehen müssen, und Matronen, die für den amerikanisierten Gaumen ihrer Kinder mehr Gemüse und Obst benutzen lernen wollen, zum Judentum übergetretene Frauen, die ihren jüdischen Männern das Gewohnte und Vertraute zu bieten wünschen, und entjudete, die wenigstens in der Küche wieder heimkehren möchten, Irinnen und Italienerinnen, die auf der jüdischen East Side wohnen, und sogar amerikanische Aristokratinnen, die dem Zauber von gefülltem Fisch einmal erlegen sind und öfters erliegen... werden und ihm ihre Männer oder Gäste zu opfern gewillt sind; einige von ihnen sind Zaungäste alier New Yorker Kochkurse. Jede Schülerin nimmt eine Speisekarte von Menüs nach Hause mit, die in jeder Stunde zusammengestellt werden, und macht dann die ganze Woche Schularbeiten in der eigenen Küche. In der nächsten Stunde wird berichtet, ob und wie es gegangenist, und wenn es nicht ging, sucht die Lehrerin, die „koschere" Köchin, den Fehler. Die unglückliche Schülerin .wird an die Tafel, vielmehr an den Ofen gerufen und muß nachexerzieren. „Was muß sie jetzt tun?" fragt die „koschere" Köchin, und hundert Hände fliegen hoch. Die Köchin deutet auf eine Schülerin in der fünften Bank rechts, und die „Drangenommene" — diese Schülerin ist, unberufen, schon über siebzig — sagt: „Ein bißchen Salz." Die Köchin fragt: „Was heißt ein bißchen?" die Schülerin antwortet, die andere am Ofen -tut - das Salz an die Speise. Man stellt Fragen, che Köchin antwortet, man macht Vorschläge, Experimente, Verbesserungsversuche, Diskussionen darüber und kann mit einer glücklichen Neuerung die Heldin des Tages werden. Man spricht englisch, aber die jüdischen Ausdrücke für jüdische Bräuche wie „Fleisch-Abgießen", „Koscher" usw. sind nicht zu vermeiden und klingen wohl seltsam aus manchem solcher Begriffe ungewohnten Frauenmund. Das Ganze ist eine sehr hübsche, reizvolle, appetitliche' Unternehmung, und da2u wird auch mehr Liebe durch den Magen , von Kew York gehen. Es wird gewiß auch manche Kluft zwischen den Menschen überbrückt, wenn Frauen verschiedener Herkunft das Gleiche zu lernen bemüht sind, wenn die Alten amerikanischer und die Jungen jüdischer kochen und alle besser kochen. Denn wer den Kurs absolviert hat, der kann kochen. Im Augenblick sind Ferien, der nächste Kurs beginnt am 15. Oktober, und ich wüßte manch eine hierzulande, der ich wünschte, daran teilnehmen zu können. L. H. Blick auf die Frauenarbeit in der Welt Während in der französischen öffentlichen Wohlfahrtspflege Frauen bisher nur als Unterinspektoren tätig sein konnten, sieht ein neues Gesetz die Berufung von Frauen als Inspektoren in die departementale Aufsichtsbehörde der öffentlichen Wohlfahrtspflege vor. In Dänemark ist vor kurzem eine Neuordnung des Unehelichenrechtes eingetreten, die eine wesentliche Verbesserung darstellt und die unehelichen Kinder in wichtigen Punkten den ehelichen gleichstellt. Dem unehelichen Kind wird das Recht eingeräumt, zu wissen, wer sein Vater ist, es erhält das Recht, den Namen des Vaters zu tragen, es kann einen Unterhaltsbeitrag beanspruchen, der der wirtschaftlichen Stellung des Vaters entspricht, und kann den Vater beerben. Auch die uneheliche Mutter erhält in der neuen Gesetzgebung eine größere Sicherung in materieller Hinsicht. H.St. In Lima (Peru; L>t eine Fürsorge rinnenschule errichtet worden, die ausschließlich von einem aus Frauen gebildeten Ausschuß geleitet wird. Von selten der Regierung ist (nach IRA 1938, 440) beabsichtigt, die Frauen, welche die Schule mit einem Diplom verlassen, gegebenenfalls in den Staatsdienst zu übernehmen. Außerdem haben alle Gewerbebetriebe mit mehr als 300 Arbeitern eine in dieser Schule ausgebildete Fürsorgerin anzustellen. M. G. Die statistische Abteilung des englischen Arbeitsministeriums hat zwecks Erlangung neuer Unterlagen für die Indexziffern der Lebenshaltungskosten im vergangenen Jahre eine Untersuchung auf Grund von Wirtschaftsrechnungen aus Arbeiterfamilien eingeleitet. Jüdisches Leben — jüdischer Geist Im Jüdischen Lehrhaus. Berlin, finden folgende Kurse statt: Allgemeine Sprachkurse: Es können' nur zum 15. September in einige Sprachkurse noch wenige Teilnehmer autgenommen werden. — Englischer Tages¬ und Abend-Intensivkurs: Sämtliche Gruppen beider Kurse stn-1 überfüllt. Vormerkungen können frühestens mit dem 1. Oktober berücksichtigt werden. — Spanischer Tageskurs: Einige Teilnehmer mit geringen und besseren Vorkenntnissen können noch aufgenommen werden. Anmeldungen — nur persönlich — im Sekretariat, W 50. Marburger Str. 5/III: Sprechstunden nur Montag bis Donnerstag 10—12 Uhr. sowie Montag und Mittwoch 17—19 Uhr. In Stuttgart fand ein englischer Intensiv- Fortbildungskurs für jüdische Lehrer in Deutschland statt, der von dem Schulausschuß des Israelitischen Oberrats Stuttgart und von der Schulabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland veranstaltet war. Unter großer Beteiligung der jüdischen Lehrer aus dem Kreise der württembergischen jüdischen Gemeinden und auswärtiger Lehrer wurde der Kursus durch Verteter des Oberrats und der Reichsvertretung am Sonntag eröffnet. In einer englischen Einführungsrede zeichnete der Kursleiter Studienrat Dr. Erich Gustmann. Berlin, Zweck und Ziel der Arbeitstagung. Ein vielseitiger Stundenplan gab den Kursteilnehmern Gelegenheit, sich auf vielen Gebieten des englischen Lernens und Lehrens fortzubilden. Das Wintersemester an der Rabbinischen Lehranstalt (Hoffmannsche Jeschiwa), Frankfurt am Main, beginnt am 26. Oktober. Der Unterricht erstreckt sich auf: Pentateuch mit Kommentaren, biblisches Schrifttum, Mischna, Talmud mit Kommentaren. Dezisoren, Hebr. Grammatik. Neuhebräisch (Lektüre und Konversation). Jüdische Geschichte, Palästinakunde, Englisch. Für den Lehrgang in der Vorbereitung.-klasse werden Schulentlassene aufgenommen, die auch geringe Vorkenntnisse in den jüdischen Fächern besitzen. — Anmeldungen für alle vier Abteilungen (Vorbereitungsklasse. Unter-, Mittel- und Oberstufe) mit genauen Altersdaten und Angabe der jüdischen Vorbildung sind möglichst bald, jedoch bis spätestens 9. Oktober, an das Kuratorium der Rabbinischen Lehranstalt „Jeschiwa", Frankfurt am Main, Theobald-Christ-Straße 6, zu richten. Englischer Sprachlehrgang für Aerzte Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland be-. absichtigt eine Wiederholung des englischen Sprachlehrganges für Aerzte ab 15. Oktober. Die Dauer des Kursus wird voraussichtlich fünf Monate in Anspruch nehmen. Nähere Einzelheiten können erst bekanntgegeben werden, wenn die Zahl der Interessenten zu überblicken. Lt. Alle diejenigen Aerzte, die beabsichtigen, an diesem Kursus teilzunehmen, werden daher gebeten, sich bis zum 5. September an die Wirtschaftshilfe der Jüdischen Gemeinde. Abt. Aerzte, Berlin N 4, Oranienburger Straße 29, zu wenden. Masiuidmse Mmk Üim&e Erscheint wöchentlich ohne Gewähr. Postschluß für Luftpostsendungen bei folgenden Postämtern: Berlin SW 11; Frankfurt/Main Bahnpostamt 19 oder Flughafen; München Postamt 2 (Flughafen); Köln Flughafen. Einwurf bei anderen Postämtern oder in anderen Orten bis zu 1 Tagfrüher. Abkürzungen: B. A. — Buenos Aires; C Cuxhaven; Cherb. Cherboure; LH Le Havre: Liss. Lissabon; Melb. Melbourne; Syd. Sydney. Züfcrn in Klammern Postschlußzeiten. Ab Seeweg nach Nordamerika An Berlin Hamburg Bremen Cherb. N.-York 12.9. 12. 9. (19) „Queen Mary" 14.9. 19.9. 13. 9. 13. 9. (19) „Ile de France" 15. 9. (LH) 21. 9. 14.9. 15. 9. (8) „Hansa" 15.9. (C) 16.9. 23.9. Luftweg: Nachbringeflüge Köln—Cherb. (,.Mit Luftpost ab Köln zum Dampfer"); Zuschl. 10 Pf. für je 20 g Seeweg nach Südamerika Berlin Frankfurt 9.9.(23) 10.9.(14) Luftweg: Zusdil 1,50 RM für je 5 g (1,25 Brasil.) Berlin Frankfurt K51n Rio B. A« 10.9.(13) 10.9.(16) 10.9. (17) Fr. Luftp. 13.9. 14.9. 14.9. (21) 14.9. (24) Dt. Luftp. 17.9. 18.9. Seeweg nach Südafrika Berlin Köln Southampton Kapstadt 14.9. X14) 14.9. (21) 16.9. („Stirling C") 30.9. Kapstadt—Johannesburg (oderPretoria) 30Stunden Luftweg: Zuschlag 35 Pf. für je 5g Berlin München Brindisi Athen 9.9. (10) 9.9. (13) 10.9. (16) \ 10.9.(6) 11.9.(5)! Laufzeit 13.9. (10) 13.9. (13) 14.9. (16) ( 7-9 Tage 14. 9. (6) 15. 9. (5) j Seeweg nach Australien Berlin Frankfurt München Neapel Melb. Syd. 15. 9. (23) 16. 9. (19) 16. 9. (20) 18. 9. 15.10. 16.10. Luftweg: Zuschlag 50 Pf. für je 5 g Berlin München Athen Brindisi Laufzeit 10.9. (6)* 11.9.(5) ca. 8 Tage 10.9.(10) 10.9.(13) 11.9.(16) „ 9 „ 13. 9. (6)* 14. 9. (5) „ 8 „ 15.9.(6) 16.9.(5) „ 9 „ See- und Landweg nach Palästina Berlin Müncher. Haifa 9. 9. (16) 10. 9. (9) via Belgrad—Istanbul 14. 9. 11. 9. (14) 12. 9. (9) via Befsrad—Istanbul 16. 9. 14. 9. (16) 14. 9. (9) Schiff 15. 9. ab Brindisi 19. 9. Luftwegs Zuschlag 10 Pf. für je. 5 g Berlin München Brindisi Athen 9. 9. (6) 10. 9. (11) 10. 9. Lydda 10. 9. (6)* 11.9. (5) 11.9. Lydda 10. 9. (10) 10. 9. (13) 11. 9. (16) 12. 9. Tiberias 12.9. (6) 13.9.(11) 13.9. Lydda 13. 9. (6)* 13. 9. (13)f 14. 9. (5) 14. 9. Lydda 14. 9. (6 15. 9. (11) 15. 9. Lydda 15.9.(6)* 15. 9. (13)f 16.9. (5) 16.9. Lydda " Halle Leipz. Flugh. (6) i Brind. nach Haifa Der Postscheckdienst mit dem Lande Oesterreich wird mit dem 1. September 1938 völlig an den Dienst im alten Reichsgebiet angeglichen. Nunmehr werden auch hei den Postämtern in Oesterreich Einzahlungen mit Zahlkarten entgegengenommen. Postscheckteilnehmer können fortan ihren Rechnungen an Kunden im Lande Oesterreich zur Einzahlung des Betrages Zahlkarten mit eingedruckter Kontobezeichnung beifügen. Ferner können eilige Ueberweisungen sowie Ein- und Auszahlungen nach und von Oesterreich jetzt auch telegraphisch oder als Eil auf trag übermittelt werden. Die Verwendung von Postauftrags- und Nachnahmezahlkarten ist erst ab 1. November des Jahres zugelassen. Im Güterverkehr mit dem Lande Oesterreich entfällt laut einer amtlichen Mitteilung mit sofortige* Wirkung die Verpflichtung zur handelsstatistischen Anmeldung der über die Grenze zwischen dem Lande Oesterreich und dem Altreich ein- und ausgehenden Güter mit Ausnahme der mineralischen Brennstoffe. km der wissenschaftlichen Welt Carl Robert Lamm, über dessen Ableben wir in der vorigen Nummer der C.-V.-Zeitung berichteten, vermachte im Jahre 1892 dem Nationalmuseum in Stockholm als bedeutendstes Geschenk eine gewebte Tapete aus der Zeit Gustav Wasas, unter der Bedingung, daß das Stück bis zu seinem Tode in seinem Besitz verbleiben sollte. Die Tapete heißt „Der Liebesbrunnen" und ist neben einem Fragment eines gleichen Stückes das schönste Stück, das noch aus dieser Zeit (zirka 1550) vorhanden ist. Zur Ehrung des Verstorbenen wird das kostbare Vermächtnis einige Zeit im Kuppelsaal des Nationalmuseums ausgestellt, worauf es seinen Platz im Schlosse Gripsholm finden soll, das ebenfalls dem Museum gehört. Professor Sigmund Freud hat die Ehrenpräsidentschaft im Advisory Research Council of the Jewish Health Research Institute (Forschungsrat des jüdischen Gesundheitsforschungsinstitutes) in London angenommen. Es handelt sich um eine ergänzende Körperschaft der Ose. Der Rat wird während der nächsten Monate vervollständigt werden. Zu seinen Mitgliedern werden jüdische und nichtjüdische Wissenschaftler in mehreren Ländern gehören, darunter auch Professor A. Besredka vom Pasteur-Institut, Dr. Radcliffe Salaman und Professor Samson W r i g h t aus London sowie Professor Henrik Cohen von der Universität Liverpool. Der bekannte jüdische Leiter der Gynäkologischen Abteilung des Stockholm Radiumheimes, James H e y m a n. dem vor kurzem für seine Verdienste auf dem Gebiete der Krebsforschung der Professortitel feierlich verliehen wurde, wurde zur Konsultation an das Krankenbett der Frau eines hohen indischen Beamten gerufen. Er legte die Strecke Stockholm—• Kalkutta und zurück, die rund 24 000 km beträgt, in zirka 10 Tagen im Flugzeug zurück und kam genau 14 Tage nach seiner Abreise in Stockholm wieder an. Während seines etwa viertägigen Aufenthalts hielt er auch einige Vorlesungen vor indischen Studenten und Aerzten. Dr. Paul Zucker, eine Autorität auf dem Gebiete der Kunstgeschichte und Architektur, der bis vor Avenigen Monaten ausübender Architekt in Deutschland war. ist zum Mitglied der Fakultät der Cooper Union-Kunstschule in Amerika ernannt worden. Literarische Notizen Als großen Verlust empfindet die englische Judenheit den Tod des Herausgebers der hebräischen Wochenschrift „Hamagid", Dr. Jacob Samuel Fox. Er wurde in Bialystok 1368 geboren, besuchte in Berlin das Rabbinerseminar und die Universität und übernahm als 22iähriger die Edition des Hamagid, zuerst in Berlin, dann in Krakau und zuletzt in London. Sein Leben widmete er völlig der Förderung des Hebräischen. ..Iwrith be'Iwrith", Hebräisch in hebräischer Sprache nicht nur im Elementaren zu lernen, sondern in der Wissenschaft zu pflegen, war seine immer wiederholte Forderung. Er leitete die erste englische hebräische Tagesschule. Der jiddische Dramatiker Salomen Steinberg ist, 47 Jahre alt. in New York gestorben. Er stammte aus Memcl. kam als Kind nach Philadelphia, begann im Arch Street Theater als Statist, wurde Souffleur, Schauspieler, bald als „Sketch Artist" bekannt; aus dieser Zeit stammt sein Schlager „Jossei. Jossei"', der ra?ch auch englisch und in anderen Sprachen („Joseph, ach Joseph") populär wurde. Steinbergs Frau, die bekannte Schauspielerin Nellie Keßmann, hat zum Erfolg seiner Stücke viel beigetragen. Es waren einige Dutzend Melodramen und Volksstückc, darunter „Verlorene Jugend". „Gott der Liebe1', „Ein Galizianer Rebbele", „Der kleine Bandit", „Die alte Maid", „Rachels Kinder". Nach den großen Erfolgen dieser Stücke auch bei europäischen Gastspielen versuchten es Steinberg und seine Frau mit einem eigenen Theater in New York, aber ohne Erfolg. Eine Erstausgabe von Miltons „Paradise lost" aus dem Jahre 1667 erbrachte in London einen Verkaufspreis von £ 58.—. * Dem jüdischen Musikforscher O. E. Deutsch gelang die Auffindung der Eremitenszenen aus Mozarts „Don Juan", die der Sänger der Titelrolle, KL. F. Lippert, anläßlich der ersten deutschsprachigen Aufführung der Oper im Jahre 1798 dem Dialog einfügte. Die Witwe Gustav M a h 1 e r s hat eine Biographie ihres Gatten vollendet, die voraussichtlich im Herbst erscheinen wird. „La revue internationale de musique" nennt sich eine neue Musikzeitsclrift in Brüssel, deren erstes Heft einen Aufsatz von Dr. Paul Stefan enthält. Soeben erschien im Vortrupp, Jüdischer Buchverlag. Berlin, mit Unterstützung der Reh-hVertretung der Juden in Deutschland und des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden, das Werk „Didaktik der jüdischen Schu- 1 e n" von Dr. Heinemann-Stern. Berlin, in Gemeinschaft mit zehn Fachlehrern. Zum vierten Todestage von Chajim Nachman B i a 1 i k erschien im Verlage D w i r in T e 1 - Aviv ein Ergänzungsband „T o s s a f o t" aus Bialiks Werken, welcher eine große Anzahl von Gedichten und kleinen Versen enthält, die in der Gesamtausgabe njeht zu finden sind. — Neben den größeren Gedichten im ersten Teile des Bandes verdienen die kleinen Wiclmungslicder — in Bücher, auf Bildern und Postkarten geschrieben — besondere Aufmerksamkeit. Hier sehen wir Bialik im vertrauten Kreise der Freunde, unter Schriftstellern und unter Kindern, denen er scherzhafte Verse zuschickt, die er tadelt, daß sich auf ihre so schwierigen Namen kein Reim finden läßt (und er findet stets doch noch einen oder gar mehrere, wenn auch mit vielem Winden und Drehen) und denen er zu besonderen freudigen Gelegenheiten Glück wünscht. Auch in diesen kleinsten Gelegenheitsgedichten offenbart sich Bialiks tiefes Wissen um die jüdische Literatur und um ihre Quellen, und in ihnen zeigt sich seine gestaltende Kraft. Es ist schön, daß man nach dem Tode des Dichters jene privaten Zeilen neben manchen fast schon verlorenen Gedichten nun gesammelt veröffentlicht hat. F. Ar. Das Jüdische Museum, Berlin, Oranienburger Straße 31, ist ab Sonntag. 4. September, ' ••■ geöffnet (10—14 Uhr, außer Sonnabend). Theater9 Musik, Film Max Reinhardt, der soeben in Amerika naturalisiert wurde, brachte in Los Angeles nach langen Vorbereitungen „Faust" heraus. Unter der Direktion von Rina Nikova eröffnete eine Gesellschaft Jemeniter Juden ein Gastspiel am Yaudeville-Theatre in London. Das Repertoire -etzt sich aus Gesängen sowie biblischen und bäuerlichen Scenen aus dem Leben von Jemen zusammen. * Die Theatersaison in Birmingham wird Anfang September mit dem Schauspiel „The Boy David" von I. G. Barrie eröffnet, dessen Titelrolle von Elisabeth Bergner creiert wird. * Im Grand Casino de V i c h y wurden in einer Gala-Veranstaltung Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen" mit Alexander K i p n i s als Gast herausgebracht. Eine weitere Veranstaltung bringt „Damnation de Faust" von Berlioz unter musikalischer Leitung von Bruno Walter. * Die Saisonkonzerte des Municipal Orchestra in Harrogate (England) im August und September stehen unter Leitung von Louis Cohen. * Irene E i s i n g e r spielt die weibliche Hauptrolle in der neuen musikalischen Komödie „An Elephant in Arcady", die Ende September im Kingsway Theatre in London' zur Aufführung gelangt. * Kapellmeister Hermann Ludwig (-Schlesinger) hatte als Leiter eines Sinfoniekonzertes im Teatro Lasalle in Buenos Aires großen Erfolg. Er ist für die Leitung von weiteren sechs Sinfoniekonzerten verpflichtet worden. * In einem Konzert des B. B. C. Symphony-Orchestra in London gelangte das Violinkonzert D-dur von Paganini in der Bearbeitung Fritz Kreislers zur Aufführung. * Norma Shearer erzielte bei der New-Yorker Erstaufführung des Films „Marie Antoinette" in der Titelrolle einen großen Erfolg.

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