Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 36 (8.9.1938)
- Date
- 1938-09-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 2 C.-V.-Zeitung Nr. 36 * 8. September 1938 HEB Ittel Mi Aufzuge -Ii-Heizungen BERLIN SW — Sam.-Nr. 66 23 75/6 ms bereits erfolgter . Bemühungen sprächen, Jeder Begründung entbehrten. Die Frage der Einbeziehung der italienischen Judenfrage in die Arbeiten des Komitees wurde, wie man erfährt, nicht erörtert. Am 1. September fand ferner in Paris eine Besprechung zwischen Myron C. Taylor, George Rubiee, Robert Pell und verschiedenen europäischen diplomatischen Vertretern Amerikas statt. In der Genfer Konferenz des Internationalen Arbeitsamtes sei das Problem einer Veränderung zwecks Niederlassung eingehend geprüft worden. Die Vielfältigkeit des Problems wurde dabei immer deutlicher. Palästina stelle einen Sonderfall dar und könne zweckmäßigerweise infolge der akuten Probleme dort nicht in Betracht gezogen werden. Jedenfalls seien alle diese Probleme mehr, als die/privaten Organisationen bewältigen können und daher werde die Annahme eines umfassenden Programms seitens der Regierungen immer notwendiger. Das Werk von Evian vervollständige das zukünftige Werk des Völkerbundes zum Wohle der Auswanderer. Ausblick Was die Situation in den verschiedenen Ländern anlange, so befolgte die Mehrheit außer Frankreich eine restriktive Politik. Das erkläre sich aus Erwägungen wirtschaftlicher und sozialer Art, aber es wäre trotzdem wünschenswert, daß eine liberalere Politik angewandt würde und daß man so weit wie möglich dem französischen Beispiel folge. Sir Neille vertritt dann die Auffassung, daß die Lage der Auswanderung aus. Oesterreich noch schwieriger sei als die aus Deutschland. Anteilsmäßig werde die Auswanderung aus Oesterreich ebenso groß sein wie die aus Deutschland. In der Praxis sei es übrigens sehr schwierig, eine klare Unterscheidung zu treffen. Das zwischenstaatliche Comite von Evian habe diese Frage als eine einheitliche behandelt, und die Resolutionen betreffen sowohl die deutschen wie die österreichischen Auswanderer. Die Völkerbundversammlung werde in der bevorstehenden Sitzung auch hierüber eine endgültige Entscheidung zu treffen haben, da die Resolution des Rates vom.. 14., Mai 1938, durch die der Hoch-, kommissar auch mit der Wahrnehmung der Interessen der Auswanderer aus Oesterreich betraut worden ist, nur bis zur Genehmigung durch die nächste Völkerbundssitzung gilt. Der Generalsekretär habe den Regierungen ein Protokoll unterbreitet, nachdem die Vorkehrungen der internationalen Konvention vom 10. Februar 1938 und des vorläufigen Arrangements vom 4. Juli 1936 auch auf österreichische Auswanderer auszudehnen seien. Der Bericht schließt mit dem Hinweis darauf, daß die Arbeit des Hochkommissars am 1. Januar 1939 zu Ende geht. Der Hochkommissar dankt allen Regierungen für die wertvolle Unterstützung bei der Erfüllung seiner Pflichten. Das zwischenstaatliche Komitee Am 31. August erstattete der amerikanische Botschafter in Berlin Wilson den zwölf leitenden Mitgliedern des Komitees, unter denen sich Lord Winterton und Henri Berenger befanden, in London einen ausführlichen Bericht über die bisher geleisteten vorbereitenden Arbeiten und über die in Zukunft geplanten Schritte. Bei dieser Gelegenheit stellte Lord Winterton den Direktor des Londoner Büros, George Rublee, den Vicepräsidenten vor. Dabei wurde betont, daß bisher noch keine offizielle Fühlungnahme mit deutschen Regierungsstellen stattgefunden habe, und daß daher alle Gerüchte, die von einem negativen Ergeb- Auslandsnachrichten Australien Die Einwanderungsbehörde erließ eine Verordnung, in der Touristen eindringlich davor gewarnt werden, über die Dauer des Visums hinaus im Lande zu bleiben. Antragen auf Umwandlung der Touristenvisa in Dauervisa könne nicht stattgegeben werden. Brasilien In Rio deJaneiroist eine neue jüdische Gemeinde auf gesetzestreuer Basis in Bildung begriffen. Die Synagogengemeinde in Wetzlar wird der neuen Gemeinde eine Sefer Tora zum Geschenk machen. Cypern Dem Magistrat von N i c o s i a wurde eine Denkschrift verschiedener Berufsverbände überreicht, die sich gegen eine Zulassung jüdischer Einwanderer wendet. Es heißt dort u. a.: die Jugend des Landes sei selbst zur Auswanderung gezwungen. Den äußeren Anlaß zu der Eingabe boten Nachrichten, wonach von zionistischer Seite Bemühungen im Gange seien, eine jüdische Massenwanderung nach Cypern in die Wege zu leiten. Dominicanische Republik Mit Unterstützung von Beamten des Arbeitsministeriums der Vereinigten Staaten werden zur Zeit neue Einwanderungsgesetze ausgearbeitet, die die Zulassung „erwünschter Einwanderer" erleichtern sollen. England Auf dem zur Zeit tagenden Gewerkschaftskongreß wurde eine Resolution eingebracht, wonach in den nächsten 4 Jahren jährlich je 50 Studenten und 50 Aerzten die Aufenthalts-. erlaubnis in Großbritannien gewährt werden soll. Der Aerzteverband hat sich jedoch erneut an alle seine Mitglieder und an sämtliche Abgeordnete mit der Bitte gewandt, der Zulassung ausländischer Aerzte entgegenzutreten. Griechenland Der jüdische Schüler Mario C a m h i gewann bei einem Wettbewerb in Athen einen Schülerpreis in Höhe von 2000 Drachmen, den er dem Luftfalprtministerium für Asphamerujigen SSä! Pflasterungen, Bürgersteige - Telephon: 92 47 56 den Fonds der griechischen. Luftflotte überwies. Ministerpräsident Metaxas dankte ihm in einem persönlichen Schreiben für seine patriotische Haltung. Camhis Vater ist innerhalb der zionistischen Bewegung des Landes an führender Stelle tätig. Indien Der Maharadscha von B i k a n e r hat den aus Deutschland stammenden jüdischen Arzt Dr. R. J. Weingarten zum leitenden medizinischen Beamten des dortigen Krankenhauses — einem der größten medizinischen Institute Indiens — ernannt. Litauen Ein führendes Mitglied der jüdischen Gemeinde in Schaulen, der zweitgrößten Stadt des Landes, M. M. Petuchowsky, wurde zum Vizebürgermeister gewählt und in dieser Eigenschaft vom Innenministerium bestätigt. Seine Wahl erfolgie mit großer Mehrheit, da sie nicht nur von den Regierungsparteien, sondern auch von den meisten Oppositionsgruppen unterstützt wurde. — Einer Anzahl von Einwanderern, die illegal die Grenze überschritten hatte, wurde vorübergehende Aufenthaltserlaubnis evt-ilt, während ein anderer Teil das Land wieder verlassen mußte. Paraguay Die Regierung hat der polnischen Regierung mitgeteilt, daß sie bereit sei, einer Anzahl von jüdischen Einwanderern, hauptsächlich Landwirte, sofern sie über ein Kapital von 10 000 Francs verfügen, die Einreise zu gestatten. Polen Das Bezirksgericht in L o m z a verurteilte vier Teilnehmer an den judenfeindlichen Ausschreitungen vom 16. Mai dieses Jahres zu sechs Monaten Gefängnis. — Der Zentralverband der jüdischen Handwerker, der 530 Ortsgruppen und über 100 000 Mitglieder umfaßt und seit zwanzig Jahren besteht, wurde aufgelöst, weil in seinem Vorstand nicht gelernte Handwerker gesessen haben und die Aufbringung der Mitgliedsbeiträge vernachlässigt worden sein soll. Bemühungen, das Verbot rückgängig zu machen, sind im Gange. — In K e 1 c e, Lodz, L u b 1 i n und R a - dorn kam es zum Boykott hauptsächlich von jüdischen Buch- und Schreibwarengeschäften vor Beginn des neuen Schuljahres. üeisrung aller Dentaluiaren Dentai-Grosshand!ung Hsu-Elnrlcsuungen D E L Ä SC U ß f; »! flUSUJanderSr-Berattini] BerlinW,Tauentzienstr.l6 Der Boykott dehnte sich auch auf andere Geschäfte aus. Die Polizei schritt ein. Die jüdischen Sejmabgeordneten sind bei den Behörden in Warschau vorstellig geworden. — Die jüdischen Leiter der für Juden eingerichteten staatlichen Elementarschulen sollen im neuen Schuljahr durch Nichtjuden ersetzt werden. — Das deutsche Konsulat erteilt für Juden Durchreisevisa durch Deutschland nur für die Dauer von 23 Stunden. — In Wizerodel bei Kremeniec wird im Zuge der Verbesserung des Stadtbildes ein 600 Jahre altes jüdisches Gebethaus abgerissen werden. Rumänien Der Regierungskommissar für die Minderheiten, Professor Silviu Dragomir, hatte bei Veröffentlichung des Minderheitenstatuts darauf hingewiesen, daß auch der jüdische Bevölkerungsteil unter die Bestimmungen dieses Status falle. „Times" veröffentlichte einen Aufsatz zur Minderheitenpolitik Rumäniens aus dieser Feder. Dort beschäftigt sich Dragomir ebenfalls mit der Judenfrage, ohne jedoch zu erkennen zu geben, ob man die Juden in Zukunft als eine Minderheit oder als eine Minorität im völkischen Sinne betrachten würde. Die offiziöse Zeitung „Romänia" veröffentlicht nunmehr einen Aufsatz, der im - völligen-Gegensatz zu der ursprünglichen Erklärung Professor Dragomirs steht. Es sind Schritte unternommen worden, um eine endgültige Klärung nunmehr herbeizuführen. — Den Leitern der jüdischen Schulen wurde eröffnet, daß in Zukunft an Sonntagen — zum Ausgleich für den Sabbat — kein Unterricht mehr erteilt werden dürfte. — Das rumänische Konsulat in Duisburg teilt mit, daß Juden mit rumänischen Pässen ab 1. September zur Einreise nach Rumänien eines besonderen Sichtvermerks bedürfen. Der Sichtvermerk wird von den diplomatischen und konsularischen Vertretungen nach Einholung einer Sondergenehmigung beimrumänischen Außenministerium erteilt. — Jüdische Kaufleute, die ihre Staatsangehörigkeit bei der Nachprüfung verloren haben, sollen in die für die Zukunft obligatorischen Listen der Industriellen- und Handelsfirmen nicht eingetragen werden. Ausnahmen sollen nur in jenen Fällen zulässig sein, in denen das Heimatland der Ausgebürgerten Rumänen die gleichen Rechte gewahre. Schweiz Es verlautet, daß neben dem Lager in D i e - p o 1 d s a u, in welchem etwa 300 bis 500 Durchwanderer Aufnahme finden sollen, auch andere Kantone solche Lager einrichten werden. Die Bemühungen, den Durchwanderern, in neuen Ländern einen endgültigen Aufenthalt zu verschaffen, werden von den interessierten Stellen fortgesetzt. Vereinigte Staaten In Detroit tagte der Verband der jüdischen Kriegsveteranen. Präsident Rooseveit sandte ein Begrüßungstelegramm, in dem es u. a. heißt, das amerikanische Volk brauche nicht an die Verdienste' erinnert zu werden, die Angehörige der jüdischen Gemeinschaft der Amerikanisches Generalkonsulat Berlin Der Hilf s verein der Juden in Deutschland teilt auf Grund eingehender Erkundigungen beim Amerikanischen Generalkonsulat Berlin folgendes mit: Vor einigen Tagen wurde in Berlin das System der Registrierungsanträge ohne bereits vorliegendes Affidavit eingeführt. Dieses hatte nur den Zweck, eine Warteliste aufzustellen und gab den auf dieser Liste eingetragenen Personen keinerlei Anwartschaft auf ein Visum. Infolge der außerordentlich großen Zahl von Einwanderungsanträgen sind die für die nächste Zeit verfügbaren Quotenmimmern erschöpft, so daß das Konsulat jetzt bis auf weiteres die Ausgabe von Registrierungsanträgen eingestellt hat. Es ist zur Zeit nicht zu übersehen, welcher Teil der bereits vorgenommenen Anmeldungen auf Grund ausreichenderAffidavits zur Erteilung von Visen führen wird. Sobald eine Uebersicht zu gewinnen ist, erfolgt umgehende Mitteilung. Inzwischen wird gebeten, von Rückfragen abzusehen, da die Entwicklung eben nicht zu überschauen ist. Die Bearbeitung der bereits eingereichten Affidavits erleidet keine Unterbrechung. Die vorstehende Mitteilung bezieht sich nur auf den Amtsbereich des Generalkonsulats Berlin. amerikanischen Nation erwiesen hätten. Es seien Dienste voller Ehre und Erfolg gewesen. Die Geschichte beweise, daß die Juden bei der Verteidigung des Amerikanismus im Weltkriege und auch während der Kriege früherer, @ Berlin-Weissensee, Lothrinjenstr. 23 56 3154. Jahre eine große und anerkennenswerte Rolle: gespielt hätten. In Friedenszeiten hätten sie; viel zur Förderung und Erhaltung des Ruh« mes und der Romantik der Vereinigten Staaten und ihrer demokratischen Regierungsform beigetragen. Vor Kriegsveteranen in Colum« b u s (Ohio) sprach der Vorsitzende de? „Nationalen Konferenz von Juden und Christen", Dr. E. R. Clinchy. Er richtete einen Appell an die Vereinigten Staaten, sie möchten ein Land frei von Antisemitismus, bleibea, Kinder machen ihren Weg Am 1. November 1934 gingen die Kindel; Heinz und Rudi Liachowski mit dem ersten Kindertransport der Reichsvertretung der Juden in Deutschland nach den Vereinigten; Dameng^MS^^BBiia H. WIUR und Friseur „^„^ Herren- Tel. 25 86 56 Ed« Luitpoldstr. Staaten. Der heute 18 Jahre alte Heinz hat Ende Juni dieses Jahres in Philadelphia graduiert, d. h. sein Abitur gemacht, und zwar als erster unter 266 Abiturienten. Durch diese Erklärung zum „First honor man" ist ihm gleichzeitig ein Stipendium zum Studium an der Pennsylvania-University in Philadelphia verliehen worden. Rudi Liachowsky, 15 Jahre alt, wird infolge seiner guten Schulleistungen bereits im Herbst auf die Central High School kommen, die Heinz soeben verlassen hat. . Chefredakteur: Dr. Alfred Hirschberg. Stellvertretender Chefredakteur: Dr. Ernst G.Löwen- ■ t h a 1. Verantwortlich für Wanderungsfragen, Aufnahme von Bildern und Sport: Dr. Ernst G. Löwenthal, für Feuilleton: Hans Oppenheim e r. Sämtlich in Berlin. Für Rücksendung unverlangter Einsendungen ist Freiumschlag beizufügen. Leiter der Anzeigen-Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Friedrich Nathan, Berlin. DA. II. Vj. 38 323. PL 6. Verlag: Jüdischer Central-Verein e. V., Berlin W 15, Emser Straße 42. Druck: Max L i c h t \v i t z, vormals Druckereibetriebe Max L i c h t w i t z und Siegfried Scholem, Berlin SW 68. 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