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Central-Verein-Zeitung · 1938-09-08 · 36 (8.9.1938) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
36 (8.9.1938)
Date
1938-09-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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XVIL Jahrg. / Nr. 36 Berlin, 8. September 1938 Preis 10 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUNS GeschäftssUlle (Verlag, Redaktion, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W15, Emser Str. 4Z Femspr.: 928141—45. Tel«gr.-Adr.: Centralglauben, Berlin. Postscheckkonten: Berlin 70344, Prag 77218, Zürich VOT-2636 Bankkonto: A. E. Wassermann, Berlin W 8. Die C.-V.-Zeitung erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluß: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich 81 RpL (einschl. 22,74 Rpf. Postzeitungsgebühr) zuzüglich 18 Rpf. Bestellgeld. Für Ausland vierteljährlich 2,30 RM (umgerechnet in die I andeswährurig) einschließlich Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.) Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigerigebühren: Preisliste 6 gültig. Die 12gesp. mm-Zeile 20 RpL für Stellengesuche 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere» ermäßigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzel anzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluß: Dienstag. Platz- und Datenvorschriften' ohne Verbindlichkeit JSfeille Malcolms Rechenschaftsbericht In wenigen Tagen wird in Genf die 19. ordentliche Tagung der . Völkerbundsversammlung beginnen. Aus diesem Anlaß hat der Hohe Kommissar des Völkerbundes für die Flüehtlingsfürsorge, Sir Neille Malcolm, dessen Amtszeit mit diesem Jahre endet, einen umfassenden Bericht erstattet, der uns nach Redaktionsschluß zugeht. Wir behalten uns vor, auf ihn in anderem Zusammenhange noch einmal zurückzukommen und geben heute nur seinen wesentlichen Inhalt wieder. Die Konvention vom lO. II. 1938 Sir Neille geht von der Internationalen Konvention aus, die von der Zwischenstaatlichen Konferenz am 10.. Febr. d. J. beschlossen und zwecks Ratifikation an die - beteiligten Regierungen gegangen ist. Sie will die Frage der Ärbeitserlaubnis regeln. Der Bericht stellt fest, daß bisher sieben Staaten, — England, Dänemark, Frankreich, Holland, Norwegen und Spanien — ihn ratifiziert hatten und spricht die Hoffnung aus, daß eine Reihe weiterer Staaten,, darunter auch solche, die an der Konferenz nicht beteiligt waren wie Tschechoslowakei und Schweden sich anschließen. Sobald die komplizierten Formalien einer solchen internationalen Konvention % erfüllt seien, werde sie in Kraft treten. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika hätten erklärt, die Konvention, die übrigens durch die inneramerikanische . Gesetzgebung in manchen Punkten übertroffen würde, ihrerseits gleichfalls anwenden zu wollen. Die Coordmatliig- Committees Der Bericht stellt weiter fest, daß die australische Regierung die jährliche Zuwanderung von 500 Juden nach Australien auf Antrag der australischen jüdischen Wohlfahrtsgesellschaft zugelassen habe, und drückt die Hoffnung aus, daß das Beispiel der australischen Regierung von den Staaten des amerikanischen Kontinents befolgt werden würde. Der Hochkommissar schätzt, daß während seiner zweieinhalb jährigen Dienstzeit 5000 Auswanderer aus Deutschland entweder einzeln oder in Gruppen direkte Nutznießer seiner persönlichen Intervention jeweils bei den zuständigen Behörden der Länder gewesen sind. Sir Neille weist darauf hin, daß er die Zusammenarbeit zwischen Regierungen und privaten Organisationen im Hinblick auf die individuelle Auswanderung von Spezialisten und qualifizierten Landwirten besonders empfohlen habe. Er habe sich zu diesem Zweck den Organisationen zur Verfügung gestellt, die ihm Listen von Technikern übersandten, die auszuwandern wünschten. Diese Listen wurden verschiedenen Regierungen zur Prüfung eingereicht. Auf diese Weise wurde die Auswanderung einer Anzahl; von Spezialisten in den verschiedenen Zweigen der Industrie und Landwirtschaft zuwege gebracht. Nach Erörterung der Verhandlungen in Evian und London kommt Sir Neille zu dem Schluß, daß die Zusammenarbeit zwischen dem Hochkommissar und den Regierungen sowohl zur Erleichterung der Niederlassung sowie zur Sicherung der. allgemeinen Anwendung der Abmachungen und Konventionen wahrscheinlich als Ergebnis der Resolution , von Evian vom 15. Juli einen kontinuierlicheren Charakter annehmen wird. Die Völkerbunds Versammlung wird im Lichte der bestehenden Umstände die Grundsätze der Zusammenarbeit, wie sie in. Evian und London, aufgestellt worden sind, prüfen müssen und die Möglichkeit weiterer Zusammenarbeit zu erörtern haben. Was die Zusammenarbeit mit. den privaten Organisationen anbelangt, so weist Sir Neille darauf hin, daß die Hauptaufgabe des Liaison-Committees sei, die humanitäre Unterstützung der Flüchtlinge unter der Aufsicht des High Commissioners zu koordinieren. - Zur " allgemeinen Flüchtlingssituation stellt der Bericht fest, daß die wirtschaftliche Seite der Auswanderer aus Deutschiend besondere Beachtung erfordere. Der Bericht kommt dann auf das Werk .der Hicem zu sprechen, und aui die von ihr gelieferte Statistik, die dem Liaison- Committee bei seiner Amsterdamer Sitzung vorgelegt worden sei. Danach hat diese Organisation zwischen dem 1. Januar und dem 30. November 1937 1116 Personen nach überseeischen Ländern geschickt. Fortsetzung S. 2 Rudolf Samson / *™ Oedenfeen Am 4. September starb beim Baden in der Ostsee an einem Herzschlag Rechtsanwalt Rudolf Samson, Hamburg, im Alter von 41 Jahren. Er war Vorsitzender des Landesverbandes Norddeutschland und des Ortsverbandes Hamburg des Jüdischen Centrai-Vereins, Vorsitzender des Jüdischen Kulturbundes Hamburg, Leiter der Beratungsstelle für Jüdische Wirtschaftshilfe, ständiger Mitarbeiter im Vorstand der Jüdischen Re igionsvereinigung Hamburg, Vorsitzender des Verwaltungsrates des Jüdischen Gemeinschaftshauses. Der Reichsvertretung; der Juden in Deutschland stand er seit ihrer Gründung als aufrichtiger Freund nahe; in ihrem Rat war er stellvertretendes Mitglied. Die Beisetzung hat am 7. September stattgefunden. Das Beileid des Vorsitzenden des Centrai-Vereins und des Kreises seiner Freunde in der Leitung des Vereins überbrachten Dr. Franz" Eugen Fuchs, Stellvertreter des Vorsitzenden des C.-V., und Syndikus Dr. Hans Reichmann, Berlin. Nur die Pflicht, für Rudolf Samson Zeugnis an dieser Stelle abzulegen, rechtfertigt Worte, ff» doch nur stumme Trauer und tiefer Schmerz dem Gefühl entsprächen, das uns erfüllt, seitdem wir wissen, daß dieses Leben geendet hat. Wir versuchen, uns zu sammeln, um die Haltung zu gewinnen, die er immer gezeigt hat, und um mit seinem Andenken zugleich die Arbeit zu ehren, der sein Leben gegolten hat, und die er nun unvollendet, er, der , Vollendete,. zurückläßt. Der Jüdische Central-Verein, für den wir hier sprechen, steht in seiner Trauer nicht allein; aber er fühlt sich vor allem berufen, xmserem Gedächtnis dsn tätigen Menschen zu überliefern, der Rudolf Samson gewesen, geworden ist. Dehn erst die Schicksalsstunde seiner jüdischen Gemeinschaft rief ihn auf zur Arbeit für sein Judentum, das nicht er, wie so mancher, damals für sich, sondern das ihn für die Allgemeinheit entdeckte. Und seitdem rief ihn die Arbeit immer früher, als das Amt ihn rief. Und manche Arbeit, die wichtigste vielleicht, tat er ohne Amt, ohne Wahl, berufen gleichsam durch ein deutliches, sich täglich wiederholendes Plebiszit der Mensehen, die ihm vertrauten, seiner Gradheit, seiner Sauberkeit, seiner Rechtlichkeit und seiner Gerechtigkeit. Man wußte, wo Rudolf Samson wirkt, ist viel Werk und wenig Wort. Er war ein Sprecher, ohne Redner zu sein. Selten stand er auf der Tribüne. Aber man hörte, was er sagte. Kaum, daß er je die Feder ergriff; aber die ungeschriebenen Grundsätze der Arbeit, die er aufgestellt, wurden beachtet und die Richtlinien, immer neu dem Wandel der Zeit angepaßt von ihm, der unwandelbar in seiner Treue und Redlichkeit war. Die meisten derer, die ihn kannten, werden mit schmerzlicher Ueberraschung das Alter — die Jugend des Toten erst jetzt erfahren haben. Und wenn sie sich nun das Bild, die Stimme des ratenden und handelnden Menschen vor das Ohr, das Auge zu holen versuchen, werden sie merken, daß sie ihn immer für älter gehalten hatten, als er war. So klar war seine Stellungnahme, so abgeklärt sein Urteil, so reif sein« Haltung, so ohne Ehrgeiz seine Pflichterfüllung. Fast will es scheinen, als ob immer dann, wenn die Oeffentlichkeit ihn forderte, der Strom des jugendlichen Menschen überflutet wurde von der uralten Strömung seines Stammes, seiner Ahnen, die ihn Zucht und Ehrfurcht gelehrt, und ihm, dem Jungen, das ewige Erbe nun anvertraut. So galt er für weise, weil man ihn für weit an Jahren hielt, und so weiß man jetzt, da man seine vollendete Jugend erfährt, von dem toten fast mehr als von dem lebendig wirkenden Manne. Wir neigen uns in Ehrfurcht vor dem greisen Vater, vor der Gattin, und wissen uns freundschaftlich seinen vier Kindern : verbunden. Wir nehmen Abschied von Rudolf Samson in -der Gewißheit, daß sein Platz in der Arbeit unausgefüllt, seine Arbeit selbst aber nicht ungetan bleiben , wird. Wir nehmen aus der Erinnerung ■ an Rudolf Samson den Trost mit, daß un- : sere Gemeinschaft immer die Männer aus sich heraus erschaffen »wird, die ihrem Dasein durch das Leben für die Gemeinschaft den tiefsten Sinn geben. A. H. Die brasilianische Einwandernngsqiiote Sonderbericht für die C.-V.-Zeitung K. J.R., Buenos Aires, 1. September Die neuen Bestimmungen zum brasilianischen Einwanderungsrecht, über die wir berichteten, haben durch die Veröffentlichung eines Anhanges ihre Ergänzung erfahren. In der amtlichen Veröffentlichung werden die Quoten bekanntgegeben, die nach den Feststellungen der Regierung auf die einzelnen Auswanderungsländer entfallen werden. Dabei nehmen die romanischen Länder eine Vorrangstellung ein, die sich nach dem zugrundegelegten Berechnungssystem aus der bisherigen starken Einwanderung aus diesen Ländern nach Brasilien ergibt. An erster Stelle steht Italien, dessen Quote fast ein Drittel des Totais beträgt; an zweiter und dritter Stelle folgen Portugal und Spanien. Die Gesamtzahl aller Quoten, also der jährlich zugelassenen Einwanderer, beträgt 79 020; in Uebereinstimmung mit den Bestimmungen müssen 80°/o Landarbeiter sein. Die neuen Vorschriften über die nationale Zusammensetzung von Kolonien beziehen sich ausdrücklich nur auf 1 a n d - w i r t s e h a f t I i c h e, nicht auf städtische Ansiedlungen. In keiner landwirtschaftr liehen Kolonie, die sich bildet oder schon besteht, dürfen mehr als 25°/o der Bewohner aus Angehörigen einer Nationalität bestehen. Außerdem ist der Mindestsatz für das brasilianische Element auf 30% festgesetzt, so daß das Uebergewicht der Landesbevölkerung jedenfalls gewahrt bleibt. In den bestehenden Kolonien soll durch Umsiedlung ein Ausgleich geschaffen werden. Doch verlautet einschränkend, daß d;e Anordnung von Massenumsiedlungen wenig wahrscheinlich ist, zumal wo es sich um langansässige Kolonisten handelt. Somit dürften diese Bestimmungen vor allem bei Errichtung neuer Siedlungen praktisch werden. Visierte Pässe für Argentinien aucli nach 1. Oktober gültig Der Hilfsverein teilt folgendes mit: Im Hinblick auf die am 1. Oktober 1938 in Kraft tretende Neuregelung der argentinischen Einwanderungsbestimmungen werden gegenwärtig auf Llamaden keine Visen erteilt. Inhaber bereits visierter Pässe dürfen landen, und zwar nach den neuesten Nachrichten auch dann, wenn sie nach dem 1. Oktober in einem argentinischen Hafen eintreffen. Zu den Maßnahmen der argentinischen Regierung hinsichtlich der Einwanderung schreibt unser K. J. R.-Berichterstatter folgendes: Buenos Aires, 1. September Die Gründe für die neue Regelung sind nach amtlicher Aeußerung in der seit dem 28. Juli einsetzenden Ueberlastung der Einwanderungsbehörde durch neue Anträge zu suchen. In der Presse wird die Zahl der laufenden Anträge auf 1000 angegeben, zu denen in den letzten Tagen vor Ergehen der Anordnung täglich 250 bis 300 neue traten. Wie die Zeitungen bemerken, handelte es sich zum größten Teil hierbei um Anträge für in Deutschland oder Oesterreich lebende Personen, während die Anträge für polnische Einwanderer etwas zurücktraten. Diese Arbeit war von den Beamten der Direccion de Immigracion nicht mehr zu bewältigen. Der Ackerbauminister, Ingenieur Jose Padilla, hat den ihn befragenden Journalisten erklärt, daß sieh nach einem Bericht des Außenministeriums auch Schwierigkeiten bei der Paßvisierung durch die Konsulate im Hinblick auf die Neuregelung der Materie herausgestellt hätten.

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