Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 35 (1.9.1938)
- Date
- 1938-09-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 * I.September 1938 C-V.-Zeitung Seite 11 Die Kulturbund-Bühnen und ihre Winterspielpläne Balm Hamburg Köln Man kann dem Künstler bei seinem Abschied kaum etwas Besseres wünschen, als daß ihm dieser Humor, im Leben wie in der Kunst, auch jenseits des großen Wassers erhalten bleiben möge. H. L. &&"Cl~.<' v Das Rhein-RulfrlZnsemble auf Tournee Hodge: Regen und Wind Wilde: Ein idealer Gatte S. akespearer Die beiden Veroneser Düten: Den Stärkere Rcyna!: Der Herr seines Herzens Liederabende von Paula Saiomon (Lindberg), Wilhelm Guttmann, Susanne Löwenstein, Ruth Kisch-Arndt, Hans Assenheim. Kon-erte mit Gerhard Kander, Alfred Lichtenstein, Wolfgang Rose, Jlse S,ass, Godfried Zeelander, LÜH Heumann (M.amlock). Rezi.ationsabende von Otto Bernstein und Walter Herz (Herlner). \ RiqoleMO Tfco iis: Mignon Ka;man: Gräfin Mariza Gorki: Nachtasyl Shakespeare: Wie es euch gefällt Mendele Mocher Sforim: Reise Benjamins Iii. Schnitzler: Casanova in Spa Moliere: Tartuff und Der eingebildete Kranke Molnar: Der Teufel Ein neues Palästinastück Das Konzert- und Vortragsprogramm liegt im einzelnen noch nicht vor. Foios von: Ulli Szkolny (1), Kasten (1), Kurt Ems (2). Die zeichnerische Ausgestaltung der Knlturbundseiten stammt von Ulli Szkolny Treppenhaus im Hamburger Gemeinschaftsfilms Fodor: Arm wie eine Kirchenmaus Guizkow Uriel Acosta Gorki: Nachtasyl Hodge: Regen und Wind Mendeäe Mocher Sforim: Reise Benjamins III. Moliere: Tartuff und Der eingebildete Kranke Schnüzler: Casanova in.Spa Shakespeare: Die beiden Veroneser Die Vorstellungen werden von dem Ensemble des Jüdischen Kulturbundes Berlin und des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr bestritten. Daneben findet selbstverständlich eigene künstlerische Tätigkeit in Konzerten und Vorträgen statt. Der Zuschauerraum in Krefeld iiiiniiiiiiiiiiiiiiniiiimiiiiiiiiimmniiiimmnimn Eine neue jüdische Oper Zur Berliner Erstaufführung 3 Die europäische Uraufführung der jüdischen Oper „Die Chaluzim" von Jacob iWeinberg, die am 4. September unter Leitung von Chemjo Winawer in der Synagoge Prinzregentenstraße (in Konzertform) stattfindet, wird man ohne jede Uebertreibung als ein bedeutsames künstlerisches Ereignis ansprechen müssen. Begegnet doch in diesem Werk der großiangelegte Versuch, das Ringen um eine eigene jüdische Kunstmusik auf jene Form auszudehnen, der im künstlerischen Leben und im Bewußtsein des Publikums eine besonders repräsentative Stellung zukommt, eben die Oper: Sicherlich setzt gerade in der Oper das Uebergreifen allgemeiner Einflüsse der konsequenten Entfaltung eines jüdischen Eigencharakters besondere Schwierigkeiten entgegen, und es bedurfte einer zupackenden Unbekümmertheit wie einer von vornherein gegebenen. Verbundenheit mit jüdischem Musikgut, die dem Komponisten . Jacob Weinberg hier einen -erfolgreichen Anfang ermöglichte. Wie fast alle Musiker, die an dem Durehbruch eines eigenen jüdischen Stiles beteiligt sind, stammt auch Jacob . Weinberg aus dem Osten. In Odessa geboren, \ vlcht er als Siebzehnjähriger die von den Ellern gewünschte kaufmännische Laufbahn ab und studiert Musik, hauptsächlich in Rußland, wo er 'in der Vorkriegszeit ce'.ne ersten Erfolge erringt. Hatte er sich S': hon frühzeitig den Bestrebungen um eine uv.geprägt jüdische Musik angeschlossen, so fand diese Richtung seines Schaffens eise wesentliche Vertiefung durch eine fünfjährige Wirksamkeit in Palästina. Hier gründete er — in Jerusalem — einen Lehrgang für Musiktheorie und Klavierspiel, hier machte er sich sammelnd mit dem Melodiegut der Araber und orientalischen Juden vertraut, und hier entstand auch seine Oper „Die Chaluzim". Das 1924 abgeschlossene Werk errang 1926 auf dem „International Opera Contest" in Philadelphia vor nichtjüdischer Jury den ersten Preis, es erschien 1931 im Druck und erlebte 1934 seine erfolgreiche Uraufführung in New York, w^o der Komponist seit 1929 als Professor für Klavier und Kompositionslehre tätig ist. 1935 erschien Weinbergs. Pentatonische Liturgie „Kabbolas Schabbos", die durch Winawer auch in Berlin zur Aufführung gelangte. Die Oper „Die Chaluzim" versetzt uns im ersten Akt auf den Platz vor der „Schul" eines kleinen ostjüdischen Städtchens. Es ist Schabbos, und im Orchester klingt die Weise des Leinens und des „Mischeberach" auf. In höchst origineller Weise sind die „Gut Sehabbes"-Ruie, sind die Kleinstadtgespräche musikalisch aufgefangen. Herrscht hier ein frischer Realismus, so schwingt sich etwa der Gesang aus „Schir haschirim" (dem Hohelied) in Fortspinnung einer östlichen Melodie zu großer Feierlichkeit auf. Die Handlung dreht sich um den' Gegensatz zwischen den „Alten" und der zionistischen Jugend, deren zündendes Aufbruchslied den Akt wirksam beschließt. — Die übrigen beiden Akte führen uns in einen palästinensischen Kibbuz. Eine Reihe prachtvoller musikalischer Bilder lösen einander ab: da gibt r*" " " * '- ' * Der Text wurde von Mascha Kaleko- Winawer ins Deutsche übertragen; einige Stücke werden hebräisch gebracht. Man ruft viel nach jüdischer Kunst, streitet , über Jüdische,.. Musik. Hier verspricht sich eine Erfüllung, und wer sie sucht, wird an dieser Aufführung nicht vorbeigehen dürfen. H. Freyhan * Diese Sorulerveranstaltung des Jüdischen Kulturbundes findet mir. Unterstützung des Reichsverbandes statt. Mitwirkende: Mascha 'JB e n j a k o n s k i. Wilhelm Guttmann. Hans John -Jacobsohn, Kurt Rahm er. Walter Ries, Hermann Salom o n s k i. Wal ter K i r s c h b e r g. der Winawersche C Ii o r und das Kulturbundorchester. — Eintritt auch für Nichtmitglieder des Kulturbundes mit Reichsverbandskarte. Reichsverbandskarten können zum ermäßigten Preis von 0.50 RM. an der Abendkasse gelöst werden. Kalten zum Preise von 1,— RM. an den bekannten Vorverkaufsstellen. Wochenplan Ku!turbund;aal, Kommandantenstr. 58/59, 20 Uhr: „Gespenster". 4. September (Abt. 4-3. 53), 5. September (Abt. 28. 38). 6. September (Abt. 29, .39). 7. September (Abt. 25. 35), 8. September (Abt. 26, 33); 10. September: Vortrag Erna Leonhard- F e 1 d. Theater in der Kommandantenstr. 57, 20 Uhr: 10. ocpieniber „Gespenstcr; (Abonnement und Abt. 43). sjs Kurt Singers Jüdischer Chor nimmt am 6. September seine Probearbeit wieder auf. Die .Proben finden jeden Dienstagabend in der Synagoge Prinzregentenstrai'ic stau. Für eine konzertmättige Aufführung wird einstudiert: „Acis und Galathea" von Händel, außerdem Erich Werners „Psalmen der Umkehr" (Uraufführung). — Neuaufnahmen in den Chor nimmt der Vorstand jeweils vor jeder Probe entgegen. Schriftliche Anmeldungen können erfolgen an die Geschäftsstelle von Kurt Singers Jüdischem Chor, Berlin SW 68. Stallsehreiberstr. 44, per Adr. Reichs verband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland. Die Jüdische Chorujid. Orchestervereinigung (Leitung Leo Kopf) beginnt in Berlin am 5. September, mit ihren Proben. Die Chorproben finden jeden Donnerstag abend um 20.15 Uhr und die Orchesterproben jeden Montag abend 20.15 Uhr in der Synagoge Prinzregentenstraße stau. Für ein bevorstehendes Konzert wird das Oratorium „Jephta" von Händel einstudiert. Stimmbegabte Damen und Herren, sowie gute Streicher und Bläser, die an der Aufführung teilnehmen wollen, können sich eine halbe Stunde vor Beginn der Probe daselbst melden: schriftliche Anfragen an Paula Biumenthal, W15, Pariser Str. 24. Jacob Weinberg p0t.; Pharek es eine jemenitische Rhapsodie, . einen orientalischen Tanz, ein fugiertes „Echod mi jodea" nach jemenitischen Motiven, eine mitreißend sich steigernde Horra über das wundervolle „El jiwne hagalil", eine mächtige Schlußhymne „O erez jisrael". Die nachkommenden „Alten", die sich hier nicht so rasch einfinden können, sowie eine Gruppe amerikanischer Touristen bieten wieder Anlaß zu köstlichen Charakterisierungen. Ohne eine Liebesgeschichte geht es natürlich auch in dieser Oper nicht ab; doch stehen Einzelpersönlichkeiten, Einzelschicksale keineswegs im Mittelpunkt des Ganzen, wie ja auch schon der Titel andeutet. Abschied von Siegmund Nunberg Siegmund Nunberg verläßt mit dem. heutigen Tage die Bühne des Berliner Kulturbundes, um in Amerika ein neues Feld der schauspielerischen Betätigung zu finden. Man wrird den ungemein sympathischen Darsteller, der sich früher bereits in einem so hochgewerteten Ensemble wie dem der Berliner Reinhardt-Bühnen bestens bewährt hatte, nur imgern scheiden sehen, denn Nunberg gehörte zu den verläßlichsten Schauspielern, die niemals versagten, wie auch zu den bescheidensten, die sich dem Ganzen stets willig einordneten und nie das Bestreben verrieten, sich bewußt in den Vordergrund zu spielen. Obwohl er nur ganz selten — wie etwa in Shaws Komödie „Man kann nie wissen" oder in Dymows ostjüdischem Schauspiel „Bronx-Expreß" — eigentlich tragende Rollen darzustellen hatte, wußte er doch durch eine sichere, fest umrissene Kunst der Charakteristik seinen Figuren ein Relief zu geben, in dem ihre äußere wie innere Physiognomie zu lebendigster Anschaulichkeit, kam. Aufs wirksamste wurde diese Kraft individueller Gestaltung unterstützt durch einen herben, breiten, jovial-polternden Humor, einen echten Volksstückhumor, der die schwankartigen Züge nach Möglichkeit milderte und unter der rauhen Sehale der Figur den „goldenen Kern" des Herzens enthüllte: man denke nur an die drei letzten Rollen Nunbergs, an den köstlichen Schankburschen in „Delila" und die beiden einander ähnlichen, getreuen Bankfaktoten in „Kap der guten Hoffnung" und „Arm wie eine Kirchenmaus". Ein Preisausschreiben Das Belgische Klavierquartett (Quatuor Beige ä Ciavier) veranstaltet aus Anlaß seines zehnjährigen Bestehens einen internationalen Komponistenwettbewerb für ein Quartett für Klavier, Violine, Bratsche und Cello in einem oder mehreren Sätzen. Aufführungsdaucr 20 bis 30 Minuten. Der Wettbewerb ist für alle Komponisten ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit offen. Für den 1. Preis sind 3000, für den 2. Preis 3000 belgische Franken ausgesetzt. Manuskripte sind eingeschrieben bis zum 30. September 1933 an M. LTIuissier de Lobel, 14, rue van Moer, Bruxelles (Belgien), einzusenden. Die Bedingungen können durch das Quatuor Beige ä Ciavier, 6, rue Capouillet, Bruxelles, bezogen werden. JEin. Jahr klingt auf „Hier Redaktion C.-V.-Zeitung, bitte Frau Intrator." „Hier Ilse Intrator, guten Tag!" „Frau Intrator, ich höre soeben von dem Abend ,Ein Jahr klingt auf, der am 10. September in der Synagoge Lützowstraße stattfindet. Würden Sie mir etwas Näheres über die Veranstaltung sagen?" „Aber gern! Es ist eine Veranstaltung zugunsten des Hospitals der Jüdische» Gemeinde. Wir haben uns natürlich für diesen Zweck besonders gern zur Verfügung gestellt, denn die Aufgabe, die Hilflosen und Siechen zu versorgen, ist überaus dringend." „Die Menschen für einen so ernsten Abend zu interessieren, muß doch sehr schwer sein!" „Nein, Sie sind im Irrtum, wenn Sie glauben, daß wir das Publikum zu einer Veranstaltung in die Synagoge bitten, um Kopf und Herz mit dramatischen Vorlesungen zu beschweren. Im Gegenteil, wir wollen es. von aller Schwere des Alltags lösen. So habe ich es in meiner Kunst immer gehalten. Die Auswahl der Dichtungen und die Intensität des Vortrages müssen erreichen, daß der Ring der Sorge, der die Seele der Menschen einschnürt, sich löst. Wie schön ist es, wenn der ernste Ausdruck einem befreienden Lächeln weicht, wenn der Kontakt zum Publikum gefunden ist. Nichts ist besser dazu angetan, als die sorgsamste Auswahl der Texte. Meine künstlerische Arbeit "hat mir Erfahrung darin gegeben, womit man Zuhörern Stunden der seelischen Befreiung bereiten kann und ich hoffe, daß uns dies auch am 10. September gelingen wird." „Weshalb haben Sie gerade den Titel ,Ein Jahr klingt auf gewählt?" „Wir gingen von dem Gedanken aus, daß dem letzten Abschnitt der JToravorlesung sogleich der Vortrag des ersten Abschnittes folgt und daß nach dem Ausklang eines Jahres sogleich der Aufklang des neuen Jahres folgen muß. Das ist jüdisch-religiöser Optimismus. Die Hoffnung, die so oft in unseren Psalmen und Gebeten zum Ausdruck kommt, — diese Hoffnung wollen wir in den Herzen unserer Zuhörer wachrufen. Das ist der tiefe Sinn unserer Veranstaltung." „Sie haben mir eine aufschlußreiche Auslegung Ihrer Wirksamkeit gegeben. Nun kann ich mir schon eher vorsteilen, daß Dr. S w a rs e n s k y den Vorspruch bringen wird." „Ja, und Peissachowitsch gleichsam den Schlußgesang, da diese Veranstaltung für ihn den Abschluß seiner Tätigkeit vor seiner Ausreise nach Amerika bedeutet." „Ich danke Ihnen vielmals für die Auskunft, Frau Intrator, und wünsche der Veranstaltung, schon wegen ihres wohltätiger Zweckes, einen vollen künstlerischen und — materiellen Erfolg." —i