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Central-Verein-Zeitung · 1938-09-01 · 35 (1.9.1938) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
35 (1.9.1938)
Date
1938-09-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 C.-V.-Zeitung Nr. 35 » I. September 1938 Beengtheit des Saales, Reserviertheit der Menschen lähmen. Ich weiß, wie unendlich schwer es gerade heute ist, diesen Wunsch zu erfüllen. Und weij.. ich es weiß, habe ich auch in kalten Synagogen, in unfreundlichen Sälen gesungen und es gelang mir, das Publikum zu fesseln. Ich stand aber auch in schönen Sälen auf der Bühne und hatte trotzdem das Gefühl, den Hörer nicht zu packen. Dann lag es wohl an der Zusammensetzung der Zuhörer. Irgend etwas war da, was sich zwischen mich und sie schob. Vielleicht war es eine Nachricht, welche die ganze Gemeinde erschüttert hatte, vielleicht hatte man anderes erwartet." „Da haben wir's", sagte der Freund, „die Alltagssorgen!" Aber Mascha widersprach heftig. „Das ist es ja. Sie dürfen nicht mitgebracht werden. Sie müssen zu Hause bleiben. Auch wir legen sie in der Garderobe ab. Natürlich denkt ihr, es liegt am Künstler. Das meine ich aber nicht. Wir wissen genau, wann wir gut disponiert sind und wann schlecht. Dabei ist es erstaunlich, wie kritiklos das jüdische Publikum in dieser Beziehung geworden ist. Am kritiklosesten in Berlin, wo man im allgemeinen nicht mit Beifall kargt. Ich wünschte es mir viel anspruchsvoller. Oft habe ich das Gefühl, es will nur abgelenkt sein. Und wir, wir wollen es doch begeistern und — erziehen.. Wir möchten in ihm nicht nur Erinnerungen an Bekanntes wachrufen, wir möchten so gerne experimentieren, Neues bringen. In dieser Hinsicht ist man im Reich anspruchsvoller. Aber auch es hat seine Eigenheiten. In Berlin ist man bereit, jedem Künstler eine Chance zu geben. Im Reich verlangt man meist nach Menschen, deren Namen bereits durch die jüdische Presse oder vom Hören-Sagen bekannt sind." „Liegt das nicht", schaltete sich die Hausfrau ein, „an der Zusammensetzung des Publikums? Gestern war ich im Konzert und saß in der Loge, und der Zuschauerraum war nicht verdunkelt, sondern hell, und ich konnte die Gesichter betrachten. Die Schicht zwischen 25 und 40 Jahren fehlte fast ganz, es fehlten die aufgeschlossenen Menschen, die . bereit sind, mitzugehen, die .Neues erleben möchten." „Das ist für uns", meinte die Sängerin, „kein Trost. Wir führen ja ein Wunschgespräch. Wenn dieses Publikum fehlt, dann muß das vorhandene erzogen werden. Es ist natürlich, daß es sich an bekannten Melodien erfreut, aber es soll dem Neuen nicht so überaus skeotisch und ablehnend gegenüberstehen. In Wahrheit ist es nämlich bereit, auch Fremdes anzuerkennen. So bleibt immer wieder erstaunlich, welch großen Anklang jiddische, hebräische und russische Lieder finden." Da mischte sich der Schauspielkollege in die Debatte und hielt uns ein schönes Traktat zum Thema. Alfred Berliner der heute abend in Ibsens Gespenster, auf der Bühne steht und dessen Redefluß wir alle kennen, ließ sich nicht so leicht unterbrechen: Sein Herz war voll, und wir ließen es überfließen: „Warum spielen sie eigentlich, Gespenster? Warum kommt schon wieder ein Lustspiel? Diese jüdischen Stücke interessieren keinen Menschen. Eine verstaubtere Angelegenheit als Zweikampf der Liebe konnte man gar nicht aussuchen! Diese modernen. Stücke können mir gestohlen bleiben. Zu meiner Zeit...! Stimmen und Wünsche des Publikums. Der Schauspieler fragt nicht nach Art oder Tendenz seines Stückes. Er fragt nach der Rolle. Er freut sich über jede künstlerische Aufgabe, die ihm die Lei- E&ATiiA Uilfn Kantstraße 130, Telefon 319106. ESA II III " HllIP Antenrenbau - Spezialist, Reparaturen, IttUUlU B1I9IU Ankauf — Verkauf gebrauster Apparate tung zu erteilt. Und neben seiner Rolle interessiert ihn vor allem die Wirkung eines Stückes auf das Publikum — das Publikum überhaupt. Wir haben nämlich auch unsere Wünsche. Im allgemeinen kann ich mir kein besseres Publikum wünschen, als das, das wir haben, ein für künstlerische Leistungen aufgeschlossenes, ein freudig mitgehendes und dabei doch kritisch eingestelltes. Und doch ist es manchmal nicht einfach, ein jüdischer Schauspieler an einem jüdischen Theater in Berlin zu sein. Wir spielen Theater unter ganz besonderen Umständen, trotzdem sollen die Leistungen unabhängig von diesen Umständen bleiben. Unser Publikum vergleicht gerne, und manchmal ist es zu voreingenommen; das mag sicherlich an dem relativ hohen Altersdurchschnitt liegen; und doch wünschen wir, daß das Publikum zu unseren Füßen genau so theaterbegeistert und freudig wie vor 20 Jahren sitzt, als es noch vor jedem Aufgehen des Vorhangs dem. bunten Theaterzauber entgegenfieberte, daß es bei all seinen Sorgen die künstlerische Arbeit ernst nimmt. Ich wünsche Orchesterprobe mir immer, es möge daran denken, daß es in zweieinhalb Stunden das Ergebnis einer konzentrierten Arbeit von vier bis sechs Wochen erlebt, und daß es deshalb nicht zuviel Ansprüche an seine Disziplin stellen heißt, wenn man es bittet, auch die letzten Minuten eines Theaterabends abzuwarten, bevor der Sturm auf die Garderobe einsetzt. Auch diese Minuten haben viele Stünden Arbeit erfordert. Der Applaus ist der Dank an den Schauspieler und macht ihn freudig in seiner Arbeit! Aber ich liebe mein Publikum trotz seiner kleinen Fehler, und ich schätze seine Treue. Was uns aber am meisten interessiert —• nicht aus. materiellen Gründen — das ist das Publikum, das nicht da ist. Ich versuche. mir immer die Menschen vorzustellen,: die nicht zu uns kommen und die es könnten. Ich finde keine Gründe, warum ein wesentlicher Teil der Berliner Judenheit. unser Theater meidet, ohne auch nur den Versuch gemacht zu haben, unsere Leistungen zu beurteilen. Esk können nur die sein,. die vergleichen, ohne gesehen zu haben. Ich wünsche mir, daß auch diese Menschen in der nächsten Spiel-eit zu uns kommen, und ich wünsche mir, daß sie dann nicht mehr vergleichen, sondern bedauern, nicht schon früher bei. uns gewesen zu sein. Das ist der gewiß nicht unbescheidene Wunsch eines Schauspielers, der sein Publikum liebt." Und schon war er draußen und raste zur Gespensterprobe. Mascha sah ihm betrübt nach. Sie dachte an Winawers „Ghaluzim"-Proben und an die Arie der Gilda aus „Rigoletto", ihrer nächsten Rolle. Sie war der festen Meinung, daß Worte und Verse sich leichter sprechen als singen lassen. Niemand widersprach, denn Berliner war außer Hörweite. Er hatte uns recht real in die Wirklichkeit zurückversetzt. „Das Publikum, das fehlt, im Theater zu sehen" — das war der Kernpunkt. Deswegen saßen wir zusammen, deswegen drucken wir diese Zeilen, deswegen treten lA4»l0-C4feG»4 AXICB SEftVOS, W 50 le^KIOrB Passauer Straße 3. 249231. Chemische Reinigung — Färben — Entflecken die Leiter des Kulturbundes täglich vor die Rampe, deswegen wurde unter großen Opfern das Haus in der Kommandantenstraße gekauft. 4 Die Sorge für den Berliner Kulturbund war groß. Ohne eigenes Haus hätte er vielleicht noch im beschränkten Umfange, das Schauspiel pflegen können. Wir alle wissen, was sich in dieser Zeit gegen den Hauskaüf einwenden ließe. Und doch waren wir uns an diesem Nachmittag einig, daß das Geld am rechten Platz verwendet wurde. Es ist kein verlorenes Kapital. Und wenn wir Theaterbegeisterten davon überzeugt waren, so hofften wir, daß auch die, welche durch das Theater begeistert werden sollen, sich unserer Meinung anschließen. Solange jüdische Menschen' hier leben, soll es eine Stätte Der neue Weg Der neue Tonfilm über Palästina wird am 17. September im Kulturbundsaal Berlin durch das Institut für jüdische Filmarbeit (KOL-NOA) uraufgeführt. Der Film hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Leben in Palästina, den Kampf, den Willen zum Aufbau trotz aller Schwierigkeiten zu schildern. Die Bildaufnahme stammt von Axelrod, die Gestaltung und Bearbeitung besorgte Georg Engel. Für das Manuskript zeichnet Josef Weiß, für die Herstellungsleitung Manfred Epstein. iiiiiiniiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimmiiiiiiim geben, an der sie sich vom Alltag lösen können, wo sie nicht „aus dem Theater fort müssen, bevor der Vorhang aufgegangen ist". Keiner weiß, wie lange im eigenen Haus wird gespielt werden können. Aber die Künstler haben die Gewißheit, daß der äußere Rahmen für ihre Tätigkeit vorhanden ist. Sie fühlen sich nach dieser Richtung geborgen. Man soll das nicht unterschätzen. Aber damit allein ist das Problem nicht gelöst. Die Zahl der Mitglieder sinkt. Was im vergangenen Jahr an neuen Menschen gewonnen wurde — und es waren viele Tausende — ging verloren. Weitere Menschen werden verloren gehen. Diese Lücke muß geschlossen werden. Es darf nicht geschehen, daß das Haus vorhanden ist, und daß die Menschen fehlen, die es füllen sollen. Die Leitung des Kulturbundes ist bemüht, Ensemble und Orchester zusammenzuhalten. Die künstlerischen Leistungen des Instituts sind in den fünf Jahren seines Bestehens nicht gesunken. Es gibt keinen Grund, dieser Arbeit fernzubleiben, selbst wenn der Beitrag ein Opfer bedeutet. Muß daran erinnert werden, daß der Kulturbund Existenzen sichert? Daß einige hundert Menschen von und mit ihm leben? Sollen unsere Kinder das Erlebnis „Theater" vollkommen entbehren? Soll Künstlern jede" Möglichkeit zur Arbeit genommen werden? Soll unser Leben nur auf die Notwendigkeit des Tages ausgerichtet sein? Oft noch muß sich der Vorhang heben; oft noch sollen jüdische Menschen erwartungsvoll vor ihm sitzen. Und wenn er eines Tages zum letzten Male fällt, wenn der Applaus verklungen ist und der Eiserne herabrollt, dann sollen wir alle das Bewußtsein haben, ein Institut, das der . Kunst diente, solange wie nur irgend möglich auch in Notzeiten erhalten zu haben. Um diese Gedanken kreiste das Gespräch, bis wir auseinandergingen. Der Eine eilte zur „Kirchenmaus", der Andere ins Konzert, Mascha wollte für „Chaluzim" und _,,Rigoletto" proben, meine Frau meinte, in diesem Winter müsse mal wieder etwas für Bildung getan und jeder Vortrag besucht werden. Fünf junge Menschen appellieren an das Publikum: bleibt Mitglieder, werdet Mitglieder! Erhaltet uns unseren Kulturbund! Hinter den Kulissen Von Hans Zander Kulissen! Damit sind hier nicht nur die Dekorationsstücke der Bühne gemeint, sondern darüber hinaus alles das innerhalb des Kulturbund-Betriebes, was seinem Publikum unsichtbar bleibt; und, um es gleich zu verraten: das, was es sieht, ist nur ein Bruchteil von dem, was tatsächlich den umfangreichen Apparat des Kulturbundes ausmacht Glückliches Publikum! Du sitzst vor dem Vorhang in gespannter Erwartung eines genußreichen Abends, du hast bezahlt, und es ist dein gutes Recht, das zu verlangen, was man ' dir zu geben versprochen. Was braucht es dich zu kümmern, unter welchen Schwierigkeiten und unglaublichen Mühen eine solche Vorstellung zustande kommt. Reizt es dich nicht einmal, einen Blick hinter die Kulissen zu tun? Ich glaube wohl: und es ist vielleicht lohnend, dich Kulturbundpublikxun etwas vertraut zu machen mit den' Dingen unseres umfangreichen Betriebes, von dem du im Rahmen einer Vorstellung dir wirklich keine Vorstellung machen kannst. Da ist vor allen Dingen der künstlerische Apparat mit dem Intendanten an der Spitze, umgeben von einem Stabe künstlerischer Persönlichkeiten, wie Regisseuren, Kapellmeistern, Dramaturg, Chordirektor, Korrepetitoren, Ausstatter, und dem technischen Leiter; dazu ein künstlerisches Büro, das die Aufgabe hat, den Vorstellungs- und Probenbetrieb organisatorisch zu regeln. Andererseits erfordert nun dieser durch Schauspiel, Oper, Konzert- und Vortragswesen große künstlerische Apparat eine dementsprechend ausgedehnte Verwaltung, die sich auch aus den verschiedensten Abteilungen zusammensetzt. Da ist zunächst das Mitgliederbüro. Doch über dieses zu sprechen, erübrigt sich wohl, denn du, Publikum, kennst es genau und weißt, daß es die Aufgabe hat, unsere jetzt etwa 18 000 Mitglieder zu betreuen, du kennst auch seine Sorgen, denn das sind ja auch die deinen (Umtausch, Vorzugsplätze, wenn möglich nur A-Plätze losen usw.), und du weißt am besten selbst, wie schwer es dieses Büro hat, alle deine Wünsche befriedigen zu sollen und es oft nicht zu können. Sehen wir uns also die anderen Abteilungen der Verwaltung näher an. Zunächst: eine Buchhaltung sorgt für einwandfreieste Führung aller notwendigen Geschäftsbücher und für korrekteste Beachtung aller steuerlichen und sonstigen behördlicherseits notwendigen Pflichten, die für jeden geordneten Geschäftsbetrieb selbstverständliche Bedingung ist. Es gibt da auch einen bestimmten von allen Angehörigen des Hauses sehr gern besuchten Raum, der sich die Kasse nennt, und wo namentlich an den Gagentagen ein reges Leben herrscht. An diesen findet sich dort alles pünktlich ein, ganz gleich, ob prominent oder nicht. Da sieht nian den ersten Tenor und die Heroine sich mit dem Arbeiter der Bühne oder dem Hausportier ein Rendezvous geben, alle nur zu dem Zweck, den klingenden Lohn ihrer Arbeit nach Hause bringen zu können. Meistens klappt das ja auch, wie die Vorstellung auf der Bühne. Es ist aber ab und zu auch schon vorgekommen, daß eine „Betriebsstörung" eintrat und die dort auf ihr Geld Wartenden leider vergebens kamen und ebenso „leicht" wieder davongehen mußten, wie sie gekommen waren. Diese „Betriebsstörung" kann passieren, wenn es das Unglück will, und der 1. und 2. einen Monats fallen zufällig auf Sonnabend und Sonntag. Dann haben die da oben (gemeint sind damit die Herren der Leitung) große Sorgen und dicke Köpfe, da an diesen Ruhetagen keine Mitgliedsbeiträge eingehen und der arme Kulturbund leider über keine Reserven verfügt, um dann die Gagen pünktlich zahlen zu können. Nun siehst du, liebes Publikum, wie groß deine Rolle selbst dabei ist, eigentlich die allergrößte. Denn, kann ein Künstler mit hungrigem Magen spielen oder singen? (Es sollen zwar früher einmal die hungrigsten die größten Künstler gewesen sein; aber das ist lange her.) Darum wird es von uns stets dankbar anerkannt, wenn die Beitragszahlungen schon vor dem 1. eines Monats geleistet werden (eben wegen dieser fatalen Betriebsstörung). Das aber nur nebenbei! Die übrigen Abteilungen gehören nun unmittelbar zum künstlerischen Apparat. Vor allen Dingen der gesamte technische, äußerst umfangreiche Betrieb sorgt für alles Dekorative und Beleuchtungstechnische der Bühne. In eigenen Werkstätten werden da die erforderlichen Dekorationen nach Entwürfen des Ausstatters hergestellt, und ort genug müssen die Nächte zu Hilfe genommen werden, um bis zu einer bestimmten Zeit die zumal bei anspruchsvollen Werken schwierig herzustellenden Dekorationsstücke fertig auf die Bühne zu bringen. Denn der Termin der Premiere darf keineswegs in Frage gestellt werden. Ebenso wird der größte Teil der kostümlichen Ausstattung im Hause — auch aus Ersparnisgründen — hergestellt und die Ausführung vom Ausstatter selbst überwacht. Da gibt es nun wegen der hohen Kosten oft genug gewaltige Kämpfe mit der Verwaltung, der selbstverständlich „immer alles zu teuer" ist. Die hat nun die „angenehme" und oft schwere, fast unlösbar erscheinende Aufgabe, die Grenze zu finden, wo mit Rücksicht auf das notwendige künstlerische Niveau die Unkosten einer Inszenierung nicht mehr zu sen-- ken sind, aber auf der anderen Seite darüber zu wachen, daß eine Ueberspannung der begrenzten finanziellen Möglichkeiten des Kulturbundes nicht eintritt. Das ist wohl das schwierigste Problem, das die Leitung zu lösen hat; doppelt schwierig, wenn man, wie ich, nach jahrzehntelanger künstlerischer Tätigkeit den Künstler' in sich nicht verleugnen kann und so gern den Wünschen der am Werk Schaffenden gerecht werden möchte. Wie diese uns hier gestellte schwerste Aufgabe bis jetzt von uns bewältigt wurde, hast du ja selbst, liebes Publikum, stets verfolgen können, an Hand unserer Erfolge und fast ohne Erhöhung deines Mitgliedsbeitrages. Der Vollständigkeit wegen ist natürlich zu bemerken, daß es ab und zu nicht ganz ohne finanzielle Hilfe geht. Wenn es gar zu brenzlich wird, dann ergehen unsere SOS-Rufe an den Vei-waltungsrat des Kulturbundes, der sie nach Möglichkeit erhört und Hilfe von dritter Seite herbeischafft. (Diese dritte Seite w?ird als bekannt vorausgesetzt.) Dieser Verwaltungsrat als oberste Kontrollinstanz, der sich aus Männern der jüdischen Oeffentlichkeit zusammensetzt, die ehrenamtlich ihr Amt ausüben, bietet den Kulturbundmitgliedern die sicherste Gewähr, daß die eingehenden Mitgliedsbeiträge ihrem eigentlichen Zweck voll und ganz zugeführt werden. * Diese Ausführungen haben wir mit Genehmigung von Joachim Goldstein Jüdischer Buchverlag, Berlin, dem vom Reichsverband der jüdischen Kulturbünde rechtzeitig vor Beginn der neuen Spielzeit herausgegebenen Almanach „Pult und Buhn e" entnommen. Auf über hundert Seiten gibt er ein unterhaltendes und anschauliches Bild von der Vielseitigkeit des Kulturbundschaffens. Leo B a e c k schrieb das knappe Vorwort, Kurt Singer das Historische, wenn man davon bei einem so jungen Unternehmen sprechen kann. Werner L e v i e stellt den „Reichsverband", Kurt Pinthus „Das Schauspiel", Kurt Singer „Die Oper" vor. Ueber das Vortragswesen schreibt Max Wiener, über junge jüdische Künstler Max O s b o r n. Max Ehrlich natürlich über die Kleinkunst und Werner Hinzelmann über das „Theater der Schulen". Wir wollen diese Namen- und Titelnennung nicht bis ins Endlose fortsetzen. Aber daß Hugo Adler (Mannheim) über den jüdischen Komponisten, Heinrich Levinger (Köln) über „Wir suchen Schauspieler", Karl Adler' (Stuttgart) über „Kinder singen" referieren und Hermann E i s n e r zuguterletzt einen Streit schlichtet, sei noch erwähnt. Bild, Montage und Ausstattung stammen von Heinz Condeil, die Photos von Abraham Pisarek. Für den Text — aber nicht für die Druckfehler — zeichnen Werner Levie und Herbert Friedenthal verantwortlich.

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