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Central-Verein-Zeitung · 1938-09-01 · 35 (1.9.1938) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
35 (1.9.1938)
Date
1938-09-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 35 * 2. Beiblatt C-V.-Ze?tung 1. September 1938 »Seite 9 sJn'iewegnwi INDEN KULTURBÜNDEN Wie ich mir das Publikum wünsche Ein Interview zu fünft / von Hans Oppenheimer In einem nachgelassenen Fragment „Andreas oder die Vereinigten." schreibt Hugo von Hofmannsthal aphoristisch über das Sterben: „Aus dem Theater fort müssen, bevor der Vorhang einmal aufgegangen war." Von diesem Satz, der die Theaterleidenschaft in. ihrer schönsten Form widerspiegelt, ging unsere Unterhaltung aus, als wir beisammen, saßen: die Sängerin, der Schauspieler, 'der Freund, die Hausfrau und der Redakteur, der dem „Interview" — denn das sollte es sein — diese Form gegeben hatte.. Fast war es wie im Theater.. Die' Umwelt war nicht existent und die Gestalten, die seit Jahrtausenden die Bühnen aller Zonen bevölkern, schienen das Zimmer zu füllen. Rasch waren wir uns darüber. einig, alle, die das Kulturbundtheater besuchen und erst recht die, welche es noch nicht besuchen, möchten von der gleichen Leidenschaft wie wir besessen sein. „Wer kennt nicht diesen Augenblick", sagte der eine, „aus dem Arbeitsgetriebe ist man ins Theater gehastet. Draußen rieselt ein Nebelregen die Häuserfronten herab. Die Vorstellung hat bereits begonnen. Hinter den Garderobentischen sitzen mit schwarzer Schürze und weißer Haube verschlafen die Frauen. Am Büffet werden Gläser geoutz!; und Brote griffbereit zurechtgestellt. Die Logenschließer lehnen an den Türen. Schnell reihen sich Hut und Mantel an den Kleiderrechen. -"Wartend'"' steht man an der Logentüre, bis die Ouvertüre verklungen ist. Dann schnappt das Schloß leise. Ein Lichtstrahl fällt von oben in das dämmernde Rund? und verlischt. Langsam tastet das Auge Rang und Galerien ab, wandert der Helle nach bis dahin, wo das warme Lichterband des Orchesters die Weit des Seins und die des Scheins in gleicher Weise trennt und eint. Ein nervöses Klopfen des Taktstocks, das atmende unsichtbare- Ungeheuer. Mensch verstummt. Der Lichtkreis des Souffleurkastens erscheint auf dem Vorhang, lautlos gleitet er empor, die ersten Töne des Orchesters scheinen aus den Posaunen 'der Putten zu kommen, hinter denen er verschwindet. Dann wandert der Blick am Strahl des Scheinwerfers wieder tief hinab, von wo der Duft von Leim und Staub ins Haus flutet. Im scharfen Licht steht der Sänger. Versunken ist die Welt umher. Was jenseits des Raums geschieht, ist vergessen: das Spiel beginnt." „Ja", fiel die junge Frau ein, „und dann lehnt man sich-im Sessel zurück. Die Balustrade überschneidet einen Teil der Bühne, zwischen den Stäben bewegt sich der Dirigent 'und gleiten die Bogen der Violinen auf und nieder. Oder man neigt sich nach vorn, stützt den Kopf auf die Hände und sucht im Dunkel die Gesichter zu erkennen, die dem gleichen Zauber unterliegen. Man heftet den Blick auf den Sänger und will ihn magisch zwingen, sein Bestes zu geben, über sich hinauszuwachsen. Dann hat man das Gefühl, daß der Funke das Orchester überspringt und jene Einheit geschaffen ist, die das Erlebnis in uns weckt." „Ihr seid Kinder", meinte der Freund. „Wer von den vielen, die Abend um Abend in zufälliger Zahl und zufälliger Zusammensetzung die Theaterräume füllen, hat die innere Ruhe zu vergessen? In die Takte der Musik, in das Skandieren der Verse klappert unablässig die Sorge. Keiner kann ihr entfliehen." An diesem Punkt wurde die Unterhaltung erregt. Fast zwangsläufig schien sie auf jene Ebene des Alltags zu geraten, der wir alle entgehen wollten. Da griff die Frau des Hauses ein, indem sie mci '.c: „Debattieren wir nicht darüber, wie ■:' Publikum . ist, sondern wie wir es u wünschen. Wir sprechen vom Schein, d;\ können wir uns den idealen Zuschauer leisten." Diese Diskussionsbasis wurde rasch akzeptiert, und es stand für uns lest, daß der Theater nie erlebt hat, der Hofmannsthals Gleichnis vom Sterben Eine Loge im Berliner Kulturbundtheater ...... nicht ganz begreift. Denn an jedem Abend wird im Rampenlicht das Leben erweckt, bis es hinter dem eisernen Vorhang wieder erstirbt. Mascha Benjakonski n-.t'nte: „Dieses Hingegebensein an das Spiel verlangt das Publikum von uns. Warum sollen wir es nicht auch von ihm Ordern? Wer von euch weiß, wie wichtig dieses Mitgehen ist? Dafür gibt es keine Norm. Zuviel Imponderabilien sind in der Atmosphäre. Ich brauche die Wärme des Rampenlichts, die Weite der Bühne, die Tiefe des Raums und das festlich gestimmte Publikum. Schlechte Beleuchtung, Ulllll!l!!l]!llillllllllll!lllllllllll!!!l^ ''!l!iillllllllllllllll!llllllllllll!ll!llill!il!llllll!illlllllllll!lllllllllll[llllllllltillll!ii!!>>i ÜIIIIIDI

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