Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 35 (1.9.1938)
- Date
- 1938-09-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 35 » 1. Beilage CYZeihiisf T. September 1938 . Seife 3 Jizchak Baer Levinsohn Zur Wiederkehr seines 150. Geburtstages Am 2. September jährt sieh zum 150. Mal die Wiederkehr des Geburtstages von Jizchak Baer Levinsohn, dem seine Zeitgenossen den Beinamen „Der russische Mendelssohn" gegeben haben. Ein Jahr vor dem Ausbruch der französischen Revolution erblickte er 1738 in der kleinen wolhynischen Stadt Kremenetz das Licht der Welt, und im Jahre 1860, am 2. Februar, nachdem eine schwere Krankheit ihn beinahe zwei Jahrzehnte ans Krankenlager gefesselt hatte, schied er in eben dieser Stadt aus dem Leben. Unter den Persönlichkeiten der sogenannten Haskala-Bewegung (der Aufklärungsbewegung unter den Juden Osteuropas) . nahm er einen besonderen Platz ein. In seinen Zielen durchaus einig mit den anderen Trägern der Bewegung (Lilienthal usw.), hoffte er doch, durch eine ganz an- Das Haus für elegante Damenhute. Berlin W, Kurfürstendarnm 220. ders geartete Strategie eher und leichter als jene praktische Erfolge zu erzielen. Er wählte den Weg der allmählichen Anpassung des Uebereinkommen an das neue Gedankengut, also den Weg des geringsten Widerstandes. Andere erblickten in dem sofortigen, radikalen Bruch mit der religiösen Hyperorthodoxie das geeignetste Mittel zur Ueberrumpelung und Besiegung des Gegners. Beide Wege erwiesen sich letzten Endes als Irrwege. Es würde zu weit fuhren, wollte man in diesem Zusammenhang die Gründe klarlegen, die dieses negative Resultat herbeiführten. Aber eine kleine Zwischenbemerkung soll doch nicht unterdrückt werden. Es war eine Zeitlang Mode, die innere, immanente Bedeutung der Haskai a-Bewegung nach dem Grad ihres augenblicklichen Erfolges zu beurteilen und ihre hervorragendsten Exponenten mit einem gewissen Achselzucken abzutun oder gar ihnen Polsterwaren Eigene Werkst. Umarbeitung A.Hofda Weißensee, Berliner Allee 255 56 38 58 eigennützige Beweggründe zu unterschieben. Nichts ist. falscher oder ungerechter als das. .Auch Jizchak Baer Levinsohn ist solchem , Schicksal nicht entgangen. Viel geliebt, noch mehr gescholten, war er bald nach seinem Tode beinahe vergessen, bis die gerechte . Würdigung einer unparteiisch urteilenden Nachwelt ihm wieder den gebührenden Platz einräumte. Mit drei Jahren schon war er Cheder- Schüler, mit neun Jahren schrieb er bereits eine längere Abhandlung über ein kabbalistisches Thema. Er beherrschte die russische Sprache vollkommen (für einen Juden der damaligen Zeit eine besonders bemerkenswerte Leistung) und erwarb sich ein umfangreiches Allgemeinwissen neben tiefgehenden Kenntnissen auf talmudischem, und religionswdssenschaftlichem Gebiet. Eipe mit achtzehn Jahren geschlossene Ehe, die sehr unglücklich auslief und mit Scheidung endete, bedeutete nur eine kurze Episode. Nach einem Aufenthalt in Brody, einem Intermezzo als Lehrer an der dort neueröffneten jüdischen Schule (in Tarnopol hatte er inzwischen auch sein Lehrerexamen .gemacht) und einer vorübergehenden Niederlassung in Zolkiew, wo er Altpapier - Adolf Naftaniei Berlin KW 87, Wullenweberstraße 2. Tel.: 39 78G2 die Bekanntschaft Nachman Krochmals machte, dessen Einfluß von bestimmender Wirkung auf sein künftiges Schaffen wurde, kehrte er nach Kremenetz zurück, um es nur noch wenige Male vorübergehend zu verlassen. Im* unermüdlichen Studium erarbeitete er sich eine Fülle von Kenntnissen. Er schrieb ein klassisches Hebräisch, beherrschte neben den alten die wichtigsten modernen europäischen Sprachen, schrieb schöngeistige Abhandlungen, war auf literaturkritischem Gebiet tätig, seine philologischen und lexikographischen Untersuchungen fanden die Beachtung aller Sachverständigen, und seine Autorität als Orientalist ersten Ranges war unbestritten. Aber alles das beschäftigte ihn gewissermaßen nur im Nebenamt. Der Hauptteil seiner Arbeitskraft gehörte der geistigen Erweckung der russisch-polnischen Judenheit. Sein erstes großes Werk auf diesem Gebiet „Teudah Bejisroel" vollendete er im Jahre 1823, konnte, es aber erst im Jahre 1828 im Druck erscheinen lassen. Auf die osteuropäischen Juden übte es einen außerordentlichen Einfluß aus. Es enthielt einen bis in das Einzelne gehenden Plan für die künftige Erziehung der Juden, ihre Rechtsstellung und ihre bürgerliche und berufliche Eingliederung in die Staatsvölker. Den damaligen Tendenzen der Regierung entsprachen die in dem Werk vorgetragenen Gedankengänge so sehr, daß sie sein Erscheinen durch eine staatliche Subvention unterstützte und ermöglichte. Im Jahre 1829 vollendete er den zweiten Teil des „Teudah Bejisroel", die Schrift „Beth Jehudah", deren Drucklegung erst zehn Jahre später möglich wurde'.. Abgesehen von, seiner.- eminenten philosophischen- Bedeutung ist dieses Buch deswegen bemerkenswert, weil in ihm' der erste praktische Vorschlag zur Bildung bodenständiger jüdischer Kolonien von Ackerbauern auf eigener Scholle gemacht wurde. Levinsohn schlug vor, die Regierung möge siedlungslustigen Juden Land im Chersoner Gouvernement, in Bessai*abien und. der Krim zur Verfügung stellen. Auch außerhalb seines- Werkes entwickelte Levinsohn für diesen Plan eine lebhafte Agitation und erreichte es schließlich, daß die maßgebenden Regierungsstellen ihn realisierten. Diese Kolonien existieren noch heute, und, daß dies ungeachtet aller im Laufe der Zeit eingetretenen Widrigkeiten möglich war, beweist immerhin, wie richtig Levinsohn die im jüdischen Volk wirkenden Lebenskräfte und Energien eingeschätzt hat. Ein hervorragendes Kapitel im Leben Levinsohns ist seine Arbeit als Apologet des Judentums. Gegen die Bekehrungsschrift des Missionars Temkin, eines ehemaligen Juden, schrieb er eine wirkungsvolle Broschüre „Jemin Zidki". Aus Anlaß eines Ritualmordprozesses in Saslawl verfaßte er „Efes Darnim", ein Buch, das später Moses Montefiore ins Englische übersetzen ließ, und das bei dem berüchtigten Blutbeschuldigungsprozeß in Damaskus eine scharfe Waffe in der Hand der Verteidiger der jüdischen Sache werden sollte. Eine Schmähschrift des englischen Missionars MacCaul beantwortete Levinsohn durch eine Gegenschrift „Achja Haschiloni", um endlich diese Reihe seiner Werke krönend abzuschließen durch das erst nach seinem Tode gedruckte Buch „Serubabel", eine wissenschaftlich fundierte, tiefgründige Darstellung der jüdischen Lehre. Aus den vielen weiteren Veröffentlichungen Levinsohns sei schließlich noch eine vernichtende Streitschrift gegen den Chassidismus hervorgehoben, der auf diesen klaren Denker besonders abstoßend wirken mußte, und end- Ski machen schlank Ski-Mieder- Fa brik, Köln lieh seine einzige Arbeit in jiddischer Sprache „Die Hefkenveit", eine schneidende Satire gegen Mißstände im Gemeindeleben, die bemerkenswerterweise später Scholem Alechem in die von ihm herausgegebene „Volksbibliothek" aufgenommen hat. Das äußere Leben dieses großen Kämpfers und Schriftstellers war eine einzige Kette ' von Sorgen und Entheurungen, von Armut und Krankheit. Der russische Journa'ist Alabin erzählt in der Zeitschrift „Russkaja Starina" vom Mai 1876 aus seinen Erinnerungen an Levinsohn: „Man führte mich in ein ärmliches Zimmer, wo auf dem Fußboden und in allen Winkeln Bücher in allen Sprachen, in arabisch, hebräisch, chaldlüsch usw. umherlagen. Ein Viertel des Zimmers wurde ausgefüllt durch einen großen Ofen. Das ganze Mobiliar . bestand a,us zwei Stühle.., einem Tisch mit Schreibzeug und einem Bett. Auf der Fenster- P | Vi< Kaufhaus Edelstein— lin-Halensee, Kurfürstendamm 100 Viele Artikel zu? Auswanderung bank standen leere Medizinflaschen und eine Flasche mit Tinte. Am .Tisch saß ein Mann mit langem, weißem Haar, das von einer Pelzmütze bedeckt war, in einem alten zerrissenen Rock. Sein Gesicht erschien dem Besucher zunächst wie das eines SecMzi"jährigen, erst bei näherer Betrachtung sah man, daß der Mann noch lange nicht so alt sein könnte, daß nur Not und Krankheit ihn vor der Zeit alt gemacht haben mußten. Das Schönste an diesem Gesicht waren große, schwarze, kluge Augen, die wie Feuer brannten ... Als ich ihn näher kennengelernt hatte, verbrachte ich oft ganze Nächte im Gespräch mit ihm. Bald darauf wurde er bettlägerig und blieb es bis zu seinem Ende, zwanzig Jahre lang. Aber immer war er munter und fröhlich, und immer gehörten seine Gedanken seinen llllllllllllll!lil!lllll!l!l!lllllllilHil1ll!lil!llllllllllllllllllll!!>llii!IM!III!illIllllllll!lllll!llliilliHlilft Geburt Von Lola Braunstein Es strömt, es klingt, es rauscht, es dringt das All in mich hinein. Ich faß es nicht, mein Ich zerbricht, ich möchte sehr ein: Halt ein! Du bist zu groß und grenzenlos — ich bin so schwach und klein! Es wächst in mir mit Mensch und Tier, mit Stern und Baum und Haus. Ich halt* es nicht, gestalf es nicht — ich trage es nur aus. Es strömt, es klingt, es rauscht, es dringt das All aus mir hinaus. i r f n i 3 f MI!! 11E1M1M! M U J1J1M i n M M J ] IJ13 i 1111) I £; M t U11 n M M1111M M111111111M U11111M1M11111M1M11 i M U1E Werken." Alabin schließt seinen Bericht mit den Worten: „Levinsohn hat sich ernährt, wie fast alle seine Glaubensbrüder. Ein Stück trockenes Brot und Hering,, dazu ein Trunk Wasser. Das war alles.- Sein einziger Luxus war seine Pfeife, sie ließ er nie aus der Hand." Zwei Jahre vor seinem Tod schickte er alle seine Manuskripte seinem Neffen nach Odessa. „Ich habe Tag und Nacht gearbeitet", schrieb er in dem die Sendung begleitenden Brief, „keine Freude gehabt, keinen menschlichen Genuß. Ich saß abgeschlossen in meinem Zimmer, vertieft in meine Arbeit. . Möge Gott geben, daß für meine Werke sich ein Erlöser findet, der meine Stelle vertritt,! um sie zu veröffentlichen und in das helle Licht der Weit zu bringen." Sein Ende wurde beschleunigt durch einen räuberischen Ueberfall, dem er wenige Monate vorher'noch ausgesetzt war. Zur Nachtzeit drangen Diebe bei ihm ein, und, da sie kein Geld und keine Wertgegenstände fanden, raubten sie eine Schatulle mit wichtigen Papieren, darunter einen eigenhändigen Brief Kaiser Nikolaus des I. Von einer merkwürdigen Episode, in der dieser Brief eine Rolle spielt, erzählt übrigens der bekannte jüdische Schriftsteller A. Gottiober, einer der Freunde Ein Reisebericht aus dem Jahre 1833 Bei . der Durchsicht alter Familienbriefe kamen mir die nachfolgenden Stücke zur - Hand, die interessant genug erscheinen, um aus der Vergessenheit hervorgeholt zu werden. Zumal der Verfasser jener alten Familie Veit entstammt, die schon Generationen hindurch in Berlin ansässig war, und deren verschiedene Vertreter bereits eine weittragende. Rolle spielten. Für die jüdische Idee wirkte in hervorragender Weise Moritz Veit, ein Bruder des Verfassers nachfolgender Briefe, der ein Mann von besonderer Klugheit und Bildung mit klarem Weitblick für das Kommende war. Er wurde 1848 als erster Jude Mitglied der Deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche zu Frankfurt am Main und 1853 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. Neben allen seinen anderen--Ehrenämtern betätigte er sich in führender Weise bei der neuen Gemeindeorganisation. Er gehörte also in jeder Beziehung zu den Großen des damaligen Judentums. Uhde Veit führte das väterliche Bankgeschäft fort und zeichnete sich ebenfalls durch großen Weitblick und klaren Verstand aus. Die nachfolgenden Briefe entstammen einer Reise nach England und bringen, neben Dingen des Alltags, auch einen kurzen Einblick in die jüdische Situation der damaligen Zeit. Ich habe an den Originaltexten bis auf Auslassung einiger, hier nicht interessierenden Stellen keinerlei Veränderungen vorgenommen. Theodor Zondek- Amsterdam, den 13. September 1833 Am Mittwoch hier angekommen, fand ich bei S., bei dem ich bisher jeden Mittag gegessen habe, eine sehr freundliche Aufnahme.., Nach einem kurzen Aufenthalt im. Haag und in Rotterdam werde ich meine Reise nach London fortsetzen. An Juden fehlt es hier nicht, man schätzt ihre Zahl auf 20 000 und sie sind den Christen ganz gleich gestellt. Die Kultur schreitet mächtig vorwärts und die Saumseligen unter unseren Glaubensgenossen werden unwillkürlich durch den Strom mitgerissen. Nachträglich habe ich noch zu berichten, daß ich Moritz Heine in Heidelberg besuchen wollte, denselben aber nicht zu Hause fand, da er einen Ausflug nach der Schweiz gemacht hatte. Sein Wirt rühmte seinen Fleiß und sein überaus ordentliches Benehmen und jammerte sehr, ihn zu verlieren, da ihm selten ein Student vorgekommen sei, welcher sich nicht betrunken habe. Dieses zur gefälligen Mitteilung an Heine und Frau, welche ich grüße ... Euer treuer Sohn : -Uhde London, den- 20. .September 1833 Ich schrieb vorgestern morgen von Rotterdam und schiffte . mich noch an demselben Tage auf dem: Dampfboote; ,.„Sir " Edward Banks" nach London ein.-. An Bord desselben fand ich wenige Passagiere, da der größere Teil derselben mit den;- Op'positionsdampfbooten fährt, welche die - Leberfahrt für 1 Pfund machen; nichts/ destoweniger hatte ich es vorgezogen, ein anerkannt gutes Boot zu nehmen. Mit einigen sehr angenehmen Engländern war ich eben beim Tee in der besten Unterhaltung begriffen, als i: h genötigt war, der See meinen Tribut zu zahlen. Dieser Zustand dauerte, mit Unterbrechung von einigen Stunden, welche ich schlafend zubrachte, bis zum anderen Morgen 6 Ulihr, wo ich das Deck erstieg, und Albions. ■ Küste begrüßte, welche man um 7 Uhr morgens von ferne erblickte, und ich nach langjährigem Erwarten zum ersten Male sah. Es dauerte nicht lange, als wir von Schiffen aller Art umringt wurden, welche die Themse verließen, und es ist gewiß ein Anblick, den man in der Welt nur einmal haben kann, diese Massen von Schiffen mit Einschluß von Dampfbooten, welche nach und von allen Richtungen abgingen und ankamen, hier vereinigt zu sehen. Ich verließ das Verdeck und freute mich besonders des Eifers eines auf dem Schilfe befindlichen Engländers, mir die großen Werke zu zeigen, weiche seit Jahrhunderten hier zusammengehäuft sind. Woohvith zeichnet sich sehr aus, aber vor allem interessierte mich das Schiff, worauf Nelson den Heldentod fand, das jetzt zu einem Hospital für kranke Seeleute von allen Nationen bestimmt ist, dessen Unterhalt durch freiwillige Beiträge der englischen Seeleute bestritten wird. Hier konnte mein Engländer reinen Nationalstolz nicht unterdrücken, und als ich mich umwandte, sah ich das ganze Schiffsvolk auf dem Verdecke: hierzu gehörten Gei'hter. welche während der ganzen Reise nicht zu sehen waren, und selbst die Maschinenarbeiter brachten eine stille Huldigung dem großen Manne, welcher noch heute alle englaschen Seeleute begeistert. Gestern abend um 4 Uhr kam ich beim Tower an, konnte aber mit der Visitation erst um 6 Uhr fertig werden, da uns sehr viele Dampfbobte, und namentlich der Ilariequin von der Opposition, von Margate kommend, vorausgesegelt waren. Ein Neffe von G. L., Fouke, war so gefällig, bei der Ankunft in London alle Besorgungen zu übernehmen, 'und ich befolgte seinen Rat, eine neue Wohnung in New London Coffee Hcuse. New Brigde Street, zu nehmen... auch D. fand ich hier, welcher mich sogleich nach Dir, lieber Vater, ei'kundigte und mir einen Platz zum Jörn Kippur in der Synagoge besorgen wird____ Euer treuer Sohn Uhde L o n d o-n, den 27. September 18oo Es hat mir eine große Freude bereitet, aus Deinen Briefen zu sehen, daß sich dort alles wohl befindet... Nächstdem sind heute sehr traurige Berichte aus Calcutta eingetroffen; sechs der Ostindischen Compagnie gehörigen Schiffe sind gänzlich während eines großen Sturmes verunglückt, welcher das Wasser mit solcher Heftigkeit auf das Land getrieben hat, daß ein großer Teil der Indigo- Plantagen zerstört worden ist... Jetzt will ich zu meinen hiesigen Verrichtungen übergehen. Am Sonnabend wanderte ich mit Richm. durch die Straßen Londons, nachmittags bei N. M. auf dem Lande, 5 englische Meilen von der Stadt entfernt. Am Sonntag machte ich neuerdings einige nicht unbedeutende Promenaden in der Stadt und verfügte mich... in Gesellschaft der ganzen Familien nach der Synagoge. Hier hatten B. Cohn und D. bereits einen Platz für mich besorgt und ich verbrachte den Sonntag gleichfalls in der Synagoge, wo der Gottesdienst mit wenigen Mißbräuchen, in guter Ordnung gehalten wurde. Unter anderem fand ich hier eine förmliche Neuübersetzung des Machsor, welche ich wegen der vielen darin vorkommenden Unziemlichkeiten nicht verwendbar finde. Nachdem mir ,.. ein Mischeberach gemacht hatte, ließ Cohn, infoige früherer Verabredung meinen Lieben in Berlin, der Familie..., den. Beamten der Gemeinde sowie allen Mitgliedern derselben ein Misch eher ach machen. Leider habe ich zu bemerken Gelegenheit gehabt, daß viele der anwesenden Juden noch nicht besonders in der Bildung vor/*es?hrKtea waren, und ich glaube, daß die Möglichkeit der Emanzipation von einem großen Teil derselben nicht anerkannt werden wird. Ich habe mich mit einigen Mitgliedern der Gemeinde deswegen in ein Gespräch eingelassen, welches mir die Ueberzeugung gegeben hat, daß es eine Partei von Orthodoxen gibt, welche sich heimlich freut, den dem Parlament vorgelegten Gesetzesentwurf noch nicht zum Gesetz erhoben zu sehen... Es leidet. auch keinen Zweifel, daß durch die Emanzipation viele derselben dann freie Menschen sein werden, ohne es zu wollen. Am Dienstage sah ich mich wieder tüchtig in der Stadt um und mit dem Plane in der Hand durchwanderte ich auch gestern und. vorgestern diese Riesenstraßen. Den berühmten Männern Englands, habe ich in der West-, minster-Abtei einen Besuch abgestattet, und mit wahrer Ehrfurcht die- Gräber der großen Männer gesehen, welchen hier das dankbare Vaterland eine Ruhestätte angewiesen hat.