Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 34 (25.8.1938)
- Date
- 1938-08-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 * 1. Beilage iMftitisiif 25. August 1938 * Seite 3 iilder von Eva Mendelsohn an.assun^ er, s'ellt Zei : haan des 1 Eva ■ eriiner Mon'e;h-er V ■ Senat Jüdischen Isohn Gewöhnung in .en, warme mit Pariser Blau, alles in allem eine feine und starke Wirkung, die von den Gemälden ausgeht. — Daneben bringt die Ausstellung Akte, Bleistiftzeichnungen, die im Laufe von fünf Minuten gearbeitet wurden, Kohle- und Kreideblätter, außerdem ein pa \r Blumenbiider in Oel. Diese Sonnenrosen sind ganz in Gelb gehalten, man sieht nur die großen Bülten, und Blätter und Stiele und die Vase als ber- Gefäß verschwinden in dem gelben gendes Klang. Vielfach malt E< Blumen ohne Huilev-vur Waagerechten und alle gibt den Eindruck, dij k . der breit ^elaiewen, von deicn BÜucawclt. Mendel söhn die rsde, sie läßi alle •;on::re rhLen fort und j : :he Formung Natur beinao: b. Li.htcr, war.ne Schatten, k^h'e Li .h-.er, große Formen und eine interessante PaleUe — das charakterisiert die Arbeit der jungen K'.nsllerin gleich aui den ersten Blick! Bei Spiro und Bato ist sie in die Lehre gegangen, die anerkannte Por:v erkunst Spiros hat befruchtend auf dieses Künstlertum gewirkt. Und doch geht Eva Mendelsohn bereits °;anz eigene Wege, wenn sie eines ihrer Frauenbildnisse in Komplementärfarben gestaltet, wenn sie am gelben Strohhut des Modells einen lila Rand anbringt, wenn sie das terracotterote und grüne Kleid mit einer blauen Kontur umgibt. Auch eine weißhaarige Frau porträtierte die Künstlerin, und sie untermalte die Fleischtöne des Gesichts und der Hand Seinen Aufenthalt im Orient benutzte Idelsohn, um in. Phonogrammen und Aufzeichnungen die Melodien der orientalischen Juden zu sammeln. Hieraus erwuchs allmählich, ergänzt durch das entsprechende Material für die europäischen und nordafrikanischen Juden, ein vielbändiges Quellenwerk, in dessen einleitenden Texten Idelsohn seine musik- und sprachgeschichtlichen Forschungen niederlegte. Erst mit dieser umfassenden Publikation, die, zumal als Werk eines Einzelnen, höchste Bewunderung fordert, war die Grundlage zu einer wissenschaftlich gesicherten jüdischen Musikgeschichtsschreibung gegeben. Jetzt erst konnte die Forschung von der ganzen Breite des Materials ausgehen, statt sich auf die leicht erreichbare Musik der europäischen Juden angewiesen zu sehen, jetzt erst wurden, gleichfalls durch Idelsohn, auf einem Gebiet, das bis dahin mehr oder weniger dem wohlmeinenden Dilettantismus überlassen geblieben war, die modernen Methoden der vergleichenden Musikwissenschaft angesetzt. So wurden etwa die Skalen auf Grund der Phonogramme durch genaue physikalische Messungen festgelegt, so wurde Licht gebracht in die Verbindungen zwischen jüdischem und fremdem Melos, so gelang Idelsohn der allgemein akzeptierte Nachweis, daß die Gregorianik in ihren ältesten Bestandteilen auf den Synagogengesang zurückgeht. Die Ergebnisse seiner Forschungen faßte Idelsohn in einer Gesamtdarstellung zusammen. Mag die junge jüdische Musikwissenschaft in mancher Hinsicht über die Thesen Idelsohns Briefmarken « Fritz Lewin Be.-äin vv 35, Lützowstrasse 9! A. hinausgehen, so liegt auch das im Sinne des Mannes, der sie als Wissenschaft erst ins Leben gerufen hat. Sie wird seiner Leistung nie vergessen! H. Frevhan EleitfPäsoiie Heiz- und Kochgeräte EHRENFELD, FRANKFURT a. M., ZEIL 104 HBUl—iffHBf'if™"|f —nUTOTTT Neben der Hauptpost der Chowewe Zion bis zu der noch höchst gegenwärtigen Auseinandersetzung um den von der Peel-Kommission angeregten Teilungsplan hat es kein bedeutungsvolles Ereignis in der zionistischen Bewegung gegeben, das nicht durch die immer leidenschaftliche, niemals kompromißbereite Stellungnahme Ussischkins Knabenkteitag Herrenkieldysig preiswert u. gut bei Spezial-Angebote für Auswanderer Frankfurt a. M« Gegenüber d. Hauptbahnhof Fot. '21 Ab: aha, Zum Tode von A. Z. Ideisonn Aus Südafrika kommt die Nachricht, daß Prof. Abraham Zwi Idelsohn am 16. August in Johannesburg im Alter von 56 Jahren gestorben ist. In ihm verliert die jüdische Musikwissenschaft ihren eigentlichen Begrün- Po Isterwaren Eigene Werkst. Umarbeitung Weißensee, Berliner Allee 255 der und repräsentativsten Vertreter, dem sie Unendliches zu danken hat. Idelsohn ist, wie viele andere seiner Forschungsgenossen, aus dem Kantorenstand hervorgegangen. Am 14. Juni 1882 in FelLxberg bei Libau geboren, wird er mit 21 Jahren Vorbeter in Regensburg. Aber schon 1906 geht er als Gesanglehrer an ein Lehrerseminar in Jerusalem. 1910 gründet er in Palästina ein Institut für jüdische Musik, 1919 eine Musikschule. 1924 folgt er einem Ruf des Hebrew Union College in Cincinnati und lehrt dort, bis ein Schlaganfall seiner, beruflichen Tätigkeit ein Ende setzt. Die letzte Zeit hat er bei seinem Bruder in Südafrika verbracht. Das Schaffen Idelsohns ist vie'seilig und beschränkt sich keineswegs auf das musikwissenschaftliche Gebiet. Er ist mehrfach als Komponist hervorgetreten, u. a. mit einer hebräischen Oper „Jiftaeh" (1922), er hat hebräische Liederbücher herausgegeben, hat eine hebräische Novelle verfaßt. Aber seine eigentliche Bedeutung liegt in dem, was er für die Erforschung der jüdischen Musik geleistet hat. M. M. Ussiscnkin Am 1. Elul, dem 27. August bürgerlicher Zeitrechnung, wird Menachem Mendel Ussischkin seinen 75. Geburtstag begehen. Eine Persönlichkeit, deren Wirken im zionistischen Bereich von allem Reiz und Geheimnis historischer Bedeutung umwittert ist und deren unermüdlicher Kampfeifer sie trotzdem in die Zeitlosigkeit endloser Jugend zu entrücken scheint, muß sich auf diese Weise durch die unbarmherzig enthüllende Zahl seiner Lebensjahre dem Greisenalter zuweisen lassen. Ussischkin wird es sich widerstandslos gefallen lassen. Er hat es nicht nötig, eine Jugend vorzutäuschen, die ihm an Jahren nicht zukäme, weil ihm die Jugend des Fühlens und Handelns bis heute treu geblieben ist. Er würde andererseits vergeblich ein Alter leugnen, das jede Seite der zionistischen Geschichte bezeugt. Denn von der im Rußland der achtziger Jahre aulbrechenden Bewegung seine besondere Beleuchtung erfahren hätte. Ussischkin hat als Jude östlicher Prägung die Judennot frühzeitig erlebt. Er war Zionist, bevor es — in der engeren Bedeutung des Wortes — Zionismus gab. Er war einer der Bahnbrecher jener spontanen jüdischen Revolution des Ostens, der später in Herzl und Achad Haam die intellektuellen Führer erwuchsen. Dieses Uebergewicht des Gefühls über die vernünftige Ueberlegung hat sich in allen späteren zionistisch-politischen Entscheidungen, vor die Ussischkin gestellt wurde, durchgesetzt. Die große Tragik alles Lebendigen, das aus Unglück zu neuer Gestaltung strebt und in diesem Ringen an die Schranken des realpolitisch Möglichen stößt, ist in zwei entscheidenden Etappen dieses Lebens, die — wie könnte es bei diesem beispielhaften Zionisten anders sein — zugleich entscheidende Etappen des Zionismus sind, symbolisch sichtbar geworden: Ussischkin wurde zum Nein- Sager. Er sagte nein, als der Plan eines jüdischen Territoriums außerhalb Palästinas in Gestalt des Uganda-Projektes im Jahre 1903 den sechsten Zionistenkongreß beschäftigte, und er sagte nein zu dem im Jahre 1937 vorgelegten Peel-Plan. Als ein ungebrochener Kämpfer ist er dem Ideal seiner Jugend, der Schaffung eines ungeteilten jüdischen Landes in Palästina treu geblieben — jeder noch so begründeten politischen Klugheit zum Trotz. Aber so folgerichtig das Schicksal des Nein-sagens zu politischen Entscheidunp, I Vi« ICayftsaiss Edelstein — lin-Halensee, Kurfürstendamm 100 VieSe ÄrSäkeS za? Äisswandepüreg gen auch dem Gesetz seines Lebens folgen mag, so wäre es doch sehr falsch, Ussischkin deshalb etwa unter die grundsätzlichen Kritiker und Nörgler einreihen zu wollen. Dieses Nein wird ja nur dann Jose! Budko Zu seinem 50. Geburtstag Im Kreis der Maler, die aus dem Osten stammen, nimmt Josef Budko eine beachtliche Stellung ein. Seit einigen Jahren ist der Künstler nach Palästina übergesiedelt, wo er seit kurzem die Werkschule für Kunst und Handwerk, die reorganisierte Bezalel- Schule, leitet. Iv ..sondere Karl Schwarz, der langjährige Leiter des Museums der Berliner Jüdischen Gemeinde, hat den jüdischen Charakter Budkos herauszuarbeiten verstanden. Seine Bilder atmen die Galuthatmosphäre, die von Jugend an dem Künstler seine Motive eingab. Er malte die Sabbatstunden und den W.~; "hnungstag, und er gab damit zugleich den Geist des Alltags und die. Al.nu. h.'.re der armen Alltagsznenschen im Osten. Seine vielen Gemälde lassen die enge Verbundenheit des Künstlers mit seinen Modellen deutlich werden. Die Unterschiede der Generationen malt der Meister oft in gegenüberstellender Form, indem er die resignierten und abgc'.vi : ■ Iten Alten mit den Jungen, die von ungestillter Hoffnung innerlich zerbissen und durchwühlt sind, kontrastiert. So malt er das Kollektivschicksal des jüdischen Volkes, weniger die Geschicke des Einzelnen. Auch er ist in Paris gewesen, hat die französischen Malerschulen mit ihren Anregungen genossen. Das Besondere an der Malergeneration, der auch Steinhardt, Chagall, Max Band oder Mane Katz angehören, ist die jüdische Note, die in der mondänen, von prickelndem Leben durchfluteten Hauptstadt geistig-künstlerischer Natur nicht verlorenging. Eine Würdigung Josef Budkos wäre unvollständig, wollte man nicht von den Verdiensten sprechen, die er um die Neugestaltung des schönen jüdischen Buches hat. Ihm sind die ersten modernen Illustrationen zur Haggada und zu Bialiks Gedichten zu verdanken:, äußerst feine kleine Blätter, die dekorative Wirkung mit illustrativen Leistungen glücklich vereinen. Die alte hebräische Initiale kommt wieder zur Geltung. Budkos Holzschnitte zu einer alten chassidischen Legende zeigen einen mystischen Klang, wie sie die Dichtung erfordert. Und daneben gibt ifcld es Holzschnitte zu einer modernen Ausgabe der Psalmen, die den a'.L" di.ji.hsn Geist, in seiner reinsten Forin wiedergeben. Die Exlibris-Kunst ßuikos wirkt zunächst etwas anspruchslos, aber die technische Seite dieses Gebietes, die Ausgestaltung der Zierleiste, der Initiale und anderen Buchschmuckes, wird gewiß aujh i.n neuen Jahrzehnt dem schaffensfrohen Künstler immer vertrauter erscheinen. Dr. Olga Bloch Die Festspiele in Maiveril / Von Dr. Lutz Weltmann I. Mit großer Spannung wurde das erste Auftreten Elisabeth Bergners als „Heilige Johanna" erwartet. Auf der einen Seite war die Rolle von der führenden Schauspielerin Englands, Sybil Thorndike, kreiert worden, auf der anderen Seite war der Ruhm, der Elisabeth Bergner gerade seit ihrer Verkörperung dieser Rolle umgibt, nicht auf den Kontinent beschränkt geblieben. Sie siegte wie das Bauernmädchen von Domremy — auch in der Sprache des Landes, dessen Bürgerin sie nun ist. Ehe sie auftrat, war ein großes Rätselraten, wie die Zartheit ihrer Gestalt und die Verhaltenheit ihres Temperaments das Agressive der Saint Joan meistern würde, und man war von vornherein überzeugt, daß die Leistung der Bergner jener der französischen Darstellerin der Heiligen Johanna, Ludmilla Pitoeff, näher kommen würde als jener der Thorndike, welche die englische Vorstellung der Jungfrau von Orleans geprägt hatte. Aber als die erste Szene zu Ende war, hatte man auch schon zu vergleichen aufgehört, so sehr war man von dem neuen Bild der Saint Joan, wie es die Bergner anlegte, gepackt. Die Note, mit lächelnder Beherztheit zu bezaubern, trug die nächste Szene vor dem Dauphin, während am Ufer der Loire der Darsteller des Dunois die Führung hatte. In der Kathedrale von Reims glich sie „einem Schmetterling, der in einem dunklen Gewölbe herumflattert". Aber eine leise Modulation der Stimme kündigte das Pathos an, das ihr innewohnt, und dieses innere Pathos leitete zur Gerichts-Szene über, in der ihr Triumph vollkommen wurde. Diese Szene wurde auch durch Rundfunk gesendet. Aus den scharfen Antworten des durch Gefangenschaft abgestumpften Mädchens leuchtete eine geistige Dramatik, und als die Szene ihren Höhepunkt, erreichte, strahlte diese Saint Joan die besondere Einsamkeit eines genialen Wesens aus. Eine jene Bergner-Gesten, die in unserer Erinnerung haften: das Zurückstreichen ihres Haares mit der zartgegliederten Hand, wird auch in England als typisch empfunden. II. Die letzten Stücke Shaws haben sämtlich in Malvern ihre Uraufführung erlebt. So auch sein neuestes: „Genf". Es setzt die Reihe seiner politischen Stücke fort, die seit dem „Kaiser von Amerika" den Anhängern des einstigen Fabiers einiges Kopfzerbrechen bereitet haben. War das eben erwähnte Stück ein „Parlamentarierspiegel" in eben dem Sinne, in dem es in früheren Jahrhunderten „Fürstenspiegei" gegeben hat, zeigte das Schauspiel „Festgefahren" die Vermehrung der sozialen Probleme, deren Lösung die dringlichste Aufgabe unseres Jahrhunderts geworden ist, so beschäftigt sich sein neues Bühnenwerk mit der Krise des Völkerbunds, die Shaw mit dem Aufkommen neuer Staats formen u^d deren Behandlung durch die Bewahrer der alten Ueberlieferung verknüpft sieht. Wie in seiner Jugend nimmt Shaw wieder die Stellung eines Outsiders der öffentlichen Meinung Englands ein. Und ist doch zugleich ihr Repräsentant und Sprachrohr. Shaw ist übrigens nicht der einzige Autor, der als Psychologe und aufgeschlossener Zeitgenosse an das moderne Thema herangeht. Die Form, in der das geschieht, ist die eines platonischen Dialogs, und die Annahme liegt nahe, daß das Zurückgreifen auf diese vor-dramatische Form ein Zeichen des Altersstils sei, hätte Shaw nicht seit je diese Art geistiger Auseinandersetzung bevorzugt und in seine Stücke eingebaut, wo immer er nur konnte. In der Komödie „Zu wahr, um schön zu sein" hatte er gleichsam das Bekenntnis abgegeben, daß er als Prediger nur gehört werden konnte, weil er die Maske eines Clowns angenommen, weil er seine Gedankenfracht oft in billige Lustspielhandlungen verstaut hatte. WTenn sich seine Alterswerke dem Charakter der Dialoge Piatons immer mehr nähern, so ist das ein Verzicht auf Kpnzessionen, die er früher machen zu müssen für notwendig gehalten hat. Shaw führt einen „Richter" ein, dem er seine eigenen Anschauungen über die Realpolitik der Staatsmänner in den Mund legt. Durch Anspiegelungen auf jüngste. Geschichte