Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 33 (18.8.1938)
- Date
- 1938-08-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite. 14 C.-V.-Zeitung Nr. 33 » 18. August 1938 Die Elektrifizierung des Landes Von unserem * Palästina-Berichterstatter j Tel-Aviv, 12. August . Die beiden . Elektrizitätsgesellschaften Palästinas haben kurz hintereinander ihre Abschlüsse für das letzte Geschäftsjahr vorgelegt. Beide zeigen eine bemerkenswerte Uebereinstimmung: bei beiden sind, trotz der schweren Zeiten, Produktion und Absatz weiter gestiegen, und bei beiden führte die Umsatzsteigerung zu einer Gewinnsteigerung, obwohl die Strompreise ständig herabgesetzt wurden. Diese Entwicklung gegen die Konjunktur liegt in der Natur der Sache begründete Wenn sich auch die Ausdehnung des Produktionsapparates im allgemeinen stark verlangsamt hat, so geht doch der innere Ausbau ständig weiter, und was von den Produktionsstätten gilt, das gilt auch von den Konsumstätten — den Wohnungen und Restaurants, den Läden und den Straßen der Städte mit ihrem großen Beleuchtungsbedarf. Licht und Kraft aber sind in Palästina weitgehend identisch mit Elektrizität, denn dieses junge Land hat das Zeitalter der Kohle nahezu völlig übersprungen. An Stelle der Eisenbahn und der Dampfmaschine kam der Kraft- Wagen und der Elektromotor. Die Geschichte der palästinensischen Elektrotechnik und Elektrowirtschaft ist kaum mehr als ein Dutzend Jahre alt. In die Stromversorgung des Landes teilen sich zwei Gesellschaften, die auf Grund monopolähnlicher staatlicher Konzessionen arbeiten: Die jüdische „Palestine Electric Corporation" (Ruthenberg-Gesellschaft), die 93 °/o des palästinensischen Strombedarfs deckt, und die englische „Jerusalem Electric and Public Service Corpora t i o n", deren Arbeitsbereich auf die Stadt Jerusalem, und ihre nähere Umgebung beschränkt ist. Beide Gesellschaften haben im letzten Rechnungsjahr ihre Anlagen erheblich vergrößert und im Zusammenhang damit auch ihr eingezahltes Aktienkapital erhöht, und zwar die Ruthenberg-Gesellschaft auf 2,8 Millionen £P, die Jerusalemer Gesellschaft auf rund eine halbe Million. Trotzdem verteilt die Palestine Electric auf das erhöhte Kapital eine unveränderte steuerfreie Dividende von 71/2 °/o für die Stammaktien und 41/2 °/o für die Vorzugsaktien, und die Jerusalemer Gesellschaft erhöht sogar ihre Ausschüttung von 6 auf 7 0/0. Insgesamt stieg der Stromverbrauch bei der Palestine Electric von 65,49 Millionen Kilowattstunden im Jahre 1936 auf 71,26 Mill. Kilowattstunden im Jahre 1937, bei der Jerusalem Electric — die ihr Geschäftsjahr aber nicht mit dem Kalenderjahr, sondern per 31. März abschließt — von 4,52 auf 5,73 Mill. kWh. Jerusalem, das die Konjunkturschwankungen nicht so stark mitzumachen pflegt wie die übrigen Gebiete des Landes, hat also in dem letzten Krisenjahr einen stärkeren Zuwachs aufzuweisen als das übrige Land. Weitere interessante Entwicklungsunterschiede ergeben sich aus einer Uebersicht über den Stromverbrauch im ersten Drittel des neuen Jahres, verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. * Stromverbrauch in Mill. kWh Jan./April Gesellschaft: Stromart 1938 1937 Palestine Electric deren Kategorien, insbesondere der Beleuchtung von Straßen sowie Wohn- und Geschäftsräumen, der Stromabsatz um beinahe 200 000 kWh gestiegen sein muß. In Wirklichkeit zeigen also auch die neuesten Ziffern der Elektrizitäts-Statistik, daß sich das Siedlungswerk immer weiter ausdehnt und die Elektrifizierung des vorhandenen Apparates immer weitere Fortschritte macht. Die neuen Kraftstationen der Palestine Electric in Haifa und im Norden Tel-Avivs haben . schon jetzt ihre volle wirtschaftliche Daseinsberechtigung erwiesen. Bewässerung 1,96 Industrie 5,88 Sonst. Kraftstrom 2,76 Sonstiger Strom 5,85 Insgesamt 3,13 5,47 2,25 _ 5s66 16,45 16,56 J er us alem Electric Kraftstrom 0,89 0,70 Sonstiger Strom 1,35 1,16 Insgesamt 2,24 1,86 Insgesamt war also der Absatz der Palestine Electric im ersten Jahresdrittel 1938 sogar etwas kleiner als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, eine scheinbare Unterbrechung der seit 12 Jahren ununterbrochen anhaltenden Zunahme. Ein Blick auf die Einzelziffern zeigt aber, daß es sich hier um eine reine Saisonerscheinunghandelt. Im Jahresdurchschnitt entfallen 35—40 °/o des Gesamtabsatzes der Gesellschaft, die auch die großen Pflanzungszonen des Landes versorgt und neuerdings auch den neuen Siedlungsbezirk von Beth Schean sowie die Städte Gaza und Safed in ihr Stromnetz einbezogen hat, auf den Strom für Bewässerungsanlagen. In der Regenzeit aber sinkt der Bedarf an Bewässerungsstrom auf einen Bruchteil seines sommerlichen Umfangs, und da diesmal der W7inter besonders lange gedauert hat, begann die Saisonzunahme des Stromverbrauchs erst im Mai. Der Absatz an Bewässerungsstrom sank; gegenüber dem Vorjahr um 1,3 Millionen, dagegen stieg der Strombedarf der Industrie um 400 000 kWh, der. sonstige Kraftstromabsatz — z. B. für Aufzüge, Kräne und gewisse Hausgeräte — sogar um 500 000 Kilowattstunden. Da der Gesamtabsatz sich nur um wenig mehr als 100 000 kWh vermindert hat, ergibt sich, daß auch in den an- Kommunalkredit - Arbeitsbeschaffung *TeI-Aviv, 15. August Die B i z u r - Limited, eine Gemeinschaftsgründung des Keren Hajessod und des von der Arbeiterorganisation errichteten Arbeitsbeschaffungsfonds, hat in den zwei Jahren ihres Bestehens rund eine viertel Million Darlehen bewilligt und damit die Durchführung von öffentlichen Bauarbeiten im Gesamtwert von 735 000 £P ermöglicht. Die Zahl der dadurch geschaffenen Tagewerke (Arbeitstage je Arbeiter) betrug fast genau eine Million. Aber nicht nur in dieser Entlasti'nsr de.'. Arbeitsmarktes beruht die Bc "eutung dieses jungen Unternehmens, das jetzt eine gute Bilanz für das am 30. Juni abgelaufene zweite Geschäftsjahr vorlegt. Die öffentlichen Investitionen, welche durch die Finanzhilfe der Bizur ermöglicht werden, füllen auch vom rein wirtschaftlichen Standpunkt eine Lücke der Finanzierungs- und Investitionstätigkeit aus. Durch ein neuartiges und wirksames — für die Kreditnehmer vielleicht nicht immer angenehmes — System von Sicherungen hat die Bizur die Möglichkeit einer Art Kommunalkredit nicht nur für größere Städte,-sondern auch für kleine Siedlungen geschaffen und damit erst eigentlich den Grund gelegt, für eine planmäßige Vornahme gewisser öffentlicher Arbeiten. Auf wirtschaftliche Produktivität der von ihr finanzierten Investitionen achtet die Bizur nicht nur aus allgemeinen Erwägungen, sondern speziell auch im Interesse .ihrer privaten Geldgeber. Ihre Geldmittel fließen aus zwei Quellen: Das Eigenkapital, also im wesentlichen das eingezahlte Aktienkapital, das sich im letzten Geschäftsjahr von 40 000 auf 71000 £P erhöhte, stammt aus den Aktien- Uebernahmen der erwähnten beiden Fonds, welche die Alleinaktionäre der Gesellschaft sind und bisher, im Interesse der inneren Stärkung des Unternehmens, auf Dividenden verzichtet haben. Außerdem aber wurden 6 %' Obligationen mit sechs- bis zehnjähriger Laufzeit emittiert, die durch ein unter Führung der Anglo-Palestine Bank ..stehendes Konsortium am privaten Kapitalmarkt untergebracht wurden und deren Netto-Umlauf sich — nach Abzug der planmäßigen Tilgungen — von 94 000 auf 167 000 £P erhöhte. An der Börse von Tel-Aviv haben sich die Kursedieser Obligationen, die fast ausschließlich auf dem inländischen Kapitalmarkt untergebracht wurden, bei lebhafter Nachfrage langsam, aber stetig nach oben entwickelt und die erste Serie hat jetzt sogar den Paristand erreicht. In Durchführung befindet sich die Emission von zwei neuen Serien. Wie wichtig diese kombinierte Aktion von öffentlichem und privatem Kapital gerade jetzt geworden ist, ergibt sich aus einer interessanten Angabe des Geschäftsberichtes. Die Bizur übernimmt grundsätzlich keine „Alleinfinanzierungen", sondern verlangt, daß auch für den nicht von ihr finanzierten Teil des Gesamtprojektes die Sicherung der erforderlichen Mittel zu angemessenen Bedingungen und von zuverlässigen Stellen nachgewiesen ist. Trotzdem ist der Anteil des Bizur- Kredites an der Gesamtfinanzierung der durchgeführten öffentlichen Arbeiten von 51 °/o im Vorjahr auf 60 0/0 in diesem Jahre, bei den Bauarbeiten von 14 auf 34 o/0 gestiegen, Insgesamt verdoppelte sich in der Bilanz der ausstehende Darlehensbetrag von 91000 auf 189 000 £P. In dieser Summe ist allerdings ein Betrag von knapp 18 000 £P enthalten, der zwar - schon verrechnet worden ist, aber erst im Zuge der Durchführung der entsprechenden Arbeiten zur Auszahlung gelangen wird. Hierfür und für weitere Aufgaben ist durch einen sehr hohen Bestand an flüssigen Mitteln, ■ der sich von 45 000 auf 73 000 £'.P erhöht hat, Vorsorge geschaffen worden. Die Kreditsicherheit war infolge der sorgfältigen Risikoverteilung, Auswahl und Deckung der einzelnen Darlehen sehr gut. Von den insgesamt 40 000 £P, welche die Gesellschaft auf Grund der Zahlungspläne des Geschäftsjahres 1937/38 an Zins- und Amortisationszahlungen von ihren Schuldnern zu bekommen hatte, war am Bilanzstichtag nur ein Betrag von 292 £P rückständig, und auch hiervon ist inzwischen ein Teil eingegangen. Da also Ausfälle nicht vorhanden waren und die Geschäftsunkosten niedrig gehalten wurden, verblieb ein erhöhter Reingewinn, aus dem nach vermehrten Abschreibungen auf Emissionsspesen (Disagio-Konto) u. a. ein Betrag von 1400 £P dem Reservefonds zugeführt wird. Eingezahltes Aktienkapital und Reserve bilden also zur Zeit eine rund 45 °/oige Deckung der im Umlauf befindlichen Obligationen, während nach dem Statut nur eine 25 °/oige erforderlich wäre. Das Geheimnis um den Balsam von Jericho Jerusalem war gefallen. Das ei-hoffte Wunder war ausgeblieben. Das Heiligtum lag in Asche, und die herrlichen Tempelgeräte wurden als Siegesbeute für den Triumphzug in Rom zusammengetragen. Wo einst blühende Gärten prangten, wo Palmen- und Olivenhaine dem heißen Lande Kühlung brachten, war nach römischem Belagerungsprinzip alles dem Erdboden gleichgemacht. Plötzlich loderte die Kriegsflamme einige Kilometer nordöstlich von Jerusalem um den bei Jericho wachsenden Balsam noch einmal auf. Da der Opferdienst aufgehört hatte, glaubte die Bevölkerung im Eifer für ihren Gott, die Gesetze des Baumfriedens (Deut. 20, 19) unbeachtet lassen und die Balsamstauden ausrotten zu dürfen. Sie taten es nicht aus Haß gegen ihre Todfeinde, wie diese behaupteten, sondern um einen Mißbrauch seiner edlen Harze zu profanen Zwecken zu vereiteln. Der Lenker aller Schlachten aber hatte in seiner weisen Vorausbestimmung auch in diesem Kampf den Römern den Sieg zugedacht. Die Balsamgärten von Jericho kamen unter römischen Schutz. * Die Herstellung von Raucher dämpfen aus Pflanzenharzen und das Zusanu^enruhren ihrer natürlichen oder künstlich hervorgerufenen Ausschwitzungen mit Oel zu Salben oder zu Arzneimitteln ist so alt wie die Kulturgeschichte der Völker; aber ebenso alt ist auch die damit verbundene Geheimnistuerei. Sie hat sich bis in unsere Zeit erhalten, wo man Parfüme und Salben im Destillierverfahren herstellt und ihre natürlichen oder chemischen Zusammensetzungen als Fabrikgeheimnisse hütet. Man weiß, daß in alter Zeit edle Gewürze ebenso begehrt waren wie Gold und Edelsteine. Da man .aber die Pflanzen selbst, aus denen die so kostbaren und gesuchten Produkte hervorgehen, nicht in sicheren Gewölben aufbewahren konnte, so hielt man den Ort dieser Pflanzungen geheim. Gärtner und Sklaven, die diese Felder bearbeiteten, kannten die Erzeugnisse aus diesen Pflanzen, die meist einen andern Namen hatten, nicht, ihr Wert und ihre Verwendung blieb ihnen unbekannt. Die meisten Räucherharze kamen aus dem Ausland; der Balsam jedoch wurde in seiner unverfälschten Reinheit nur auf dem heiligen Boden Erez-Israels gewonnen. Jene Karawane aus Gilead, an welche die Söhne Jakobs ihren Bruder Josef verkauften, führte auf ihren Kamelen neben Spezereien und Lotos auch Balsam mit sich. Dreihundert Jahre später wurde es in Verbindung mit anderen Harzen zum täglichen Räucherdienst verwendet und vor die Bundeslade gebracht, woselbst sich Gott dem Mosche offenbarte. In Verbindung mit Oel — nach Apothekerkunst gemischt — war es das heilige Salböl für die Priester, den Altar und alle Tempelgeräte. Auf den Leib eines Menschen durfte man es nicht gießen und nach seinem Mischungsverhältnis durften ähnliche Produkte weder zum Räuchern noch zum Salben hergestellt werden. Hochheilig waren beide. Wer sich gegen dieses Gebot verging, sei es auch um nur daran zu riechen, sollte mit der schwersten Strafe belegt sein (2. Mos. Kap. 30). Als die Kinder Israel vom heiligen Land Besitz ergreifen wollten, war der Jordan über seine Ufer getreten; die Priester standen mit der Bundeslade mitten im Flußbette, und das Volk zog trockenen Fußes nach Jericho. Auf Befehl Gottes trugen 12 Männer — je einer aus seinem Stamm — 12 Steine aus dem Flußbette hinüber und richteten damit in der Ebene von Jericho ein Denkmal auf. Und von diesem fünfzehnten Nissan an fiel, nach 40 Jahren zum ersten Male nicht, kein Manna mehr vom Himmel. Ein Heerführer Gottes erschien dem Josua und befahl ihm, wegen der Heiligkeit des Ortes seine Schuhe auszuziehen. Seit jenen Wundertagen wuchs bis zur Zerstörung, des zweiten Tempels bei Jericho, und nur dort, der göttliche Balsam, der mit keiner der Commiphora-Arten (wozu auch Bedellium, Myrrhe u. a. gehören) eine botanische Veredlung eingeht, der aber auch nirgends wildwachsend gefunden wurde. Gott gab dem Josua die Heiligkeit des Ortes zu erkennen und legte ihm Schweigen über die neue Geburtsstätte der auserwählten Pflanze auf. Und alle nachkommenden Geschlechter hüteten das Geheimnis. Dieser Verschwiegenheit war es zu danken, daß die Bäumchen über. 1500 Jahre im heiligen Lande ungestört waehsen könnten. Der Prophet Jesaias (um 750 v.) verspricht wohl seinem Volke Gold und W'eihrauch (Kap. 60, 6), aber keinen Balsam. Auch die christliche Kirche läßt ihrem Stifter das Kostbarste, ,was jene Zeit erdenken konnte, an Sehätzen bringen: Gold, Weihrauch und Myrrhen, aber vom Balsam finden wir auch hier nichts erwähnt. Wir wissen, daß nach König Salomos Tod der ägyptische König Scheschenk den Tempel und Palast brandschatzte und alles Gold, das er in Jerusalem fand, mitnahm. Wahrlich, kein Balsam, der ja noch begehrter war, wäre im heiligen Lande verblieben, wenn die Aegypter seine Stauden entdeckt hätten. Ebenso hätte der syrische König Antiochos Epiphanes als Liebhaber edler Salben die judäischen Balsamgärten beschlagnahmen lassen, wenn er ihren Ort gekannt hätte. Kaiser Nero ließ beim Begräbnis seiner Gattin Poppaea Sabina im Jahre 65 n. ungeheure Mengen von Weihrauch verbrennen; er kannte den Balsam aus Judäa noch nicht, der kaum 10 Jahre später das Luxusparfüm der vornehmen Römer wurde, und der unter Kaiser Hadrian (117—138) schon Gemeingut des römischen Volkes war. Es ist nicht alles Gold was glänzt, nicht alles Balsam, was man Balsam nennt! So ist der Kanadabalsam nur eine Tanne, aus der Terpentin gewonnen-wird, und der etwa sechs Meter hohe Mekkabalsam, dessen erste Qualität schon von trüber Farbe ist, hält keinen Vergleich mit palästinensischem aus. Nach dem Falle Jerusalems waren die Wissenschaftler einstimmig der Meinung, daß echter Balsam einzig und allein nur aus Judäa komme; sie rühmten seine hervorragende Heilkraft und erwähnten seinen herrlichen Duft, von dem nur wenig genüge, um einen großen Raum damit zu füllen. Am treffendsten unterrichtet uns über die Balsambäumehen der römische Schriftsteller Plinius: „Allen anderen Wohlgerüchen wird balsamum vorgezogen, welches nur Judäa erzeugt. Dort fand es sich nur in zwei königlichen Gärten. Die zwei Vespasiane (Kaiser Vespasian und sein Sohn Titus) haben nach Vernichtung des jüdischen Volkes als Nation diese Bäumchen auch der Stadt Rom gezeigt ... Jetzt wird der Baum auf Staatskosten angepflanzt und ist zahlreicher und h oh er als je. Das frisch ausfließende opobalsamum (Saftbalsam) ist ungemein lieblich. Jeder Strauch wird jetzt im Sommer dreimal geritzt, und die farblosen, dicköligen, später rötlich und hart werdenden Tropfen werden in Hörnern gesammelt. Auch die. Teile des abgeschnittenen Strauches, die man als Holzbalsam zu Salben kocht, kommen in den Handel." Die Balsamstauden von Jericho brachten dem römischen Staate in weniger als fünf Jahren achtzig Millionen Sesterzien ein, das sind nach unserem Gelde ungefähr zwölf Millionen Goldmark. Es floß also aus den kleinen Stämmen dieser Bäume — wie in einem Märchen — edles Gold. Ein Gefäß reinen Saftes vom Kaiserlichen Schatzamte im Werte von ungefähr 15 Mark wurde schließlich trotz starker Verfälschung für den dreifachen Preis verkauft.. Man zählte damals das Einsalben des Körpers zu den Annehmlichkeiten des Lebens, an denen auch das Volk teilhaben wollte, und die Sucht nach Parfümen und Salben, insbesondere nach dem unerschwinglich teueren Balsam aus Judäa, führte zu Lastern, denen das Volk wie einer unheilbaren Krankheit erliegen mußte. Das immer öfter wiederholte Aufritzen der Stämmchen war für die schwächlichen Balsambäumchen zu schädlich, ihr Ertrag wurde immer geringer und schließlich gab es überhaupt keinen echten Balsam mehr. Im Mittelalter wurde daher für kirchliche Zwecke der Mekkabalsam eingeführt, bis Arabien den Mohammedanern zufiel und auch dieser Balsam infolge der gespannten Lage immer seltener wurde. Nach Entdeckung der Neuen Welt hat dann der Heilige Stuhl in Rom den in Südamerika wachsenden bis 20 Meter hohen Perubalsambaum als zu heiligen Zwecken zulässig erklärt. Was wären wir Juden ohne Messiastraum? Und was wäre dieser Traum ohne Heiligtum und dieses ohne den göttlichen Balsam? Keineswegs ist er von der Welt verschwunden; er wird genau wie vor zweitausend Jahren von frommen Männern gehütet und geheim gehalten: Der Professor für Botanik Alpino, der 1617 in Padua starb, entdeckte den echten Balsambaum wenige Kilometer von Kairo wieder und berichtete hierüber. Auch in den letzten Jahrhunderten wurde das Bäumchen wiederholt von Europäern gesehen, klein und anspruchslos, ganz so wie es einst im heiligen Lande wuchs, und seiner neuen Verwendung gewärtig ... Max Loewcnthal