Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 33 (18.8.1938)
- Date
- 1938-08-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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slr. 33 3. Beiblatt Palästina-Umschau der .C.-V.-Zettnng Seite 13 18. August 1938 Chronik der Opfer Naher 0rient Neue Bilder von Erich Wolfsfeld Obgleich für die vergangene Woche ein Nachlassen der groß angelegten Angriffe auf jüdische Siedlungen mit aller Vorsicht festgestellt werden kann, so ist doch im Einzelterror kaum ein Rückgang zu verzeichnen. Zwischen T e 1 - A v i v und Jaffa wurde am 9. August der Ladenbesitzer Mosche Aschkenasi, als er vor seinem Geschäft stand, angeschossen und schwer verwundet. Später wurde im gleichen Grenzbezirk ein Araber durch Schüsse schwer verletzt. Eine orientalische Jüdin, Hassia Hassoun, die in dem an Jaffa grenzenden Manschieh-Viertel in Tel-Aviv ubernachtet hatte, wurde' erdrosselt aufgefunden. Die Polizei nimmt an, daß es sich um eine Familientragödie handelt. Auf Giwat Chajim, im Emek Chefer, wurde ein Ueberfall verübt. Nach halbstündigem Kampf gelang es den Verteidigern, die Araberbanden völlig zu zerstreuen, ohne daß außer dem Tod eines Hundes ein Verlust auf jüdischer Seite zu beklagen war. In der Nähe von R a - mat Hakowesch im Scharon-Tal fand ein Gefecht zwischen jüdischen Hilfspolizisten und Militär auf der einen Seite und einer Terroristenbande auf der anderen Seite statt. Die Araber wurden vertrieben, nachdem sie Verluste erlitten hatten. Vier Terroristen wurden gefangen genommen. Den jüdischen Hilfspolizisten wurde für ihr entschlossenes und tapferes Vorgehen seitens der britischen Offiziere Anerkennung ausgesprochen. Bei Dschenin fuhr ein Militärlastwagen auf eine Landmine auf, wobei zwei britische Soldaten verletzt wurden. Ein arabischer Ingenieur und vier arabische Arbeiter wurden bei der Besichtigung der Brücken und Militärwege, die in dem sogenannten Terror - Dreieck Ein weiteres Todesurteil vollstreckt Am 16. August wurde in Akko der jüdische Hilfspolizist Mordechai Schwarz hingerichtet — in kurzer Zeit der zweite Jude, an dem das Todesurteil vollstreckt worden ist. Mordechai Schwarz wurde im Herbst 1937 in einem Lager bei Athlith neben einem toten arabischen Hilfspolizisten aufgefunden. Er wurde darauf des Mordes an dem Araber beschuldigt, obwohl er seine Unschuld beteuerte und den Tod seines Berufskameraden durch eine von außen in das Zelt gedrungene Kugel glaubhaft zu erklären versuchte. Das Urteil, das Schwarz trotzdem für schuldig erklärte, wurde zunächst nicht bestätigt, und es wurde beim Höchsten Gericht in London Berufung eingelegt. Die Berufung ist verworfen, das Urteil bestätigt und vollstreckt worden. Schwarz war ein Mitglied des gesetzestreuen Arbeiterbundes, des Hapoel Hamisrachi. Er stammte aus der Tschechoslowakei, . wo er vor seiner Alija die Jeschiwa in Surany besuchte. Unter den zahlreichen Gesuchen, die beim britischen Kolonienminister und beim High Commissioner um sein Leben baten, waren auch zwei von seinen früheren Jeschiwa-Mitschülern und von seinem Jeschiwa- Lehrer unterzeichnet. Sein Fall, der mit dem Fall Schlomo Ben Joseph in tragische Verknüpfung getreten ist, muß trotzdem scharf von diesem abgehoben werden. Schon, daß es sich bei dem jungen Schwarz um einen Hilfspolizisten handelte, also um einen Menschen, dem die Regierung selbst das Recht des Waffengebrauchs zugebilligt hatte, läßt den Grad seiner VerantwTortungsfähigkeit erkennen. Aber noch ein anderer kleiner Zug, der aus seinen letzten Lebenstagen berichtet wird, zeigt schlaglichtartig den Unterschied, der zwischen den Schicksalsgenossen besteht: ein Vertreter des Arbeiterblattes „Dawar" suchte Schwarz im Gefängnis zu Akko auf. Schwarz erklärte, daß er das Opfer eines Justizirrtums sei. Er sei ein Gegner jeden Terrors gewesen. Er bitte aber darum, daß er nach seinem Tode nicht als Held gefeiert werde. Jeschaju Prut, ein 37jähriger Fuhr- Dschenin — Nablus —Tulkerem von Terroristen beschädigt worden waren, von einer Araberbande entführt. Im Regierungskrankenhaus starb der 35jährige Jakob R a s s, der am 26. Juli am Damaskustor in Jerusalem durch Steinwürfe schwer verletzt worden war. Er war festgehalten worden, weil man ihn mit dem Bombenwurf in der Altstadt von Jerusalem in Zusammenhang brachte. Am 10. August wurde Herzl Novik bei der Explosion eines Lastwagens im Emek Chefer getötet. Die übrigen Arbeiter, die in dem Wagen saßen, blieben sämtlich unverletzt. mann, wurde an der Grenze von T e I - Aviv angeschossen und schwer verwundet. In der Jerusalemer Altstadt wurde ein jüdischer Autobuschauffeur durch Schüsse verletzt. Eine Gruppe von Delegierten des Keren Hajessod, die zur Vorbereitung größerer Aufbringungs-Aktionen in einigen europäischen Ländern eine Rundreise durch die Keren Hajessod-Siedlungen Palästinas machte, gelangte u. a. auch nach Chanita. Wenige Minuten nach ihrer Ankunft stieß ein hinter ihnen fahrendes Lastauto auf eine Landmine, die mit lauter Detonation explodierte. Der Chauffeur erlitt leichte Verletzungen. Im Zusammenhang mit diesem Anschlag wurden vier Araber verhaftet. Ein Gewaltakt, der aus dem Rahmen des üblichen so herausfiel, daß er das ganze Land in Aufregung versetzte, trug sich in der Filiale der Barclays-Bänk in Nablus zu. Dort unternahmen arabische Terroristen einen Raubüberfall, dessen Methoden stark an die amerikanischer Gangsters erinnerten. Zwölf bewaffnete Araber erschienen um die Mittagsstunde vor dem Bankgebäude und postierten Abteilungen von je fünf Mann an beiden Enden der Straße, um so den Verkehr aufzuhalten. Zur gleichen Zeit fuhr am Hinterausgang der Bank ein Auto vor, dem zwei weitere Terroristen entstiegen. Diese drangen in die Bank ein und verlangten mit vorgehaltenen Revolvern die Auslieferung der Kasse. Der Kassierer konnte der Forderung nicht ausweichen und übergab ihnen 6000 Pfund. Darauf bestiegen die Banditen sofort das Auto und fuhren in unbekannter Richtung davon. Der gesamten arabischen Bevölkerung von Nablus bemächtigte sich nach dieser Tat eine Panik. Die Ladenbesitzer schlössen ihre Läden und flohen in ihre Wohnungen. Truppen schlössen sofort die Stadt ein und begannen mit der Suche nach den Banditen. Sie entdeckten geheime Waffenlager und verhafteten vier Araber. Zur Zeit dieses Ueberfalls war der englische Filialdirektor der Barclays-Bank- Filiale in Nablus in Urlaub und die gesamte Belegschaft war arabisch. Die Tat soll auf eine arabische Führerkonferenz zurückzuführen sein, auf der vor kurzem u. a. der Mangel an Geld unter den Terroristen zur Sprache kam, und die beschlossen haben soll, sofort 25 000 Pfund „aufzubringen". Die weiteren Nachforschungen nach der Räuberbande führten am 11. August zu einem Gefecht beträchtlichen Ausmaßes, an dem 3000 Mann britisches Militär teilnahmen. Es fand wiederum in dem berüchtigten Terrordreieck statt und dauerte einen Tag und eine Nacht. Mehrere Araber wurden verwundet, darunter der Sohn des berühmten arabischen Dichters B u s t b a n i. Außer dieser größeren Kampfhandlung fanden folgende einzelne Terrorakte statt. Auf dem Markt in Jaffa wurde der 19jährige Josef Israeli angeschossen und schwer verwundet. Er starb drei Tage später an den Folgen seiner Verwundung. In Jerusalem wurde in der Nähe des Hotels Fast der Gemüsehändler Isaac M i s r a c h i erschossen. In Haifa ' wurde Mosche Rosenfeld durch Schüsse schwer verletzt. Der Vorarbeiter der Regierungsabteilüng für öffentliche Arbeiten Jeroschua D u b n o wurde, als er mit einer kleinen Gruppe von Arbeitern bei Straßenarbeiten an der Scharon- Chaussee beschäftigt war, von bewaffneten Arabern entführt. Jüdische Hilfspolizisten nahmen die Verfolgung auf. Er soll inzwischen wie'der gesund zurückgeliefert sein. Am 12. August wurde ein Angriff auf eine Gruppe jüdischer Hilfspolizisten und Wächter in einem Feld bei Chedera verübt. Dabei wurde der 24jährige David E1 ij ahu aus Tel-Aviv so schwer verletzt, daß er wenige Tage darauf, starb. In der Nähe von Ramat Hakowesch drangen Truppen in einen arabischen Orangenhain ein, nachdem Schüsse gehört worden waren. Sieverhafteten einen Wächter. Der Eisenbahnsignalposten Bittir bei Jerusalem, sowie der Bahnhof von J i b n e südlich von Rechowot wurden nachts von Terroristen in Brand gesteckt. In Tiberias stationierte Truppen stellten in der Nähe von M i g - dal eine kleine arabische Bande und töteten vier Araber. Am 13. August wurden in der Nähe von Jarkona der 33jährige Benjamin Babajoff, seine 30jälmge Frau Zivia Links: Marokkanische Mutter. Rechts: Fragment aus dem Bild: Joseph wird nach Aegypten verkauft Tot. Karplat (2) III ITIIllIlfllf IIIllIIItlllltltllLIllIllIllIIIIlIIIlIillltlltllllttltlllllllllllllllllllllSillllllllllllllllllllMtlllll II IIIIIII1M1I.....üllll......llll!lllUIIIII!llll!llllllllllllll!!ll!llllllillll!lllllll!lllllll!lill!ll!IlllSIIIII!lllilHIU und ihre 7jährige Tochter von Arabern überfallen. Benjamin Babajoff und seine Frau wurden sofort getötet, ihre Tochter schwer verwundet. Vier Araber wurden von der Polizei festgenommen. In das Schapiro-Viertel in Jaffa wurden aus der benachbarten arabischen Plantage Schüsse abgegeben, die durch die Holzwände der seph ardischen Synagoge drangen und zwei Andächtige verwundeten. Auch in das Regierungskrankenhaus in Jaffa wurde geschossen und ein arabischer Patient dabei schwer verwundet. Nachdem in Jaffa ein Araber von einem anderen Araber überfallen worden war, verfolgte die arabische Menge den Angreifer und versuchte, ihn zu lynchen. Polizei nahm ihn in Schutzhaft. Josef TI u r w i t z wurde in H a i i a von Arabern überfallen und leicht verwundet. Auf der Rückkehr von Bethlehem nach Jerusalem wurde ein britischer Offizier erschossen. Am 14. August wurden die zwei jüdischen Arbeiter Joschua Friedmann und Meir Misrachi von einem arabischen Hilfspolizisten angeschossen. Friedmann wurde schwer verwundet und starb am Tage darauf. Der Araber gab nach seiner Verhaftung an, daß seine Waffe sich versehentlich entladen habe. In Nablus wurde der arabische Polizist Ibrahim T a m i n i durch Schüsse schwer verwundet und starb kurz darauf. Ein arabischer Cafehausbesitzer wurde im Zusammenhang mit der Tat verhaftet. n y^x». Minus Co. Ä Berlin-Schönebarg, Martin-Luther-Str. 26 / Telefon 77 20 20 Äysfand-üebersee Eine Militärpatrouille hielt am Jaffator in Jerusalem ein Auto an, das sie lange Zeit verfolgt hatte. Sie beschlagnahmte ein beträchtliches Quantum Munition und 16 Mauserpistolen. Die zwei Araber, die das Auto gefahren hatten, wurden verhaftet. Zwischen K a 1 k u n und Tulkerem fuhr ein Eisenbahnzug auf eine Landmine auf. Die Maschine und sieben Wagen wurden beschädigt. Am 15. August fuhr ein Lastwagen in der Nähe von Tel Litwinski auf eine Landmine auf, wobei Josef Beck ermann schwer und zwei weitere Juden leicht verletzt wurden. Bei einem Ueberfall auf einen jüdischen Autobus zwischen Tel-Aviv und Rischon le Zion wurde Pessach Friedmann schwer verwundet. Ganz besonders schwere Opfer forderte ein arabischer Ueberfall auf einen jüdischen Autobus auf dem Karmel am 16. August. Sechs Juden wurden hierbei sofort getötet und zwei jüdische Frauen verwundet. . Britisches Militär, das am Tatort die Araber zum Gefecht stellte, tötete sieben Araber. Ein britischer Soldat wurde verwundet. Die Namen der Todesopfer liegen bei Redaktionsschluß noch nicht vor. In den Hügeln von Nazareth wurde die jüdische Siedlung Schimrun von allen Seiten angegriffen. Es gelang den Hilfspolizisten nach längerem Kampfe, die Terroristen zu zerstreuen. In den Bergen bei Dschenin entwickelte sich wiederum ein Kampf zwischen Militär und Arabern, bei dem sieben Araber getötet und zwei gefangen genommen wurden. Nachrichten vom Tage Die Teilungskommission, die nach London zurückgekehrt ist, hat am 15. August im Kolonialamt ihre erste Sitzung abgehalten, in der der Vorsitzende der Palestine Potash Company, Earl of Lytton, vernommen wurde. Seine Vernehmung wird in unterrichteten Kreisen dahin gedeutet, daß vorwiegend wirtschaftliche Fragen besprochen wurden. Man nimmt an, daß der Bericht der Kommission Ende September oder Anfang Oktober vorgelegt werden wird. Nach seiner Veröffentlichung wird die britische Regierung voraussichtlich eine Erklärung über ihre weitere Politik abgeben. Wie aus Paris berichtet wird, hat der französische Minister für Auswärtige Angelegenheiten George Bonnet die gegenwärtige Situation in Palästina mit dem französischen Hochkommissar für Syrien de Martel besprochen. Der Hochkommissar erklärte, daß er alle Maßnahmen getroffen habe, um Syrien davor zu bewahren, daß es in den palästinensischen Konflikt einbezogen wird. Es sind auch entsprechende Schritte getan worden, um den Waffenschmuggel nach Palästina zu unterbinden. Nachdem die englischen Pressestimmen der letzten Tage, unter ihnen ein bedeutsamer Leitartikel der „Times", das Festhalten der englischen Regierung am Teilungsplan im allgemeinen unterstrichen, glaubt „Evening Standard" die aufsehenerregende Mitteilung machen zu können, daß die Teilung als solche zwar beibehalten werden würde, daß aber nur noch die Teilung in einen schmalen jüdischen Küstenstreifen und in ein britisches Mandatsgebiet, das alle weiteren Teile des Landes umfassen solle, erwogen werde. Da diese Nachricht jeder Bestätigung entbehrt, besteht im Augenblick noch kein Anlaß, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Zahlen der Jugend-AIija Im Rahmen der gültigen Einwanderungs- Schedule hat die englische Mandats-Regierung der Jügend-Alija besondere Möglichkeiten eingeräumt, indem sie ihr Zertifikate ohne numerische Beschränkung zugesagt hat. Diese bevorzugte Regelung macht es der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend- Alija möglich, bis zum Ablauf dieser Schedule, also bis 1. Oktober 1933, insgesamt 800 Jugendliche zur Einwanderung nach Palästina zu bringen. Bis jetzt sind 167 Jugendliche bereits zur Alija gekommen, und zwar folgende Gruppen: Ort Zahl Ort Zahl Gewa 20 Kfar Jecheskiel 50 Ahawah-Heim 25 Ain Charod 60 Iwdi-Heim 12 Im Laufe dieses Monats und des Septembers werden noch etwa 500 weiter folgen, und zwar folgende Gruppen: Ort Zahl Ort Zah Merchawiah 25 Ben Schemen 15 Kirjath Anawim 30 Mikweh Israel 50 Tel Jossef 40 Nahalal 50 Giwath Brenner 60 Giwath Chajim 40 Kwuzath Schiller 20 Ain Schemer 30 Beth Sera 25 Gan Schmuel 30 Gwath 30 Kfar noar dati 58 Außerdem stehen noch die Bestätigungen für etwa 145 Zertifikate in folgenden Siedlungen in Aussicht: Sarid, Naan, Ramat David, Rodges und Sde Jaakow.