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Central-Verein-Zeitung · 1938-08-11 · 32 (11.8.1938) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
32 (11.8.1938)
Date
1938-08-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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lentral- Preis 10 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUNS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitung, Anzeigenannahme, Vertriebsabreilung): Berlin W 15, Emser Str. 42. Fernspr.t 928141—45. Telegr.-Adr.: Centralglauben, Berlin. Postscheckkonten t Berlin 70344, Prag 77218, Zürich VIII 26"4"i Bankkonto: Mosler, Süßkind © Co., Berlin Wa Die C.-V.-Zeitung erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluß: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich 81 RpL (einschl. 22,74 Rpf. Postzeitungsgebühr) zuzüglich 18 Rpf. Bestellgeld. Für Ausland vierteljährlich Z30 RM (umgerechnet in die Landeswährung) einschließlich Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Rpf (Ausland 20 Rpf.) Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebubren: Preisliste 6 gültig. Die 12gesp. mm-Zeile 20 Rpt für Stellengesuche 10 Rpf-, für Familienanzeigen 16 Rpf-, weitere ermäßigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung.' — Anzeigenschlußt Dienstag. Platz- und Datenvorschrihen ohne Verbindlichkeit Schiffe, die sich begegnen A. H. Mr. Rublee, Direktor des „Ständigen Büros" des „Zwischenstaatlichen Committees" ist nach London unterwegs um seine Arbeit zu beginnen. Er kreuzt den Ozean gen Osten. Die Transatlantikroute ist viel befahren. Immer wieder sieht man Rauchfahnen und die fernen Umrisse von Dampfern. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, daß Mr. Rublee beim Anblick der gen Westen steuernden Schiffe sich vergegenwärtigt, wie in jedem Fahrzeuge eine Anzahl Juden neuen Gestaden zustreben und wie sie vom heißen Wunsch erfüllt sind, der Landungshafen möge sich gastlich auf tun und ihrem Kampf um den neuen Aufbau des Lebens faire Möglichkeiten geben. Und wenn man annehmen darf, daß dieser Mann der großen Fähigkeit, der in Zahlen und Ländern zu denken vermag, über jenes Quantum Phantasie verfügt, ohne die schöpferischer Aufbau nirgendwo denkbar ist, dann werden vor »einem geistigen Auge in endlosen Reihen die Schiffe auftauchen, die für die Fahrt der Hunderttausende von Juden notwendig sind; in.ihren Stahlwänden transportieren sie ein . Gemeinschaftsschicksal von geschichtlichem Ausmaß. Und hier durchdringt die Flamme wachen Bewußtseins die Phantasiewelt. Genügt es, Probleme zu transportieren, damit sie irgendwann und irgendwo von neuem wieder aufbrechen? Reicht es aus, Probleme im eigentlichen Sinne der Redewendung zu „verlagern" und darauf zu vertrauen, daß. auch in künftigen Zeiten neue Komitees und ein neuer Rublee da sein würden, um sich der betroffenen Menschen anzunehmen? Die langen Fahrttage können Muße zu langer Ueberlegung geben. Der geschäftsführende Direktor des „Ständigen Büros" weiß, gegebene Größen in kluge und nützliche Beziehungen miteinander zu bringen. Während des Krieges verteilte er Menschen auf Schiffe, und teilte Schiffe Menschen zu, wie sie im Kriege gebraucht wurden. Ueber ein Jahrzehnt danach wirkte er mit, als es sich darum handelte, den einzelnen Nationen ihre Kriegsschiffe zuzuteilen, nach Maßgabe eines Schlüssels, der den Weg zum hemmungslosen Wettrüsten verschließen sollte. Zur Bewältigung schon jener Aufgaben war zweifelsohne auch ein hohes Maß von Fähigkeit erforderlich, Imponderabilien in Planungen einzubeziehen. Denn bei beiden großen Aufgaben war das Prestige mindestens so wichtig wie die Mathematik. Bei der neuen Aufgabe, die dem fast Siebzigjährigen gestellt wird, ist die Beachtung der Imponderabilien Ministerflug nach Jerusalem Das. britische Kolonialamt hat am 7. August das folgende Communique veröffentlicht: „Der Kolonialminister Malcolm MacDonald wünschte seit einiger Zeit eine Begegnung mit dem High Commissioner für Palästina herbeizuführen, um mit ihm die gegenwärtige Situation in Palästina zu erörtern. Es ist für Sir Harold Mac- Michael unmöglich, nach London zu kommen; MacDonald hat deswegen die Vertagung des Parlaments benutzt, um ihn in Jerusalem zu besuchen. Er kam gestern, am 6. August, morgens 8 Uhr, auf dem Flugplatz Kalundia an und hatte den Tag über Besprechungen mit dem High Commissioner und dem Kommandeur der britischen Truppen in Palästina, General Haining. Andere Teilnehmer an den Besprechungen waren der Generalinspektor der Polizei, Major Saunders, und einige hohe britische Beamte. Die gegenwärtige Situation wurde in vollem Umfange geprüft. MacDonald verbrachte die Nacht im Hause der Regierung und verließ Palästina am heutigen Nachmittag." Der Minister selbst veröffentlichte in Jerusalem die folgende Erklärung: . „Der High Commissioner und ich stehen in sständiger telegraphischer und brieflicher Fühlung. Aber es ist von unschätzbarem Wert für mich gewesen, diese Möglichkeit einer Konferenz zum Zwecke eines vollkommenen Austausches von Informationen mit ihm und General Haining sowie des Ueberblickes über die gegenwärtige Situation in Palästina gehabt zu haben. Wir sind in Gemeinschaft mit vielen anderen bestrebt, unser Teil dazu beizutragen, daß der Frieden in Palästina auf der Grundlage der Gerechtigkeit gegenüber den beiden Völkern, deren Hei- In dieser Nummer finden unsere Leser u. a.: Die Aufsätze: Friedrich S. Brodnitz: Wir kleinen Leute — Herbert Rosenfeld: Als Arbeiter auf einer Fazenda — Dr. Kruszynski: David Hermann, ein Portrait — Hugo Lachmannski : „Arm wie eine Kirchenmaus" — Lutz Weltmann: Geschichten um Lorenzo da Ponte — Südamerikanische Wirtschaftsprobleme Die Beilagen: Die Wanderung—Palästina-Umschau - Sportblatt — Wirtschaft der Woche — Schachecke mat es ist, wiederhergestellt wird. Das wird auch in der kommenden Zeit unsere ständige Bemühung sein." * Die Nachricht von dem Wochenendflug des britischen Kolonialministers hat in England und Palästina nicht weniger überrascht wie in der übrigen Welt. Wenn es auch im Augenblick noch nicht möglich ist, irgendwelche ernsthaften Kombinationen über das politische Ergebnis dieser ungewöhnlichen Reise zu äußern, so hat doch die Tatsache selbst inmitten des dumpfen Abwartens schwerfällig abrollender Ereignisse schon etwas Befreiendes. In den allzu vielen Monaten, die seit der prinzipiellen Festlegung der britischen Regierung auf den Teilungsplan vergangen sind, ist es fast wichtiger geworden, daß etwas geschieht, als w a s geschieht. Es kann kein Zweifel darüber herrschen — und die „Times" hat erst in letzter Zeit in einem Leitartikel auf die schuldhafte Rolle der Verzögerungspolitik hingewiesen — daß ein wesentlicher Anteil an der . Verschärfung der Terrorlage im Lande auf das Konto der politischen Ungewißheit und Verschleppung gesetzt werden muß. In der sich von Woche zu WToche zuspitzenden Lage war es in letzter Zeit ein Trost der Verzweiflung geworden, daß soviel Verwirrung und soviel Blutvergießen schließlich doch ein energisches Eingreifen Englands zur Folge haben müsse. Und nun scheint sich dieser Gedanke, der nicht dem Wunsch nach der Katastrophe; sondern der Furcht vor ihr entsprungen war, erfüllen zu sollen. Als vor wenigen Monaten Malcolm Mac¬ Donald zum Kolonienminister ernannt wurde, da erhoffte man einen Elan von der Jugend des neuen Mannes. Nun hat die wirklich jugendliche Geste dieser Reise der fast ausweglos scheinenden Situation eine überraschende Wendung gegeben. Mac¬ Donald hat während seines kurzen Wochenendbesuches Jerusalem, Bethlehem und die Salomonischen Teiche besichtigt. Er ging unerkannt durch die Jerusalemer Altstadt und überflog vor seiner Abreise Samaria und Galiläa. An der Klagemauer?fo 66?4. Us 1. OUto&e*! % Bestellzettel auf Seite 11 kam er gerade zur Zeit, um die Klagegebete des Tischa beaw beobachten zu können. Zu politischen Informationen traf er weder mit Juden noch mit Arabern zusammen. Wie nicht anders zu erwarten ist, hat die geheimnisvoll und plötzlich unternommene Reise zu allen möglichen Erörterungen Anlaß gegeben. Unter den englischen Pressekommentaren überwiegen diejenigen, die an eine grundlegende Aenderung der Palästinapolitik nicht glauben möchten. Die jüdische Bevölkerung Palästinas hofft in erster Linie auf ein Durchgreifen hinsichtlich der Sicherheitsfragen. Aber ganz abseits von Vermutungen und Spekulationen ist eines bereits Tatsache geworden: die Veränderung des Tempos. Sie allein ist eine günstige Vorbedeutung. E. R.-J. noch wichtiger als die der Mathematik. Was steht vor ihm? 5- bis 600 000 Juden sollen über die Welt verteilt werden. Die Welt ist weit und groß, wenn man sie in Tabellen vor sich sieht; sie ist eng und verschlossen,Wenn man auf der Suche nach Lebensmöglichkeiten ist. 500 000 Menschen sind wenig. Es gibt Hunderte von großen Städten, die mehr als eine halbe Million Eimvohner zählen. Aber 500 000 Juden aus generationenlanger Bindung losgelöst zu neuer Bindung zu führen ist schwer. Ein Verteilungsschlüssel allein wird die Länder nicht öffnen. Mr. Rublee hat Materialien in Händen, die ihm gestatten, Bilanz über ein Jahrhundert jüdischen Daseins in einem bestimmten Teil der Welt zu machent in dem es jetzt enden soll. Aber er wird bald finden, daß diese Bilanz nur dann aktiv wird, wenn auch die Imponderabilien mit in die Berechnung einbezogen werden. Jene großen geistigen, kulturellen und menschliehen Kräfte, die der jüdischen Gemeinschaft innerhalb dieser- Grenzen innewohnen. Jene leuchtende Kette von Namen unseres Menschenkreises, die die Welt kannte, ohne zu wissen, daß sie Juden sind, und von denen die Welt jetzt wissen soll, daß sie Juden waren, um zu vertrauen, daß ihnen aus der Einwanderung unserer Menschen Gewinn und Erfolg für das eigene Land entspringen werden. Es ist nicht so wie zu Beginn des Zeitalters, das jetzt für uns endet, daß Menschen des Ghetto in eine ihnen neu geöffnete Welt hineinwollen. Die Juden, die jetzt hinausgehen, wissen, was sie besessen und was sie verloren haben, und werden darüber wachen, daß sich ihr Schicksal nicht wiederhole. Wir Juden hier haben uns zusammengefunden in dem nüchternen Willen, unseres Schicksals Herr zu werden. Wir haben keine Illusionen, und "wir haben keine Albträume. Wir haben den zähen Lebenswillen einer Gemeinschaft, die durch ihre Volkserinnerung erzogen wird. Wir bieten arbeitswillige Hände, denkgeübte Köpfe. Man vergesse nicht: vier bis fünf Generationen haben daran gearbeitet, um jenen kulturellen Status zu erreichen, den wir besessen haben. Die neuen Länder können aus uns produzieren, ohne viel zu investieren; denn alles ruht noch in uns und wartet, daß man es nütze. Das Londoner Büro Ohne den äußeren Aufwand an Technik und Menschen, der der Konferenz von Evian das Gepräge eines politischen Ereignisses gab, hat sich die zweite Etappe der Rooseveltschen Aktion in London in zwei Tagen vollzogen. Dort waren im Locarno-Raum des Foreign. Office am Mittwoch und Donnerstag der vergangenen Woche abermals die Vertreter von 32 Staaten versammelt, um das „Ständige Büro" zu konstituieren, welches im Auftrag dieser Staaten das Wanderungsproblem in geregelte Bahnen leiten und die Zusammenarbeit zwischen den Auswanderwngs- und den Einwanderungsländern herbeiführen soll. Die wesentlichen Ansprachen wurden hierbei von dem Führer der' englischen Delegation Lord Winter ton, der gleichzeitig der Tagung präsidierte, dem französischen Senator Berenger und dem amerikanischen Sonderbeauftragten Myron C. Taylor gehalten. Folgendes sind die Ergebnisse der Tagung Direktor des ständigen Büros wurde einstimmig durch Zuruf Rechtsanwalt G e o rge s- Rublee. Er ist im Jahre 1868 in Madison im Staate Wisconsin geboren, promovierte 1890 an der Harvard Universität und ließ sich als Rechtsanwalt in Washington nieder. Er zählte zum engsten Mitarbeiterkreis Wilsons und von Dwight Morrow, dem 1931 verstorbenen Inhaber des Bankhauses Morgan. Während des Weltkrieges gehörte er dem Allied Maritim Transport Council an, der die Verteilung des Schiffsraums unter den Alliierten regelte, 1927—1930 war er der Gesandtschaft in Mexiko zugeteilt, zu Beginn des Jahres 1930 hat er als Freund und Berater Morrows an der Londoner Flottenkonferenz teilgenommen. Zum Vorsitzenden des ständigen Büros wurde Lord Winter - ton gewählt. Vizepräsidenten werden Amerika, Brasilien, Frankreich und Holland stellen. Als A s s i s t e n t wird Rublee, ein Mitglied der amerikanischen Delegation, der, aus der Beamtenschaft des State Departement in Washington hervorgegangen ist, beigegeben werden: Robert Pell. Die beteiligten Regierungen werden sich in die K o s t e n des Büros teilen. Der Kontakt mit den privaten Hilfsorganisationen wird durch den Hochkommissar für die Flüchtlinge aus Deutschland, Sir N e il 1 M a 1 - colm, auch weiterbin währgenommen wer-

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