Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 32 (11.8.1938)
- Date
- 1938-08-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 12 C-V-Zeitung Nr. 32 * 11. August 1938 Kurse in allen ingenieur-wissenschaftlichen Fächern durch. Eine höhere Gewerbeschule besteht in Haifa (nicht zu verwechseln mit der Technischen Hochschule, auf die im Abschnitt II noch besonders eingegangen wird). Aus dem Gfie dedort geiehrten technicl ~ acher sei Autoschlosserei, Installation und Möbeltischlerei herausgehoben; die Tagesarbeit ist zur Hälfte theoretisch, zur Hälfte praktisch. In einer Handwerkerschule (neben der Gewerbeschule) .wird dagegen drei Viertel der Zeit des Unterrichts auf die Praxis verwandt und nur etwa ein Viertel auf die Theorie. Eine besondere Handfertigkeitsschule hat Recliowot h; sie ist für Mädchen bestimmt. Für jüdische Kinder aus Deutschland kommt diese Schule jedoch kaum in Betracht; sie dient mehr den Bedürfnissen jemenitischer Juden. ' ' Die Ausbildungs k o s t e n in allen diesen Anstalten sind verschieden. Außer der ersterwähnten Ludvvig-Tietz-Schule sind keine Internate mit ihnen verbunden. Das Schulgeld schwankt zwischen 1 und IV2 bis 2 £? monatlich. Im allgemeinen genügt die Absolvierung einer Volksschule zur Aufnahme, zum Teil sind jedoch zumindest einige Jahre höherer Schulbildung vorgeschrieben. 2. Landwirtschaftliche Fachausbildung Es ist nur natürlich und entspricht der zionistischen Idee von der Verbindung der jüdischen Menschen mit dem jüdischen Boden, daß der landwirtschaftlichen Fachausbildung von allen Stellen besondere und größte Sorgfalt zugewandt wird. Es ergibt sich aus der Natur der Sache, daß die landwirtschaftlichen Fachschulen ausnahmslos Internate sind. An erster Stelle muß das älteste Institut genannt werden, das von der Alliance Israelite schon im Jahre 1870 errichtet worden ist: die Landwirtschaftliche Schule in Miqwe Israel, nicht weit'von Tel-Aviv, wo in dreijährigem Lehrgang etwa 250 jüdische junge Menschen eine gründliche landwirtschaftliche Ausbildung erfahren. Getreidebau, Viehzucht, Zitrus- und Weinbau, Kühnerzucht, Gemüsebau, Molkerei und Bienenzucht usw., alles in dem Lehrplan einbegriffen, der in seinem letzten Stadium die Möglichkeit der Spezialisierung nach Neigung des Lernenden vorsieht. Unter den wichtigeren Instituten mit größerer Schülerzahl sei dann die Landwirtschaftliche Schule für Mädchen in N a h a 1 a 1 genannt, in der etwa 100 Schülerinnen in zweijährigem Lehrgang unterwiesen werden. Praktische Arbeit im Gemüsebau, in der Bienenzucht und in der Molkerei werden in dieser Wizoschule besonders gepflegt. Eine Einrichtung der palästinensischen Regierung ist die Kaduri-Landwirtschaftsschule bei A f u 1 e. Eine höhere landwirtschaftliche Fachschule ist in P a r d e ß C h a n a, wo Jungen und Mädel zusammen landwirtschaftlich, unterwiesen ^werden, neben den allgemeinen Gebieten einer gemischten Landwirtschaft besonders auch in der Pflanzung von Obstbäumen, in Geflügelzucht, schließlich auch in landwirtschaftlicher Buchführung. Jerusalem hat eine Landwirtschaftliche Schule für Mädchen mit zweijährigem Lehrgang. Eine spezielle G a r t e n b a u schule ist in G a n - M e g g e d bei Jarkona, die vom zweiten Jahre der Ausbildung ab die Spezialisierungsmögiichkeit des Schülers nach Neigung besonders berücksichtigt. In den meisten aller dieser vorgenannten Institute werden allgemeine naturwissenschaftliche Fächer in so weitem Umfange gelehrt, als es für den künftigen praktischen Landwirt von Nutzen ist. Neben diesen wichtigsten Instituten steht eine Anzahl landwirtschaftlicher Lehrf armen besonders für Mädchen. Daneben bieten eine Anzahl von Landheimen landwirtschaftliche Ausbildungsmöglichkeiten. Hier sei das Kinder- und Jugendheim Aha w a h genannt, eine alte Berliner Gründung, die vor etwa vier Jahren in die nähere Umgebung Haifas verpflanzt wurde. Kinder aus Deutschland, die dorthin aufgenommen werden sollen, erhalten in Berlin bereits eine Vorschulung. Es handelt sich aber hierbei nicht um ein ausgesprochen landwirtschaftliches Institut, sondern um ein Jugendheim, in dem auch gewisse Möglichkeiten landwirtschaftlicher Ausbildung gegeben sind. Die Ausbildungs kosten der verschiedenen Institute schwanken je nach Lage und Größe. Das Schulgeld einschließlich Internatsunterbringung beträgt minimum 4 £P, maximum 8 £P. Sämtliche landwirtschaftlichen Ausbildungsinstitutionen haben selbstverständlich in weitem Umfange große Flächen eigenen Bodens zur Verfügung, auf dem die Schüler und Schülerinnen mit der täglichen Wirklichkeit der Landarbeit, mit ihren vielen Mühen, aber auch mit ihren großen Freuden, vertraut werden. 3. Hauswirtschaftliche Ausbildung Möglichkeiten der hauswirtschaftlichen Ausbildung gibt es in jeder der drei Städte in besonderen hauswirtschaftlichen Fachschulen. Zunächst ist die Wizoschule in Tel-Aviv, Nachlath-Jizchak, zu nennen, die auf ein etwa löjähriges Bestehen zurückblickt. Das Institut bietet Möglichkeiten für etwa 50 Schülerinnen, sämtliche hauswirtschaftliche Gebiete zu erlernen, und zwar in einem etwa i^/sjährigen Lehrgang. Außer praktischer Hauswirtschaft werden verwandte Gebiete wie Geflügelzucht, Gartenbau etc. gelehrt und in einzelnen Kursen auch Kenntnisse allgemeiner Art den Schülerinnen vermittelt. Das Hauswirtschaftliche Mädchenheim in J erusalem ist ein orthodoxes Institut. Seine Schülerinnen setzen sich zu mehr als der Hafte aus jungen Mädchen aus Deutschland zusammen, die dort eine gründliche praktische und theoretische. Unterweisung erhalten, nach deren zweijähriger Dauer sie, mit guten praktischen und theoretischen Kenntnissen ausgestattet, die Leitung auch größerer Haushalte übernehmen können. Eine ganz neuzeitliche Gründung ist die hauswirtschaftliche Fachschule in Haifa, die der Wizo nahesteht. Das Institut ist noch im Aufbau. Abgesehen von diesen vorgenannten Anstalten, in denen die jüdischen jungen Mädel von Grund auf die Praxis des Kochens, des Backens, des Nähens, der Disposition und Organisation in einem Haushalt lernen, gibt es eine größere Anzahl von Abendkursen, die der Vervollkommnung hauswirtschaftlicher Kenntnisse dienen. Obzwar es sich bereits bei der vorerwähnten Ahawah, dem Jugendheim in K i r j a t B i a 1 i k in der Nähe von Haifa, auch keineswegs um ein rein hauswirtschaftliches Ausbildungsinstitut handelt, so muß in diesem Zusammenhange jedoch noch besonders auf dieses hervorragend geleitete Institut aufmerksam gemacht werden, weil die Mädchen dort in allen Zweigen des Haushaltes gründlich ausgebildet werden, sobald sie den regulären Schulbesuch beendet haben. In der großen, modernen Sammelküche der Ahawah lernen sie nicht nur Kochen in großem Maßstabe, sondern auch den Einkauf und die Verwaltung der Produkte, die Pflege eines Haushaltes, sie lernen fachmännisch Wäsche zu waschen und Wäsche auszubessern, kurz: die. Gesamtheit der Haushaltsführung, wie sie von dem jungen Mädchen vorausgesetzt wird, die sich diesem Berufe widmen will. Dabei sei erwähnt, daß die Mädel in" der Ahawali auch Gartenbau und Hühnerzucht erlernen und auch praktischen Einblick in die tägliche Schneiderei bekommen. Daß diejenigen jungen Mädchen, die in Kwuzot und Kibuzim untergebracht werden, dort in die Grundsätze der Führung einer Massenküche, in Einteilung und Verteilung von Lebensmitteln usf. ausgebildet werden und teilweise auch die Möglichkeit haben, sich auf diesen Gebieten zu spezialisieren, sei der Vollständigkeit halber erwähnt; doch eignen sich die Siedlungen für eine grundlegende Berufsausbildung in der Hauswirtschaft wohl weniger; für die praktische Vervollkommnung der erworbenen Fachschulkenntnisse ist die- Arbeit in der Gemeinschaftsküche jedoch sicher von Nutzen. 4. Kindergärtnerinnenseminare Der Kindergärtnerinnenberuf hat im Lande eines größeren natürlichen Bevölkerungszuwachses gewisse Chancen. Natürlich ist im Augenblick eine Ueberbesetzung des Berufes durch die vielen fertigen Kindergärtnerinnen, die im letzten Jahrfünft eingewandert sind, festzustellen, aber für die Zukunft wird sich allmählich ein Ausgleich schaffen, der für die heranwachsende Generation das Berufstor wieder etwas weiter öffnet. So rechtfertigt sich auch das Vorhandensein besonderer Kindergärtnerinnenseminare, die beide in Tel-Aviv sind. In dem einen dieser Institute werden ungefähr 200 Seminaristinnen ausgebildet, allerdings gleichzeitig für den Lehrberuf und als Kindergärtnerin. Der Lehrplan der Schule hat zur Voraussetzung zumindest die Beendigung der achtklassigen Volksschule und führt seinen Lehrplan seinerseits in fünf Jahren durch. Das andere Tel- Aviver Institut ist eine Neugründung aus dem Jahre 1933 und ausschließlich zur Vorbereitung für den Kindergärtnerinnenberuf bestimmt. In beiden dieser vorerwähnten Anstalten werden nicht nur theoretisch alle Fächer gelehrt, die dem Unterricht und der Erziehung des Kleinkindes dienen, sondern es wird auch praktische Arbeit in angegliederten Kindergärten geleistet. Die Ausbildungskosten in dem letztgenannten Institut, das ebenso wie das erstgenannte kein Internat angegliedert hat, sind 2 £P monatlich; ein Betrag, zu dem dann die allgemeinen Unterhaltskosten für das junge Mädchen treten. Die große Anzahl von Kindergärten, die über das ganze Land verstreut sind, gibt den jungen Mädchen hier im Lande, die in einem der beiden Seminare ausgebildet sind, ebenso wie denen, die mit fertiger Ausbildung hierherkommen, die Möglichkeit, die besonderen Kindererziehungsprobleme des Landes erst einmal in einer Stellung als Helferin kennenzulernen, sich dabei praktisch zu vervollkommnen und sprachlich so hineinzuwachsen, wie es gerade der Umgang mit kleineren Kindern erfordert. Denn der Kindergarten dient in Palästina nicht nur der allmählichen Ueberleitung vom Spiel zur sinnvollen Beschäftigung, sondern ist mehr noch das erste Uebungsfeld lebendiger hebräischer Sprachgestaltung — was voraussetzt, daß auch die Kindergärtnerin die hebräische Sprache wirklich und vollständig beherrscht. 5. Verschiedene andere Fachschulen Trotzdem die Sozialgesetzgebung des Landes noch sehr im Rückstand ist, besteht ein beschränktes Bedürfnis für Sozialpflegerinnen, die zunächst in den städtischen Zentren der Armut wohlfahrtspflegerische Arbeit leisten können. Der Waad Leumi in Jerusalem, hat für solche junge Mädchen, die bereits mindestens ein Jahrzehnt im Lande wohnen, einen einjährigen Kursus ins Leben gerufen, in dem Theorie und Praxis der Sozialarbeit vermittelt wird. Mit Rücksicht darauf, daß diese Institution für neueinwandernde junge Mädchen nicht in Betracht kommt — zumal sie auch die alternative Voraussetzung einer mindest fünfjährigen Berufsarbeit im Lande nicht aufweisen können —, erübrigt es sich, hier näher auf diese Sozialkurse einzugehen. Von weit größerer Bedeutung ist die Schwesternschule „Hadassa" in Jerusalem, in der Schwestern und Hebammen ausgebildet werden. Sämtliche Gebiete der Gesundheits- und Krankenpflege werden in dem dreijährigen Lehrgang des Institutes durchgearbeitet. Es sei jedoch nicht vergessen, daß gerade der Schwesternberuf besondere körperliche Anstrengung mit sich bringt, also die Voraussetzung einer auch besonders taktfesten Gesundheit erfordert. Also nur gesunde und kräftige junge Mädchen, die außerdem über eine wirkliche Neigung zu diesem Berufe verfügen, mögen sich näher über die Möglichkeiten einer Ausbildung für den Schwesternberuf in Jerusalem informieren. In Jerusalem besteht ferner eine besondere Schule für Kunst und Kunstgewerbe (Bezalel), der Werkstätten für praktische graphische Arbeiten angeschlossen sind. Eine größere Anzahl von Instituten dienen der musikalischen Ausbildung. Ein großes Konservatorium besteht in Tel-Aviv, in dem über 200 Schüler, auf einen achtjährigen Lehrgang verteilt, auf den verschiedensten Gebieten der Instrumentalmusik unterrichtet werden. Größer noch ist das Hausersche Konservatorium für Musik und Dramatische Kunst in Jerusalem, im sog. Abessinierhaus, mit etwa 250 Studenten, das, abgesehen von den reinen Konservatoriumsklassen für junge Mädchen und junge Leute, auch Vorbereitungskurse unterhält. Jedes Instrument kann dort erlernt werden, auch für das Seltenste ist eine Lehrkraft vorhanden. Ebenso wie die Tel-Aviver Musikhochschule wird in dem Hauserschen Konservatorium Musiktheorie und Musikgeschichte gelehrt, die Kunst musikalischer Spiele' wird gepflegt, ebenso Chormusik, musikalischer Tanz und Ballet. In den höchsten Klassen werden die Schüler in die Kunst der Kom- Arthur Kahn Ein Pionier jüdischer Bodenkultur Eine der merkwürdigsten jüdischen Gestalten in der Wendeepoche unseres Jahrhunderts war Dr. Arthur Kahn, dessen Sterbetag sich am 14. Juli zum zehntenmal jährte. Original im Denken und Handeln mied er die ausgetretenen Pfade, suchte immer neue Wege und wurde zum hitzigen Kämpfer für seine Ideen und zum Pionier jüdisch-wirtschaftlicher Umschichtung. Als Sohn eines kleinstädtischen Kantors, mit dem Landleben von Jugend auf. verwurzelt, tauchten schon als Jüngling in ihm Ideen auf, die uns heute geläufig sind, die aber damals revolutionär anmuteten. Zu einer Zeit, wo die übertriebenen Zivilisationsbestrebungen im Mittelpunkt des Privataufnahm« Lebens standen, wollte er das wirtschaftliche und auch das seelische Leben auf Handwerk und Ackerbau fundiert sehen und begeisterte sich für die Ideen des bodenreformerischen großen Pioniers Flörsheim. Künstlerisches und Praktisches lebten in seiner Brust, häufig einander befehdend. Von einem Berufe zum anderen springend, nirgends wahre Befriedigung findend, blieb er sein Leben lang Sucher, Grübler, Kämpfer. Der Not gehorchend, nicht aus innerer Neigung, studierte er Medizin in Gießen, Zürich und Berlin, kam dabei mit den hervorragendsten Gelehrten der Zeit in Berührung. Die schriftstellerischen und kämpferischen Neigungen waren zu stark in ihm, um sich mit der Medizin zu begnügen. Er betätigte sich bald literarisch als Belletrist, Biologe und Pfadfinder, und immer, psychologisch gesehen, mit einer besonderen jüdischen Note. Bald war ihm das Leben in Europa zu eng, und er wanderte nach Amerika aus, wo er die große, neue Welt in sich aufnahm. Hier erlebte er den Beginn der jüdischen Bodenkultur, das Ideal seines Lebens. Schon nach einigen Jahren kehrte er nach Deutschland zurück, verband sich mit Gustav Tuch in Hamburg und gründete mit ihm den Verein für jüdische Bodenkultur, dessen Geschäftsführer er wurde. Allzu viele praktische Früchte konnte der Verein nicht zeitigen, dazu waren seine Mittel zu schwach. Aber er trug neue Ideen in die gebildeten Kreise, weckte das Verständnis dafür, daß kein gesundes Volkstum ohne fundierte Grundlage entstehen kann. Er pachtete eine Parzelle und betrieb Gartenwirtschaft und Gemüsebau mit seltener Liebe bis in sein hohes Alter hinein. Wer ihn dort sah und mit ihm über seine Lieblingsideen sprach, konnte ihn in seiner wahren Natur erkennen. Etwas Biblisch-Pathetisches und auch Prophetisches hatte dieser Mensch an sich, und Propheten sind selten geliebt und anerkannt. Wenn dieser Feuerkopf mit der weißen Mähne jemals volle Genugtuung und wahre Freude fand, so war es in seiner stillen sozialen Tätigkeit. Der Spruch der Pirke Abbot: „Nicht die Forschung, sondern die Tat ist die Hauptsache" wurde zur Maxime seines Wirkens. Er war Mitbegründer der Chewra Kaddischa Groß -Berlin, weil ihm das Ideal vorschwebte, nicht nur die Toten würdig zu bestatten, sondern den Kranposition und der Harmonielehre eingerührt. Absolventen dieser beiden Institute werden als Berufsmusiker stets ihren Mann stehen. Zwei kleinere Musikschulen sind in Haila, außer der vorerwähnten noch eine größere in Tel. Aviv, das „Beth Liwijim", in dem auch Schulkinder zum Nachmittagsunterricht aufgenommen werden. Möglichkeiten der Ausbildung für den kaufmännischen Beruf sind in zwei besonderen Schulen in Tel-Aviv gegeben. Das eine von diesen Instituten ist eine höhere Handelsschule, unter Aufsicht des Waad Leumi, die zweite eine private Einrichtung. Beide pflegen in den höheren Klassen die für das kaufmännische Leben wichtigen Fächer wie Buchhaltung, Bürotechnik, Stenographie, Handelskorrespondenz usw. In Haifa und in Jerusalem bestehen in einer Anzahl von Schulen im Anschluß an die Volksschule oder Mittelschule spezielle Handelsklassen, zumeist in einjährigem Lehrgang, in denen außerdem englische und hebräische Stenographie, kaufmännisches Rechnen usw. unterrichtet werden. Dieser knappe Ueberblick zeigt, daß in dem jungen Lande tatsächlich sehr vielseitige Möglichkeiten der Fachausbildung gegeben sind. Eltern in Deutschland können voll fachlichen und sachlichen Vertrauens ihre Kinder einer der Neigung entsprechenden Spezialausbildung unterziehen lassen. Soweit die Institute jedoch kein Internat haben, wird die Auswahl eines geeigneten Heimes, in dem die jungen Menschen leben können, am besten im Kreise einer aus Deutschland eingewanderten Familie, mit derselben Sorgfalt erwogen werden müssen, wie die Auswahl der Fachschule selbst. (Schluß folgt) ken und Dürftigen die Not zu mildern. Er war der Gründer des Vereins „Jüdische Altershilf e", weil der Schutz vor Verlassenheit im Alter etwas Altjüdisches ist. Er wirkte in diesen Institutionen unermüdlich mit seinem Worte und seiner Feder. Aber alles das gab ihm soviel innere Befriedigung als die echt -wohltuende Arbeit im Kleinen. Sein Haus war buchstäblich jedem offen. In den schweren Kriegs- und Inflationsjahren konnte man ihm täglich mit seiner klug-vornehmen Frau auf der Straße begegnen, mit Lebensmittelpaketen schwer beladen, um sie unsichtbar vor irgendeine Tür zu legen. Er bekam durch seine Beziehungen Geld aus Amerika' und er war genial-erfinderisch in der Kunst, verschämten Armen Hilfe aufzudrängen. Im Verkehr mit den engeren Freunden was er von echt jüdischer Herzlichkeit und innig«; Teilnahme. Erfahrung und Wissen verbanden sich zum vollendeten modernen Denken; aber; der jüdische Untergrund war immer sichtbar. Er empfand die Größe des Judentum« mehr gefühlsmäßig als durch tiefe Sachkenntnisse, Die Kraft der Jugenderlebnisse war groß genug, um alle Kritik zu verscheuchen und das Jüdisch-Romantische zu erhalten. Daher blieb' bei allen Schwankungen das Traditionelle daö Feste in ihm. Faßt man das Leben Arthur, Kahns in seiner Totalität zusammen, dann wird man wohl sagen dürfen: es war ein unerfülltes, aber kein verfehltes Leben. __Fabius Schach* Die Rentabilität der Bahnen in Palästina Aus einem Bericht der Eisenbafin-Verwal« tung der palästinensischen Mandataregierang geht hervor, daß sich bei den Hauptlinien noch immer Fehlbeträge ergeben. Hierbei handelt es sich um den Betrieb der eigentlichen Palästina-Bahn, die längs der Mittelmeerküste von Süden nach Norden zwischen Raia (südlich Gaza) und Haifa und in westöstlicher Richtung zwischen Jaffa und Jerusalem verkehrt, sowie um die auf palästinensischem Gebiet laufende sog. Hedschas-Bahn, die zwischen Haifa und Akko und Haifa und Semach läuft und kleinere Zubringerstrecken bedient. Nach dem Bericht der Verwaltung haben die Anlagen der eigentlichen Palästina-Bahn bisher 3,4 Millionen Pfund gekostet; darüber hinaus beliefen sich die Ausgaben für Neuanschaffungen des letzten Rechnungsjahres auf 216 000 Pfund, die zu einem Viertel aus dem Erneuerungsfonds und zu drei Vierteln aus laufenden Einnahmen gedeckt wurden. Hiervon entfällt der Hauptanteil auf den Bau von neuen Lokomotiven und sonstigem rollenden Material, während u. a. 11000 Pfund für den neuen Zentralbahnhof von Haifa verausgabt wurden. Dagegen werden zwei von der gleichen Verwaltung betriebene Strecken mit Ueberschüssen ausgewiesen, und zwar die Sinai-Bahn Kantara—Rafa—.Aegypten und eine kleine Zubringerstrecke von Petach-Tikwah zur Hauptlinie Rafa—Haifa, die in erster Linie die Verladung von Citrusfrüchten durchführt. ' Die Verkehrs - und Postflugzeuge der „Imperial Airways", die auf ihren Flügen von London nach den Ländern des britischen Empire infolge der Sperrung des Flugplatzes Gaza für Zivilflugzeuge in Palästina ausschließlich in Tiberias zwischengelandet waren, fliegen seit Anfang August auch den Flughafen Lydda zweimal wöchentlich, und zwar am Donnerstag und Sonnabend, an. Der Dampfer „Amalu, dessen Besatzung vom Kapitän bis zum Schiffsjungen aus Juden besteht, hat die erste jüdische Handelsflagge erhalten. Die feierliche Uebergabe der Flagge durch Vertreter der jüdischen Marine-Liga fand an Bord des Dampfers im Tel-Aviver Hafen statt. Das Segelschiff „Rachaf" der Arbeiter- Schiffahrtsgesellschaft „Nachschon" ist von der Reederei „Orient-Küstendienst Federmann & Markus", die auch den Frachtdampfer „Arnon" besitzt, für den regelmäßigen Küsten- Dienst gechartert worden.