Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 31 (7.8.1938)
- Date
- 1938-08-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Seste8 C.-V.-Zeitung Nr.31 *4.Augusi1938 langen? Der Brahmane aber „schrieb auf ein Papier einige Buchstaben und warf dies Papier in den Brunnen*'. Das Wasser fiel sofort; beide stiegen auf einer Treppe, .die nun sichtbar wurde, in den Brunnen hinab und gelangten in wunderbare Räume, in Schlösser aus Kristallen, Rubinen, Diamanten usw. Alle Hindernisse, die sich ihnen entgegenstellen, werden durch kabbalistischen unc' andern Zauber überwunden: So wird das Schloss einer kupfernen Türe durch die Berührung nut Pergamentstreifen geöffnet, auf die Gebete geschrieben waren. Ein gewaltiger Mohr wollte sie zu Tode steinigen; „allein Padmanaba sprach unerschrocken ein kurzes Gebet und blies den Mohren an, welcher der Gewalt dieser heiligen Worte und des Hauches eines geweihten Priesters nicht zu widerstehen vermochte und rücklings zu Boden stürzte". Oder ein kristallener Dom wird von zwei Drachen bewaeöt, ..welche Flammen aus den geöffneten Rachen spieen". „Der Brahmane aber sprach einige kabbalistische Worte aus. und die Drachen verkrochen sich in ihre Höhlen." Schliesslich kommen sie in einen Raum von ganz besonderer Schönheit, in dem der Fussboden aus gediegenem Golde, die Decke aus Porphyr und mit Perlen besät war. In einem Zimmer dieses Raumes befand sich in einer Ecke ..eine gehäufte Menge Goldes, in der andern eine grosse Masse Rubinen von der seltensten Schönheit, in der dritten stand ein silberner Krug und in der vierten lag ein Haufen schwarzer Erde". Dieses Zimmer enthielt aber auch, auf einem silbernem Katafalk aufgebahrt, die einbalsamierte Leiche eines Königs. In der folgenden Schilderung ballt der Ruhm nach, in dem die alte ägyptische Kultur bei den Nachfahren stand; denn um die Leiche eines Pharaonen handelt es sich. Das gibt Anlass zu einer schwermütig-warnenden Betrachtung des menschlichen Lebens und der 'Andeutung der Seelenwanderung: „Eine breite Goldplatte vorn am Sarge zeigte folgende Inschrift in ihieroglyphisch-kabbalistischen Schriftzügen, deren sich die alten ägyptischen Priester bedienten: „Die Menschen schlafen, so lauge sie leben; sie erwachen erst in der Stunde des Todes. Was hilft es mir jetzt, ein grosses Reich und alle diese Schätze hier besessen zu haben? Nichts ist von kürzerer Dauer als irdische Glückseligkeit und alle menschliche Macht ist nur Schwäche. 0 törichter Sterblicher! rühme dich nicht deines Glückes, so lange du in der schwankenden Wiege des Lebens bist. Gedenke der Zeit, wo die Pharaonen herrschien. Sie sind nicht mehr; wie sie, wirst auch du bald aufhören zu sein." Zauberland Aegypten — der tote König war natürlich auch ein Magier gewesen. Er hatte nicht nur diesen Dom aus Rubinen sich zum .Grabmal erbauen lassen, sondern besass auch mehrere Geheimnisse, darunter den des Steines der Weisen, „wie man aus den Reichtümern hier sehen kann, die mittels des Haufens schwarzer Erde in jenem Winkel hervorgebracht sind". Welche Bewandtnis hat es mit dieser Erde, die dergleichen vermag? Es ist die Vorstellung von der Schöpferkraft der Erde, welche hier wirkt und auch in der Golemsage wiederkehrt. Dem staunenden Jüngling sucht der Brahmane das Rätsel zu erklären und teilt ihm zwei türkische Verse mit, „welche das Geheimnis des Steins der Weisen enthalten". Sie lauten übersetzt: „Der Braut des Occidents vermähle den Sohn des Königs vom Orient; daraus wird ein Kind geboren werden, welches der Sultan der schönen Luitpold Wallach: Leopold Zunz und die Grundlegung der Wissenschaft des Judentums. Ueber den Begriff einer jüdischen Wissenschaft. J. Kauffmann, Jüdischer Buchverlag, Frankfurt a. Main 1938. Es mag nur wenige Persönlichkeiten geben, die ihrem Wesen und Schicksal nach unserer jüdischen Gegenwart so fern stehen wie Leopold Zunz. Sein Leben gehört dem neunzehnten Jahrhundert an, jenem Zeitalter, das dem unserigen in fast jeder Beziehung entgegengesetzt war. Ebenso ist der menschliche Typus, den er darstellte, uns ziemlich fremd geworden. Für eine stille, in sich gekehrte Gelehrtennatur, die, nur ihrem Stoffe und Gedanken hingegeben, eine zwar bescheidene, aber durchaus idyllische Existenz führt, ist unter uns kaum noch Platz vorhanden. Trotzdem erregt Leopold Zunz sowohl das Interesse derjenigen, die in unserer Mitte noch wissenschaftlich tätig sein können, als auch die Anteilnahme der an der jüdischen Vergangenheit interessierten Kreise. Vor zwei Jahren, anlässlich des fünfzigsten Todestages von Zunz, hat Professor I. Elbogen im 50. Bericht der Lehranstalt für die. Wissenschaft des Judentums die Summe der Existenz des grossen Mannes gezogen. Gleichzeitig hat er bisher unbekannte Stücke aus dem Briefwechsel von Zunz veröffentlicht und dadurch die Basis zu der noch ausstehenden Biographie des Altmeisters beträchtlich erweitert. In der gleichen Sichtung bewegen sich die kritischen Forschungen Luitpold Wallachs. Sie gehen ebenso wie die religionspsychologische Analyse, die Max Wiener in seiner Schrift gab, weniger auf eine Darstellung, als vielmehr auf eine Wertung der Wirkung von Zunz aus. Die Leistung des Geschichtsschreibers Zunz hat Wallach bereits in einem in der „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutsehland" erschienenen Aufsatz gewürdigt. Seine neue uns vorliegende Abhandlung, von der Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums mit einer Prämie preisgekrönt, hat sich nichts weniger als das Problem der Beurteilung und geschichtlichen Einordnung von Zunz' Gesamtpersönlichkeit gestellt. Wie Wallach hervorhebt, liegt das Konstruktive der Leistung von Zunz in seiner Idee einer Wissenschaft des Judentums. Bei der Unter¬ Angesichter ist." Wie man sieht, handelt es sich um alchemische Vorstellungen, welche in eine mystische Bildersprache gefasst sind; und das Geheimnis des Steins der Weisen wird durch weitere alchemische Vorstellungen, durch weitere Bilder „erklärt": „Löse durch Feuchtigkeit", sagt der Brahmane, „die trockene adamische Erde auf, welche aus dem Orient kommt; aus dieser Gärung geht der philosophische Mercurius hervor, welcher in der Natur allmächtig ist und die Sonne und den Mond. d. h. Gold und Silber, erzeugt. Besteigt er seinen Thron, so verwandelt er Kiesel in Diamanten und in andere Edelsteine. Der silberne Krug in der einen Ecke des Zimmers enthielt Wasser, d. h. die Feuchtigkeit, deren man sich bediente, um die trockene Erde zu durchdringen und in den Zustand zu versetzen, in welchem sie jetzt ist. Mit einer Hand voll davon kannst du, wenn du willst, alle Metalle im Aegyptenlande in Silber oder Gold und alle Steine der Häuser in Diamanten und Rubine verwandeln. Auch heilt sie alle Arten von Krankheiten. Mag ein Kranker noch so erschöpft und schon im Begriff sein, den Geist aufzugeben — ein einziges Körnchen davon, das er einnimmt, gibt ihm plötzlich seine Kräfte wieder. Aber sie hat noch eine Eigenschaft, der ich vor allem übrigen den Vorzug gebe. Wer sich nämlich die Augen mit dieser zu einer Salbe zerriebenen Erde bestreicht, sieht die Geister der Luft und die Genien und erhält die Macht,' ihnen zu gebieten." Solch eine Zaubermacht wohnt also dieser durch den Stein der Weisen zubereiteten „adamischen Erde" inne! Auf dem gleichen Wege, den sie gekommen, verlassen der Brahmane und der Jüngling die unterirdischen Paläste und den Brunnen, der sich sogleich wieder mit Wasser füllt. Dem jungen Mann, der sich darüber wundert, erklärt der Brahmane die Anwendung von Talismanen und verspricht, ihn ihre Anfertigung zu lehren. Die Proben, die der junge Mann den unterirdischen Schätzen entnommen hat. reichen hin, ihm und seinen Eltern ein sorgenfreies, ja vergnügliches Leben zu bereiten: gleichwohl ist in seinen Angehörigen der Teufel der Habsucht und der Lust nach weiteren Schätzen erweckt. Sie bereden ihn, den Brahmanen zu veranlassen, ihn alle Gebete und Formeln zu lehren, welche den Zugang zu den Schätzen ermöglichen. Wenn Hassan sich alle Lehren gehörig eingeprägt hätte, sollte der Brahmane ermordet werden, damit die Familie in den Alleinbesitz der Schätze gelange. Der Brahmane schlug die Bitte des Jünglings nicht ab. „Er schrieb jedes zu dem bewussten Zwecke nötige oder auch nur geeignete Gebet auf ein Papier, bemerkte genau den Ort. wo es gesprochen werden müsse, nebst allen übrigen kabbalistischen Umständen, und händigte alles dem Jünglinge ein." Der erlernte Zauber des Jünglings wirkte ebenso wie der des Meisters. Aber in dem Augenblick, in dem die drei Menschen, mit Schätzen beladen, die unterirdischen Gewölbe verlassen wollten, stellten sich ihnen drei neue Ungeheuer in den Weg, gegen die Hassan keine Formel wusste. keinen Talisman besass. Die Stimme des von seiner prophetischen Gabe gewarnten Brahmanen verkündete ihr Gericht: alle drei wurden von den Ungeheuern zerrissen. — In andern Märchen aus tausendundeiner Nacht ebenso wie in mancher Maasse erscheint König suchung des wissenschaftstheoretiscben Unterbaus jener Idee kommt Wallach zu dem Ergebnis, dass Zunz' Auffassung der jüdischen ^Geschichte als einer Leidensgeschichte von dem Entwicklungsgedanken der" Aufklärung, nicht aber von dem auf kritisch-historischem Untergrund beruhenden Entwicklungsgedanken des modernen Historismus beherrscht wurde. Der naive Fortschrittsoptimismus der kleinbürgerlichen Aufklärung hat in seiner Lebens- und Geschichtsanschauung deutliche Spuren hinterlassen. Zunz und die Männer des „Kulturvereins" haben mit ihrer Wissenschaftsid.ee ein pädagogisch-praktisches Ziel verfolgt. Sie wollten das emanzipierte Judentum mit der europäischen Zivilisation in Einklang bringen. Wrie sehr Zunz' Charakterbild bisher in der Geschichte geschwankt hat, dafür gibt es ein drastisches Beispiel. Franz Rosenzweig erzählt, Hermann Cohen habe ihm einmal gesagt, Zunz hätte ein grosser Historiker sein können und sei doch nur ein Antiquar gewesen. In seinem Alterswerk hat Cohen aber gerade Zunz überschwenglich gefeiert. Wallachs begriffsstrenge Untersuchung dürfte nun, obwohl sie ihre Resultate nicht nach der Methode entwickelnder Geschichtsforschung, sondern nur in Form programmatischer Thesen vorträgt, dennoch imstande sein, dem Werturteil über Zunz feste Konturen zu verschaffen. Fritz Friedlaender. Die Werke Philos von Alexandria. Sechster Teil. Herausgegeben von Professor Dr. J. Heinemann und Professor Dr. M. Adler, jüdischer Buchverlag Stefan Münz, Breslau 1938. Es liegt nunmehr der sechste Teil einer geplanten Gesamtausgabe der Werke des berühmtesten jüdischen Philosophen der Antike, Philos von Alexandria, in deutscher Sprache und mit kritischen Anmerkungen versehen, vor. Er enthält die Schriften über das Zusammenleben um der Allgemeinbildung willen, über die Flucht und das Finden, über die Namensänderung sowie die beiden Teile der Schrift über die Träume. Abgesehen von den beiden Herausgebern haben an diesem Band Dr. Hans L e w y, Jerusalem, und Dr. Willi Th eiler, Königsberg, mitgearbeitet. , Der Schlussband — Band VII der Gesamtausgabe — ist in Vorbereitung. Damit wäre dann eine Arbeit abgeschlossen, die für Salomo als einer der grössten und zaubermächiigsten Magier aller Zeiten. Er gebraucht eines der machtvollsten Symbole, das berühmte und geheimnisvolle „Siegel Salomonis*'. Es ist das stärkste aller Zaubermittel, das alle Pforten öffnet, alle Riegel sprengt. Worin besteht es? Wir wollen sein Geheimnis enthüllen, indem wir an das Buch Jezira erinnern: dort war der Gottesname JHV bereits als „Siegel" bezeichnet, die Beatrice Bisno: Tomorrows Bread. The Jewish Publication Society of America, Philadelphia 1938. Vor einigen Jahren erschien in der Wiener Jüdischen Monatsschrift „Menorah" unter dem Titel „Helden der Nadel" aus sachkundiger Feder eine Artikelserie, die unter den verschiedensten Blickpunkten die Lage der jüdischen Schneider in Amerika in ihrer historisch sozialen Bedingtheit und ihre organisatorische Entwicklung schilderte. Diese jüdischen Menschen waren vor mehr als 50 Jahren mit der dritten grossen jüdischen Einwanderungsweile nach Amerika aus den Ländern Osteuropas gekommen, und nichts hatten sie mit sich gebracht als handwerkliches Können auf Grund einer jahrhundertelang überlieferten Uebung. Energie, Optimismus und den starken Willen, in der neuen Wahlheimat festen Fuss zu fassen. An dieser Industrie, die einen wichtigen Faktor im Wirtschaftsleben besonders New- Yorks und Chicagos darstellt, haben die eingewanderten „Ostjuden" einen bedeutenden, vielleicht sogar den bedeutendsten Anteil. Nunmehr hat die jüdische Schriftstellerin Beatrice Bisno es unternommen, in diesem grossangelegten Roman, den die „Jewish Publication Society of America" als einen ihrer drei Jahresbände verteilt, die hart arbeitende und schwer kämpfende soziale Gruppe der jüdischen Schneider zu schildern. Für Beatrice Bisno ist dieses Buch keine tendenziös-literarische Angelegenheit. Sie. die sich von Jugend an mit dem sozialen Problem beschäftigte und heute an hervorragender Stelle in der praktischen Arbeit steht, sieht und sucht mit kühlem Verstand und mit heissem Herzen die Welt und die Menschen dort, wo harte Arbeit Lebensnotwendigkeit ist. Durch Russland. England und Frankreich ist sie gewandert, hat die Probleme der Arbeitsbedingungen kennengelernt und dann die Ergebnisse ihrer Reisen in den verschiedensten amerikanischen Zeitschriften und Magazinen veröffentlicht. Wenn sie nunmehr zum erstenmal einen schon vor Jahren fertiggestellten Roman; der Öffentlichkeit schenkt, so weiss sie wohl, um es mit ihren eigenen Worten zu sagen, dass sie nur eine Seite jüdischen Lebens in Amerika schildert, aus dem sie „Menschen porträtiert, die ihre Hütten am Chicago River aufgeschlagen hatten, wie einst ihre Vorfahren es an den Wassern Babylons taten*'. Mit einer rücksichtslosen, oft ans Brutale grenzenden ganz unsentimentalen Offenheit und Deutlichkeit verfolgt sie die Entwicklung ihres „Helden", der als 14jähriger Judenjunge von einem Pogrom mit seinen Eltern aus Russland nach Amerika geflüchtet ist, dort in einer kleinen Stadt bei einem Schneider arbeitet, bis ihn seine in Atlantic lebenden Eltern zu sich rufen. Die Familie geht nach Chicago. Warum? Weil dort Juden wohnen, die einen verstehen, mit denen man beten kann, mit denen man sprechen kann, kurz mit denen man leben kann. Der Junge arbeitet weiter, hat Erfolg, wird selbständig und kann bald selbst Hilfskräfte anstellen. Aber nicht dieser Erfolg jeden jüdisch wie philosophisch Interessierten von grösster Bedeutung sein muss. Ca. Alfred Grotte: Synagogen spuren in schlesischen Kirchen. Schriften der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, Breslau 1937. Dieses Buch erhelit die engen Zusammenhänge zwischen dem Architekten und dem Historiker, die ergänzende Forscherarbeit des Technikers und des Gelehrten. Es geht in diesem mit Photos gut ausgestatteten Werk auch darum, Urkunden aus Stein und Mörtel sprechen zu lassen, da besonders, wto die papierenen Dokumente fehlen oder verlorengegangen sind. Für das Gebiet der schlesischen Synagogenkirchen ist dieser Weg überaus gangbar und notwendig. Das liegt schon in der Natur der Sache selber: in dem so anregenden Buch werden allein sieben Beispiele von Gotteshäusern wissenschaftlich behandelt, ihre Umwandlung von der Synagoge zur Kirche dargelegt und interessante Zusammenhänge mit den Synagogen der nahen und weiteren Umwelt festgestellt. Das Thema des Buches wird in einem Anfangskapitel für ausländische Bauten angeschlagen: Alfred Grotte nennt eine Synagoge in Konstantinopel, die unter Kaiser Konstantin dem Grossen errichtet, in der Zeit des Theodosius zu einer Kirche umgewandelt wurde, und die Schlangenmoschee in Aleppo, in der Sobernheim die Reste eines jüdischen Gotteshauses erkannt hat. Dann hört man weiter von den spanischen Synagogen, zwei Bauten in Toledo von hohem künstlerischen Wert, die 1357 vom Schatzmeister des Königs Dom Pedro, Samuel ben Meir Abulafia, errichtet und nach der Vertreibung der Juden aus Spanien in die Kirchen El Transito und S.anta Maria la Bianca umgewandelt, vor etwa 40 Jahren restauriert und zum Nationaleigentum des spanischen Volkes erklärt wurden. An diese stolze Reihe schliesst sich Grottes Aufzählung und archivarische Belegung vieler Synagogenkirchen in Deutschland. Für die schlesischen Beispiele bilden Textfiguren und Tafeln ein reiches, sehr einleuchtendes Material, das auch dem nicht nur mit architektonischen Vorstellungen und Kenntnissen vertrauten Leser des Buches ein Wegweiser sein wird.. . Im einzelnen sei zu den anregenden Äus- Hirnmelserichtungen waren mit ihm „versiegelt" worden. Auch im Hohenlied spricht Sulamith: „Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz . . ."• (8,6); es handelt sich offenbar um eine noch nicht völlig geklärte mystisch-altjüdische Vorstellung. In dem Märchen aus tausendundeiner Nacht aber ist das berühmte ..Siegel Salomonis"... der Magen David, aus dessen Mitte das Tetragramm JHWH leuchtet. (Fortsetzung folgt.) befriedigt ihn, ihn lockt etwas anderes: Die Not seiner Arbeitsgenossen. Wie sich dieser Kampf, dieser Verzicht auf alles, was man gemeinhin ,,persönliches Glück" nennt, abspielt, wie dieser Jude den Weg aus der Enge bindender Vergangenheit über die Gegenwart in die befreiende Weite der Welt geht, ist der Inhalt des tapferen Buches. Seine Bedeutung wird dadurch gekennzeichnet, dass es in einem Romanwettbewerb mit dem „Edwin-Woli-Preis" ausgezeichnet wurde. Dieser grenzenlose Idealist, der alles im Dienste einer Idee opfert, Familie, Vermögen und den Zusammenhang mit der Vergangenheit, ist es der Typus eines Juden? Vielleicht. Die Antwort auf die Frage nach dem Typus einer wie immer gearteten Gemeinschaft wird stets unvollkommen und zweifelhaft sein. Aber wenn man Beatrice Bisnos Buch, das infolge der häufigen Jargon- und Slangausdrücke nicht ganz leichf zu bewältigen ist, aus der Hand legt, wird man immer wieder an das Wort Edmond Flegs erinnert: „Ich bin Jude, weil an jedem Orte, wo ein Schmerz blutet, der Jude blutet; ich bin Jude, weil in allen Zeiten, wo eine Verzweiflung aufschreit, der Jude hofft." Dr. Ernst Fraenkel Literarische Notizen In der Weit der Kumpels spielt, ein neuer Roman von Karl Capek „Die erste Kolonne", der im Verlag von Julius Kittcl's Nachfolger in Mährisch- Ostrau erschienen ist. ¥ Ilona Friedmann gibt in dem Budapester Verla? Minei va-Könyvtär eine umfangreiche Arbeit über Heinrich Heine heraus. Am 4. Juli sprach im Lau dessen der Berom ü n? t e r Otto Z a r e k über „Die G e s c h i c h t e Ungarns"'. Die ungarische Presse weist bei dieser Gelegenheit darauf hin. dass dies schon der dritte ehrenvolle Auftrag des Senders Zürich an den Schriftsteller sei. Aus der wissenschaftlichen Welt Aus Anlass der Ernennung von Andrö Maurois zum Mitglied der Äcademie Franchise hat sich in Paris unter dem Protektorat der ..Association France-Grande-Bretagne" ein Comite gebildet zu dem Zweck, Maurois die Insignien seiner neuen Würde — den Degen des Akademikers — darzubringen. ,.K i r j a t Sephc r". von der Hebräischen National- und Universitätsbibliothek herausgegeben, enthält wie stete eine genaue Bibliographie alier auf das Judentum bezüglichen Schriften in. den verschiedensten Sprachen und neben ausführlichen Besprechungen einzelner Bücher einen Aufsatz von S. Assaf über Responsen des Rabbi Esriel Dajjana. ■£• Zum dauernden Aufenthalt traf der hebräische Schriftsteller G. Schofmann, der früher in Oesterreich lebte, in Tel-Aviv ein. A. führungen Grottes gesagt, dass die Gegenüberstellung der Grundrisse "der Bauten in Oels und Prag das Grundsystem in seiner Gleichheit gut erhellen, was ja auch in der Synagoge in Bruck an der Mur, die 1933 aufgefunden wurde, erkenntlich ist. Durchaus einleuchtend ist in Grottes Buch auch die Beweisführung, dass in dem schmalen, der ehemaligen Synagoge in Schweidnitz vorgelagerten Raumteil eine in früherer Zeit vorhanden gewesene Vorhalle, wie sie auch in Regensburg und Prag bestanden haben mag, architektonisch begründet ist. Olga Bloch. Ludwig Basxiitzki: Entstehung und Aufbau des jüdischen Kalenders. Jüdischer Buch-Verlag J. Kauffmann, Frankfurt am Main 1938. Wem es ernst mit der Vertiefung seines Wissens um jüdisches Geistesgut ist, dem dürfen auch die geheimnisvollen Andeutungen des Luach nicht versiegelt bleiben. Der Verfasser hat die Gabe, die trocken und schwer erscheinende Materie in anregendem Plauderton, in schlichter, klarer, einleuchtender und leicht fassiieher Weise darzustellen, so dass man dem Ablauf der immer komplizierter werdenden Entwicklung mit stets steigendem Eifer folgt. Der in elf Abschnitte gegliederte Aufbau zeigt den erfahrenen und geschickten Methodiker. Zu weitergehenden Studien regt ein Literaturnachweis an. Der letzte Abschnitt, als Anhang bezeichnet, gibt einige ausgeführte Beispiele dafür, wie die Beziehungen des jüdischen Kalenders zur Bereicherung, Belebung und Verinnerlichung des Schulrechenunterrichts (auf höherer Stufe) verwertet werden können. M. A. # In der neuesten Nummer der Zeitschrift „M o s n a - j i m (Wajre)" finden sich dichterische Arbeiten von Sehne u r, Ascher, Barasch u. a. sowie Martin B u b e r s Antrittsvorlesung an der Universität Jerusalem, die in deutscher Sprache soeben :ira „Morgen" (Philo-Verlag, Berlin) erschienen ist. Sie trug das Motto „Die Forderungen des Geistes und die geschichtliche Wirklichkeit". Ein Aufsatz von S. D. G o i t e i n befasst sich mit der „Technik der Erzählung der Schrift". Jaakob Fischmann kommentiert und veröffentlicht Briefe David Frischmanns an Micha Joseff bin Gorion. Auch der übliche Inhalt des Heftes ist ausserordentlich anregend. A.