Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 31 (7.8.1938)
- Date
- 1938-08-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Seife 2 C-Y.-Zeifung Nr. 31 *4. August 1938 ■wer. der . Generalsekretär,.. des . permanenten zwischenstaatlichen Komitees sein wird. Beide Persönlichkeiten .werden von dem Präsidenten Roosevelt ernannt werden.' Die Londoner Ta- Waldemar Strauss Jüdische Fabrikatfonsstätte chirurgischer Instrumente Berlin SW 68, Ritterstrasso 52 Aerzti. Einrichtungen, spez. Export Berliner Bezirksvertrerer Dr. Weinberg, Schmargendorf, Krampasplatz 2 gvnig soll nur kurz eeiru Ihre Aufgabe ist es, das ständige Sekretariat zu bilden, das aus einem Präsidenten, vier Vizepräsidenten (unter ihnen Taylor) und dem Sekretär bestehen solL Er wird die praktische Arbeit zu leisten haben und der Verbindungsmann zwischen den Einwanderungs- und Auswanderungsbehörden sein. Die englische Oeffentlichkeit beschäftigt sich seit geraumer Zeii mit allen Problemen, welche die-Wanderung von jüdischen Menschen hervorgerufen hat oder hervorrufen könnte. Die Tatsache,- dass die Fortführung der in Evian begonnenen Verhandlungen in London stattfindet, hat dieses Interesse noch gesteigert. Wir haben bereits in der vorigen Nummer der C.-V.-Zeitung darauf hingewiesen, dass Sir John Hope Simpson im Auftrage des Royal Institut of International Affairs ein Gutachtenüber das politische Auswandererproblem erstattet hat. Man erfährt jetzt, dass wesentliche Gedankengänge dieser tiefgründigen Arbeit bereits den Deie- #AKmann & Gerson ESb^Ät Berlin-Weissensee, Lothringenstr. 23 56 3154. gierten in Evian vorgelegt worden sind. Wenn die englische Regierung diese Auszüge jetzt auch der Oeffentlichkeit übergibt, so geschieht das. wie man erfährt, zum Teil deswegen, um Vorwürfe zu entkräften, welche von einer ungenügenden Vorbereitung der Konferenz sprechen. Aus den folgenden Angaben ist zu ersehen, dass grundsätzliche Vorschläge aus Simpsons Bericht bei der Konierenzarbeit in England Anerkennung gefunden haben. Auch die Debatte, welche in der vergangen Woche im englischen Unterhaus sowie im Haus der Lords stattfand, beweist, mit welcher Aufmerksamkeit Simpsons Bericht gelesen wird. Der . Simpson **S$erieht ' Das Gutachten wird der Oeffentlichkeit in einer vorläufigen Form unterbreitet, während sein endgültiger Text im Herbst erscheinen soll. Es beschäftigt sich mit dem Auswanderungsproblem insgesamt, untersucht die Ursachen, welche in den letzten Jahrzehnten zu Wanderungen geführt haben, und zieht daraus bestimmte Schlussfolgerungen. Hierbei wird das Problem der jüdischen Wanderung bewusst in den Vordergrund geschoben, und es wird mit besonderer Deutlichkeit gezeigt, welche Verschärfungen eintreten könnten, wenn auch das o s t europäische Judenproblem in Fluss geriete. Simpson ist der Meinung, dass die gegenwärtige Situation gemeistert werden könne und auch gemeistert werden würde, Herri i j« Carl JLinsky, W30, Fernspr. 264030 OOSIOliG Oeilbronner Strasse 21. parterre. wenn im Hintergrund nicht das osteuropäische Problem stünde. Zur Zeit handele es sich um etwa 500 000 Menschen. Bei einer Einbeziehung Osteuropas aber um 5 Millionen. Um diese unlösbare Aufgabe zu lokalisieren, sei es notwendig, ein konstruktives Programm für eine allgemeine Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen in Osteuropa zu schaffen und hierbei auch die häufig anormale wirtschaftliche Struktur des jüdischen Sektors den Bedürfnissen der Länder anzupassen. Auch ein solches Projekt erfordere einen sehr erheblichen Kapitalaufwand. Er werde aber geringer sein als - die Entfesselung einer Wanderung jener Juden und" die Eingliederung der Wanderer in neue Länder. Das Problem müsse an seiner Wurzel gefasst werden, und es sei nur in den Heimatländern jener Juden selbst zu lösen. Damit werden Gedankengänge aufgegriffen, die um die Jahrhundertwende bereits bei der Betrachtung des russischen Judenproblems diskutiert und international anerkannt wurden, also zu einer Zeit, m welcher die Auswanderung nach Uebersee noch keinerlei Schwierigkeiten verursachte. In diesem Zusammenhang wird auch die Frage aufgeworfen, inwieweit die Juden selbst vielleicht"eine Schuld an der herrschenden Situation treffe. Hierbei streift das Gutachten auch das nationaljüdische Problem in seiner Rückwirkung auf die Juden selbst und auf ihre Umwelt. Unbeschadet dieser grossen Gesichtspunkte habe das Auswanderungsprogramm in seiner gegenwärtigen Form ein akutes Stadium erreicht, und es sei so dringlich geworden, dass seine Vertagung nicht mehr möglich sei. Eine endgültige Eingliederung könne nur durch eine zahlenmassige Verteilung der Auswanderer und durch die Umwandlung ihrer augenblicklichen Auienthaltsländer in Länder ihrer endgültigen Niederlassung erreicht werden. Die Ansammlung von allzu vielen Einwanderern in einem- Landverhindere ihre Eingliederung. Abgesehen von. der Tätigkeit jüdischer Organisationen gäbe es keine planmäs.sige Verteilung .der'Auswanderer. Für die Eingliederung gäbe es vier Hauptbedingungen: gesetzliche, politische, wirtschaftliche und kulturelle. Die beste Lösung der gesetzlichen Frage sei die Naturalisation, die die Regierungen durch eine grosszügige Einbürgerungspolitik begünstigen könnten. Die wi rtschaftliche Eingliederung sei. vom Beschäftigungsstand des Einwanderungslandes abhängig. Hier hätten die Hilfsorganisationen gute Arbeit geleistet und erreicht, dass die Arbeitslosigkeit unter den Einwanderern nicht grösser sei als unter den Ansässigen. Aber gerade hier müssten von den- Regierungen, den Arbeits- und Berufsorganisationen weitere Konzessionen gemacht werden. Man dürfe nicht das Aufenthaltsrecht vom Arbeitsrecht trennen. Die Schwierigkeiten im einzelnen (Altersgliederung usw.) werden nicht verkannt. Es wird angeregt, den Anteil der Einwanderer an der Entwicklung der heimischen Wirtschaft dadurch anzuerkennen, dass man ihnen als Gegenleistung die Segnungen der Alterspensionen, der Kranken- und Gesundheitsfürsorge zukommen lasse. Die kulturelle Eingliederung erfordere keinerlei Opfer , von den aufnehmenden Staaten, da es sich zumeist um qualifizierte Menschen handle. Zum Siedlungs- und Kolonisationsproblem wird gesagt, dass Gruppensiedlungen mit Pioniercharakter eine sorgfältige Auswahl und Ausbildung der Menschen verlangen und Lösungen nur in einem langsamen, Generationen umfassenden Prozess bringen können, der an Kosten pro Familie mindestens 500 Pfund Sterling innerhalb des britischen Empires sogar 1000 bis 1200 Pfund Sterling erfordere. Zusammenfassend heisst es etwa: Das Flüchtlingsproblem verlangt sowohl in seiner gegenwärtigen als in seiner möglichen künftigen Ausdehnung eine internationale Aktion der Regierungen. Eine wirkliche Lösung muss mit der Lösung des grossen Problems der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung der Heimatländer der Wanderer in Verbindung gebracht werden. Es ist notwendig, eine weitere Ausdehnung der Wanderungsbewegung (Osteuropa) zu verhindern und das gegenwärtige Problem (Mitteleuropa) durch eine sofortige Aktion zu beheben. Parlament sdehmtien in England Von 27. bis 29. Juli fanden im englischen Unter- und Oberhaus D ebatten über die durch die bevorstehende Londoner Konferenz aufgeworfenen, in Evian behandelten Fragen statt. Im Haus der Lords sprach zuerst Viscount Samuel. Er führte aus, Evian habe gezeigt, dass das Problem nicht nur in den Ursprungsländern der Wanderer bestehe, sondern für alle Staaten von Wichtigkeit sei. Er setzte sich für die Zulassung von Wissenschaftlern nach England ein, und meinte, man solle in einem missverstandeneh Patriotismus" nicht in den'Fehler einer Asphaitierangesi!SEfÄs Pflasternng-en, Bürgersteig-e. — Telephon: 92 47 58 Schauspielfigur verfallen, die erklärt, sie habe soviel Vertrauen zu ihrem Arzt, dass sie lieber an seiner Behandlung sterbe als von einem, anderen geheilt werde. Die Wanderung von 40 000 Juden aus Deutschland nach Palästina beweise, von welchem Nutzen diese Menschen einem Einwanderungsland seien. Auf die Lage in Palästina eingehend kritisierte er die gegenwärtige englische Politik und begründete noch einmal ausführlich jene Anschauungen, die er nach dem Erscheinen des Peelberichts bereits geäussert hatte: Konzessionen von Seiten der Juden und von Seiten der Araber; Beschränkung der jüdischen Einwanderung derart, dass in den nächsten zehn Jahren höchstens 40 Prozent der Gesamtbevölkerung jüdisch sei; arabische Föderation zwischen Arabien, Syrien, Libanon und Palästina unter der Protektion der Grossmächte; Anerkennung des jüdischen Nationalheimes durch die Araber; Anleihe zur Erschliessung Transjordaniens: Öeffnung Transjordaniens für eine Besiedlung durch Juden und Araber. Die jüdische Leistung in Palästina zeige, dass bei der gegenwärtigen Situation auch eine Ansiedlung grösseren Stils ausserhalb Palästinas durchaus in die Betrachtungen einbezogen werden müsse. Lord Allen als nächster Redner setzte sich für Infiltration ein. Marquis R e a d i n g betonte die Notwendigkeit organisierter Einwanderung. Lord M a r 1 e y hoffte, dass die Regierung mehr tun werde, als sie in Evian versprochen habe. Der Bischof von Chichester fasste zusammen, was England bisher getan habe: Ratifizierung der Flüchtlingskonvention von 193S, Aufenthaltserlaubnis für die bereits Eingewanderten, Neuzulassung einer begrenzten Anzahl von Auswanderern aus Oesterreich, die Erwägung der Ansiedlung von Auswanderern in ostafrikanischen Kolonien. Dies alles sei sehr anerkennenswert, aber sei nicht grosszügig, und berühre die Dinge nur am Rande. Es müsse etwas Neues geschehen, was auch andere Länder miireiese. Zwei Punkte müssten zuerst geklärt werden: Ausbau der Ausbildungs-' und Berufsstätten für junge Menschen aus - Deutschland im Bereich des Empire und Mitteilung darüber, wieweit die Regierung geneigt sei, die. Kolonien für die Einwanderer zu öffnen. Hierbei bewegte er sich in Gedankengängen über die Menscheuarmut des englischen Kolonialreiches, welche wir aus dem Munde des Duke von Devonshire in der vorigen Nummer der C.-V.- Zeitung wiedergegeben haben. Enge Zusammenarbeit mit den Dominions sei hierbei erforderlich. Für die Regierung erwiderte Earl of Plymouth.. Er versicherte, dass die Regierung alle Weitere Hoknmente vom Evian Aktenzeichen C. I. E./IO Zwischenstaatliches Committee, Evian, Juli 1938: Bericht des Fachausschusses, bestätigt vom Hauptcommittee am 14. Juli 1938. Berichterstatter: Michael H a n s s o n (Norwegen), Vorsitzender des Ausschusses. Der Fachausschuss wurde eingesetzt, um erstens vertrauliche Mitteilungen der teilnehmenden Regierungen über deren Gesetzgebung und Ausführungspraxis sowie bezüglich der Zahl und Kategorie von Flüchtlingen, welche sie aufnehmen wollen, entgegenzunehmen; und zweitens die Frage der Legitimationspapiere für Flüchtlinge zu beraten. Der Fachausschuss setzte sich folgendermassen zusammen: Vorsitzender: Richter Michael Hansson (Norwegen); Beisitzer: die Vertreter von Brasilien, Kanada,. Chile, dem Vereinigten Königreich, den Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreich, Haiti, Holland und der Schweiz. Der Hochkommissar für Flüchtlinge aus Deutschland, Sir Neill Malcolm, nahm auf Einladung des Ausschusses an den Arbeiten teil und war Altpapier — Adolf Naftsniel Berlin s~, Wullenweberstrasse 2. Tel.: 397802 während der Sitzungen anwesend. Der. Ausschuss trat am S., 11. und 13. Juli. 1938 zusammen. Die schriftlichen Ausführungen, 'die der Ausschluss von den im Zwischenstaatlichen Committee vertretenen Delegationen erhalten hat, sind dem Ausschussvorsitzenden vertraulich zur Informierung der einzelnen Delegationen und zur Verweisung an das ständige Amt unterbreitet worden. Sowohl die schriftlichen und mündlichen vertraulichen Mitteilungen als auch die Ansprachen der Delegierten vor dem Zwischenstaatlichen Committee beweisen ausnahmslos, dass die vertretenen Regierungen sich des ernsten Charakters des Problems und der dringenden Notwendigkeit einer Lösung bewusst sind, und dass alle Regierungen bereit sind, an dieser Lösung mitzuarbeiten, soweit es ihre Gesetzgebung und ihre Einzelsituation gestattet. Es scheint, dass in den im Committee vertretenen Ländern keine gesetzlichen Einschränkungen hinsichtlich der Zulassung von Einwanderern als solche bestehen. Seit 1933 hat eine grosse Zahl von ihnen in die verschiedenen Länder einwandern dürfen und viele werden auch jetzt noch zugelassen. •Der-Ausschuss stellt mit Genugtuung fest, dass die Mitteilungen der Regierungen im allgemeinen Aussichten auf eine verstärkte Zulassung bieten, die den von der Gesetzgebung, der Aufnahmeländer geforderten Qualifikationen entsprechen. Gewisse Länder haben ihrer Bereitschaft Ausdruck gegeben, geschulte Landwirte aufzunehmen. Andere haben festgestellt, dass sie gewillt sind, ausgesuchte Kategorien von Arbeitern aufzunehmen, für die es passende Arbeitsstellen gibt. Eine dritte Kategorie, von-Staaten lassen Einwanderer ohne Einschränkungen beruflicher Art ein und gestatten den auf legalem Wege ins Land gekommenen Einwanderern freie Berufswahl. Das in verschiedenen Ländern existierende Quotasystem zur zählenmässigen Beschränkung der Einwanderung wird immerhin die Aufnahme einer.ansehnlichen Anzahl von Einwanderern gestatten. Einige Länder, in denen keine zahlenmässige Beschränkungen . bestehen, sind bereit, eine grosszügige - •Haltung bei der Zulassung von Einwanderern innerhalb ihres Kontrollsystems einzunehmen. Schliesslich haben gewisse Länder den Wunsch geäussert, auf ihr Land bezügliche Siedlungsprojekte zu bearbeiten, wenn ihnen derartige Pläne von offiziellen oder privaten Organisationen unterbreitet werden. . ■: Das Studium dieses Problems kann daherunter hoffnungsvollen Auspizien fortgesetzt werden. Wie schon festgestellt wurde, ist das Problem umfangreich und kompliziert, und es. wird Tue 66?4. Ms 1. OkUteti Bestellzettel auf Seite 15 offensichtlich eines grosszügigen Programms bedürfen, um zu einer mit Sorgfalt geplanten und durchgeführten Lösung zu kommen. Die Komiteestaaten, deren Gebiete an Deutschland (einschliesslich Oesterreich) grenzen, haben in grosszügiger Weise eine grosse Zahl von Auswanderern aufgenommen, und es kann nicht erwartet werden, die Anzahl der Aufgenommenen wesentlich zu erhöhen, bevor nicht eine Absorption der. bereits vorhandenen oder ihre Weiterwanderung in andere Länder stattgefunden hat. In der Zwischenzeit können sie aber auch weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Lösung des Problems dadurch leisten, dass sie den Einwanderern,, denen sie eine zeitweilige Zuflucht gewährt haben, Ausbildung, technische . und landwirtschaftliche Schulung und Umschichtung für ein Unterkommen in einem anderen Lande erleichtern, gleichzeitig aber in einem ihnen angezeigt erscheinenden Masse auch weiterhin die Praxis der besonderen Behandlung spezifischer Einzelfälle beibehalten; Viele Länder leiden unter Wirtschaftskrisen;und Arbeitslosigkeit und können daher nicht einen grossen und unvermittelten Zustrom von Ausländern ertragen. Hinzu kommt, dass die Verarmung, in welcher sich eine grosse Anzahl von Menschen, die eine Niederlassungsmöglichkeit ausserhalb Deutschlands und Oestereichs suchen müssen, befinden, eines der Haupthindernisse für deren Uebersiedlung in ein anderes Land bildet. Des weiteren ist die Frage der Legitimationspapiere angeschnitten worden. Man ^unterscheide* zwTei Arten von Legitimationspapieren: Erstens solche, die von dem Einwanderungsland. verlangt werden; zweitens solche, die dem Eh> wanderer von einem ausländischen Staat, in dem er sich aufhält, als Passersatz ausgestellt werden. Was die erste Kategorie anbetrifft, so empfiehlt der Ausscbuss, dass die Regierungen; für den Fall, dass der Einwanderer keine im-allgemeinen erforderlichen Papiere besitzt, jedwedes von dem Flüchtling erlangbares Legitimationspapier'akzeptiert, wenn es den gesetzlichen Erfordernissen genügt. -• :'r Bezüglich der zweiten Kategorie von Legitimationspapieren hat der Ausschuss von - den verschiedenen Methoden Kenntnis genommen, die die Komiteestaaten anwenden, um die Frage in einer gesetzlich zulässigen Weise zu regeln, und hält es daher für unnötig, eine entsprechende Empfehlung zu machen. Gleichwohl möge in diesem Zusammenhang auf die verschiedenen internationalen Vereinbarungen für die Ausgabe von als Pass dienenden Reisepapieren'und die Vorteihaftigkeit einer möglichst 'weiten •"■Anwendung dieser Vereinbarungen "hingewiesen werden.- Anregungen der Debatte aufmerksam verfolgt habe und bei ihren Entschlüssen berücksichtigen werde. Das Problem könne nur in Zusammenarbeit der Auswanderungs- und der Einwanderungsländer gelöst werden, und er hoffe, dass sich eine solche Zusammenarbeit erzielen lassen werde. Die Frage der Siedlungen in Ostafrika und Nordrhodesien sei äusserst kompliziert. Sie müsse sorgfältigst geprüft werden, um Fehlschläge zu vermeiden. Die Oeffnung der Dominien könne nur von diesen selbst beschlossen werden. Wenn Einwanderer Fabriken, Werkstätten und geschäftliche Betriebe in England eröffneten, seien sie jederzeit willkommen. Das gleiche gelte, wenn sie sich an den technischen Instituten des Landes für ihre Niederlassung in anderen Ländern vorbereiten wollten. Eine Politik der offenen Tür könne bei der herrschenden Arbeitslosigkeit nicht getrieben werden, aber die Regierung sei bereit, die Einwanderungsvorschriften in Zukunft liberaler als bisher zu handhaben. Alle Probleme könnten nicht in wenigen Tagen oder Wochen gelöst werden. Er sei jedoch der Ansicht, dass die Ergebnisse von Evian eine hoffnungsvolle Zukunft eröffneten. Im Unterhaus setzte sich Sir Percy Harris für grosszügige Ansiedlungen in unentwickelten Gebieten des Empires wie etwa in Kenya und Australien ein. Die Londoner Konferenz müsse von der Tradition und dem Geist Nansens inspiriert werden. Lord Wintertons Sekretär in Evian, der konservative Abgeordnete Captain Victor Cazalet verbreitete sich sehr ausführlich über das Judenproblem in der Welt. Er setzte sich aber im wesentlichen dafür ein, die Auswanderung aus Deutschland auf die breiteste Basis zu stellen. Auch er forderte ein Territorium innerhalb des britischen Empire zur Ansiedlung von Zehntausenden von Familien. Es sei dies nicht eine jüdische, sondern eine menschliche Angelegenheit. An dieser Stelle war es Lord W i n t e r t o n, der Führer der britischen Delegation in Evian, . der für die Regierung antwortete. Er'bezeichnete. die Besprechungen in Evian als einen ersten Schritt innerhalb eines fortdauernden Prozesses. Man habe in Evian praktische Wege gesucht, und habe erkannt, dass das Problem "eher durch Infiltration als durch Masseneinwanderung zu lösen sei. England selbst strebe einen mittleren Kurs an, das besage, dass eine unterschiedslose Zulassung von Einwanderern nach England nicht möglich sei. Einzelfälle würden wohlwollend geprüft werden. Die ständige Organisation,'-die man in Evian geschaffen habe und die nunmehr in London ihre Arbeit beginne, werde mit den Instanzen des Völkerbundes keineswegs in Wettbewerb treten. Die Abgrenzung der Kompetenzen sei klar. Der Völkerbund mit seinem Hochkommissar beschäftige sich mit den Ausgewanderten, während das Londoner Committee jene Menschen betreuen werde, die in Zukunft auswandern wollten. Er glaube, dass alle in Evian vertretenen Regierungen bereit seien, ihr Bestes zu tun, und dass auch Australien positiver mitarbeiten würde, als Sir Percy Harris befürchtet habe. Abschliessend gab er der Hoffnung Ausdruck, dass auch die Geburtsländer der Minderheiten die Notwendigkeit, die finanziellen Hilfsquellen der Auswanderer nicht zu verschliessen, anerkennen würden. Er dankte Myron Taylor und Senator Berenger für ihre Arbeit, erinnerte dabei an die Verdienste Hoovers um die Weltkriegsopfer, besonders hob er die Verdienste der jüdischen Organisationen hervor, die bei ihren privaten Unterhaltungen mit den Delegierten einen hohen Grad von Mässigung und abgewogenem Urteil gezeigt hätten. Or. Weitere Nachrichten vom Tage siehe Seite 4. Chefredakteur: Dr. Alfred Hirschberg Stellvertretender Chefredakteur: Dr. Ernst G Löwent h a 1. Verantwortlich für die Aufnahme von Bildern und für Sport-. Di. EmstG Löwenthal, für Feuilleton: Hans O p p e n h e i m e r. Sämtlich in Berlin. Für Rücksendung unverlangter Einsendungen ist Freium«cbla" beizufügen. Leiter der Anzeigen-Abteilung und verant* wörtlich für den Inhält der Anzeigen: Friedrich Nath an Berlin DA. 11 Vj 38 323 PI. 6 Verlag: Jüdische- Ctntral Verejn e. V., Berlin W 15. Emser Str 42. Drucl der Burhu. Tiefdruck Gesellschaft mbH . 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