Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 30 (28.7.1938)
- Date
- 1938-07-28
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 C.-V.-Zeifung Nr.30 * 23. Juli 1938 echaft — von rund 3,5 auf 7,4 Millionen LP vergrößert; allein das Elektrokapital, das ausser den 334 Millionen Aktienkapital der Ruthenberg- Gesellschaft noch einige Fabriken für elektrische Apparate, Kabel und sonstiges Installationsmaterial umfasst, ist von lYs auf 3,8 Millionen LP gestiegen. Während sich aber, nach diesen Ziffern, in der eigentlichen Industrie die Produktion um 50% vergrößert bat, ist die- Zahl der Beschäftigten nur Von 14 420 auf 20 700 gestiegen. Stärkere Zunahme des Kapitals, geringere Zunahme der Beschaffigienziffer und der Beirieb s z a h 1 sind die Zeichen dafür, dass die durchschnittliche Betrieb&grösse steigt, dass also immer mehr richtige Industriebetriebe, die ein relativ grosses Kapital in Maschinen und Anlagen investieren, gegründet werden. Auch diese grösseren Betriebe sind freilich nach europäischen Begriffen noch Mittel- und Kleinbetriebe. Schalten Vir ausser Ruthenberg auch noch drei andere, über den Durchschnitt hinausragende Betriebe aus, nämlich die Palästina Potash, die Oelwerke Schemen und die Zementfabrik Nescher, so erhalten wir für _ die 1500 verbleibenden Betriebe nur ein relativ geringes Durchschnittskapital von etwa 3000 LP. Obwohl also der persönliche, mittelständische Charakter der Industrie stark ausgeprägt ist, sind heute schon 7, w e i Drittel der eigentlichen Industriebetriebe in der Form der Aktiengesellschaft organisiert. Daneben spielen die Genossenschaften eine gewisse Rolle, die sich namentlich im Kreis der organisierten Arbeiterschaft entwickelt haben, teils wie die Lebensmittelbetriebe im Anschluss an die landwirtschaftlichen Arbeitersiedlungen (Tenuva), teils wie Steinbrüche und Balattenfabriken im Anschluss an die den Markt beherrschenden Baugenossenschaften der Arbeiterschaft, teils aber auch auf ganz anderen Gebieten wie namentlich im Buch- und Zeitungsdruck. Auch in Kreisen des privaten Handwerks und der privaten Industrie ist eine wachsende Tendenz zu genossenschaftlichen] Zusammenschluss zu verspüren, während das Bestreben nach Kartellgründungen trotz des allgemein empfundenen Bedürfnisses noch immer auf .grosse Schwierigkeiten stössi, die mit der Jugend und der Vielgestaltigkeit unserer Industrie zusammenhängen. Die Verteilung auf Stadt und Dorf Auch die eigentliche Industrie beschränkt, sich keineswegs auf die vier grossen Städte. In den d ö r 11 i c hen Bezirken, hauptsächlich innerhalb des Dreiecks Tel-Aviv—Petach Tikwah—Rechoboth sowie im Schomrin finden wir 275 Industrien mit rund 4700 Beschäftigten, wovon allerdings 1000 auf die zwei Werke der Palestine Potash am Toten Meer entfallen. Die kleinen Städte Petach Tikwah, Tiberias. Safed, Afule und Akko haben 79 Industriebetriebe mit 840 Beschäftigten. Die grosste Industriestadt des Landes ist nach wie vor Tel-Aviv, doch war gerade hier das Wachstum verhältnismässig gering. Die Zahl der Betriebe stieg von 54S auf 708, die Zahl der Beschäftigten von 7801 auf 8540; die Verlegung zahlreicher jüdischer Firmen aus Jaffa nach Tel-Aviv spielte keine Rolle, da diese Unternehmungen schon früher dem Wirtschaftsbezirk Tel-Aviv zugezählt wurden. Wesentlich stärker war das Wachstum in Jerusalem, wo die Zahl der Betriebe von 123 auf 229, die Zahl der Beschäftigten von 1487 auf 2810 gestiegen ist. In H a i f a hat sich die Zahl der Betriebe sogar mehr als verdoppelt — von 116 auf 261 —, während die Zahl der Beschäftigten nur von 2152 auf 3830 zugenommen hat. In allen diesen Zahlen sind weder die Handwerksbetriebe, noch die Kraftwerke der Palestine Electric Corporation enthalten. Der Zensus der Jewish Ageney erfasst natürlich nur die jüdische Industrie. Diese aber stellt 85% der gesamten palästinensischen Industrie dar. Die arabische Industrie beschränkt sich im ■wesentlichen auf die Waschseifenfabrikation in Nablus, die Verarbeitung von Olivenholz in den Bezirken des Oelbaus sowie die Herstellung religiöser und sonstiger Kunstgewerbearbeiten in den christlich-arabischen Städten Nazareth und Bethlehem. Weitergehende Gründungspläne wie eine Reismühle, eine Zündholzfabrik und eine Metallwarenfabrik stehen noch im Stadium der Planung. An sonstigen nichtjüdischen Betrieben ist vornehmlich die mit englischem Kapital arbeitende Elektrizitätsgsellschaft von Jerusalem zu erwähnen. Die geplante Petroleumraffinerie der Irak Petroleum Co. wird erst in diesem Jahre gebaut werden. Die Bauunternehmungen werden im Sinne des Zensus nicht zur Industrie gezählt. Teiinngskommission vor dem Aufbruch Das Londoner Kolonialamt hat bekanntgegeben, dass die Teilungskommission in der zweiten Augustwoche in London eintreffen und ihre Sitzungen dort am 15. August fortsetzen wird. Personen, die vor der Kommission Aussagen zu machen wünschen, sollten sich im Kolonialamt anmelden und dabei eine Denkschrift in sechsfacher Ausführung einreichen. Es wird bei dieser Gelegenheit erneut darauf hingewiesen, dass die Kommission ein technisches Gremium sei, dessen Aufgabe auf die Feststellung von Tatsachen und die Erwägung der einzelnen Möglichkeiten zur Durchführung eines Teilungsplanes beschränkt ist. Die Kommission, habe die Grenzen des in Aussicht genommenen jüdischen bzw. arabischen Staates snwie der unter ein ständiges bzw. zeitweiliges britisches Mandat zu stellenden Gebiete anzugeben. Sie habe ferner über wirtschaftliche, finanzielle und andere aus der Teilung erwachsende Probleme zu beraten und zu berichten. Unterhauserklärungen Wiederum gab die Situation in Palästina Anlas« zu wiederholten Anfragen und Regierungserklärungen im Unterhaus. Von politischer Bedeutung war in diesem Zusammenhang eine Feststellung des Kolonialministers über die von Lord Winterton in Evian zu den Palästinafragen eingenommene Haltung. Der Minister bestritt, dass Lord Wintertons Erklärungen über die Einschränkung der jüdischen Einwanderung nach Palästina von der Absicht der Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Bevölkerungsverhältnisses getragen gewesen sei. Es handle sich vielmehr-bei der augenblicklichen Einwanderungspolitik um eine zeitweilige Massnahme, die beendet werden würde, sobald die Regierung in der Lage sei, ihre Entscheidung über die Palästinapolitik zu fällen. Etwas anderes habe auch Lord Winterton nicht ausdrücken wollen. Bei dieser Gelegenheit gab Minister MacDonald die folgenden Zählen über die letzten Opfer der Palästinaunruhen bekannt: In den zwei Wochen, die mit dem 19. Juli endeten, wurden in Palästina 77 Personen getötet und 247 verwundet. Während der letzten drei Jahre betrug die Gesamtzahl der Getöteten 635, davon waren 64 Briten, 185 Juden und 386 Araber. Nochmals der Wedgwood-Brief Die Veröffentlichung oder Verbreitung des von Colonel Wedgwood am 30. Mai an den Verband der ehemaligen jüdischen Offiziere in Tel- Avjv gerichteten Schreibens (vgl. C.-V.-Zeitung Nr. 29 vom 21. Juli) ist verboten worden. In England selbst hat sich an die Veröffentlichung des Briefes noch ein Nachspiel angeknüpft. Sir Laurie Hammond, ein Mitglied der Königlichen Palästinakommission, erteilte in der „Times" Colonel Wedgwood eine "öffentliche Antwort, in der er sich dagegen wandte, dass man durch Aufforderung zum passiven Widerstand Gel ins Feuer giesse. Die von der Königlichen Kommission als wichtigste Forderung dargestellte Notwendigkeit, die Autorität der Mandatsmacht zu stärken, werde durch solche Vorschläge ihrem Ziele nicht, nähergebrachi. In einer ausführlichen Entgegnung wandte sich Wedgwood gegen diesen Standpunkt. Er betonte, dass von Unparteilichkeit der Mandatsregierung nicht mehr gesprochen werden könne, da es eine Unparteilichkeit zwischen Mördern und Ermordeten nicht geben könne. Eine solche Unparteilichkeit müsse die Freunde der Opfer zur Verzweiflung treiben. Wieder warnt er vor Racheakten an unschuldigen Menschen, beharrt aber bei seinem Standpunkt, dass passiver Widerstand und aktiver Protest wirksame Mittel zur Wiederherstellung der Ordnung seien. Arabischer Bürgermeister für Jerusalem Die Mitglieder des Stadtrates von Jerusalem sind durch den Bezirkskommissar von dem Beschluss der Regierung in Kenntnis gesetzt worden, dass zwei neue mohammedanische Mitglieder des Stadtrates ernannt werden sollen, von denen einer das Amt des Bürgermeiste/s übernehmen werde. Der Stadtrat wird auf Grund dieser Regelung aus zwölf Mitgliedern bestehen, aus sechs Juden, vier Mohammedanern und zwei Christen. Die Ersetzung des gegenwärtig amtierenden jüdischen Bürgermeisters Daniel Auster durch einen arabischen Bürgermeister wird in jüdischen Kreisen als ungerechte Konzession an die Araber empfunden, da 60 Prozent der Bevölkerung Jerusalems jüdisch sind. Die Namen der neuen Räte sind noch nicht bekannt Zwei neue jüdische Kolonien in den Bergen Judäas bei K i r j a t A n a w i m hat die Kwuza Bamaale von 180 Dunam Boden Besitz genommen, die ihr der Keren Kajemet zur Verfügung gestellt hatie. 350 Mitglieder der Kwuza und freiwillige Mitarbeiter aus anderen Siedlungen sowie 80 Hilfspolizisten beteiligten sich anöden Gründungsarbeiten. Die neue Siedlung erhält den Namen GiwatHachamischa zur Erinnerung an die fünf jungen Arbeiter von Kirjat Anawirl, die im November des vergangenen' Jahres als Opfer der Araber gefallen sind- Auch im Scharon wird in der Nähe von Ewen Jehuda auf 1200 Dunam eine neue Kolonie errichtei. Ihr Name ist T e 1 J i z c h a k. Nachrichten vom Tage Den jüdischen und arabischen Zeitungen ist seitens des Presseamtes cier Mandatsregierung äusserste Zurückhaltung auferlegt worden. Der ,.Dawaru ist für 14 Tage verboten worden, die arabische Zeitung „Felestin" für ein? Woche. Bei einem Flugzeugunglück zwischen Czerncf witz und Bukarest, dem das polnische Flugzeua ..Lot", das den Flugdienst.zwischen Warschau und Palästina versieht, zum Opfer fiel, wurden u. ader Tel-Aviver Kaufmann Gradzawski und ein Czernowitzer Jude namens Nusselbaum getötet. De* Vorsitzende der palästinensisch-rumänischen Handelskammer Chelouche ist _ nach Abschluss eines neuen Abkommens zwischen Palästina und Rumänien nach Palästina abgereist. Das Abkommen wird der Palästinaregierung zur Genehmigung vorgelegt. Der Keren Kajemeth Lejisrael machte vor Eurzem (vgl. Nr. 23 der C.-V.-Zeitung vom 9. Juni) ein Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen für den 6. Band des „Goldenen Baches des Keren Kajemeth" in Jerusalem bekannt. Das Hauptbüro des KKL hat sich auf Grund zahlreicher von Künstlern des In- und Auslandes eingegangener Gesuche entschlossen, den endgültigen Einlieferungstermin auf den 15. September 193S festzusetzen. Nur für jüdische Arbeitgeber und Arbeitnehmer ANGEBOTE Weber und Webmeisfer j (jüd.). g-esucht. \ Nähere Ausfuhr, vermittelt C. S056 J C. -V. - Zeitung-, Berlin W. 15. Schofför iüd. bestempfohlen, zu Jeder anderen Arbeit bestens geeignet, sucht per sof. Beschaff.. Off. u. K. 8093. C.-V.-Zeitung:, Berlin W 15. /— ik£®uhyedtäm§ —^ übernimmt iüd. Büroangestellter, mit allen vorkom- 3 tuenden Büroarbeiten bestens vertraut. Auch perf. in | 1 Propaganda. K 7662 C.-V.-Zeitung, Berlin W 15. J TAGESSTELLUNG in kleinem Haushalt suehi perfekt« vertrauenswürdige iüd. Wirtschafterin in. Berlin. Angeb. unt. 3. S092. CT.-Zeitung:. Berlin W 15. EKtki. Stenotypistin iüd.. auch in Buchhalte, bewandert, für grosses Geschäft in Franltf urt a. M. sofort eesucbt. Sainstaes geschlossen. Aaeeb. unt. K. S099. 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