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Central-Verein-Zeitung · 1938-07-28 · 30 (28.7.1938) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
30 (28.7.1938)
Date
1938-07-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 30 * 1. Beiblatt CYIeitong 28. Juli 1938 * Seite 3 Äuslandsnachrichten Argentinien Eine von zahlreichen Abgeordneten eingebrachte Resolution, in der die Regierung angeregt wird, Massnahmen zur 'Steig erung der Einwanderung einzuleiten, wurde dem verfassungsmässigen Ausschuss zur weiteren Bearbeitung übergeben. Estland Wohlfahrtsminister N. 0. Kask erklärte in einem Interview,, dass in Estland alle Nationalitäten gemäss der Verfassung die gleichen Rechte besässen. Es müsse jedoch darauf geachtet werden, dass das Minderheitenproblem nicht durch das Anwachsen der Einwanderungswelle zu einem Problem werde, wie dies in anderen Ländern geschehen sei. Nur aus diesem Grunde habe man beschlossen, keine neue jüdische Einwan derung zuzulassen. Holland Der Redakteur der holländischen Wirtschaf tszeitschrift ..Inen Uitvoer", M. d e V r i e s , erhielt das goldene Verdienstkreuz der Republik Polen. Der bekannte Amsterdamer Hautarzt Ed. Wiener ist zum korrespondierenden Mitglied der ..Societe Francaise de dermatologie et de syphiiigraphie ä Paris" ernannt worden. Italien Die Einrichtung der von uns in der vorigen Nummer gemeldeten ..Generaldirektion für Bevölkerung und Rasse"' beim Innenministerium, dessen Leiter bisher noch nicht ernannt wurde, macht sich in zahlreichen Aufsätzen der italienischen Presse bemerkbar. In ihnen wird das Rasseproblem in antijüdischem Sinne behandelt. Solche Beiträge veröffentlichen u. a. .,11 Messagero", der Aussenpolitiker .des „Giornale d'Italia" Gayda, „La Tribuna". ..Corriere della Sera" und ..Ii Tevere", in besonders scharfer Form. Im August wird in Rom eine besondere Zeitschrift über Rassefragen, „ La diffesa della razza", erscheinen. Polen Der Senat nahm ein Gesetz an, das in der Gemeindevertretung auch der Städte, in denen die. jüdische Bevölkerung die Mehrheit hat, das Uebergewicht der christlichen herstellt. — Ein weiteres Gesetz bestimmt, dass die Absolventen der Mittelschulen erst dann' zum Hoch- ■ Sommer-SchlnQ-VerkagiW mit weit herabgesetzten Preisen Enrfürstendamm 100 § Ende: 6. Angrnst 4 scbulstudium zugelassen werden, wenn "sie der Arbe.itsdiens t p flicht nachgekommen eind. Da jüdische Schüler zum Arbeitslager nicht zugelassen werden, befürchtet man, dass damit '. der vollkommene Ausschluss vom Hochschulstudium bewirkt wird. Der Abgeordnete Emil Sommer stein hat deswegen bei der Regierung interveniert. , . . Rumänien Aus Anlass des Todes der Koni gi n- Mutter Maria bat die Bukarester jüdische Gemeinde ein Beileidstelegramm an König Carol gesandt. In den Synagogen des Landes fanden Trauergottesdienste statt. Schweden Die Aussenminister von "Belgien, Dänemark, Finnland, Holland, Luxemburg, Norwegen und Schweden traten in Kopenhagen zu einer Konferenz zusammen, auf der u. a. auch das Aus Wandererproblem erörtert wurde. Norwegen und Finnland sollen die Zulassung . einer beschränkten Zahl. von Einwanderern angekündigt haben, während die übrigen Staaten Erwägungen darüber anstellen wollen, ob die Einwanderungsvorschriften gelockert werden können. Schweiz In Chaux-de-Fonds in der französischen Schweiz verstarb der Verwaltungspräsident-, der jüdischen Gemeinde, Andre Gut mann. Mitglied des Komitees des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes, Vizepräsident des Stadtrates der Stadt Chaux-de-Fonds. Zu den Begräbnisfeierlichkeiten,. die unter grosser Anteilnahme aus allen Schichten der Bevölkerung stattfanden, war als Vertreter der Behörden der Bergpräfekt erschienen. Ferner waren Delegationen - des Stadtrates, der Radikaldemokratischen Partei, verschiedener lokaler Verbände und des Israelitischen Gemeindebundes der Schweiz anwesend. X Unter den diesjährigen Preisträgern der höheren Schulen von Lausanne befand sich die jüdische Schülerin Jacqueline Blum, die die Reifeprüfung mit Auszeichnung bestand und der es gleichzeitig gelang, einen der begehrtesten und' schwierigsten Preise, den Osirispreis, zu erlangen. * Der oberste Gerichtshof der Schweiz, das Bundesgericht, fällte kürzlich eine wichtige Entscheidung. 'Es handelte sich um einen staatenlosen Flüchtling, der mehrere Male von den Schweizer und den französischen Behörden jeweils in das andere Land abgeschoben worden war und auf Grund eines im Jahre 1936 ergangenen Ausweisungsbefehls jedesmal einer Briefmarken - Fritz Lewin Berlin W 35, Lützowstrasse 91 A. empfindlichen Gefängnisstrafe ausgesetzt war, wenn er in der Schweiz angetroffen wurde. Das letzte Mal war er ' von den französischen Behörden über die Schweizer Grenze geschafft und dort nach längerem Aufenthalt verhaftet worden. Obwohl sein Eintritt in die Schweiz unfreiwillig erfolgt war, erhob die Staatsanwaltschaft Klage wegen unrechtmässigen Verweilens auf Schweizer Gebiet. Das Bezirksgericht in Zürich hatte den Angeklagten freigesprochen, das Obergericht dagegen auf Appellation, der Staatsanwaltschaft eine■ Gefängnisstrafe von 14 Tagen verhängt, mit der Begründung, dass es Pflicht des Angeklagten sei. sich bei den Behörden zu melden. Der Einwand, dass er dann Verhaftung und neuerliche Abschiebung, zu gewärtigen habe, wurde nicht gelten gelassen. Die Kassationsbeschwerde beim Bundesgericht hatte vollen Erfolg. In seiner Sitzung" vom 21. Juni sprach der oberste Gerichtshof der Schweiz den Angeklagten vollständig frei, indem er sich die Argumente des Berufungsklägers zu' eigen machte. Südafrika Im Club der Union Jüdischer Frauen in Durban sprach Lady Dune an, die Frau des südafrikanischen Generalgouverneurs. Sie zollte der jüdischen Gemeinschaftsarbeit warme Anerkennung und wies auf die Vorbildlichkeit des jüdischen Familienlebens, ihre Liebe zu den Künsten, ihre Hilfsbereitschaft hin, die sie zu wertvollen und vorbildlichen Bürgern des Landes mache. Tschecho-Slowakei Als Vertreter der Jüdischen Partei wird Ingenieur Dr. Aschermann auch in Zukunft dem Prager Stadtrat als Abgeordneter angehören. — Ministerpräsident Hodza empfing als Vertreter der jüdischen Minderheit den Vorsitzenden'der Jüdischen Partei, Ernst Fischer. In seiner Begleitung befanden sich Dr. Angelo Gold st ein", und Dr. Chaim Kugel. Der Ministerpräsident nahm einen Bericht über die Uhren HERBER? &ATZ Goidwaren Ankauf G.B. II. 48548. W 30, Barbarossastr.14. Tel. 262132 Lage des Judentums in der Tschecho-Slowakei und Anregungen, die sich aus der Situation ergeben, entgegen: — Die Familien Weinniann und Petschek haben ihren Aktienbesitz an den grossen Kohlengruben in Nordböhmen verkauft. Ungarn Dr. Leo G o 1 d b e r g e r de Bu da, wurde auf weitere fünf Jahre vom Reichsverweser Admiral v. Horthy zum MitglieddesOberh a u s e s ernannt. Bilder von Horst Moratz Ausstellung im Jüdischen Kulturbund Berlin Bildnisstudie zu „Die Schauspielerin E. B.' (Zeichnung) Alter Fischer (Oel) Leihgabe von Dr. Kurt Singer Fot. (2) Abraham, (Berlin) ffiHHllHIHIHJHH Andre Spire / Zu seinem siebzigsten Geburtstag am 28. Juli Wer von uns weiss, dass zu Beginn des Jahrhunderts in der französischen Literatur eine Gruppe von Schriftstellern hervortrat, die gerade ihr gemeinsames jüdisches Bewusstsein verband? Natürlich kennen wir alle jene Juden, die im 20. Jahrhundert in französischer Sprache schrieben und Weltruhm erlangt haben: Tristan Bernard. de P o r t o -R i c h e (de l'Academie Franchise), Henry Bernstein und manche andere. Bald nach dem Kriege machte gerade das jüdische Publikum ein Name aufhorchen: Edmond Fleg. Wer hätte nicht den kleinen Propheten geliebt, hätte sich nicht der religiös-legendenhaften Darstellung des Moses gefreut? Fleg jedoch, und das war vielen neu, ist gerade jener oben erwähnten Gruppe zuzurechnen. Ihr Initiator jedoch ist eben der Mann, dessen 70. Geburtstag in diesen Tagen gefeiert wird. Man vergegenwärtige sich einen Augenblick die geistige Situation um die Mitte des 19. Jahrhunderts: Der Glaube an die allmächtige Wis- Einmalige Gelegenheit! Einige cofnö. Schlafü. Wohnzimmer f. Auswanderer geeignet, preiswert zn verkaufen JAKOB 3TOSSBAUM, FEAXKFCRT a. M. Hammanstrasse 6 Telephon 54184 senschaft hatte die Geister in Frankreich mit Enthusiasmus ergriffen. Renan hatte von einem neuen Zeitalter geträumt und es in hinreissender Sprache verkündet. „Vernunft und Wissenschaft" waren von je die Abgötter eines Volkes gewesen, das alles der Prüfung durch die Vernunft unterwarf. Bald verlangten aber die uralten Sehnsüchte und Instinkte des Menschen wieder ihr Recht, und das unruhige Hers des Dichters konnte auch in dieser neuesten ..letzten" Lösung keine Ruhe finden. Dabei hatte der lothringische Jude Andre Spire (geboren in Nancy am 28. Juli 186S) ganz ..vernünftig" und üblich seine bürgerliche Laufbahn begonnen. Als Jurist promoviert er mit einer Arbeit über die Verantwortlichkeit der Gemeinden bei Zusammenrottungen. Wir vermuten' auch den künftigen Lyriker nicht, wenn wir lesen, dass er über den „Verein gegen Hausbettelei im Grossherzogtum Baden" geschrieben hat. Der Dr. jur ist erst im Staatsrat beschäftigt, später wird er höherer Beamter im Landwirtschaftsministerium. Wie vereinigt der Dichter nun diese zwei Welten, denen sein Leben gehört? Indem er zwar den Kopf in den Wolken trägt, aber gleichzeitig mit beiden Füssen auf der Erde bleibt. Daher zeichnet eine unmittelbare, volksliedhafte Einfachheit die Lyrik dieses Mannes aus: Als wir diesen Klang hörten. Warum wurden da unsere Augen feucht? Als wir diesen Klang hörten. Warum neigten sich da unsere Körper? Ah wir diesen Klang hörten, Warum drückten wir da unsere Hände? Als wir diesen Klang hörten, Warum fanden sich da unsere Lippen? Zeichnung von Ernst Kaufmann (Leipzig) pmkmM MMPmiei in den erlaubten Waren C 2, Spandauer — Kömgstr.

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