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Central-Verein-Zeitung · 1938-07-14 · 28 (14.7.1938) · page 15

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
28 (14.7.1938)
Date
1938-07-14
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr.2S* U.Juli 1938 4. Beiblatt;-» C.-V.-Zeitung Seife 15 mi XMAKTEß^ 5 _ ^or> •ouptelitre J^Mm^lC), -=J-^B ^^^J im Jüdisch ai Kulturbund Berlin V— Als Sommerpremiere brachte die Berliner Kulturbundbühne drei — von S. T r e b i t s c b übersetzte — Einakter des Franzosen Georges C o u r t e 1 i n e heraus, unter ihnen den bekanntesten und. oft gespielten, die tragische Posse „Boubouroche". Courteline hat mit dieser Gattungsbezeichnung, im" Sinne seines grossen geistigen Vorfahren Moliere, eine Erneuerung der altfranzösischen, spätmittelalterlicben Farce angestrebt: Possenhaftes im Spiegel des Menschlichen zu zeigen; menschliche Charakterzüge, auch unter schwank-haft-burlesken Voraussetzungen, einer unbedingten Wahrheit der Lebensäusserung entgegenzuführen und sie, wo es sich aus der Komik der Situation ergibt, bis ins Tragische emporzusteigern. In dieser Verbindung, burlesker und mehr oder minder tragischer Elemente liegt die eigenartige Bedeutung, liegt aber auch eine gewisse Gefahr der Courtelineschen Bühnenkunst. Denn nur, wo beides ineinander restlos aufgeht, wird sich der Zuschauer wirklich befriedigt fühlen. Courteline konnte solche Gefahr immerhin noch in den Einaktern vermeiden, in denen er den esprit gaulois, seinen echt gallischen Witz über die beruflichen Schwächen seiner Menschen höhnend ausgiesst; man denke nur an die beiden glänzenden Satiren „Le Commissaire est bon enfant" oder ,;Le Gendarme est sans pitie". In den rein menschlichen Bezirken seiner gedrängten Dramolets wird aber ein Ausgleich beider Stilarten immer nur auf Kosten der Glaubwürdigkeit zu erzielen sein. Der ahnungslose Boubouroche entdeckt eines Tages bei seiner Geliebten einen jungen Galan im häuslich eingerichteten Versteck eines Schrankes — eine Schwanksituation: die sich als beliebtes Requisitenmotiv von Geschlecht zu Geschlecht bis in die modernen Vaudevilles fortgeerbt hat. Wie aber reagiert sein kindliches Gemüt auf solch ungeahnte Ueberraschungen? Er lässt sich von Adele einen dummen Bären aufbinden, verzeiht ihr und leistet noch grossmütig Abbitte — ganz wie Georges Dandin bei Moliere seine ungetreue Angelique kniefällig um Verzeihung bittet. Aber wie schon Molieres reicher Bauer mit diesem Akt der Versöhnung bei Zeitgenossen und Späteren — und nicht etwa nur aus moralischen Gründen — Widerspruch gefunden hat, so konnte auch die rührende Naivität des grossen, bequemen und vom Schicksal verzärtelten. Kindes Boubouroche keine Tragik vortäuschen, die mit der drastischen Situation in nähere Uebereinstimmung zu bringen war. Und doch gab sich Max Ehrlich, der in vielen Sätteln gerechte Tausendsassa, die redlichste Mühe, uns die Figur menschlich nahezubringen, ja, uns weniger in den Ausbrüchen der Enttäuschung, des Zornes, des Schmerzes als in einer einzigen stumm-beredten Geste des Tragischen (in dem Moment, da er von der Untreue der Geliebten erfährt) fast vergessen zu lassen, dass er eigentlich — ein ganz grosser Komiker ist. Ehrlichs unwiderstehliche vis comica konnte sich dann, in den beiden folgenden Einaktern nach Herzenslust ausbreiten, ausladen, ausleben. Auch hier ist, sowohl in der häuslichen Ehe- Szene „Er und Sie" wie in der Kaffeehaus¬ und Schauspielerszene „Mimensiege" die Komik menschlich transparent geworden; auch hier gibt es burleske Züge, die sich zum Charakterbild zusammenschliessen und zum mindesten in der Gestalt des Schauspielers Rondouille tragische Färbung annehmen. Aber der arg-. wöhnische, feige Prahlhans, den Ehrlich in der Maske eines französischen Marquis in einem fortdauernden amüsanten Furioso — bis zur Zerstörungswut — sinnfällig machte, Hess ebenso wenig dumpfe, klagende Molltöne aufkommen wie sein Schauspieler Rapetaux mit den grosstuerischen Allüren und dem eitlen Aplomb des alten Provinztheaterkomödianten. Gerade in dieser Schauspielerszene hatte Ehrlich denn auch Gelegenheit, an seine allbekannten Kleinkunst- Improvisationen wieder anzuknüpfen und zu allgemeinem Ergötzen einige „allegorische" Maskenscherze zum Besten zu geben. Man sieht: Max Ehrlich war an diesem Courteline-Abend Trumpf, und seine Partner und Partnerinnen hatten ihm oft nur das Stichwort zu geben oder ihm williges Sprachrohr zu sein. Bedeutsamer hervor trat — in den „Mimen siegen" —_ Alfred Lichtenstein, der als Darsteller des genannten Schauspielers Rondouille, eines heruntergekommenen Rivalen Rapetaux", wieder seine aufs schärfste profilierte Kunst der Charakteristik lebendig werden liess. Zwischen Ehrlich und Lichtenstein stand der leise und bedächtige Willy P r a g e r , der seine Rolle als aufmerksamer Zuhörer noch mit Ohrfeigen bezahlen muss. Von den beiden Frauen in „Boubouroche" und „Er und Sie" war Gerda Klein der berechnende, lügnerische, frivol überlegene Vamp, Elfriede B o r o d k i n die scharmant überlegene junge Ehefrau, die ihre Ironien dem eifersüchtigen Manne gegenüber mit lustiger Sicherheit spielen liess. Dem Liebhaber im Versteck gab Bert B a e r etwas von der frischen, gereiften, geistesgegenwärtigen Jungenhaftigkeit seines Wesens. Der „alte Herr", der im Cafe das Geheimnis der Untreue Adelens an Boubouroche preisgibt, war Herbert Grünbaum : eine Note zu weich und zu wenig suggestiv in seinen Einflüsterungen. In kleinen Episoden: Sigmund Nuiiberg und Fritz L i o n. Der amüsante Abend, der durch die straffe, Farben und Nüancen geschickt verteilende Regie Fritz W i s t e n s zusammengehalten wurde und dem einige flott hingeworfene Scbwarz-Weiss- Pr-ospekte auf der Bühne (Heinz C o n d e 11) eine ebenso einfache wie sinngemässe Umrahmung schufen, fand ehrlichen, verdienten Beifall. Dr. Hugo Lachnianski. , % Sie Zeichnungen von Igna Beth geworden, die ein besseres Druckverfahren zeigt als früher erschienene Ansichten, üeberblickt man die Teile dieser Serie, so muss man feststellen, dass es sich hier nicht um Meisterwerke handelt, wohl aber um sehr instruktive Wegweiser für den Palästinafahrer, der Einzelheiten von Naturschönheiten oft durch diese Karten besser erkennen kann als durch die Arbeit der Photographen, denen sich mannigfache Schwierigkeiten zum Festhalten bestimmter Motive in den Weg stellen. Sachlichkeit und ein Bestreben, sich eingehend und liebevoll In die Materie zu versenken — das sind die Charakterzüge dieser Postkarten. Knoller hat in Palästina alles mögliche gezeichnet, sein Stift hielt auf dem Papier die Bäume des Landes und die Felsen fest, die Stellen, an denen die biblische Geschichte spricht, die „Eiche Abrahams" bei Hebron, von der die Legende der Patriarchenzeit berichtet, oder das „Monument des Absalom" in Jerusalem und den blühenden Weinstock auf „Sichron Jakob". Ausserdem spricht die Landschaft in diesen Karten, die Bucht von Haifa mit ihren Schönheiten, ein Ausschnitt aus dem eigenartigen Gebiet von Kallia am Toten Meer, der knorrige Stamm der Orangenbäume mit den im Wind sich biegenden Aesten. 1 0. B., Neue Arbeiten jüdischer Maler Der Maler Ludwig Nunberg, Berlin, legt eine Reihe neuer Arbeiten vor, die wieder einmal den Beweis für das längst anerkannte Können dieses Künstlers vor Augen bringen. Es sind Radierungen von Gotteshäusern in Berlin, Blätter mit den architektonischen Schönheiten des Friedenstempels oder der Synagoge in der Prinzregentenstrasse. Vieles ist farbig ausgewertet, wodurch die festen Umrisse bestimmter Architekturteile einprägsam und zugleich in künstlerischem Licht erscheinen. Der jüdische Architekt, der den Tempel in der Prinzregentenstrasse errichtete, müsste seine Genugtuung darüber finden, dass der Maler Ludwig Nunberg den einzigartigen Reiz moderner'Kurven und die sachliche Auswertung des Raumes als Erlebnis geprägt hat. So auch vermögen diese Radierungen den Teilnehmern am Gottesdienst etwas vom Geist erbaulicher Stunden im Zusammenklang mit künstlerischer Formung mit in den Alltag zu geben. Der Maler Jakob Knoller in Berlin legt eine Serie von Postkarten vor, die er nach seinen Handzeichnungen in Palästina herstellen liess. Es ist eine ziemlich umfangreiche Folge 100000 Pfund für die Sammhmg Schiff Während dreier Auktionstage löste die Londoner Firma Christies die wertvollen Bestände der amerikanischen Sammlung M o r - t i m e r L- Schiff auf, über die bereits an dieser Stelle ausführlich vorberichtet wurde. Der internationale Charakter dieser New"-Yorker Sammlung hatte zahlreiche Interessenten aus Amerika, Holland. Frankreich und Deutschland nach London gerufen- Das Gesamtergebnis der Versteigerung betrug 101949 Pfund Sterling. Das. Hauptstück der Sammlung, Rogier van der Weydens „Traum des Papstes Sergius", fiel trotz heftiger Konkurrenz eines Londoner Händlers an eine Pariser Firma. Es erreichte den hohen Preis von 14 000 Guineas. Das ist dreimal mehr, als bei der letzten Versteigerung für ein Werk des flämischen Meisters gezahlt wurde. Eine wesentliche Preissteigerung erfuhr auch Bernard van Orleys „Legende des Heiligen Martin". Es wurde einem Londoner Händler für 15000 Guineas zugeschlagn. Ein reizendes kleines Damenbildnis von Corneille de Lyon brachte 900 Guineas, ein Isenbrant „Maria mit Kind von zwei Engeln gekrönt" 1000 und ein Frauenbildnis von Jan Mostaert 17 500 Guineas. Für die kleine Sammlung französischer Zeichnungen des 18. Jahrhunderts wurden fast 13 000 Pfund Sterling erreicht. Besonders gut wurden die Blätter von Lavreince bewertet. Die Gegenstücke „L'Assemblee au Salon" und „L'Assemblee au Concert" gingen für 3750 Guineas nach Paris. Ein anderer Pariser Händler gab 900 Guineas für eine Zeichnung Watteaus, und ein Watteau, eine Zeichnung mit drei Frauen, wurde von einer Londoner Firma für 720 Guineas erworben. O. B. Künstlerische Veranstaltungen Ini Jüdischen Kulturbund Rliein-Ruhr begegnete man gern wieder einmal Walter Herz (Hertner), dessen ausgezeichnete Sprech- Vnnst. die Hörer einen ganzen Abend hindurch in Bann hielt. Als Eckpfeiler des glücklich zuzusammengehaltenen Programms ragten das Wie unser Klavier in die Familie kam Von Walter Kornick Diese Erzählung wurde beim Preisausschreiben der C.-U.-Zeitung ausgezeichnet. 1, Sokrates im Tiergarten Leute, die damals, um das Jahr 18.an schönen Nachmittagen in der Gegend der Tiergartenstrasse spazieren zu gehen pflegten oder gar zu deren beneideten Bewohnern gehörten, werden ihnen wohl ab und zu begegnet sein, den Dreien. Die Droschkenkutscher der Gegend sagten: „Die Kleine Bendlerstrassenorjel is wieder da!", wenn der schlanke Onkel in der Mitte, die beiden Kinder ihm zur Seite gegenüber der Einmündung der Bendlerstrasse haltmachten, um eine viertel, eine halbe oder eine ganze Stunde dort zu verweilen und mit gespanntester Aufmerksamkeit und häufigen lebhaften Gestikulationen ein ehrwürdiges graues Häuschen zu betrachten, das mit seinen eieubetupften Mauern, halbverrosteten Fenstergittern und einem verwilderten Gärtchen an jener Strassenecke damals stand. Obwohl das Häuschen, unscheinbar, wie es war, in Demut und unsagbarer Ruhe vor sich hinträumt und aus dieser kaum je durch ein ein- oder ausgehendes menschliches Wesen, höchstens einmal durch ein paar Spatzen gestört wird, so muss es doch wohl in den Augen der drei standhaften Beobachter da drüben, insbesondere der beiden Kinder, als etwas höchst Ungewöhnliches und Wunderbares sich darstellen. Blicke, die so leuchten, werfen richtige Kinder sonst nur auf sehr bewegliche Vorgänge oder auf den geheimnisvoll wogenden Theatervorhang, der sie ihnen für eine der allernächsten Minuten verheisst Da seht: jetzt zeigen sie alle, drei wieder mit den Fingern auf das Haus: ja, eines der Kinder, der Junge ist es, läuft nun wie ein Wilder und als gelte es, ein gefährdetes Menschenleben zu letten, über, den Strassendamnij schwingt sich, mit der Entschlossenheit eines Feuerwehrmannes auf den steinernen Sockel des Vorgartengitters, zeigt auf ein Fenster des Häuschens und tauscht mit den Drübengebliebenen, dem OnkeL und der Schwester, in heftiger Zeichensprache Mitteilungen von offenbar erschütternder Wichtigkeit und Dringlichkeit aus. Wäre man nicht in einer so ausserordentlich vornehmen Gegend — ja, aber das ist man allerdings: wo die drei stehen, da beginnt die „Rousseau-Insel" ihren Lauf, und ein Blick in den Tiergarten hinein lässt den weissen Marmor des Denkmals der Königin Luise durch die Bäume schimmern (manchmal auch in dem trägen Wasser sich spiegeln): halt: für Herrschaften extra muros sei bemerkt: die „Rousseau-Insel" ist nach berlinischer Auffassung keine Insel, sondern ein Gewässer, ein träges gutmütiges Fliess, das den Tiergarten, je nach der Jahreszeit, der Stimmung und den verarbeiteten Gasen, weiss oder schwarz, grau, gelb oder grün durchblutet. Ja, wäre man nicht in einer so masslos vornehmen Gegend, so würde das Volk Berlins hinter drei so auffallend sich benehmenden Menschen sich ansammeln in der Erwägung,-dass es da drüben brennt oder dass Pauline Lucca dort den Schah von Persien mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Aber Simon Sachs, Onkel Simon, der wusste wohl, dass hierhin kein zu Aufläufen aufgelegtes Volk sich verlaufe, und hatte deshalb diesen idyllischen Ort für seine regelmässigen Zusammenkünfte mit den-beiden Kindern gewählt. Diese nannten ihn Onkel, da der zwei- oder dreiunddreissigjährige Mann, der schon an ihren Babybetten gesessen und binnen die ersten Märchen erzählt hatte, einen würdigeren Namen verdiente als bloss „Simon". Denn von Rechts wegen war er ihr Schwager, der Mann ihrer Zweitältesten Schwester Emma, die fast achtzehn Jahre älter war als die neunjährige Jenny. Und wenn Emma und Onkel Simon demnächst ein Kind bekommen würden, wovon Jenny und Hermann zu Hause jetzt öfters hatten munkeln hören, dann würden sie diesem Kinde sogar Onkel und Tante sein. Aber Onkel Simon war und blieb noch für lange Onkel Simon. Uebrigens aber durchaus ein Onkel höherer Art. Ein Onkel, der es niemals (wie gewisse andere Onkel) sich einfallen liess, die elterlichen Erziehungsmaßnahmen zu ergänzen. Ein Onkel, der es niemals (im Gegensatz zu gewissen Tanten) sich einfallen liess, den Kindern zum <=- Geburtstag „selbstgestrickte" Strümpfe zu schenken. Wieder näherte man sich eines Tages unter lebhaftem Geplauder der vertrauten und berühmten . Ecke. Es war an einem schönen Februarnachmittag. Ein frischer Windeshauch, mit Frühlingspochen untermischt, stiess den Spaziergängern unter die Nasen. „Onkel Simon, unser Haus!" rief das kleine Mädchen und hüpfte am Arm des Onkels mehrmals in die Höhe. „Unsere Villa", verbesserte der Knabe Hermann an der anderen Seite des Onkels und hüpfte ebenfalls, aber nur einmal, in die Höhe. „Ist zu eurer heutigen Abendgesellschaft alles vorbereitet, Jenny?" fragte der Onkel in geschäftsmässigem Tone. „Um Gotes willen, Onkel! heute Abend? Wer kommt? Ich habe nur eben vorhin bei Martini im Vorbeigehen etwas italienischen Salat und sechs oder sieben Kästen spanischer Trauben zum Nachtisch bestellt." „Das ist immerhin besser als nichts. Für den Grafen und die Gräfin Almaviva wäre ja beinahe gesorgt. Aber an Lord und Lady Kookburn und Herrn Kerkermeister Rocco und die Dame - Adelaide, die ebenfalls kommen, scheinst du nicht gedacht zu haben? Für die englischen ' Herrschaften wirst du Roastbeef und heissen Schinken herbeischaffen müssen..." „Gut, Onkel. Aber für den Kerkermeister genügt doch wohl Käse? Nun, und Adelaide rührt ja nie bei uns etwas an. Hermann, setz dich schnell auf dein Zweirad, das neue, hohe, das Tante1 Margarete von Valois' dir gestern mitgebracht hat, als sie zum Cafe zu uns kam, und sage Mariini, was wir noch brauchen. Ist Herr Kerkermeister Rocco ein gebildeter Mensch', Onkel Simon?" - „Es geht. Er hat einen schweren Beruf, siehst du. Aber er ist immer heiter. Schwierigkeiten werdet ihr indes mit dem englischen Lord und der Lady haben. Sie können nur auf englisch zählen. Das. müsst ihr also rasch noch lernen. Es ist nicht sehr schwer: one, two, three. Auf euern Treppenstufen hat sich wieder viel fauler des Laub angesammelt. Während du sie scheuerst, wollen wir lernen." Und dann begann der Onkel, die englischen Zahlen aufzusagen, und die Kinder mussten sie ihm nachsprechen. Denn Hermann war natürlich trotz des ihm erteilten Auftrages an der Seite des Onkels geblieben. Alle drei wussten, dass das graue Häuschen mit den efeuumrankten Fenstern und dem etwas vernachlässigten Garten nur in der Phantasie das ihre war und dass all die anregenden und aufregenden Begebenheiten, die sich in ihm zutrugen, nur in der Phantasie der drei Freunde sich abspielten. Aber was trug sich da nicht alles zu! Fast kein Abend verlief ohne mehr oder minder erlauchte Gäste. Man schwebte in beständiger Furcht, es könnte mal unversehens ein Prinz oder eine Prinzessin kommen. Manchmal stockte die Unterhaltung bei diesen Gelagen. Doch dann entschloss man sich, mit den Gästen auszufahren. Man rief nach dem Stallknecht, der eine Livree trug und bloss „du" genannt wurde, und liess zwei oder drei der leichten Wägelchen vorfahren, deren Sitzwerk ganz aus hellgelbem Korbgeflecht bestand und während der Fahrt wippte. Hermann fuhr auf seinem hohen Zweirad hinter dem letzten Wagen her, was so gefährlich aussah, dass die geängsteten Damen kein Auge von ihm wendeten. Kamen Kinder zum ersten Male zu Besuch, so musste man vormittags rasch zu Soehlke heranspringen und die neuesten lebensgrossen Puppen für die Mädchen, die technisch vollkommensten Eisenbahnen für die Buben kaufen. Alles dies kam aber nur' bei den Nachmittagsgelagen in Betracht. Die Abende dagegen wurden fast ausschliesslich der Musikausübung gewidmet. Die Gastgeber, Jenny und Hermann, im bürgerlichen Leben zwei kleine Geschwister von neun und elf Jahren, die aber an der Seite des Onkels sich

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