Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 28 (14.7.1938)
- Date
- 1938-07-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 14 C.-V.-Zeifung Nr.28 * 14. Juli 1938 Palästina, Alexander Zeid (52 Jahre), .wurde zwischen Scheich Abrek und der neugegründeten Kwuza Alonim getötet. In T i b e - rias wurde der achtzehnjährige Mordecba Abraham M i s r a c h bei der Rückkehr von der Arbeit erschossen. In Haifa wurden wieder drei jüdische Autobusse mit Bomben beworfen. Dabei wurde der 27jährige Eiiahu Schoschani getötet, Mosch e Keller, Mos che Hofer, Samuel Wolf, Josef G rossbar d, Zwi Fritz und Elieser Cohen schwer und sechs andere Passagiere leicht verwundet. Ein Araber, der eine Bombe geworfen hatte, wurde von dem Fahrer eines anderen jüdischen Autobusses getötet. Am späteren Nachmittag wurde gleichfalls in Haifa der englische Jude P. V. Tobias (50 Jahre) aus Cardiff in seinem ftVagen angeschossen, herausgerissen und getötet, als er mit einem Freund, von Haifa Bay in die Stadt zurückkehrte. Er war der Besitzer einer Glasfabrik. In Daburieh griff eine arabische Bande eine britische und jüdische Polizeipatrouille an und tötete den jüdischen Polizisten Josef Ben-Mosche sowie einen britischen Polizisten. Je zwei britische und jüdische Polizisten wurden verwundet. .In Tulkerem wurde der arabische Polizeioffizier Selim-el-Bitar erschossen, während er sich bei einem arabischen Friseur die Haare schneiden liess. In Nablus fuhr ein britischer Militärkraftwagen auf eine Landmine auf. wobei mehrere Offiziere, darunter Leutnant Wavell, der Sohn des früheren Generalmajors Wavell, und viele Soldaten verwundet wurden. Verstärkungen griffen eine^ arabische Bande an, die man als für die Placierung der Mine verantwortlich betrachtete, und töteten drei Araber. Die Bande floh in die Richtung des Dorfes Daburieh, wurde aber von Truppen verfolgt, die weitere 10 Araber töteten und viele verletzten. Auch in Naz-arcth kam es zu einer Schiesserei, bei der drei Araber und ein jüdischer Hilfspolizist getötet wurden. Am 12. Juli wurde der 60 Jahre alte Scheich Ali-el-Katib, ein Geistlicher der Omar-Moschee, in der Altstadt von Jerusalem erschossen. Vor dem grössten Glas- und Porzellanwarengeschäit in Jerusalem, das sich in der Nähe des Hauptpostamtes befindet, explodierte eine Bombe, die zwei Juden verletzte. Die Stellung der Juden Die Haltung der offiziellen jüdischen Stellen zu den letzten Terrorakten, an denen, wie in manchen Fällen klar ersichtlich ist, auch Juden aktiv beteiligt waren, ist unbeirrt und vorbildlich. Der W a a d Lemni veröffentlichte sofort nach dem Schreckenstag in Haifa ein scharf gefasstes Manifest, in dem er in strengster Weise jeden jüdischen Vergeltungsakt an Arabern verurteilte. Jede derartige Aktion bedeute einen Schandfleck für die gesamte jüdische Bevölkerung und gefährde die allgemeine Sicherheit. Der einzige Weg der Selbstverteidigung sei der konstruktive Aufbau des Landes. Auch der Stadtrat von Haifa, sowie das Oberrabbinat veröffentlichten Proklamationen, in denen sie die Vorkommnisse beklagen und die Juden beschwören, ihre Hände nicht mit Blut zu beilecken. Chaim Weizmann richtete von London aus einen Appell an die palästinensische Judenheit, in der auch er sie zu strengster Selbst- -beherrschung und Bekämpfung aller Vergeltungsmassnahmen aufruft. Der Waad Leumi und andere repräsentative Körperschaften traten zu einer Sitzung zusam- In feierlicher Zusammenkunft wurde der Grundstein zu dem neuen Gebäude gelebt, dass durch die hochherzige ~ S t i i tun g der Familie des verstorbenen amerikanischen Philanthropen Salomon Rosenblum errichtet werden kann. Neben der National- und Universitätsbibliothek, die grosse Schätze beherbergt, aber gerade in den allgemeinen Wissenschaften noch sehr viel Bücher braucht, wird der Bau für die Wissenschaft vom Judentum stehen. Es wird über die Stadt schauen können, über ihre Türme und ihre Täler, über den Tempelplatz, auf welchem die grosse Moschee steht, und über die neuen Viertel, und der jüdischen Forschung werdeu aus diesem herrlichen Anblick stets neue Kräfte erwachsen. Der Kanzler der Universtät leitete und eröffnetete die Feier, zu welcher sich die führenden Männer der jüdischen Wissenschaft in Jerusalem versammelt hatten. Er sprach Mr. Charles R ösenbl u m,' dem Sohne des verstorbenen Salomon Rosenblum. den besonderen Dank der Universität aus — auch alle anderen Redner folgten diesem Beispiel — und betonte, dass das Judentum im Herzen der Universität läge, dass es* die eigentliche Seele sei. Eine Erneuerung des Landes und des jüdischen Volkes sei ohne die Synthese von jüdischer Tradition und philosophischem Denken nicht möglich. Ohne seinen geistigen Bestand werde das Judentum weder in Palästina noch an irgendeinem Orte der Welt von leiblichem Bestände sein. Die Lehre müsse den Weg ins Leben suchen., um in Wahrheit und Frieden das Volk zu führen. Magnes wandte sich an die Jugend, die in beispielloser Weise in den letzten schweren Jahren eine Haltung gezeigt habe, die nicht ihres gleichen habe. Ein neuer Begriff „Hawlaga" — nicht am grünen Tische ersonnen — eei aus dem Leben erstanden, -der hebräischen Sprache geschenkt. Diese Haltung, etwa mit „Selbstbeherrschung-', „Zurückhaltung" zu übersetzen, sei wahres Judentum, in ihrem Sinne wollen wir arbeiten und aufbauen. F. Ar. men mid setzten ein Sechserkomitee zur Bekämpfung des Individualterrors ein. In dem Komitee sind die Gemeinde Tel-Aviv, die jüdischen Gemeinden Jerusalem und Haifa, die Vereinigung jüdischer Pflanzer, die Histadrut und die Agudas Jisrael vertreten. Die Gegenwirkung der Araber Selbstverständlich haben die Araber nicht versäumt, die einzelnen jüdischen Vergeltungstaten sofort zu heftiger Propaganda und Protestaktionen auszunutzen. Sie haben nicht nur in den grösseren arabischen Städten einen Proteststreik proklamiert, sondern unter Führung von Ragheb Bey Nashashibi eine Delegation zum High Commissionar Sir Harold Mac Michael entsandt, die gegen die Morde an Arabern und Juden protestierte. Auch der Emir Abdullah von- Transjordanien hat dem High Commissionar eine Denkschrift über die gegenwärtige Span-' nung in Transjordanien zugesandt. Eine arabische Frauenorganisation hat gleichfalls eine Denkschrift eingereicht, in der die Verbannung der jüdischen Führer verlangt wird. Eine Delegation arabischer Notabein aus Nablus, Tulkerem und Dschenin erschien bei dem Distriktskommissar und verlangte die Entwaffnung der Juden, Auflösung der .jüdischen Institutionen und die Verbannung der jüdischen Führer nach dem ^Beispiel dessen, was mit den aufständischen Arabern geschehen sei. Die Regierungsmassnahmen Im Anschluss an die vorstehenden Vorfälle wurden im ganzen Lande Verhaftungen vorgenommen, die sich, soweit sie Juden betrafen, vorwiegend auf Revisionisten erstreckten. In Tel-Aviv wurden sechs, in Jerusalem 25 Revisionisten verhaftet, darunter in Jerusalem der Revisionistenführer Ephraim Was c h i t z, der -zusammen niit seinem Sekretär und zwei "Büroangestellten-festgenommen wurde. In fast allen Städten wurde vorübergehender oder länger andauernder Ausnahmezustand verhängt. Die britische Regierung trug dem Ernst der Lage Rechnung,' indem sie die Panzerkreuzer „Emerald" und „Repulse" nach Haifa beorderte. Die 600 Matrosen des Kreuzers „Emerald" besetzten alle strategischen Gefahrenpunkte der Stadt. Es wurde ausserdem in London offiziell bekanntgegeben, dass zwei Infanteriebataillone und ein weiteres motorisiertes Regiment nach Palästina abkommandiert werden. Ausserdem soll im September eine Infanteriebrigade mit drei Einheiten nach Palästina gelegt, werden. Wenn diese Truppenbewegungen durchgeführt werden, werden drei Infanteriebrigaden sowie Einheiten des Royal Corps of Signals, des Royal Ordnance Corps, eine Panzerwagenkompanie und Kavallerieeinheiten in- Palästina vereinigt sein. Die T^ilungskommission arbeitet weiter Während der letzten Woche vernahm die Teilungskommission in geschlossener Sitzung eme Abordnung deutsch-christlicher Farmer, die Vertreter der PICA (Palestine Jewish Colonisation Association), Mos che Sm'ilansky, den Vorsitzenden der Vereinigung jüdischer Pflanzer, sowie eine: Abordnung des Öberrabbinats, die von .Oberrabbiner Dr. H e r z o g geführt wurde. Die letzte Vernehmung dauerte zwei Stunden. In ihr wurde die Forderung, gewisse jüdisch-religiöse Prinzipien in die Verfassung des jüdischen Staates aufzunehmen, besprochen. Die Abordnung bestritt auch in kategorischer Weise die in Umlauf befindlichen Gerüchte, nach denen die Juden Absichten auf die heiligen Stätten der Mohammedaner haben. Ferner wurde die Position von Jerusalem innerhalb eines jüdischen Staates, besprochen. Nachrichten vom Tage Dr. F. Rottenstreich, das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, ist nach kurzer schwerer Krankheit in Jerusalem gestorben. Sein Begräbnis, das'im Beisein zahlreicher führender Juden aus dem ganzen Land stattfand, nahm -von' dem Gebäude der Jewish Agency _seinen Ausgang. Am .Grabe 'sprachen "Isaak G riinb a um für'die Jewish Agency, S u;p.r a sky für die Allgemeinen Zionist'en; (Grüppe.B), denen der •Verstorbene angehört : hatter ' und Rabbiner Ostrowsky im Namen des Waad Leumi: * In Detroit (Michigan, USA) hielt 'die Zionistische Organisation Amerikas eine Tagung ab. in derder Politik Chaim Weizmanns vollste Unterstützung zugesagt wurde. Der bisherige Präsident der Organisation, Dr. Stephan Wise, legte sein Amt nieder. An seiner Stelle wurde Dr. Salomon Goldmann' zum Präsidenten gewählt. Harrv F r i e d e h w a 1 d , Louis L i p s k y, ■Mack Rothenberg, Stephan W rs e und:Miss Henrietta S z o 1 d wurden zu Vizepräsidenten gewählt. - . * Nachdem der Kolonialminister Malcolm 'Mac-Donald ' bereits vor wenigen Tagen im Unterhaus eine Erklärung über die palästinensischen Verhältnisse abgegeben hatte, wurde er am 11, Juli durch die Anfrage des •Abgeordneten Fletcher zu einer neuen Erklärung veranlasst. Er nahm auf die heuen Zwischenfälle in Haifa und Jerusalem bezug und erwähnte das Eintreffen der Panzerkreuzer „Repulse" und ..Emerald". Er teilte ferner mit, dass das -erste Bataillon der irischen Garde und das erste Bataillon des Essex-Regiments in Palästina eingetroffen seien, und dass weitere Schwadronen sowie ein Panzerwagenregiment 'in diesen Tagen erwartet würden. Auf die .Anfrage des Abgeordneten Donner, ob eine Durchsuchung jedes einzelnen Hauses in 'Palästina nach Feuerwaffen in Erwägung gezogen sei, erwiderte der Minister, dass eine solche Massnahme .grössere militärische Kräfte erfordern würde, als sie gegenwärtig in Palästina vorhanden seien. - Die dritte Krise Von unserem «-Palästina-Berichterstatter Tel-Aviv. 7. Juli. Die blutigen Ereignisse von Tel-Aviv. Jerusalem und Haiia, die neue Serie von Mordüberfällen und Brandstiftungen auf dem jüdischen Land, die Entführung der noch immer nicht aufgefundenen drei Jugendlichen von Givat Ada. dio Erregung am Tage der Hinrichtung. Ben-Josefs — alle diese Vorfälle in ihrer überstürzenden Folge haben, wie sich immer deutlicher .zeigt,eine neue Phase h\> der Entwicklung der palästinensischen Unruhen eingeleitet. Es begann mit. der politischen Krise. Die lange Dauer der politischen Krise löste die wirtschaftliche Krise aus, und als es. trotz aller Warnungen und Bemühungen, in zweieinhalb Jahren nicht gelang, die politische und -wirtschaftliche Krise zu liquidieren, begann die dritte Krise, vielleicht die ernsteste von allen, die seelische Krise. Der äussere Verlauf der Ereignisse darf als bekannt vorausgesetzt werden. Nur soviel sei zum Verständnis des Zusammenhangs wiederholt: seit einigen Wochen scheint sich auf dem flachen Lande eine neue Taktik des arabischen Terrors durchgesetzt-zu haben. Die organisierten Banden lieferten dem englischen Militär keine grösseren Schlachten mehr, sei es. weil ihre Kräfte durch die'-.verlustreichen Zusammenstösse der vorangegangenen Zeit, durch die wirksamere Sperrung der Grenzen und der geldlichen Hilfsquellen erschöpft waren, sei es, weil die Führer von sich, aus die Aussichtslosigkeit dieser Kampf- , handlungen einsahen. Dafür mehrten sich die Raubüberfälle auf arabische Dörfer. Und je mehr die Terroristen erkennen mussten, dass auch der Versuch zur Ueberrumpelung und Vernichtung ganzer jüdischer Siedlungen immer wieder an der Entschlossenheit der Absvehr scheiterte, desto wilder und grausamer wurden die Ueberfälle auf einzelne Juden, die auf entlegenen Feldern oder in unbelebten Strassen ihrer Arbeit nachgingen. Die Erbitterung wuchs unter dem Druck dieses ständigen Terrors, der dauernden politischen Ungewissheit und der anhaltenden wirtschaftlichen Depression. Man machte der Regierung, sowohl der Londoner Zentrale wie der Jerusalemer Administration, den Vorwurf, dass sie die ihr zu Gebote stehenden Möglichkeiten zur Unterdrückung des Terrors, zur Klärung der politischen Lage und zur Ankurbelung der Wirtschaft nicht in vollem Umfang ausnutze, und schon zeitig warnten einsichtige Führer, diese Belastungsprobe nicht allzulange fortzusetzen. Zwar die Wirtschaft hielt, wenn auch mit mancherlei Rissen und Verlusten, den Stürmen stand, und tut es noch heute. Auch das politische Gefüge des jüdischen Palästina und des Zionismus ist trotz allem intakt geblieben und weiter fähig, für eine gerechte Endlösung zu kämpfen. Würden aber die Nerven durchhalten, würde die moralische Widerstandskraft nicht erlahmen? Das war die grosse Sorge der verantwortlichen Führer in den letzten zweieinhalb Jahren. Bis heute haben Nerven und Disziplin des jüdischen Palästina sich über Erwarten gut bewährt. Jetzt sind zum ersten Male Risse in der Front sichtbar. Mit grossem Ernst wird diese „moralische Krise der Disziplin" ganz öffentlich' diskutiert. Allerdings ist die Schuldfrage bei den . letzten Ereignissen noch keineswegs . geklärt. Zweieinhalb Jahre lang -wurde in England und. .Jerusalem die. Selbstbeherrschung der palästinensischen Juden gelobt. Alle Energien und alle Opferbereitsehaft konzentrierte sich auf die .heldenmütige Abwehr des Terrors, auf die Bekämpfung der. wirtschaftlichen Krise und des. sozialen Elends, auf die Sicherung einer verhandiungsfähigen-. politischen -Front. In. der Frage des -Terrors war die jüdische Parole klar: die Abwehr des Terrors ist unsere Sache: — es ist bekannt, dass unter dem. Druck der 'jüdischen. Zentralinstanzen,immer mehr der jüdische Selbstschutz ausgebaut werden "konnte, wenn auch noch -längst'nicht in dem geforderten und erforderlichen Ausmass. Immerhin hat sich die Regierung in letzter. Zeit doch entschlossen, nicht nur die Zahl der jüdischen Hilfspolizisten und der freiwilligen Reservepolizisten beträchtlich zu vermehren, sondern auch die schon vor mehr als einem, Jahre, verpflichtete und ausgebildetejüdische Eisenbahn-Schutztruppe nunmehr zum Dienst einzuberufen. Die Verhütung des .Terrors aber, durch Abschreckung oder Verstopfung seiner Hilfsquellen oder wie auch immer — sollte, dem Gesetz entsprechend, Sache der Mandatsregierung sein und bleiben, und es war, wie der Bauernführer S m i 1 a ns k i es jetzt ausdrückte, die stärkste moralische Waffe, dass jüdische Hände, abgesehen von klaren Fällen einwandfreier Notwehr und Verteidigung, rein waren von arabischem Blut. Und Smilanski beklagt es bitter, dass unsere Führer nach den letzten Vorfällen dieses Argument nicht mehr mit voller Kraft und in vollem Umfang werden anwenden können. Er erblickt in diesem Abbröckeln der Disziplin ein — an sich mehr als gerechtfertigtes — Zeichen der Ermüdung und warnt vor den unabsehbaren Gefahren, die eine •weitere Lockerung der moralischen Richtlinien, eine weitere Entfesselung der Leidenschaften nach sich ziehen muss. Alle, Engländer," Araber und Juden, die nicht, das Aeusserste getan haben, um durch eine schnelle Endlösung selbst unter Opfern diese .voraussehbaren Gefahren zu vermeiden, macht er für diese gefahrdrohende Lage verantwortlich. . Es ist bezeichnend, in welcher Form sich diese Ermüdungszeichen äussern, i n w eichen B.ähnen diese seelische Krise verläuft. Die wirtschaftliche Depression des Jahres 1926 hatte eine Art Panik ausgelöst, Kapitalflucht und Auswanderung nahmen solchen Umfang, an, dass die jüdische Bevölkerung und wahrscheinlich auch das jüdische Volksvermögen in Palästina, zurückgingen. Diesmal aber traf die Erschütterung eine wirtschaftlich, politisch und organisatorisch schon weitgehend gefestigte Gemeinschaft. Die Panik blieb, aus, Kapitalflucht und Auswanderung hielten und halten sich in engen Grenzen; sie werden durchdie ständige Einwanderung und Kapitaleinfuhr weitaus überkompensiert. Der Glaube an das Land und seine Zukunft blieb unerschüttert. Erschüttert aber wurde in einzelnen Kreisen .der-Glaube an die Zweckmässigkeit der „Hawlaga'-', der Selbstbeherrschung, des absoluten Verzichtes auf Vergeltung- und Abschreckung durch Gegenterror, der seit Beginn der Unruhen anerkanntes Grundgesetz des jüdischen Palästina war. Und je weniger die Befriedung des Landes von hoher Hand, durch die zuständigen Stellen forischritl, desto näher lag die Theorie, dass man sich mit dem bewaffneten Angreifer nur " in seiner Sprache, der Sprache des bewaffneten Angriffs, verständigen könne. Und diese Lehre gewann einen unvermuteten Kronzeugen: die Londoner „Times"- schrieb anlässlich eines der jüngsten; Ereignisse,-, dass solche Vergeltungsakte' zwar zu'beklagen, aber zu verstehen seien, und die. -Erfahrung habe gezeigt, dass einem solchen Gegenschlag inder Tat der arabische Terror ■für eine Weile wesentlich vorsichtiger zu Werke .gehe. . . - Trotz allem ist noch heute die offizielle Führung ^und . die überwältigende M e h r Ire i t des organisierten' Jischuwfür die Hawlaga und gegen jeden Bruch der Disziplin. Man weiss nur zu gut, zu welchen schweren äusseren Konflikten'und nicht zuletzt auch inneren Spaltungen es führen kann, wenn einmal die Sturmflut der Leidenschaften den Damm der eisernen Disziplin durchbrochen hat. Und gerade in diesen entscheidenden Tagen ist Selbstzucht und Geschlossenheit wichtiger als je. Und es muss mit'allem Nachdruck-betont werden: zwar kann ein grosser Teil des jüdischen Volkes die Leidenschaften verstehen — ja er fühlt sie wohl sogar selbst — die einige junge Menschen dieser Tage zur Bombe oder zum Revolver greifen Hessen. Trotzdem werden Vergeltungstaten von nahezu allen .. Parteien und Gruppen des jüdischen Palästina verurteilt. Nicht nur, weil man weiss, dass' eine Verschärfung der Leidenschaften auch neues jüdisches Blut kosten muss, sondern weil man es für ein sittliches und politisches Gebot zugleich hält, alle Kräfte auf ■Abwehr und Aufbau zu konzentrieren, die Befriedung des Landes zu fördern und die baldige Freigabe der Einwanderung für die wartenden Brüder in der Diaspora zu erreichen. Das Arbeiterblatt „Dawar" schrieb in seinem Nachruf für Ben Josef: „Mit Ehrfurcht und Achtung haben wir .gehört, wie Ben Josef in seinen-, letzten Tagen verstanden: hat, in würdiger Haltung" dem .Tode entgegenzugehen. Unsere Jugend aber soll es verstehen, den Weg des Lebens zu gehen. Sie soll wissen; Unsere Nationalhelden sind nicht Ben Josef und die Irrenden von Rosch Pinah, sondern Josef Trumpeldor und die Verteidiger Erez Israels in Tirath Zwi und Chanita, die .das Leben meistern und doch auch zu sterben wissen für ihr Land und ihr Volk." (Josef Trampeldor gehörte der Arbeiterbewegung an.) Und es ist vielleicht ein gutes Omen für. die Möglichkeit auch einer seelischen Krisen-Ueberwindung, dass trotz der Erregung, welche die Ereignisse der letzten .Wochen, ausgelöst haben, Arbeit und äusseres Leben in -Stadt und Land, selbst kurze Zeit nach ernsten Zwischenfällen, ' ihren unveränderten Gang weitergehen. Jedenfalls, war diese Woche des Schreckens für alle, welche die Mächt und die Verantwortung tragen, eine ernste Mahnung, .-. die bisherige Unentschlossenheit aufzugeben: und . dem drängenden Friedenswillen, .der in .weitesten Kreisen der jüdischen und -der arabischen Bevölkerung -herrscht, durch eine gerechte : Endlösung,..die trotz allem ■ gefunden werden kann,.:Rechnung.-zu ' tragen. - : ....... : ... ..,;. .