Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 28 (14.7.1938)
- Date
- 1938-07-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 28 3. Beiblatt Palä»tinn-I msehnii der C-V.-Zeitnng Seite T3 14. Juli 1938 Die Terrorkurve steigt weiter Hatte man in der vergangenen. Woche mit ihren folgenreichen Zwischenfällen schon geglaubt, einen Tiefstand erreicht zu haben, so wurde er in den darauffolgenden Tagen, über die heute zu berichten ist, noch unterschritten. Die'kurze Berichtszeit von sieben Tagen, die mit dem 5. Juli begann, birgt eine solche Fülle von Blutopfern sowohl auf jüdischer wie auf 'arabischer Seite, wie sie wohl seit "dem Beginn des Aufbaus so dicht gedrängt noch nicht zu beklagen waren. Am 5. Juli wurde eine Gruppe jüdischer Arbeiter aus der Siedlung Ejn Vered bei T el Mond während ihrer Feldarbeit von einer grossen Araberbande überfallen. Zwei von ihnen, der 35jährige;aüs Litauen gebürtige A b a Schrayer und der 30jährige aus Polen eingewanderte Mo.rdechai Licht, wurden erschossen, während der 38jährige Arie Cohen und der 34jährige Schraga Auerbuch so schwer verwundet wurden, dass sie kurze Zeit darauf ihren Verletzungen erlagen. ■ Auerbuch war ein Hilfspolizist, der die Arbeiter begleitet hatte. Ein weiterer Anschlag hatte am gleichen Tage in der Jerusalemer Altstadt die schwere Verwundung des 42jährigen Mosche Zabban und seines 22jährigen Sohnes C h a j i m zur Folge. In Rosch Pina wurden durch Schüsse, aus dem Hinterhalt drei Juden verwundet, davon der 3Sjährige Joschua Bloom schwer, der 39jährige Elieser Kozviner und der 22jährige Nathan Rein leicht. Die jüdische Siedlung Migdal, die in der Nähe von Lady Readings Landgut" gelegen ist, -wurde nachts in ungewöhnlicher "„Weise von .Terroristenüberfallen. Zunächst wurde eine zur Siedlung führende Brücke beschädigt, sämtliche Telephondrähte durchschnitten, dann errichtete die Bande zehn Steinbarrikaden auf der Landstrasse, um die Polizei an der Hilfeleistung zu hindern. Schliesslich wurden 500 Schüsse von allen Seiten her auf die Siedlung abgegeben. Erst nach längerem heftigen Kampfe gelang es den jüdischen Hilfspolizisten, die Angreifer zu vertreiben. Der weitaus furchtbarste Tag der furchtbaren Woche war der 6. Juli, und von allen Schauplätzen, an-denen sich Gewalttaten ereigneten, war es wiederum das bisher relativ ruhige Haifa, das zum Tatort eines wüsten Blutvergiessens wurde. Der Aufruhr begann, als im Mittelpunkt der Stadt in der Nähe der Zentralpolizeistation eine Bombe geworfen 'wurde, durch deren Explosion acht Araber getötet und verwundet wurden. Kurz darauf wurde ein vor-' überfahrender jüdischer Omnibus von Arabern mit Steinen bombardiert, worauf der Chauffeur in die Luft feuerte. Polizei eilte herbei und eröffnete Feuer auf die Menge, die zusammengeströmt war. Auch T ü v i a Dounie, der Schwager Chaim Weizmanns, der in seinem Wagen zufällig die Steile des Aufruhrs passierte, geriet in die Feuerlinie und wurde erschossen, als er seinen Wagen anhielt, um einem schwerverwundeten arabischen Polizeioffizier Hilfe zu bringen. Er war Zivilingenieur und 55 Jahre alt. Im ganzen sollen, einem amtlichen Bericht zufolge, bei der Schiesserei, die eine halbe Stunde dauerte, fünf Juden getötet und zwölf verwundet worden sein. Ferner wurden 22 Araber getötet und 60 verwundet. Die toten Juden sind ausser Tuvia Dounie der 40jährige Kaufmann Abraham Hezroni, der 38jährige Kaufmann Mosche Toister, der aus Jerusalem in Haifa anwesende Josef Cohen und David E f r a t i. Unter den schwerverwundeten Juden sind Karl Schlesinger (20 Jahre) und ZeitunMasliach (29 Jahre). Weiter werden als verwundet genannt Obed Mosche (37- Jahre), Arie M o r d e c h.a. i (32 Jahre). Chajim Hirsch söhn (24 Jahre) und Elieser Grienb'erg (65 Jahre).-' Bei der Beerdigung der Opfer am nächsten Morgen um 4 Uhr früh spielten sich erschütternde Szenen ab. Es war nur Verwandten und Vertretern der Institutionen erlaubt, der Beisetzung beizuwohnen. Unter den Angehörigen der Familie Weizmann,, die aus allen Teilen des Landes zur Beisetzung Tuvia Dounies gekommen waren, befand sich auch die 86jährige Mutter Chaim Weizmanns. Das Begräbnis der getöteten Araber fand zur gleichen Zeit statt. Auch in T e 1 - A v i v hat der 6. Juli ein Todesopfer gefordert. Aus einem fahrenden Zug, der den Bahnübergang in der Herzistrasse passierte, warf ein Araber eine Bombe in die Menge, die an den Barrieren wartete. Ein jüdisches Mädchen, die 24jährige Sara Kovlin aus Kowno, wurde •getötet, der 50jährige Isaak Hur w-.i c z schwer ■und der' 12jährige Knabe Nathan Oded leicht verletzt. In N a z a r e t wurden zwei Angestellte der jüdischen Milchproduktgenossenschaft Tnuvä, Aaron Wo1tentreiber (32 Jahre) und Chajim Blau (30 Jahre), durch einen Bombenwurf schwer verwundet. In einem Kampf zwischen Militär, jüdischen Hilfspolizisten und einer Araberbande, die im Begriff war, die irakische Oelleitung im Emek zu zerstören, wurden zehn Araber getötet und neun schwer verwundet. Ein Soldat und ein Hilfspolizist werden leicht verletzt. Auch in der Nähe der jüdischen Siedlung Tirat Zwi fand eine Schiesserei statt, bei der ein Araber getötet wurde. Wenn der 7. Juli auch nicht annähernd eine Wiederholung des grauenhaften Vortages brachte, so ist er doch im ganzen Lande unruhig genug verlaufen. In Haifa wurde eine Gruppe von Juden bei dem Passieren eines Viertels mit gemischter Bevölkerung beschossen, wobei der "35jährige David Gordon getötet, Sabina 'Cohen (56 Jahre) und der 45jährige S a a d i a schwer verletzt und fünf weitere Juden leichter verletzt wurden. In der Altstadt von Jjrasa- 1 e m wurde an der gleichen Stelle, an der Vater und Sohn Zabban getötet worden waren, wiederum eine Bombe geworfen. Sie tötete zwei Araber und verwundete sechs, darunter eine Frau und zwei Kinder. Auf der Landstrasse Haifa—Tel-Aviv wurde ein Auto mit zwei Arabern in der Nahe von R a a n a n a aus dem Hinterhalt beschossen. Ein Araber wurde getötet, der zweite schwer verwundet. Eine - arabische Bande, die mehrere hundert Mann stark gewesen sein soll, versuchte, die transjordanische Grenze zu überschreiten, wurde aber von Militär unter Einschluss der Luftwaffe daran gehindert. Fünf Araber wurden getötet . und acht verwundet. Kfar Azar in der Nähe von Tel-Aviv wurde beschossen, die. Hilfspolizisten erwiderten das Feuer und trieben die Banditen in die Flucht. Einer von ihnen wurde getötet. Der nächste Tag, Freitag, der 8. Juli, hätte im ganzen eine leichte Beruhigung bringen können, wenn sie nicht durch ein schweres Bombenattentat am Jaffator in Jerusalem empfindlich" gestört wurde. Ein Autobus, der zwischen anderen Wagen dort an der Endstation stand, wurde durch die Explosion vollkommen zertrümmert, wobei vier Araber getötet und fünfzehn verwundet wurden. Ein Jude, der die Stelle zur gleichen Zeit passierte, wurde von Polizisten in Schutzhaft genommen. In Haifa 'wurde ein jüdischer Laden in Brand gesetzt; mehrere jüdische Passanten wmrden durch Steinwürfe und Messerstiche verwendet, davon der 62jährige Mosche Alsam und der 55jährige Abraham Simasc-honi schwer und der 34jährige Mosche K 1 e i n b a u m leicht. Auch während des Wochenendes hallte das ganze Land von Bomben und Gewehrschüssen wider. Am Sonnabend, den 9. Juli, drangen in T i b e r i a s zwei maskierte Araber in ein jüdisches Cafe ein und feuerten aus nächster Nähe auf die zwei Juden Abraham D u w e i k (26 Jahre) und M osche Akba d y (45 Jahre), die schwer verwundet wurden. Auf dem Weg von Tel-Aviv nach Mikwe-Israel wurden dfe' beiden siebzehnjährigen' I s aa k H a r r i f und Zwi Wallheim von'Arabern überfallen .und sctrwer verwundet. Der 35jährige. aus Deutschland stammende Joachim W o 1 f f wurde im Osten Haifas von Arabern mit Messerstichen schwer verletzt. Nachts überfielen Araber . das Dorf Schafram bei Haifa, töteten zwei' arabische Hilfspolizisten und raubten Gewehre. Truppen vertrieben die Terroristen und fügten ihnen Verluste bei: Auch am Sonntag, den 10. Juli, blieb die Situation in ganz Palästina gespannt. In Haifa w-urde eine Bombe in einen jüdischen Autobus, der Arbeiter nach Kirjat Chajim bringen sollte, geworfen. .Dabei wnirden der Autobusführer Walter Schachtel (31 Jahre), ferner D o v K r o 1 (33 Jahre), Arie Schostakowsky (34 Jahr e), Ä a r o n G o 1 d m a n n (29 Jahre) und Nathan Dubiher (40 Jahre) schwer und drei weitere Juden leicht verletzt. Eine weitere Bombe explodierte in Haifa in der Nähe der Eisenbahnstation, ohne Schaden anzurichten. Eine dritte Bombe wurde in einen vollbesetzten jüdischen Autobus in der Nähe des Regierungskrankenhauses geworfen. Dabei wurden 24 Juden verletzt, 13 von ihnen schwer. Unter den Schwerverletzten sind Josef Gross (14 Jahre), Jakob Adler (49 Jahre), Sima Margo- (48 Jahre), Reuben Kram er (23 Jahre), Jacob Adler (49 Jahre), Sima M a r g o - 1 i n (31 Jahre) und Abraham Grozowsky (44 Jahre). Krämer ist später seinen Verletzungen erlegen. Ein anderer jüdischer Autobus in Vorkaufsstellen der C.-V.-Zeitung nur für jüdische Interessenten befinden sich bei folgenden Jüdischen Buchvertrieben Berlin: Gerhard Fuchs, W 62, Wormser Strasse 6a M. Gonczer, N 4, Oranienburger Strasse 26 Kedem, Charl., Dahlmannsfr. 8 Rubin Mass, Charlottenburg, Pestalozzistrasse 15 Philo, W 15, Pariser Str. 44 M. Poppelauer, C 2, Neue Friedrichstrasse 59 Breslau: J. B. Brandeis, Karlstr. T Frieda. Lichtenstein, Kaiser-Wilhelm-Str. 116 Frankfurt a.M.: A. J. Hofmann, Gr. Wollgraben 41 Hugo Oppenheimer, Rückeri- 'Strasse 57 Hamburg: . Eva von der Dunk, Hallerstr. 76 ■ Köln: Wolf Topilowsky, Benesisstr. 49 München: Luise Bing, Herrnstr. 46 Stettin: Eberhard Burgheim, König- Albert-Str. 39 Haifa-wurde mit Steinen beworfen, wäe überhaupt Steinwürfe gegen Juden sich ständig wiederholten. Dref Passagiere wurden leicht verletzt. In ein jüdisches Cafe in Jerusalem wurde von einem vorbeifahrenden arabischen Autobus - eine Bombe geworfen, die einen Juden und einen Araber verletzte. In Ramie wurde ein jüdischer Autobus mit Steinen beworfen, wobei mehrere Fahrgäste schwer verwundet wurden. Im Hatikwa-Viertel von Tel-Aviv.wurde der 25jährige J i z c h a k C h a r i f durch Steinwürfe schwer und ein anderer Jude, Zwi Gustav Benhorn, leicht verwundet. Im Emek Sebulon wurden zwei jüdische Hilfspolizisten von Arabern angeschossen. Beide, Mosche Eisen band (25 Jahre) und MoscheCizek (27 Jahre), wurden schwer verwundet. Auch der folgende Tag, der 11. Juli, brachte noch keine Beruhigung. Er forderte weitere jüdische Todesopfer in grosser Zahl. Die Kolonie Gi w a t A d a wurde von einer 300. Mann starken arabischen Bande in Polizeiuniformen überfallen. Nachdem zunächst die jüdischen Siedler die feindselige Absicht der Araber nicht erkannten, begann sehr bald eine Schiesserei, als die Araber eine jüdische Frau "und zwei. Kinder entführt und sich selbst hinter Barrikaden verschanzt hatten. Der jüdische Hilfpolizist Simon MargoIis (34 Jahre), -Jizchak Kamornik (24 Jahre) und Naomi Goldberg (30 Jahre) wurden getötet und der jüdische Hilfspolizist Aaron Itzkovitz (20 Jahre) wurde schwer verletzt. Nach, einem heftigen Gefecht, bei dem den jüdischen Hilfspolizisten ihre Kameraden aus den umliegenden Kolonien zu Hilfe eilten, gelang es, die Angreifer zu vertreiben und die geraubte Frau und die Kinder zu befreien. Auch vor diesem Ueberfall hatten die Araber, wie wenige Tage vorher in Migdal, die Telephonleitungen zerschnitten. Einer der ältesten jüdischen Wächter in Blaue Radler Von Dr. M. Bloom (Tel-Aviv) Tel-Aviv ist schliesslich nicht Kopenhagen; dass es hier von Radfahrern wimmelt, kann man demnach nicht behaupten. Immerhin ist auch diese oft verlästerte Spezie in unserer täglich schöner werdenden Stadt reichlich vertreten. Wie jedes andere Vehikel, vom primitivsten Eselkarren bis zum up-to-date car letzten technischen Raffinements, wird auch das Fahrrad mit oft bewundernswerter Geschicklichkeit durch die Fährnisse des Verkehrs gesteuert und jedes Hindernis, vom Sandberg bis zum unlösbaren Kinderknäuel mit beängstigender Fixigkeit "„genommen". Saust aber solch ein Bicyclist mit besonderem Elan um die Ecke, dann wette zehn zu eins, dass es sich um einen „blauen Radler" handelt; also um einenunserer Telegrammboten! Sie sehen schmuck aus in ihrer blauen Bluse und mit 'ihren schwarzbeschirmten Kappen, die die ■Initialen der palästinensischen Post tragen. Es sind Jungen im Alter von etwra~16 bis 18 Jahren; sobald sie das 18. Lebensjahr überschritten haben, scheiden sie aus dem Botendienst aus und können in die Postlaufbahn als Briefträger oder als Schalterbeamte oder sonstwie im Innendienst zur Verwendung kommen. Doch all diese Möglichkeiten hängen von den berühmten ..Punkten" afy die sie beim Examen ergattern. Punkten? Nun die Sache ist höchst einfach oder eigentlich gar nicht so einfach! Wie Napoleons Krieger tragen auch die „Blauen Radler" ihren Mar- ^challstab im Tornister. Nachdem sie ihren mehrjährigen Dienst als Depeschenboten getan haben, dürfen , sie sich, sofern ihnen an einer Weiterbeschäftigung im Postdienst gelegen ist., einer Prüfung unterziehen, die von der Zentralbehörde in Jerusalem geregelt ist und in geraumen, nicht regelmässigen Zeitabständen abgehalten wird. Nach, dem „Syllabus of Edutational Test. Qualifying for Learnerships and Postmanships in fhe Departement of Posts and Telegraphs" werden gründliche Kenntnisse im Hebräischen und Arabischen, sehr eingehende Kenntnisse im Englischen und im Rechnen, wie besonders in der Geographie Gefördert. Im Englischen handelt es sich um Diktatfestigkeit (wobei Stoffe in Auswahl stehen, die einem Oberrealabiturienten erhebliche Kopfschmerzen bereiten würden) und um einwandfreies Lesen von Erzählungen im Royal Reader IV, der einem Lesebuch der oberen Klassen einer höheren Realanstalt entspricht. Jetler Schrei o- oder Lesefehler wärd gepunktet; nach einem besonders ausgearbeiteten System erfolgt die Wertung, und nach ihm wird die Qualifikation zur niederen oder höheren Laufbahn bestimmt. Eignung im Dienst, besonders auch erweiterte Sprachkenntnisse (der Postdirektor Mr. Sax selbst geht mit bestem Beispiel voran und gab mir Gelegenheit, mich mit ihm in mehreren Sprachen zu unterhalten, da er acht oder neun Sprachen vollkommen beherrscht), Spezialkenntnisse, gute Führung bestimmen das Tempo der Karriere. In Geographie würden die „Blauen" so manchen europäischen Abiturienten Jn den Schatten stellen, insbesondere was den nahen Osten und Afrika anbelangt (Hand aufs Herz: Wer kennt die Grenzen zwischen Tanganika und Kenya oder den Unterschied zwischen einem Golf und einer Bai?) Und nun erst die Mathematik mit all ihren knifflichen Fragen! Mit ihrer türkischen, englischen, palästinensischen Währung und den kunterbunten Masssystemen!., Die Lehrbücher, die dem „Blauen" bei der Vor bereitung helfen, sind entweder, wie der Chamber, englischer oder, wie der West, syrischamerikanischer Herkunft, wras die Präparatioc nicht gerade erleichtert. Armer blauer Radler! Wer weiss, welche Probleme gerade dein Hirn wälzt, während du geschickt einen gewagten Bogen um einen Haufen spielender Yemenitenkinder machst und dein Rad durch die engen Gassen des Viertels steuerst! Träumst du davon, wie du als Direktor in deinem Amtszimmer thronst, Anweisungen gibst und den Türhüter stramm stehen siehst, wie du im Hintertrakt der Hauptpost zum Postmeisterzimmer hinaufgehst? Denkst du an das, ach, noch so ferne Neujahrsfest, wo es immer ganz nette Nebeneinnahmen in Gestalt von Gratifikationen der grossen Banken und Exporthäuser gibt, oder an das jüngst verflossene „bürgerliche" Neujahr, das dir gleichfalls kleine Extraeinnahmen seitens der Geschäftsleute einbrachte? Wir gönnen sie dir, der du immer so höflich und zuvorkommend bist und' so oft die Familie miternähren hilfst, der du in durchaus nicht leichtem Dienst mit Freude die freien Stunden zum emsigen Lernen benützt, wissbegierig, wie ein echter Juden junge, stets bemüht, nicht als dumm zu gelten, stets darauf bedacht, weiterzukommen, auch du schon umwittert von der Schwere des Daseinskampfes, magst du auch noch vor kürzer Zeit als Jüngster einer gut bürgerlichen Familie, als rechtes Kind durchs Leben gegangen sein! Es ist spät und ich muss meinen Hymnus abbrechen. Bald wird sich mein Klassenzimmer .mit deinen Kollegen füllen und du wirst Rede und. Antwort stehen müssen: Wenn ein Weinhändler zwanzig Fass Wein für 300 Piaster und 15 Para verkauft und 12 Prozent Nutzen hatte, wie hoch war der Einkaufspreis? — What are the French possessions in Asia? — Inser» the appropriate verbs in the following sentences! .usw. Und Awram Herutti, der lange, melancholisch in die Welt schauende Junge aus Rumänien, geht an die Tafel und beginnt zu schreiben. Ha im Howard, ein dunkelhäutiger Bursche aus Aden, wirft inzwischen seinem Nachbarn, der aus Bombay herüberkam, einen missbilligenden Blick zu, denn dieser hat es gewagt, leise mit Kurt Meier zu flüstern, und Kurt, frisch aus einer Dortmunder Sekunda importiert, schüttelt unwillig seinen Kopf, denn er will lieber aufpassen, was sein Kamerad an der Tafel zu sagen weiss. Bald ist der Prüfungstermin da und~ es gilt die „Punkte"! Postbote"oder Postdirektor? Ihr tragt den Marschailstab im Tornister! Institut für die Wissenschaft vom Judentum an der Jerusalemer Universität „Heute kommt die Kunde zu allen Versprengten Israels,, dass der erste Pflock zum Bau des himmlischen Jerusalem geschlagen wurde, um nicht mehr zu wanken. . . . Darum eilten wir, hier im Lande der Väter, an der Geburtsstätte unseres Geistes, das erste Licht anzuzünden für Tora und Wissenschaft, für alle Geistesarbeit, bevor uns in den fremden Ländern das letzte Licht ausgeht. Und dies soll wirklich werden in diesem Haus auf dem Skopusbers, dessen Tore sich heute öffnen." Diese Worte sprach Bialik bei der Eröffnung der Universitäten alu 1. April 1925. Dieses Jahr, in welchem man die .Bar-MizwTah' der Universität feierte, wurde —am 3. Juli — der Grundstein zu dem Gebäude für die Wissenschaft vom Judentum gelegt. Dreizehn Jahre besteht die Universität, viele Gebäude und Institute beherbergt sie. Laboratorien und Forschungsanstalten, doch bis zum heutigen Tage wrar die Wissenschaft des Judentums nur ein Stiefkind im Bau auf dem Skopusberge. Der Plan einer jüdischen Universität in •Jerusalem seht bis in die Anfänge des Zionismus zurück am . 3. Mai 1902 trug H e r z 1 dein Sultan seine Gedanken vor. Die eigentlichen Initiatoren aber waren die Männer der Demokratischen Fraktion: der verstorbene Berthold Fei.wel, Martin Bub er — nun Professor in Jerusalem und Chaim W e i z m a n n, welchem das Daniel-Sieff-Institut in Recbowoth untersteht. Die Vorbereitungen zogen sich hin, immer neue Verhandlungen und Besprechungen waren nötig, bis im Jahre 1918 der Grundstein gelegt wurde. 1925 endlich konnte Lord Balfour, der 77jährige Staatsmann und Philosoph, in seiner beachtenswerten und schönen Rede die Universität für eröffnet erklären. „Ja. eine neue Epoche hat begonnen!", sagte Baliour damals. Die Universität sollte eine hebräische Universität sein, das stand von vornherein fest, und auch Balfour hat diese Notwendigkeit betont. Aber sie musste auch eine jüdische Universität sein., „Nicht der Hebraismus. sondern der he; bräische Humanismus — das Wort in seinem grossen historischen Sinn gefasst — muss der Kern einer jüdischen Regenerationsbewegung sein", sagte Buber 1918. Dr. J. L. Magnes, der Kanzler der Universität, hat es in vielen seiner Reden betont, dass die jüdischen Studien im Mittelpunkt des geistigen Lebens der Universität stehen müssten. Und doch gab es bis*heute keinen Raum, kein Forschungsgebäude, das die jüdischen Studien förderte und ermöglichte. Ueber die grossen Schwierigkeiten beim Beginn des Judaistischen Instituts berichtete Ismar Elbogen („Der Morgen" 1925, S. 226) scharf und temperamentvoll. Manche Mängel, von denen Elbogen schrieb, sind behoben worden; eine grosse Anzahl' von Professoren und Dozenten lehrt die Wissenschaft vom Judentum. Aber manche Mängel bestehen auch noch heute.