Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 28 (14.7.1938)
- Date
- 1938-07-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 C.-V.-Ze»fung Hr. 23 * 14. Juli 193S MEG Maschinenfabrik Erich Gimpel Abi. I: fly fzli ge II: Heizungen BERLIN SW - 5am.-Nr. 66 23 75/6 des Nansen-Amtes, in serner Rede angedeuteten Gefahr der Kompetenzschwierigkeiten aus dem Wege geräumt werden. So ist die Konferenz, die sich übrigens offiziell „Comite intergouvernemerital" (Zwischenstaatliches Komitee) benannt hat, doch kein totgeborenes Kind. Aus überschwenglichen-Wüns&lien, kühnen Projekten, sachlichen Konsultationen und humanitärem Willen hat sich ein Aktionsprogramm geformt ■ das, wie der Konierenzpräsident Taylor sagte, ,.den Mechanismus in Gang setzen wird, der die endgültige Lösung des Flüchtlingsproblems bewerkstelligen soll, eines Problems, das zu kompliziert ist, um auf einer einzigen Konferenz gelöst zu werden". Von jüdischer Seite möge man Vertrauen zu ihm, dem Sonderbotschafter des Präsidenten Roosevelt, haben, der die Seele und der Motor dieser Konferenz ist. Er hat nicht nur die Fähig- :s keiten sondern'auch den Willen, die'Konferenz von Evian zu greifbaren Resultaten zu führen. „Wir Amerikaner haben diese Konferenz einberufen. Sie muss und wird ein Erfolg werden!" Die Tage von -Evian Von unserem nach Evian entsandten W-Sonderberichterstatter 'Am Mittwoch, den 6. Juli, nachmittags 16.15 Uhr, wurde durch den Führer der französischen Delegation, Henri Berenger, dem Vertreter des Gastlandes, das ..Zwischenstaatliche Koramittee", wie die Konferenz von Evian les Bains offiziell lieisst, im Palais Royal eröffnet. Man trat in dieser ersten öffentlichen Sitzung sofort in die Tagesordnung ein. Nacheinander sprachen die Delegierten Amerikas, Frankreichs und Norwegens. Den Inhalt dieser grundsätzlichen Ausführungen bringen wir an anderer Stelle des Blattes. Am Schluss der Eröffnungssitzung sandte Senator Berenger ein Begrüssungstelegramm an Präsidenten Roosevelt, auf das ■ eine herzliche Antwort einging. Der zweite Tag der Konferenz, der 7. Juli, war am Vormittag mit der Prüfung der Vollmachten der einzelnen Delegierten und mit internen Besprechungen ausgefüllt. Die zweite öffentliche Sitzung begann am Nachmittag mit der Wahl des Präsidenten. Einstimmig wurde der Vorsitz dem amerikanischen Delegierten Robert C. Taylor übertragen, der seinerseits Vorschlug, den Führer der französischen Delegation, Henri Berenger, zum.Ehrenpräsidenten zu wählen. Sodann schritt man — und hierin kann man-.-das Ergebnis der Vormittagsbesprechung erblicken — zur Konstituierung von zwei Unterkommissionen. Die erste steht unter dem Vorsitz des australischen Delegierten, Colonel T. W. W h i t e, dem u. a. der Direktor im französischen Aussen- Ii II BejHol,:^>{äeisfslr.t2 das Haus für gesebmackv. Paraguays (Wingreen), Nikaraguas, Costaricas, Honduras, Panamas und der Schweiz zu Wort kamen. * Soweit man das Ergebnis dieser öffentlichen und nichtöffentlichen Besprechungen überblicken kann, sind folgende Gesichtspunkte hervorzuheben: Die Konferenz ist sich einig darüber, dass als Beratungsgegenstand lediglich das Problem der jüdischen Auswanderer aus Deutschland und Oesterreich zugelassen ist. Aus diesem Grund ist auch der pojnische Beobachter, der Chef der Auswanderungsabteilung im Aussenministeriuni. Wagner, wieder abgereist. Drei Fragen bedürfen vordringlich der Klärung. Die Lieferung aüer Dentalwaran Dentaä -Gresshendteng Üüswanderr-Berafung 8. H. Berlin W, 7cuent-z?ensJr.lO ministerium M. P. P r e c y und weitere Vertreter Belgiens, Grossbritanniens, Haitis,. Hollands, der Vereinigten Staaten und der Schweiz zur Seite stehen. Sie hat die Aufgabe, mit den zur Konferenz offiziell nicht zugelassenen 22 Vertretern von 33 jüdischen und nichtjüdischen Organisationen zu verhandeln, ihre Meinung zu hören, ihre Denkschriften zu prüfen und das so gewonnene Material der Vollsitzung zuzuleiten." Der zweiten Kommission' präsidiert der Norweger Michfael Hansson, dem zur Beratung der Flüchtlingskommissar des Völkerbundes, Sir Neill Malcolm, beigegeben ist, sowie Vertreter Brasiliens, Canadas. Chiles, Frankreichs (der Direktor im Innenministerium Comb es), Grossbritanniens und der Vereinigten Staaten. Die Aufgabe dieses Ausschusses soll es sein, die Einwanderungsgesetze, die Einwanderungsmöglichkeiten und die Art der Einwanderer, welche die Länder unter Umständen aufzunehmen bereit sind, zu registrieren und zu prüfen. Am Nachmittag wurde die allgemeine Aussprache fortgesetzt. Es kamen die Vertreter Brasiliens (Hello Labo). Belgiens (de Foy), Australiens (Handelsminister T. W. White). Canadas (Hume Wrong). Argentiniens (Le Breton) und Hollands (Andrea Burgker) zu Wort. Auch über ihre Ausführungen berichten wir an anderer Stelle. Der 8. Juli blieb sitzungsfrei. Er blieb den Arbeiten der Unterausschüsse vorbehalten und war mit privaten Gesprächen der Delegierten ausgefüllt Am 9. Juli hörte man die Vertreter von zehn weiteren Staaten, nämlich von Neuseeland. Columbien (Senor 'Ypes),. Chile, Ecuador. Mexico," Uruguay, Venezuela. Dänemark. Peru und der Dominikanischen Republik, sowie Sir Neill Malcolm, dessen Rede wir weiter unten wiedergeben. Am 10. Juli fand die dritte Vollsitzung statt, auf der die. Vertreter Schwedens (Engzell), Frage des Siedlungsraumes (hier wurden -in Couloirgesprächen immer wieder Uganda. Australien, Canada und Madagaskar genannt), die Frage der Dokumente, die Frage der Finanzierung. Da weiterhin feststeht, dass die Konferenz zu keinem endgültigen Ergebnis, sondern mir zur Ausarbeitung von Empfehlungen kommen wird, scheint man die Absicht zu haben, um den ungestörten Fortgang der Arbeiten zu sichern, zwei ständige Komitees einzurichten. Eine ständige Fünfmächte-Konferenz, die von Vertretern Argentiniens, Brasiliens, Grossbritanniens. Frankreichs und der Vereinigten Staaten beschickt werden soll, soll in London in enger Verbindung mit dem dort bereits residierenden Hochkommissar des Völkerbundes für Flüchtlinge aus Deutschland tagen. Sie seilen sich im wesentlichen mit den Arbeiten befassen, die von der in Evian gebildeten zweiten Unterkommission eingeleitet wurden. Das Pariser ständige Büro soll — so darf man annehmen — die Verbindungen mit den jüdischen Organisationen aufrechterhalten und die Frage prüfen, wie weit direkte Verhandlungen mit den Auswanderungsländern eingeleitet werden können. Ausserhalb dieser Regierungsarbeiten stehen die Arbeiten der jüdischen und nichtjüdischen Verbände und die Hoffnungen, die das Judentum an den Verlauf der Konferenz knüpft. Man hört, dass sowohl Vertreter der jüdischen Wanderungsorganisationen aus Deutschland unter Führung der Reichsvertreiung der Juden in Deutschland als auch aus Wien Dele- U Armann & Wersen tSSSSSSS, I5erjin-We5s*eusee, I.o:ii. ii •. 23 50 5-J. gationen in Evian eingetroffen sind und dass sie Gelegenheit hatten, ihre Sachkunde der Unterkommissiou zur Verfügung zu stellen. In Wien und im Lande Oesterreich wurde am 6. Juli ein allgemeiner Fasttag durchgeführt. Am Dienstag, dem Vorabend der Konferenz, wurden in allen Synagogen Bittgebete gesprochen. Am 7. Juli traten die Vertreter von 40 jüdischen und nichtjüdischen Delegationen zusammen und es gelang, unter dem Vorsitz von Professor Norman Bentwich eine Einheitsfront zu bilden. Es wurde ein Coordinating Committee gebildet, dem 14 Vertreter dieser Organisationen angehören. Während man über die Fortführung der Verhandlungen in London bereits einig zu sein scheint, gehen die Besprechungen zwischen den einzelnen Delegationen unter der Führung der Amerikaner in Geheimsitzungen weiter. Es hat den Anschein, dass die Einwanderungsländer, auch wenn sie grundsätzlich bereit sind, eine bestimmte Zahl von Auswanderern aufzunehmen, sich weder festlegen, noch präzise Vorschläge Bezüglich der Details machen wollen. Sie stützen sich dabei auf das Argument, dass selbst die Vereinigten Staaten die Einwanderungsquote für Deutschland und Oesterreich nicht erhöht haben. Die Einwanderungsländer verlangen, dass die Festsetzung der Quoten unter Berücksichtigung der territorialen Ausdehnung der einzelnen Länder erfolgt. Schliesslich wollen sie ungefähr wissen, mit welcher Gesamtzahl von Flüchtlingen gerechnet werden muss. Trotz dieser Schwierigkeiten, insbesondere technischer Art, darf die Zustimmung der Konferenzstaaten zur Konstituierung eines ständigen F.lücht] ingsamte.s als sicher vorausgesetzt werden. Dieses Amt wird voraussichtlich aus zwei Gremien bestehen: einem Vollkomitee, dem die diplomatischen Vertreter aller Konferenzstaafen in London angehören werden, und einem Exekutivkomitee, das sich aus - Vertretern der Vereinigten Staaten. Frankreichs und Englands, sowie eines südamerikanischen und eines skandinavischen Landes zusammensetzen soll. Chef dieses Amtes wird der Präsident des Exekutivkomitees sein, dem ein "Generalsekretär zur Seite stehen wird. Die Personenfrage ist noch nicht geklärt. Zur Zeit dauern die geheimen Verhandlungen der Regierungsvertreter noch an. IP&mkschrifi&m Verschiedene wichtige jüdische Hilfsorganisationen haben der Konferenz von Evian eine Denkschrift unterbreitet. Dieses Memorandum ist von Viscount Samuel für das Council of German Jewry, von Sir Osmond d'Avigdor Goldsmid für die Jewish Colonisation Association, von James Bernstein für die Hias-Ica-Auswanderungsgesellschaft, von Nevüle Laski und Leonard G. M o n t e f i o r e für das Joint Foreign Comittee, von Otto M. Schiff für das Hilfskomile für Juden aus Deutschland und von Jacob R o s e n h e i in für die Agudas Jisroel Weltorganisation unterzeichnet. Zu Beginn der Denkschrift wird die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass die Konferenz von Evian sich nicht auf eine unmittelbare Erleichterung des Problems der Auswanderer beschränken werde, sondern sich auch mit allen damit zusammenhängenden Fragen befassen werde. Das' Problem, so heisst es in der Denkschrift, ist nicht nur ein jüdisches. Sodann wird die Lage der Juden in Mitteleuropa geschildert und die Tatsache unterstrichen, dass über fünf Millionen Juden betroffen seien; es folgt ein spezieller Ueberblick über die Auswanderung von Juden aus Deutschland seit dem Jahre 1933. Es . Asphaltierten «SHEJK-V Pflasterungen, Bürg-ersteigre. — TeJepuon: 924756 werden Fragen der Berufsausbildung und Berufsumschichtung erörtert, und es wird festgestellt, dass schätzungsweise weitere 100 000 Juden im Alter unter 40 Jahren in Deutschland für eine -Auswanderung in Frage kämen. Die Denkschrift unterstreicht die Tatsache, dass bisher das Auswanderungsproblem meist durch Eingliederung von Einwanderern in grosse Gemeinschaften und Städte und nicht durch Niederlassung in unentwickelte Länder gelöst wordensei. Aber die Niederlassung auf dem Lande und die Oeffnung neuer Einwanderungsgebiete in den weniger bevölkerten Ländern sei für eine zukünftige Emigration von besonderem Wert. Falls eine solche Einwanderung sorgfältig in eine grosse Zahl von Ländern dirigiert werden würde, würde sie segensreiche Wirkungen haben. Die Denkschrift geht sodann auf die Stellung Palästinas als Einwanderungsland ein und wünscht, dass jeder Beilrag. den Palästina zur Lösung des Problems machen könne, ausgenutzt, und Jass das Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit als Gesichtspunkt bei der Festsetzung des Umfanges der jüdischen Einwanderung wieder eingeführt werde. Schliesslich gibt die Denkschrift eine Schätzung der Kosten, die bei einer Auswanderung der Personen unter 40 Jahren auf 16 Millionen Pfund geschätzt werden. Die Denkschrift macht hierzu einzelne Vorschläge. Es wird versichert, dass die jüdischen Körperschaften alle Anstrengungen machen werden, um nur geeigneten und qualifizierten Personen zur Auswanderung zu verhelfen, um sie handwerklich vorzubilden oder sorist für das Leben in neuen Ländern vorzubereiten, und dafür zu sorgen, dass für sie in ihrer neuen Heimat von verantwortlichen Komitees gesorgt wird, damit die Ei invaliderer der Oeffentlichkeit nicht zur Last fallen. Zum Schluss wird darauf hingewiesen, dass die privaten Organisationen jahrelang in engster Verbindung mit dem Oberkommissar des Völkerbundes für Auswanderungsfragen gestanden haben. Die Arbeit des Oberkommissars .habe sich bisher jedoch hauptsächlich auf die juristische Seite des Problems erstreckt. Es sei ein Organ notwendig, das diejenigen Regierungen repräsentiere, welche direkt und in besonderer Weise an der Wanderung und Niederlassung interessiert sind. Die jüdischen Organisationen hoffen, dass eines der Ergebnisse der Konferenz die Schaffung eines solchen Gremiums sein werde. Sie selbst seien bereit, die Regierungen bis zur Grenze ihrer Möglichkeiten zu unterstützen. Aber es sei augenscheinlich, dass dieses Problem nicht allein durch Philantrophie gelöst werden könne und auch nicht allem durch die Anstrengungen jüdischer Gremien, dass vielmehr eine Kombination von Regierungshilfe und privater Organisationstätigkeit gefunden werden müsse. * Eine Denkschrift des Liaison-Komitees der Völkerbunds-Hochkommission für das Flüchtlingswesen gibt einen Ueberblick über die Situation der Flüchtlinge in den europäischen Ländern. Sie fasst die bisherigen Beschlüsse und Konventionen über die rechtliche Lage dieser Flüchtlinge zusammen und bezeichnet das. Problem als eines der schwierigsten, das innerhalb des grossen Probiemkreises zu lösen sei. Die Denkschrift fordert enue Zusammenarbeit zwischen den Regierungen und den freiwilligen Organisationen und fasst ihre Vorschläge folgendermassen zusammen: .1. Schnellst mögliche Ratifizierung der Konvention vom Februar 1038 (sie betraf vor allem die arbeitsrechtüche Situation der Einwanderer), -■ 2. ihre grosszügige Anwendung auf alle irgend in Betracht kommenden Fälle,'besonders auch in Uebersee: 3. die europäischen Länder werden trotz grundsätzlicher Befürwortung der Ueberseeauswanderung aufgefordert, ihre Tore für besonders gelagerte Einzelfälle, in denen ein zeitweiser Aufenthalt in Europa notwendig erscheint, offen zu hallen. Myron C. Taylor, der Präsident der Konferenz Fol.: Associated Press Chefredakteur: Dr. Alfred H i r s c Ii h e r g Stellvertretender Chefredakteur: Dr. Ernst G Löwen- Ehal. Verantwortlich für die Aufnahme von BMdern und für Sport: Dr. Einst Ü. L ö w cntlu!. für i/euillotvn: Hans Oppenheimer. Sämtlich in Berlin. Für Hucksendung unverlangter Einsendungen ist Freiumschlag beizufügen. Leiter der Anzeigen-Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Friedrich Nathan, Berlin. DA, II. Vj. 3S 323: PI. 6. Verlag: Jüdischer Chural-Verein e. V., Berlin W 15,. Emsor Str. 42. Druck der Buchu. Tiefdruck Gesellschaft mbH., Berlin SWCS —-»- *" S. \ \T^t AUSRÜSTUNG FÜR PALÄSTINA vnd ÜBERSEE Bekleidung, Hausrat und Einrichtungsgegenstände Tropen-- Kühlschränke ca. 85 und i±5 Uter Inhalt, Vorführung in der Wirtschaftswaren- Abteihmg im U. Stodi Verlangen Sie die für den Überseediensi besonders geschulten Verkaufskräfte. Schriftliche Anfragen an die Übersee-Abteilung. Telefon. Verabredung 52 00U Mottensichere Tropensdiränke sowie verchromte Bettstellen, eUkir. Geräte u. viele Spezialartikel in reichhaltiger Auswahl BERLIN C2 SPANDAUER STR. KÖNIGSTR. . GEGRÜNDET i8f, V IV $ \