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Central-Verein-Zeitung · 1938-07-14 · 28 (14.7.1938) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
28 (14.7.1938)
Date
1938-07-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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. XVII. Jahrg.. LNr: 23 Berlin, 14. Juli 1938 Preis 10 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS v?nhS^oelS Wfrh& Schriftleitung, Anzeigenannahme, Vertriebsabteiiung): Berlin W 15, Emser Str. 42. Fernspr.: 92S141—45. Teleer.-Adr.: Centralglauben, Berlin. Postscheckkonten: Berlin 70344, Prag \ III 26 of» Bankkonto: Mosler, *usskind & Ca., Berlin W8. Die C.-V.-Zeitung erscheint wüchentiich am Donnerstaa. Reda' " " " ■•' "~ ........ ' " a _______ . _ ... _ i7218, Zürich , , ,. D t jr. u--u j , _—------ —-----■■------ng erscheint wöchentlich am Donnerstag. RedaktionsschlussT Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt ou reo die fast au die bebunren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis vierteljährl. 81 Rpf. (einschl. 22,74 Rpf. Postzeitungsgebiibr) zuzügl. 18 Rpf. Bestellgeld. Für Ausland viertel jäh rl. 2,30 RM (umgerechnet in die Landeswährung, cmschl Äustexigebuhrcn. Einzelnummer 10 Rpf. (Ausland 20 RpfJ. Im Falle höh. Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlief, od. Rückvergütung der gezahlten Beträee. - Anzeigengebiihren: Preisliste 6 rältig Dia i-gesp. rom-^eile -0 Kpf.. f. Stellengesuche 10 Rpf., f. Familienanzeigen 16 Rpf., weit, ermäss. Grundpreise s. Preisl. Einzelanzeigen nur geg. Vorauszahlt — Änzeigenschluss: Dienstag. Platzu. Datenvorsehriften ohne .Verbindlichkeit. Ivian Ter der BeschlAssfässniij Von unserem nach Evian entsandten Sonderberichterstatter W. Evian. 12. Der Rahmen Juli. Das Interesse und das Echo, das die Konferenz von * Evian in der Welt gefunden hat, geben dem Leben des französischen Badeortes ein imposantes Gepräge. Aus 37 Ländern sind 140 Delegationsmitglieder eingetroffen. 100 Journalisten, ' darunter die Vertreter aller grossen Agenturen und Tageszeitungen, haben hier ihr Quartier aufgeschlagen, und mehr als 50 private Hilfsorganisationen haben-Vertreter und Beobachter entsandt. Auf den Strassen überall radebrechende Ausländer im verzweifelten Kampf mit den Evianern, die ihnen Auskünfte, Waren oder Wechselgeld geben sollen. Ueberall grosse ausländische Limousinen mit dem" CD- Schild, dem Zeichen des diplomatischen Korps, neben der Heimatsnummer. Sprachenwirrwarr in den Restaurants, in den Verkehrsmittehi, auf der grossen, herrlichen Strandpromenade. Bekannte Gesichter aus Genf, vom Völkerbundssekretariat, von den dortigen internationalen Pressevertretungen, von den grossen Organisationen. Es ist fast der übliche Rahmen internationaler Konferenzen. - Fast. ' Die Stimmung ist gedämpfter, ernster als sonst. Auf den Gesichtern der jüdischen Vertreter, die in der Zahnrad-, bahn zum Hotel Royal hinauffahren, liegt ernste Sorge. Das Schicksal von Hunderttausenden von Menschen hängt an dem Ausgang dieser Konferenz, Hunderttausende haben ihre letzte Hotfnung auf diese Zusammenkunft von über 30 Regierungen gesetzt-und ihre Augen erwartungsvoll nach diesem neuen Misrach gerichtet. Ihr Appell hat widergehallt in den Herzen all jener, die nach Evian gekommen sind, um die brennenden Wünsche der gegenwärtigen oder zukünftigen Auswanderer zur Verwirklichung zu bringen. Schwer ist die A7erantwortung, die auf ihnen lastet. Die Atmosphäre 1 Dürfen sie hoffnungsvoll sein? Die Vorbereitungen zu der Konferenz von Evian haben sich in einer ungeduldigen Atmosphäre überhastet abgespielt. Als das State Department in seiner historischen Erklärung vom 24. März 1938 die Staaten der Welt zu einer Flüchtlingskonferenz einlud, schlugen die Wellen des Interesses hoch. .Von allen Seiten wurden den Veranstaltern kühne, aber nichtdestoweniger wohlfundierte grosszügige Auswanderungsprojekte unterbreitet. Man erhoffte von der Initiative desPräsidenteu eine rascheLösung des Wanderungproblems ' durch Organisierung einer grosszügigen Massenwanderung. Je näher der Konferenztermin rückte, desto mehr nahm dieser Optimismus ab. In Genf schrieb das grosse völkerbundsfreundliclie „Journal des Nations" den durchreisenden Delegierten auf der ersten Seite in fetten Lettern zu: „Voüä, une Conference qui est morte avant qu'eile soit nee!"' (Eine Konferenz, die starb, bevor sie geboren wurde!), und spielte dabei auf Informationen über eine obstruktive Haltung der französischen und englischen Regierungen an. Eine Welle des Pessimismus ergriff die interessierten Kreise und erreichte ihren Höhepunkt nach der Rede des englischen Delegierten Lord Winterto n auf der E r ö f f nu n gssi t zung. Inwieweit entsprach diese heftige Gefühlsreaktion der tatsächlichen Situation? In der Arbeit internationaler Konferenzen gibt es keine Theatereffektc und keine umwälzenden Ueberraschungen. Sie schaffen keine Bedingungen, sondern klären, vertiefen, organisieren sie. Die Vertreter der Regierungen sind nichts anderes als Interpreten harter politischer und Wirtschaft-. licher Realitäten; an.denen auch der edelste humanitäre Wille nicht vorübergehen kann. Die Konferenz von Evian bildet keine Ausnahme von dieser Regel. Jeder kennt die schwerwiegenden politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen, die der -Einwanderungspolitik der Länder zugrunde liegen, die Oei'ientlichkeit kennt die ungeheure Problematik der Massen Wanderung in unserer Zeit, sowohl in finanzpolitischer als auch bevölkerungs- und strukturpolilischer Hinsicht. Man durfte nicht ernsthaft annehmen, dass eine Zusammenkunft von Regierungsvertretern diese Gegebenheiten von heute auf morgen umstürzen . würde. Niemand konnte erwarten, dass die Einwanderungsländer ruckartig ihre Tore einer verhältnismässig kurzfristigen Einwanderung von hunderttausenden meist mittelloser Menschen öffnen würden, nachdem selbst die Initiatoren der Konferenz, die Vereinigten Staaten, eine Erhöhung ihrer Einwanderungsquoten abgelehnt hatten.- Sachlichkeit setzt sich durch Unter diesem notwendigerweise einschränkenden Gesichtspunkt betrachtet, kann der bisherige Verlauf der Konferenz als relativ annehmbar betrachtet werden. Alle Delegierten — und vergessen wir nicht, dass auf dieser Konferenz 30 Staaten, darunter alle amerikanischen vertreten sind! — haben den jüdischen Auswanderern ihre Sympathie ausgesprochen und konstruktive" Mitarbeit an allen von der Konferenz anzunehmenden Arbeitsplänen zugesagt. Die' Schaffung eines ständigen Organismus, dem die Vereinigten Staaten, England, Frankreich und zwei grosse südamerikanische Staaten angehören werden und das seinen Sitz in London haben wird, gilt als gesichert. Im Rahmen der bestehenden Einwanderungsgesetzgebung, zu deren liberalster Handhabung sich das Gros der lung nur dieses Problems zu beschränken. Jüdisches Gemeinschaftsgefühl verlangte aber, nicht der Brüder in Osteuropa zu vergessen. Den Bemühungen der Amerikaner und der privaten Organisationen gelang es, eine völlige Ausschaltung der osteuropäischen Judenprobleme zu verhindern. Die jüdischen Vertreter haben ihre mangelnde Einigkeit — die Aufstellung einer Einheitsdelegation ist leider nicht_ zustandegekommen — durch Eifer und Initiative wettzumachen versucht. Die Konferenz hat sich diesem Willen zur Mitarbeit nicht entziehen können. Obwohl anfangs der völlige Ausschluss der privaten Organisa- ■ Fortsetzung in London' Am 3. August — ©er Resolutionsentwürf W. Evian, 13. Juli (telephonisch). Die Konferenz wird am Freitag zu ihrer öffentlichen Schlusssitzung zusammentreten. Nachdem im Laufe von internen Besprechungen vollständige Einigung zwischen dem amerikanischen, englischen und dem französischen Delegationsführer erzielt werden konnte, hat der Präsident der Konferenz. Myron C. Taylor, die übrigen Delegationsführer zusammenberufen und ihnen den Resolutionsentwurf unterbreitet. In ihm wird, wie verlautet, festgestellt, dass zwischen dem neu zu schaffenden ständigen Komitee einerseits und dem Fluch tlingskommissariat des Völkerbundes und dem Internationalen Arbeitsamt andererseits enge Zusammenarbeit notwendig sei: dass weiterhin alle Staaten .gemeinsam ein sofortiges Hilfsprogramm im Rahmen der bestehenden Einwanderungsgesetze aufstellen sollen; dass andererseits vorausgesetzt wird, dass die Auswanderung durch einen unvorhergesehenen Verlauf keine verhängnisvollen Folgen im internationalen'Leben hervorruft, schliesslich, dass die-Auswanderer sich materiell an den durch ihre bei Einwanderung entstehenden Kosten beteiligen können. Die Resolution sieht ferner die Gründung eines zwischenstaatlichen ständigen Komitees mit dem Sitz in London' vor, in dem alle an der Konferenz teilnehmenden Staaten vertreten sein werden. Dieses Büro soll sich aus einem Präsidenten — voraussichtlich Lord Winterton —, einem Generalsekretär — vermutlich eine hohe amerikanische Persönlichkeit,, welche Präsident Roosevelt ernennen soll — und vier Vizepräsidenten — einem Argentinier, einem Brasilianer, einem Franzosen und einem Nordamerikaner — zusammensetzen. Diese fünf Personen würden das „Ständige Exekutiv-Büro des zwischenstaatlichen Komitees" bilden. Hauptaufgabe des Generalsekretärs soll, die Aufnahme von Verhandlungen über die Auswanderung sein. Man nennt als Generalsekretär, nachdem Myron C. Taylor bisher die Annahme dieses Kostens verweigert hat, den amerikanischen Botschafter in London, Kenedy, oder den früheren amerikanischen Aussenminister Stimson. Die Resolution selbst ist nach langen Verhandlungen zustande gekommen. Man rechnet mit einer Einberufung des ständigen Komitees zum 3. August nach London. Staaten bereit erklärt hat, wird dieses Amt einen Wanderungsplan ausarbeiten und die notwendigen Verhandlungen mit Aus- und Einwanderungsländern bezüglich der Finanzierung führen. Was das Lösüngsprinzip anbetrifft, so wird von den Regierungen nur der Weg der allmählichen Iniiltrierung im Rahmen der nationalen Einwanderungsquoten in Betracht gezogen. Auf jedem Fall wird das Schicksal der Auswanderer aus Deutschland in der vordersten Reihe der anzupackenden Probleme stehen. Es hat sogar unter den Delegationen Bestrebungen gegeben, die Arbeit der Konferenz ausschliesslich auf die Behandsationen von den offiziellen Sitzungen der Konferenz geplant war, hat man schliesslich eine der beiden Unterkommissionen, unter Leitung des australischen Handelsministers Oberst White, mit der Entgegennahme der Erklärungen der einzelnen 'Organisationen und mit der Prüfung der überreichten Dokumente beauftragt. Eine enge Zusammenarbeit zwischen dem neu zu schaffenden Organ der Evian- Konferenz und dem aus dem Nansenbüro und dem Hoehkommissariat für die deutschen Flüchtlinge zu bildenden Flüchtlingsamte des Völkerbundes ist geplant. Damit wird die von Michael Hansson, dem Leiter Lir-ks: Senator Henri Berenger (Frankreick) begrüsst die Teilnehmer in der Eröffnungssitzung, r—Milte: Blick auf den Tagungsort. — Rechts (von links nach rechts): der französische Delegierte Gesandter Bressy; James McDonald, der frühere Völherbandskommissar für das Flüchtlingswesen, Mitglied der amerikanischen Delegation, Myron C. Taylor, der Beauft. agie Roosevelts und Präsident der Tagung Ausiandsfoios

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