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Central-Verein-Zeitung · 1938-07-07 · 27 (7.7.1938) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
27 (7.7.1938)
Date
1938-07-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr.27*7.Ju!i1938 iro C.-V.-Zeifüng Seife Z 2. Fortsetzung 4& Von Leo Rem W7o aber diese Kräfte sich nicht widersprechen, w sondern ergänzen, treten sie, -wie auch in der griechischen und gnostischen Philosophie, in Paaren auf, „männlich und weiblich", weil auch der Schöpfungsbericht „Männlein und Weiblein" kennt. Das männliche Prinzip ist stets das aktiv schaffende, das primäre; das weibliche aber das rezeptiv-empfangende, sekundäre. Im Buche Jezira wird das Männliche und. das Weibliche durch Buchstaben-Kombinationen unterschieden. Nicht alle Rätsel diese» sonderbaren Buches sind bisher von der Forschung geklärt worden. Aber ersichtlich ist, dass es ein Fundament des magischen Bewusstseins und somit der späteren Kabbala werden musste. Da Das Werden kabbalistischer Vorstellungen ^as Buch Jezira stützt sich hauptsächlich auf die Zahlen- und Buchstabenmystik: spätere kabbalistische Werke aber gehen meist von der hagadischen Deutung des biblischen Wortes aus. In manchen frühkabbalistischen Werken, etwa im Buche Bahir, das der derzeit grösste Kenner der Kabbala, Gerhard Scholem, übersetzt und herausgegeben hat, lässt sich die be- . sondere Note der kabbalistischen Deutung erkennen. Sie besteht darin, das der dichterisch - bildliche Ausdruck manchen biblischen Worts allzu buchstäblich, allzu sehr ..beim Wort genommen" — und dann noch mit neuen Bildern und Gleichnissen umkleidet und so weit weniger erklärt als zu einem neuen Gebilde, eben der kabbalistischen Vorstellung, ausgeweitet oder umgeschaffen wird. Hinzu tritt die allgemeine Neigung der Spätantike und des Mittelalters. Abstrakta zu konkretisieren, Ideen und Eigenschaften zu personifizieren (Allegorie) oder zu yergöttlichen (Sophia oder Logos). Haben wir nicht schon im althebräischen Schrifttum, etwa in den „Sprüchen", die un- - gemein hohe Schätzung der Weisheit (Chochma) und def Einsicht (Bina) gefunden? „Einsicht" und ..Weisheit" ist ihr Kehrreim, von ..Einsicht" und „Weisheit" hallen sie wieder. Sie treten schliesslich ganz an die Stelle, welche die griechische Sophia einnahm," und erhalten im kabbalistischen System,» wie wir sehen werden, einen denkbar hohen Platz. Ja. in den Gleichnissen des Buches Bahir wird die Weisheit zur „Tochter" eines Königs, der aber nur ein Gleichnis für Gott ist. Wird dies Gleichnis (Weisheit Tochter Gottes) weiter durchgeführt, so wird aus dem Vers I. Kön. V, 20: ..Und Gott schenkte dem Könige (Salomo) Weisheit . . im Munde der Kabbalisten: ,.Gott vermählte seine Tochter dem Könige Salomo .. Gleichfalls in deri Sprüchen (X, 26) steht das schöne Wort: „Der Gerechte ist das Fundament (Jessod) der Welt'1 — und tatsächlich wird ..Jessod" zur Grundlage des späteren Systems der zehn Sephirot. Visionäre biblische Worte, wie „Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füsse" (Jes. 66, 1), von dem Propheten gesprochen, um den relativen Wert irdischer Anbetung, die Kleinheit menschlicher Anbetungsstätten darzutun, verlocken zum Ausbau mystisch-kosmologischer Vorstellungen. Das Psalmwort 104,2—5: „Er (Gott) hüllt sich in Licht wie in ein Gewand, er spannt den Himmel aus wie einen Teppich"' regt die Kabbalisten an, den Kosmos das Kleid Gottes zu nennen. Das „grosse Feuer", aus dem am Sinai die göttliche Stimme sprach, wird zum Bilde der Schechina, der Verstellung von der göttlichen Majestät. In den Aufzählungen der Dankesworie Davids (I. Chron. 30, 11): „Dir gebührt die Majestät und Gewalt, Herrlichkeit, Sieg und Dank . . . Dein ist das Reich, du thronest über allem als Oberster . . .", scheinen dem Kabbalisten Vorbilder seiner eigenen Systematik zu liegen. Besonders abenteuerlich wird die Deutung, Umdeutung bekannter Sprüche, wenn dabei die Buchstabenvertauschung oder -Versetzung angewendet wird. Einen Schein von Berechtigung erhält diese Methode, wenn die Vokalisation und somit auch die Bedeutung dieser Worte strittig ist. Sie findet aber auch bei festgelegter Vokalisation und Bedeutung statt, mit dem Ziele, einen, den Kabbalisten genehmen Sinn herauszubekommen. Beispiel sei das wundervoll gefasste V/ort. der Sprüche (25, 11): „Ein Wort, gesprochen in der rechten Weise, ist wie goldene Aepfel in silbernen Schalen." Hier sagt - die kabbalistische Deutung: ..Lies nicht: ,al ophnaw' (in der rechten Weise)", sondern „al ophänaw" (über die Räder, der Merkaba, des göttlichen Thronwagens). So wird, durch die Einfügung eines Vokals, aus dem berühmten Sprichwort eine Empfehlung des Studiums der Ma'asse Merkaba: ..Ein Wort, gesprochen über die Räder (der Merkaba), ist wie goldene Aepfel in silbernen Schalen . . Ebenso werden labbinisehe Worte zu Ausgangspunkten kabbalistischer Vorstellungen. „Mit zehn Aussprüchen wurde die Welt geschaffen", heisst es in der Mischna (Awot V, 1), was allerdings nur besagt, dass die göttliche Stimme im Schöpfungsbericht zehnmal erwähnt ,wird. Immerhin tragen auch sie einiges zum Aufbau der „zehn Sephirot" bei. So entsteht eine Bildersprache und Gewohnheit der Allegorie, die alles in geheime Symbole hüllt, eine ganze Wissenschaft bewusst geschaffener Rätsel, zu der der Wissende die Auflösung hat. Dies* Symbolik mildert auch die — von vielen als blasphemisch empfundenen — kabbalistischen Schilderungen der Körperlichkeit des göttlichen Wesens. In der Tat bricht auch hier, trotz des Verbotes der körperliehen Darstellung Gottes, das ja sinngemäss auch für die Darstellung durch das Wort Geliung haben musste, in dem Kabbalisten der primitive Mensch durch, dem abstrakte Begriffe nicht genügen, der sich in sinnfälligen, wenn nicht sinnlichen Bildern ergeht. Im Buche Jezira hatte die „heilige Halle" (hechal hakodesch), von vielen als himmlischer Tempel, als himmlisches Jerusalem gedeutet, als Mittelpunkt der Richtungen und somit der Welt, eine Rolle gespielt. Die religiöse Dichtung der Hechalot-Mystiker, die an ähnliche Vorstellung anknüpft, hat wohl auch zum Ausbau der frühen Kabbala beigetragen. Im 11. Jahrhundert war das Buch Bahir entstanden und hatte, als ein midraschartiger Kommentar auftretend, in — meist fingierten — rabbinischen Vorträgen seine Deutung entwickelt, die ja die neuen Vorstellungen der Kabbala in sich schloss oder vorbereitete. Auch Gabirois Hymne „Die Königskrone" scheint, wie die biblischen Bilder vom Königtum, kabbalistische Vorstellungen genährt zu haben. Die Hauptlehren von' der neuen Gestalt der ..zehn Sephirot" erscheinen bereits in einigen frühkabbalistischen Werken, von denen Adolf Jellinek Proben übersetzt hat („Auswahl kabbalistischer Mystik"). Zur Vollendung geführt werden sie aber in einem grossen und berühmten Werke, dein „S e f e r b a - S o h a r" oder „Buch des Glanzes*', ein Titel, der dem Ruche gegeben wurde in Anlehnung an die Worte in der Auferstehungsvision des Buches Daniel (12, 3): „Die Einsichtigen aber werden strahlen wie der Glanz des Himmels/' Her Sage, Simon ben Jochai sei der Verfasser des Sohar, einen geschichtlichen Kern zu erblicken, nur dass sich, wie im Buche Bahir, immer neue Zusätze an diesen Kern schlössen, bis das Werk seine weitausladende endgültige Gestalt erhielt. Jedenfalls wurde das Buch Ende des 13. Jahrhunderts durch eine Niederschrift Mose de Leons verbreitet. Diesen Schriftsteller hat die historische Kritik übel zugerichtet; neuere Gelehrte, insbesondere Scholem, lassen ihm mehr Gerechtigkeit widerfahren. Scholem ist sogar geneigt, ihn für den Verfasser des Sohar zu halten. Diese Frage wird man wohl richtig beurteilen, wenn man die Wichtigkeit der sogenannten „pseudoepigraphischen" Literatur im älteren jüdischen Schrifttum betrachtet, das heisst die Erscheinung, dass viele Schriftsteller, um "ihren Erzeugnissen mehr WTürde und Autorität zu verleihen, sie unter dem Namen irgendeines Grossen der jüdischen Geistesgeschichte herausgehen Hessen. Nicht die Persönlichkeit des Verfassers galt damals als wichtig, sondern gerade der Anschluss an die grossen Gestalten der Geschichte. Mose de Leon mag ein solcher „pseudoepigraphischer" Schriftsteller gewesen sein, und, was sein Werk bezeugt, sicher kein schlechter, auch wenn er sich den berühmten Namen Simon ben Jochais ebenso auslieh wie Anschauungen früherer Kabbalisten. Der Sohar, das bekannteste, bis in unsere Tage nachwirkende Buch der Kabbala, erscheint oft in der Form eines Kommentars zum Fünfbuche und zeichnet seine mystischen Arabesken um die Schöpfungsgeschichte, die er neu deutet. Mehrere selbständige, abhandlungsmässige Stücke treten hinzu; und in zwei anderen Teilen, der „Idra rabba" und der „Idra sutra", der „grossen" und der „kleinen Versammlung", wird D Der Wunderbaum, der Kabbala e Kenntnis der Kabbala ist nun nach. Europa gewandert: früh wird Frankreich als Zentrum altjüdischer Mystik genannt. Am Ende des 13. Jahrhunderts ist der „Sohar" in Spanien bekannt. Er ist in jenem hebräisch-aramäischen Dialekt geschrieben, in dem auch der Jerusalemische Talmud abgefasst ist; und es gibt Traditionen, welche den berühmten Lehrer Simon ben Jochai als den Verfasser des Sohar bezeichnen. In der Tat mögen Ueberlieferungen — auch das Wort „Kabbala" bedeutet ja Üeberlieferung, und zwar mystisch „empfangene" Ueberlieferung im Gegensatz zur Massora, der menschlich „übergebenen" Ueberlieferung — dieses Buches auf Lehren Simon ben Jochais zurückgehen. Manche Gelehrte sind ^eneist, in einen Teil der Pflanzung erwarb und selbständig bebaue, er gibt mir Rat und leitet mich zunächst. Ich merke, dass meine Kraft wächst und bitte euch, nur noch einige Monate zu warten. Ihr sollt es gut bekommen und der Bub seinen Garten, und Vater soll mit dem Jungen darin spazieren gehen." Deine Mutter, mein geliebter Kleiner — ich mag dich nicht Enkel nennen, das entfernt so sehr —, deine Mutter rief, als sie den Brief las: ..Gott sei Dank, nun wird alles gut werden." Du fragtest mich dann: „Wo wohnt denn der liebe Gott?" „Im Himmel!" „Kommt er auch herunter?" „Ja, zu dir wird er kommen und mit dir in deinem Garten einhergehen." Da sagtest du: „Oh fein!" Und deine Mutter sah mich an. aber sie fragte mich nichts. . . Es sind jetzt zehn Monate her, seit das geschah. Ich habe mich zusammengenommen, und deine Mutter hat mich oft besorgt gefragt, wie ich geschlafen habe. Ich habe immer gesagt: „Gut!" Dann sagte sie: „Das ist ja ein Märchen." Und du hast mich verwundert betrachtet und nicht begriffen, wieso das ein Märchen sein sollte. Vor einigen Stunden stand ich auf dem Bahnhof und winkte euch nach. . Du riefst: „Grosspapa, du kommst bald zu uns in den Garten." Deine Mutter sah nicht mehr aus dem Fenster, sie hielt dein liebes Körperchen fest. Heute abend werde ich früh zu Bett gehen, und ich weiss, ich werde einschlafen, ohne Pulver, mit einem guten Traum. Ich werde mit dir in deinem Garten spazieren gehen, und dann werde ich abgelöst werden. Ich habe mich erfüllt! _ Die Stimme im Nebel Von Margarete Liebmann (Schluss) Am nächsten Nachmittag besichtigte ich die Buden des Jahrmarktes wie ein Mann, der viel Geld in der Tasche hat und sich reiflich und genau überlegt, wie er es am besten anlegen könte. Unzählige Male umwanderte ich das Zelt und spähte durch die Spalten der kleinen Tür, die, wenn Besucher durch sie hindurch gingen, ein wenig im Luftzuge hin und her schlug und durch die es dann funkelte und verführerisch blitzte. Ich konnte mir Zeit lassen. Noch würde es eine Weile dauern, bis der erste Stern wieder arn Himmel erschien und den Abendausgang des Sabbat anzeigte. So wanderte ich denn von den Buden mit Süssigkoiten, in denen mich besonders die roten Bonbonpfeifen und die bunten gerippten Fruchtstangen reizten, zu den.langen Tischen mit Würfelbechern, hinter denen terrassenmässig aufgebaut allerlei Tiere aus Samt und Wolle, Blecheisenbahnen, bemalte Baukästen, Trompeten, Puppen und noch hunderterlei Herrlichkeiten auf den Würfler mit den höchsten Zahlen, warteten, weiter dann zu dem sich drehenden Karussell, das klingelte und rauschte, vorbeiflitzte und funkelte und mich mit der glitzernden Pracht seiner Schabracken, seiner purpurnen, mit Goldfransen besetzten Behänge in einen Rausch des Entzückens versetzte, und blieb schliesslich vor einem üppigen Strohlager stehen, auf dem bemalte Schüsseln, Teller und Tassen, hochstielige Gläser und porzellanene Vasen vorsichtig wie Kostbarkeiten eingebettet waren. Hier suchte ich mit den Blicken das Schönste aus, das ich meiner Mutter kaufen wollte. Voll Sehnsucht sah ich angestrengt zum Himmel empor, ob sich der erste Stern nicht endlich zeigen wollte. Plötzlich stand er hell über meinem Kopf, und eilends setzte ich meine Füsse in Trab, um so schnell wie nur möglich meinen Schatz zu erreichen. Die Buden waren nun meist von Lampions erleuchtet, vor einigen standen Reihen bunter, kleiner Kerzen, Leben und Treiben hatten ihren Höhepunkt erreicht. Ich schlüpfte zwischen den Spazierenden hindurch und geriet hinter eine Reihe einander untergefasst haltender Mädchen, die vor mir derselben Gasse zugingen, der ich ebenfalls in fieberhafter Erwartung zustrebte. Zunächst *ö-%* <PO yxn n Darstellung des En Sof wollte ich hinter ihnen bleiben, bis sie um die nächste Ecke gebogen waren. Da sah ich eines der Mädchen stolpern. „Der dumme Stein!" hörte ich sie ärgerlich ausrufen- Sie bückte sich, es war mein" Stein, den sie aufhob, um ihn zur Seite in den Rinnstein zu werfen. In demselben Augenblick schrie eines der anderen Mädchen auf: „Seht nur, da liegt ja ein blankes Markstück! Wahrhaftig, da hat sich einer den Spass gemacht und es unter den Stein gelegt.*' Die Mädchen lachten und standen um das Geldstück herum. Unter vielem Gelächter und Uebermut einigten sie sich schliesslich dahin, es gemeinschaftlich in der Bude mit den vielen Gewinnen zu verwürfe!n. Ich aber stand da wie vom Blitz getroffen. Meine Träume rannen mit meinen Tränen fort. Ich weinte und schluchzte wie nie in meinem Leben. Ich fühlte mich so entsetzlich, so bitter betrogen. Der Aufstieg meiner., Wünsche war so schwindelnd gewesen, ihr plötzlicher Sturz verstörte mich ganz. Schluchzend wendete ich meine Augen ab, um die Herrlichkeiten nicht mehr sehen zu müssen. Ach, so ein törichtes, dummes Kind — und doch--nein--man vergisst es nie." Gegen Abend sprang plötzlich ein scharfer Wind auf. Und wie verfilzt gewesene Raupentiester riss das Gespinst des Nebels auseinander. In zahllosen Fetzen flog es wirbelnd umher, lieber den hervorlugenden Himmel fegte ein wilder Tanz von drehenden, jagenden, sich haschenden Gebilden, die wie in einen aufgetanenen Riss des Himmels kreisend und flüchtig in ihm verschwanden. Schon lugten wieder am Wege verbliebene Grasbüschel hervor, und schon traten aus dem sich lichtenden Grau einzelne Bäume wie salutierende Soldaten heraus. Vor sich sab man plötzlich den Marktflecken liegen mit seinen sich noch durchkämpfenden, roten Dächern und seinen feuchtglänzenden, gekrümmten Strassen. Vor eines der Häuser trat gerade eine Frau, die voll Unruhe in den Augen die Gasse entlangblickte. Die ganze Strasse war leer bis auf eine einzige Gestalt, die sieh langsam näherte und etwas Schweres trug. Es war ein grosser Manu in einem weiten Mantel, der einen Menschen wie einen Ertrunkenen in den Armen hielt. Die Frau schrie laut auf. Sie hatte den leblosen Körper erkannt. „Es ist nur eine Ohnmacht", sagte der Mann, der nun schon dicht vor ihr stand. „Ich fand ihn, als er vor Erschöpfung zusammengebrochen war. Wir legen ihn au? sein Bett. Er wird bald wieder zu sich kommen!" Trotz seiner hohen schlanken Gestalt war des Mannes Gesicht hell wie das eines Knaben- Einen Moment stand er lächelnd vor dem Bett des Hausierers. Dann winkte er der Frau leicht zu und ging zur Türe hinaus. Die Kerzen brannten an diesem Freitagabend heller und strahlender, als sie je gebrannt Der Hausierer war aus seiner Ohnmacht er. wacht. Er hatte seinen besten Rock angegelegt und wie immer seinen Platz oben am Tisch eingenommen. Vor ihm breitete sich der Schnee des Tischtuches aus, und das festliche Essen stand darauf. Die Kinder sassen um ihn mit staunenden Gesichtern, denn der Vater schien ihnen heute ein anderer als sonst. Wohl sang er, wie er jeden Freitagabend sang, aber seine Stimme war voll besonderer Inbrunst, und in seinen Augen lag ein ferner und fremder Glanz. „Nichts sah ich von ihm, ich hörte nur sein« Stimme." Immer wieder sagte er es vor sich hin. ..Seine Stimme leitete mich den richtigen Weg. Doch ihn selbst sah ich nicht, der Nebel war zu dicht." Die Frau strich leise über seinen Arm. „Er war ein grosser starker Mensch, aber er hatte das helle Gesicht 'eines Knaben.*' „Ich weiss, wer es war", sagte nachdenklich der Jüngste und blickte den Vater so aufmerksam an, als hätte er ihn noch niemals richtig gesehen. „Ich weiss, wer es war, und ich werde es euch sagen, — es ist der Engel des Tobias gewesen."' Ende

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