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Central-Verein-Zeitung · 1938-07-07 · 27 (7.7.1938) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
27 (7.7.1938)
Date
1938-07-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 'C-V.-Zeifung Nr.27*7JuIi1938 ■weis genügen mag: „Stalky & Co." ist ein Buch, das. einen auch noch beim'sechsten Male lachen macht! Und da wir gerade bei Kipling halten, der uns, wie kein anderer, die Association Indien vermittelt, wollen., wir auch noch auf „Bengal Lancer" von Yeats - Brown aufmerksam machen. Und, mit einem grossen Sprung zur Südsee hinüber, auf ein altes, sehr unterhaltendes Buch, das anonym erschien unter dem Titel: „South Sea Bubbles by the Eari and the Doctor". (Dies aber vielleicht nur noch in Leihbibliotheken zu haben.) Ein herzerquickend ursprüngliches, gemütvoll heiteres Reisebuch aus dem afrikanischen Raum ist Richard Wyndham's „The Gentie Wilde"; ebenfalls ein Afrikabuch Lobagola „An African Savage"s own Story", d. h." die Geschichte eines jüdischen Negerstammes. Und nun noch einmal einen Sprung, und wir sind bei Louis G o 1 d i n g. dem feinen, sensiblen Verfasser von „Magnolia" Street", der mit jener Strasse in Doomingtcn, wo auf einer Seite die Jews wohnen und auf der anderen die Gentiles, das Hin und Her der Beziehungen, das Leben in der kleinen Stadt mit höchst behutsamer Feder gezeichnet hat. Sehr hübsch auch ..Five Silver Daughiers", eine jüdische Familiengeschichte ganz eigener Prägung. Charles M orga n, ein Stiller, gleichsam Versponnener unter den Modernen, hat. bisher drei Bücher vorgelegt: „Portrait in a Mirror", ..Sparkenbroke" und ..The Fountain". Wer atemberaubende Spannung verlangt oder sensationelles Geschehen, mag an diesem Autor vorübergehen. Selbst „The Fountain", die seltsam erregende Geschichte einer Kriegsgefangenschaft, wird ihm keinerlei Sensation verschaffen. Wer aber von einem wirklichen Künstler sich an die Hand nehmen und einführen lassen will in seine Welt, der lese den ganzen Morgan. Und vielleicht wird er dann, genau wie der Chronist, sich geneigt fühlen, den ersten. Roman des Autors, der trotz seiner Modernität eine deutliche Abkehr der Jugend vom allzu Realen zeigt, und in dessen Atmosphäre ein Reich der Sehnsucht erblüht, für den schönsten Charles Morgan überhaupt zu halten. Ein starkes Talent für den Aufbau und die Durchführung eines Motivs zeichnet den mit grosser Musikalität begabten Aldous Huxley aus, der es sich angelegen sein iässt. in der Schilderung eine* mondän geistigen London den neuenglischen Snobismus zu" geissein. Und weil er auch eine mathematisch konstruktive Begabung ist, deshalb gehen bei ihm alle Gleichungen am Ende mit schöner Regelmässigkeit auf mit dem Ergebnis, das zu beweisen war. Man lese: ..Point Counter Point". „Two or three Graces". ..Music at Night". Und alles andere vielleicht auch, weil er immer amüsant und. immer lebenswahr ist. Einen" beachtlichen Platz in der Literatur nehmen in England die Frauen ein. Und will man wissen, wie der geistige Nachwuchs drüben aussieht, greife man zunächsF zu Virginia W o o 1 f, wohl der stärksten Begabung der jungen Generation. „Mrs. Dalloway". eine von James Joyce stark beeinflusste psychologische Studie von grosser Tiefe, und ..Orlando" sind, hier vor allem zu nennen. „Orlando'", das ist im historischen Gewand die verkappte Selbstbiographie der- Dichterin, die ihre Seele und Gestalt durch Tod und Wiedergeburt hindurch, als Mann und Weib, zurückverfolgt, bis in die Elisabethanische Zeit. Und es gelingt ihr mit seitsamer Fabulierkunst uns glauben zu machen, dass sie zur Zeit der jungfräulichen Königin wirklich das Leben ein^s Landedelmannes gelebt habe. übenfails Historie, aber weniger schweifend und deshalb weniger phaniasievoil. bietet V. Sack vi Up-West in ihren ..Ewardians", einem lebendigen, höchst anschaulichen Bild von dem Leben der Aristokratie. warf seine Argumente mit leichtem Achselzucken weg. So kam es, dass er mich bat, doch an mich selbst zu denken und. mit ihm zu gehen. Der Brief wiederholte seine Bitte: ..Wir sind hier bei meinem Sohne, der es verstanden hat. sich gut zurechtzusetzen. Er bat eine kleine Fabrik, seine Erfindungsgabe, seine guten Einfälle werden geschätzt, er kann bereits Stimmen auf Schallplatten schreiben, denken Sie, nur durch Nachahmung der Schwingungskurven. Ich verstehe ja nichts davon, aber. Sie werden schon wissen, wie das ist. Mir ist es ein technisches Märchen. Sie haben sich ja immer so gut mit unserem Albert verstanden. Bitte, kommen Sip doch, damit Sie noch ein gutes Alter haben wie wir. Unser einziger Kummer ist, dass Sie nicht auf uns hören.*' Ich nahm den lieben, guten Brief und legte ihn zu den Erinnerungen, die mein Enkelchen einst lesen soll, du findest dies Denkmal eines .gütigen Herzens an diese Blätter geheftet, gibt es ein schlichteres Monument? Aber nach ein paar Tagen kam ein Brief aus Südamerika von Paul. Der Brief war tapfer gehalten, kurz gefasst, wie es die Art meines Jungen ist. Aber man konnte Enttäuschungen hören. „Ich bin gut angekommen und recht freundlich aufgenommen worden. Erich hat hier in der Sierra de Parija eine Plantage. Das Gebirge schaut am Tage sehr wohlwollend darein, aber in der Nacht spottet seine Kälte herunter. So ist die ganze Situation hier. Ich bin schon was gewöhnt, muss mich eben anpassen. Ich hoffe, Euch bald Gutes schreiben zu können. Louis Braun war auch hierbergewandert aber eilst, wieder in die Stadt zurückgereist und sucht dort Vertretungen, das wird sehr schwer sein, Flicksfellen gibt es nicht. Europa liegt nun einmal auf einem andern Stern. Ich lasse Sofie und das Kind erst nachkommen, wenn ich eingearbeitet bin." Sofie las den Brief und ging aus dem Zimmer, jrb weiss, dass sie weinte. Du sahst deine Mutter an und begannst, sie zu fürchten. Aber dann begann erst das Schlimmste. Es kam kein Brief Sehr scharmant, sehr temperamentvoll und ironisch erscheint Rose M a c a u I a y in „Orphan Island". Wie hier auf einer Insel, auf die ein Schiffbruch sie einst verschlagen, junge Menschen miteinander leben und nichts nach den Konventionen und der Moral einer alten Welt fragen, das ist sehr amüsant und, fern von allen Entgleisungen, sehr geschmackvoll erzählt. Margarete Kennedy, deren „Treue Nymphe" die Bergner einst war, hat die Geschichte des Sangerschen Zirkus ausgesponnen, und in „The Fool of the Family", einer Fortsetzung der „Constant Nymph", treffen wir wieder auf Caryl, den törichten Sohn des grossen Sanger und werden wir Zeuge der seltsamen Abenteuer und der seltsamen Moral dieser Familie. Sheila K a y e - S m i t h machte auf sich aufmerksam durch' „The End of the House of Alard", der Geschichte eines Familienverfalls und verriet hiermit, wie auch mit dem „Village Doctor" eine starke Begabung. Elizabeth — das erste Buch, das schon vor dem Kriege 'von ihr erschien, hiess ..Elizabeth and her German Garden", und seither ist das Pseudonym nicht gelüftet worden — verrät ein eigenes Talent für angewandte Völkerpsychologie in ihrer reizenden deutsch-englischen Liebesgeschichte ..Fräulein Schmidt and Mr. Anstruther". In den letzten Jahren erschien „Father". ein kleines Meisterwerk scharmanter Komödie. Nennen wir noch die auch hier schon durch Ueberseizungen bekannt gewordene Pearl Buek und Nora Waln. die beide ihre Feder dem Problem China geliehen haben, und Rebecca W est, deren ..Harsh Voice" Probe ablegt von ihrer vornehmen Kunst der CharakterisFik, so bleibt, last not least nur noch etwas zu sagen über Kaiherine Mansfield, die FrühvensForbene. Und hier möchte man. endlich einmal, von einem subtilen Können sprechen. Ich weiss, dieser Ausdruck isi schon etwas abgegriffen, ist schon viel zu häufig in Anspruch genommen worden für sehr viel robustere Begabungen. Aber hierher passt er. Und die Kunst der Zeichnung, diese lautlosen Tragödien, die manchmal an Hermann Bang denken lassen, und manchmal an Toulouse-Lautrec, lassen sich schwer mit einem anderen Wort erfassen. Die Domäne der Katherine Mansfield ist die kleine Novelle. Man lese ..Bliss" — und man wird wissen, dass sie eine grosse Könnerin war. Bückt nun der Chronist noch einmal zurück, bevor er hinübersieht zu „God's own Land", muss er gestehen, dass er einige wichtige britische Autoren ausgelassen hat. So zum Beispiel Peter Fleming, einen Reiseschriftsteller von. Rang, der. mit der Neugier eines jungen Hundes begabt, abseits der grossen Keerstrasse reist, und der sich diesseits und jenseits des Kanals sein Publikum längst, erobert und Kervey Allan, der mit dem grossangelegten „Antonio Adverso" seinen Siegeszug durch die Länder bereits angetreten hat. Grund dieser Auslassung ist dass beide Autoren weder in der Tauchnitz Edition noch in der Albatros Modern Continental Library vertreten sind, während alle anderen hier aufgeführten Titel in Anbetracht der Schwierigkeiten der Beschaffung englischer und amerikanischer Originalausgaben eine der beiden Sammlungen entnommen sind. 77. Amerikaner ■ Fangen wir jetzt einmal mit den Autoren an, die nicht in der Albatros- und nicht in der Tauchnitz-Aiisgabe herausgekommen sind und die trotzdem genannt werden müssen, nennen wir zuerst die Erfolgsautorin der allerletzten Zeit: Margaret Mi tchel I. Ihr ,.G one w i t.h the W i ii d" (Vom Winde verweht) steht in allen .hensfern. Diese Geschichte aus dem mehr von Paul. Unsere Briefe bleiben unbeantwortet. Jetzt war deine Mutter meine grosse Sorge. Die Nervosität stieg von Tag zu Tag. Wenn der Briefträger vorüberging, zuckte sie zusammen und ging uns aus dem Wege. Sie bat mich um Schlafmittel, ich gab ihr nur die harmlosesten Präparate. Sie wurde unerträglich reizbar. Du hattest Angst vor der Heftigkeit deiner Mutter, die in ihren Liebkosungen und in ihren Scheltworten war. Du wichst ihr aus und klammertest dich an mich. Das erhöhte die Wirrnis der jungen Frau. Sie sah uns beide mit stummen Vorwürfen, ich musste eine Katastrophe befürchten. Ich redete deiner Mutter nicht zu. ich beobachtete sie nur. Es kam kein Brief. Das Gesicht deiner Mutter wurde starr. Du weintest, wenn sie in deine Nähe kam. So konnte es nicht weitergehn. Es musste etwas geschehen. Ich nahm deine Mutter vor und sagte: „Wenn du. willst, kannst du Paul nachreisen und sehen, was die Ursache seines Stillschweigens ist, ich versorge inzwischen das Kind." Deine Mutter schrie auf. Ich hatte die Verkrampfung, die in ihr lag, getroffen. Sie hatte Nächte hindurch dasselbe gedacht, verworfen und wieder geplant. Lieber Junge, wenn du diese Blätter vor dir haben wirst, bist du ein reifer Mensch, und du wirst früher reif als andere Kinder. Das liegt in deinem Blute. Du wirst verstehen, was ich dir mm sage. Jetzt fühlte deine Mutter, wie sie deinen Vater liebte, dass sie ihn liebte. Sie war plötzlich ein vertrauender Mensch zu mir. Es war das geschehen, was die Leute oft ein Wunder nennen, was aber nur das Ergebnis einer ganz grossen inneren Erschütterung war. Deine Mutter sprach sich aus, sie, die noch zuvor fremd gegen mich geblieben war. „Du hast mich verstanden*', sagte sie, „ich danke dir. Ich wagte niemand den Gedanken zu gestehen. Ich weiss, die Meinen sind dagegen. Vor dir hatte ich Angst. Ich kann dir nicht erklären, weshalb. Wir waren uns bis dahin fremd. Vor dem Kinde hätte ich nie -den Mut gehabt, so etwas zu erwähnen. Aber nun. da du es ausgesprochen hast löst sich meine Scheu. Zu dir hat das Kind grenzenloses Vertrauen. Du ver¬ Befreiungskampf e der Stidstaaten ißt von einer fast männlichen Diktion, und doch spürt man an der Kraft des Mitlebens und des Mitleidens, dass eine Frau sie geschrieben hat. Thomas W o 1 f e ist ein Epiker von umgeheurem Ausmass und mit europäischem Massstab kaum zu messen. Fast möchte man seine Kunst barbarisch nennen, wüsste man. was in dieser Schilderung eines hintergründigen Amerika Photographie ist und was Dichtung. Neben ihm erscheint George M i 1 b u r n e wie -der Zwerg neben dem Riesen. Sein „Oklahoma", vor Jahren bereits übersetzt, zeigt mit unerbittlicher SchäTfe das Leben in einer kleinen Stadt, die frömmelnde Wohlanständigkeit ihrer Bürger, ihre Intrigen und Skandale, die Kämpfe der Rassen und Sekten. Und nun zu den andern. Sinclair Lewis' „Babbit" ist zu einer Sfandardiigur geworden. Sein „Dr. Arrowsmith" ist -das schönste Buch, das je über Aerzte geschrieben worden ist. Soll man noch mehr über ihn sagen? Soll man sagen, dass er der bestgelaunte, liebenswürdigste und zugleich schärfste Kritiker seiner fellowcountrymen ist. und dass hinter dem Mann, der die „Ann Vickers" geschrieben hat, jenes erschütternde Buch über den Strafvollzug und über die Frauengefängnisse in Amerika, eigentlich so etwas wie ein Lausbub steckt? Und dass wir ihn, bei allem schuldigen Respekt natürlich, stark im Verdacht haben, niemals ein „Mann gemessener Laune" gewesen zu sein? Ebenso wohlgelaunt, ebenso zu lärmender Fröhlichkeit aufgelegt scheint Thomas Beer, der vor noch nicht allzu langer Zeit mit „Mrs. Egg" auf den Plan trat. Leser der „Saturday Evening Post" allerdings kennen ihn längst, ihn und seine gute dicke Mrs. Egg aus dem Staate Ohio, diese höchst mütterliche, humorbegabte Dame, die er mit ihren zwei Zentnern Lebendgewicht und ihrem nimmermüden Appetit zur liebenswerten Heldin seiner nett frivolen Geschichten gemacht hat. Ebenfalls frivol, wenn auch, im anderen Sinne amüsant, ist John Erskine. dieser sehr gebildete, höchst versierte Literat, der in „Cinderellas Daughter" alte, wohlbekannte Märchen da zu erzählen beginnt, wo sie für uns gemeinhin aufgehört haben, nämlich bei dem ... . . und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch", und in „Adam and Eve" von einem Leben zu dritt, im Paradies, da nämlich der guten, hausfraulich sorgenden Eva sich noch Liiith. Adams erste Frau, als intellektuelles Moment beigesellt hat. Anita Doos' „Gentlemen prefer Blondes" ist keineswegs mehr neu, aber wenn jemand gar zu grosse Schwierigkeiten mit dem sogenannten amerikanischen Slang haben sollte, so ergreife er unverzüglich die Gelegenheit, ihn aus diesem Buche zu lernen. Einen lustigeren Lehrmeister als diese witzige, scharmante Frau wird er schwerlich finden! Verweilen wir jetzt noch einen Moment bei den heiteren Begabungen unter den amerikanischen Skribenten, so müssen wir unweigerlich Carl van V echten nennen, der zunächst allerdings mit einem ernsten Buch, dem „Nigger Heaven", grossen Erfolg hatte, der aber dann dieser Negergeschichte aus Harlem ein höchst witziges Buch „Spider Boy" folgen Hess. Auch hier ist. wie so häufig in' der angelsächsischen Literatur, ein Schriftsteller der Held, und wie er, um dem Erfolg seines ersten Theaterstückes zu entgehen, nach dem Westen flieht und hierbei einem berühmten Filmstar in die Hände fällt und nach Hollywood gedrängt wird, das ist sehr hübsch und. launig geschildert (und, da es sich um lauter feine Leute handelt, auch mit einem Minimum an Slang!). Und nun, über Joseph Hergesh eimer, der unter den modernen Autoren Amerikas wohl derjenige ist, von dem die ausgedehnteste Kenntstehst es zu behandeln, wie niemand anderes. Ich weiss jetzt auch, dass ich dir immer unrecht tat. Was war ich denn? Ein verwöhntes Wesen, das immer gestreichelt sein wollte, eine Niegeklärte! Jetzt kann ich beweisen, dass ich auch etwas anderes bin, dass ich nicht hinter Paul zurück bleiben muss. Ich kann mein Kind ganz gewinnen.'' Deine Mutter ging sofort an die Vorbereitungen für ihre Abreise. Ich hatte richtig operiert. Es muss ja nicht, immer mit dem Messer sein! Die Krise war überwunden. Ich gab deiner Mutter jetzt richtige Schlafmittel und konnte es nun ruhig tun. Sie schlief, und ihre Nervosität wich einem gesundeD Willen. Ihre Familie war nicht mit ihrem Entschluss einverstanden. Sie riet, noch zu warten. Es könnte ein Brief verloren gegangen sein, man kenne solche Zufälle. Sie sah den Plan der Frau, sich allein in das fremde Land zu begeben, mi* Aengsten. Ich weiss, dass man auf mich ärgerlich war. Aber ich weiss auch, dass Sofie, deine Mutter, jetzt, nicht mehr Vorwürfe gegen mich ertrug. Ten gestehe dir aber, um ganz offen Beichte abzulegen, dass jetzt meine schlimmsten Tage und Nächte kamen. Ich wusste nicht, ob ich durchhalten könnte, wenn deine Mutter wegging. Jetzt wurde ich von einer Unruhe geplagt wie nie zuvor. Ich prüfte meinen Blutdruck und bemerkte, dass mein Zustand bedenklich war, der Schlaf blieb völlig aus. Wenn ich nun zusammenbrach, bevor deine Mutter dich nachholen konnte? Du vertrautest nur auf mich! Ich musste dir immer Märchen erzählen, und. ich tat es. Du hast aber bemerkt, dass ich nicht mehr ganz bei der Sache war und hast mich verbessert. Du sahst mich mit deinen klugen Kinderaugen verwundert an und erzähltest mir dann die Märchen in der richtigen Fassung. Das war wohltuend für mich. Deine bestimmte Weise gefiel mir und beruhigte mich. Ich glaube sogar, einmal schlief ich ein, als du mir die Geschichten erzähltest Du hast mir Kraft gegeben, mein Junge, sonst--! Und dann kam der Tag der Erlösung, der. nie des Landes erlangt werden kann — man lese „Quiet Cities" —, und Theodore Dreiser, der hier durch die „American Tragedy" berühmt wurde, und der sich auch in „Twelve Men" als ausgezeichneter Kenner amerikanischer Mentalität und Soziologie erweist, zu der wuchtigen Begabung des William Faulkner. „Pylon" heisst das Buch, in dem er uns vom Leben amerikanischer Flieger erzählt' Und zwar sind das keine berühmten Ozeaniiieger, Menschen aus der materiell gesicherten Sphäre einer neuen Zunft, sondern Hazardeure der Luft, die sich durch Schauflüge ihr Brot verdienen. Ein nacktes, hartes Leben stellt sich uns hier dar, ohne jede sentimentale Verbrämung — eine andere Seite des tausendfältigen Amerika, erzählt von einem Epiker von dichterischen Gnaden. * Edna Ferber, deren Theaterroman vom' Mississippi, „Show Boai", schon vor Jahren sowohl über die Leinwand als auch über die Bühnen zweier Kontinente ging, isi im Verzeichnis der Albatross Library nur mit dem Novellenband „They brought their Women" vertreten. Ihr für uns schönstes"Buch aber ist „Fanny", das sie als Meisterin in der unaufdringlichen Schilderung jüdischen Milieus zeigt Wer Fanny Hurst kennenlernen will, eine der prominentesten Autorinnen drüben, lese ihren Roman „Lummox", die Geschichte eines Mädchens, das sich iapfer durchschlägt. Paul de K rui f, dessen Mitarbeit Sinclair Lewis die wissenschaftliche Genauigkeit seines Dr. Arrowsmith verdankt, hat ganz den gleichen fröhlich unbekümmerten Ton wie dieser und schlägt ihn auch an, wenn es um so ernste Dinge geht wie die „Men against Death" oder „Hunger Fighters". ~0. Henry, für uns vielleicht nur der Autor von „Cabbageg and Kings", dieser herrlichen politischen Satire auf einen südamerikanischen Staat (sprachlich übrigens eine harte Nuss!), ist drüben der Novellist. Ein grosses Kaufhaus in New-York konnte es sich kürzlich leisten, in einer seiner Geschenkanzeigen einfach nur ein paar Kämme zu skizzieren und eine Uhrkette — und jedermann wusste, dass dies sich auf eine der schönsten Liebesgeschichten der Welt bezog: auf-O. Henrys „The Gift of the Magi". Ebenso geht es mit Jack Londons Popularität, den der Chronist hier nur aus Gewissenhaftigkeit hersetzt und nicht etwa aus Furcht, dass ihn irgend jemand noch nicht gelesen haben könnte. " Man hat sich oft. gefragt, woher eigentlich der Erfolg eines Buches resultiere. Die Frage ist, bis dato, ungelöst und bleibt den Verlegern als Thema eines Preisausschreibens unbenommen. Ernest Hemingways Buch aus dem. Kriege, ,.A Farewell fo Arms", ist ein grosser Erfolg gewesen. Die Menschen bekommen dunkle, wehmütige Augen, wenn sie davon sprechen. Und der Chronist legt seine Feder still beiseite. ■ Literarische Notizen Bei der Festsitzung der J e w i s h P u b 1 i c a f. i 0 n Society aus Anlass ihrer 50. Jahresversammlung (vgl. C.-V.-Zeilung Nr. "21 vom "26. Mai) wies der'Präsident der Gesellschaft. J. S 0 1 i s? - C 0 h'e n „ darauf hin. dass heim Verkauf der Vereinspublikationeü innerhalb der letzten zwei Jahre eine öOprozentige Absatzsteigerung zu verzeichnen sei. Im Herbst werde unter dem Ehrenvorsitz von Cvrus Adler eine ..Goldene Jubiläumsfeier" stattfinden. Im goldenen Jubiläumsjahr vrerde man mehr Bücher verlegen als in irgendeinem der vorausgegangenen. Kedem. Jüdischer Buchverlag und Buenvertneb Inn.: Martin S a i 0 m 0 n . Berlin-Charlottenburg. Dahlraannstr. 8) besieht unabhängig von dem gleichnamigen Unternehmen in Tel-Aviv, auf das wir in dr-r vorigen Nummer der O.-V.-Zeitung hinwiesen, weiter. Brief von deinem Vater! Da schien Sonne ins Haus. Das war eine Stunde, wir drei waren Kinder! Der Brief enthielt dein Schicksal: ..Ihr werdet euch geängstigt haben, weil ich so lange schwieg. Es war nicht meine Schuld, Ihr Lieben! Und doch war es meine Schuld, ich. kannte dies Land noch nicht. Mit meinem Freunde hatte ich mich überworfen. Ich konnte seine mürrische Art nicht ertragen. Diese ewigen Vorwürfe: Ihr seid immer noch verwöhnte Luxusmenschen! Europa produziert immer noch unpraktische Phantasten und exportiert sie auch noch! Vielleicht war ich zu nervös, um diese Nörgelei zu ertragen, ich gab ihm Antwort und sagte, dass ich nicht mit. solchen Schabloneurteilen abzutun sei. Wir zankfen uns. Ich nahm meine Sachen und zog weiter in das Innere des Landes. Ich kannte die Tücken der Natur hier nicht Sie verlockt durch die Herrlichkeit der Bilder, die Gefahren verbirgt sie. Ein kleiner Insektenstich — und ich lag da. bewusstlos bei fremden Menschen, die nach einigen Tagen die Geduld verloren und mich nach Cajabamba zu Leuten brachten, die selbst noch keine Existenz besassen. Diese waren mitleidig und behielten mich einen Monat lang, dann aber mussten sie mich nach Ambale schaffen. Man hatte wenig Hoffnung für meiD Aufkommen. Nun fand die Leitung" des armen kleinen Hospitals einen Brief mit der Adresse unseres Freundes in der Sierra de Perija. Man schrieb ihm und er kam. Er nahm mich mit sich, er pflegte mich. Jetzt zeigte mir die Natur wieder ihre guten Launen. Hatte sie mich nur prüfen wollen? Sie, ebenso wie Freund Bauer, der rührend besorgt um mich war? Ich habe das Fieber überwunden und bin viel frischer als bei meiner Ankunft. Ich verstehe jetzt auch die brummige und harte Art meines Freundes. Er hat Misstrauen gegen die Zuwandernden. Er glaubt, dass sie nur durch den ruppigsten Zugriff die Gunst der Landschaft gewinnen können; die kein Touristenziel sei, die den ganzen Menschen verlangt Ich habe mich mit Herrn Bauer derart geeinigt, dass ich'

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