Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 27 (7.7.1938)
- Date
- 1938-07-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr.27* I.Beiblatt 7.Juli 1938 * Selte3 Auswanderung und Weltwirtschaft Zu Beginn der Evian-Konferenz wird man sich, vor allem das Verhältnis von Weltwirtschaft und Auswanderungsbewegungen vor Augen führen müssen. Alle Wanderungsprobleme bekommen dann ein anderes Aussehen. Man wird dann verstehen, wie notwendig es wäre, wenn man sich in Evian von Gesichtspunkten leiten Hesse, die nicht nur die Notwendigkeiten des. Tages beachten, sondern jede Auswanderung auch als eine Wirtschaftsfunktion betrachten. I. W@i$$l@r Gerade . bei diesem Problem kann keine Disposition auf kurze Sicht getroffen werden. Es gibt Nationalökonomen und vor allem angesehene Wirtschaftspraktiker, die dem Süllstand der Wanderungsbewegung nach dem Kriege einen grossen, ja den grössten Teil der Schuld dafür zuschreiben, dass eine Wirtschaftskrise solchen Ausmasses Ende der zwanziger Jahre ausbrechen konnte. Die Geschichte der Vereinigten Staaten, Kanadas und in neuester Zeit Palästinas zeige, so meinen sie, dass erst durch eine fühlbare Steigerung der Bevölkerungszahl, wie sie nur durch Einwanderung Zustandekommen kann, eine Aufwärtsbewegung der Wirtschaft und eine — relativ — dauerhafte Wirtschaftsentfaltung herbeigeführt werden könne. Je stärker die Arbeitsteilung in einem Einwanderungslande bei diesem Wirtschaftsausbau sich differenziert, um so grösser sind die Existenzmöglichkeiten für den einzelnen. So ist denn schon vor zwei Jahren in einem Bericht der Lloyds Bank in London die Wiederherstellung einer normalen Auswanderungsbewegung als einer der Programmpunkte einer zwischenstaatlichen Wirtschaftsregelung angeführt worden. Der Bericht, den der ehemalige belgische Ministerpräsident Van Zeeland im Auftrage der englischen und französischen Re- &lf pagsier — Adolf Naftaniel Berlin N 65. Am Nordliafen 5 46 26 05. gierung Anfang des Jahres erstattet hat, weist ebenfalls auf die demographischen Probleme hin, die in einzelnen Staaten besteben, und in deren Zusammenhang die Frage einer Auswanderung auftaucht. Gerade diese demographischen Fragen zeigen, in welcher Weise sieh die beispiellose Verminderung der europäischen Auswanderung nach Uebersee auf der einen Seite und der verengerte Nahrungsspielraum in Europa auf der anderen Seite auswirkt. Mehr als 13 Millionen Menschen sind in dem Jahrzehnt vor dem Kriege, zwischen 1901 und 1910 aus Europa nach Uebersee ausgewandert; 1913 gingen allein 1054 522 Menschen nach Kanada, Argentinien, Brasilien, und Australien; 1928 betrug die Auswanderung nach diesen Ländern kaum den dritten Teil der Zahl von 1913, und 1933 noch etwa ein Zehntel. Nach den Vereinigten Staaten wanderten 193,3 nur ein Hundertstel der Menschen wie 1913 (1387 318 :13 815). Seit 1933 ist die Einwanderung in diese Gebiete wiederum zurückgegangen. 1933 bis 1935 wanderten kaum 3S0 000 Menschen in die hauptsächlichsten Einwanderungsländer. Das alles zeigt, dass die Einwanderungssituation anders geworden ist; aber auch die Lage in den Auswanderungsländern stellt sich im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten ganz anders dar. Als Folge des Geburtenrückganges ist das Volkswachstum in allen Staaten, mit Ausnahme von Deutschland, Italien und Polen, geringer geworden. Es wird gerade im Hinblick hierauf in der Regel eine Auswanderung staatlicherseits ganz anders betrachtet werden, insofern Facharbeiter oder militärpflichtige Personen in Betracht kommen. In den kommenden Jahrzehnten werden nur wrenige Länder nichtjüdische Auswanderer stellen. Der Aus- Juwelier Üpowefzki s £y Ank.G. Nr. 11/48541 Berlin W 8, v / Friedrichstrasse 193a, Ecke Leipziger Strasse wanderungsstrom wird kaum mehr die früheren Ausmasse erreichen. Aber nicht nur in europäischen Ländern ist das Volkswachstum kleiner geworden, auch überseeische Gebiete haben in dieser Beziehung Probleme, die sich gerade aus einer Einwanderungsdrosselung ergeben haben. Denn die Einwanderer gehören im Durchschnitt den jüngeren und mittleren Altersklassen an. Eine starke Einwanderung drückt in den Einwanderungsländern die Sterblichkeit durch die Zunahme der im heirats- und fortpflanzungsfähigen Alter stehenden Menschen herab. So stieg z. B. die Bevölkerungszahl Kanadas, Argentiniens, Brasiliens von 1900 bis 1930 um 122 Prozent, diejenige von Europa.nur um 24 Prozent. In einer Anzahl überseeischer - Gebiete kann man nun heute bereits wieder eine Verlangsamung des Volkswachstums bemerken, da die Geburtenhäufigkeit gering ist und noch weiter abnehmen wird. Eine Verstärkung dieser Tendenz würde aber bedeuten, dass in dem gleichen Masse der wirtschaftliche Ausbau dieser Länder sich verlangsamen müsste, weil weniger Menschen da sind, die als Konsumenten am Markte auftreten. Es würde zugleich bedeuten, dass die in diesen Rohstoffländern begonnene Entwicklung einer eigenen Industrie nicht vorankommen kann, weil ein kräftiger und aufnahmefähiger innerer Markt, der heutzutage von immer grösserer Bedeutung wird, nicht vorhanden ist, und ohne ihn eine Aufrechterhaltung, geschweige ein Ausbau der Industrialisierung bei den heutigen protektionistischen Massnahmen in der Welt überhaupt nicht stattfinden kann. Der grosse wirtschaftliche Aufschwung in USA im Verlaufe des 19. Jahrhunderts wäre ohne die Millionen der Einwanderer nicht möglich gewesen. So werden daher auch die Ueberseestaaten ein Interesse an Einwanderung haben müssen. Erfreulicherweise gibt es auch bereits Anzeichen für eine beginnende Einsicht in diese Zusammenhänge. Das englische Amt für überseeische Siedlung beim Staatssekretariat für die Dominien hat sich in der vergangenen Woche für eine Wiederaufnahme der Wanderungsbewegung aus den hier erwähnten Gründen aus- Existeiiz-Iufijaü mit wenig Geld! Wichtig für Auswanderer. Leicht erlernbare Artikel der Lebensmittel- und chem.-technischen Branche auf Grund eigener unveröffentlichter Spezialverfahren. Grosser Verdienst! Besonders wichtig: Als Industriebetrieb überall anerkannt. Kein Rezepthandei, sondern nur sorgfältigste Unterweisung durch zuständigen Fachmann. Tel.: Berlin 251413 Auskunft 10—12 Uhr. 25 49 37 Briefe cn Berlin W 62, Post.ach 48 gesprochen und dabei bemerkt, wenn auch zuerst eine Wanderung aus dem Mutterland in Betracht komme, doch auch einen sorgfältig regulierten Zufluss von anderen Einwanderern „anpassungsfähigen Typs" zuzulassen. Einwanderung und wirtschaftliche Entwicklung sind unverkennbar gekoppelt. Es ist allgemein heute aber in dieser Hinsicht genau so wie bei den Zusammenhängen zwischen Weltkonjunktur und Aussenhandel. Dass der Hochschutzzoll zu weitreichenden Problemen der Konjunkturentwicklung geführt hat, sieht jedermann. Der stufenweise Abbau der Handelsbeschränkungen wird gerade in dem erwähnten Berieht Van Zeelands als eine der Voraussetzungen für eine Stabilisierung der Weltwirtschaft angesehen. Aber dennoch ist gerade der kleinste Rückschlag geeignet, die Wälle des Schutzzolles zu verstärken und an die unmittelbarsten Bedürfnisse denken zu lassen. Das ist natürlich. Man muss damit rechnen. Aber genau so liegt es mit der Einwanderung. Dem Zusammenbruch der Weltwirtschaftskonjunktur ging gerade eine Einwanderungsbeschränkung in den meisten der in Betracht kommenden Länder voraus. Jede krisenhafte Entwicklung steigert aber die Neigung, es bei diesen Einwanderungsbeschränkungen zu belassen und sie sogar zu vergrössern. Dabei stellt die jüdische Einwanderung aus Deutschland nur einen Bruchteil der allgemeinen heute stattfindenden Auswanderung dar. 1933/35 betrug sie für Argentinien, Brasilien, Kanada, Australien und Südafrika nur wenig mehr als 3 Prozent. Mit diesen wenigen Prozent Menschen innerhalb der an sich schon geringen Gesamtwanderung hat sich also die Konferenz von Evian zu befassen. Auf ihr wird sicherlich der heutige Stand der Weltwirtschaft in Betracht gezogen werden. Denn die demographischen Probleme, die Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung in den Einwanderungsländern sind untrennbar mit dem ganzen Auswanderungsproblem verbunden. Wenn man sie lösen will, muss es eine vernünftige Regelung des Wanderungsproblems geben. Von den Einwanderungsländern wir,d nun geltend gemacht werden, dass die Preis- Ski-Mieder machen schlank Ski-Mieder- Fabrik, Köln Steigerung der Rohstoffe in den vergangenen Jahren in engem Zusammenhang mit einem wachsenden Konsumbedürfnis einen Wirtschaftsaufschwung der Rohstoffländer herbeigeführt habe, dass die Situation heute aber anders sei. Denn damals habe sich als Folge des Wirtschaftsaufschwunges eine aktive Handelsbilanz ergeben; zugleich konnten diese Länder ihre Käufe in den europäischen Industriestaaten vergrössern. Wenn sich jetzt der Preisverlauf auf den Rohstoffmärkten umgekehrt gezeigt habe, so müsse man beachten, dass die Kandelsbilanz der Rohstoffländer wieder zu einem Ausgleich oder gar zu einer Passivierung neige. Handelsbilanz und Zahlungsbilanz aber weisen auf ein Problem hin, das gerade für die Auswanderung von ausschlaggebender Bedeutung ist: die Frage der Kapitalbewegungen. Es besteht keine Frage, dass zwischen Wanderung und Kapitalbewegungen ein Zusammenhang besteht. Niemals wären die überseeischen Nerzmäntel ~ÄK "c; Cohn, FFsedFicfesSrasse SO, a. d. Behrenstr. Ansichtssendung unverbindlich. Telefon 122295. Gebiete für die Millionenzahl der Einwanderer so aufnahmefähig gewesen, wenn nicht zugleich aus Europa ihnen die notwendigen Kapitalien zur Verfügung gestellt worden wären. Andererseits hätten sie nie etwas mit diesen Kapitalien anfangen können, wenn sie durch die Einwanderung nicht die notwendigen Arbeitskräfte bekommen hätten. Die Fragen, die sich in diesem, Zusammenhang ergeben, sind sehr kompliziert. Es kann deshalb nicht genug darauf hingewiesen werden, welche Bedeutung Andeutungen zukommt, die von einer internationalen Anleihe zur Lösung des Wanderungsproblems sprechen. Eine solche Anleihe wräre bei der gegenwärtigen Flüssigkeit der internationalen Kapital- und Geldmärkte nicht ausserhalb des Bereiches des Möglichen. Aber sie ist mit Problemen verbunden, die man in jede wirtschaftliche Ueber- _ legung einbeziehen muss. Es geht nicht nur darum, das Vermögen der Auswanderer in irgendeiner Weise nutzbar zu machen. Es handelt sich hier nicht nur um eine Frage des Transfers aus dem Auswanderungsland. Auch der Transfer in das Einwanderungsland hat seine Hemmnisse. Denn jede Kapitalbewegung in Form einer Anleihe ist zugleich mit einer Warenbewegung verbunden. Kapital, das in ein Land kommt, kommt in Gesialt von Waren. Franz Boas Zu seinem 80. Geburtstag Am 9. Juli feiert in New-York ein grosser Gelehrter seinen SO. Geburtstag: der Anthropologe Franz Boas. Am 9. Juli 1S58 wurde Boas in Minden i. W. geboren. Er promovierte in Kiel (1881) und unternahm von Deutschland aus in den Jahren 1883 und 1884 seine erste Forschungsreise, die ihn in die Polargegenden, nach Baifins-Land und an die Hudson - Bucht führte. Er brachte von ihr wertvolle wissenschaftliche Studien über die geographische Verbreitung und die anthropologische Eigenart der dortigen Eskimos heim. Im näch- Jahre wurde er tent am Ethnographischen Museum in Berlin: zugleich habilitierte er sich als Privatdozent an der Berliner. Universität. Der Ruf seiner ersten Arbeiten führte ihn schon 1886 nach den Vereinigten Staaten von Amerika. Zunächst hielt er Vorlesungen über Anthropologie an der Clark-Universität in Worchester (Massachusets). Seit 1888 gab er ausserdem die führende amerikanische Zeitschrift für Volkskunde heraus. Im Jahre 1899 erhielt er einen Ruf an die Columbia-Universität in New- York. Sein grosses Ansehen in der gelehrten Welt wurde weithin sichtbar, als er 1907 zum Präsidenten der American Anthropological Society und 1910 zum Präsidenten der New-Yorker Academy of Sciences gewählt wurde. Im Jahre 1912 verlieh ihm die Universität Oxford den Ehrendoktor. Seit seiner Ankunft in Amerika hatte Boas zahlreiche Forschungsreisen unternommen und ihre Ergebnisse in Sonderwerken und zusammenfassenden allgemeinwissenschaftlichen Büchern dargestellt. Seine Forschungen galten besonders den Eskimos und den Indianern Nord- und Mittel- Zeichnung von Ernsi Kaufmann, Leipzig amerikas. 1886 besuchte er die Indianer Britisch- Kolumbiens, 1888 reiste er noch einmal zu den Eskimos. In den nächsten Jahren unternahm er wiederholte Forschungsreisen in das damals noch weltenferne Alaska und nach anderen Indianergebieten. Er entwarf den Plan der Jesup North Pacific Expedition und nahm selbst an ihr teil; sie ergab überraschende Einsichten in die Beziehungen zwischen den nordasiatiscben und den nordwestamerikanischen Frühkulturen. Seine langen Aufenthalte bei den verschiedenen Indianerstämmen verschafften ihm eine einzigartige Kenntnis ihrer Sprachen, ihrer Lebensformen, ihres geistig-religiösen Lebens. Fast unübersehbar ist die-Zahl seiner Schriften, in denen er die von ihm entdeckten Schätze des sprachlichen, religiösen, künstlerischen, sozialen Lebens der Indianer ausbreitete. Die Verdienste dieser Arbeiten, die nicht bloss die Kenntnis der kolumbianischen und nordamerikanischen Völker, sondern der Völkerkunde überhaupt in ausserordentlicher Weise gefördert haben, sind von den Gelehrten der ganzen Welt gerühmt worden. Besonders die bis dahin ganz ungewohnte Genauigkeit und Gründlichkeit der wissenschaftlichen Beschreibung haben die neueren Erforscher und Geschichtsschreiber der heutigen „Urzeitvölker" dankbar anerkannt. Manche seiner Schriften, so über die indianischen Geheimbünde, ihr Verhältnis zu den Geschlechterfolgen, ihren Zusammenhang mit dem Kriegswesen, haben völlig neue wissenschaftliche Anschauungen auf diesen Gebieten begründet. In einer Zeit, in der die Wissenschaft allgemein das Verhältnis zwischen Ritual und Ritualsage (die den Ursprung des Rituals phantasievoll zu erklären sucht) dahin deutete, dass die Ritualsage das ältere sei im Vergleich zum Ritual, sagte er schon, was heute Allgemeingut der Wissenschaft geworden ist, dass das Ritual das Ursprüngliche sei und die Sage die nachträgliche. Erfindung. Zu seinen wichtigsten Werken gehört das von ihm herausgegebene Handbuch der amerikanischen Indianersprachen. Aber auch in ganz anderen Bezirken der Anthropologie betätigte er sich. 1911 veröffentlichte er Untersuchungen über körperliche Veränderungen der Nachkommen von Einwanderern. Jn diesem aufsehenerregenden, oft erörterten Werk stellte er besonders die Veränderung der Kopfform, die auffallende Schädelangleichung der Kinder? von amerikanischen Einwanderern fest Seine vielseitigen Forschungen führten ihn schliesslich zu grossen, den ganzen Bereich der Anthropologie und Ethnologie umfassenden Werken. Ein ausserordentliches, die Völker und Kulturen vom primitiven bis zum hochkultivierten Menschen umspannendes Wissen vereinigte er hier mit ebenso vorsichtigen wie eindringenden Methoden. Hier untersuchte er zum Beispiel die Beziehungen zwischen menschlichem Körpertypus und menschlicher Kulturleistung besonders der Sprache, zwischen Körpertypus und Veranlagung, zwischen äusserer Erscheinung und geistiger Kultur, zwischen Gehirngrösse und Begabung. Er untersuchte das Problem des Verhältnisses zwischen selbständiger Leistung der einzelnen Völker und der Wanderung kultureller Formen — der religiösen Vorstellungen, des Kunstschaffens, der Rechtsformen usw. — von. Volk zu Volk. In all diesen Zusammenhängen hat er sich auch mit sehr aktuellen Fragen beschäftigt. So ist in jenem Werke, das sich mit der Geisteswelt des primitiven Menschen beschäftigt, das grosse Schlusskapital den Rasseproblemen in den Vereinigten Staaten gewidmet. In Franz Boas wird also an seinem 80. Geburtstage ein Mann gefeiert werden, dessen wissenschaftliche Wirksamkeit nicht bloss grundlegende Bedeutung für seine Sonderwissenschaften gewonnen hat, sondern der zugleich seine wissenschaftlichen Erkenntnisse und Erfahrungen für das praktische Leben fruchtbar gemacht hat. A.M. Preisgekrönt Paul Muni erhielt Amerikas Filmpreis 1937 Paul Muni, der von der Academy of Motion Pictures in Amerika den Preis für die höchste künstlerische Leistung im Film für 1937 erhielt, wurde im Jahre 1895 als Sohn des jüdischen Schauspieler-Ehepaares Weisenfreund in Lemberg geboren und auf den Namen Muni getauft. Als Sechsjähriger kam er nach Amerika, das seine Eltern mit einer jiddischen Wanderbühne kreuz und quer bereisten. Ererbtes Bühnenblut und angeborenes Talent brachten Muni, als er erst 11 Jahre war, schon seinen ersten grossen Erfolg, als er in Ohio in der Rolle eines - 60jährigen auftrat Dieser Erfolg wurde rich- Eerbert Sonnenfeld tungweisend für das Leben und die Karriere dieses ungewöhnlichen Menschen. Gegen den Willen der Eltern, die ihn Musik studieren lassen wollten, sein Bruder Jakob ist bei Warner Bros. Film musikalischer Leiter, entwickelte er seine Begabimg der künstlerischen Maskenbildung und das Talent des restlosen Aufgehens und Verwachsens mit der darzustellenden Person. Die ernste Auffassung seines Berufes machte ihn schon in jungen Jahren zum Rätsel der Theaterwelt, so wie er heute das Rätsel von Hollywood ist. Er trinkt nicht, er spielt nicht und — ist seit Jahren mit einer Kollegin vom jiddischen Theater, Bella Finkel, überaus glücklich verheiratet. Seine erfolgreiche New-Yorker Bühnentätigkeit unterbrach er auf kurze Zeit, um in Hollywood in „The Valiant" und „Seven Faces" zu filmen. Wieder in New-York, wurde „Counsellor-at-Law" die Krönung seiner Bühnenlaufbahn, der er endgültig Lebewohl sagte, um in Hollywood sich ganz' dem Film widmen zu können. Er wurde einer von Hollywoods grössten, bestimmt deren vielseitigster Schauspieler. In „Seven Faces" war er jedes der sieben Gesichter, stellte er sieben verschiedene Menschen dar,<t deren Charaktere und Figuren, in „Scarface", dem echtesten, grausamsten Gangsterfilm, war er der Unterweltkönig, in „I am a Fugitive ■ from a Chain Gang" („Kettensträfling") der gehetzte, betrogene Flüchtling, in „World Changes" spielte er den Industriemagnaten. Er war der bezaubernd freche Journalist in „Hi, Nellie!" das mexikanische Halbblut in „Bordertown" und der polnische Grubenarbeiter in „Black Fury". Die Höhepunkte seiner bisherigen Filmlaufbahn aber wurden-' der chinesische "Bauer Wang in „The Good Earth" und die Titelrollen in „Louis Pasteur" und „Emile Zola". Diese drei Filme laufen jetzt in der ganzen Welt mit unvorstell*