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Central-Verein-Zeitung · 1938-06-30 · 26 (30.6.1938) · page 17

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
26 (30.6.1938)
Date
1938-06-30
Page
– (sequence 17)
Language
German
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(ür.'26 *30.Jonn938 "TO 4. Beiblatt * C.-V.-Zeitung Seite 15 ZAUB6R Fortsetzung V U5*^ Von Leo Rem ür die Zuteilung an die Dinge sind die Buchstaben des hebräischen Alphabets im Buche ira in Gruppen geteilt: zu drei, zu sieben, zu wolf; für sich stehen die zehn Grundzahlen.;.uch diese Gruppierung hat ihre mystische Beutung. Dass die Dekade, das System der ■hnzahl, im weiteren Aufbau als ein Zeichen r vollendeten Harmonie gesehen wurde, ist;cbt verständlich. Aber auch die Drei, die. :eben und die Zwölf sind in der Mystik überjs beliebt. Ihre Verwendung im Buche Jezira Klärt Goldschmidt als ein Symbol der Emanann. der göttlichen Auestrahlung, als ein Zeichen r Entwicklung, die von sich selbst ausgeht,- >er mit dem nächsten Höheren zu einem neuen esen verschmilzt; die Gleichung: 1 + 2 3 4 7 + 5 12 gibt davon einen Begriff. Die erste im Buche Jezira behandelte Gruppe id die zehn Grundzahlen (hebräisch Sefirot). e bilden die erste Gestalt der berühmten ehn Sefirot", die, in mehrfach gewandelter Beutung, dem Kabbalajünger immer wieder be- <men. Hier aber erscheinen sie noch als Zahlen ohne etwas", als abstrakte Zahlen, an e sich freilich eine Weltschöpfung knüpft, lese Zahlen, sagt das Buch Jezira ganz im nne des Neu-Pytbagoräismus, enthalten im runde alles: „Es gibt eine Dimension des Auings und eine Dimension des Endes, eine imension des Guten und eine Dimension des osen, eine Dimension der Höhe und eine?r Tiefe, eine Dimension des Ostens und eine?s Westens, eine Dimension des Nordens und ae des Südens." Sie sind ein Zeichen der Unidhchkeit: „ihr Mass ist zehn, sind aber grenz- 35"; ..ihr Ende ist in ihren Anfang gesteckt". sind bewegliche Diener des Geistes, des göttcnen Herrn, der als ein „treuer König"- über e herrscht: „sein . Wort ist in ihnen im Hinmd Herlaufen; auf seinen Befehl eilen sie wie;n Sturmwind, und vor seinem Thron werfen i.e sich nieder" — «ine Anspielung auf die la asee Merkaba, in der auch die „heiligen nere" der Ezechielischen Vision so hin und her üeien (Ez. I, 14). Die spielerischen zahlenmvstischen Beziehungen fehlen nicht: „Zehn Zahlen ohne etwas, entsprechend den zehn Fincern, fünf gegenüber fünf — mit dem einzigen Zeichen des Bündnisses in der Mitte: dem Wort ia der Zunge und der Mila". Was ist als das Erste in dieser Schöpf ungsehre gesetzt? „Eins, der Geist des lebendigen Gottes../'; „einzig ist der Herr und hat keinen zweiten; vor eins — was zählest du?" Ebenso iieisst es bedeutsam: „Verstehe mit Weisheit id erkenne mit Einsicht, prüfe ... und erorscbe ..., stelle die Sache in ihre Klarheit serze den Bildner auf seine Stätte ..." Das Zweite ist der Widerstrahl des Ersten: „Geist aus Geist (ruacb me mach)" — es ist aber Luft und Hauch gemeint, aus dem sich nach dieser mystischen Anschauung die Sprache entwickelt. Das Dritte ist die Verdichtung der Luft, das Wasser. Das Vierte ist das Feuer, das der jüdische Mystiker aus dem Wasser entstanden denkt. Aus dem Feuer sind der göttliche Thron, die Ophaninrund Seraphim, die Engel des Dienstes und die heiligen Tiere geschaffen — gemäss dem Psalmwort: „Du machest deine Engel aus Winden und deine Diener aus Feuerflammen" (Ps. 104, 4). Die sechs noch übrig bleibenden Grundzahlen werden genannt bei der Erschaffung der Himmelsrichtungen, zu denen noch die „Höhe" und die „Tiefe" tritt. Dabei gebraucht der Schöpfer Kombinationen der Buchstaben des Gottesnamen JHV — er hat hier nur drei Buchstaben — als „Siegel". „Fünf: er wandte sich aufwärts und versiegelte die Höhe mit JHV. Sechs: er wandte sich nach unten und versiegelte die Tiefe mit JVH. Sieben: er wandte sich nach vorn und versiegelte den Osten mit HJV. Acht: er wandte sich nach hinten und versiegelte den Westen mit HVJ. Neun: er wandte sich nach rechts und versiegelte den Süden mit VJH. Zehn: er wandte sich nach links und versiegelte den Norden mit VHJ." Dies „Siegeln" mag hier zunächst als das schöpferische Prägen, Einprägen des göttlichen Geistes in die Dinge der Schöpfung gedeutet werden. In der glühenden Bildersprache des Hohenliedes heisst es (8, 6,): „Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm", d. h., präge mich dir unauslöschlich ein, „denn Liebe ist stark wie der Tod." Deutlicher erscheint dies „Siegel" in der talmudisch-hagadischen Sage. In einer hagadischen Erzählung, die sich an die Schöpfung knüpft, verschloss Gott den „Mund des Abgrundes", aus dem die Wasser quollen, mit einem Stückchen Ton. auf das er 48mal seinen „unverstellten Namen" — das ist wohl der vollständig ausgeschriebene Name — gesetzt hatte. Siegel, Siegelringe und Kapseln mit dem Gottesnamen kehren in der praktischen oder magischen Kabbala wieder. Die obige „Versiegelung" der Himmelsrichtungen wird aber auch auf das magische Hexagon der Kabbalisten bezogen, welches der wohlbekannte Magen. David ist: Seine Zeichnung ist in sich geschlossen, hat keinen Anfang und kein Ende und kann also sehr wohl als das Zeichen der Unendlichkeit der Himmelsrichtungen genommen werden. Seine graphische Darstellung zeigt das? Mittelstück, die gedeckte Fläche, umgeben von sechs kleinen Dreiecken; in jedes von ihnen wird einer der obigen Gottesnamen eingezeichnet, und zwar .in jeden Winkel jedes kleinen Dreiecks je ein Buchstabe. Da in jedes Dreieck somit nur drei Buchstaben gehen, musste der sonst vierbuchstabige Gottesname auf drei Buchstaben beschränkt werden. — Uebrigens ist der Blick des frommen Verfassers des Buches Jezira bei der Darstellung der Richtungen nach Osten („vorn") gewendet. — Die weiteren Abschnitte des Buches Jezira behandeln die 22 Buchstaben (Otijot) und ihre Zuordnung zu den Dingen der Schöpfung. Die erste Untergruppe ist die der „drei Mütter" — auch dem jüdischen Mystiker klang dies Wort „so wunderlich". „Dies ist ein grosses, verhülltes Geheimnis, versiegelt mit sechs Siegelringen", sagt das Buch Jezira über sie. Was sind die drei Mütter? Es sind die Buchstaben AMS (Aleph, Mem, Schin), die hier ihre Zuordnung, nämlich zu den Urelementen Luft (Aleph), Wasser (Mem), Feuer (Schin) finden. Es wird durch Aleph „die Luft auf der Welt, das Gemässigte im Jahr (womit Frühling, und Herbst gemeint sind) und der Leib im Körper", durch Mem „die Erde auf der Welt, die Kälte im Jahre und der Bauch im Körper", schliesslich durch Schin „der Himmel auf der Welt, die Wärme im Jahre und der Kopf im Körper" geschaffen. Es folgen die „sieben Doppelten". Es sind diejenigen Buchstaben des hebräischen Alphabets, die doppelt, „nach Gestalt des Weichen und Harten, des Starken und Schwachen" erscheinen können, einer Erweichung fähig sind. Mit ihnen werden die sieben Planeten, die sieben Tage und „sieben Pforten im Körper: zwei Augen, zwei Ohren, zwei Nasenlöcher und der Mund" geschaffen. Die letzte Ordnung ist die der „zwölf Einfachen"; es sind die noch übrigbleibenden unveränderlichen Buchstaben. Die mystische Kosmogonie des Buches Jezira belehnt sie mit den zwölf Sternbildern, den zwrölf Monaten und zwölf leitenden Organen im menschlichen Körper. Ausserdem wird jeder einzelne Buchstabe der beiden letzten Kategorien einem Ding oder einer Tätigkeit zugeordnet, über welche er „herrscht". So bildete Gott, sagt das Buch Jezira, durch die 22 Buchstaben „die ganze Schöpfung und alles, was geschaffen werden sollte". Was noch zu tun übrig war, blieb den Buchstaben-Kombinationen überlassen. Der Verfasser kommt dabei auf 231 Kombinationen, die er „Pforten" nennt. Auch wo er von „Steinen" und „Häusern" spricht, sind Buchstaben.- oder Wort-Kombinationen gemeint. Alles dies hat seine mystische Bedeutung. So sieht das Buch die Beweglichkeit dieser Kombinationen im Bilde eines Kreises, der sich vorwärts und rückwärts dreht." Wie in der Magie ist die Vorwärtsbewegung das Zeichen des Glücklichen, die Rückwärtsbewegung das Zeichen des Unheils: „Es. dreht sich der Kreis vorwärts und rückwärts, und dessen Zeichen ist dies: nichts gibt es im Guten über ONG (Oneg, Freude, Vergnügen), und nichts gibt es im Bösen über NGA (Nega, Plage, Verdruss)". In den Buchstaben und Worten liegt also das Gute ebenso wie das Böse; der artige Scherz im sinnlich-übersinnlichen Buchstabenspiel kommt im Hebräischen noch besser heraus, wo sowohl 0 wie A durch den stimmlosen Vokalträger E (Ajin) wiedergegeben werden. Verfolgt man diese Kombinationen rückwärts, so gelangt man wiederum zum Alphabet und seinen Buchstabengruppen. Und hier kommt das Buch Jezira zu seiner kühnsten Folgerung, die für die spätere und praktische Kabbala von gewaltigster Bedeutung ist: „. . . Sie alle (die Buchstaben) wenden sjch rückwärts. Und so findet es sich, dass die ganze Schöpfung und die ganze Sprache aus einem Namen hervorgeht." Während die exakte Wissenschaft hier nur eine Gruppe kombinierter Buchstaben sieht, konnte die Kabbala diesen einen Namen nur für den „Schern" schlechtbin, den Namen Gottes, halten, der ihr Zaubermacht verlieh. Im Sinne dieser Kombinationssucht liegt es auch, wenn die 22 Buchstaben des Alpbabets.und die zehn Zahlen oder Urprinzipien (Sephirot) zusammengezählt werden, was die Zahl 32 ergibt. Im Buche Jezira werden sie zu 32 „verborgenen Bahnen der''Weisheit": „In zweiunddreissig verborgenen Bahnen der Weisheit zeichnete Jab Jahve Zebaoth, der Gott Israels . . Die Kabbala hält sie wirklich für 32 verschiedene Arten der weltscböpferischen Weisheit und zählt ihre Namen auf: „Geheimer Versland", „glänzender Verstand", „geheiligter Verstand" usw. usw. Sie werden schliesslich zu 32 kosmischen Sphären . . . Für diese kabbalistischen Auffassungen wird auch angeführt, dass der Gottesname Elohim' in der Schöpfungsgeschichte der Genesis 32 mal erwähnt wird. Immer auf der Suche nach einem geheimen und tieferen Sinn des biblischen Worts, sah die Kabbala in solchen mühsam gefundenen Zufälligkeit ten natürlich verborgene wichtige Beziehungen, Den Streit der Gegensätze, die. versöhnt werden müssen, den Kampf zwischen Gut und Böse, in dem gerichtet werden muss, drückt die Kabbala oft in der Vorstellung von der „Waage" aus, die sich bereits im Buche Jezira findet. Es gibt „eine Waagschale der Seligkeit und eine Waagschale der Schuld, und die Zunge ist eine' schwankende- Satzung zwischen ihnen", d. h. sie spricht das Urteil aus. Gewisse Kräfte schuf Gott nach dieser Anschauung „in der Art eines Krieges, "das Eine gegen das Andere"; „das Gute gegen das Böse, Gutes aus Gutem und Böses aus Bösem; Gutes ist aufbewahrt für die Guten und Böses für die Bösen . . ." (Fortsetzung folgt.) Die Stimme im Nebel Von Margarete Liebmann (Fortsetzung) Wir waren sehr arm, aber doch gab es noch innere im Ort. Meine ältesten Schwestern a.r- »eneten schon, die eine als Plätterin, die andere;s Lauimädchen bei einem Kaufmann. Jedoch er den hohen Festtagen im Herbst schickte i me Mutter meine jüngeren Schwestern oder such mit verschiedenen Körbchen, in die sie ourch das ganze Jahr Gesammeltes tat, in die :p.iden Wohnungen dieser Allerärmsten. Einmal nahm ich dabei mein jüngstes Schwesterchen mit, das flehentlich bat, mitommen und auch etwas tragen zu dürfen, und <ipr ich schliesslich einen Topf mit Suppe zu 'fialten gab. Aber sie bückte so angestrengt auf fl0n irdenen Topf, dass auch kein Tropfen Suppe oarüoer liefe, dass sie stolperte, hinfiel und das Getäss zerbrach. Warm lief ihr die Suppe über beide Hände, und sie schrie und jammerte zum Gotterbarmen. Noch jetzt sehe ich sie dastehen nnt den Scherben in der Hand, die sie unter strömenden Tränen von der Erde auflas, und ".p sie dann durch nichts zu bewegen war, sich *on der betreffenden Stelle zu rühren, so sehr hatte sich das Unglück auf ihr festgenagelt. Einmal bekam ich einen roten Luftballon gefreneakt. Seine Haut war so dünn wie ein Rosenhiatt und so prall gespannt, dass sie ganz leise knirschte, wenn man seine Wange dagegen legte. Ich habe noch den leicht brandigen Gummigeruch in Erinnerung, der von der gestrafften Rundung ausging. Es war für mich ein geradezu berauschendes Wunder, wenn" er, von dem langen Faden gehalten, dessen Enden ich Acht um den Finger gewickelt hielt, hochstieg dnd 'funkelnd und sich leise wiegend über meinen emporgehobenen Kopf dahinsegelte. Bis plötzlich ein heftiger Windstoss kam und so an dem gestrafften Faden riss, dass ich ihn unwillkürlich ein wenig lockerte. Im Umsehen Wickelte er sich völlig ab. Der Luftballon stieg eilends immer höher und höher, er gleisste und leuchtete wie ein purpurner Stern, der losgerissen im Luitmeer wirbelt, ich blickte ihm aufgeregt, doch nicht unglücklich nach, im- Gegenteil, ich bildete1 mir nun voll Genugtuung ein. dass er sich dann abends am dunkelblauen Nachthimmel zwischen den anderen Sternen einen Platz suchen würde. Mein Grossvater starb plötzlich. Ich kam nun In eine andere Schule, in der ich unentgeltlich aufgenommen wurde. Ich bekam mehr Freiheit und neue Freunde. Der Grossvater hatte mich aus seinem Bann entlassen---." Wieder schwieg er. Er schien es vergessen zu haben, dass sich noch ein Mensch in der Nähe befände, der seinen wie träumenden Erinnerungswerten lauschte. Wie ein Schlafwandelnder setzte er jetzt Schritt vor Schritt. Auf der dichten, grauweissen Wand des Nebels zogen magisch buntschimmernde Bilder vor ihm her, denen er in tiefer Versunkenheit folgte. Von neuem tönte die Stimme aus dem Nebel: „Biege jetzt rechts ab. Wir haben den Kamm erreicht. Geh nun immer nur geradeaus." Der Hausierer empfand weder Hunger' noch Durst. Er rechnete auch nicht die Länge der Zeit, die er nun wohl schon unterwegs sein mochte. Er ging nur und ging in diesem w-olkigen Grau, in dieser seltsam undurchsichtig einsamen Welt, die er aus sich heraus funkelnd belebte. Plöizlich iachte er leise vor sich hin. „Wie deutlich ich diesen Tag noch vor mir sehe! Es w-ar ein Freitag wie der heutige Tag. Es w-ar Viehmarkt gewesen in der Stadt. Schon ••als ich des Morgens zur. Schule lief, musste ich wie ein Eichhörnchen hindurchschlüpfen zwischen all den Leiter- und Bauernwagen, die nebeneinander die Strassen versperrten. Der Marktplatz, den ich passieren musste, schien mir ein Heerlager von wilden Tieren, die mich von allen Seiten bedrohten. Die runden, braunen, glänzenden Augen der stampfenden, schweif schlagenden Ochsen und Kühe waren Kugeln, die auf mich abgeschnellt wurden, die Hörner glichen scharfgeschliffenen Waffen, und der Geruch nach Stall, Dung und Erde, der ihren dicken, warmen Fellen entströmte, erweckte eine leichte Uebelkeit in mir. Ich sehe noch die Schafe, die sich zusammendrängten und unter ihrer Wolle zu zittern schienen und höre noch ihr leise klagendes Blöken. Ich höre noch das erkennende Wiehern der Pferde, mit denen sie ihre Kameraden begrüssten, und sehe die Fohlen auf dünnen hohen Beinen, die sich an die warmen Leiber der Stuten drängten, und die jämmerlich in engen Wagenkästen quiekenden Schweine. Ueber allem aber höre ich das Peitschenknallen, das Peitschenknallen von ausholendem Schwung, das mit gellendem Lachen auszurufen schien: Duckt euch unter mir, ich bin der Herr über euch alle! Das war auf dem Schulgang des Morgens in der Frühe. Am Nachmittag aber schlenderte ich behaglich umher und sah zu, wie auf dem Marktplatz Buden errichtet wurden für den ■ auf den Viehmarkt folgenden Jahrmarkt. Noch lag der Geruch der Tiere in der Luft, noch bedeckte verstreuter Häcksel das Pflaster, und fortgeworfenes Papier flatterte im Wind wie junge Vögel, die ihre Flügel versuchen, ohne sich von der Erde erheben zu können. Die Bauernwagen und Tiere hatten das Feld geräumt Die Stadt sah liederlich und unordentlich aus. Doch schon wurde an den Buden für den nächsten Tag gehämmert, und schon raschelte und klang es verheissungsvoll aus einem grossen runden Leinwandzelt, hinter dessen Wänden ich Zaubereien und Märchen witterte. Leise begann es schon zu dämmern. Ich bekam einen Schreck und fing an. zu laufen. Ich dachte daran, dass nun wohl zu Hause schon die Lichte in den hohen Leuchtern brannten und der Sabbat bereits seinen Anfang genommen hätte. Ich lief und lief, ohne aufzublicken. Plötzlich blieb ich w,ie angewurzelt stehen. Dicht vor meinen Füssen sab ich hell etwas blinken, es blitzte und stach mich wie. ein funkelndes Auge. Ich bückte mich zur Erde, da zwinkerte es noch verschmitzter, und nun erkannte ich. dass es ein Markstück wäre, das da als teuflische Versuchung vor mir lag. Ja, als teuflische Versuchung, denn der Sabbat halte begonnen, und es war verboten, an ihm Geld zu berühren! Wohl geschah es öfters am Viehmarkt oder Jahrmarkt, dass beim Handel und Verkauf irgendein Geldstück danebensprang, und schon oft war es ein Vergnügen von uns Kindern gewesen, in Ritzen und Ecken danach zu stöbern. Doch suchte man, fand man nur selten eins, nur wenn man wie jetzt nicht im entferntesten daran dachte, sprang es einem ganz von selbst entgegen. Die Strasse um mich war menschenleer. Ich zerarbeitete meinen Kopf, um einen Ausweg zu finden. Da fiel mein Blick auf einen grossen Stein, der in der Nähe des Gehsteiges lag. Ich stürzte hin und schleppte ihn zu meiner Fundstelle. Ich legte ihn ganz vorsichtig über das blanke Geldstück, ohne es dabei selbst im geringsten zu berühren. Ich atmete hoch auf,-, als das Werk geschehen war. Morgen abend, wenn der Sabbat vorüber war, würde ich zurückkommen, um es mir zu holen. Zu Hause brannten schon die Kerzen in den Leuchtern, und ich wurde mit vorwurfsvollen Blicken empfangen. Ich fühlte Reue, dass ich, anstatt dem Gebet zu lauschen, mit meinen Gedanken in der abendlichen Strasse war, die ich soeben verlassen hatte. Noch niemals hatte ich ein Geheimnis gehabt, und ich empfand mit leiser und unbestimmter Reue, dass das Verlangen nach dem Geld und das Denken daran an Sündhaftigkeit seiner Berührung wohl kaum viel nachgeben mochte.- Nachts im Traum, über den der Wille ja keine Macht mehr hatte, wurde ich nun gar ein Opfer meiner Gier. Blank und gleissend wie einen grossen Ballon, sah ich über mir eine Kugel schweben, die plötzlich in der Mitte auseinanderbrach und aus der wie scheussliche Hampelmänner Hunderte lachende kleine Teufel sprangen, an deren Fingern und Zehen Markstücke klimperten. Sie fingen an, auf meinem Körper herumzutanzen, und ich wehrte sie noch' voll Entsetzen ab. als ich stöhnend und wild um mich schlagend erwachte. (Wird fortgesetzt.)

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