Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 26 (30.6.1938)
- Date
- 1938-06-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seiten C-V--Zeifung -Nr. 26* 30. Juni 1938 Neue zu halten. Für Oesterreich gilt das entsprechende, für ,, Verteilungsdrucksachen und Verteilungsmischsendungen" Bestimmungen Oesterreich In einem Erlass des Reicbswirlschaftsmirtisters vom 20. Juni wird bestimmt, dass in Abänderung der Börsenordnung an sämtlichendeutsehen Börsen und amtlichen Grossmärkten Juden nicht mehr zugelassen werden, und dass die bisherigen Zulassungen widerrufen werden. Bis auf weiteres wird jedoch jüdischen Firmen die Möglichkeit gegeben, sich durch rn'chtjüdische Prokuristen oder Bevollmächtigte vertreten zu lassen. Ab 1. Oktober 193S gellen neue, vom Reichsferziehungsminister erlassene Richtlinien für die Ma9erarS»eit©Bi / David Friedmann Berlin W 15, Padcrborner Str. 9. 97 25 65. Zulassung von Gasthörern an den deutschen Hochschulen. Dauach können Juden, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, nicht mehr Gasthörer sein. Jüdische Mischlinge können zugelassen werden. Das Oberkommando der Wehr m acht hat Richtlinien erlassen, wonach für Angehörige der Wehrmacht das Mieten von Räumen, deren Inhaber Juden sind, sowie die Mietung von Wohnungen in Häusern, deren Eigentümer Juden sind, unerwünscht ist- Der Oberbürgermeister und Stadtpräsident von Berlin hat Bestimmungen erlassen, in denen es u. a. heisst, dass Freistellen für Juden und Mischlinge (sogenannte Begabtenförderung) an den höheren Lehranstalten und. Mittelschulen nicht mehr vergeben werden dürfen. Unter Bezugnahme auf den Erlass des Reichsministers des Innern vom 24. Mai, der den K u.r - orten die Möglichkeit gibt, für.jüdische Kurgäste Beschränkungen vorzunehmen, teilt die Hl ftkrfermefsfer Osker Simenauer W Berlin W 15. Pariser Str. 50, 92 15 37. Erstkl. Bef Kurkommission in Bad Gaste i n mit. dass sie •■ nicht mehr in der Lage sei, jüdische Kurgäste aufzunehmen, da es nicht möglich sei, in der Kürze der Zeit separate Kuranlagen zu'schaffen. Jüdische Gäste, die am Tage der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung ihre Kur bereits begonnen hatten, können diese unbehindert beenden. — Die Bürgermeister der Fremdenverkehrsorte im Oberallgäu und im kleinen W a Is e r t a 1 haben beschlossen, künftig Juden nicht mehr aufzunehmen. ' Das Reichspostministerium hat angeordnet, dass Postwurfsendungen jüdischer Absender nur noch zugelassen sind, wenn die Sendungen an jüdische Gewerbebetriebe verteilt werden- Die Postanstalien werden für ihren Zustellbereich ein Verzeichnis der jüdischen Gewerbebetriebe aufstellen und auf dem Laufenden halten. In Zwei felsfäll en sind bei den Industrie- und Handelskammern Rückfragen Die neu bestellten Leiter der Israelitischen - Kultusgemeinde, Dr. Josef Löwen herz, und des Palästina:Amtes, Dr. Alois Rothenberg, waren Anfang dieses Monats in London und Paris, um. mit den für die Auswanderung massgebenden jüdischen Hilfsorganisationen Verhandlungen zu führen. Als Ergebnis dieser Besprechungen wird mitgeteilt, dass man überall auf das vollste Verständnis für die Notwendigkeit der materiellen Hilfe und der Erschliessung von Aus Wanderungsmöglichkeiten gestossen sei. Zunächst seien die finanziellen Voraussetzungen für die Umschichtung einer ansehnlichen Zahl von Personen geschaffen worden. Es sollen auf Grund dieser Vereinbarungen Umschichfungslager gebildet werden. Auch für die Jugendalijah seien Mittel aufgebracht worden. Es wird aber der Erwartung Ausdruck gegeben, dass die Juden in Oesterreich auch selbst zu materiellen Opfern bereit seien und dass die Konferenz von Evian.auch die praktischen Voraussetzungen für eine Immigration scharfen werde. Mit Hilfe der Aiiswanderungsabteiiung der Gemeinde sind in der Zeit vom 2. März bis zum 9. Juni 1148 Personen aus Oesterreich -ausgewandert. Es. wurden bisher 50 Umschichtungskurse eingerichtet, in denen etwa 1000 Personen in (handwerklichen Berufen ausgebildet werden sollen. In dem Spital der Gemeinde sind Kurse für Krankenpflege, Diätküche, Massage und Kosmetik eröffnet worden. Die- Jugendfürsorge der Kultusgemeinde betreut zur Zeit 4288 Kinder. In den letzten zwei Monaten sind durch die Speisungsstellen etwa 250 000 Essenportionen veräb-, reicht worden. Durch einen Erlass des Reichsministers des - Innern sind Anweisungen über die Durchführung der N ü r n b e r g e r G e s e t z e im Lande Oesterreich ergangen. KALENDER Juli 1938 Jüdisches Leben - jüdischer Geist 2. Sonnabend 9. Sonnabend 16. Sonnabend 17. Sonntag 23. Sonnabend 29. Freitag 3QC Sonnabend Tammus 5698 Berlin Im Jüdischen L e h r h a"u s finden ab Montag, dem 4. Juli, sämtliche Kurse wieder wie angesetzt statt. Auskunft erteilt das Sekretariat, W50, Marburger ' Strasse 5, III (Tel.: 24 55 87). Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums E. V. hielt ihre diesjährige Mitgliederversammlung im Brüdervereinshaus ab. Der Vorsitzende. Professor Dr. Eugen Mittwoch, begrüsste die Vertreter der jüdischen Organisationen und gedachte des Todes von Rabbiner Dr. Jakob Freimann. Aus dem von Professor Dr... Ismar Elbog.en erstatteten Geschäftsbericht ist folgendes hervorzuheben: Die Arbeit am zweiten Bande der Germania Judaica. der die Zeit von 1238 bis 1350 umfassen wird, schreitet schnell fort. Arbeitsmethodisch ist man in der Form verfahren, dass man zwei Register angelegt hat: eines über die zu behandelnden Orte und Landschaften, ein zweites über die zu behandelnden Personen. Da das zur Verfügung stehende Material ausserordentlich reichhaltig ist. muss man eine sorgfältige und gewissenhafte Auswahl treffen. "Vor allem wird man die Vorsteher, Richter. Schreiber. Gelehrten jener Zeit behandein. Soweit Vorarbeiten aus früheren Jahrzehnten vorhanden waren, ergab. eine Ueberprüfung häufig neues und sogar neu zu bearbeitendes Material. Man hat versucht, den Gründen für die Entstehung eines Ortes und für die Niederlassung von Juden in den einzelnen Oteu ■ nachzugehen; -.Weiter bat --man in den Städten die Lage der .Judenviertel zu erforschen versucht;., überall Hess; si>b eine; gewisse Gesetzmässigkeit feststellen.' Schliesslich hat man sicbr mit der rechtlieben Lage "der Juden im-Mittelalter'unter Berücksichtigung der Rechtshücber sowie der Territorial-" und. Stadtrechte beschäftigt. Das Topographische, Soziale, Rechtliche wird also in diesem Bande stärker hervortreten als die Gelehrtengeschichte. — Der Kassenbericht wurde genehmigt, dem Vorstand Entlastung erteilt.: Der Ausschuss wurde durch Hinzuwahl von Rechtsanwalt Dr. Karger, Rabbiner Dr. Alexander A 11 m a n n und Rabbiner Dr. Adolf Kober ergänzt. Professor Dr. Mittwoch würdigte in seinem Schlusswort die hingebungsvolle Arbeit der Sekretärin der Ge* Seilschaft Fräulein Nathan, und schloss die Versammlung mit Worten der Hoffnung auf eine weitere erfolgreiche Arbeit. Gü-Lo. Hamburg Das Sommersemester der Franz- R o s e n - zweig-Gedächtnis-Stiftung des Jüdischen Lehrhauses bringt zwei religiöse Arbeitsgemeinschaften, deren Leitung in Händen von Herrn Oberrabbiner Dr. Joseph Carle bach imd in gesanglicher Hinsicht in denen von Herrn Oberkantor Hermann Lieber liegt. Beide Arbeitsgemeinschaften sind als Vorbereitung zur Auswanderung gedacht. „Religiöser Aufbau des jüdischen Lebens in fremden Ländern" und „Praktische Einführung in das häusliche und synägögale Gebet in Texten und Meiodie.n" sollen die Teilnehmer mit den religiösen Einrichtungen im eigenen Heim und in der allgemeinen Gebets- und Versammlungsstätte vertraut' machen. Diese Erziehung der jungen hinausziehenden Menschen zu bewussten. Trägern jüdischen Brauchtums ist eine Aufgabe, der sich auch an den anderen Stätten, wo jüdische Bildung vermittelt wird, alle als einer besonderen und Richtigen Arbeit bewusst werden müssten: . - S.E, . München Kürzlich tagte in M ü n.c h.en der . Zenjralaus.schuss des.. Allgemeinen \Rabb'inerverbatides. Der Vorsitzende, Df. B a e c k, begrüsste die An-; wesenden. er sprach zu -ihnen vonder-Notwendig— keit eines planmassigen, jüdischen Neuaufbaus'für - alle Auswandernden, von der Selbstverständlich- .- keü der Zusammenfassung aller Kräfte, und von der besonderen Verpflichtung des Rabbiners in dieser Zeit, nichts für sich "zu verlangen, was. 3. Wochenabschnitt: Korach 4.B.M. 16—18 Haitara: I Sam. 11,14-12,22 10. Wochenabschnitt: Chukkat 4.B.M. 19—22,1 Haftara: Ri. 11,1-83 17. Wochenahschnitt: Balafc 4. B. M. 22,2-25,9 . Haftara: Micha 5,6-6,8 18. Schiwah assar betammüs 2. B. M. 32,11-14 u. 341—10 Haftara: J.es. 55,6-56,8 Beginn der drei Trauerwochen 24. Wochenabschnitt:. Pinchas. . 4. B. M. 25,10—30,1 Haftara: Jer. 1—2,3 1 Aw, Rosen Chodescn Aw 5698 2. Wochenabschnitt:: Mattot und Masse 4. B. M. 30,2-36. Haitara: Jer. 2,4-28 u. 3,4 iiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiimminiM nicht für jedermann zu verlangen wäre. Er wies ferner darauf hin, dass heute mehr als je der Rabbiner, nicht.nur in seiner. Gemeinde lebe, sondern Rabbiner im Gesamtjudentum sei. Oberstlandesgerichtsrat a. D. Dr. Alfred Neumayer begrüsste im Namen der Juden in München und gab einen geschichtlichen Rückblick auf die frühere Ordung des jüdischen Gemeindewesens in Bayern. Bruno Finkelscherer (München) hielt ein wissenschaftliches Referat über ,,Die jüngsten Ausgrabungen ..in Syrien uud Kleinasien und ihre Bedeutung für. die biblische For-. schung.init besonderer Berücksichtigung der 'Che-, titischen Forschungen." Dr. Max E s c h e 1 - b a c h e r (Düsseldorf) referierte zu dem Thema „Schwierigkeiten, des religiösen Lebens in unseren Tagen". An dieses Referat schloss sich' eine längere Aussprache an. Die Beratung'wandte sich sodann dem'Entwurf für. eine neue Gemeindesatzung zu: der Rabbinerverband hatte dazu eine Reihe von Anregungen zu geben. Man erörterte. ferner, w;as geschehen könne, um den jungen Rabbinern und den hier in der Ausbildung Befindlichen ein Wirkungsfeld in der Welt zu er-, möglichen, und wie man für den Lebensabend' der alten Rabbiner sorgen könne. "' D. Saarbrücken* An einem Genieindeabend h>lt Dr. Äbra-- ham H esc bei, Mitarbeiter der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung, Frankfurt ä. M.y einen- -Vortrag -über üdisc he - Pr o ph e.-. t i-e"> Dem interessanten -Referat folgte - eine anregende Auesprache." ' R. '-Am 23. Juni wurde in den Räumen" dse J-i'd- &H-.-C h- ::W i s s/en.s chä'f tri i c. h en : I n s ti - tu'ts -eine -Ausstellung zum Andenken David" Herm-aps. der vor einem Jahr gestorben. ist. eröffnet. Sie enthält hauptsächlich Leihgaben aus dem „Esther - Rahel -.Raminski Theater- Museum' V weilt dasassen. Seit ich mit Hilfe der neuen Technik ihre Gedanken lese, hat sich mein Auditorium verdreifacht. Es ist leider nicht, genauer ausgeführt, wie die Erfindung auch sonst der Pädagogik zu Hilfe kommen kann. Es ist auch nicht gesagt, ob das Experiment nur erfreuliebe Resultate liefert. Es bestünde doch die Möglichkeit, dass einen Lehrer nach der Lektüre der Schülergedanken ein gelindes Grauen befiele. Dass Liebende den Psychc-grapben. in Zwei-. felsfällen benutzen, steht ausser Frage. Er liefert jedenfalls eine zuverlässigere Information als das Massiiebcbenzupfen. Aber gerade in seinem genauen Funktionieren birgt der Apparat eine Gefahrenquelle. Mauroi? erzählt von einem jungen Paare, dessen Eheelück beinahe daran scheiterte, dass Mann und Frau sich gegenseitig heimlich ausforschten; denn das Psychogramm förderte zutage, dass jeder der beiden gelegentlich an einen, harmlosen Flirt aus der früheren Zeit dachte. Nach aufklärender Aussprache wird der Apparat mit dem gegenseitigen Versprechen ..niemals wieder" in die Rumpelkammer verbannt. In Amerika wirbelte ein Prozess lange Zeil grossen Staub auf. Der Angeklagte war zum Tode verurteilt worden, weil f>r aus Eifersucht seine Geliebte ermordet habe. Immer wieder wurde die Ausführung des Todesurteils hinausgeschoben., weil unzählige Briefe den Staatsanwalt versicherten, der Mann sei unschuldig. Von seilen der Frauen wurde betont, das» er, selbst wenn er schuldig wäre, nicht hingerichtet werden dürfe, da ein Mörder aus Liebe: keine Gefahr für die menschliche Gesellschaft bilde. Der Prozess drohte ein Ausmass zu nehmen wie seinerzeit die Affäre Dreyfus. Da kam die neue Erfindung auf. Man brachte unbemerkt einen Psychographen in die Zelle; das Resultat war überraschend. Es stellte sich heraus, dass der Angeklagte nicht nur in vollem Masse schuldig war. sondern auch zwei weitere Mordtaten begangen hatte, die -bisher unaufgeklärt geblie-. ben waren. Dass der Apparat auch imstande ist, Differenzen auszugleichen, wird an folgendem Fall gezeigt: Professor X. kann mit seinem Schwager, dem Kaufmann Y. nicht auskommen. Er hält Ihn für eitel, egoistisch, rechthaberisch und materiell. Da kommt ihm die Idee, auf dem ne.uen Wege einen Blick in seine Seele zu tun.. Und da erscheint der „böse" Schwager als ein Mann mit. Minderwertigkeitskomplexen, von Sorgen bedrückt, von Geschäftsschwierigkeiten gequält, voll Kummer darüber, dass seine Nöte nicht gewürdigt, seine Läse nicht verstanden wird, und voll Trauer, dass gerade der. von. dem er so gerae gestützt sein möchte, ihn so verkennt. , Während so in vielen Fällen der Apparat seine Schuldigkeit getan hat, birgt seine Anwendung doch auch manche Gefahr in sich. Insbesondere bei der Selbstanalyse. Auch da kann die grosse Genauigkeit, mit welcher der Psychograph jeden noch so flüchtigen Gedanken registriert, den Menschen in Gewissensnot bringen. Denn wer hat immer nur hochmoralische und erhabene Gedanken! Also auch hier hat die neue Erfindung Zweifel, und Anstoss erregt, und es erhebt sich die Frage, ob ein solcher Apparat nicht vielleicht doch mehr Unheil als Segen stiftet. Schnell wie die Erfindung emportauchte, geriet sie in allen Ländern, wohin sie sich verbreitet hatte, wieder in Vergessenheit. Nur in einem Reiche behauptet sie sich bis zum heutigen Tage — dem der Phantasie. Da mag sie ihr Dasein weiter fristen, nachdem sie uns neben viel Bedenklichem viel Besinnliches aufgezeigt. Hat doch Andre" Maurois. der uns als genialer Erzähler und ausgezeichneter Darsteller von Lebensbildern (man denke nur an Disraeli) längst bekannt ist, mit eeioem Buche, das sich köstlich liest, nach eigenem Geständnis nichts anderes unternehmen wollen als einen Ritt ins alte romantische Land der Imagination. _ E.Gut. Kleine Komödie! Von Alfred Auerbach Es war vor etwa fünf Jahren auf einer Vortragsreise, ich kam in eine kleine Stadt — warum den Namen nennen? „Die an der kleinen Komödie Beteiligten sind jetzt wohl in Palästina oder in Amerika — und es könnte ihnen jemand die Indiskretion nachsenden. Aber sie würden. lächeln,- vielleicht sogar sich freuen, also senden Sie sie ruhig nach, wenn Sie die jungen Leute kennen, die ich da meine und die sich wahrscheinlich, gefunden haben. Ich wurde nämlich durch den Vortrag „Juden und Theater", den ich halten sollte,in eine Herzensaffäre hineinverwickelt. Ich hatte einen netten Saal, gutes Publikum und die richtige Stimmung. leb legte dar, dass die Juden vermöge ihrer leichten Erregbarkeit und der willigen Phantasie nach meinen Erfahrungen als Theatermanu und als Pädagoge der Bühne, aktiv und. passiv, auf dem Theater und vor dem Vorhang lebhafte Teilnehmer sind. Ich zeigte, dass der. Jude ein gutes Instrument der Bühne ist, weil er durch alle Zeiten und Länder wanderte, durch alles Leid und jedes Erlebnis! Er ist ein Instrument mit. allen Saiten, allen Farben, schwingend von der Verzweiflung bis zur humorigen Ueberwindung der Lebensbärte. Und ich-" schilderte grosse jüdische Darsteller« stellte dar, wie der Jude alle Tasten greift und alle Register heranholt, und konnte meine'Behauptungen mit zahlreichen Künstlern bebildern, mit denen ich dana später selbst auf der Bühne wirkte. Nach dem Vortrag erhob sich der Vorsitzende, sprach die üblichen Worte und sagte, dass nach einer kleinen Pause die Diskussion beginnen könne. Da kam ein junger Mann zu mir und sprach leise: „Sie kennen mich doch?" „Nein." „Albert Wolf heisse ich, ich habe einmal bei Ihnen vorgesprochen, weil ich zur Bühne wollte." „So. und was habe ich gesagt?" „Sie haben mir Talent nicht abgestritten, aber Sie haben mir abgeraten, Sie haben gesagt, ich sei zu unansehnlich . . ." „So? Und nun?" „Ich muss Sie um etwas bitten und Ihnen auch etwas beichten. Meine Altersgenossen haben mich damals gefragt, was war, und besonders die Helene., die dort hinten sitzt, und die ich sehr — schätze, wollte wiesen, was Sie sagten." „Na, und?" „Und da habe ich mich geschämt und habe gelogen. Ich habe gesagt, Sie hätten mich als Schüler angenommen. Ich wollte nicht ausgelacht werden, besonders nicht von dem jungen — Mädchen. Ich habe eben ein klein wenig Komödie gespielt und bin jede Woche nach Frankfurt gefahren, und alle glauben, ich sei zu Ihnen gegangen. Helfen Sie mir, dass es nicht herauskommt." ..Ja, wie soll ich denn das machen?" „Wenn ich mich jetzt zur Diskussion melde. dann machen Sie, bitte, eine kleine- Komödie mit." ' •'-.-■. Das war eine schöne Sache für mich, der Frechling schiebt mir die Verantwortung dafür zu, dass ich sein Herzensbändehen nicht zerreisse. Ich werde schon mitmachen müssen; das Mädel schaut aufmerksam her, und Herr Wolf tut, als wären wir gute Bekannte. Wenn ich ihn blamiere, tu' ich was Schlimmes. Das Mädel sieht klug und hübsch aus; Der junge Mann begibt:'sich auf seinen Platz, der Vorsitzende nimmt -die Glocke: „Meldet sich jemand zur Diskussion?" Herr Wolf hebt die Hand. ..Ich habe eine Frage." . „Bitte." „Sie.haben gesagt, der Schauspieler darf sich nicht verstellen, ' er darf keine Komödie machen." „Ganz recht, ich vertrete theoretisch und praktisch die Ansicht, dass Darstellung serade die Ueberwindung jeder Komödie sei." „Oh, verehrter Meister" — er tut wieder vertraulich — „ich habe aber schon viele Autoren gelesen, die behaupten, die Kunst des Theaters bestehe eben in der Verstellung." Der Racker sagt das mit einem Ton, der die Leute zum Lachen bringt; er hat einen Erfolg, Helene schaut ihn ganz verzückt an, sie denkt, was hat der Junge doch schon für Einblicke in die Kunst der Bühne, er kann sich sogar mit einem alten Fachmann über Theaterprobleme unterhalten. Was soll ich mit dem Spitzbuben anfangen? Ich antworte gnädig: „Na ja, im Anfang kann einer ja ein .bisschen Komödie machen, aber später muss er darauf verzichten und durch und durch echt sein." Der junge Mann versteht' mich wohl, er gibt mir einen dankbaren Blick zurück, weil ich auf seine Stegreii'kömödie gutmütig eingehe, und dann äussert er: „Ja., ich verstehe Sie, im. Anfang da macht man eben noch Unfug, aber, wenn man einmal Meister ist, dann hat man das nicht mehr nötig." Wieder hat der Kecke einen Erfolg, die Leute schmunzeln. Und Helene ist stolz auf ihn. Ich habe die Herzchen aneinandergekittet. Der Vorsitzende fragt: „Wünscht noch jemand das Wort?" Niemand meldet sich. •. ■ Ich habe nichts mehr von den jungen Leuten gehört, wenn jemand von Ihnen die Adresse weiss, senden Sie ihnen diese "Erinnerung.. ^^frx^f^^?° ©ol**31* JUWELIER LIPOWETZKI •-.BERUM' Wf . e »Jff FRiEDRJCHSTR&SSE 1R3a, ECKE LEIPZIGER STRASSE, ANIC <s. NR. Ii/48541 ■ l. ***t*^^*^ ™ l