Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 26 (30.6.1938)
- Date
- 1938-06-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-2278191-2278214--12955-2291836- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 26 » 1. Beiblatt GYIeitunq Durchführungsverordnung in Ungarn Am 23. Juni trat unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten ein Ministerrat zusammen, der von 7 Uhr bis nachts 2 Uhr tagte und u. a. auf Grund eines Referats des Justizministers Mikeez die erste Durchführungsverordnung zum „Gesetz zur Sicherung des Gleichgewichts des wirtschaftlichen und sozialen Lebens" — wie das Judengesetz offiziell lautet — annahm. Die Verordnung ist im ungarischen Amtsblatt am 27.'Juni unter der Nummer 4350/1938 M. E. veröffentlicht worden. Sie zerfällt in vier Abschnitte, die sich mit der Einrichtung der Advokaten-, Aerzte- und Ingenieurkammern, der Anmeldepflicht der Privatunternehmungen, mit der Formulierung des Begriffs „Jude" und mit der Bestellung von kommissarischen Leitern befasst. Folgende Einzelheiten sind von Wichtigkeit: tedes Mitglied der oben genannten drei xT^xc+em ist verpflichtet, bis zum 20. Juli seine Personaldaten anzugeben. Auf Grund dieses Materials werden der Landesausschuss der Ad- ■ PELZE BENNO LOBATZ Kurfürstendcmm 214 Spez.: Persianermäntel Silberfüchse vokatenkammer, der Ingenieursenat und der Aerztesenat ihre statistischen Unterlagen herstellen. Der Industrieminister wird sodann für die Ingenieure, der Minister des Innern für die Aerzte, der Justizmindster für die Advokaten prüfen, welche Mitglieder als Juden im Sinne des § 4 des Gesetzes zu betrachten sind. Dabei wird in der Statistik zwischen solchen Personen unterschieden, die in öffentlichen, und solchen, die in privaten Diensten stehen oder selbständig sind. Solange die Gesamtzahl der Juden 20 Prozent der Kammermitglieder überschreitet, dürfen nur 5 Prozent der neu Zugelassenen Juden sein. Mach Erreichung der gesetzlichen Prozentzahl können Neuaufnahmen nur unter Einhaltung dieser Zahl geschehen. Weiterhin wird bestimmt, dass in Zukunft nur in den Monaten Januar bis Juli Neuaufnahmen in die Kammern erfolgen, dass die jetzt vorliegenden und seinerzeit zurückgestellten Gesuche bis zum 15. August zu erledigen sind, und dass Veränderungen der Mitgliedschaft halbjährlich dem zuständigen Minister zu melden sind. Auf dem wirtschaftlichen Gebiet wird bestimmt, dass bis zum 31. Juli nach dem Stand vom 1. März alle ausserhalb des öffentlichen Dienstes stehenden Unternehmungen, die mehr als vier jüdische Angestellte im ..intellektuellen Arbeitskreis" beschäftigen, diese^ dem Regierungskommissar für intellektuelle Arbeitslosigkeit zu melden haben. Ausgenommen hiervon sind vorläufig die landwirtschaftlichen Betriebe und solche, die nur konfessionellen Zwecken dienen. Auf Grund der so erworbenen Daten wird der Regierungskommissar den einzelnen Unternehmungen Weisungen über die Durchführung des Gesetzes geben. Die Verhältniszahl der jüdischen Angestellten und ihrer Bezüge zu der n.ichtjüdischen Belegschaft muss halbjährlich gleichmässig bis zum 30. Juni (im Falle der Verlängerung dieser Frist bis zu dem neuen Termin) herabgesetzt werden, bis das gesetzliche Verhältnis 20 :80 spätestens am Stichtage erreicht ist. Dieses Ziel kann auch durch eine Vermehrung der Zahl der nichtjüdischen Angestellten und die Erhöhung ihrer Bezüge herbeigeführt werden. Wird gegen diese Verordnung Verstössen, so kann zu Lasten des Arbeitgebers ein amtlicher Kommissar zur Durchführung der Gesetze bestimmt werden. Es wird noch einmal ausdrücklich betont, dass Kinder von Eltern, die den Heldentod gefunden haben, Kriegsinvaliden, Frontkämpfer und Kriegswitwen nicht unter die Bestimmungen dieses Gesetzes fallen. Auslandsnachrichten Argentinien Philip Merlin, ein jüdischer Kaufmann in Buenos Aires, hat ein Terrain von 400 000 Quadratmetern zur Ansiedlung von Juden aus Mitteleuropa zur Verfügung gestellt. Chile Die Vertreter von fünf Berufsorganisationen, darunter die der Aerzte und Anwälfe, haben an den Präsidenten Arturo Alessandri eine Eingabe gerichtet, er möge der Konkurrenz europäischer Flüchtlinge in Chile und in ganz Südamerika, da sie die Existenz der Einheimischen gefährde, unterbinden. England Die Weltunion für fortschrittliches Judentum hielt unter dem Vorsitz von Rabbiner Mattuck in London ihre Vorstandsitzung ab. Es waren u. a. Vertreter aus Australien, Danzig, Deutschland und Holland anwesend. Aus den Berichten geht hervor, dass die Ideen der Union in Australien, Südafrika und Holland gute Fortschritte machen. Auch aus Palästina sind, so vor allem aus Haifa, Jerusalem und Tel-Aviv, günstige Berichte eingegangen. Professor Ismar Elbogen, Berlin, legte der Versammlung statistisches Material über Fragen des Jugendgoltesdienstes vor. Litauen Die Polizei beschlagnahmte judenfeindliche Flugblätter, in denen zum Boykott gegen jüdische Geschäfte aufgefordert wurde. Polen Die jüdischen Theater in Polen befinden sich in grossen Schwierigkeiten. Auf einer Tagung unter dem Vorsitz von M. Uwi- 1 a w wurde hierüber ausführlich gesprochen. Im Herbst soll eine Tagung aller an diesen Fragen interessierten Stellen stattfinden. Man plant^die Gründung von festen Theatern in grösseren jüdischen Gemeinden, welche als Wandertheater dann gleichzeitig auch die Provinz besuchen sollen. Es wurde auch über die Schwierigkeiten gesprochen, die sich, neuerdings im Hinblick auf die Raumfrage ergeben. In den jüdischen Obstplantagen von Nowy Dwor bei Warschau, die vor zwei Jahren mit Hilfe der ICA angelegt worden waren, sind Tausende von Bäumen durch unbekannte Täter entwurzelt worden. — In Tarnopol kam es im Zusammenhang mit einem Fussballwettkampf, der zwischen einem jüdischen und einem nichtjüdischen Sportklub ausgetragen werden sollte, zu Streitigkeiten. Hierbei wurden der Jude Joschua Grau und der Nichtjude Wlaceslaw Krupa verletzt. Anschliessend an den Streit kam es zu schweren judenfeindlichen Ausschreitungen. Jüdische Passanten wurden überfallen, die Fensterscheiben jüdischer Geschäfte eingeschlagen. Rumänien Die Regierung teilt mit, dass die R e v i s i o n der Staatsbürgerschaft nahezu abgeschlossen sei, und dass da» Ergebnis in Kürze veröffentlicht werden würde. Eine Abordnung von Rabbinern ist bei dem Landwirtschaftsminister Ionescu S i s e s t i vorstellig geworden, und hat die Vertagung einer Entscheidung der tierärztlichen Abteilung dieses Ministeriums, welche die rituelle Schla cht u n g verbieten will, erreicht. Schweiz Der Oberrabbiner der welschscirweizerischen Stadt La Chaux-de-Fonds, Dr. Jules Wölfl, feierte sein SOjähriges Dienstjubiläum. Tschechoslowakei Beim dritten Abschnitt der Gemeindewählen wurden insgesamt 11 000 Stimmen für die jüdischen Listen abgegeben, 60 Abgeordnete werden in den Gemeindevertretungen sitzen. In Teplitz-Schönau erhielt die jüdische Liste 1390 Stimmen und 3 Sitze, in Pressburg 3090 Stimmen und 2 Sitze, in Teschen 447 Stimmen und 2 Sitze. In den drei Etappen der Wahl wurden 35 000 jüdische Stimmen gezählt, die sich 130 Sitze in den Stadtparlamenten sichern konnten. Ungarn Der Führer der Partei der kleinen Landwirte Tibor Eckhardt sprach in einer Wählerversammlune: in Pees auch über die Judenfrage. Das Judenproblem, sagte er. müsse beim Grosskapital gelöst werden. Es gehe nicht an, kleine jüdische" Geschäftsleute zu ruinieren und gleichzeitig vom jüdischen Grosskapital Geld anzunehmen. Nur eine evolutionäre Entwicklung könn9 auch in dieser Frage dem Lande nutzen. Der Oberste Gerichtshof verhandelte über die Berufung, die Karl Machay gegen seine Ver- Briefmarken - Friti Lewin Berlin W 35, Lützowstrcsse 91A. urteilung wegen Aufreizung zu religiösem Hass eingelegt hatte. Es handelte sich "hierbei um einen judenfeindlichen Artikel. Die Berufung wurde abgewiesen, und die Strafe von einem auf zwei Monate Gefängnis erhöht. — In der Zeitung ..H a r c'4 hatten Heinrich Hann und Franz H a r s an y i Aufsätze veröffentlicht, welche von der Staatsanwaltschaft wehren konfessioneller Aufreizung beanstandet wurden. Die Andre Maurois Von Alfons Rosenberg Am 23. Juni wurde Andre Maurois in die französische ..AcadermV der Wissenschaften an Stelle des verstorbenen Rene Doumier gewählt. Die Menrheit der Stimmen betrug IS. Im ersten Wafalgang erhielt. Maurois 16, im zweiten 19 Stimmen. Auf einem Empfang, der am 28. Juni englischen Journalisten in Paris gegeben wurde, hielt er nach einer Begrüssimg durch Paul Valery die Festansprache in seiner neuen Würde. Die Normandic liefert den köstlichen Apfelmost, die herrliche Milch, den sahnigsten Käse. Sie ist das Land der sanft gewellten Hügel und der vornehmsten Adelssifze. Aber da gibt es auch eine Stadt, die man das französische Manchester nennt. Rauchende Schlote künden von weitem die Unzahl der Fabriken. Hier liegt eines der Zentren französischer Tuchfabrikation. Elbeuf scheint äusserlich wenig als Geburtsstadt eines Dichters geeignet. Doch wie das Schicksal nun einmal seine Lauuen hat, liess es gerade da Andre Herzog, als Schriftsteller Andre Maurois, 1885 zur Weit kommen. Die Eltern sind wohlhabende Besitzer einer grossen Fabrik. Ihr Sohn soll die bestmögliche Geistesschulung erhalten, und so wird er auf das gerühmte Lycee in Rouen geschickt. Das ist schon eher eine Umgebung, die die Phnntasie anregen rmd entzünden kann. Wir haben auf der Schule gelernt, dass dort Jeanne D'Arc verbrannt wurde: dem Frankreichreisenden bleibt unvergesslich die Erhabenheit der gotischen Kathedrale, die Winkligkeit jener Gassen, die mit kunstvollen Fachwerkbauten geziert sind. (Maurois bat der Stadt seiner Jugend ein literarisches Denkmal gesetzt.) Doch der Junge kam ja zum Gymnasialbesuch dorthin. Er hat das Glück, einen der schärfsten Köpfe des philosophischen Nachwuchses zum Lehrer in Philosophie zu haben, einen Mann, den noch heute die Besten als einen durchdringenden Denker und vorbildlichen Menschen verehren: Alain. Wir werden gleich sehen, wie stark er in jeder Weise die Entwicklung des Werdenden beeinflusste. Der Schüler Andre erzählt von der ersten Philosophiestunde: kaum ist der Lehrer in die Klasse gekommen, greift er zur Kreide und schreibt zwei Sätze Piatons an die Tafel: „Man muss den längsten Weg wählen" und „Man muss mit seiner ganzen Seele zur Wahrheit streben". Diese Grundsätze nun wferden in der Lehre und im Vorbild des Meisters lebendig. Jed^r unklare Gedanke, jede billige Formulierung, jede leere Schönrederei verfallen der unerbittlichen Kritik Alains. Hier wird der Grund zu den Eigenschaften gelegt, die später die Hauptvorzüge des viel gelesenen Schriftstellers ausmachen werden. Wenn wir nämlich die Bücher Maurois' lesen, dann fragen wir uns mit Erstaunen, wie ihr Verfasser es erreicht, den anspruchsvollen Kritiker ebenfo zu befriedigen wie den durchschnittlichen Leser, dem das Buch nur Entspannung und vielleicht ein wenig Belehrung bieten soll. Betrachten wir daraufhin einmal eine seiner nun weltberühmt gewordenen Biographien, etwa die 1923 entstandene über Shelley, so fällt zuerst die unwahrscheinlich gründliche Beherrschung des Stoffes und die kristallklare Darstellungsart auf. Um ein Leben zu beschreiben, muss man „alles gelesen haben". Aber nicht etwa nur die unmittelbaren Ae.usserungen des Darzustellenden. Ein Mensch ist nicht zu verlebendigen ohne seine Zeit, ohne die Atmosphäre, in der er gelebt hat. Irgendeine Nebensächlichkeit, die ein Dritter erzählt, eine Rechnung, ein Wäschezettel, ein Klatsch, sie können jene erlösende Kleinigkeit liefern, die zur Verdeutlichung einer bestimmten Situation unendlich viel beitragen kann. Denn das ist doch die fast unheimliche Aufgabe der Biographen: lebendig zu machen. Maurois bekennt es selbst, wie seine Gestalten fast visionär in ihn eingegangen waren aus all den unendlich vielen Einzelheiten, die er über sie zusammengetragen hatte. Nun folgt ein neuesj fast übermenschliches Unternehmen: aus den Details eine Art Schönheit und Einheit des Lebens werden zu lassen. Wieviel Störendes schiebt sich da ein! Der Autor klagt: „Warum muss Shelley gerade jetzt eine Reise antreten, da ich ihn doch so dringend zu Hause und in Reichweite gebraucht hätte." Mit um so grösserer Bewunderung müssen wir bekennen, dass das schier Unmögliche geglückt ist. Wer seine Arbeiten über Shelley, Disraeli, Eduard VII. gelesen hat, der hat mit diesen Persönlichkeiten gelebt, er ist vom Autor in jene hohe und klare Luft des Geistes und der Tat hinaufgetragen worden, in der seine Helden sich bewegten. Eine tiefe Wahlverwandtschaft hat Maurois immer wieder zur Darstellung englischer Stoffe getrieben. So bat er Ausserordentliches zur Kenntnis des modernen Englands in Frankreich beigetragen. Seine letzte historische Abhandlung über England ist sozusagen der krönende Abschluss jahrzehntelanger Bemühungen. Wer das Leben anderer oder Geschichte schreiben will, muss ein guter Menschenbeobachter und ein intimer Kenner der Antriebe menschlicher Handlungen, sein. Deshalb hat es den eben gewählten Akademiker gereizt, aus der Fülle seiner Erfahrungen allgemeine Maximen abzuleiten. Da steht er nun, blickt auf unser Leben unendlich weise und deshalb unendlich gütig und distanziert. Mit melancholischem Lächeln rät er uns, das Leben hinzunehmen, im wörtlichsten Sinne. Geht doch nicht auf die Dinge zu. Sie kommen zu euch. Empfangt sie, die guten und die schlechten, unter eurem Blick: in eurer Hand werden sie sich wandeln, wenn ihr nur nicht unsinnig zupackt, sondern sie zurechtrückt mit eurer Ueberlegung und eurem Herzen. Vielleicht liegt hier das grösste Geheimnis seiner starken Anziehungskraft: aus jeder Zeile strömt die Wärme, eines lebendigen Herzens. Weil der Verfasser mit sich in Uebereinstimmung lebt, deshalb ist seine Art zu schreiben auch so klar und makellos. Die Academie Francaise ehrte gewiss den Fortsetzer der grossen französischen Tradiüon5 die verlangt, dass echtes Gefühl, ge- 30.Juni!938* Seite? Angeklagten wurden zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Verteidigung hatte sich auf den Standpunkt gestellt, dass wegen der neuen Judengesetze Angriffe gegen das Judentum keine Aufreizung darstellen könnten, da das Judentum dort nicht als Konfession, sondern als Rasse be« UNSERE VERKAUFSGESCHÄFTE: Berlin, Tauentzienstraße 16 Essen, Adolf-Hitler-StratßelS Hamtmrg, Jnngfernstieg 43 Bochum, KortumstraSe 67 Köln a. Eh.. Hohestraße 115 Frankfurt a.M., Boßmarkt 15 Essen, Limbecker Straße 10 Zentrale, Offenbaca a. M Wuppertal-Elberfeld. Herzogstraße 36 trachtet werde. Die Argumente der Verteidigung wurden abgelehnt. In der Urteilsbegründung der Kurie heisst es. dass auch das neue Gesetz das Judentum nicht in jeder Beziehung als Rasse betrachte, wenn auch ein Teil Rassecharakter erhalten habe. Es bestehe kein Anlass. die prinzipielle Haltung der Kurie, wonach das Judentum als Konfession zu betrachten sei, zu ändern. Aus Anlass des 70. Geburtstages des Reichsverwesers Nikolaus von Horthy, fanden in allen Synagogen des Landes feierliche Gedenkgottesdienste statt. In den Ansprachen wurde der Verdienste gedacht, die sich der Reichsverweser für den Wiederaufbau des Landes, für Ordnung und Frieden erworben habe. .— Am Todestag Wilhelm Vaszonyis fand im Budapester Heldentempel eine Gedächtnisfeier statt Rabbiner Dr. Franz Hevesi würdigte die Verdienste des Staatsmannes. / luweüer Lodwio Steinmetz \ Nürnberger Str. 56 (neben WoolwertW & Es werden statistische Zahlen über dis jüdische Schuljugend veröffentlicht, welche Dr. Zoltan B e n e s c h bearbeitet hat. Danach hat in den letzten fünf Jahren die Zahl der jüdischen Schüler in allen Schulen stark abgenommen. An nichtjüdischen Schulen wirken 3.1 Prozent jüdische Lehrkräfte: Volksschulen 191 (davon 140 an städtischen). Bürgerschulen 69 (49). Mittel- und Handelsschulen 99 (57). An den Hochschulen gibt es unter 1939 Lehrkräften nur 60 jüdische Dozenten, Assistenten und Lektoren und einen Ordinarius. Vereinigte Staaten In New-York wurde durch den ehemaligen Gouverneur Alfred E. S m i t h im Empire State- Building eine Ausstellung der ..ORT" eröffnet. Smith erklärte in seiner Rede, diese Schau zeige, dass Juden zu jeder Arbeit, also auch zur Handarbeit und zur Landwirtschaft befähigt seien, wenn man ihnen die nötige Vorbildung angedeihen lasse. Aus dem Nacblass von Jacob Fox, der im Dezember 1935 starb, waren 223 479 Dollar für jüdische Einwanderer aus Deutschland bestimmt. 100 000 Dollar sind bereits von den von Mr. Fox ernannten Bevollmächtigten an das Joint Distribution Comittee und an das National Coordinating Committee gezahlt worden. bändigt durch den klaren Verstand, ausgedrückt wird im reinen Kristall der Sprache. Der Psychograph Maurois' neuestes Werk Vor etwa zehn Jahren hat in einem geistreichen populär medizinischen Buch Dr. med. Josef Löbel die Frage behandelt, ob es möglich wäre, mit Hilfe von Apparaten die Gedanken anderer zu lesen. Zwar könne man aus Mienen und Gesten, aus Erröten und Erbleichen, aus Gebärden und Handbewegungen schon in reichem Masse erkennen, w'as in der Seele des Nebennienschen vorgehe. Auch Gang und Haltung und Ausdrucksbewegungen lieferten dem geschulten Beobachter das Alphabet zur Lektüre der Gedanken seines Objektes. Es gebe auch professioneile Hellseher, aber diese Wissenschaft liege noch „arg im Dunklen". Nein, es müsste in unserer mechanisierten Zeit, in der man bequem in Kopenhagen hören könne, was in Honululu gesprochen wird, auch Apparate geben, die klar und deutlich erkennen lassen, was im Gehirn des Nachbars vorgeht. Der Verfasser hätte nicht zu hoffen gewagt, dass kaum zehn Jahre, nachdem sein Wunsch ausgesprochen war, das Verlangen auch schon erfüllt würde. Und doch! Eine Firma in USA fabriziert massenweise den Psychographen, eine Erfindung des berühmten Physikers und Universitätsprofessors FL, einer Zierde der Hochschule zu W. Also lesen wir es in dem Buche „L a machine ä lire les pensees" von Andre Maurois*), einem Buche, das zu den besten. Erzeugnissen der jüngsten französischen Belletristik gezählt wird. Die Benutzer der Erfindung sind voll des Lobes über den Apparat, der in seiner kleinen und unauffälligen Ausführung überall in Anwendung gebracht werden kann. Seine Vorteile kommen in zahlreichen Dankschreiben an den Erfinder zum Ausdruck. Ein Arzt schreibt: „Endlich verstehe ich meine Patienten." -Ein Diplomat: ..Der Psychograph ist geradezu ein Instrument des Friedens." Ein Dozent: „Ich konnte früher nie herausfinden, warum meine Hörer so gelang- *) Librairie Galiimard, Paris 1938..