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Central-Verein-Zeitung · 1938-06-23 · 25 (23.6.1938) · page 15

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
25 (23.6.1938)
Date
1938-06-23
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Arabia deserta / Von Dr. Ludwig Feuchtwanger Das "berühmteste Arabienbuch der letzten Jahre „Seven Pillars of Wisdom" — „Die sieben Säulen der Weisheit" des englischen Obersten T. E. Lawrence ist nach einem "Zitat aus unserer jüdischen Bibel betitelt. In „Mischte", den Sprüchen Salomos (im 9, Kapitel), heisst es: Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, Hat ihre sieben Säulen ausgehaun. Sie hat geschlachtet, ihren Wein gemischt, Hat ihren Tisch, wohl zugerichtet. Hat ihre Mägde ausgesandt und ruft Hoch oben auf den Hölrn der Stadt: „Wer einfältig ist, er kehr' hier ein!" In dem grossen Bekenntnisbuch des Colonel Lawrence, der ■ vor drei Jahren durch einen Motorradunfall seinen Tod fand, sind weniger geographische oder völkerkundliche Aussagen über Arabien enthalten als Selbstanalysen des Verfassers. Neben Landschaftsbildern, Gefechtsdarstellungen und Selbstbetrachtungen tritt das Phänomen „Arabien", das Land, seine Bewohner zurück. Für ihre intime Kenntnis verweist Lawrence auf seinen Lehrmeister Charles Montagu Doughty (1844 bis 1926) und auf dessen grosses Reisewerk „Arabia Deserta"; seine Neuherausgabe hat er im Jahre 1921 selbst veranlasst und mit einem ausführlichen Vorwort versehen. Charles M. Doughty hat als einer der ersten Europäer 1876 bis 1878 das innerste Arabien durchreist und diese Reise in jenem monumentalen Werk, das zum erstenmal 1888 in Cambridge erschien, beschrieben. Das Original umfasst ll50 Seiten. Als Grundwerk über die Geographie, Ethnographie und Ethnologie Arabisns ist es bis heute nicht überholt und gilt überdies als eines der grössten Prosawerke der englischen Literatur. Lawrence bekennt in seiner Einführung, dass ihm sein Werk,-die Araber vor mehr als 20 Jahren auf die englische Seite zu ziehen, ohne Doughtys Leistung nicht gelungen wäre. Denn ohne den Schlüssel zum wirklichen Verständnis der arabischen Volksseele, die Doughty durch sein jahrelanges Wandern und Wohnen mit den Arabern im Innersten der grossen Wüste sich unter dem Einsatz seiner Gesundheit und oft seines Lebens gewann, wäre Lawrence, wie er selber freimütig sagt, nie an sein Ziel gelangt. „Es ist das erste und massgebliche Werk über die Araber der Wüste; . . . jeder, der dem Begriff Arabien näherkommen will, muss sich mit diesem Buch auseinandersetzen", sagt Lawrence über seinen Vorgänger. Er bestätigt, dass hier die volle uneingeschränkte Wahrheit über die Seele und . die Welt des Arabers zu finden sei: je weiter man reise, desto grösser werde die Hochachtung' vor der Einsicht, der Urteilsfähigkeit und der Künstlerschaft des Verfassers. Der seltsame Zauber, die Unberührtheit und Unabhängigkeit dieses Volkes, sein Nomadenleben, das wohl die härteste aller sozialen Daseinsformen sei, sei nirgends so grossartig und wirklichkeitsnahe geschildert wie bei Doughty. Sein Bild von den Semiten als einem Volk,' das „bis zu den Augen in einer Kloake sitzt, doch mit seinen Brauen den Himmel berührt", fasse die ganze Stärke und Schwäche der Araber, die seltsamen Widersprüche ihrer Denkweise zusammen. Jetzt erschien eine Auswahl aus dem grossen englischen Reisewerk. Die geschichtlichen, geographischen, archäologischen und sonst rein wissenschaftlichen Partien sind weggelassen, dagegen ist die Fülle lebendiger, selbsterlebter Szenen und Menschentypen, die durchdringenden Menschenschilderungen, die durch Humor und gutmütige Ironie beglänzt sind, ohne Abstriche in ungekürzten Kapiteln erhalten. Auch die deutsche Ausgabe umfasst noch über 600 engbedruckte Seiten. Das Nomadenleben in der Wüste. Denkart und Ausdrucksform des Beduinen, seine Religion und seine Wertbegriffe werden von Doughty durch und durch realistisch gesehen, während Lawrence bekanntlich häufig zu einer romantischen Verklärung vieler Züge des Arabertums neigt. Die absolute Distanz von allen aktuellen politischen Fragen macht den hohen Wert dieses Reisetagebuches aus; es ist die beste und lebendigste Illustration zu vielen biblischen Stätten, Szenen und Sitten. Der Teisende englische Arzt und Pfarrerssohn Doughty ist ein intimer Kenner der Bibel; ihre Sprache und ihre Bilder steigen in ihm immer wieder unwillkürlich auf. Er dringt tief wie kein anderer in den Ursinn des Nomaden ein und kommt in der Tat an das Urphänomen der arabischen Wüste und ihrer Bewohner heran. Szene für Szene, Menschenprofile, die man schwer vergisst, Konturen der Landschaft, den Geruch des Bodens, der aus den Schilderungen dringt all das müsste man noch einmal hierher setzen, um einen Begriff von der Ursprünglichkeit, der nie versiegenden Frische und — dem Engländertum dieses Buches zu geben. Es ist weit davon entfernt Unterhaltungsiektüre zu sein oder Sensationen zu bieten; es ist. wie der Verfasser selbst sich ausdrückt, „keine Milch für Säuglinge". Aber es gibt kein bessres Einführungswerk für das Studium Arabiens, worin wir trotz der grossen Zahl schöner und interessanter Bücher über den erwachenden Nationalismus, über Engländer. Araber. Juden, doch wohl noch allzuweit zurück sind. Mit dem Wesen und der Geschichte „Ismaels" war jüdische Geschichte und jüdisches Geschick von jeher eng verbunden. Wir haben so viele Umwelten kennengelernt, uns manchmal heiss darum bemüht, in anderen Fällen wieder auch ohne unser Zutun fremde Art spüren und hart erleben müssen. Unser Wissen um die arabische und islamische Welt ist demgegenüber merklich zurückgeblieben. Doughtys „Travels in Arabia Deserta" ragt aus der Flut der Literatur über die Araber weit hervor und kann als der sangbarste Weg empfohlen werden, etwas Authentisches von Herkunft und Wesen des arabischen Stammes zu erfahren. * Die deutsche Ausgabe erschien unter dem Titel „Die Offenbarung Arabiens" im Paul List Verlag. Leipzig, 1938. Dr. Meier Spanier: Ausgewählte Psalmen. Vortrupp, Jüdischer Buchverlas, Berlin 1938. Die Tatsache, dass ein Buch solchen Inhalts in verhältnismässig kurzer Zeit seine dritte Auflage erlebt, könnte an sich Empfehlung genug sein. Aber seine Güte und Schönheit rechtfertigen es, erneut die Aufmerksamkeit, und zwar recht vieler, darauf zu lenken. Es handelt sich nicht um ein Schulbuch. Es ist auch kein Buch nur für Zünftige, für solche, die von Amts und Berufs wegen" sich mit dem biblischen Schrifttum befassen. Es ist vielmehr ein Buch für 'alle, namentlich für die vielen, welche gar nicht oder nur unbestimmt den ungeheuren Reichtum ahnen, welche die Psalmen, diese Perlen jüdischer und menschlicher Frömmigkeit in sich bergeu. Ihnen will Spaniers Arbeit" den Zugang zu den Schätzen erschliessen. WTir sind gewiss: Niemand wird Spaniers feinsinnige und' warmherzige Einführung in den religiösen und ästhetischen Gehalt der 28 von ihm bedachtsam ausgewählten und form- und sprachschön übertragenen Psalmen aus der Hand legen, ohne religiöse Bereicherung und seelische Erhebung und freudigen Dank. M. A. „Noch einmal möchte ich, noch einmal schauen, Was ich als Kind in meiner Brust erbaut, Sandburgen, Pferdchen, gute Kinderfrauen, Noch einmal lallen ersten Kinderlaut... —" der Ton, der uns einst an Franz Werfeis frühen Gedichten entzückte? Einen vollen Akkord greift der Dichter in den Anfangszeilen des Gedichtes „Der Auswanderer". „Nun ich die Heimat verlasse, Ist mir, als geh ich dem Tode entgegen Einen Schritt..." Eine Wiederbegegnung mit dem Autor, auf die wir uns freuen, wird uns hoffentlich davon überzeugen, dass seine Begabung die Untiefe des Virtuosentums überwunden hat. P. M. Benno Kesstecher: Die Wunderleiter, Gedichte. Joachim Goldstern, Jüdischer Buchverlag, Berlin 1938. In diesen Versen ringt der Autor um die Gestaltung der grossen Inhalte der jüdischen Welt: seine Phantasie kreist um die in der heiligen Schrift bewahrte Vergangenheit, und um die verheissungsvolle Zukunft im heiligen Lande. Die Feststellung, dass sein Sprach- und Visionsvermögen nicht immer diesen grossen Gegenständen entspricht, möge ihn nicht entmutigen." Gestalten Fi <Eb*!*$#fe»$ ALICE SERVOS.W50 16(>(VlVTl Passaner Strasse^ Chemische Reinigung: — Färben - 24 92 33. Entflechten. wie Moses, Saul und David bedürfen einer kongenialen Einfühlungskraft. Ein Michelangelo wusste um das Geheimnis dessen, zu dem Gott gesprochen, ein Rembrandt hat Leid und Wahn des Königs SauL aus dem eigenen Schicksal und der eigenen Seele nachgesebaifen. Die Grossen unserer Volksgeschichte immer wieder ins Spiel der Reime zu bannen, mag naheliegend sein, ist aber gefährlich. Am glücklichsten erscheint der Autor dort, wo er sich nicht zum überindividuellen Pathos verpflichtet fühlt. Klingt nicht aus den Zeilen: Dichtung der Zeit „Jüdische Dichter in dieser Zeit" — das neuerdings mehrfach behandelte Thema lag auch der jüngsten literarischen Veranstaltung des Berliner Kulturbundes zugrunde, zu der sich diesmal Dr. Erich Lichtenstein und Werner Bukofzer zusammengefunden hatten. Lichtenstein gab den einzelnen Dichtern, die in der bunten, grossenteils lyrischen Anthologie zu Wort kamen, einige knappe und kluge Charakteristiken mit auf den Weg. Er wusste zwei Gruppen geschickt auseinanderzuhalten: solche, die von der Physiognomie des Geistigen, von der Ausrichtung der" Gesinnung, von dem eigentümlichen Ductus der dichterischen Handschrift her die jüdische Note erkenbar werden liessen, und die anderen, denen das „Jüdische" in ihrem Dichten überhaupt nicht „anzumerken" sei. Auf diese Weise konnten die beiden jüdischen Spitzendichter dieser Zeit, der immer stärker vom alten Prophetengeist ergriffene Franz W e r f e 1, und der ..Strahlensammler aus allen Welten", der Dichter der reinen Form, Alfred Morabert, als polare Erscheinungen gegenübergestellt werden; auf diese Weise Hess sich aber auch die tief mit dem Judentum verbundene Else Lasker-Schüler ihrer totalen Wesensart nach als jüdische Dichterin charakterisieren. Auch zwei ganz in die palästinensische Landschaft eingebettete Dichterpersönlichkeiten wie. der innige Ludwig Strauss und der kühne und kraftvolle Erwecker lebendiger jüdischer Gesinnung, Manfred Sturmann, fügten sich in diese Reihe zwanglos ein. Auf der anderen Seite: die „neutraleren" Dichter und Dichterinnen, wie Moriz S e e I e r, George A. Goldschlag, Paul Mayer, und von Frauen die aussergewöhnlich starke Begabung von Gertrud Chodziesner. Abseits von dieser lyrischen Avantgarde standen die beiden Prosaisten Moritz Heimann (mit einem Stück Autobiographie) und der Amateur blitzender Einfälle, Alfred P o 1 g a r. Werner Bukofzer, der Dolmetsch von Lyrik und Prosa, ersetzte durch sympathische Schlichtheit, was seinem Organ an sinnlicher Klangwirkung, was seiner Haltung (besonders Werfe! und Mombert gegenüber) an Wueht und geistiger Grösse abging. H. L, Pascins Zeichnungen in New-York Den Künstler Jules Pascin, der eigentlich Julius Pineas hiess, der, erst 45 Jahre alt, durch Freitod aus dem Leben schied, hat Isaae Grünewald, der schwedische Maler, porträtiert: ein Bild, das heute im Museum zu Göteborg hängt. Man hat es wegen seiner hohen Qualität im Katalog dieses Kunstinstitutes abgebildet. Ganz lebensvoll hat der Schwede den Franzosen erfasst, Pascins Gesicht zeigt jenen Zwiespalt, jenen sonderbaren Klang, zusammengesetzt aus Nord und Süd, aus dem Spaniolischen der väterlichen Familie, dem Serbischen der mütterlichen, die ihre Wurzeln bis nach Italien verfolgt. Ein anderes Bildnis dieses Meisters hat" Benno E 1 ka n geschaffen, der jetzt in England lebende Bildhauer, aus Stein. Elkan sah im Gesicht des Modells den Zeichner und den Koloristen Jules Pascin, wie ihn die Pariser Ausstellung bei Bernbeim Jeune, die Aquarelle der Sammlung Pierre Loeb in Paris, die interessanten Bestände der Barnes Foundation in Philadelphia zeigen, jene „Negerlein mit den Feldblumen", die vielen Privatdrucke auch. Elkan hat die rokokomässige Delikatesse Pascins zu geben gewusst, mit der der Meister die Illustrationen zu Heinrich Heines „Memoiren des Herrn von Schnabelepowski" schuf, den unbeständigen Künstler mit der grossen Unruhe im Herzen. Nun stellt die Valentine Gallery in New- York 45 Blätter von Jules Pascin aus. Ein Viertel der ausgestellten Arbeiten sind Aquarelle, die, wie Presseberichte hervorheben, voller Humor und Sophistik stecken. „Les deux Amies" wird.da genannt und das Blatt „Bar Havana", und mit besonderem Nachdruck das Aquarell „Transportation" besprochen. Für die Zeichnungen, die einen beachtlichen Teil der amerikanischen Ausstellung bilden, wird die persönliche Note anerkannt. Pascins Frauenbilder enthalten im Gegensatz zu den schon genannten Darstellungen einen Hauch von Schwermut und Trauer. Dr. 0. B. Kunstnachrich ten Die Firma C. G. Ros enb e rg & Co., London WC 1, schickt ihren fünften Katalog in die Weite. „Illustrated Books, Bibliographie, Fine Arts" lautet der Titel dieses Verzeichnisses, das über 400 Nummern enthält. Da findet man u. a. Friedländers Standardwerk über die altniederländische Malerei und seinBuch über die niederländischenMaler des 17. Jahrhunderts, Curt Glasers kunstgeschichtliche Veröffentlichungen, den Katalog der grossen Manet-Ausstellung, den in Berlin seinerzeit Max L i e b e r m a n n und Max I. Friedländer mit wichtigen Einleitungen versehen hatten, als die Galerie Matthiesen (London) im Jahre 1928 sie organisiert hatte, ferner amerikanische, englische, französische Kunstbücher, nicht zuletzt eine Fülle von Anregungen für den Historiker, Mediziner und den Sammler wichtiger Kunstkataloge. In der Amsterdamer Kunsthandlung Aalderink stellt der Maler Siegfried G i 11 i s aus Essen Gemälde und Graphiken aus. Die Galerie .Wildenstein & Cpmp., New- York, stellt Gemälde und Gouachen von Mane Katz aus, dem aus dem Osten stammenden, in Paris erfolgreich schaffenden Maler, der auch im Berliner Jüdischen Museum mit Gemälden vertreten ist. * Das British Museum, London, erhielt eine sehr wertvolle Schenkung von Mr. Sidney L. Bernstein. Es handelt sich um eine ägyptische Stele aus der Zeit des Mittleren Reiches, die sich in einem Königsgrab befunden hat. * Die Calmann Gallery in London zeigt eine Ausstellung französischer und italienischer Zeichnungen des 15.—19. Jahrhunderts. * Von Käte M ü n z e r bat nach dem französischen Staat nun auch die Stadt Paris ein Gemälde für ihre Sammlungen erworben. Es ist die „Materaite'4. die auf dem letzten Herbst- Salon zu sehen war. Künstlerische Veranstaltungen Ein Abend der Künst 1 cr.h i 1 f e in Berlin war ausschliesslich moderner jüdischer Musik gewidmet. Man hörte ein Arioso aus dem kürzlich hier besprochenen Oratorium ..Der Ton" von Karl Salomon, hörte von Oskar Guttmann neben älteren Arbeiten zwei Psalmvertonungen, gewissermassen Parerga zu seinem „Bereschit". in denen bewusst die ins einzelne gehende Textinterpretation zurückgedrängt und" statt dessen ein objektives Rezitieren "angestrebt ist. Die Lieder des jungen Alfred Guttmann, besonders „Der Fluss*' mit seinem starken Wurf, bezeugen unbedingt ein beachtliches Talent, das man gern einmal auch in reinen Instrumentalformen sich bewähren sehen würde. Neben schon bekannten Liedern von Jakob Schönberg gab es dann noch einige etwas unsrleichmässige Gesänge von S. Almau, deren Melos zum Teil aus dem ostjüdischen Volkslied wertvolle Befruchtung erhält. Paula Guttmann setzte ihre warmherzige Gesangskunst verständnisvoll ein, und Gustav Säbel als Begleiter erwies in Milhauds schon ins Klassizistische tendierender Sonate erneut, dass er wie wenig andere unseres Kreises zur Deutung modernen Schaffens berufen ist. H. Fr. Die Aufführung des Lustspiels „Das Extemporale" von Hans Sturm und Moritz Färber im Jüdischen Kulturbund Hamburs: war mij, der natürlich fliessenden Heiterkeit der Darstellung einer der vergnüglichsten Erfolge der Spielzeit. Eine Aufführung (Regie: Dr. Hans Buxbaum) aus einem Guss. die bei aller handfesten Theaterroutine doch nicht die Wärme echter menschlicher Charakteristik vermissen liess. Hier ist vor allem Werner Hinzelmann als Primaner Hoff.nann zu nennen. Die halbreife Stockigkeit und dann Wieder kindliche Jungenhaftigkeit der Uebergangsjahre traf er prachtvoll, dadurch unwiderstehlich lachreizend die Komik der Situationen heraufbeschwörend. Als zweiter Berliner Gast: Steffi Rosenbaum, eine flotte und muntere Lotte, während Julius K o b 1 e r als Professor Jeremias von den Lichtern und Schatten menschlichen Wesens nur so funkelte. Fritz Melchior und Edith Herrs 1 i k waren gediegene Stützen des Ensembles. Erna Cohn (Lorenz) und Max Wächter unterstrichen mit Erfolg die schwankische Note ihrer Rollen. E. Gtm. Ruth Lehnberg und Julius K u t h a n (Berlin) gaben im Hamburger Kulturbund einen Operettenabend. Sie liessen vertraute Melodien aus Tonfilm und Operette — auch in Duetten — erklingen und versetzten das Publikum durch ihre gesanglich wie darstellerisch treffliche Vortragskunst in die heiterste Stimmung. An dem starken Beifall, der viele Zugaben forderte, konnte mit Recht auch die vorzügliche Begleiterin Erna Fenchel teilnehmen. A. Das Streichquartett des Jüdischen Kulturbundes Rhein - Main zeigte in einem in Hannover veranstalteten Kammermusikabend mit Werken von Smetana, Bocche- - rini und .Tschaikowski hohe Musikalität, vollendete Technik und mitreissendes Temperament. Das hervorragen de Zusammenspiel der Künstler erweckte Begeisterung. O.Bstn. Ein genussreiches Konzert bot der Kulturbund Freiburg i. Br. mit einem Lieder- und Arien-Abend. Sonja Zieglers hervorragend geschulte Stimme verband sich mit dem gepflegten und alle Register gesanglichen Ausdrucks beherrschenden Bariton Benno Zieglers in Duetten von Mendelssohn, IMehul und Verdi („Rigoletto"); solistisch bot die Sängerin vor allem eine Reihe hübscher jüdischer Volkslieder (in Bearbeitungen von Joseph Ziegler), während Benno Ziegler Werke von Mendelssohn und Meisel sowie den „Bajazzo"-Prolog sang. Joseph Z i e g 1 e r, der Begleiter, bot auch eine interessante, eindrucksvolle eigene Klavierkomposition mit dem Titel „Chassidische Andachtsstimnrung". Der Beifall der recht zahlreich erschienenen Hörer war sehr stark. Dr. E. K. Das Schauspielensemble des Hamburger Kulturbundes brachte Franz Molnärs „Delila" nach Leipzig. Die vorzügliche Besetzung erspielte dem Werk einen vollen Erfolg. L.St. Die Geigerin Jolantha Waghalter und die Pianistin Ruth Waghalter, beide Berlin, gaben im Kulturbund Elbing ein Konzert. Die Geigerin spielte Corelli mit besonders schönem Ton und zeigte ihre hochentwickelte Technik bei Paganini und Wieniawski. Die Pianistin trag das Des-dur-Prelude von Chopin mit warmer Empfindung vor, errang besonderen Beifall mit der virtuosen Wiedergabe der Paganini-Liszt-Etude in Es-dur. M. Am. Jüdischer Kulturbund Berlin Wochenplan Theater 4n der Kommandantenstrasse 57: „Die schöne Helena", 26. Juni, 15 Uhr (Abt. 50. 60); jeweils 20 Uhr: 27. Juni (Abt. 22, 32. 54 und 44: U 400 bis 44 449), 28. Juni (Abt. 3, 13), 29. Juni (Abt, 23, 33), 30. Juni (Abt. 24, 34). * Der Jüdische Kulturbund, Berlin, teilt mit, dass •die Vorträge im Kulturbundsaal bis zur Neuankündigung ausfallen. Die laufenden Theatervorstellungen finden unverändert im Kulturbundtheater statt. Die Milee-Schule, Hamburg, veranstaltet zum Semesterschluss am 26. Juni, 20 Uhr, im Theatcrsaal des Gemeinschaftshauses. Hartungstrasse 9—11, einen Tanzabend. Mitwirkende: die Milee-Ausbildungsklasse und die Kindertanzgruppe. Am Flügel: Lutz Protzkauer.

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