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Central-Verein-Zeitung · 1938-06-23 · 25 (23.6.1938) · page 14

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
25 (23.6.1938)
Date
1938-06-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seife 14 C-V.-Zeitung Nr. 25 *-23.Juni1938 bischer Reiter schwer verletzt. Er erlag später, diesen Verletzungen. Von Fällen innerarabischen Terrors ist mitzuteilen, dass eine arabische Bande aus dem Dorfe Kabu -in der Nähe von Jerusalem den Sohn des Muktars entführte und dass der christlich-arabische Notabel Dr. Nejib Khoury durch Schüsse zweier unbekannter Araber auf dem Hauptmarktplatz in Haifa schwer verwundet wurde. Das Wochenende brachte eine besondere Häufung dieser Fälle. In Tiberias wurde bei einem Attentat auf den Bürgermeister, das ihn glücklicherweise nicht erreichte, ein arabischer Passant schwer verwundet. In der Nähe von Kfar Saba wurden zwei arabische Kameltreiber ermordet. In dem Dorfe Kirbat S h a n d e in der Nähe von Tulkerem wurde ein arabischer Offizier Abdul Abveini getötet. Eine arabische Bande überfiel das Dorf Lubban und verlangte Geldunterslützungen mit der Drohung, dass das Dorf zerstört werden würde, wenn der Forderung nicht stattgegeben werde. Eine arabische Frau, die versuchte, Räubern Widerstand zu leisten, wurde getötet. In der Nähe von Nablus wurde ein arabisches Auto angehalten, der Fahrer getötet und zwei Passagiere verwundet. Der Mukiar des Ortes Avarta wurde entführt. Erfreulicherweise ist aber in dieser Hinsicht . auch wieder ein Fall zu verzeichnen, in dem Araber sich mit Erfolg arabischem Terror widersetzt haben. Als eine etwa 40 Mann starke Bande in das Dorf R a m e h bei Akko einfiel und von den Bewohnern Geld zu erpressen versuchte. eröffneten diese das Feuer. Es gelang ihnen, die Bande zu vertreiben. Als besondere Schutzmassnahme seitens der Behörden wurde eine ständige Luftpatrouille eingerichtet, die die Irak-Oelleitung bewacht Es wurde ferner eine Abteilung jüdischer Eisenbahnwächter angeworben, die die Eisenbahnen vor Sabotageakten beschützen soll. Versuch einer Krisenbilanz Widersprüche und ihre Lösung Von unserem ^-Palästina-Berichterstatter In einem amtlichen Communique vom Ii. Juni wird mitgeteilt, dass der Berater der Palästina- Regierung in Polizeireorganisierungsfragen, Sir Charles Tegart, seine Aufgabe beendet hat. Sir Charles Tegart begab sich am 14. März nach England zurück. Man nimmt an, dass er später zur weiteren Unterstützung der Behörden nach Palästina zurückkehren wird. * Bei ihrem ersten Wiedererscheinen nach längerem Verbot veröffentlichte die arabische Zeitung „AI Islamia" einen Artikel, in dem sie den Vorschlag Emir Abdullas, der bekanntlich auf die Schaffung eines vereinigten Staates von Palästina und Transjordanien hinausläuft, befürwortet. Von allen anderen arabischen Zeitungen ist der Vorschlag bekanntlich bekämpft worden. * Nach einer längeren Auslandstournee ist die Schauspielergruppe „Habima" nach Palästina zurückgekehrt. Die Schauspieler wurden in Tel- Aviv von einer grossen Menschenmenge, unter denen sich zahlreiche Abordnungen befanden, herzlich empfangen. 4 PI O f / Judischer Mittelstand Aurbau in bcnaron / »». Deut*chi«nd omh Von unserem * «Palästina-Berichterstatter Tel-Avbv, 12. Juni. Kurz hinter Petach Tikwah zweigt von der neuen Autostrasse Tel-Aviv—Haifa in nordöstlicher Richtung eine zweite, noch jüngere Chaussee ab. die gerade jetzt besonders interessant geworden ist. Und nun kam zu den mancherlei Merkwürdigkeiten dieser Gegend ncoh eine hinzu, die namentlich den Einwanderer aus Deutschland mit stolzer Genugtuung erfüllte, die Einweihung der neuen R a s s c <&r Siedlung Ss:deh War bürg, de^r zehnten palästinensischen Dorfes, das ganz oder doch fast ganz von jüdischen Einwanderern aus Deutsch- . land geschaffen worden ist- Aber dieser ganze Teil der Scharon-Ebene verkörpert auf engstem Raum ein inhaltreiches Kapitel allerjüngster jüdischer Siedlungsgeschichie, reich an Erfolgen, aber auch reich an Sorgen und Kämpfen. Man braucht nicht zu den berühmten ..ältesten Leuten" zu gehören, um diese Strecke „nicht wiederzuerkennen". Vor einem Jahre gab es die Hauptchaussee noch nicht, und die Nebenchaussee ist gar erst ein Vierteljahr alt. Aber auch sonst hat sich in den letzten Monaten vieles hier geändert. Die Zweigchaussee führt in geringer Entfernung an Kfar Saba vorbei und verbindet diese alte, grosse Pflanzungskolonie mit dem Siedlungspunkt Ramath Hakowesch. Auch diese Siedlung ist eine Art Grenzposten. Sie liegt dort, wo das jüdische Siedlungsgebiet am östlichen Rande des mittleren Scharon an die arabische Zone von Qalqilia anstösst, unweit des Dorfes M i s k e h, das in diesen Tagen eine so traurige Berühmtheit erlangt hat. Hier entdeckte die Polizei eine Art Kaserne und Munitionsfabrik der Terroristen. Bei der Aushebung dieser Zentrale wurde ein englischer Polizist todlich verwundet; seine englischen und jüdischen Kameraden gingen zum Angriff über und erschossen sechs Mann der „Besatzung" dieses Punktes. Das Dorf wurde schwer bestraft. In der darauffolgenden Nacht aber fand ein Ueberfall auf das Dorf statt, bei dem vier Araber getötet und mehrere verwundet wurden; es wird vermutet, dass die Terroristen für einen \ermeintlichen Verrat der Dorfbewohner Rache nehmen wollten. Aber in völligem Gegensatz zu diesem unruhigen Grenzgebiet sieht, wenige Kilometer davon entfernt, das ganze Land unter dem Zeichen friedlichen jüdischen Aufbaues. Neue Dörfer, Gemüsefelder und Orangenhaine begleiten den Weg. Die alte Strasse führt vorbei an dem Hühnerdorf Ramoth Haschawim, der berühmten Siedlung umgeschichteter Kaufleute und Akademiker aus Deutschland, die zwar dem Auge des Vorbeifahrenden grösstenteils von Bäumen verdeckt wird, deren Existenz sich aber, sobald der Motor des Autos einen Augenblick schweigt, durch tausendstimmiges Gackern verrät. Auf den Hügeln dahinter leuchten die ersten roten Dächer von Ramath Hadar, einer ähnlichen, kleineren Siedlung, die unter Leitung des gleichen Organisators jetzt ebenfalls von Einwanderern aus Deutschland aufgebaut wird. In der vorwiegend von anderen Juden aufgebauten Siedlung M a g d i e 1 werden 18 weitere Häuser für Einwanderer aus Deutschland, unter finanzieller Mitwirkung der deutschen Abteilung der Jewish Agency, gebaut. Bald hinter der Abzweigung nach Ramath Hakowesch schieben sich mehrere, weit auseinandergezogene Reihen hübscher, weisser Häuschen mit roten Giebeln bis dicht an die Strasse heran, jedes inmitten eines grossen Gemüsegartens gelegen — die meisten auch mit einem kleinen Hühnerstall ausgerüstet — die in diesem Frühjahr fertiggestellte Schechunatb Elieser. Ihre Einwohner sind die Miterbauer der neuen Strasse. Es 6ind Arbeiter, die während der Erntezeit in den Sardessim der Bauern von Kfar Saba beschäftigt werden, für die aber diese Arbeitsgelegenheit als Existenzgrundlage nicht ausreichte. Aus akuter Not wurde eine wichtige Leistung geboren. Unter Führung der Arbeitersiedlungsbank NIR. unter Mitwirkung der öffentlichen Fonds wurden billige Häuser mit Hilfswirtschaften errichtet und in der Uebergangszeit verdienten sich die neuen Siedler, soweit sie nicht ihre eigenen Häuser bauten, ihren Unterhalt durch den Bau der heuen Strasse. Bald dahinter stossen gleich zwei Siedlungen an die Chaussee, auf der einen Seite das ältere Dorf Z o f i t h, das aber jetzt auch einen Rahmen von neuen blinkenden Häusern für neue Siedler erhalten hat, und auf der andere Seite, in wenigen hundert Metern Entfernung. S s' d e h War bürg. Von den höheren Punkten des Ortes blickt man über die Pardessim des benachbarten Gan Chajim. Zum Zeitpunkt der Einweihung wählte man die Fertigstellung der Lagerhalle, in der auch die Feier stattfand. Die hölzernen Pfosten und die Wellblechwände des hohen Raumes waren mit blauweissen Fahnen und grünen Büschen verkleidet An der Schmalwand des Gebäudes, inmitten eines goldenen Magen David, hing das Bild von Professor Otto Warburg. Dr. Arthur Ruppin übergab das Bild im Namen der Agency der neuen Siedlung und gedachte des Mannes, der vor 30 Jahren als Vorsitzender der Zionistischen Organisation ihn, den Redner, zum Beginn der praktischen Aufbauarbeit in das neugeschaffene Palästina-Amt Jaffa ins Land entsandt hatte. Unter dem Bild sah man einen grossen geschmückten Korb mit Erstlingsfrüchten der Siedlung. Denn der Ort, dessen Boden erst im August aufbereitet worden ist zählt heute schon 18 fertige Steinhäuser, in denen ein grosser Teil der Siedler bereits wohnt und arbeitet von den Gemüsefeldern ist schon der erste Ertrag auf den nahen Markt von Tel-Aviv geschickt worden, und in den Hühnerställen mit ihren grossen Auslaufgehegen werden bereits Hunderte von Junghühnern grossgezogen. Einer der jungen Siedler berichtete, wie sie alle zu ihrem eigenen Boden und zu den Menschen der Umgebung eigentlich erst dadurch das richtige Verhältnis gewonnen haben, dass sie in den ersten Monaten, als ungelernte Arbeiter beim Bau ihrer Häuser sich selbst ihr Brot verdient haben. Die Direktoren der R a s s c o, Dr. Landsberg und Dr. Foerder, konnten in ihren Ansprachen darauf hinweisen, dass dies bereits die dritte landwirtschaftliche Siedlung ist, die ihre von der deutschen Abteilung der Jewish Agency für Zwecke der mittelständischen Siedlung gegründete Gesellschaft im Laufe der letzten anderthalb Jahre mit Einwanderern aus Deutschland aufbauen konnte; die beiden Schwestersiedlungen hatten Vertreter geschickt, die ihre Glückwünsche entboten, sowohl das Dorf Kfar Schmarjahu bei Herzlia, als auch die neue Siedlung S c h a w e j Z i o n im Norden des Landes. Auch der Keren Kajemeth, auf dessen Boden Ss'deh Warburg errichtet ist, der Keren Hajessod, ein Vertreter der Regierung, die Histadruth, die Hitachduth Olej Germania und — auf telegraphischem Wege — die Zionistische Vereinigung für Deutschland und noch viele andere entboten ihre Glückwünsche. Der Sohn Otto Warburgs •wohnte der Feier bei. Der Raw der grössten Nachbarsiedlung schlug die Mesusa an den Pfosten des Lagerhauses, das, wie bei allen derartigen Siedlungen, das zentrale Gebäude des Ortes bildet und schloss seine Ansprache mit dem Segen des Schehechejanu: Gepriesen seist du Ewiger, der du uns dies hast erleben lassen. Tel-Aviv, 18. Juni. Palästinas wirtschaftliche Entwicklung ist reich an Rätseln. Und eines der schwierigsten Rätsel war der Widerspruch, der sich manchmal zwischen den Eindrücken und Einzeluntersuchungen des gründlichen Beobachters auf der einen Seite und den offiziellen Gesamtziffern der Statistik auf der anderen Seite ergab. Gerade in einem Lande so starker Bewegung und so junger Organisation aber ist es besonders nötig, hier zu einer gewissen Uebereinstimmung zu gelangen. Denn nur so lassen sich objektive Massstäbe für die wirkliche wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes vom Standpunkt des Einzelnen aus gewinnen. Mit anderen Worten: Nur die lebendige, subjektive Beobachtung, kontrolliert an objektiven Gesamtergebnissen, und nur das Ergebnis einer umfassenden Untersuchung, bestätigt durch die konkrete Erfahrung des täglichen Lebens, sagt uns, welche EinordnungsmögUchkeiten für neue Einwanderer, welche Aussichten für die wirklich im Lande befindlichen Menschen bestehen. Man wusste auf der einen Seite, dass beispielsweise der hohe Zinsfuss ein ernstes Hemmnis für die Finanzierung öffentlicher Arbeiten, neuer Bauten und auch des laufenden Betriebes in Industrie und. Landwirtschaft bildet. Auf der anderen Seite sehen wir, dass auch jetzt noch im Monatsdurchschnitt für rund 400 000 LP neue Hypotheken ausgegeben werden, von privaten Geldgebern und von Instituten. Die amtliche Baustatistik, welche nur die neuen Bauerlaubnisse in den vier grössten Städten umrasst, zeigt einen Rückgang um mehr als die Hälfte gegenüber dem Konjunkturjabr 1935; man weiss auf der anderen Seite, dass es dem Baugewerbe und den von ihm abhängigen Wirtschaftszweigen nicht gut geht, aber ein solcher Rückgang, wie ihn die amtlichen Ziffern zeigen, müsste" noch weit schwerere Spuren im ganzen Wirtschaftsleben hinterlassen, als tatsächlich festzustellen sind. Aehnlich ist es auf manchen anderen Gebieten. Es war daher dringend nötig, von zentraler Stelle aus die planmässige Durchleuchtung der Wirtschaft zu vertiefen und zu verfeinern. Sowohl die Regierung, in erster Linie das Statistische Landesamt und das Departement für Handel und Industrie, als auch die Jewish Agency, vor allem ihre statistische Abteilung und ihr wirtschaftliches Forschungsinstitut bemühen sich darum, und gerade jetzt sind einige wichtige Fortschritte erzielt worden, die manchen Widerspruch aufklären. Statistik der Insolvenzen In allen entwickelten Ländern ist ein wesentliches Krisensymptom die Zunahme der Insolvenzen, besonders der Konkurse. Vor einigen Wochen ist das Statistische Landesamt mit einer neuen Insolvenzstatistik an die Oeffentlichkeit getreten. Sie lässt allerdings einen Vergleich mit früheren, normalen Jahren nicht zu, da die Statistik nur bis zum Jahre 1936, in dem neue Konkursordnungen in Kraft traten, zurückgeführt werden konnte. Aber auch schon die absoluten Ziffern, die bis zum März 1938 reichen, sind aufschlussreich genug. Im ganzen Jahre 1937 wurden bei den palästinensischen Landgerichten insgesamt 64 Konkursverfahren durchgeführt. Und zwar wurden, nach den geltenden gesetzlichen Normen, sieben „Winding up-Orders" gegen Aktiengesellschaften und 57 Receiving-Örders gegen offene Handelsgesellschaften oder Individualschuldner erlassen. Im ersten Quartal 1938 wurden insgesamt 23 Konkursverfahren verzeichnet. Man muss einige Daten aus anderen Quellen heranziehen, um diese Grössenordnungen beurteilen zu können. Mitte 1937 gab es, nach dem Zensus der Jewish Agency, allein im jüdischen Sektor 1556 Industrie-und'4050 Handwerksbetriebe. Die Zahl der Gross- und Einzelhandelsbetriebe ist, nach einer privaten Schätzung, auf etwa 5000 bis 6000 zu veranschlagen. Hinzu kommen noch, um nur einige Beispiele zu nennen, die Banken, Finanzunternehmungen, das ganze Transportgewerbe und schliesslich die Tausende von Betrieben der Landwirtschaft. Und aus dieser grossen Zahl wurden im schwersten Krisenjahr 1937 nur insgesamt 64 gerichtsnotorische Zusammenbrüche gemeldet Auf der anderen Seite wurden in demselben Jahre allein 207 neue Aktiengesellschaften gegründet und bei der Durchführung des erwähnten Industriezensus ergab sich, dass allein im ersten Halbjahr nicht weniger als 582 neue jüdische Industrie- und Handwerksunternehmungen entstanden sind, zumeist Mittel- und Kleinbetriebe, die nicht in Form der Aktiengesellschaften gegründet worden sind. Selbst wenn wir ausser acht lassen, dass ein Teil der Konkurse nicht die endgültige Liquidierung, sondern eine Sanierung des Unternehmens zur Folge hat, kommen wir zu dem Ergebnis, dass in der gleichen Zeit, in der — unter Hinzurechnung der anderen Wirtschaftszweige — mindestens mehr als 1000 neue Unternehmungen gegründet wurden, nur 64 durch Konkurs verschwunden sind. Ein neuer Widerspruch scheint sich aufzutun. Er wird auch durch die Betrachtung der tatsächlichen Konkursverluste nicht aufgeklärt. Die 64 in Konkurs geratenen Unternehmungen hatten zusammen 144 000 LP Aktiva und 292 000 LP Passiva. Der theoretische Konkursverlust betrug also rund 150 000 LP. Im gleichen Jahre wurden, nach einer Schätzung der Anglo Palestine Bank, in der jüdischen Wirtschaft rund fünf Millionen LP neu investiert. Die erwähnten 207 neuen Aktiengesellschaften hatten ein registriertes, allerdings noch nicht voll eingezahltes Kapital von rund einer Million LP, das Kapital der genannten 582 neuen Industriebetriebe darf auf mindestens eine halbe Million LP veranschlagt werden. In diesem Zusammenhang muss noch erwähnt - werden, dass die erkennbaren Verluste durch Kapitalreduktion von Aktiengesellschaften nur minimal sind. In demselben Jahre, in dem durch Gründung neuer und Kapitalerhöhung bestehender Gesellschaften rund 3.8 Millionen LP neuen registrierten Aktienkapitals entstanden sind, haben nur insgesamt vier Gesellschaften ihr Kapital um zusammen 8000 LP herabgesetzt. Unzweifelhaft zeigen diese Zahlen eine bemerkenswerte wirtschaftliche Widerstandskraft. Aber es wäre selbstverständlich falsch, zu glauben, dass mit diesen kleinen Summen die Krisen Verluste der - jüdischen Wirtschaft erschöpft sind. Man muss schliesslich, ausser den echten Krisenwirkungen in Betracht ziehen, dass nach einer so laugen Periode geradezu stürmischer Investitions-" und Gründungstätigkeit ein gewisser Abschreibungsbedarf in allen Ländern und unter allen Umständen fällig geworden wäre. Die Ausmerzung von Fehlinvestitionen, die Auslese des leistungsfähigsten Betriebes unter mehreren Neugründungen einer Branche — all diese wohl ziemlich unvermeidlichen Aufbau-Korrekturen sind auch Palästina nicht erspart geblieben. Aber vielfach sind diese Prozesse, durch freiwillige Liquidation, durch Stillhaltung oder anderweitige Konzessionen der Gläubiger und schliesslich auch durch gewisse Sanierungsaktionen, die teilweise unter Mitwirkung " der öffentlichen Hand durchgeführt wurden, abgewickelt worden. . Die wirkliche "Baubilanz Jedenfalls kann man aus der Insolvenz- Statistik den Schluss ziehen, dass die Kriseiiyerluste nicht so gross waren wie der Kapitalzuwachs durch neue Investitionen. Dieser Eindruck eines weiteren Wachstums wird auch durch die Korrektur der Baubilanz, die jetzt das wirtschaftliche Forschungsinstitut der Jewish Agency vorgenommen hat. bestätigt. Nach der regelmässigen amtlichen Monatsstatistik war 1937 der Umfang der neuerteilten Bauerlaubnisse — nach der bebauten Fläche berechnet — in den vier grössten Städten des Landes um 52 % Prozent geringer als 1935 und um ungefähr 20 Prozent geringer als 1936. Neben dieser Monatsstatistik gibt es noch eine amtliche Jahresstatistik, w-elche die Summe der im Neubau investierten Beträge für 30 Städte des Landes erfasst Für 1937 betrug diese Summe 4,15 Millionen gegen 5,71 Millionen im Vorjahr und 8,44 Millionen im Konjunkturjabr 1935. Mehr als 90 Prozent des Betrages entfallen auf die grössten Städte: Tel- Aviv. Jerusalem. Haifa und Jaffa. Ausserdem haben die 30 Städte zusammen rund eine viertel Million für Strassenbauten ausgegeben. Dieser Zweig der Bautätigkeit hat sich nicht vermindert Es wurde jedoch "schon oft darauf hingewiesen, dass diese ganze Erhebung grosse Lücken enthält. Mit der fortschreitenden Bedeutung der Siedlungs- und Bautätigkeit auf dem Lande, in Dörfern und Kleinstädten sinkt der Anteil der ■■■ grossen Städte an der Beschäftigung des Baugewerbes. Das Forschungsinstitut hat durch Umfrage festgestellt, dass sich die Bautätigkeit auf dem Lande und in den kleineren Städten, namentlich soweit es sich um Arbeiten der Regierung oder jüdischer öffentlicher und halböffentlicher Organe handelt, nicht wesentlich gesunken ist Alle diese Dörfer, Gemeinden und Landbezirke und Landstädtchen sind aber in 30 Städten der amtlichen Statistik nicht enthalten, auch nicht ein in der Entwicklung befindlicher Ort wie Nathania, das allein im leizten Jahre mehr als 80 000 Pfund im Neubau investiert hat. Man darf also annehmen, dass im jüdischen Sektor der ländlichen Wirtschaft der Siedlungs- und. Strassenbau zum mindesten nicht annähernd so stark gesunken ist. wie man nach den Ergebnissen der „grossstädtischen" Statistik annehmen müsste. - Aber auch der Durchschnitt de»- vier Grossstädte war durch den Absturz der Bautätigkeit in Jaffa, der auf mir 15 Prozent des Prosperity-Standes gesunken ist erheblich gedrückt. Jaffa hatte in besonderem Ausmasse von der jüdischen Prosperity Nutzen gezogen, erlebte aber seit 1936 -durch die selbstgewo^lte Ablösung vom jüdischen Wirtschaftssektor einen empfindlichen Rückschlag. Auch das jüdische Tel-Aviv, das ebenfalls besonders stark in der Prosperity gewonnen hatte, bekam die Krise be-' sonders empfindlich zu spüren, aber doch nicht annähernd so stark wie die Nachbarstadt Jaffa. Man wird also zusammenfassend die Schlussfolgerung rechtfertigen dürfen, dass die jüdische Bautätigkeit in Stadt und Land nicht so stark zusammengeschrumpft ist, wie man nach dem amtlichen Index der Bautätigkeit für die vier grossen Städte befürchten müsste. Diese Behauptung lässt sich aber auch zahlenmässig rechtfertige;!. Das Forschungsinstitut hat einen Index des Zementverbrauchs errechnet, der sich auf die jüdische und arabische Wirtschaft des ganzen Landes erstreckt Dieser Index aber zeigt "gegenüber 1935 nur einen Rückgang um etwa ein Drittel, gegenüber dem Vorjahr sogar nur einen Rückgang um weniger als % Prozent. Demnach ist die jüdische Bautätigkeit nicht, wie der städtische Index aussagt, um mehr als die Hälfte, sondern höchstens um ein Drittel zurückgegangen. Eine derartige Schrumpfung bei einer so wichtigen Schlüsselindustrie ist immer noch ernst genug für die Gesamtwirtschaft des Landes. Aber diese neue Erkenntnis beweist immerhin, dass die Bautätigkeit sich noch immer auf einem beachtlich hohen Niveau hält" Wann und wo finden Sie Rat? Xorddeutscblanti Haunorer | Ifit-U-ochs. Iß—IS Uhr. Unischaftmasse 6, ptr. (Bankhaus ifeyerstein). f

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