Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 25 (23.6.1938)
- Date
- 1938-06-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-2278191-2278213--12938-2291818- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 C-V.-Zaitung Nr.25 * 23.Jum1938 Der Westen und Süden ist von Weissen nur ganz dünn besiedelt, das Landesinnere überhaupt leer. Die Gründe der Untervölkerung sind mannigfach. Zunächst ist das wüstenartige Innere und vielfach auch der tropische Norden für eine Ansiedlung durch Weisse unbrauchbar. Die weissen Arbeiter, welche Magister SCinch Der gute Likör, Magister, München Vi/\ die Mais- und Zuckerrohrfelder Queenslands bestellen, können das Klima nur unter gesundheitlicher Schädigung ertragen. Vor allem ist es jedoch der Arbeiterpartei gelungen, eine Einwanderung grösseren Ümfanges zu drosseln. Denn sie fürchtete, dass der Zuzug Fremder in grösseren Massen das ungewöhnliche Lohn- und Lebenshaltungsniveau des eingesessenen australischen Arbeitnehmers erschüttern werde. Infolgedessen ist weder eine intensive Bodenausnutzung in der australischen Landwirtschaft noch eine systematische Qualitätsförderung in der australischen Industrie bisher möglich gewesen. Zu dem sozialpolitischen Gesichtspunkt der einwanderungsfeindlichen Arbeiterpartei kam aber noch ein allgemein #t^alerarfeeite&i / Eduard Gisser Berlin NO 55, Greifswalder Strasse 88. 53 50 59nationalpolitischer hinzu. 96 Prozent der australischen Bevölkerung sind britischer Abstammung; und die bedingungslose Hingabe an die britische Volksart und Kultur ist die Forderung, die der australische Nationalismus an jeden Bewohner des Laiides stellt. Deshalb wurde in demselben Jahre 1901, als der Australische Bund sich zusammenfand, die Einwanderung der Farbigen verboten. Nur verhältnismässig wenige Farbige leben vorwiegend in den nördlichen Teilen Australiens; hauptsächlich sind es vor 1901 eingewanderte Chinesen, die sich als kleine Handwerker, Krämer und Gemüsezüchter betätigen. Obwohl zur Besiedlung des menschenleeren tropischen Nordaustralien Farbige hervorragend geeignet wären, hat die australische Regierung an dem Emwanderungsverbot festgehalten. Weder der raumpolitische Druck der übervölkerten Nachbarwelt noch deren Wichtigkeit als Abnehmer australischer Urprodukte haben daran etwas zu ändern vermocht. Die uns besonders nahegehende Frage der jüdischen Einwanderung werden wir daher nur unter dem Aspekt der gesamten australischen Einwanderungspolitik betrachten dürfen. Die Zahl der dort bereits eingesessenen Juden ist gering. Sie sind schon in den Anfängen der dichteren Besiedlung, mit der die Nationalgeschichte des weissen Australien beginnt, in das Land gekommen und allmählich zu einer Gemeinschaft von ungefähr 27 000 Menschen angewachsen. Sie . leben hauptsächlich in Sydney, Melbourne und Perth. Sowohl ihrem Glauben wie ihrer Heimat sind sie treu ergeben. Als in den letzten Jahren die Frage des Lebensraumes der Juden in Mittel- und Osteuropa in ein kritisches Stadium trat, tauchte schon 1933 das Projekt auf, den jüdischen Wanderungsstrom in den menschenleeren Raum Nordaustraliens zu lenken. Die australische Regierung lehnte den Plan einer jüdischen Massensiedlung jedoch im Februar 1934 wegen eventueller politischer Verwicklungen und aus Sorge vor einer Belastung des Arbeitsmarkts ab. Die Erinnerung an die Weltwirtschaftskrise war noch nicht verblasst. Obwohl die Einwanderungsbeschränkung im März 1936 auf Grund der wirtschaftlichen Erholung ein wenig gelockert wurde, blieb dennoch eine Einwanderung, die von Fall zu Fall einer behördlichen Genehmigung bedurfte, nach wie vor sehr schwierig."Am Ende desselben Jahres gab die australische Regierung durch den Mund ihres Ministerpräsidenten eine bedeutsame Erklärung zur Einwanderungsfrage ab. Sie gab offen zu, dass eine dichtere weisse Bevölkerung für Australien notwendig sei. Die wiederum günstige Wirtschaftslage gestatte die Aufnahme eines stärkeren Zustroms. Weder Landwirte noch Kaufleute, sondern Industrielle, technische Fachleute und Handwerker seien für eine Einwanderung erwünscht. -Zur gleichen Zeit machte der Ministerpräsident von Queensland eine einladende Geste, namentlich für Einwanderer, die eigenes Kapital mitbringen würden. Vereinzelte Stimmen wagten sich hervor, die eine Hinzuziehung italienischer Bergarbeiter und griechischer Pflanzer im gesamtwirtschaftlichen Interesse empfahlen. Aber unter dem Druck der Arbeitergewerkschaften wurde der Plan einer Masseneinwanderung abgestoppt und an dem System einer streng regulierten Einzelzuwanderung festgehalten. Der Druck E. SCHEIN O W 15, Duisburger Str. 1 TELEFON: 92 42 31 der Arbeiterbewegung hat jedoch das Interesse der Landesverteidigung und der nationalen Wirtschaft als Gegendruck erzeugt. Die Einsicht wächst, dass man bei dem „Einkindersystem" der Bevölkerungsbeschränkung den Kontinent weder verteidigen noch ohne genügend Facharbeiter industrialisieren kann. Als im Gefolge der bekannten Aktion des Präsidenten Roosevelt das alte Projekt einer jüdischen Massensiedlung in Nordaustralien wieder am politischen Horizont sichtbar wurde, hat der australische Innenminister erklärt, Australien könne an Juden keine Sonderbegünstigungen für die Einwanderung aus Europa gewähren. Es ist uns nicht erinnerlich, dass die jüdischen Auswanderer aus Europa eine besondere Bevorzugung vor anderen einwanderungswilligen Kategorien beansprucht hätten. Sie haben auch volles Verständnis dafür, dass britische Reichsangehörige bei der Einwanderung in ein Dominion den Vorrang, gemessen. Aber sie sind auf der Suche nach leerem Land. Vor den Toren des Kon- Carl Zobel KurfiSretwwÄ? 107 Telef. 242953 Feine Herrenu. Damenkleidung nach Mass. Gr. Sto-ffauswahl. tinents, von denen sich bisher nur ein schmaler Spalt für weisse Einwanderer geöffnet hat, warten sie geduldig auf Einlass. Werden sie vergeblich"warten? Dr. Fritz Friedlaender. Reiseeindrüeke aus Neuseeland Von Wolf gang S. Matzdorff Auckland N. Z., Anfang Juni. Kurz vor der Einfahrt in Auckland gehen die neuseeländischen Einwanderungsbeamten an Bord. Ihr Boot führt die Staatsflagge, den Union Jack mit den vier Sternen des Kreuzes des Südens, das uns seit etwa zehn Nächten begleitet. Die wenigen Einwanderer nach Neuseeland werden von Bekannten und einem Beauftragten des jüdischen Hilfskomitees in Empfang genommen, der sich . auch über die Wünsche der übrigen nach Australien weiterfahrenden jüdischen Auswanderer informiert. Wenige Stunden später sitze ich dem Leiter des jüdischen Hilfskomitees gegenüber, der mich in seinem sechsstöckigen Geschäftshaus empfängt. An der Hausfront steht das Gründungsjahr 1S40; dieses Unternehmen wird also in zwei Jahren zusammen mit der jetzt schon vorbereiteten Jubiläumsfeier der hundertjährigen Wiederkehr des Tages, an dem unter D i s r a e 1 i Neuseeland Grossbritannien angeschlossen wurde, ebenfalls auf ein hundertjähriges Bestehen in diesem Kolonialland zurückblicken können. Der Leiter des Hilfskomitees war so freundlich, sich für die C.-V.-Zeitung wie folgt zu äussern: Im Laufe des letzten Jahres sind ungefähr 200 Juden aus Deutschland in Neuseeland eingewandert Soweit statistisch festgestellt werden kann, sind bis zum Dezember 1937 ungefähr 173 Permits ausgegeben worden. Unter diesen Permit-Empfängern sind zweifellos Personen, die das Permit erhalten, aber es nicht ausgenutzt haben, weil sie voraussichtlich auch die Einwanderungserlaubnis für ein anderes Land erhalten haben und dorthin eingewandert sind. Diese Praxis ist bedauerlich, da die Permits zwei Jahre lang gültig sind und die Regierung immer die Zahl der noch ausstehenden Einwanderer in Betracht zieht, bevor sie neue Permiis erteilt. Nahezu alle Einwanderer nach Neuseeland haben Arbeit gefunden und sich als fähige Menschen erwiesen; selbstverständlich sind auch einige ungeeignete Menschen nach Neuseeland gekommen, die dem Komitee viel Unannehmlichkeiten bereiten und Geld kosten. Aber das ist unvermeidlich. Besonders wird über die geringfügigen englischen Sprachkenntnisse geklagt. Ohne gute englische Sprachkenntnisse keine Arbeit! Man weiss nicht, welches die genauen Bedingungen der Einwanderung nach Neuseeland sind; die Regierung prüft jeden einzelnen Fall und erteilt das Permit nach individuellen Gesichtspunkten, die dem Komitee unbekannt sind. Eine unbegrenzte Einwanderung nach Neuseeland ist wegen der beträchtlichen Arbeitslosigkeit nicht möglich. Kauileute und Vertreter haben wenig Aussichten, in Neuseeland weiterzukommen, aber sachkundige Handwerker, Architekten, Zimmerleute und Landwirte sind gesucht Das Komitee suchtzu helfen und steht mit der Regierung in Verbindung, um weitere Permits zu erlangen. Die Judgn in Deutschland sollen überzeugt sein, dass?idfte Neuseeländer Juden alles tun, um zu heHga, aber nur die können auf Unterstützung rechnen, die Juden bleiben; das Komitee hat Veranlassung, gerade hierauf besonders hinzuweisen. Um sich ein Bild von den Möglichkeiten in Neuseeland zu machen, muss man wissen, dass ' dieses Land von der Grösse Englands und Schottlands nur etwa 1,2 Millionen Einwohner hat. Von den etwa 250O Juden leben 900 in Wellington und 800 in Auckland, der Rest in kleineren Orten. Das jüdische Leben ist rege und gemeindliche Zusammenschlüsse sind in allen Orten zu finden. Der Neuseeländer Jude legt auf Beteiligung am religiösen Leben Wert und erwartet auch vom jüdischen Einwanderer eine Teilnahme am jüdischen Leben. In Auckland sahen wir die Synagoge und den Jüdischen Klub, der den Mittelpunkt für einen Teil der Bevölkerung darstellt. Die Einwanderer unter sich haben einen verhältnismässig engen Zusammenschluss, der eine nichtunwesentliche Hilfe darstellt Die soziale Stellung der Juden in Neuseeland ist beachtlich, so ist unter anderem der Bürgermeister von Auckland sowie der Shief Justice, der auch Stellvertreter des High Commissioners ist, Mitglied einer jüdischen Gemeinde. In Auckland ist an einem der schönsten Berge, auf denen die Stadt sich hinzieht, vor etwa zehn Jahren ein Kriegserinnerungsmal errichtet worden, das gleichzeitig als Musum neben anderen Schätzen Sammlungen aus dem Lebsn der Maonen, der Ureinwohner Neuseelands, enthält. In den äusseren Umfassungsmauern sind die Schlachten eingemeisselt, in denen im Weltkriege Neuseeländer Truppen gekämpft haben. Eine besondere Säule ist den.Kämpfen in.Palästina gewidmet. In Wien starb der Schriftsteller und Journalist Faoul Auernheimer im Alter von 62 Jahren. Er war am 15. April in Wien geboren, gehörte lange Zeit der Redaktion der „Neuen Freien Presse" an und schrieb zahlreiche Novellen und Lustspiele.?ü" Portraits aus der Welt des jiddischen Theaters Von W. Kruszynski L Esther Kaminski Das jiddische Theater, das künstlerische jiddische Theater ist noch jung. Knapp sechs Jahrzehnte umfasst seine. Geschiebte, seit es begann, sich aus dilettantischer Theaterspielerei zu der staunenswerten Höhe künstlerischer Vollendung zu entwickeln, die wir heute an den Vorstellungen eines Morris Schwarz in dem seinen Namen tragenden „Kunst-Theater" in New-York oder auch in dem ..Jung-Theater" Michael Weicherts in Warschau bewundern können. Dieser schnelle Aufstieg wurde zwar gefördert durch die gleichzeitige Entwicklung der jiddischen Literatur und begünstigt durch die besondere Aufgeschlossenheit des jiddisch als Muttersprache sprechenden Publikums für die Reize der Bühne, er wäre in seiner Schnelligkeit trotzdem nicht möglich gewesen, wenn die Vorsehung nicht in rascher Folge eine Reihe von Persönlichkeiten geschaffen hätte, die als Darsteller oder Spielleiter dem jiddischen Theater den Stempel ihrer Genialität aufprägten. An der Spitze aller dieser Pioniere steht Esther Rachel H alpern, berühmt geworden unter dem Namen ihres Mannes: Kaminski. Ihr hat nicht erst die Nachwelt, ihr haben schon die Mitlebenden den Namen ..Mutter des jiddischen Theaters"1 gegeben, und unter diesem Ehrentitel wird sie im Pantheon der jüdischen Bühne fortleben. Esther Rachel Halpern wurde 1870 in Porosowo, einem jüdischen Städtchen Litauens, geboren und beteiligte sich schon in früher Jugend an Dilettantenauüuhrungen. Ihre starke Begabung fiel allgemein auf. und so pilgerte sie nach Warschau, um sich dort ganz dem geliebten Theaterspiel widmen zu können. Nach mancherlei Versuchen fand sie eine Anstellung am „Eldorado-Theater", verheiratete sich 1893 mit dem Schauspieler Avrom Jizchak Kaminski und war von da an 33 Jahre als Schauspielerin und Theaterieiterin unermüdlich bis zu ihrem letzten Atemzug tätig. Als sie ihre Laufbahn begann, war das jiddische Theater im allgemeinen ein Amüsierinstitut niederen Ranges: Sein Spielplan bestand fast nur aus Possen, Melodramen und sogenannten Volksstücken. Die Darsteller — auch soweit sie berufsmässig Theater spielten — waren Dilettanten. Man agierte wie man wollte und wie man konnte. Regisseure in dem uns geläufigen Sinn des Wortes kannte man nicht. Die Leiter der jiddischen Theatertruppen hatten nur den Ehrgeiz, ihre Kassen zu füllen. Wie das geschah, kümmerte sie wenig. In den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts machte sich zwar eine Wendung zum Besseren bemerkbar, aber diese Besserung war immer nur gradueller, nicht prinzipieller Art. Man jätete auf dem verwilderten Felde der Kunst manches wildwuchernde Unkraut aus. aber man konnte sich nicht dazu aufraffen, den ganzen Acker von Grund aus umzupflügen und neu zu bestellen. Auch Esther Kaminski hat nicht als Reformatorin des jiddischen Theaters begonnen. Zunächst entwickelte sie sich an der Seite ihres Gatten zu einer guten und in raschem Wachstum zu einer den besten Schauspielerinnen ihrer Zeit ebenbürtigen Künstlerin. Ihr Ruf als Darstellerin jugendlicher Liebhaberinnen charakteristischer Prägung stand bald unbestritten fest, Beseelt von elementarer Unmittelbarkeit, aber mit vorbildlicher Schlichtheit der Ausdrucksmittel verstand sie es, ihre Zuschauer durch alle Tiefen und Höhen der Empfindungen zu führen, sie mitzureissen und zu bezaubern, sie zu willenlosen Sklaven ihrer Kunst zu machen. Aber auf die Dauer genügte dem hochfliegenden Geist der Kaminski die' Tätigkeit als Darstellerin nicht. Sie wollte mehr als eine gute Schauspielerin sein, sie wollte das jiddische Theater zu der gleichen Höhe der Entwicklung emporsteigern, die das Theater der Umwelt bereits seit langem erreicht hatte. Das konnte sie nur als selbständige Leiterin eines Theaters. Und so gründete sie im Verein mit ihrem Gatten im Jahre 1905 das „Kaminski-Theater" in Warschau und damit das erste literarische jiddische Theater überhaupt. Auf dem Höhepunkt ihres Wirkens gelangen ihr Aufführungen, deren Glanz noch heute nicht verblasst ist, und deren Prinzipien in den besten Leistungen eines Alexander Granowski, eines Morris Schwarz oder Michael Weichert noch jetzt spürbar sind. Der künstlerische Hochstand des jiddischen Theaters der Gegenwart ist zu einem nicht geringen Teil ihr Werk. Dabei gab es für sie niemals Rücksichten auf den Geschmack des Publikums: Die breiten Bettelsuppen der Possen oder Rührstücke waren von ihrer Bühne ebenso streng verbannt, wie ehedem der Hanswurst von der Bühne der Neuberin, jener Reformatorin des Theaters 170 Jahre vor ihrer Zeit. Wohin sie kam — und sie ist mit ihrer Truppe von Stadt zu Stadt,1 von Land zu Land gezogen — überall hat sie anregend und beispielgebend gewirkt und dem jiddischen Theater begeisterte Freunde geworben. Auf ihrem Spielplan fehlten neben den neueren jiddischen Autoren — mit besonderer Vorliebe spielte sie die Stücke von Pinski und Gordin — auch die wertvollen Werke aus der Weltliteratur nicht. So war ein Glanzstück ihrer Truppe Ibsens „Nora", in der sie die Titelrolle mit dem ganzen Aufgebot ibrer künstlerischen Mittel verkörperte. Während des Weltkrieges blieb ihre Wirksamkeit naturgemäss auf Warschau und die grösseren polnischen Städte beschränkt. Nach seinem Ende waren ihr nur noch acht Jahre eines rastlosen, nur der Kunst gehörenden Lebens beschieden, in deren Verlauf sie ihre Truppe nochmals zu Gastspielen in die westeuropäischen Hauptstädte führen konnte. Ihren künstlerischen Idealen hat sie bis zum letzten Atemzug die Treue gehalten. Es ist bezeichnend, dass sie als Darstellerin mit zunehmendem Alter ein Mass von Gestaltungskraft erreichte, durch das sie die Schaffungen ihrer früheren Perioden noch zu überb en vermochte. So bleibt ihre Verkörperung der Mutter in Jacob G o r d i n s „Mirele Efros" unvergessen. Hier gab sie ein bis in die letzteu Einzelheiten vollendetes Bild einer jüdischen Mutter, die sich mit der ihrem Schoss entsprungenen Folge der Geschlechter auch nach dem eigenen leiblichen Ende verantwortlich und untrennbar mit ihnen verbunden fühlt. Als Esther Rachel Kaminski, noch nicht sechsundfünfzigjährig, die Augen für immer schloss, stand sie noch imZenith ihres Könnens, aber ihre eigentliche Mission war im wesentlichen erfüllt. Sie war die Wegbereiterin des künstlerischen jiddischen Theaters geworden und sie durfte die Gewissheit mit sich hinübernehmen, dass die Spuren ihres Wirkens auch in den Leistungen ihrer Nachfahren auf lange Zeit unverwischbar sein würden. Die „Mutter des jiddischen Theaters'' ist nicht tot, sie lebt fort in dem ehrfürchtigen Gedenken ihrer Nachwelt. (Wird fortgesetzt) Theater9 Musik, Film David P i n s k 5, der bekannte Verfasser des ostjüdisch-sozialen Dramas „Eisik Scherte!", hat eine neue Tragikomödie „Der Schneider wird Krämer" verfasst, die am Dailys Theatre in New-York mit Erfolg aufgeführt wurde. « Stefan Zweigs „Jeremias"' wurde in Ermelo (Holland) mit Erfolg zur Aufführung gebracht. * In den Mozart-Aufführungen, die die Glyndebourne Opera (England) veranstaltet, wirkt Irene E i s i n - g e r in Hauptrollen von „Figaro" und „Cosi fan tutte" mit. ¥ Bronislaw Huberman ist fast völlig genesen. Er wird sein© künstlerische Tätigkeit in Kürze wieder aufnehmen. « Die Tiergartenkonzert« des B u d a p e s t e r Konzertorchesters wurden mit der Wkdersabe von Offenbachs „Hoffraanns Erzählungen" eröffnet. Die Titelrolle sang der von der Berliner Kulturhundaufführung bekannte Paul F e h e r. # Hermann S c h e y wurde als Lehrer für Sologesans an das Amsterdamer Konservatorium berufen. * Der italienische Botschafter in London. Gra.ndi, gab zu Ehren Alexander Kordas ein Frühstück. Kordas Fürnunternehmen, die „London Film Production", hat auf der V. Internationalen Filmkonkurrenz in Venedig für die Filme „Victoria the Greet" und „Elephant Boy" den Ehrenpokal erhalten, # Am Carlton-Theatre in London wurde ein neuer Film von Fritz Lang „Jon and Me" aufgeführt. „Idl mit'n Fidl", der jüdische Tonfilm, der in Berlin fast eineinhalb Monate mit Erfolg gelaufen ist, hat nun seinen Weg durch die grossen jüdischen Gemeinden im Reich angetreten und eine Reihe erfolgreicher Aufführungen in Breslau, Hamburg, Leipzig und Düsseldorf erlebt. Weitere Aufführungen finden in den jüdischen Gemeinden der Grossstädte im Laufe der kommenden Monate statt. Es ist daran gedacht, später besondere Vorführturneen in den mittleren und kleineren Gemeinden durchzuführen. Zur Reise kauft die Dane bei W. Bernhard Nachf. Xieider, Mänfei, Kostüme, Blusen * Betiii SW 61, BeUe-lUaici-Str.lOS u.101 (BalteschesTsrJ