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Central-Verein-Zeitung · 1938-06-09 · 23 (9.6.1938) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
23 (9.6.1938)
Date
1938-06-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Nr. 23* 1. Beiblatt CYZeitung 9. Juni 1938 * Seite'3 Die Reichsorganisation der Juden In der Zeitschrift „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik" vom Juni 1938 veröffentlicht Dr. Arthur Lilienthal einen Aufsatz „Gemeinden und Reichsvertretung", in dem er besonders eingehend und sachverständig die Folgen behandelt, die sich aus dem Gesetz über die Rechtsverhältnisse der jüdischen Kultusvereinigungen vom 28. März 1938 ergeben. Das Gesetz bestimmt, dass die jüdischen Kultusvereinigungen und ihre Verbände in Zukunft Rechtsfähigkeit durch Eintragung ins Vereinsregister erlangen, und dass diejenigen Kultus- Vereinigungen und ihre Verbände, die bisher die Stellung von Körperschaften öffentlichen Rechtes besassen. diese Eigenschaft vom 1. April 193S ab verlieren und von diesem Zeitpunkt an rechtsfähige Vereine des bürgerlichen Rechtes sind. Im Eingang seiner Ausführungen weist Lilienthal auf einige besonders wichtige Folgen dieser Aenderung der Rechtslage hin. um dann zum Schluss die Gesichtspunkte zusammenzufassen, die sich für einen neuen Gesamtaufbau des jüdischen Lebens aus der veränderten Rechtslage ergeben. Daraus, dass die bisher öffentlich-rechtlichen Körperschaften sich in privatrechtliche Vereine verwandeln, ergibt sich, worauf LilienIhal mit Recht hinweist: ..Die organisatorischen Grundlagen* für die Weiterarbeit der Gemeinden bestehen fort." Die Arbeit des bisherigen Vorstands, der bisherigen Repräsentantenversammlung geht bei unveränderter Zusammensetzung fort. Der Vorstand vortritt nach wie vor die Gemeinde. Er und die alte Repräsentationsversammlung entscheiden über notwendige Satzungsänderungen. Steuerbeschiii?se. die vor dem 1. April 1938 gefasst sind, werden nicht gegenstandslos, sondern müssen erfüllt werden. Natürlich erfordern die neuen Bestimmungen Satzungsänderungen. Mit Recht wei^t Lilien:hal ciarauf hin. dass die darauf abzielenden Bestrebungen in die rechte Richtung gelenkt werden müssen. Insbesondere betont er, dass es auch jetzt notwendig bleiben wird, bei aller erforderlichen Sparsamkeit, die Verwaltungskörperschaf teil nicht so klein zu ■ machen, dass sie die ständig notwendige Fühlungnahme zwischen Gemeinde und den einzelnen Juden^verlieren. „Unter diesem Gesichtspunkt sollte die Abschaffung der Repräsentantenversammlung — mit Ausnahme der kleinen Gemeinden selbstverständlich, in der Briefmarken - Fritz Lewin Berlin W 35, Lütrowsrrasse 91 A. die wichtigsten Dinge vor die Mitgliederversammlung gebracht werden können .— keinesfalls ins Auge gefasst werden." Dieser Ansicht Lilienlhals wird zuzustimmen sein: sie ist auch an leitender Stelle dieses Blattes kürzlich vorgetragen worden. Seinen Ausführungen über den Gesamtaufbau der jüdischen' Arbeit stellt Lilienthal folgenden Grundsatz voran: „Eine Gruppe, die mit immer beschränkter werdenden Mitteln einen Aui'lösungsprozess zu meistern hat, ist darauf angewiesen, mit einer zweckvoll gestalteten Organisation das Mögliche an einheitlich gelenktem Einsatz, an rationeller Verwendung der Gelder und an Konzentration auf die lebensnotwendige Arbeit zu leisten." — Ein Grundsatz, dem jeder zustimmen wird. Aus der neuen gesetzlichen Regelung folgt, dass man Mitglied einer Gemeinde nur durch Eintritt werden kann. So werden Kinder nicht mehr ohne weiteres Mitglied der Gemeinde. Eine weitere Folge, dass auch durch den Umzug von einer Gemeinde in die andere die Mitgliedschaft zur jüdischen Gemeindeorganisation verlorengeht, muss aber bei Angleichung der Salzungen der Gemeinden an den neuen Rechtszustand vermieden werden. Dies ist möglich: „Wenn alle Juden in Deutschland eine grosse Vereinigung bilden, "deren Mitglied jeder einzelne -Jude ist, ganz gleich, wo er wohnt. Die Mitglieder dieser Reichsvereinisiunr» sind laut, ihrer Satzung an jedem Ort, in dem Juden wohnen, zu örtlichen Gruppen zusammengefasst, die Glieder der Reichsvereinigung sind. Jedes Mitglied der Gesamtvei^nigung gehört kraft Satzungsbestimmung der Gliedgruppe des Wohnsitzes -an. Dieseörtlichen Gruppen sind die Gemeinden." ..Wenn damit die Frage der Mitgliedschaft von Zuziehenden gelöst ist, so ist damit gleichzeitig ein klarer Aufbau der Reichsorganisation geschaffen: Ihre Mitglieder sind die einzelnen Juden in Deutschland, die, durch ihre Gemeinden und damit gleichzeitig in ihrer Arbeit auf die Gemeinden aufgebaut. Die Gemeinden, als eingetragene Vereine Träger von Vermögensrechten, werden diejenigen Angelegenheiten, die ihrer Natur nach nur "den örtlichen Kreis berühren oder sich gar einer zentralen Regelung entziehen, wie die Frage des Gottesdienstes,' auch in Zukunft autonom erledigen. Die Reichsorganisation wird diejenigen Dinge, die einer Einheitlichkeit bedürfen, einer solchen zuführen und die Gemeinden auf * diesen Arbeitsgebieten mit den notwendigen Richtlinien versehen." Da es dieser Reichsorganisatiön nicht möglich sein wird, alle Angelegenheiten von Berlin aus zu regeln, befürwortet "Lili enthal die Schaffung von Mittelinstanzen, die nötig seien, da die weit von Berlin entfernten Gemeinden einer Stelle bedürfen, die den Menschen und den Dingen näher ist, als es die Berliner Zentrale in der Regel sein könne. Dieser Gesichtspunkt spricht insbesondere für Aufrechterhaltung der süddeutschen Landesverbände. Dagegen sieht Lilienthal k ei n e Notwendigkeit iiir Aufrechterhaltung des Preussischen Landesverbandes, der in Wahrheit keine Mittelinstanz, sondern selbst eine zentrale Instanz sei. Die Beseitigung einer solchen, zentralen Instanz neben der Reichs Organisation sei daher eine der wichtigsten Aufgaben d'fes neuen zentralen Arbeitsaufbaues. Der Aufbau im einzelnen müsse, worauf Lilienthal, mit Recht hinweist, jeden Schematismus vermeiden und bei der Aufgabenverteilung sich bestellender gut arbeitender Organisationen, wie z. B. der süddeutschen Landesverbände, weitestgehend bedienen. Lilienthal folgert aus seinen Vorschlägen mit Recht: ..Ein solcher Aufbau des Gemeindewesens würde die notwendige Einheit verbinden mit der erforderlichen Dezentralisierung und der Freiheit des selbständigen Arbeitens da. wo Menschen und Einrichtungen dafür vorhanden sind." Den Ausführungen Lilienthals kann von uns aus nur zugestimmt werden. Sie zeigen uns in grossen Zügen den Weg, auf dem bei der gegebenen gesetzlichen Lage die bestmöglichste Arbeit geleistet werden kann. Sie beschäftigen sich — gemäss dem gewählten Thema — nur mit den Fragen, die sich für eine Neuregelung des Verhältnisses der Gemeinden mit ihren Mitgliedern und mit der Reichsvertretung der Juden in Deutschland ergeben. Darüber hinaus wird die Aufgabe der neuen Reichsorganisation sein, die nötige Verbindung zu den jüdischen grossen Organisationen, die die Reichsvertretung der Juden in Deutschland gesinnungs- und arbeitsmässig mittragen, aufrecht zu erhalten und festzulegen. Dann wird die Reichsorganisation ihrer' Aufgabe, das gesamte jüdische Leben in sich zusammenzufassen, gerecht werden. K. F. * * Für die jüdische Öffentlichkeit wirkt es beruhigend und erfreulich zugleich, dass der Sachbearbeiter der Reichsvertretung für diese Fragen in so offener und freimütiger Weise den von ihm vertretenen Standpunkt der öffentlichen Kritik unterbreitet. Es würde ohne Frage der Verwirklichung des von Lilienthal gewünschten Endziels dienlich sein, wenn der eine oder andere, der sich hinter den Kulissen um die Asphaitierunsen 'SSÄSV«'5 Pflasterungen. Bürg-ersteigre. — «Telephon: 92 47 5G Durchsetzung persönlicher Ansichten in diesen organisatorischen Fragen bemüht, aus einer bei mancher dieser Persönlichkeiten ungewohnt bescheidenen Zurückhaltung herausträte und ihre Auffassung mit der gleichen Offenheit der allgemeinen Beurteilung unterbreiteten wie Lilienthal. Dabei würde nicht nur, was gewiss wichtig ist, sichtbar werden, wer diese Persönlichkeiten im einzelnen sind, sondern es ergäbe sich auch, was das Bedeutsamere wäre, deutlich, wer eigentlich hinter ihnen steht und wen sie zu vertreten sich berechtigt glauben. Jüdische Jugend von heute 20 Jahre Hechaluz Anlässlich ' seines 2üjährigen Bestehens veranstaltete der Hechaluz im Brüdervereinshaus Berlin eine Kundgebung, auf der Max Grünew a 1 d . Kurt Goldmann und G eorg J o - sephthal sprachen. Ein Chor unter Leitung Julius Goldbergs und Rezitationsvorträge Herbert G r ü n b a u m s umrahmten die einzelnen Vorträge. Ma.x Grunewald sprach für die Reichsvertretung der Juden in Deutschland sowie für die Zionistische Vereinigung. Kurt Goldmann schilderte die Geschichte des Hechaluz von den Anfängen Trumpeldors bis zur gegenwärtigen Lage. Den heutigen Aufgaben widmete Josephthal seine Ausführungen. Der Hechaluz, so erklärte er, hat der jüdischen Jugend einen neuen Lebenssinn gegeben. Der jungen Generation wurde eine Aufgabe gestellt wie nie einer Generation zuvor. Den SO Prozent der Jugend, die ihren Weg zum Hechaluz nicht fanden, muss man die Frage stellen, worauf eigentlich sie noch warten wollen. Nicht in der Geschichtsmetaphysik, sondern in dem Leben, wie es der Hechaluz fordert, liegt der Lebenssinn einer jüdischen Jugend. Wenn chaluzisches Leben nicht sinnvoll ist, gibt es überhaupt keinen Lebenssinn. Den Vorwurf, dass der Hechaluz bei der gegenwärtigen Situation in Palästina kein Recht zu solcher Propaganda für seinen Weg habe, glaubte Josephthal ablehnen zu dürfen. Es wird unter uns Juden in Deutschland keinen geben, der nicht gewillt ist, die Bedeutung des Hechaluz für das Gesamtleben aller Juden fern von ideologischen Vorbehalten, die eine solche Gesamtschau nur einengen würden, zu erfassen. Hier wird nicht die Leistung des Hechaluz innerhalb der zionistischen Organisation, sondern die Bedeutung der chaluzischen Bewegung für die Juden aller Länder zum Massstab der Bewertung. Der Hechaluz hat in einer Zeit, als bürgerliches Leben noch gesichert erschien und bürgerliche Werte-unumschränkte Geltung besassen, dieser bürgerlichen Welt und ihren Werten eine Absage erteilt und so eine grosse Anzahl jüdischer Menschen schon zu einer Zeit auf die Bedingungen neuen Lebens vorbereitet, da dies nicht nur überflüssig erschien, sondern darüber hinaus eine Gefahr für den bedeutete, der sich der Bewegung anschloss und freiwillig aus der gesicherten Gesellschaftsordnung ausschied. Die Stosskraft des heutigen Hechaluz rührt nicht nur von seinen nationalen Gedankengängen, sondern auch von seiner, in ihrem Ausgangspunkt das bürgerliche ablehnenden gesellschaftlichen Haltung her. Dass aus dieser Haltung Menschen erstanden, die das Palästinawerk in erheblichem Ausmass zu dem gemacht haben, was es heute ist. hätte jener Absage an das Bürgertum recht . gegeben, auch wenn die Ereignisse von 1933 nicht eingetreten wären. Hier, von der Grösse des Hechaluz her. werden aher auch seine Grenzen sichtbar. Was hat der Hechaluz nicht vermocht? Er hat eutscheidende Notwendigkeiten unserer Zeit missverstanden, indem er verborgene Aufgaben übersah. Bis 1933 hatte er in gewissem Sinne Ver- . Inndungen zur gesamten jüdischen Jugend-' bewegung gehabt, der ganz allgemein unbürgerliche Gedanken eigen waren. Er hatte über die Möglichkeit eines völligen Neubeginns in Palästina, während die nichtzionistische Jugendbewegung ihre Arbeit innerhalb der bekämpften Gesellschaft fortführen musste. Mit dem Jahre 1933 erst wurden weitere Kreise der jüdischen Jugend ausserhalb des Hechaluz vor die Möglichkeit und die Notwendigkeit eines, völligen Neubeginnens gestellt. In diesem Augenblick hat es der Hechaluz versäumt, seine Ideale zu denen der gesamten jüdischen Jugend in Palästina und der Diaspora auszuweiten. War er, nach Ansicht auch seiner eigenen Menschen, bis dahin eine im wesentlichen vitale Bewegung gewesen, so glaubte er jetzt politische Bewegung sein zu müssen. Er engte damit seine Wirkungsmöglichkeit ein und sprach gleichzeitig den tausenden Pionieren, die die Juden aus Deutschland in den vergangenen Jahren in alle Länder der Erde gesandt haben, die Möglichkeit und den Wert jüdischen Lebens ab. So konnte der Funke von jener chaluzischen Jugend nicht auf diese Pioniere überspringen, die zwar unorganisiert geblieben sind und deshalb keinen besonderen Namen erhalten haben, von deren Zukunft aber nicht weniger für die Zukunft der Judenheit abhängt als von der Zukunft der Chaluzim in Palästina. Wo ungeheure jüdische Aufgaben lagen, sah der flechaluz nur zionistische, und so gingen die nichtzionistischen Pioniere ihren Weg getrennt von den Menschen des Hechaluz. Die jüdische Jugend in Deutschland hat damit ebenso wie die Erwachseneuorganisationen eine grosse Chance verpasst: sie vermochte nicht, über die eigenen Gruppen hinauszuwachsen und die Sehnsucht nach einer jüdischen Erneuerungsbewegung zu stillen, die dem gesamten Volke und seinem ganzen Leben dienen sollte. Wenn der Hechaluz erkennt, dass abseits seiner Reihen in allen Ländern, in die Juden aus Deutschland wandern, Bewegung in die bereits ansässigen Juden gerät, dass abseits seiner Reihen eine gleiche, wenn nicht grössere Anzahl jüdischer Jugendlicher Pionierstellung bezogen hat. deren Zukunft über das Schicksal der Diaspora unmittelbarer und deshalb wirksamer entscheidet, wenn er erkennt, dass Zionismus und Chaluziuth nur ein möglicher Weg in jüdische Zukunft ist. und wenn der Hechaluz hieraus — denn noch ist es nicht zu spät! — Konsequenzen zieht, dann hat ein neuer Abschnitt in seiner Geschichte mit dorn Absen luss der 20 Jahre seines Bestehens begonnen. G. F. Briefwechsel über eine Schrift Lieber Günter Friedländer, die Redaktion gibt mir Deine Broschüre über ».Jüdische Jugend zwischen Gestern und Morgen" (Vortrupp, Jüdischer Buchverlag, Berlin 19 3 8) zur Besprechung. Es wird mir nicht leicht, mich dieses Auftrages zu entledigen. Denn — bei miserer unkonventionellen Stellung zueinander kann ich es ja ohne Umschweife sagen — ich halte Deine Darstellung unserer heuligen Jugendsituation für einseitig und daher für unrichtig. Als ich Deine Ausführungen gelesen hatte, war ich zunächst benommen von der düsteren Atmosphäre, die sie ausstrahlt. Das ist Lob und Kritik zugleich. Lob. weil die Diktion der Schrift so plastisch ist, da«s sie jeden, der sich ansprechen lässt, gefangennehmen muss. Kritik deshalb, weil nach meiner Auffassung eine Schrift, die sich die Schilderung der kommenden Generation zum Gegenstand macht, lähmend wirkt, wenn sie nichts Zukunftsweisendes enthält, sondern sich mit einer Analyse der Gegenwart begnügt. Aber ist diese Analyse selbst überhaupt richtig? Gewiss, es gibt eine sehr grosse und immer stärker werdende Schicht junger Menschen, für die, wie Du dies im einzelnen darlegst, die Bindung an Familie und Elternhaus gebrochen ist, die ein aufrichtendes Bildungsideal in sich nicht mehr verspürt, die zu Gemeinde, Synagoge und andern jüdischen Einrichtungen keine innere Beziehung hat, und auf die die Jugend- und Sportbewegung nur in begrenztem Masse einwirken kann. Dies trifft, absolut genommen, ebenso zu wde die Beschreibung eines Krankenhausbetriebes richtig sein kann. Aber ebenso wie die Welt kein Krankenhaus ist, ist die jüdische Jugend in Deutschland auch nicht ausschliesslich aus Menschengruppen der von Dir geschilderten Art zusammengesetzt. Es ist müssig, darüber zu rechten, in welchem zahlenmässigen Verhältnis die ,.Kranken" zu den Gesunden stehen. Wer jedoch nur einen Blick in die Schulen, Bünde [eisern Kaisen bildet, sagten wir früher Reisen unterrichtet über Wanderungsmöglichkeiten und Berufsaussichten, denken wir jetzt. Je Schwierigerdas Reisen in fremde Länder, umso wichtiger,über den jüdischen Raum in der ganzen Welt wirkiiehkeits- . nahe Berichte zu verfolgen. Sie finden sie in der l9W*i ALLGEMEINE ZEITUNG DES J Senden Sie mir bis aufWiderruf die C.-V.- Zeitung, 99 Pfennig für Juli, August, September zahle ich bei Vorlage der Postquittung an den Briefträger. Die beiden letzten Juninummern erhalte ich kostenlos. Name: Ort: _ Strasse:. Ausschneiden und mit £ Pfg. frankiert (oder unfrankiert) senden an: C.-V.-Zeitung, Vertrieb, Berlin W15, Fmser Strasse 42. Telef.: 92 Sl 41-45 Auch jedes Postamt nimmt Bestellungen entgegen oder Umschichlungssf eilen wirft, oder aber an Menschen seines eigenen Lebenskreises denkt, wird immer wieder auf Jugendliche stossen, die nicht der Lethargie verfallen sind, sondern die den Willen und die Fähigkeit in sich spüren, ihr Leben aus eigener Kraft aufzubauen. Aber auch diejenigen, die nach Deiner Auffassung dumpf dahindämmern, könnten bei einem stärkeren Aus-, bau der jugendpf legerischen Tätigkeit vielfach noch umgeformt werden. Dadurch, dass Du auf diese Möglichkeifen in Deiner Schrift überhaupt nicht eingehst, machst Du Dich schlechter, als Du es auf Grund Deiner Erfahrungen und Erfolge in der Praxis nötig hast. Trotzdem — dieses „trotzdem" soll keine {röstende Schlussbemerkung sein — mag die Schrift stärkere Aufmerksamkeit auf Sorgen und Aufgaben unserer jüdischen Gegenwartspädagogik lenken, die bisher vielleicht noch nicht im ausreichenden Masse beachtet worden waren. Aus diesem Grunde wird Deine Darstellung auch in der jetzt vorliegenden Form gewiss ihren Sinn erfüllen. Werner Rosenstock. Lieber Werner Rosenstock, für die Beurteilung meiner Schrift bin ich Dir sehr dankbar. Nicht nur, weil wir so in freundschaftlicher Form auseinandergehende Ansichten durchsprechen können, sondern weil Du mir darüber hinaus die Möglichkeit gibst, noch einige erklärende Worte zu sagen. Der Eindruck, den Du von dem Heft erhalten hast, entspricht durchaus dem, den es zu wecken beabsichtigte; aber die Stellung, die Du einnimmst, ist nicht die, die es herausfordern wollte. Wie nämlich, um bei Deinem Bild vom Krankenhaus zu bleiben, wenn unsere jüdische Weit tatsächlich ein Krankenhaus geworden wäre, ein Krankenhaus mit ungeheuren Ausmaßen und leider nur allzu wenigen Heilkräften? Ich wollte das, was Du sagst, in gerade umgekehrter Weise sagen: nicht die von mir geschilderte Welt gibt es auch, wie es ein Krankenhaus auch gibt, sondern die von Dir herbeizitierten Menschen gibt es noch. Die- Menschen, mit denen ich vor der Herausgabe dieses Heftes sprach, waren mit mir der Ansicht, dass einmal überdeutlich gezeigt werden müsste. auf welch verhängnisvollem Weg sich ein grosser Teil der jüdischen Jugend befindet, ein zu grosser Teil, als dass, man darüber zur Tagesordnung übergeben könnte. Was aber noch schlimmer ist: der weitaus grösste Teil der jüdischen Jugend droht, in diese oder ähnliche Bahnen zu gelangen. Es ist nicht möglich, noch über das Verhältnis der „Kranken" zu den. „Gesunden" zu diskutieren, wenn die Zahl der „Kranken" das gewöhnliche Mass schon überschritten hat und die Zahl der „Gesunden" anzustecken droht. Ganz im Gegenteil glaube ich, dase der Blick in die Schulen, Bünde oder Umschichtungsstellen Dich täuscht; in den Jugendämtern s hen wir ja

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