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Central-Verein-Zeitung · 1938-06-09 · 23 (9.6.1938) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
23 (9.6.1938)
Date
1938-06-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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XVII. Jahrg. / Nr. 23 Berlin, 9. Juni 1938 Preis 10 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, .Schriftleitnng, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung); Berlin W 15, Einser Str. 42. Fernspr.: 928141—45. Telegr.-Adr.: Centraiglauben, Berlin. Postscheckkonten: Berlin 70°**' 4Pra* 'u}\\ Z"r.'u VIII26 363. Bankkonto: Mosler, Süsskind & Co., Berlin W8. Die C.-V.-Zeitan? erscheint wöd " " " ----- *" ~' ' ~ " --------^------ ft~-*-»~f.ii. 9w*n„n* «rfni* durch die Post, db die Gebühren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis vierteljährl. Währung) einschl. Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Rpf. (Ausland'20Rpf.). Im Falle höh. Gewalt besteht kein Ansprach au* n»^««. v«. — ------- ------.------- v ... . v 12gesp. mm-Zeile 20 Rpf, f. Stellengesuche 10 Rpf., f. Farailienanzeigen 16 Rpf., weit, ermäss. Grundpreise s. Preis!. Einzelanzeigen nur geg. Vorauszahl. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platzu. Datenvorschriftea ohne V erbmaiicnkeit. Gedanken für Evian A. H. Bei aller Bescheidenheit darf gesagt werden, dass wir an dem Verlauf und fast noch mehr an dem Ergebnis der Konferenz interessiert sind, die am 6. Juli auf Initiative des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Roosevelt, in Evian ihren Anfang nehmen soll. Etwa dreissig Staaten werden beteiligt oder vertreten sein, Gegenstand ist das Problem der aus dem mitteleuropäischen Raum in jüngerer Zeit und der aus weiter östlich liegenden Gegenden in weiter zurückliegender Vergangenheit ausgewanderten oder zur Auswanderung strebenden Menschen. In New-York, in London und anderswo, wird lebhaft über Evian diskutiert. Koordinations-Komitees bilden sich, um die freien Organisationen, die sich schon bisher diesen Fragen gewidmet hatten, für die Konferenz nutzbar zu machen und ihre Mitarbeit späterhin für die Ergebnisse der Konferenz zu gewinnen. Wir hoffen, dass diese freien Organisationen sich völlig unvoreingenommen und unter Verzicht auf die bevorzugte Behandlung der ihnen von früher her am Herzen liegenden Fragen ihrer Aufgabe unterziehen werden. Die Kooperation nur im jüdischen Raum war meist ideologisch — oder jüdisch-politisch — irritiert. Aus einer meist verständlichen Scheu heraus, in den Geruch der Gegnerschaft zu einem an sich unbestritten bedeutsamen und vordringlich wichtigen Werk, dem Palästina-Aufbau, zu kommen, wuchs der Sektor der für diesen Problemteil zur Verfügung stehenden Mittel fast im umgekehrten Verhältnis zu den dadurch eröffneten Möglichkeiten. Gewiss, es wäre ein grosser Gewinn, wenn sich die Mandatsmacht für Palästina in der Frage der Grenzziehung und der Einwanderungsquote zu einem grossen Entgegenkommen entschlösse. Aber da, nach unserer Kenntnis der Evianer Zusammenhänge, keiner der arabischen Grenzstaaten an der Konferenz beteiligt ist, würde auch diese Etappe der Bemühungen um die Befriedung Palästinas wesentlich platonische Ergebnisse erbringen. Und deshalb sei von jüdischer Seite aus rechtzeitig vor -dem 6. Juli ausgesprochen: es wäre sinnlos, wrenn Evian als Ergebnis einen neuen Drive brächte, der im wesentlichen nach Palästina flösse, und nichts anderes. Niemand will, dass in Palästina die vorhandenen oder die in absehbarer Zeit erreichbaren Aufgaben aus Mangel an Mitteln unverwirklicht bleiben. Aber ein Mehr kann nur aus jüdisch-politischen Gründen gerechtfertigt sein. Evian ist aber keine jüdische, sondern eine interstaatliche Konferenz. Und von den beteiligten Juden und jüdischen Komitees und'Organisationen muss gefordert werden, dass sie dieses eine Mal Disziplin halten. Die Jewish Agency wird sich ein hohes . Lob und eine Steigerung ihrer Autorität erwerben — die ihr übrigens nicht unwillkommen sein kann —, wTenn sie sich nicht nur als Agency für die mit dem Palästina-Mandat zusammenhängenden Fragen empfindet, sondern als eine Vertretung für alle gemeinsamen, nur zwischenstaatlich zu regelnden Probleme der Judenheit. Nur so kann verhindert werden, dass neue und weniger legitimierte jüdische Weltvertretungen sich zu Wort melden, die, auch wenn man ihre Methoden und Voraussetzungen ablehnen muss, doch die allgemeine Stimmung der Betroffenen besser wiedergegeben als die Jewish Agency. Es wäre eine grosse und das jüdische Leben einende Erscheinung, wenn sich gerade aus den Kreisen der Zionisten innerhalb der Agency kluge Stimmen laut und mit konstruktiven Vorschlägen für Evian meldeten, nachdem mehr ,. als ein Jahrzehnt die Nichtzionisten fast rückhaltlos für Palästina eingetreten sind. WTas in Evian erreicht werden muss, ist, soweit wir Juden in Betracht kommen, die Organisierung einer Verschiebung der Diaspora, die räumliche und grossenteils auch berufliche Umstellung einiger hunderttausend Juden. Sicherlich waren für die Erwägungen, die Roosevelt zu seinem Vorr schlag veranlassten, im wesentlichen humanitäre und soziale Gesichtspunkte bestimmend. Aber daneben dürften doch auch politische mitgesprochen haben. Denn einige hunderttausend Menschen auf der unorganisierten Suche nach neuen Wohnsitzen und neuen Lebensmöglichkeiten stellen einen beunruhigenden Faktor auf den verschiedensten Gebieten dar, nicht nur auf wirtschaftspolitischen, arbeitsrechtlichen und sozialen. Die Beobachtung der allgemeinen Politik hat gezeigt, dass die Suche der paar Hunderttausend nach einem Ruhepunkt viele Millionen in aller Welt lebhaft bewegt hat, dass politische und sonstige Affekte, die vorhanden w^aren oder neu entstanden, an dem sichtbaren jüdischen Medium vielerorts einen raschen, nur den Juden nicht nützlichen Auswreg fanden. Deshalb ist unser Wunsch an die politischen Kreise -der Konferenz, affektfrei zu verhandeln und zu beschliessen. Die schweigende Unterbringung von zehntausend Juden bedeutet uns mehr als flammende Proteste gegen Erscheinungen, die jene Unterbringung notwendig werden Hessen. Wir nehmen gern den Vorwurf ausländischer jüdischer und nicht jüdischer Stellen in Kauf, das grosse Problem zu egoistisch zu sehen. Vom sicheren Port lässt sich gemächlich — tadeln. Aber auch wenn wir die Auseinandersetzung über unsere Auffassung in allem Freimut zu vertreten Gelegenheit hätten, w7ürden wir den Nachweis erbringen können, dass, wrie meist in politicis, der Egoismus eine starke Triebfeder und eine Garantie des Erfolges sein kann. Denn einige hunderttausend Juden, planlos und unorganisiert auf der Suche nach Wohnung und Brot durch die Welt irrend, bringen nicht nur soziale Korn- Australien IV. Gold, Wolle, Weisen Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts hat der Goldhunger zuerst eine grössere Masse weisser Menschen in das Land gelockt. Abenteuerer und Glücksritter, die gern mühelos Reichtümer erwerben wollten, drängten herzu. Sowohl in Westaustralien, wo die Goldsucherstadt Coolgardie aus der Wüste emporwuchs, als auch in den östlichen Staaten, in Queensland, Neu-Süd-Wales und Viktoria, wurden reiche Goldlager entdeckt. Neben Südafrika und Kalifornien wrurde Australien das wichtigste Goldversorgungsland der Welt. Nicht weniger als für 6Ö5 Millionen füt99?4. MCmm I. Öktafae Bestellzettel auf Seite 3 Pfund Sterling soll an australischem Gold in dem Zeitraum von 1851 bis 1920 gewonnen worden sein. Der missachtete Erdteil war zum Eldorado geworden. Doch der Rückschlag blieb niohi ax^. Man hatte bei der Ausbeulung des kostbaren gelben Metalls ünvernünftigen Raubbau getrieben. Die Goldquellen versiegten derart, dass heutzutage nur noch in Westaustralien und in Viktoria Gold in beträchtlicherem Masse zutage gefördert wird. Der Rückgang ist so erheblich, dass Australien in der Goldproduktion der Erde heute' nur noch an fünfter Stelle steht. Aber der Reichtum Australiens an werthaltigen Metallen ist nicht allein auf das Gold beschränkt. Seine Gebirge hegen ausserdem Silber, Blei, Kupfer, Zinn und Eisen in ihren Schächten. Trotzdem wird der Abbau dieser Bodenschätze nicht so intensiv betrieben, wie es der Umfang der metallischen Vorkommen gesiatten würde. Es mangelt einmal an geeigneten Arbeitskräften, denn der gebürtige Australier besitzt für den schwierigen Bergmannsberuf eine so geringe Neigung, dass er sogar neuerdings, ganz im Gegensatz zu seinen sonstigen Prinzipien, italienische Bergarbeiter herbeiwünscht. Sodann verteuert die weite Entfernung der Bergw-erke von den Standorten der verarbeitenden Industrie nicht unerheblich die Kosten. Trotzdem dürfte die zunehmende Industrialisierung auch dem australischen Bergbau einen neuen Auftrieb geben. Der Pionier der wirtschaftlichen Erschliessung Australiens ist aber nicht der Goldgräber, sondern der Schafzüchter gewesen. Auch die Jagd nach dem Golde hat seine dominierende Stellung nur vorübergehend beeinträchtigen können. Die ersten Versuche in der Schafzucht wurden bereits in der Strafkolonie Sydney unternommen. Nur durch einen blossen Zufall kam das wertvolle Merinoschaf ins Land, das heute in riesigen Herden das Landesinnere bevölkert und die an Zahl geringen Besitzer der * gewaltigen Schafhaltungsbetriebe zu enorm reichen Leuten macht. Die Schafzucht und Viehhaltung Australiens nahm nach dem Import der europäischen Haustiere einen grandiosen Aufschwung, als Schaf- und Viehzüchter — die sogenannten Squatter — auf eigene Faust ins Innere des Landes vordrangen und die fruchtbaren Grasebenen, namentlich in Neu-Süd-Wales, vorfanden. Sie rodeten zugleich den Wald, um weitere Weidefläche zu gewännen. Diese unternehmungslustigen Männer haben Australien nicht von der Küste aus, sondern von innen her erobert. Da sie von der Regierung unbehelligt blieben, konnten sie ungeheuere Ländereien in ihre Hand bringen. Erst in letzter Zeit hat die australische Vergleiche die Aufsätze in Nr. 19 und 21. die die Themen „Hundertjähriges Australien', „Kindheit eines Kontinents" und ,'£m Dominion entsieht" behandelten. Regierung versucht, den Riesenbesitz der einzelnen „Schafkönige" durch besondere Massnahmen einzuschränken. Die unemi esslichen Schafherden und reichen Viehbestände haben den Grund zu dem natürlichen Wohlstand des Erdteils gelegt. Unsägliche Mühe hat es gekostet, um diese nationalen Reichtumsquellen gegen die Unbilden der Natur zu schützen. Der Wassermangel, die Spärlichkeit und Unregelmässigkeit der Niederschläge und die entsetzlichen Dürren in den heissen Klima- Zonen haben der australischen Schafhaltung und Viehzucht furchtbare Wunden geschlagen. In der besonders bösen Dürreperiode von 1914'15 sollen siebzehneinhalb Millionen Schafe und drei Millionen Rinder zugrunde gegangen sein. Als damals die Versorgung mit Trinkwasser versagte, waren die wenigen Wasserstellen von den Kadavern der unglücklichen Tiere haufenwreise umgeben. Eine schwere wirtschaftliche Krise trat inplikationen mit sich, sondern bewirken gerade das, wogegen die ansässigen Juden sich sträuben und wovor sie Angst haben: dass in ihren staatsbürgerlich gesicherten Lebensraum Gedanken und Vorstellungen — an einwandernden Juden plastisch demonstriert — eindringen, die sie selbst gefährden könnten. Doch es gibt nur zwei Möglichkeiten: entweder alle Grenzen der Welt vor einwandernden Juden hermetisch abzusperren und zuzusehen, was aus ihnen dort wird, von wo sie fortwollen, oder aber dieses Fortwollen in vorbedachte Bahnen zu lenken. Der Lebenswille der Juden auf Wanderung lässt sich nicht eindämmen. Sie suchen nach Grenzen, die sich mit oder ohne Schwierigkeiten öffnen. Ueberprüfung der wirtschaftlichen Zweckmässigkeit oder der Aussichten des Existenzaufbaus findet kaum noch statt; solche Wanderung ist oft fast eher eine Selbstdeportation zu nennen als planvoller Neuaufbau. Eine Theorie lautet, dass die Juden überallhin die Judenfrage mit sich'bringen. Mag diese Theorie stimmen oder, nicht — Menschen, die in „aussichtslose" Länder ziehen, bringen dag WanderungsProblem mit sich. Sie kommen nicht zur Ruhe. Sie wollen leben. Und hunderttausend Menschen fluktuieren so durch die Erdteile, statt in sinnvoller und planmässiger Verteilung überall dort, wro sie sich ansetzen dürfen, e'in Element der Ruhe und des Aufbaus zu werden. Man sollte auch darüber in Evian offen sprechen, und hoffentlich findet sich unter den Konferenzteilnehmern ' der eine oder andere, der weiss, welche Leistungen auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiete Juden in ihren Wohnländern überall dort möglich waren, wo sie als Bürger dieser Länder arbeiten durften, selbstverständlich dabei auch ihren eigenen Vorteil, ihren eigenen Aufstieg verfolgend. Man muss versuchen, diese einwanderungswilligen Juden in solche Länder zu leiten, die zum Teil wenigstens jenes wirtschaftliche Entwicklungsstadium aufweisen, in dem die Vorfahren dieser Juden zur Blüte ihrer früheren Heimatländer beigetragen haben. Man sollte das Können unserer Menschen nach dieser Leistungs,,potentiaIe" beurteilen und nicht nur nach dem mühsamen Beginn unter schweren, fremden und neuen Lebensbedingungen. In Evian sollte man all das bedenken und sich klar machen, dass bei dieser Sachlage durch bequeme oder nur traditionelle Lösungen die Komplikationen kaum vertagt, geschweige denn behoben werden. * Das Juni-Heft der Monatsschrift „Der Morgen" veröffentlicht an leitender Stelle diesen Aufsatz. Wir weisen dabei nachdrücklich auf den. übrigen Inhalt des „Morgen" hin, über den wir in der nächsten Nummer der C.-V.-Zeitung eine Besprechung bringen werden. Die Redaktion. folge jenes grauenhaften Viehsterbens ein. Doch der australische Viehhalter liess sich nicht entmutigen. Schon Jahrzehnte vorher hatte er den Kampf mit der Natur aufgenommen: den Kampf um die Gewinnung trinkbaren Wassers. Bereits am Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde eine hydrographische Untersuchung über den Verbleib des Wassers eingeleitet; denn man vermutete, dass das Wasser nicht nur verdunstet, sondern auch in den Boden

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