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Central-Verein-Zeitung · 1938-06-09 · 23 (9.6.1938) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
23 (9.6.1938)
Date
1938-06-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 12 C-V.-Ze?fung Nr. 23 * 9. Juni 1938 Die Opposition betonte namentlich zwei Punkte: Einmal warf sie der Verwaltung und der „Prikah" vor, dass ein übermässig grosser Teil der Arbeitsplätze für Mitglieder der Histadruth reserviert werde, sodann""" tadelte sie die mangelnde Fühlungahme zwischen der Verwaltung und dem grossen Publikum, namentlich den Zehntausenden von Kleinaktionären, die als erste Zeichner den Aufbau des Hafens ermöglicht hätten. Palästina in Parlamenten und Presse Einige Anfragen im englischen Unterhaus gaben in den letzten Tagen dem neuen Kolonienminister Gelegenheit/Erklärungen über die gegenwärtige Siluation abzugeben. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Williams stellte Kolonienminister Mr. Malcolm MacDonald fest, dass zwischen dem 3. und 30. Mai in Palästina 36 Mordtaten und 44 Fälle von Verwundungen stattgefunden haben. Die Errichtung des Stacheldrahtzaunes an der Nord- und Ostgrenze und die Belegung des Norddistrikts mit Militär würden jetzt hoffentlich zu einer Ab- A / Juwelier Lipowefzki Ank. G.Nr. 11/48541 Berlin WS, * / Friedrichsirasse 193o, Ecke Leipziger Strasse .nähme des Terrors führen. Genaue Zahlen, aus denen die Wirkung der militärischen Sehutzmassnalimen hervorgehen, hatte der Minister nicht zur Hand; er glaubte jedoch feststellen zu können, dass eine leichte Verbesserung der Lage bereits spürbar sei. . Wenige Tage nach dieser ersten Debatte fragte der Abgeordnete Mauder den Kolonienr4&iister nach den Massnahmen, die getroffen worden seien, um die Juden in stärkerem Masse zum Selbstschutz heranzuziehen. Der?vlinisler erwiderte, dass abgesehen von der beträchtlichen Anzahl Juden, die bereits in der palästinensischen Polizei und in der transjordanischea Grenzpolizei dienten, eine grosse Anzahl weiterer Juden als Hilfspolizisten zum Schutze jüdi- 'scher Siedlungen angeworben worden seien. Nach den letzten Informationen handele es sich dabei um 4489 Mann, von denen etwa 1000 mobilisiert, bezahlt, bewaffnet und voll beschäftigt seien. Waffen für die übrigen, die eine Reserve darstellen, liegen zur Ausgabe für Notfälle bereit. Die Beantwortung einer weiteren Frage, die sich auf die Lage jüdischer Siedlungen an der Nordgrenze zu dem Stacheldrahtzaun bezog, setzte der Minister bis zum Erhalt genauer Informationen aus. In einem längeren Artikel erörtert der Jerusalempr Korrespondent der ..Times"' die Lage und die Aussichten der Paläslinapolitik. Nachdem er zunächst die Stellung der Juden zum Teilungsplan ausführlich dargestellt hat, zeigt er das Problem in arabischer Beleuchtung und gibt den Plan eines ..sehr gemässigten" Arabers ■ wieder, der der Teilung prinzipiell geneigt ist, das jüdische Gebiet aber auf das Küstengebiet zwischen Tei-Aviv und Haifa und auf die Ebenen Esdralon und Jesreel beschränken möchte. Nachdem er auf diese Weise die weit auseinandergehenden Standpunkte klargelegt hat, schliefst er seinen Artikel mit folgenden Worten: „In Anbetracht dieser Haltung der Juden und Araber hat die Teilungskommission etwas mehr zu tun als ausfindig zu machen, wie die Gruppierung der Stämme ist, und zwischen ihnen unter schuldiger Berücksichtigung der Interessen des britischen Empires eine im militärischen Sinne zu verteidigende Grenze zu ziehen Sie haben die schwierigere Aufgabe, eine Grenze zu finden, die psychologisch zu verteidigen ist. Auch haben sie nicht nur ein Kompromiss zwischen zwei Verhandlungspartnern zu schliessen, die zur Verhandlung bereit sind, sondern sie haben zu bestimmen, wie ein widerstrebender und feindlicher Landbesitzer dazu gebracht werden kann, in die zwangsweise Enteignung eines Teiles seines Besitzes im Interesse eines drängenden Käufers einzuwilligen. Ihre Erwägungen betreffen nicht nur ein örtliches palästinensisches Problem, sondern seine Verzweigungen in Polen und im Irak, in New-York und in Indien und ebensosehr in London, Rom und Genua." Während der Plan des Emir Abdulla von Transjordanien, von dem in der vorigen Nummer der C.-V.-Zeitung berichtet wurde — er ging dahin, Palästina und Transjordanien unter arabischer Herrschaft zu vereinigen und den Juden innerhalb ihres Siedlungsgebietes Autonomie und eine beschränkte Einwanderungsmöglichkeit zu gewähren —. in der arabischen Presse noch heftig erörtert und angegriffen wird, veröffent-. licht die arabische Zeitung ..Felesthr' schon wieder einen neuen angeblichen Vorschlag für die Lösung des Palästina-Problems. Die Zeitung erklärt, der Völkerbund solle das Mandat über Alexandretta übernehmen und den restlichen Teil Syriens mit Palästina und Transjordanien in einen Staat zusammenfassen, der durch einen Vertrag mit England unter ägyptische Oberhoheit gestellt werden würde. Auch dieser Plan sieht eine begrenzte jüdische Einwanderung vor. In Aegypten selbst, das auf diese Weise plötzlich in den Mittelpunkt einer reichlich phantastischen Kombination gestellt wird, spielt das Problem weiter eine wichtige Rolle. In Beantwortung einer Anzahl von Anfragen im ägyptischen Parlament erklärte der Premierminister, ..dass die Regierung, was den Teilungsplan anbelange, in einer höchst befriedigenden Art und Wreise ihre Pflicht erfülle". Er versicherte, dass die ägyptische Regierung jeden möglichen diplomatischen Schritt "unternommen habe, um eine gerechte Lösung des palästinensischen Problems zu erreichen. 40 Mitglieder des ägyptischen Parlamentes unter der Führung des früheren Erziehungsministers Mahomed" Ali Alluba Pascha richteten einen Appell an die ägyptische Judenheit. in dem sie diese auffordern, gemeinsam mit dem ägyptischen Volk sich dem Zionismus zu widersetzen. Hat sich die Hoffnung erfüllt? Eine vorläufige Orangenbilanz Von unserem ^-Palästina-Berichterstatter TEL-AVIV, im Mai 1938. Zu Beginn des Winters wurde an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass in den mannigfachen Schwierigkeiten dieser Tage die wirtschaftlichen Hoffnungen des jüdischen Palästina mehr als in den letzten Jahren vorher auf das Ergebnis der Zitrus-Saison gerichtet waren. Jetzt neigt sich die Saison 1037/38 ihrem Ende zu. Wenn sich auch das endgültige Ergebnis erst in einigen Monaten überbücken lassen wird, so lässt sich doch schon heute mancherlei feststeilen. Die bisherigen Ergebnisse der Saison haben der Zitrus-Wirtschaft eine unzweifelhafte Entlastung gebracht. Zum ersten Male in der Geschichte der palästinensischen Zitrus-Pfianzung haben die Verschiffungen den Stand von elf Millionen Kisten überschritten. Bis zum Ende der ersten April- Woche waren die Verschiffungen also um rund 300 000 Kisten grösser als in der ganzen Vorjahrssaison. Der Menge nach sind also die Ernleschätzungen übertreffe« worden. Das Gesamtergebnis "der diesjährigen Saison dürfte ungefähr IVA Millionen Kisten beiragen, wovon übrigens mehr als eine Million durch den neuen Hafen Tel-Aviv verschifft word;m sind. Der' finanzielle Erlös war nach bisherigen Berechnungen im Durchschnitt etwa um einen Schilling (5 Piaster) pro Kiste höher als im Vorjahr. Nach wie vor ist England der Hauptabnehmer sowohl für Orangen wie für Grapefruits. Ueber 0 Millionen Kisten Orangen gingen nämlich allein nach Grossbritannien, über 1 Million Kisten nach Holland, über 400 000 nach S c h w eden, nach Pole n über 350 000, über 300 000 nach Belgien, fast 250 000 nach der T s c h e c h o s 1 o w a k e i, etwa ebensoviel nach N o r w e g e n. R u m ä n i e n nahm ISO 000 Kisten ab, Deutschland über 150 000. Ein wenig anders ist der Abnehmerkreis für die palästinensische G r a p e f r u i t. Zwar rangiert E n g 1 a n d wieder weit an erster Stelle mit fast 1 Million Kisten, heraus aus dem Gesamtexport von IV* Millionen Kisten der Saison 1937/38. 'Aber der zweitbeste Abnehmer für Grapefruit ist Belgien mit fast 200000 Kisten, dann kommt Frankreich, das über 130 000 Kisten kaufte, erst dann folgen Holland, die S c h w e i z und Schweden mit je rund 60 000 Kisten Grapefruit. Deutschland nahm über 50 000 ab, die Tschechoslowakei und Kanada. Rumänien und Polen je über 30 000. Der Hauptabnehmerdecpalästinensischen Zitronen war nicht England, sondern Rumänien, das von den 75 000 insgesamt während der Saison exportierten Kisten allein über 30 000 kaufte. England folgt dagegen an zweiler Stelle mit . nahezu 20 000 Kisten, die Tschechoslowakei mit über 12 000 und Frankreich mit nahezu 5000 Zitronenkisten. Ueber die schlechten Ergebnisse der vorigen Saison ist viel gesprochen und mit Recht geklagt worden. Erst jetzt aber ist dem weiteren Kreis der Interessenten objektives und exaktes Material darüber zugänglich gemacht worden. Das wirtschaftliche Forschungsinstitut der J e - wish Agency veröffentlicht in seinem letzten Bulletin einen zusammenfassenden Ueberblick über eine Untersuchung, die Dr. Potschter für den internen Dienstgebrauch der zuständigen Zentralinstanzen bei den Zitrus-Genossenschatten angestellt hat. Danach betrug der Durchschnittseriös in der Saison 1938/37 für die Kiste Orangen 0 Schilling, für die Kiste Grapefruit VA Schilling f. o. b., also der Preis ab palästinensischem Hafen, der sich natürlich noch um die Kosten des Seetransports sowie um die Manipulationsgebühren und die Handelspanne am Bestimmungsort, die aber sämtlich nicht auf Rechnung Palästinas gehen, erhöht. Gegenüber der vorangegangenen Saison bedeutete das einen Rückgang der Erlöse um je zwei Schilling pro Kiste fürbeide Fruchtarten. Demgegenüber betragen für Orangen die Bearbeitungskosten, wenn wir eine Pflanzung normalen Alters und normalen Ertrages zugrundelegen, umgerechnet etwa 2K> Schilling pro Kiste, die Kosten der Aberntung, des sog. Katif, etwa A Schilling, die Kosten der Verpackung und des Transportes bis auf das Schiff im palästinensischen Hafen einschl. aller Nebenspesen ungefähr 3 Schilling. Der Erlös der letzten Orangensaison deckte also lediglich die effektiven Unkosten, Hess aber keinen Reingewinn für den Pflanzer und deckte noch nicht einmal die Amortisation und Verzinsung des investierten Kapitals, ein Ausfall, der namentlich bei den mit grösseren Schulden belasteten Pardessim schwer ins Gewicht fiel. Für die Grapefruit, die der Menge nach etwa 13 bis 14% der Gesamternte bestreitet, war die Rechnung noch ungünstiger. Die Gesamtkosten sind' bei der Grapefruit-Pflanzung zwar um 1 Schilling pro Kiste niedriger als bei der Orangenpflanzung, aber der Erlös war um VA Schilling geringer. Es hat sich hier also ein Verlust von Y Schilling pro Kiste ergeben. Selbstverständlich haben solche Durchschnittszahlen nur bedingten Wert, Anscheinend haben viele Pflanzer besser und viele auch schlechter abgeschnitten, je nach Menge, Güte und namentlich Grösse der Früchte, die ihr Pardess lieferte und je nach der Leistungsfähigkeit der Vertriebsgenossenschaft, der sie angeschlossen waren. Etwa 90'Vo der jüdischen Ernte, die" ihrerseits mehr als die Hälfte der palästinensischen Gesamternte ausmacht,, werden durch die Genossenschaften vertrieben, während im arabischen Sektor der private Händler eine wesentlich grössere Rolle spielt. Viel kam auch für den einzelnen Pflanzer darauf an, ob er seine Frucht schon vor der Ernte zu festen Preisen „am Baum" verkauft hatte oder ob sich sein Erlös nach den täglichen Preisschwankungen der europäischen Märkte richtete. Die Preisrückgänge des vorigen Jahres wurden mittelbar oder unmittelbar durch die schlechte Verfassung, in der ein grosser Teil der Frucht in England ankam, verursacht. Dass diese Schäden in der neuen Saison vermieden wurden, ist nicht nur der Gunst des Wetters zu verdanken, sondern vielmehr in erster Linie der besseren Lagerung sowie der besseren Organisation des Vertriebes und der Verladung. Die organisatorischen und technischen Fortschritte in Bearbeitung und Versand haben auch die zeitweilige Verteuerung gewisser Packmaterialien, die wir aus dem Ausland beziehen müssen, wettgemacht. Per Saldo dürften in dieser Saison die Unkosten eher geringer, jedenfalls nicht höher gewesen sein als im Vorjahr. Sollte also die Endrechnung bestätigen, dass der Durchschnittseriös in diesem Jahre um einen Schilling höher war als 'im Vorjahr, so wäre damit wieder eine bescheidene Rentabilität de,s Zitrusanbaues hergestellt, zum mindesten ein Spielraum für Verzinsung und Amortisation des investierten Eigen- und Fremdkapitals gegeben. Für die Gesamtwirtschaft des Landes bedeutet diese Entwicklung eine erhebliche Steigerung der Einnahmen aus dem Ausland, also eine Verbesserung der Zahlungsbilanz und eine Blutzufuhr an die Wirtschaft. Die unerwartete Zunahme der Erntemenge bedeutet bei den heutigen Preisen allein eine Steigerung der Einnahmen aus dem Zitrus-Export um 150 000 LP, und die Preissteigerungen, auf die alte Erntemenge berechnet, bringen eine weitere Einnahmesteigerung um mehr als eine halbe Million LP. Der C-^samterlös wird also erheblich über vier Millionen LP betragen, wobei zu berücksichtigen ist, dass diese von der Ziiruswirtsehai't her aufgemachte Berechnung nicht ohne weiteres mit den Zahlen der amtlichen Aussenhandelsstatistik zu vergleichen ist. So wichtig dieser Fortschritt auch ist. so kann doch damit das Zitrus-Probiem nicht als gelöst gelten. Die finanzielhe Bedrängnis, in die viele Pflanzer durch die schlechten Ergebnisse der letzten Saison geraten waren, wurden durch gemeinsame Kreditaktionen der Jewish Agency bzw. des Keren Hajessod. der Anglo Palestine Bank und verschiedener Privatbanken überbrückt. Dadurch wurde in den weitaus meisten Pardessim die ordnungsgemässe Bearbeitung und die Vorbereitung der neuen Saison gewährleistet, und die jüngste Entwicklung hat gezeigt, dass diese Gelder gut angelegt waren. Noch aber warten manche Pflanzungen, die mit relativ kurzfristigen Krediten zu hohen Zinssätzen,, überschuldet sind, auf Gewährung langfristiger, billiger Konsolidierungsanleihen. Auch verschiedene 'neue Investitionen sind nötig, besonders für die Anlage guter Verbindungswege von entlegeneren Pflanzungen zu den grossen Hauptchausseen. Es ist ausgerechnet worden, dass Verzinsung und Tilgung solcher Strassenbauanleihe mehr als gedeckt würde durch die Vermeidung der Schäden, welche die jetzigen schlechten Wege der Frucht und dem Lastauto zufügen. Vorfallen! aber ist auf dem Gebiete der Marktordnung und der Vertriebsorganisation noch nicht annähernd das Notwendige geschehen. Der Plan eines straffen Gesamtverbandes aller jüdischen Zitrus-Gen'ossenschaften scheint nicht so bald realisierbar zu sein. Stattdessen hofft man, schon in absehbarer Zeit in begrenzterem Rahmen zu einem Arbeitsabkommen zu gelangen, das sich namentlich auf gemeinsames Vorgehen bei der Charterung von Schiffsraum sowie bei Einkauf von Packmaterial beziehen soll. Darüber hinaus wird aber die Schaffung eines umfassenden Gremiums angestrebt, dass als legitimierte Vertretung der palästinensischen Interessenten bei internationalen Zitrus-Verhandlungen auftreten kann. Durch die Ausdehnung der Anbauflächen in verschiedenen Zonen der Erde, die zu verschiedenen Jahreszeiten produzieren und, dank der technischen Fortschritte in Lagerung und Transport, sogar nach Europa liefern können, hat der Gedanke einer internationalen 5 r o d u k t i o n s - und M a r k-t r e g e 1 u n g für die Zitrus-Wirlschaft stark an Boden gewonnen. Entwurf eines neuen Orangengesetzes Dem landwirtschaftlichen Beirat der Regierung liegt ein Gesetzentwurf vor, wonach in der kommenden Saison , die Orangenausfuhr im Wesentlichen auf die mittleren Grössenklassen beschränkt werden soll, die besonders grossen und die besonders kleinen Sorten aber entweder nur für wenige Wochen oder überhaupt nicht exportiert werden dürfen. Eine in Rochobolh veranstaltete Pflanzerversammlung sprach sich gegen diese Vorschläge aus, da die erwünschte Preisstützung nicht durch eine Drosselung der Ausfuhrmengeh, sondern nur durch Erschliessung neuer Märkte erzielt werden könne. Der vorgeschlagene Plan werde ganz bestimmte Produzenten-Kategorien einseitig betreffen und zunächst einmal einen Ausfall von rund einer viertel Million LP ergeben. Warenmosaik des palästinensischen Aussenhandels Von unserem D r. E. R—z - B er i c h t er s t a 11 er JERUSALEM, im Mai 1938. Die Vielseitigkeit der geographischen Streuung der palästinensischen Aussenwirtschait ist in" "unserer Palästina-Umschau vom 23. September 1937 (C.-V.-Zeitung Nr. 38) behandelt worden. Die bunte Vielheit der Waren, die nach Palästina importiert werden, bleibt hinter oer gebietlichen Aussenhandelstotalität kaum zurück. Welche Waren - führt Palästina ein. welche Waren kann es exportieren? Diese beiden Fragen sollen unter dem Blickpunkt des Kaufmanns und der Hausfrau beantwortet werden. Zunächst zum Import, vom Ausland nach Palästina hinein. Drei grosse Gütergruppen lassen sich unterscheiden, die den Einfuhrwert des Jahres 1935 in Höhe von 360 Millionen Reichsmark darstellen; bei der Umrechnung von palästinensischer zu deutscher Währung wird hier wieder die annähernde Kaufkraftparität von 20 RM gleich 1 Palästin. £ eingesetzt. Den Löwenanteil beanspruchen Fertigfabrikate mit 210 Millionen RM; es folgen Nahrungsmittel. Getränke, Tabak usw. mit 73 Millionen RM. dazu kommen Rohstoffe und Halbfabrikate mit 27 Millionen RM. dazu schliesslich diverse Waren, die sich in die vorstehenden drei Gruppen nicht einreihen lassen, mit 44 Millionen RM. Die Gesamtsumme beträgt 360 Millionen RM. . Zunächst die Nahrungsmittelgruppe, die die Hausfrau besonders interessiert. Trotz steigenden Getreideanbaues in Palästina selbst werden grosse Mengen verschiedener Brotgetreide eingeführt, die dann in palästinensischen Mühlen verarbeitet werden, aber auch die Einfuhr von Mehl und Mehlprodukten in verbrauchsfertigem Zustande ist sehr beachtlich. Besonders Syrien und die Türkei liefern Weizen und Gerste, aber uuvermahlener Weizen kommt auch aus Australien nach Palästina hinein. Als Weizenmehllieferant stehen die USA an erster Stelle. Australien an zweiter. Reis kommt in grossen Quantitäten aus Aegypten, grosse Mengen werden aber auch unmittelbar aus Indien nach Palästina verschifft. Interessant ist. dass Palästina nur für etwa 1,3 Millionen RM innerhalb eines Jahres Fleisch einführte, ein Faktum, dass weitgehend klimatisch bedingt ist: der Fleischverbrauch in den Subtropen ist selbstverständlich viel geringer als in nördlicheren Ländern, abgesehen von der winterlichen Regenperiode, wo er erfahrungsgemäss erheblich ansteigt. Im Sommer spielt importiertes Büchsenfleisch eine grosse Rolle, das aus Holland und Dänemark und aus den Fleischkonservenzentren Nord- und Südamerikas in qualitativ und quantitativ vielgestaltiger Form nach Palästina verschifft und "besonders in europäischen Einwandererschichten verbraucht wird. Koscheres Konservenfleisch aus den nördlichen Balkanländern spielt daneben die ihm gebührende Rolle. Australien ist erster Lieferant von Gefrierfleisch, Büchsenwürstchen sind dänischer, englischer, ungarischer und italienischer Herkunft. Die begrenzte Viehwirtschaft in Palästina erlaubt Rumänien und Bulgarien die Ausfuhr beachtlicher Mengen von Lebendvieh, wie Ochsen, Kühe und Kälber. Ziegen und Schafe kommen aus der Türkei ins Land, Geflügel aus den Balkanländern, daneben aus Syrien und dem Irak. Da die palästinensische Landwirtschaft nur einen Bruchteil des Butterbedarfs aus Eigenerzeugung befriedigen kann, so sind Butter und Butterprodukte wichtige Einfuhrartikel während des ganzen Jahres; zwei Länder konkurrieren als Hauptlieferanten miteinander: Litauen und Australien. Trotz der Transportkosten über die halbe Erdkugel und trotz des bestehenden Einfuhrzolles sind die Preise der eingeführten auch besten Buttersorten weit niedriger als der eigenerzeugten: die Preisspanne vermindert sich allerdings allmählich. Infolge des relativ geringeren Verbrauchs von Fleisch- und Wurstprodukten spielt natürlich Käse eine grosse Rolle. Hier sind Holland, Bulgarien und die Schweiz hauptsächlich im Geschäft, die in der Herstellung haltbarer Käsesorien einen so weiten Vorsprung haben, dass sie andere Agrarexportländer weitgehend aus dem palästinensischen Markt verdrängen. Eier, die den Markt überschwemmen und eine besondere Gefahr für die Rentabilität der jüdischen Hühnergrosswirtschaften darstellen, kommen im Hinblick auf die Transportumstände in ausserordentlichen Quantitäten aus Syrien, Aegypten und dem Irak; trotzdem sind die Balkanländer und einzelne Staaten Osteuropas nicht ganz aus dem Eieriniport verdrängt. Als Lieferant der grössten Quantität von Fisch konserven figuriert Portugal. Lebendfische zum Verbrauch und zur Zucht kommen aus Jugoslawien nach Palästina, da die Eigenproduktion von Süsswasserfischen im Lande selbst ihre natürliche Begrenzung finden muss. Auf keinem palästinensischen Tische fehlt kondensierte Milch der verschiedensten Fabrikate: Holland und Dänemark dominieren unbestritten, müssen sich aber stark gegen englische und irische ■ Konkurrenz wehren. Eindeutig führt England im Schokoladenimport, Kakaobohnen kommen direkt aus Ceylon und werden hier im Lande weiterverarbeitet, in der K a f f e e einfuhr stehen Brasilien und Abessinien nebeneinander. Der grösste Kartoff e 1 lieferant ist Cypern. Zwiebeln kommen ausschliesslich aus Syrien, das getrocknete Obst, das in den wenigen frischobstknappen Monaten in^ Palästina konsumiert wird, stammt aus den . USA- . (ScMuss folgt.)

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