Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 23 (9.6.1938)
- Date
- 1938-06-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 10 C.-V.-Zeitung Nr. 23 * 9Juni19^ besonderer Art sind in^seinem Lebenswerk eingestreut. Kauder stellt die Sprachmelodie in seinen Gesängen obenan. Er benützt in seinen Arbeiten häufig die alten Skalen und löst die Klavierbegleitung durch, einzelne Streichinstrumente ab. Das Melos Kauders mischt sich aus slawischen und antiken Elementen.- Seine Abstammung kündet sich in der Auflösung des Rhythmischen und in der Neigung zum Hexben, Asketischen an. Als Theoretiker und Musikschriftsteller hat er Bleibendes geschaffen. Am eindringlichsten und gleichzeitig am zugänglichsten stellt sich Hugo Kauder in den „24 Melodien" für Klavier dar. K. W. Jüdisches Leben - jüdischer Geist Berlin Verschiedene Gruppen des Jüdischen Frauenbundes luden in das Klubheim in die Marburger Strasse ein. wo der Intendant des Kulturbundtheaters, Dr. Kurt Singer, allerlei aus der Tätigkeit des Theaterfachmannes zu berichten wusste. Das Thema „Wie entsteht eine O p e r?" behandelte der Redner nicht nur vom wissenschaftlichen und bühnentechnischen Standpunkt aus, indem die zahlreich erschienenen Zuhörer und Zuhörerinnen von den Fleckfort SüS?ffios-W50 Chemische Reinigung- - Geheimnissen des Komponierens. vom Text und der Musik zu einer Oper, von Repertoire- und Sensationserfolgen, von Takten, die voller Leben sein müssen, von Chor und Ballett, von der Beleuchtung und vielen, vielen anderen Dingen künstlerischer und wirtschaftlicher Natur erfuhren: es kam an diesem Abend gleicherweise das „Wie" dieses Vortrags, die scharmante Art des Redners zum Vorschein, der immer mit einer Portion gütigen, aber treffenden Humors Freud und Leid des Theaterlebens nahezubringen wusste, vor allen Dingen aber auch die schwierigen und gewinnbringenden Kulturbundaufgaben höchst lebendig kennzeichnete. 0. 3. Frankfurt a. M. Das Jüdische Lehr h aus kündigt u. a. die folgenden Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften an: Mont a g : W e r n e r ,.Englische Uebungen für Fortgeschrittene' (19 Uhr): Eschwege ,,Religiöse Vorschrift und Brauch" (20.15); N e u!i a u s „Mischno Sehabbos" (20.15); Lcibowitz „Buch Esra" (21.15); „Französische Uebungen für Fortgeschrittene" (20.30). Dienstags: Salzberg e r „Propheten Israels11 (20.15): Salomon „Englisch-amerikanische Konversation" (20.15). M i t't w o c h s : Weil ' „Nahrungsmittclchemie" (20.15): Werner ..Englische Uebungen für Fortgeschrittene (20.30): Salomon „Lektüre des Babbit" (20.30). Donnerstags: Werner: „Englische Uebungen für Fortgeschrittene11 (19); W erner „Englische Uebungen für Fortgeschrittene" (20.30). Nähere Auskünfte durch das Sekretariat. Krefeld Am 26. Mai fand eine Tagung des rheinischwestfälischen Rabbiner Verbandes statt. Nach Eröffnungsworten durch den Vorsitzenden Rabbiner Dr. ~S c h ö n b e r g e r (Aachen) begrüsste dieser die neuen Mitglieder des Verbandes und gab einen Geschäftsbericht. Gemeinderabbiner Dr. K o b e r (Köln) behandelte die sich aus dem neuen Gemeindegesetz ergebende Stellung des-Rabbiners. Nach einem geschichtlichen lleberblick über die Rechtsstellung des Rabbiners in den verschiedenen Judengesetzen und Gemeinden seit Beginn des 19. Jahrhunderts zeigte der Referent, wie sich die Stellung des Rabbiners nach dem neuen Gemeindegesetz entwickeln wird. An der Aussprache beteiligten sich die Rabbiner Dr. Philipp (Wuppertal). Eschelbacher (Düsseldorf). Neumark (Duisburg). Hahn (Essen), G all in er (Gelsenkirchen), Gelles (M.-Gladbach) und Auerbach (Recklinghausen). Es wurde beschlossen, dahin zu wirken, dass das geplante Normalstatut nicht ohne die Mitwirkung der Rabbiner geschaffen werde. In der Nachmittagssitzung entwarf Rabbiner Dr. Esehelbacher ein sehr interessantes Bild von der Amtstätigkeit seines Vaters Rabbiner Dr. Josef Eschelbacher in Bruchsal (1876 bis 1900) und entwickelte damit zugleich ein anschauliches Kulturbild von dem Leben in einer geistig regen Mittelgemeinde Süddeutschlands "im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts. Rabbiner Dr. Hahn referierte über „Für und wider eine jüdische Theologie". Bezirksrabbiner Dr. Auerbach sprach über ,.Din berachah b'issure achila" und zeigte die Entwicklung dieses Din von den taimudiseken Quellen bis zu den jüngsten Dezisoren, unter denen besonders die für die Praxis wichtige Entscheidung des Aruch haschuichan hervorzuheben ist. . A. Mannheim Das Jüdische Lehrhaus versendet den. Sommerlchrplan. Er sieht u. a. Vorlesungen über- Auswanderuntrskunde (Dr. O p p e 1), Jugendpflege und Jugenderziehung (Frau Grünebaum), Säuglingspflege und Ernährung (Dr. G. Strauss), Mathematik für Handwerker und Techniker, Physik des Alltags (Ing. Moos), das hebräische Lied (G. Kohn), den Tenach (Rabbiner Richter), Ausgewählte Bibelkapitel (Dr. M a r g u 1 i e s). die Geopolitik Palästinas (Dr. "O. S iraoii), vor. Hinzu kommen Sprachkurse, Buchführung, Maschinenschreiben, Nähen und Zuschneiden, Photokurse, Handfertigkeit, Chorsingen usw. Einzelheiten durch das Sekretariat E 7, 28, Fernsprecher: 21 685. Konzerte und Vorträge Vor zahlreichem Publikum umriss Max Osb o r n in einem Vortrag im JüdischenKul* turbund Berlin die kulturhistorischen Hintergründe des monumentalen Werkes des Michelangelo. Es ging dabei um die Zeitgenossen, die auf italienischem Boden der Plastik und der Malerei Wert und Dauer verliehen, es ging um die Kunstzentren der Renaissance: Florenz und Rom. Und wie neue Gegenstände, neue Themen in die Kunst der Zeit Eingang fanden, so begann auch das Stoffgebiet des" Alten Testamente die Menschen dieses Zeitalters zu beschäftigen. Wesen und Stolz des Florentiners kennzeichnen einen der Grösslen, Michelangelo, man hörte allerhand aus der Frühzeit dieses genialen Künstlers, dem Lorenzo Medici fünf Dukaten im Monat an Taschengeld gab, als er ihn zu beschäftigen wusste, man erfuhr von Ghirlandajo, von Bertolde, dem Donatelli-Schüler, nicht zuletzt von den Jugendwerken Michelangelos, sei es in der Plastik, sei es in der Malerei. Der Zentaurenkampf, jenes Relief des jugendlichen Künstlers, die Faunsmaske, die er nach einer antiken Fassung geschaffen, das Tondo mit der Madonna und den Heiligengestalten, schliesslich die Cupidofigur aus der Bologneser Zeit, das alles sah man im Lichtbild, bis schliesslich das oeuvre Michelangelos in seinen weltbekannten Leistungen an "den eifrig zuhörenden Menschen vorbeizog. O. B. Unter den Gesangsschülern, die Else C o h n - Prausnitz an einem Abend herausstellte, hat man als stärkste Kraft Sima Glücks mann zu buchen, die mit vollem, gutsitzendem Ton und lebendiger Gestaltungsweise auch drei eigenwillige, warmempfundene Gesänge aus dem Zyklus „Jeruscholajim" von Else Cohn-Prausnitz zur Uraufführung brachte. Durch gewinnenden Vortrag wirkte auch Hilde Salomon, während bei Lotte Ruttin vor allem die Tragfähigkeit des Organs anzuerkennen ist. Der begleitende Gustav Säbel steuerte Händel und Chopin bei. H. Fr. Bruno und Milly B endis gaben im Rahmen' der Künstlerhilfe -Veranstaltungen einen bunten Kleinkunstabend. Die kluge, vielseitige Kabarett-Folge des Künstlerehepaares freute die zahlreich Erschienenen sehr. . Lautenmusik, Jazz auf Saxophon und Flügel, Chansons (Text und Musik sehr oft vom Ehepaar), Zauberei und Blubberei, alles das wurde reizvoll serviert, so dass man sich ausgezeichnet unterhielt an diesem Abend. M.L. Die Sammlung Bleichröder Der Kunstbesitz Dr. James von Bleichröder zeigt eine einheitliche Linie: die Franzosen herrschen im Mobiliar, in Farbstichen und Gemälden, während das Porzellan mit China und Meissen bestens vertreten ist. Unter den neueren Meistern brachte Max Liebermanns „In der Schleifmühle", ein aus dem Jahre 1893 signier- - Gebt am 12. Juni für das jüdische Kind Am Sonntag, 12. Juni, kommen die ehrenamtlichen Sammler der Jüdischen Gemeinde, um Gaben für das jüdische Kind entgegenzunehmen. Die Jüdische Gemeinde bittet, reichlich zu geben,* damit sie allen jüdischen Kinderen, deren Eltern nicht, in der Lage sind, ihnen eine frohe Ferienzeit zu bereiten, Sonne und Erholung schaffen können. Keiner darf sich ausschliessen, jeder muss helfen! Die Sammler legitimieren sich durch einen orangefarbenen Ausweis der Jüdischen Gemeinde zu Berlin „Für das jüdische Kind", der mit der Unterschrift des Sammlers versehen ist. Der Spender erhält eine rosafarbene Quittung mit der aufgedruckten gespendeten Summe. Postscheckkonto der Jüdischen Winterhilfe Berlin, Berlin Nr. 93 446 (mit dem Vermerk „Für das jüdische Kind"). tes Bild, 2000 RM. Holländische Gemälde und Meisterwerke von Pesne, anerkannte Pariser Möbel, französische und flämische Wandteppiche, Plastik in Marmor, Holz und Terracotta des 15. bis 16. Jahrhunderts erzielten recht beachtenswerte Preise und stellten sich einem zahlreich erschienenen, kauffreudigen Publikum. " Dr. 0. B. Jüdischer Kulturbund Berlin Wochenplan Theater in der Konimandantcnstr. 57, 20 Uhr: „Die schöne Helen a". 15. Juni (Abonnement, und Abt. 461, 13. Juni (Abt, 4. 14. 44: 44 000—44 04&>r 14. Juni (Abt. 23, 38, 44 : 44 050-44 099). 15. Jünr (Abt. 5, 14, 41: 4110CK44 199), 16. Juni (Abt. 6. 16, 44 : 44 200—44 249). Kulturbundsaal, Komraandantenstr. 58/59, 20 Uhr: 13. und 14. Juni: 2. und 3. Vortrag Dr. Anneliese Landau: 16. Juni: Vortrag Dr. Erich Lichtenstein und Werner Bukofzer. ^udiM^eQeAaSi^ PER PILpTnPEN küttSX Die Königin von Saba Plastik an der Kathedrale von Reims Fot. Archiv liiiiimiiHiiiiiiiiiüiiimniuiuiiim! Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, E. V., hält ihre diesjährige Mitgliederversammlung am Donnerstag, 16. Juni, 20 Uhr, im Jüdischen Brüdervereinshaus, Kurfürstenstrasse 116, ab. Dr. Arnold Berney wird über das Thema „Der makka bäische Staategedanke und seine Wurzeln in der Geschichte" sprechen. Publique Bediente Gemeindeverwaltung vor 200 Jahren Von Dr. Jacob Jacobson Auch dem oberflächlichen Kenner jüdischer Geschichte werden bestimmte Vorstellungen wach, wenn die Rede darauf kommt, dass sich im Familienbesitz noch aus Urväterzeiten ein Schutzbrief oder gar ein Hoffaktorpatent erhalten habe. Man weiss nachgerade auch, dass sich die Juden vor der Emanzipation ihre bürgerliche und gewerbliche Existenz durch bestimmte Rechtstitel sichern mussten, und dass sie sie im Rahmen der staatlichen Bevölkerungspolitik, nur gestützt auf Schutzbriefe, Konzessionen und Privilegien, behaupten und entwickein konnten. Man weiss wohl auch, dass ein solcher „ordentlicher Schutzjude" das Recht hatte, ein oder zwei Kinder anzusetzen, das heisst regulär zu verheiraten und an seinem Schutzrecht teilnehmen zu lassen. Und es ist wohl heute auch allgemein bekannt, was es mit den Generalschutzprivilegien auf sich hatte, die den erfolgsbegnadeten, in die Höhe strebenden „Münzjuden", Fabrikgründern und Unternehmern verliehen wurden. Man hat es oft genug gelesen und gehört, dass diese Generalprivilegierten von der Sorge um die bürgerliche Zukunft ihrer Kinder befreit waren, weil sie alle ihre Kinder „ansetzen" konnten". Das alles weiss man, mit alledem verbindet sich ein Begriff. Aber Publique Bediente? Was sind Publique Bediente? Die Antwort ist gar nicht so schwer, sie liegt im Namen angedeutet. Es handelt sich bei dieser Kategorie um Menschen, die im öffentlichen Dienst der .jüdischen Gemeinde beschäftigt waren, um die, wie es einmal der Gemeindevorstand ausdrückte, „dem publico zum Besten benötigten Bedienten". Diese Gemeindeangestellten gehörten zum festen Bestand jüdischer Gemeinden. Jegliche Judengesetzgebung, alle preussisehen Judenedikte beschäftigen sich mit ihnen. Ihre Zahl war wechselnd, abgestuft nach der Grösse der Gemeinden. Der Handel war ihnen streng untersagt; darum war es die stete Sorge des Gesetzgebers, dass sich nicht unter der Maske der Publiquen Bedienten „unvergleitete", mit Schutzbriefen und Konzessionen nicht versehene Personen einschlichen und widerrechtlich Handelsgeschäfte trieben. Das Preussische Judenedikt von 1730 (abgedruckt bei Ismar Freund, „Emanzipation der Juden in Preussen", Band 2, Berlin 1912, S. 15 ff.) hatte bestimmt, dass „kein Rabbi, Schuldiener, Küster, Kantor, Schlächter, Totengräber und keine Wehmutter" von Privatpersonen angestellt werden durfte. Sie durften nur von der Gemeinde angenommen werden. Die Anzahl der „von der Gemeinde dependierenden Bedienten" musste der Provinzial-Regierungsbehörde angezeigt werden. Wir besitzen eine solche Aufstellung über die Publiquen Bedienten in Berlin aus dem Jahr 1737. Damals, also vor genau 200 Jahren, wurde die Zahl der Berliner Staimnjuden auf 120 festgesetzt. Im Anhang zu dieser „Designation" der 120 Judenfamilien (Geheimes Staatsarchiv, Berlin- Dahlem, Rep. 104, IV A 48) findet sich auch die Kamenslistc der damaligen Publiquen Bedienten in Berlin. Ihr Amt wird nur genannt, aber nicht weiter erklärt Kinder und die nur vereinzelt vorkommenden Knechte und Mägde werden nur summarisch' aufgeführt. Diese Liste nennt 43 Gemeindeangestellte mit den mannigfachsten Beschäftigungen und 20 unverheiratete, nicht festortsansässige Schulmeister (ambulatorii). Sie schliesst mit der stattlichen Gesamtzahl von 231 Seelen. Diese Zahl muss höchstes Staunen hervorrufen, wenn man bedenkt, dass die 120 Stammjuden mit ihren Familien sowie ihren Geschäfts- und Hausangestellten nur 967 Seelen zählten. Es drängt sich dabei ganz von selbst der Wunsch auf, einen Sinn in dieses merkwürdige Zahlenverhältnis hineinzubringen und damit die Stellung und den Aufgabenkreis kennenzulernen, den die Berliner Publiquen Bedienten auszufüllen hatten. Worin bestanden die Funktionen dieser vielen Funktionäre, und womit verdienten sie alle ihr oft sehr kümmerliches Brot? Diese Frage interessierte selbstverständlich auch in jenen entschwundenen Zeiten die preussische Regierung, die diesem Tross von Gemeindeangestellten durch Konzessionierung und Aufenthaltsgenehmigung die Arbeit ermöglichen sollte. Sie erteilte deshalb dem Gemeindevorständ, den „Aeltesten" der Berliner Judenschaft, den Auftrag, sich ausführlich darüber zu äussern, wievieleverschiedene Arten Publiquer Bedienter angestellt seien, wieviel von jeder -Art sich in Berlin befänden, wozu die Judenschaft sie nötig hätte und welche besonderen Aufgaben' dem einzelnen Beamten zuständen. Aus der Antwort, welche die Aeltesten, Abraham Levy, Kartig Goldschmidt, David Isaac und Benedict Meyer, am 2. Januar 1744 erteilten, erhält man einen Ueberblick über die Vielseitigkeit des jüdischen Gemeindelebens und über die Kompliziertheit jüdischer Gemeindeverwaltung in der voremanzipatorischen Zeit. Im folgenden wird nach den Akten des Geheimen Staatsarchivs der wesentliche Inhalt der Tabelle wiedergegeben, in der der damalige Gemeindevorstaud in übersichtlicher Form die ihm gestellten Fragen beantwortet: An der Spitze der Gemeindebeamten stand der Vizerabbi. Er vereinigte in seiner Person auch die Funktionen des Oberlandesrabbiners und hatte vermöge seiner Bestallung und seines Privilegs über den Ritus und die Zeremonien zu wachen und die der. Gemeinde gestattete Gerichtsbarkeit auszuüben. Ihm zur Seite standen vier Assessoren, die D a j j a n i m. Sie mussten, wenn sie etwa blutsverwandt waren, ihre Funktionen abwechselnd ausüben. Ein Oberkantor, ein Unterkantor, ein Sänger und ein Bassist stellten zunächst den musikalischen Teil innerhalb des Kultuslebens der Gemeinde dar. Der Oberkantor hatte an Sabbat- und Festtagen zu fungieren, während der Unterkantor an Werktagen die Gebete vortrug. Die drei K1 ö p p e r hatten den Dienst bei den Aeltesten zu versehen, und die Abgaben für die verschiedenen staatlichen Kassen einzutreiben. Sie fanden auch Verwendung als Hoch-' zeitsbitter und bei Beschneidungsfeierlichkeiten. Darüber hinaus wünschten die Gemeindeältesten die Anstellung von zwei ständigen Hochzeit s b i 11 e r n. Die fünf Schulbedienten überwachten die Synagoge mit all ihrem Inventar, hatten für die Ordnung in der Synagoge zu sorgen und wurden auch zu Diensten für die Aeltesten, Kassierer und Armenvorsteher herangezogen. Sie waren in ihren Funktionen also von denen der Klöpper wenig verschieden. Die sieben Totengräber bezogen kein Gehalt von der Gemeinde und mussten überall dort gutwillig ihre Dienste leisten, wo nicht ein Gemeindemitglied sich freiwillig dem letzten Liebesdienst an dem Toten unterzog. Die Aufsicht über den Friedhof hatte ein „Kirchhofswärter". Sechs Krankenwärter hatten die Kranken zu pflegen, doch schien ihre Zahl damals besonders im Hinblick auf die kranken Frauen und „Kindbetterinnen" unzulänglich. Drei Kollers (Schächter) hatten das Hornvieh bei denchristlichen Schlächtern und das Federvieh zu kollern (Schächten). Zwei Fleischhacker waren dazu bestellt, dai Fleisch im Gemeindescharren auszuhacken. Jeder von ihnen hatte einen Bedienten, um das Fleisch in die Häuser abzuliefern. Die zwei Scharrenschreiber mussten das Fleisch — wöchentlich ungefähr 20 Ochsen — unter der Gemeinde repartieren und verkaufen, die Gelder dafür einziehen, die christlichen Schlächter bezahlen und genau Rechnung führen. Drei Bäcker wurden „eigens dazu gebraucht, um den Tag vor dem Sabbath vor (für) der ganzen Gemeinde das Essen im Ofen zu schieben, die Backöfen zu hitzen (heizen) und zu verschliessen, des folgenden Tages aber einem Jeden das Seinige wieder auszuliefern, das Gebratene auf Hochzeiten und die Wochen hindurch zu besorgen, welches alles unsere Glaubensgenossen selbst bestellen und zubereiten müssen; ingleichen müssen dieselben im Osterfeste die ungesäuerten Brod(e) vor der ganzen Gemeine besorgen, weshalb diese Arth Bedienthe bej unserer Gemeinde höchst nöthig ist." (Schluss folgt.)